? Gespräch zwischen Struensee, Brand, Philantrope und dem Schliesser. Aus dem Dänischen ins Hochdeutsche übersetzt.

Gespräch

zwischen

Struensee, Brand,

Philantrope

und dem

Schliesser.

Aus dem Dänischen ins Hochdeutsche ubersetzt.

Gedruckt zu Humelhof, 1772.

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Gespräch

zwischen

/ Brand / Philantrope und dem Schließer»

Struensee. Nein, das soll doch niemand auf mich bringen und mir beweisen können, daß —^ Wes mag man mich beschuldigen; aber eine solche schändliche That — an einem so liebenswürdigen Könige!

Schliefer. Dac ist er man eben, où dak sag o alle Lüt,

Brand. Du kamst wohl jeho eben aus dem Verhör. Was beschuldiget man dich denn mein lieber Struensee, baß du darüber so aufgebracht bist?

Struensee. Solte ich darüber nicht aufgebracht werden, wenn man mir —, ich kann es ohne Wehmuch nicht sagen.

t s Brand.

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4 N, M cf?

Brand. Und mir nicht sagen? das muß wichtig seyn. Ich merke nun wohl, aber zu spät, daß du mir jederzeit das Wichtigste verschwiegen hast. Das folke ich vorher gewust haben, so —

Struensee. Ey / sprich doch nicht so wunderlich. Du weist, daß ich dir nichts verborgen gehalten, Und dir fast alle meine Gedanken geoffenbarec habe. Kanst du dich wohl erinnern, daß ich jemahlen Mord, Blut und dergleichen verübscheuungswürdige Gedanken geheget habe? Wie man mich beschuldigen will.

Brand. Sey doch nicht thörigt. Wie habe ich denn wissen können, ob Mord und Blut in deinen Gedanken gewesen? Es wäre sehr gut, wenn es nur Gedanken geblieben waren, und dein Temperament/ wozu fich dergleichen Gedanken sehr schlecht zu passen scheinen, hatte sie gänzlich unterdrückt.' Aber wozu verleitet nicht oft der Hochmuth

Schließer. Seht mahl, wo klok dat hei nu snacken kan!

Brand. Ihr närrischer Kerl, wißt ihr das alte Sprichwort nicht: Mut Schaden wird man klug. — Doch wir kommen zu weit ab. Du weitest mir ja erzehlen, Struensee, was man dich beschuldiget, und wie man dich im Verhör bewilikommet hat.

Struen-

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ølmenfee, Mit der Bewillkommung bin ich so ziemlich zufrieden; denn der so lange Bart, der mir ziemlich unbequem war, und die Last der Ketten, die mich nicht wenig bisher gedrücket, wurden mir vorher abgenommen, und zu sien erlaubet.

Brand. Das wundert Mich sehr, daß man dir so höflich begegnet. Aber worinnen bestund denn diese dir so wehmüthige Beschuldigung?

Struensee. Gleich anfangs war es mir ärgerlich, da ich hörte, daß man mir alles auf das schlimmste auslegte, was ich in der redlichsten Absicht unternommen hatte,

Brand. Du mußt wohl viel redliche Absichten gehabt haben, wie man aus deinen Handlungen abnehmen, und aus allen gedruckten Nachrichten deutlich lesen kann.

Struensee. Wenn du dein Spotten nicht unterlaßt, so —-

Brand. Ev, ey, Struensee, bald wird dein kaltes Blut in Wallung gerathen. Ich will dir heilig versprechen, nun ernsthaft zu seyn.

Schließer. Dat mot ock syn, hei mot em Nich e mmer vexcren,

Struensee. Ich weis nicht, wie du den deinem so harten Schicksal so spöttisch und leichtsinnig seyn kaust.

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Brand, Wenn du nur deine Sachen niche so leichtsinnig angeiangen haktest, gewiß, es stünde besser um uns. Nun kanst du immer leichtsinnig styn, und alles aus dem Sinn schlagen, so wird deine Roch leichter.

ScKkiesser. Lat em doch erst utverkellen. >

Brand. Ich bin es ja zufrieden und höchst' begierig es zu hören; um deswillen habe ich auch versprochen ernsthaft zu styn.

Struensee. So höre denn, mein lieber Brand, was man mich beschuldiget, ich softe nach dem Leben, Krön und Scepter des so theuren besten Königes, der mich nie beleidiget hat, gestrcbet haben. Habe ich von dergleichen gefährlichen Sachen wohl jemahlen mit dir gesprochen.

