[J. W. F. Von Krohne] Weissagung von der gewiß zu erwartenden Erfüllung des alten Sprichworts: Tandem bona caussa triumphat.

Weissagung

von der

gewiß zu erwartenden

Erfüllung

des alten Sprichworts: Tandem bona cauffa triumphat.

1773.

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In unseren aufgeklärten Zeiten sollte ich mich billig nicht unter die Pro- p beten wagen. Es ist eine schon vor vielen hundert Jahren bekannt gewesene, ich weiß nicht, alte Wahrheit oder Vorur- theil, daß alles, was junge Propheten sagen, Unwahrheiten fern sollen: Was wird man ietzt über mich, da ich weissagen will, sagen, in Zeiten, wo man denen alten Propheten, deren Weissagung schon vor 18 Saeculis in Erfüllung gegangen, nicht mehr glaubet?

Doch Martin Zadeck hat ja noch Anno 1770 prophezeyet, und so wunderliches Zeug er auch in der gewöhnlichen ProphetenSprache hervorgebracht, so hat er doch,

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noch ehe seine Prophezeyungen in Erfullung gegangen, wer weiß in welchem Winkel der Welt, einen Beschützer gefunden, der durch eine Vertheidigung dargethan, wie gewiß die Erfüllung seiner Weissagung zu erwarten fey, Das muß mir Muth machen.

Ich bin zwar ein neuer Prophet, ich habe aber alle Eigenschaften, welche die Theologen von einem alten Propheten fordern. Ich habe einigen Höfen redlich gedienet, die Hofleute nennten meine rechtschaffene Absichten, verderbten Geschmack. Ich wurde also, damit ich die Biblische Worte aus dem zweyten Buche der Könige Cap. 9. v. 11. gebrauche, als rasend betrachtet, von dem Hofe entfernet, und wohne als ein wahrer Prophet von dem Geräusche der großen Welt abgesondert. Die Propheten haben gewandert, ich wandere schon seit drey Jahren, und suche Dienste. Die Propheten haben

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5 gefastet, ich bin leider von großen Herren In die traurige Verfassung gesetzt, daß ick öfters, als mir lieb ist, fasten muß. Die Propheten gingen entweder in besonderer, oder wenigstens zerlumpter Kleidung; bald wird es mir nicht besser gehen. Wenigstens sind meine Kleider gestickt genug, und wenn sie erst ganz zerrissen seyn werden; so wird mein Aufzug, mit öffentlichen Ehrenzeichen auf einem zerlumpten Rock drollig, und also besonders genug aussehen.

Demohngeachtet schreibe ich nicht vor Geld, noch um Belohnung, sonst würde ich meinen Namen bekannt machen. Ich bin kein Pänkelsanger, sondern ein Prophet aus Liebe zur Wahrheit. Ich weissage über das bekannte und schon ohnehin wahre Sprichwort: Die Unschuld bleckt am

Ende doch oben. Ich habe also kernen Vertheidiger nöthig. Ich verbitte vielmehr, meiner Weissagung eine gezwungene Wen-

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düng zu geben, sondern alles nach dem Buchstaben zu glauben.

Ich prophezeye hiemit:

Dännemark wird bald so glücklich seyn, seine liebe, unschuldige, Anbetungswürdige äöm tu Caroline Machtldis wieder zu sehen.

Diese meine Prophezeyung grundet sich auf keine Catharina Senensische Erscheinungen. Mein Geist ist nicht so gereiniget, als der des Schwedenburgs, daß er sich vom Cörper los machen, und durch eine Unterredung mit Geistern aus anderen Planeten eine Kenntnis vergangener, geheimer und zukünftiger, zufälliger Dinge erlangen könnte. Ich habe dieser würdigen Königin weder aus denen Carten, noch aus dem Coffé-Satz wahrgesagt, niemals habe ich Ihr in die Hand gesehen, noch weniger für Sie ein Ey

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7 ins Wasser geschlagen. Allein Ihr Gesicht habe ich öfters betrachtet, ich habe meine Blicke in ihrem Glück und Unglück einigemal auf dasselbe geheftet, ich habe alle Lineamenten so genau gefasst, daß ich mich unterstünde, die Königin in Abwesenheit, mit Gleichheit abzuzeichnen. Ein Gleiches kann ich von dem besten und liebreichsten König, Ihrem Gemahl sagen. Von meiner Jugend an habe ich mich daraufgelegt, aus denen Gesichts - Zügen den moralischen Carackter des Menschen kennen zu lernen. Ich habe mir auf meinen großen und vielfältigen Reisen, unter verschiedenen Nationen, eine solche Erfahrung in dieser Kunst erworben, daß ich mich niemals geirret, wenn ich aus denen Lineamenten das Herz des Menschen als redlich oder falsch, sanft oder grausam, mitleidig oder wild, freygebig, großmüthig und edel, oder neidisch, geitzig und niederträchtig, angegeben habe. Selten hat es mir gefehlet, wenn ich, nachdem ich den inneren Carackter des Menschen gekennt habe, ihm ein und das andere von dessen künftigen Schicksal voraus gesagt habe. Ich will hier der Kunst,

