[Peder Rhode] Teutsches Echo, auf das Geschrey eines wahnwitsigen Scribenten, gegen die vernünftigen Verbesserungen des Staats, in der öffenlichen Schrift: De Danske Skriveres ulyksalige Skiæbne. Entworfen von Corporal PIETRO ROMANO.

Teutsches Echo, auf das Geschrey eines wahnwitzigen Scribenten, gegen die vernünftigen Verbesserungen des Staats, in der öffentlichen Schrift: De Danske Skriveres ulyksalige Skiæbne. entworfen von Corporal PIETRO ROMANO.

Kopenhagen, 1771.

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Vorbericht. Ohnstreitig belieben diejenigen einen güthigen Irrthum von mir zu hegen, die mich bewogen haben, die unter dem Titel: De Danske Skriveres ulyksalige Skiæbne, som en Følge af hemmelige Lands-Forræderes Intriguer, oplyst for Kongen, til forventende allernaadigst Forandring af T. A. bekannt gewordene Schrift, zu wiederlegen. Es ist nicht mein Beruf, von dieser Seite mich der Welt zu zeigen, ich gestehe auch gerne, nur eine kurtze Reise, in den weiten Reiche der Wißenschaften, gemacht zu haben. Indeßen finde ich Pflichten, die mich verbinden, diese Arbeit zu übernehmen.

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Mein verwegner Gegner beleidigt die Heiligsten Majestäts Rechte des Königs, beschimpft die Ministers, erfrecht sich die heilsamsten Ordres umzustoßen, die glücklich getroffene Verbeßerungen verläumderisch verdächtig zu machen, ja alles was das wahre Wohl des Staats betrist, und seinen rebellischen Kopf misfällt, in die vorige Finsterniß zurück zu stoßen.

Er bemühet sich boßhaft, die glänzenden Strahlen unserer aufgehenden Son ne, so unsern Reichen Licht und Wachsthum gibt, durch ein chaotisches Gewebe, schwärmerischer Träume zu verfinstern. Allein vergebens wird er unsern großen Monarchen, in seiner glänzenden LaufBahn, aufhalten.

Die Vorsicht krönt seine erhabnen Unternehmungen, und wir küßen Seinen Scepter mit Freuden.

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Da mein Gegner sowohl wenig Ordnung hält, als überhaupt verschiedene Ge- genstände seines Tadels wählt; so werde ich seinen groben Befehl, auf der 9ten Seite: das der Schuster bei seinem Leisten, der Schneider beim Bügel-Eisen, und der Unter-Officier bei seinem Stock und Tempo bleiben soll, nachleben, und nur die Ungereimtheit seiner wiedersprechenden Sätze zeigen, in dem Fache, so mein Geschäfte ist.

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6 Es gefält ihm auf der 8ten Seite seiner Schrift mit Unrecht, oder soll ich es recht nennen, aus Unwißenheit, zu tadeln: daß der König Ausländer in seine Reiche 3tehr, und sich daher, in die neu besetzten Collegia, Petits Maitres, Eau de Levante-Flaschen, und Pomade Herren eingeschlichen,

Es sind seinen blöden Augen, die großen Absichten unsers weisen Monarchen verborgen. Wie wenn ein kurtzsichtiger Maulwurf, aus seinen finstern Erdhaufen, die stoltzen Palläste unseres Amalienburgs tadeln wollte.

Die Erfahrung ist der sicherste Beweiß, der auch kein Bauer wiederspricht.