Brand. Das kann ich mich so deutlich zwar nicht erinnern. Aber etwas muß doch daran styn, sonst dürfte man es ja nicht schreiben, noch weniger drucken und öffentlich verkaufen.

Struenste. Du bist ein dummer Teufel, wenn du alles gerade weg glaubest was wider mich geschrieben und gedruckt wird. Ich habe alles gelesen, und wundere mich sehr, wie man solch widersprechendes , und hohe Personen beleidigendes Zeug zu drucken und öffentlich zu verkaufen, noch gestatten kann, Wider mich zu schreiben und zu nun, da ich einmal gestürzt bin, alles

erlaubt

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erlaubt, es mag wahr oder erdichtet styn. Mancher armer Sünder, der mich in seinem Leben noch nie gesehen, fühlt einen Beruf in seinen Magen, wider mich das grausamste zu erdichten, und Briefe vom Teufel und dergleichen an mich zu schreiben, weil vorjetzo so viel zu erwerben ist, um damit den ausgehungerten Magen zu füllen.

Brand. Es scheinet beynahe, daß du auch sogar die gedruckten Nachrichten, welche Arme und Reiche für Wahrheit kaufen, verdächtig und für erdichtet auögeben wilst. Du kanst dich meisterlich vertheidigen: und bedenke einmahl, Struensee, wenn ich dich nun auch vertheidigen woste , was würde wohl unser Gespräch werth seyn? Nein, du mußt alles mögliche ausgeübet haben, damit man immer begieriger wird, etwas neues von dir zu lesen.

Struensee. Ich schwöre dir es zu, mein lieber Brand, daß ich nichts unternommen habe, was nicht zu des Landes Nutzen, und zum Wohl der Une terthanen des besten Königes gerichtet gewesen wäre.

Brand. Schweig damit, das glaubt dir niemand. In der That, du mußt zwey Zungen haben; denn in deinem vorigen Gespräch bestimmtest du dich ja selbst zum Tode, also mußt du dir gewiß nichts Gutes bewußt styn, und nun wilst du wieder in allen unschuldig styn. Wie. räumt sich denn das?

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Struensee. So sage mir denn, was ich für Mssethaken begangen haben soll, die einer solchen Begegnung und Abscheu, in welchem ich bey jedermann bin, verdienen?

Brand. Nur mit wenigem. Worzu solle der so kostbare Wagen?

Struensee. War ich nicht Graf? Hatteich nicht die höchste Ehrenstelle durch sonderbare Gnade erhalten? Konnte also wohl dieser Wagen für Meinen Character zu kostbar seyn, wenn ich dem Hofe Ehre machen wolle ? Und das war meine Absicht.

Brand. Aber, mein lieber Struensee, die Mühen, welche deine Heyducken tragen sotten, die Zierrathen daran, der verzogene Name und dergleichen verdächtige Kennzeichen. —

Struensee. Ich will nicht hoffen, daß mir dieses als ein Verbrechen ausgelegt werden soll.

Brand. Allerdings, eben weil es allzuverdachlig ist.

Struensee. Du bist nicht klug. Es war ja nur meine eigene Erfindung, die weiter nichts bedeuten solte, als mich kenntbar zu machen, und von andern zu unterscheiden. Und ich kann dich versichern , daß ich mich auf meinen neuen Staat im voraus ungemein gefreuet habe, und —

Brand. Ich bin gewiß überzeugt, daß dieser neue Staat, worauf du dich gefreuet, ein deutlich

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Zeugniß von deinen bösen Absichten und von dem Mißbrauch der unverdienten Gnade ablegen wird»

Struensee. Du bist mir doch in allem zuwider, und lastest mich niemahlen ausred; n» Treten sie naher, Hert Philanrrop, da ich merke, daß sie unser Gespräch aufmerksam angehörek haben, so urtheilen sie emmahi von meinen Absichten. Ich bin es höchst überdrüßig, mit Brand ferner zu sprechen.

Brand. Das bin ich sehr wohl zufrieden.

Struensee. Urrheilen sie also frey, mein Freund, ob man aus meinen Handlungen etwas verdächtiges und so grund böse Absichten schließen kan»?

