Des Grafen Struensee Schreiben an seine Mutter.

Des Grafen Struensee Schrieben an seine Mutter. 1772.

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S Ju denkest nicht daran, unglückselige Mutter! was Dein bester theuerfter Sohn jetzt empfindet, jetzt, da mit allen ihren Schrecken die Ewigkeit sich ihm verstellet? Odervielmehr,Du hast nie daran gedacht, was Dein verzärtelter Sohn, wann er ein ganzes lastervolles Leben durchlebet hatte, an dem für chterlichen Ziele seines Daseyns empfinden würde?— Ich aber, ich muß nun alle Schrecken des Todes fühlen,die Deiner Eiybildungskraft hatten gegenwärtig seyn sollen /wenn Du das bist, was Du herssest, eine Christin. Warum entzogst Du mich den Züchtigungen meinesVaters, wann Er gerechte Ursachen dazu batte? Lehne Dich nicht der Glaube, zu dem Du Dich bekennest, daß der Mensch von Natur so boshaft wäre, daß er ohne Züchtigung nicht könnte rum Guten qelenket werden? Mißgöm nettst Du mir den Vorzug, der Tugendhafteste Deiner Söhne zu werden ? oder wolltest Du an

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meinem Beyspiele der TBelt zeigen, meleher Bh

sewichl aus einem Muttersohne werden fonte — O! harre die Welt nicht genug dieser unseligen lp! und mußte ich eben der abscheuliche Mensch werden, dem sein Stand erlaubte, seinen Frevel an dem Throne zu verüben? — Unglückseligewarum rhatst Du meinen Ausichlveisungen Vorschub, da mein Vater mir Seme Unterstützung entzog? Ohne Dein verwünschtes Mulelden wäre ich vielleicht ein gesitteter Knegsmann des erhabnen Friedrichs geworden; vielleicht auch schon eines rühmlichen Todes gestorben. Der Geist der Ordnung, der das preußische Heer belebt, hatte mich von Ausschweifungen zurückgehalten; und.nach jeder Uebertretung wäre sogleich die Strafe da gewesen, Mich zur Pflicht zurück zu rufen. - Achwarum mußte ich ein Arzt werden ; ein Mann, dem für das Leben und die Gesundheit so vieler Menschen gewissenhaft zu sorgen obliegt 1 Dachtest Du denn nicht, unglückselige Mutter, wie gefährlich für die Ehre eines Frauenzimmers der freye Zutritt eines Ausschweifenden wäre; und wie viele Taufende durch meine Schuld sterben oder ihre Gesundheit einbühen würden, wenn ich mit ausschweifenden Gedanken beschäftiget wäre, statt auf Mittel ihrer Genesung zu sinnen?

Denke Dir nun, unstetige Mutter, De nen in Fesseln, dem schmählich sten Tode

nah;

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nah; unöwas noch entsetzlicher ist,vonSchaam ! Md f «chtloser Reue gequakt. Entzieh mich nun der gerechtesten Ahndung des Monarchen- 1 an dem,als meinem großmü thigsten Wohllhärer, ich zum Verråther geworden bin. Oder- ' lindre vielmehr meine Quaal, beruhige mein folterndes Gewissen; verstchre mch, das Gott, den ich nun, zu spat.' als den Richtet unsterblicher Seelen erkenne, und mit Entsetzen bckeiu i ne, mich nicht ewig strafen, mich endlich einmal vernichten werde. - Ach! Vernichtung ist im- j mer Meine einzige Hoffnung gewesen. Schlagt diese fehl, wie entsetzlich ist dann der Gedanken von einem ewigen Richter! - Ach! Er ist, Er ist der Allergerechteste. Er schuf alle Wesen zur Glückseeligkeit; und Glückseligkeit besteht in : Ordnung, in Tugend. Wer diesen Weg Gott s tes nie gekannt, nie gesuchthat, wie kann der ein z Bürger des ewigen Reiches werden, worin nur Tugendhafteleben und einander glücklich machen? Kann der Alleraerechte, ohne ungerecht. zu werden, einen verhärteten Sünder, der nur: am Laster Vergnügen zu finden weiß, in die .j auserwahlte Gesellschaft versetzen, die durch je-' de ihrer Bestrebungen Sein allerhöchstes Wolgefallen verdient? Oder dürfte der Sut. der es auch nur wagen, den Tugendhaften vor die Augen zu treten, denen er ein Abscheu ist? er, der frech genug gewesen ist, aller Tugend zu spotten?