Wem ist unbekannt? Daß Preußen seine itzige Größe, seinen Flohr, die glänzende Aufnahme seiner Manufacturen, Künste und Wissenschaften, hauptsächlich denen Französischen Flüchtlingen, (Hugonotten) die der schädliche Religions Haß, aus ihren Vaterlande verbannete, zu verdanken. Hat diese arbeitsahme und geschickte Nation, nicht bas durch Pest und Seuche entvölkterte Preußen, zahlreich gemacht? Haben nicht selbst die Residentz- städte Berlin ihre ganze Pracht diesem Volke zu verdanken? Sind nicht die Salzburgischen, Emigranten, die ämsigen Ackerleute gewesen,

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so die wüsten Gegenden in Preußen und sandigten Felder der Mark Brandenburg uhrbahr gemacht? Wie sehr ist nicht die rauhe Preusische Nation, durch eine glükliche Mischung mit Völkern, aus einem gelinderen Himmels-Striche, gesitteter und Human gemacht worden. Die hiesige deutsche Gemeinde, verschiedener Reli- gions-Partheyen, bestätiget zur Gnüge, daß die geführte ausländische Werbung, mehr als die bloße Absicht gehabt, Soldaten zu Dingen. Wie viele haben sich nicht nach geendigten Dienst-Jahren, häußlich niedergelaßen, HausHaltungen errichtet, und treiben ihr Gewerbe, zum Nutzen des gemeine Besten. Und da die Volkommenheit, in der Uebereinstimmung des mannigfaltigen, zum ganzen bestehet; so pflichte ich der Meinung des Herrn P. W. v. Horneck völlig bey, daß auch der Bettler, ein brauchbahres Mittglied des Staats ist. Er beweißt in seinem gelehrten Tractat betittelt Oesterreich über alles, daß die elende Consum- tion eines Bettlers, der Käyserin jährlich 4 fl.contribuite.

Nur müßen alle verschiedene Glieder des Staats, Aus- und Einländer, so zusammen genommen, einen regelmäßigen Cörper geben, vereinbahrt die heilsahme Absicht hegen, das algemeine Beste, mit gesammten Kräften zu würken, als worauf daß ächte, reine Privat

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8 Interesse eines jeden vor sich betrachtet, beru- het. Wie verrähtherisch rathen sie also auf der 22 Seite: daß der jenige so die verlauffene Aus- länder, zu dieser Emploie recommendiret, des Landes verwiesen werden soll; da ich zum Ueberfluß gezeigt habe, daß nicht nur ge- schickte und arbeitsahme, sondern so gar wie sie es niederträchtig zu nennen belieben, verlaufe- ne Ausländer oder Bettler, dem Staate nützlich sind, und das ihrige zum Besten Deßel- ben, im Kleinen, beitragen.

Jetzt komme ich auf den Haupt-Gegen- stand meines Unternehmens.

Auf der 8ten, 17ten und 18ten Seite scheint ihnen haupsächlich, die gnädigste und weiseste Verordning des Königs aufgebracht und erbittert zu haben: Daß binführo keiner, als Unter-Officiers zu Unter-Bedienungen im Civil: Departement, avancirt werden sollen.

Sie werden große Uhrsache finden sich zu schämen, wenn sie dieser Tugend noch fähig sind, diese erhabne und heilsahmste Anordnung Unsers gütigsten Monarchen, boßhaft angesoch- ten zu haben; wenn ich ihnen beweise, daß

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1) Der König keinen leichtern und beqve-

mern Fond hat, seine unter den Waffen grau gewordene Unter-Officiers, ohne an der weitigen großen Aufwand zu versorgen, als diesen, Sie beden- ken nicht, daß es denen Ausgaben des Staats, zur nachtheiligsten Last fällt, eine Anzahl Invaliden und Pensionisten, aus seinen Einkünften zu erhalten.

2) Wird es seinen jeden dienenden Unter-

Officier vorzüglich anreizen, um so eifriger und treuer seine Pflichten zu erfüllen, und dabey so lange zu dienen, wenn es NB. die Verbindung seiner übrigen Umstänge zuläßt, als es seine Kräfte erlauben, die harten militairi- schen Strapazen zu ertragen; weil ihm durch diese weise Verordnung, die gewiße Hoffnung und Versicherung bleibt, fals er zu Kriegs-Diensten untüchtig wird, nicht wie bisher der au- ßersten Noth ausgesetz zu seyn.