Philantrop. Es ist mir von ihrer beyderfeitigen Unterredung fast kein Wortverlohreu gegangen, und habe derselben als ein Freund der Person und als ein Feind des Lasters zugehöret. Es ist aber schwer, Ihnen, Hert Gras hierinnen vollkommen Genüge zu leisten; denn die Absichten lassen sich keinesweges aus den Handlungen erklären, weil man oft zu kurzsichtig und zu partheiifch urtheilet. Sie mögen nun Ihre Handlungen und Absichten so unschuldig und untadelhafr halten, als Sie wollen; so könnende es dennoch nicht gewesen seyn, weil sie nicht-öie Religion, die göttliche Religion, als die einzige Stühe des Staats,zum Grunde hatten.

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Struensee. Solte denn diese so mächtig seyn? Diese habe ich nie geachtet, weil die Verkündiger und gleichsam Verwalter derselben nicht selten schrecklicher wider einander wüthen, als oft die ungezähmtesten Barbaren kaum thun können. Und wie viel Blutvergiessen ist nicht oft dadurch geschehen!

Phikantrøp. Ey, mein Freund, Sie irren sich sehr, wenn sie glauben, daß die einzige wahre Religion jemahlen ein Unglück in der Welt anz gerichtet et habe. Es ist vielmehr ein untrügliches Kennzeichen, daß, wenn ein Mann unter dem Vorw ind der Religion Unruhe stiftet, er nichts weniger als diest so sanfte Religion besitzen könne; weit sie selbst zum Frieden und Eintracht anmahnet.

øtt'uenfee. Es sind aber doch wirkliche B-yspiele von solchen zanksüchtigen Männern vorhanden. Was sagen Sie darzft?

Ptzilantrøp. Dergleichen sind mir leider a ch) allzu bekannt. Und ich dachte, daß ein solcher Mann, der aus eitlen Absichten unter dem Schein der Religion Zank suchte, eine weit härtere Ahndung oder wenigstens an Ihre Seite gesetzt zu werden, verdienete.

Struensee. Das wolte ich mir höflich verbitten, wen! mir solche Leute unerträglich sind.

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Doch wenn es styn müßte, fo möchte ich dir, Brand, solche Gesellschaft gönnen.

Brand. Er soire mir sehr willkommen styn. Ich wolle auch bald mit ihm fertig werden. Und ec verdiente eben fo wohl wie du hier eine Stelle, damit sein Hochmuch gezüchtiget würde.

Struensee. Luft du etivan gar mit diesem Mann, dessen böse Absichten jedermann in die Augen leuchten, mich in Vergleichung stellen? Schäme dich. Kan man denn von mir behaupten, daß ich jemand dem Volk verächtlich gemacht hatte, wenn man nur meine Absichten nach meinen Sinn erklä vn welke?

Brand. Allerdings Haft du dich selbst den allem Volk durch deinen Hochmuth und durch Geringschätzung alter verdienter Männer so verhaßt gemacht, daß auch die geringste Neuerung allen verdächtig schien, und man mit allen Kräften an deinem Falle arbeitete. Wie bald fand sich darzu Gelegenheit!

Struensee. Zielten denn meine Neuerungen auf jemandes Verderben oder zum Umsturz des Reiches ab?

Brand. Es wird doch durchgängig für gelriß behauptet, und hat sich noch niemand gefunden, als du selbst, der dich vertheidiget hätte. Es ird sich so leicht auch niemand finden, denn du

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bist in allen Nachrichten gar zu schlecht abge mahle.

Struensee. Kamst du schon wieder mit deinen verdammten Nachrichten, die von müßigen Köpfen erdacht und auSgestreuet werden.

Brand. Sie müssen doch so gar unrichtig nicht seyn, weil man sie sonst zu drucken verbieten würde. Deine geheimen Briefe, welche man zum Beweist sorgfältig aufbewahret, sind ja der Welt noch nicht einmahl bekant; daraus wird man viel? leicht mehr Licht bekommen.

Struensee. Ich wünsche herzlich, daß sie bekant gemacht werden möchten. Vielleicht würde dadurch meine Unschuld offenbar werden. Es ist nun aber emmal um mich geschehen, und weil ich gestürzt bin,so sucht man alles hervor, was wider mich ist: was aber noch für mich reden solte, wird sorgfältig unterdrücket und nichts geachtet. Meine größten Verbrechen sind also wohl hauptsächlich diese, daß ich kein gebohrner Graf, daß mich der König zu sehr geliebet, und daß ich die Gnade des besten liebenswürdigsten Monarchen gemißbrauchet habe. Was meinen Sie, Hert Philantrop?