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Sa? ich ,habe der Tugend, und des Allgerechten gespottet; und ich fühle schon den Anfang meinerStrafe, deren Ende ich nicht hoffen darf. Nie werd ich dir Ordnung, dir Tugend wiederherstellen können, die ich vernichtet habet Tauzende, die durch mich ihre Unschuld verloren haben, werden in ihren ewigen Elende mir fluchen; und unzählbare Tugendhafte, die ehrwürdigsten und schrecklichsten, werden von meinem Frevel zeugen. Wo werd ich mich vor diesen un? verbergen? wohin werd ich entflicht,, um nur nicht die Uebel zu erblicken, die Win einem Lande anger ichtet habe, wo Gott mir, nach d m Monarchen, die grösseste Macht anvenrauet hatte, Ordnung und Tugend in noch höherm Grade zu befördern, als ich sie zu zerstören gesucht habe ?

Nun rette mich, unglückselige Mutter, von den Strafen meines ewigen Richters, von den fürchtet liehen Qualen meines nun erwachen Gewissens Und, wenn Du es nicht kanst, pi mit mir alle Schrecken des Todes und der Ewigkeit. ^ Za, Du sollst sie mit nur füh? len; quälen will ich Dich, sobald meine Unglück? liche Seele meisten Leib, das Werkzeug der schändlichen Laster, wird verlassen haben. Ich will dich zum Schreckbeyfpiele aller Mütter machen, die der Haut ihrer Kinder schonen, und die unsterblichen Seelen verwahrlosen. Du list wehklagen, wie ich jetzt in meinem Elende;

weh-

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wehklagen, wie ich ewig werde thun üssen: weil Du von meinen kindischen Thränen Dich Haft erweichen lassen, mich in allem Much willen zu starken. Dann sollst Du zu Allen, die Dich heulen hören, sagen. " Beklaget mich nicht, ihr Mütter; denn ich habe einen hosknungvollen Sohn verzärtelt, daß er die Schande seines Varers, und der Verrarher des liebenswürdigsten Königes geworden ist. Scyd unerbittlich gegen jedenMuthwillen eurer gefälligsten Kinder; und erzieht sie mit solcher Strenge, daß Ordnung und Tugend ihnen zur Gewohnheit werden. „

3* F. Srrucnjee.

Ein Licb auf unsre Zeiten.

r.

504 Gott vom Himmel, hilfuns bald! Schon wachst das Laster mit Gewalt, Zerreißt der Tugend sanftes Band, Und stört das Glück in jedem Stand'.

Der echten Keuschheit hoher Ruhm Fehlt Tausenden im Cbristenthum'. Der freche Jüngling rühmt sich Frey, Wie mächtig sein Verführen sey.

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Wie manche schändet ihr Geschlecht. Erträgt der Unzucht wilden Knecht, Winkt seinen Blicken Beyfall zu,

Und opfert selbst ihm Ehr und Ruh',

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Auf Schutt der Unschuld aufgeführt. Und durch Verkauf des Gifts geziert, Steht manches Haus hie offenbar Der spätem Unschuld zur Gefahr.

So

Da stürzt die Hofnung sich herab,

Die Gott nach keuscher» Vätern gab. Da reizt die Jugend zum Betrug'

Und Diebstal' ihrer Lüste Zug.

6.

Da wird die Nachwelt blaß und schwach, Voll Krankheit und voll Ungemach; Sie tragt einmal mit Ungeduld Der Väter unbekannte Schuld.

7-

dd, da zerfließt des. Landes Kraft,

Die Quelle, die Gesundheit schaft,

Die Starke zur Geschäftigkeit,

Der Muth, der nicht Gefahren scheut. 8.

Wenn Lusttrieb, solcher Sünden voll. Nicht weiß, wie er sich reizen soll, Verläßt er die gewohnte Spur,

Wird viehisch wider die Natur.

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9-

Ach! wüßten's Mächtig) der Welt,

Wie hie des Landes Bau zerfallt! Kein ausrer Feind ist je so stark,

Als Unzucht in der Bürge Mark.

10.

Des Ehstanös Treu' wird kühn verachte, Bil selten Lieb' ihr Bündniß macht; Im Vorsatz', Lastern zu entfliehn, Und Kinder Gottes zu erzieh».

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Dem Ehestifter, Dir, dem Herrtr Zu dienen, ist von ihnen fern.

Für Dich und für ihr Vaterland Wie selten ist ihr Herz entbrannt!

7 2.

Doch, noch ein Häufchen, Hert, ist Dein; Laß ihren Bund gesegnet seyn.

Gib ihnen frommer Kinder viel/

Wie sie zu seyn , sey Andrer Ziel.