3) Werden rechtschaffene Eltern, bei dieser ruhmwürdigsten Einrichtung genöthiget seyn, mehr Sorgfalt wie Zeither, auf den Unterricht und Ezichung ihrer Söhne zu verwenden, und diese ausge-

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10 hildete und wohlerzogne Jünglinge, Wil- lig zum Kriegs-Dienste herzugeben, um selbe dadurch den sichern Weg zur künftigen Civil-Bedienung zu bahnen, welches alles sehr viel zur fernern Aufnähme und Ehre der König!. Waffen beitragen wird. Hier habe ich' Bei» nahme ohne mein Wißen, ihren Einwurf auf der 21ten Seite, so ihnen selbst zur Schande, wie sie auch mit Recht vermuthen, gereichen muß, zu beantworten Gelegenheit gefunden. Daß nehmlich bei unsrer ganzen Co- penhagner Guarnison, unter hundert deutschen Unter-Officiers, sich nicht ein Däne befindet. Wenn sie recht gezählt haben, woran ich mit Recht zweiflen muß, da bei dem C. P. R. unter den gehörigen 84 Unter-Offi- ciers sich effective 22 Eingebohrne befinden; so finde ich überdem keinen Grund, warum unsere erfahrne und in der Kriegs-Kunst geübte Chefs, nicht sichern einheimischen, die Aufsicht darf ich mich ihres witzigen Ausdruks bedienen? über verlaufene Auslän- der, anvertrauen sollten, wenn sie dazu Fähigkeiten bei ihnen, für den Ausländern fänden. Ich sage nichts. Ich entscheide nichts. Erziehen und

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terweisen sie ihre Söhne, in nützlichen Wißenschaften, zum Nutzen des Vaterlandes auf alle Fälle, so wird das schädliche Verurtheil verschwinden, daß sie auf der 19ten Seite anführen: Wie kein geschickter Mensch, sondern blos liederliche und unnütze Berls, als Unter-Officiers zu dienen, sich entschließen können.

Das alte Rom, war das allgemei- ne Muster einer wohlgeordneten KriegsSchule und regelmäßigen StaatsVerfassung. Es hatte unter andern zum Grund-Gesetze angenommen, niemanden eine Staats-Bedienung zu geben, der nicht vorhero einige Jahre die Waffen zur Vertheidigung und Erweiterung des Vaterlandes gegeführet. Seine Legionen samlete es daher, aus der ausgesuchtesten und geschik- testen jungen Manschaft. Ist es also ein verrätherisches Project, wie sie es nennen, daß der König, wie schon lange vorher Preußen und Oesterreich mit großen Vortheil gethan, sich großmütigst entschloßen, die zum KriegsDienst unbraubahr gewordene Unter- Officiers, Civil-Aemter zu gehen?

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4) Zeigt wie eben angeführt die Preußische Staats-Verfaßung, daß diese Aemter dadurch mir den brauchbahrsten, treuesten, eifrigsten und: wahsahmsten Subjectis besetzt werden; die in ihren langen Kriegs-Diensten, den genau- sten Gehorsahm gegen ihre Obern erlernet, zur strengsten und eractesten Ausübung ihrer obliegenden Pflichten sich gewöhnet, und durch keine Gemächlichkeit bei Tag und Nacht sich davon abhalten laßen, da sie durch Frost, Hitze, und andern hier nicht zu nennenden Zufällen, hinlänglich abgehärtet worden.

Sehen sie nun die herlichen Vortheile dieses verrätherischen Projects?

Es beantwortet sich ihr nichssagender Einwurf auf der 19 und 22ten Seite selbst: daß habile Unter-Officiers zu Officiers avanciert, und nicht im Civile emploiret werden sollen. Denn wie manchem tuchtigen Unter-Of- ficier der vorzügliche Eigenschaften eines recht-