Philantrop. Hätten Sie, mein lieber Graf, die Religion jederzeit Ihre Führerin seyn lassen, und sie in allen Ihren Handlungen zu Rache gezogen, so würden Sie nimmermehr auf Irtwege

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wege die Sie jetzt in das größte Elend stürzen, ge: rathen styn, und wenn Sie auch von noch so niedriger Geburt gewesen waren. Ich Habs ein Herzliches Mitleiden mit Ihnen, daß Sie sich so bekhören lassen. Ich wünschte, daß Sie in der That so unschuldig styn möchten, als Sie styn wollen. Gesetzt, Sie wären, wie Sie behaupten r höchst unschuldig, so haben Sie es vielleicht auf der andern Seite desto harter verdienet. Denn die Religion, als das dauerhafteste Band aller Gesellschaften, verachten und sie lächerlich zu machen suchen, und, wenn es möglich wäre, sie gänzlich auszurotten, verdienet schon die gerechteste Ahndung. Welch un: auslöfchliches Aergerniß, ach ! ich darf ohne Entsetzen nicht daran denken, haben sie durch die Erfindung mit einem unvernünftigen Thiere nicht ungerichtet. Wäre dieses allein nicht hinlänglich, daß die gerechte Rache Ihnen wie der Schatten nachfolgete. Hier haben Sie Gelegenheit, die erstaunenswürdige Langmukh des Höchsten mit Ehrfurcht zu bewundern. Es komt aber alles zu seiner Zeit.

Struensee. Ja, ich gestehe es aufrichtig, daß ich nichts weniger als die Religion geachtet, und ich habe mich hierinnen nach den berühmten Staatsmännern bilden wollen.

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Philantrop. Darzü war Ihre Klugheit nicht hinlänglich, und Ihre Einsichten allzu kurz. Genug, bas Natürliche darzu fehiete Ihnen, Mid eine satisame Erfahrung, die dabey höchst nothwendig ist, konten Sie in so wenig Jahren ohnmöglich erworben haben. Sie hatten also Ihre Kräfte vorhero prüfen und sich nicht zu weit aus Ihrem Zirkel wagen sollen. Hätten Sie sich aber von der Religion vorzüglich und denn von alten an diesem Hofe grau gewordenen Staatsmännern unterrichten lassen; so hatte noch vielleicht ein tüchtiger Staatsmann aus Ihnen gebildet werden können»

Schließer. Hei har dat beter hebben könnt; hei har si dick freten on supen, on lustig daby syn könnt: aberst von de Staatösaaken har hei wegbliben most. Dar verstun hei «ich»

Brand» Dieser Mensch ist in Wahrheit klüger, als wir gewesen sind. Würde es jetzo nicht weit besser um uns stehen? Ich wolte, daß der erste Gedanke zu diesem uns verderblichen Unternehmen dich aufs grausamste erwürgt hatte, so würden so viele Menschen mit uns so unglücklich nicht ey. Was mich noch am meisten kranket, und dich auch gewiß nicht wenig foltern wird, ist die Beleidigung eines so gütigen und liebenswürdigen

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Philantrop. Hatten Sie beybekftiks Mich vorher um Rath gefraget, so würden Sie gewiß nie fln diesen Ort gekommen styn; und hätten sie folgende Regeln, die Ihnen bekant styn tonten, sielst sig auszuüben sich bemühet, so würden sie die aluckllchsten in der Welt gewesen styn, und hatten viel tausend Menschen zugleich glücklich machen könnenSle sind in Reimen also abgefasst

Gib deinem Schöpfer das, was ihm von dir gebühretErwäge wohl dein Werk, bevor es cmgMhrer,

Laß deinen llmgang sters mit wackem Leuren styn;

Und bild auf dein Talent dir immer etwas ein.

Nimm sters die Meinung an von andern klugen Leuten; Gib nach, so bald sie dir, was du gesagt, bestreiten.

Gib acht auf alle Wort', und höre jedermann.

Und Masse niemals dir die größte Klugheit an.