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8 aus denen Lineamenten zu prophezeyen, nicht das Wort reden. Wer von der Möglichkeit und dem Grund dieser Wissenschaft überzeugt seyn will, darf nur die überaus gelehrte und gründliche Abhandlung lesen, welche von dieser Materie im vorigen Jahre, in dem Hannoverischen Magazin heraus gekommen, und bald darauf in denen Frankfurther Handlungs - Avis - Comtoir - Nachrichten von Wort zu Wort nachgedruckt worden ist. Ich will zur Sache schreiten. Ich wollte zehen Zeugen anfstellen, die alle bekräftigen würden, daß ich von einem gewissen König hundertmal gesagt, er habe zwar eine schöne Bildung, aber einige unglückliche Lineamenten, es stünde Ihm ein Unglück bevor. Ich glaube meine Weissagung ist erfüllet worden: denn, wenn ich auch die seiner allerhöchsten Person von rebellischen Unterthanen angethane Beleidigungen und Mißhandlungen nicht rechnen wollte, so ist gewiß vor einen patriotisch und väterlich denkenden König, kein größeres Unglück, als seine Länder unter seiner Regierung getheilet und keine Hofnung vor sich zu sehen.

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solche jemals wieder zu bekommen. Der bloße Gedanke, daß es Historien-Schreiber giebt, die solche in einem Reiche vorgegangene Merkwürdigkeiten der Nachwelt aufbewahren, und daß solche vielleicht nach tausend Jahren ein Patriot lesen, auch alsdenn noch die von seinen Vorfahren unter dessen Regierung verlohrneFreyheit betraurenwird, muß schon ein Königliches Herz martern. Als der unglückliche Struensee ConferenzRath ward, glaubte ich, so oft ich ihn erblickte, ein Beul an seinem Halse zu sehen, und ich meynte immer, ich mußte es ihm sagen, um ihn zu warnen. Ein vornehmer und allen Glauben verdienender Zeuge würde mir dieses ohne Anstand bezeugen. Ich komme nun meinem Zwecke naher. Der Königin Gesicht war in Ihrem Glücke zu frey und zu redlich, als daß ich glauben sollte, Ihr Herz wäre einer Untreue gegen Ihren Königlichen Gemahl, oder gegen den Staat, dessen Mutter Sie war, einer Grausamkeit und schlechten Handlung fähig gewesen. In Ihrem Unglücke zeigen Ihre Lineamenten zwar Ihren Kummer, Ihr niedergeschlagenes und gebeugtes Gemüthe an: allein man

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liest dabey aus Ihren Augen bestandiges Wewustseyn edler Handlungen, und wenn mail Sie noch so start und durchdringend ansieht, so färbet keine Schaam Ihre Wangen, die alsdenn nach dem innerlichen Vorwurf schwarzer Handlungen, auch bey dem verruchtesten Menschen nicht zurückbleibt. Das überführt mich Ihrer Unschuld.

Der König hat eine Gesichts - Bildung, welche Witz und Klugheit vorzüglich anzeiget. Bey alle dem ist sein Ansehen Majestätisch. Es sagt, daß er Gerecht sey, und die strengste Gerechtigkeit ausüben könne, ohne sich durch eine Weichlichkeit von ihrer Vollstreckung abhalten zu lassen. Das erwecket in jedem Ehrfurcht, und erweckte Sie auch in mir. Das ist mir Bürge, daß Seine Majestät den Schritt, welchen Sie gegen Ihre Königliche Gemahlin gethan, darum gemacht, weilen allerhöchst dieselbe geglaubt haben, es müsse solches nach der Gerechtig: keit geschehen. Das überzeugt mich, daß Seine Majestät, alles nicht geschehen zu seyn, wünschen werden, so bald Sie von

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11 der Unschuld Ihrer Königlichen Gemahlin überführt seyn werden. Das letztere geschieht gewiß, sonsten wäre ich kein Prophet, sonsten wäre das Sprichwort falsch:

Tandem bona cauna triumphat.