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schaffenen Kriegs-Mannes, nemlich Klugheit und Muth besitzt, hat dem ohngeachtet, die sonst freigebige Natur, die Gabe der anstän digen freien Artigkeit in der Lebens-Artversagt, oder ist er in der Erziehung vernachläsiget wor- den, die nöthigem Wißenschaften, und eine hinlängliche Welt-Kenntniß zu erlangen. Daher es ungereimt seyn würde einen jeden, sonst habilen Unter-Officier, zum Officier zu avanciren. Der Militair-Stand gründet sich vor- züglich auf Ehre. Ein Officier, muß bei einer weitläuftigen Kriegs Experience, ein der Gestalt qvalificirter Mann seyn, daß wenn er zu höhern Kriegs-Chargen gestiegen, ihm sein Souverain, als Minister in den größten Staats-Geschäften gebrauchen kann, wie die Erfahrung verschiedener Armeen zeiget. Es wäre also ungerecht, wenn Unter-Officiers, so diese Eigenschaften nicht besitzen, auf ihre ganze Lebens-Zeit, von allen anderweitigen Verbeße- rungen ihres Glücks Zustandes, ausgeschloßen seyn sollten.

Sie verschwenden ihren Witz, auf der 15ten Seite, und sagen: Daß man mit des Königs allerhöchsten Ordre ball spiele, und daß der Minister vom Vorträge, wenn er des Königs zutraum einmahl gewonnen, machen könne, was er wolle.

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14 Vieleicht versuchen sie, durch ihre Schrift, mit der Königl. Ordre betreffend die Versorgung der Unter-Officiers, ball zu spielen. Ubrigens scheint ihnen unbekannt zu seyn, daß die Könige ihre Kronen, aus der alles gerecht austheilenden Hand, der ewigen. Vorsehung empfangen, und mit göttlicher Weisheit ihr Volk glüklich zu beherschen, von ihr ausgerüstet sind.

Wenn also die große Fahigkeiten und Treue des Ministers, ihm daß allerhöchste Zutrauen seines Herren erwerben, und würdig machen, so wird dadurch dem Monarchen seine schwere Regierungs Last erleichtert; daß der Minister Entwürfe, Plane und Vorschläge zur Ver- beßerung des Staats, mühsahm ausarbeitet; dem König vorlegt, und auf deßen allerhöch sten Approbation, glücklich ausführt. Die-

ses nennen sie aus Unverstand Und schrankenloser. Boßheit: Verrätherische project- macher, und der Minister kann machen was er will. Sie verlangen also einen Kö- nig, der die schwere Bürde der Krone allein trägt. Oder wünschen sie Minister zu seyn? Dawieder protestiret unser ganzes patriotisches Publicum.

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Da ich einmahl angefangen, lächerliche@und nichts bedeutende Einwürfe gegen des Kö- nigs weisesten Verordnungen zu wiederlegen, so kann ich nicht umhin, einen ähnlichen Vor- wurf, so von einigen ihrer Denkungs Art gleichen Schreibers, öffentlich vorgebracht worden, zn beantworten: Daß die Uncer-Officiers, in so fern ihnen bei ihren Aemtern Laßen- Gelder einzunehmen und zu berechnen an- vertrauer würde, der König ohnvermcid- lich defraudirt und betrogen werden wüste, da diese Leute keine Caution noch Bürgschaft prästiren könten.

Ich will hier nicht die Erfahrung fragen, wie viel ehemahls zu diesen Aemtern beförderte Schreiber, dem König oder ihre Bürgen schon würklich betrogen haben, sondern behaupte, daß es bisher noch von keinem, in Civil versorgten Unter-Officier geschehen. Nun sind zwar vors erste wenige versorgt. Ich getraue mir aber zu behaupten, daß es in der Folge weniger wie sonst, oder gar nicht von ihnen geschehen wird. Ich leugne nicht, daß in allen Gattungen und Arten der menschlichen Gesellschaften, unter ehrlichen Leuten, Schelme gemischt seyn können, sonst hätte der berühmte Horaz unrecht, daß er allgemein sagt: bona funt mixta malis, ich will es teutsch machen:

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16 Daß Gute ist mit Bösen durchflochten. Al- lein ich glaube, und mit mir die ganze ehrliebende Welt, so Treu und Glauben fortzupflanzen sich bemühet, daß der König, wie es Oe- sterreich und Preußen machen, von seinen Un- rer-Officiers, die in langen Diensten, sattsahme Proben der Treue gegeben, keine Caution noch Bürgschaft zu verlangen, nöthig hat. Da sich sicher vermuthen, ja apodictisch schließen läßt, daß diese Männer, die praeter propfer 20 Jahr treu gedienet, und 40 Jahre, als ehrliche Leute gelebet, sich beifern werden, die- sen schätzbahren Character mit ins Grab zu nehmen. Ueberdem, werden wenig UnterAemter so Cassen haben, monatlich ihre Ein-

nahme aufs höchste gerechnet, auf 200 Rthlr. bringen, und diese kleine Summe, sollte einen ehrlichen Mann verlöten können, Amt und. Ehre im Alter zu verlassen, und ein öffentlicher Schelm zu werden? Auch müssen ja die Einnahmen der kleinen Zoll und andern Cassen, monathlich in die General Casse fliessen, und berechnet werden. Kan nicht, wenn ein Un- ter-Officier ein Amt mit einer Casse Vewal- rung erhält, derselbe durch andere Mittel, als z.b. durch eine Heurath, sich in den Stand setzen, selbst Caution zu machen? wenn es unvermeidlich nothwendig währe. Werden dis Töchter des Landes nicht mehr Achtung und Liebe gegen den Unter-Officier-Stand, in ih-

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17 rer zarten Brust fühlen? Da der König so huldreich ist, denselben durch gnädigste Belohnungen zu distinguiren, und seine Ehre und Verdienste zu erhöhen?

Ich beklage übrigens mit ihnen, das nun- mehro traurige Schiksahl sämtlicher Schreiber. Wenn junge Leute, die ihre ganze Kentniß auf das elende Buchstaben und Zahlen mahlen, lediglich eingeschränkt haben, zu bedauren sind; daß sie nicht statt dieser kleinen Beschäftigung, sich im Denken und andern schönen Wissenschaf- ten geübt Läßt es aber ihr Stoltz und Erbitterung zu, meinen Rath anzunehmen, so hielte ich für vortheilhafft, daß diese jungen Leute um dennoch ihren Endzweck zu erreichen, in der Folge Civil Bedienungen zu bekleiden, die durch Besetzung dieser Aemter, successive vacant werden- de Unter-Officiers Stellen in der Armee zu erhalten sich bemüheten. Oder die Ordre auszuwürken, die Bnchdruckereyen abzuschaffen, damit das auf der 14ten Seite von ihnen hochgerühmte Ansehen des Schreiber-Standes der alten barbarischen Zeiten, wieder geltend gemacht würde. Dieses sind wohl für jetzt, die einzigen, ihnen übrig geliebenen Mittel, den gänzlichen Untergang zu verhüten, wenn sie nicht, die schmuzige Schuhbürste, denen glänzenden Waffen des Königs in ihrer Wahl vorzuziehen niederträchtig und unedel genug sind.

Denn sowenig der stille Mond, in dämmernden Mitternachts Wolken, seinen majestätischen Lauf, wegen dem Bellen der Dorf

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18 Hunde hemmen wird, eben so wenig, wird unser glorwürdigst regierender Monarch, die glücklich angefangene Staats-Verbesserung, ins besondere die weise Verordnung wegen Versorgung der Unter-Offieiers, wiederruffen und aufheben.

Was ihre übel angebrachte andächtige Wünsche, auf der 10, 23 und 24 Seite ihrer Schrift betrift, so weis jedermann, das es die Maxime der ruchlosesten Bösewichter, so lan- ge die Welt stehet, gewesen, ihre Boßheit unter die Masque der Gottesfurcht und Religion, zu verbergen. Worüber in einem Kirchen Liede D. Luther zu seiner Zeit klagte: Ach Golt der theure Nahme dein Muß ihrer Schalckheit Deckel seyn.

