? Des Grafen von Struensee Schreiben an seine Mutter (Samme som 2.9.22, men anden udgave)

Des Graven von Struensee Schreiben an seine Mutter. 1772.

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denkest nicht daran, Unglückselige MMtøt! was Dein Hefter, theuerster Sohn jetzt empfindet, jetzt, da mit allen ihren Schrecken die Ewigkeit sich ihm vorstellet?Oder vielmehr,Du hast me daran gedacht,wasDein vevzarteltevSvhN, wann er ein ganzes lastervolles Leben durchlebet hatte, an dem fürchterlichen Ziele feines Dafeyns empfinden würde?——Ich aber, ich muß nun alle Schrecken des Todes fühlen, die Deiner Einbildungskraft hatten gegenwärtig seyn sollen, w-an Du das bist, was Du heißest, eine CHVlstiMI. Warum entzogst Du mich den Züchtigungen meines Vaters, wann Er gerechte Ursachen dazu hatte? Lehrte Dich nicht der Glauben, zu dem Du Dich bekennest, daß der Mensch von Natur so boshaft wäre, daß er ohne Züchtigung nicht könnte zum Guten gelenker werden? Mißgönnetest Du mir den Vorzug, der Tugendhafteste Deiner Söhne zu werden? oder wolltest Du an meinem Bey spiele der Welt zeigen, welcher Bösewicht aus

einem Muttersohne werden könnte? V+

hatte die Welt nicht genug dieser unstetigen Bey, spiele? und mußte ich eben der abscheuliche Mensch

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werden, dem sein Stand erlaubte, seinen Frevel an dem Throne zu verüben? —— Unglückseeligk ! warum tharst Du meinen Ausschweifungen Vorschub, da mein Vater mir Seine Unterstützung entzog ? Ohne Dein verwünschtes Mitleiden wäre ich vielleicht ein gesitteter Kriegömann des erhabnen Friedrichs geworden; vielleicht auch schon eines rühmlichen Todes gestorben. Der Geist der Ordnung, der das preußische Heer belebt, hätte mich von Ausschweifungen zurückger halten; und nach jeder Uebertretung wäre sogleich die Strafe da gewesen, mich zur Pflicht zurück zu rufen. —— Ach! warum mußte ich ein Arzt werden; ein Mann, dem für das Leben und die Gesundheit so vieler Menschen gewissenhaft zu sorgen obliegt? Dachtest Du denn nicht, UI glücéseelige Mutter, wie gefährlich für die Ehre eines Frauenzimmers der freye Zutritt eines Ausschweifenden wäre; und wieviele Tausende durch meine Schuld sterben oder ihre Gesundheit einbüssen würden, wenn ich mit ausschweifenden Gedanken beschäfftigt wäre, statt auf Mittel ihrer Genesung zu sinnen?

Denke Dir nun, unstetig? Mutter, Deinen Sohn in Fesseln , dem schmählichsten Tode nah; und, was noch entsetzlicher ist, von Schaam und fruchtloser Reue gequälet. Entzieh mich nun der gerechtesten Ahndung des Monarchen, an dem,

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als meinem größmüthigsten Wölthäter, ich zum Verräther geworden bin. Oder, lindre vielmehr meine Quaal, beruhige mein folterndes Gewissen; versichre mich, daß GOtt, den ich nun, zu spät! als den Richter unsterblicher Seelen erkenne, und mit Entschen bekenne, mich nicht ewig strafen, mich endlich einmal vernichten werde. —— Ach! Vernichtung ist immer meine einzige Hoffnung gewesen. Schlägt diese fehl, wie entsehlich ist dann der Gedanken von einem ewigen Richter ! — Ach! Er ist. Er ist der Allergerechteste. Er {uf} alle Wesen zur Glückseeligkeit; und Glückseeligkeit besteht in Ordnung, in Tugend. Wer diesen Weg Gottes nie gekannt, nie gesucht hat, wie kann der ein Bürger des ewigen Reiches werden, worin nur Tugendhafte leben und einander glücklich machen? Kann der Allergerechte, ohne ungerecht zu werden, einen verhärteten Sünder, der nur am Laster Vergnügen zu finden weiß, in die auserwählte Gesellschaft versehen, die durch jede ihrer Bestrebungen Sein allerhöchstes Wolger fallen verdient? Oder dürfte der Sünder es auch nur wagen, den Tugendhaften vor die Augen zu treten, denen er ein Abscheu ist? er, der frech genug gewesen ist, aller Tugend zu spotten ?

Ja ! ich, ich habe der Tugend, und des Allge: rechten gespottet; und ich fühle schon den Anfang meiner Strafe, deren Ende ich nicht hoffen darf.