Mt Leuten rede nichts, wovon sie nichts verstehen;

Und laß ein redlichs Herz in allen Worten sehen. Verstrichst du irgend was, so nimm dein Wort in Acht; och gelobe nichts, bevor es wohl bedacht ey dimsthaft- angenehm, gefällig- wohl zu sprechen; Un laß an Höflichkeit bey niemand Nichts gebrechen.

. Gey frey; doch mache dich mit jedem nicht gemein. Entscheidest du ein Ding, so plumpe nicht hinein.

. Dey hold ohn Eigennutz; vergib, und liebe wieder.

Vor Grosse wirf dich gern, jedoch nicht stlavisch nieder» Was Freundschaft unterhalt, das suche bis ins Grab; Und gib dich.nimmermehr mit Rechts« Processen ab. Für Vorwitz hüte dich in andrer Leute Werken;

Doch laß dir auch nicht leicht, was dein Geschäfte, merken Ji Leyhen gönne nur der blinden Gunst den Lauf; Muß was vergolten seyn, so zähle reichlich aus.

EM Ansehn ist dir zwar, wie du dirs machst, zu gönnen; Lei) aber nicht zu weit, und wisse dich zu kennen.

Dein

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16 ex,

Dein Mitleid sey bereit, so oft dein Nächster weint; Ertrage seinen Fehl; sey stets ein treuer Freund. Besiege Schmerz und Gram, die leicht die Geister binden; Und laß, was dich verdrießt, nicht andre mit empfinden. Wo Zank und Zwietracht wohnt,da bringe Fried insHaus; Und übe keine Rach', als nur durch Wohlthun ans. Bestraf ohn herben Schimpf, und lobe recht von Herzen. Wenns mäßig, lache mit; laß höflich mit dir scherzen. Halt alle Menschen hoch, die ihre Kunst verstehn;

Und laß dein Urtheil nie zur Pralerey ergehn.

Wirs niemand wieder vor, was er von dir genossen; Vielmehr behalte dies in stiller Brust verschlossen.

Hilf deinen Freund in Noch, bevor fie Eisen bricht. Beweis ein edles Herz, und doch verschwende nicht.

Laß reg« Galle dich zum Jachzorn nicht bewegen;

Und rede nichts als wohl voa dem der nicht zugege». Für Undank hüte dich, und liebe Mäßigkeit. ¿Sey nur zur Lust beym Spiel, und zum Verlust bereit. Sprich wenig, rede wohl: Laß jeden unbetrvgrn;

Und wer dir etwas schenkt, dem sey mit Dank gewogen. Den Schuldner treibe nicht mit Grausamkeit zu Chor; Geh ihm so aufgeräumt, als wie dir selber vor.

Laß deines Nächsten Glück von Mißgunst unbegleitet; Und was inan dir vertraut, daß laß unausgebrcitet. Berühme dich mit nichts: Entdecke nichts zu frey:

Und dann so kehre dich an keine Plauderey.

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Philantrop. Ich erinnere mich hierbey einer kleinen merkwürdigen Schrift, welche bey dem Absterben des Hochsel. Königes, Friedrichs V» 1766, hier heraus kam, und betitelt war: Empfindungen bey dem Tode des Königes, dessen Verfasser aber sich nicht genennet. Es scheinet, daß derselbe schon vor 6 Jahren gleichsam im prophetischen Geiste vorausgesehen, was sich jetzo zutragen würde. Er erzählet einen Traum, welcher sich nicht uneben auf Sie beyde und Ihren Anhang zu passen scheinet. Es würde diese kleine Schrift, wenn Sie solche mit Ueberlegung gelesen, im Stande gewesen seyn, Sie von Ihrem strafbaren Unternehmen abzuhalten, Weil dieselbe nun ohne Zweifel Ihnen unbekannt ist, so will das Merkwürdigste daraus kürzlich erzählen:

Der Hert Verfasser schildert in dieser Schrift zuerst seine Empfindungen bey dem Tode des Königes; und nachdem er die Klagen unsers jetzt glorwürdigst regierenden Königes, als ihm die Bothschaft von der tödlichen Krankheit seines Herr» Vaters gebracht wurde, folgendermaßen angeführet: Mein Gott, wisst du meinen Vater in seinem besten Alter, und in der zarten Bl üthe meiner Jahre hinwegnehmen? Soll ich, der ich noch so jung bin, und dem die Erfahrung noch mangelt, schon die Bürde der Regierung tragen, und das Scepter ganzer Reiche übernehmen? So B fahret