Ich folge den Sätzen Roms, und habe ihre heuchlerische Art zu beten, nicht gelernet. Ihr Wunsch aber ist würcklich, nur mit an- dern Worten, dieser:

Gott! du hast das Herz des Königs in deiner Hand. Lencke es, daß er die heilsahme Anordnungen aufhebt, und dagegen Wahn und Finsterniß in seine Reiche zurük ruft. Gieb den T*** Ordre, daß er die verlaufne Auslän- der und Unter-Officiers aus dem Lande führt, so werden wir uns sehr wohl dabei befinden, und nach dem alten wohl hergebrachten Schler-

irian unserer Väter, glücklich leben und sterben können. Habe ich ihren Sinn nicht volkommen getroffen?

Ich glaube nunmehro in möglicher Kürze ihre irrige Sätze, so haupsächlich meinen

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19 Stand angehen, und die großmüthige Entschließung, unsers gnädigsten Königs, für seine alte treue Unter- Officier, als ein wahrer Vater des Vaterlandes zu sorgen, auf die Ehr und pflicht vergeßenste Art beleidigen, hinlänglich wiederlegt zu haben, so viel es die Zeit zulassen wollen.

Sie erlauben mir annoch zum Schluß, eine kurze Anmerkung zu machen.

Ich finde, außer ihrem rebellischen Geist, keinen Grund, wie sie dergleichen rasende Gedanken, gegen die verchrungs würdigen weisen Anordnungen, und das wahre Beste des Staats lediglich zur Absicht ha' benden Verbeßerungen unsers liebenswürdigsten Souverains, hegen und öffentlich ausbreiten können. Und wenn außer dem Diadem, ihm nicht ausnehmende Eigenschaften für vielen Königen, seinen Völkern kenn- bahr und verehrungswürdig machten; sollten sie dennoch Bedanken tragen, als ein blos gesitteter Mensch, verdienen sie aber wohl diesen edlen Nahmen? seine Würde zu beleidigen.

Sind sie in ihre Gerechtsahme durch Ihm gekränkt?

- - Ist die Verbesserurg der Regierungs-Form ihren Privat-Vortheilen nachtheilig und zuwieder? - - Sind sie ihres vieleicht erschlichenen Aemts and Einkommens beraubt und entsetzet? - -

Dem sey wie ihm wolle. Sie erhalten dadurch kein Recht, die unumschränkten Handlungen der höchsten Majestät zu lästern. Sie verrathen ihre große Schwäche, daß es ihnen an innern reelen Vollkommenheit fehlt, sich auf eine andere Art fortzubringen und zu helfen. Es bleibt ihnen nichts übrig als das Jus emigrandi, und gehorsam zu schweigen. Wie können sie sich aber erkühnen, die auzbahre Freiheit der Preße, durch ihre Läster Schrift zu beleidigen? Wäre das Schiksahl für sie ungerecht? wenn ihre elende Persohn ententdeckt, und statt der Schrift, durch den Hencker ver- brandt würde? da sie von Ruptur und vacant - - - sprechen. Verzeihen sie mir diesen gerechten Eifer. Ich denke noch sehr billig. Sie selbst erklähren auf der 23 Seite, daß zu ihren völligen Untergang nichts

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fehle; denn dis Cabinets-Ordre: Daß sie nebst den übrigen Schreibers, in das Meer gestürtz oder durch ein Corps Unter-Officiers, harqvebusiret werden sollten. Diese kan vieleicht erfolgen, wenn sie oder einer ihres gleichen, sich ferner erkühnen sollte, in der Sprache ihrer Schrift, des Königs höchste Persohn und ein hohes Ministerium zu lästern. Doch ihre Kunstgriske zeigen zu viel niedriges und pöbelhaf- tes, als daß sie die allgemeine Liebe und tiefe Hochachtung, so unser liebenswürdigster Monarchin dem Herzen seiner sämtlich getreuen Unterthanen und Verehrer, bereits ruhmwürdig erworben, und mit vollen Recht eigenthümlich besitzet, verrätherisch rauben sollten.

Ich unterwerfe mich einen gerechten und billigen Uhr- theile vernünftiger Leser, und empfehle mich ihrer Gewogenheit.