Die alten Propheten verknüpften mit ihrem Weissagungs-Handwerk öfters das Amt eines Staats-Ministers. Das Exempel des Josephs bey dem Putifar, des Samuels beym David, des Johannis beym Herodes wird wohl Niemand laugnen. Ich will nun auf einen Augenblick aufhören ein Prophet zu seyn, und will versuchen, ob ich noch als Rechtsgelehrter und Staatsmann schreiben, und meiner Wahrsagung einige Kraft geben kann. Die im vorigen Jahre zu Copenhagen vorgefallene Begebenheit ist so bekannt, daß ich unnöthig finde, solche hier zu wiederholen. Denen Zeitungs-Schreibern war sie ein Stosk: ihre leere Blatter ein bald es Jahr lang auszufüllen. Durch diese ist sie in ganz Europa lautbar worden, rind durch fremde, so gar schwarze Gesand-

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te ist sie auch denen übrigen Welttheilen nicht unverheelet geblieben. Der spätesten Nachwelt wird solche unvergessen bleiben, und wenn einst in Dännemark ein sanftmüthiger Christian oder Friederich L regieren wird, so wird ihm die Haut schauderen, wenn er eins derer verschiedenen Bücher, welche diese Vorfälle dem grauen Alterthum anfbehalten haben, in die Hand nehmen wird. Vielleicht gabe solcher denn Millionen darum, diese Sache aus denen Geschichts-Büchern auskratzen zu können: allein es wird zu spät seyn.

Staatsmänner haben diese Historie beschrieben. Der Autor der besonderen Nachrichten von den Opfern der Staaten des achtzehenden Jahrhunderts. Pelim 1772 kann gewiß darunter gezählet werden. Ein Paradis hat sich in seinem Iournal Hiftorique lustig darüber gemacht. Ein Chevalier de Fagat hat sein Royaume de Dannemarc heuresement fauve an allen Europäischen Höfen, so gar an denen, welche man ehender Rittersitze als Hofhaltun-

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13 gen nennen kann, vor einen Dueaten ausgetheilet. Der Pänkelsänger hat solche auf denen Jahr-Markten in einem groben Holzschnitt vor zwey Heller herumgetragen, und auf denen öffentlichen Plätzen abgesungen. Der Arlequin, welchen er bey sich hatte, vergaß nicht, wenn sein Hert mit dem Stock auf eine gewisse vor der Verviertheilung vorgenommene, der Natur abscheuliche Verstümmelung deutete, manche schöne Jungfer durch seine Anmerkungen roth zu machen. Der Bauer hat dergleichen Holzschnitte; neben seinem in Form eines Spanischen Kreutzes mit Hexenmeisterisch un- ter einander gesetzten Buchstaben abgedruckten Haussegen, oder wohl gar neben denen heiligen drey Königen auf seine Thüre gekleistert, und danket bey einem Glaß Bier seinem Gott, daß er ein Bauer, und kein Civil, oder wie er es nennet, Inviel-Be- dienter worden ist. Der Doctor Munter hat ja so gar anderen zum Exempel, sich aber zu nicht geringem Nutzen die Struenseeische Bekehrung drucken lassen; und es ist wohl kein Dorf-Caplan, der solche nicht gekauft, um sie gegen seinen Junker zu ge-

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brauchen, wenn er einstmals Freygeisterische Gedanken bekommen sollte.

Alle meine Leser, sie seyn nun StaatsMänner, oder Liebhabere von Prophezeyungen, sind in einer Sache, von der ich schreibe, schon unterrichtet. Ich frage die erstem selbst, was ich zum Grunde legen muß, um die vorgegangene Sache zu beurrheilen. Nicht wahr, des General - Fiscals Wivet Klagschristwider den Grafen J. F. Struensee, die Verantwortung des Grafen Struensee an die Königliche Commiffion, und das Urtheil in Sachen des General-Fifcals, als befehligten Anklägers an einem, wider den Grafen Johann Friederich Struensee am anderen Theil? Ich kann gegen das Urtheil nichts sagen, ich muß es selbst für gerechund denen Gesetzen gemäß halten; denn eine aus zehen Rechts-Gelehrten und Patrit vten bestandene Commiffion eines Rechtst und Pflichts-widrigen Urtheils wegen beschuldigen wollen, wäre zu dreist. Aber die Commiffion kann doch auch selbst durch falsche Beweise getauschet worden seyn. Ist das denn in Dannemark allein unmöglich?