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er in seinen Betrachtungen fort, und erzählet einen Traum, der die Wirkung der Gedanken war, mit denen er in der Nacht einger schlafen war. Er sieht Ungewitter über seinem Vaterlande schweben, und schreckliche Finsterdiese Länder bedecken. Mitten aber in diesen gieng plötzlich ein heiterer Tag auf. Ein segnendes Licht, sagt er, erfüllte den Horizont mit leuchtenden Strömen. Seraphinen, deren jeder wie eine Sonne glänzte, umgaben den prächtigen Thron, auf den ich unfern Christiangewahr wurde, aus dessen Augen Anmuth, Majestät, Gnade und Unschuld hervorstrahlten. Chöre von Engel besungen in göttlich harmonischen Tönen das Gnadenaufsehen und das Wohldes Allmächtigen über diese nordischen Reiche. Eine Stimme erschallte: Dieser hat Gott geehret, so wird ihn auch Gott wieder ehren! Hierauf erscheinen zween Engel, die einst auch die frühen Tugenden eines Christians des Vierten, und eines Gustav , welche ebenfalls in der zarten Blühte Jahre den Thron bestiegen, geschildert hatten. Diese entwarfen zwey Gemählde. Auf dem einen wurde die Confirmation des Königes abgebildet, mit der Unterschrift: Von dem Lage an ist sein Gebet erhöret. Das andere den König kniend vor, wie er, und mit

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ihm bas ganze königliche Haus, Gott um das Leben seines Vaters flehele, welches Gebet von den eifrigen Wünschen vieler Unlerthanen begleitet ward. Unter diesem Gemahlde standen die Schriststellen: i B. d.Kön. 3, 12. iz. 14.

5 VB. Mos. 33, 29. Beyde Gemahlde werden in den Tempel der Ehre gebracht, indem keine andere Thaten, als nur die, welche aus einem tugendhaften Herzen herstammen, aufbehalten werden.

Den Thron des Königes umgiebt ein heller Strom, der von dem Lichte der göttlichen Weisheit ausfleußt, und die Stüßen desselben sind die Religion, die Treue, die Wachsamkeit und der Fleiß. Von dem Throne aus verbreitete sich eine Morgenröthe über das ganze Land. So wie die prächtigen Sonnenstrahlen Zunahmen, und das glanzende Licht auf vergoldeten Wolken einherzog, begonnte die Natur sich zu vergnügen. Alles ward wie von des Frühlings göttlichem Odem belebet. Ein fruchtbarer Regen schwängerte die Gefilde.

Am Ende des Traums folget noch ein schönes Gemahlde, welches die jehigen Umstände beynahe ganz vorbildet. Sie belieben nur selbst darüber zu urtheilen, ob sich nicht sehr vieles darunter befindet, was Sie auf sich selbst anwenden könnten. Wenn ich es nicht selbst schon vor einigen Jahren gelesen hatte, so würde ich fast zweifeln.

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feln, Laß dergleichen jemand schon vor 6 Jahren vorhergesehen. Es war also vorgestellet: Unter dem Throne zeigte sich ein entsetzlicher Abgrund, mit ungeheuren Larven erfüllet, die sich vergeblich bemüheten, die göttliche Veste des Thrones zu unterwühlen, und ihn von Ausflüssen der Weisheit abzuziehen; Heer von Lastern, dessen Getöse dem Zischen unzähliger Schlangen gleich war. waren in ihrer eigenen Gestalt nicht fürchterlich, aber sie wurden es, wie sie ganz verändert aus dem Abgrunde Herausstiegen. Alls Laster, und ihre Knechte und Anhänger, waren verlarvt, und traten in der gestoblnen Kleidung der Tugend einher. Sie wagten es schon , sich zu dem Throne Christians zu nahen. Hierzu seht noch der edle Hert Verfasser: Wie ist es möglich, bey der eingeschränkten Einsicht der Sterblichen, daß auch der weiseste Fürst solchen Angriffen widerstehen, das Wahre vom Falschen unterscheiden, und den Fallstricken des Lasters entgehen kann! Aber was bey Menschen unmöglich ist, sprach der Schutzengel des Landes, ist bey Gott möglich. Die Weisheit von Oben wacht über Christian! Er gebot darauf mit donnernder Stimme, den Lastern zu entfliehen ; und die Wahrheit zeigte diesen verlarvke» Pöbel in seiner ganzen Blöße.