Nun

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Nie werd ich die Ordnung, die Tugend wieder« Herstellen können, die ich vernichtet habe. Tausende, die durch mich ihre Unschuld verloren haben, werden in ihrem ewigen Elende mir fluchen; und unzählbare Tugendhafte, die ehrwürdigsten und schrecklichsten , werden von meinem Frevel zeugen. Wo werd ich mich vor diesen Heilige» verbergen? wohin werd ich entflieh«, um nuk nicht die Uebel zu erblicken, die ich in einem Lande angerichtet habe, wo GOtt mir, nach dem Mør narchcn, die größeste Macht anvertrauet hatte, Ordnung und Tugend in noch höherm Grade zu befördern, als ich sie zu zerstören gesucht habe?

Nun rette mich, UNglÜckstelkge Mutter, von den Strafen meines ewigen Richters, von den fürchterlichen Qualen meines nun erwachten Gewissens. Und, wenn Du es nicht kannst, so fühle mit mir alle Schrecken des Todes und der Ewigkeit. Ja, Du sollst sie mit mir fühlen; quä¬

len will ich Dich, sobald meine unglückliche Seele meinen Leib, das Werkzeug der schändlichsten Laster, wird verlassen haben. Ich will dich zum Schreckbeyfpiele aller Mütter machen, die der Haut ihrer Kinder schonen, und die unsterblichen Seelen verwahrlosen. Du sollst wehklagen, wie id jekt in meinem Elende; wehklagen, wie ich ewig werde thun müssen: weil Du von meinen kindischen Thrär nen Dich hast erweichen lassen, mich in allem Much-

willen

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willen zu starken. Dann sollst Du zu Allen, die Dich heulen hören, sagen. "Beklaget mich nicht, ihr Mütter; denn ich habe einen hoffnungvollen Sohn verzärtelt, daß er die Schande seinesVaters, und der Verräther des liebenswürdigsten Königes geworden ist. Seyd unerbittlich gegen jeden Muthwillen eurer gefälligsten Kinder; und erzieht sie mit solcher Strenge, daß Ordnung und Tugend ihnen zur Gewohnheit werden."

3. F. Struensee.

Zur Erbauung des christlichen Lesers folgt noch

ein Lied auf unsre Zeiten.

GOtt vom Himmel, hilf uns bald? Schon wächst das Laster mit Gewalt, zerreißt der Tugend sanftes Band, und stört das Glück in jedem Stand'.

2.

Der echten Keuschheit hoher Ruhm fehlt Tausenden im Christenthum'.

Der freche Jüngling rühmt sich [rey wie mächtig sein Verführen sey.

3.

Wie manche schändet ihr Geschlecht, erträgt der Unzucht wilden Knecht, winkt seinen Blicken Beyfall zu,

und opfert selbst ihm Ehr' und Ruh'.

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Auf Schutt der Unschuld aufgefuhrk, und durch Verkauf des Gifts geziert, steht manches Haus hie offenbar der spätem Unschuld zur Gefahr.

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Da stürzt die Hoffnung sich herab, die Gott noch keuschem Vätern gab.

Da reizt die Jugend zum Betrug'

Md Diebstal'ihrer Lüste Zug.

6.

Da wird die Nachwelt blaß und schwach, voll Krankheit und voll Ungemach;

Sie trägt einmal mit Ungeduld der Väter unbekannte Schuld.

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Ach, da zerfließt des Landes Krafl^ die Quelle, die Gesundheit schafft, die Stärke zur Geschäftigkeit, der Muth, der nicht Gefahren scheut»

SS.

Wenn Lusttrieb, solcher Sünden 008, nicht weiß, wie er sich reizen soll:

Verläßt er die gewohnte Spur, wird viehisch wider die Natur.

9. Ach?

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Ach! wüßten's Mächtige der Welk, wie hie des Landes Bau zerfällt!

Kein äusrer Feind ist je so stark, als Unzucht in der Bürger Mark.

io.

Des Ehstands Treu' wird kühn veracht^ weil selten Lieb' ihr Bündniß macht; im Vorsatz', Lastern zu entfliehn, und Kinder Gottes zu erziehn. 14

LI.

Dem Ehestifter, Dir, dem HErr» zu dienen, ist von ihnen fern.

Für Dich und für ihr Vaterland wie selten ist ihr Herz entbrannt!

12.

Doch, noch ein Häufchen, HErt, ist Dem; Laß ihren Bund gesegnet seyn.

Gib ihnen frommer Kinder viel.

Wie sie zu seyn, sey Andrer Ziel.