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Haben wir nicht in neueren Zeiten Beyspiele von denen berühmtesten Französischen Gerichtshöfen, daß sie Bluturtheile gesprochen, die vollzogen, nachhero aber, wenn dem Unschuldigen der Kopf nicht mehr aufgesetzt werden konnte, widerrufen und ungültiggemacht worden? Wer weiß, ob nicht noch in Dännemark dem Struensee statt des Pfahls, auf welchem dessen Kopf denen Raben zur Speise worden ist, eine EhrenSaule gefetzt wird, wenn vielleicht nach etlichen Jahren in dessen Proceß eine Revilions - Commision medergesetzt werden sollte? Struensee ist beklagt, und soll dessen seyn überführet worden, daß er gegen die Legem regiam die Souverainitaet des Königs untergraben wollen: wer weiß, ob es nicht alsdenn an Tag kommt, daß nicht er, sondern feine Feinde, das gethan, daß a- ber die Cabale der letzteren feiner als die des Struensee angesponnen gewesen? Struensee ist faul, er kann sich also nicht mehr vertheidigen. Wir, die wir die Acten und Beylagen, aus welchen dessen Anklage entworfen, und nach welchen geurtheilet worden, nicht gelesen, wollen also annehmen.

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16 daß er als ein Verrather seines Königs mit Recht vom Leben zum Tode gebracht worden; Aber nur das sey mir erlaubt zu sagen: Die gegen ihn gemachte Anklage ist kindisch, läppisch und schlecht gemacht:

die Struenseeische Vertherdlgung hingegen

ist schön, bündig und uberzeugend geschrieben. Man lege diese zwo Schriften tausend Rechts-Gelehrten und hundert juristischen Facultäten vor, alle würden ein anderes Urtheil sprechen, als die Commiffion gesprochen hat. Der Styl des Herrn WivetS ist so schlecht, daß er sicher noch ein paar Jahre, ich will nicht sagen die Grammatick, doch wenigstens die Rethorick studiren könnte, ehe er wieder einen Antrag und Deduction entwürske. Das sage ich ihm, vhngeachtet ihm bey seiner im Hospital zu Copenhagen gehaltenen Rede so sehr in die Hände geklatschct worden, als er die Kleidungen der Bettler unseres Herrn Gotts Garde robe nennte, ins Gesicht. Von Logik weiß er gar nichts, schwerlich wür-

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17 An Sprichwörtern muß - der Hert Wivet zwar reich seyn, weilen er seine so genannte Déduction, Beweis und Antrag sogleich mit dem: Strenge Herrn regieren nicht Lange, an fangt. Wäre ihm doch dieses Sprichwort bey dem Schluß seiner Schrift wieder eingefallen!

Unter dem StrucrEee soll mit Gott und mit seinem Worte Spott getrieben, Tugend und Ehrbarkeit offenbar verbannet worden seyn. Struensee machte Dannemark das größte Geschenke, so er demselben je machen konnte. Er verschaske ihm die Preßfreyheit. Dieser bedienten sich gelehrte Männer zur philosophischen Prüfung verjährter Vorurthcile. Daß man gegen solche mit dem Gottes-Lästerer Titel um sich wirst, ist der gewöhnliche Gegenbeweis der verstumr wenden Theologen. So ging es dem Struensee. Der Wrvetische Vorwurf war sein Dank. In einem Consistorio würde der Herr Wivet vielleicht besser seyn, als in dem Amte eines General-Fiscals.

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Struensee schäfte die aus dem Vabstthum übrig gebliebene Festtage ab, er hielt dadurch in denen Dänischen Staaten viele tausend geschäftige hände vom Müssigang ad, und svarte dem Staat, ans welchem ohnehin jährlich eine unproportionirlich grössere Summe Geldes hinausgehet, als vor dessen eigene Produckte von Fremden wieder hineinkommt, doch wenigstens die Summe von beynahe einer Million. Der Doctor Münter mußte aber dadurch des Jahres 50 Predigen weniger an der Kirchthüre verkauffen lassen, das war diesem, wenn er jeden Festtag nur 1200 Stück, das Stück à 1 ß. verkaufte, ein Schaden von 7520 Mark dänisch. Struensee mußte also ein Spötter Gottes heissen.

Auf denen Reisen, so er mit dem Könige gethan, soll er frey von der Religion gesprochen haben. Konnte Struensee davor, daß sein Hert nicht lieber einen Hofprcdiger, als einen Medicum mitgenommen? Vielleicht hat der König zu viel Mitleiden gehabt, es so zu machen, wie es ein an-

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19 derer grosser Herr gemacht hat, der den Beichtvater, welchen ihm seine Frau Mutter auf eine Reise mitgab, so lange auf Postpferden beym Wagen hertraben ließ, bis solcher unterwegens liegen bleiben, und sich an dem Ort, wo ihn der Bischof nicht gesalbet, von einem Feldschecrer die Salbung geben lassen mußte. Wer weiß, was auch selbst der Hofprediger gesprochen hätte? Es wird in Dännemark so gut als anderwärts unter denen Herrn Geistlichen Philosophen und Tartüske geben.

An allen grossen Oertcrn sehen auch die strengste, doch vernünftige Obrigkeiten einer gewissen Art Frauenzimmer durch die Finger, welche vor ein geringes Geld mitleidig genug sind, Soldaten, Kaufmannsdienern, Matrosen und dergleichen Leuten, deren Umstände das Heyrathen nicht erlauben, einen gewissen Ueberfluß der Natur abzunehmen, den sie nicht in einen hohlen Baum tragen können.

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20 Selbst Christi Stadthalter auf Erden privilegiret in Rom die Lupanaria, damit durch kleine Sünden grössere Laster verbiudert werden sollen. Seine Heiligkeit ertheilet unter dem Vorwand, Leute von einem angewöhnten Laster abzuziehen, deneujenigen, welche ein Frauenzimmer aus einem dergleichen Hanse heyrathen, einen Ablaß, und erhält dadurch beständig frische Waare, die einen desto grösseren Tribut einbriuget. Noch ehe man an den Struensee gedacht, waren in Copenhagen die Jungfern-Comtoirs bekannt. Er machte nur solche Anstalten, daß junge Leute mit mehrerer Sicherheit ihrer Börse und Gesundheit hinein gehen könnten. Ist das denn aller Schande Thur und Thore geöfnet? Wie wäre es, wenn man den Herrn Wivet auf seinem 6eneral-Italischen Eid fragen dürfte, ob er niemals in einem dergleichen Hause gewesen?

Die Frechheit des Struensee soll so weit gegangen seyn, daß er die Gewalt, welche die Unterthanen dem König Friederich 111 über-

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21 tragen, als selbst Unterthan ausüben wollen. Kann denn ein König alle Arbeit selbst und allein verrichten? liebt er nicht die Gewalt selbst aus, wenn er solche durch einen Mi: nister auf seinen Befehl und in seinem Namenausubeu laßt? UebteinKöuig von Dännemark seine ganz unumschränkte despotische Macht, die Er als Souverainer Erb-König hat, nicht besser durch einen Mann aus, dessen Treue Er versichert ist, und den Er unter seinen Augen hat, als durch einen StaatsRath, der aus altem dänischen Adel bestehet, welcher noch immer stolz auf die Rechte seineralten Vorfahren zurück denkt, noch immer die alte Tücke im Herzen hegt, und der, wenn er nicht mehr öffentlich als Landsstand bandlen darf, unter dem Vorwand des Confeills die Monarchie in eine Aristocratie zu verwandeln sucht?

Struensee soll die Sprache mit der Nation verachtet haben. Er hat freyli'ch einen Fehler gemacht, daß er sich nicht auf die dänische Sprache gelegt; allein er hat zu viel andere Sachen zu thun gehabt, und vielleicht

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gedacht, daß er solche mik der Zeit aus dem Gebrauch erlernen würde, ohne besondere Zeit darauf zu verwenden. Legen wir uns den allemal auf das, worauf wir uns legen sollen? Der Hert Wivet hatte sich gewiß auch besser, als er gethan, auf das Fifcalische Handwerk legen müssen. Hatte er das gethan, er würde in einer Klage auf Ehre und Leben gewiß solche Sachen, die höchstens ein Schulbube dem anderen vorwirft, nicht angebracht haben. Bon solchen muß der Hert Wivet das Schimpfen und Schelten trefflich gelernet haben; denn einen unglücklichen Minister einen Würg-Engel, einen Virum unius Saeculi, einen Quacksalber, einen Schelmen, einen Marktschreyer nennen, ist doch artig gescholten. Struensee war der Würg-Engel der adelichen Familien, wie es dem Herrn Wivet thn zu nennen beliebt. In denen ersten Regierungen nach eingeführter Souverenitaet, wo man den Adel, so viel möglich von denen Geschäften ausgeschlossen hielte, sollte das gewiß kein General gesagt haben. Ich möchte nur wissen, warum der Hert Wis vet die Geburts-und Lebens-Umstande des Struensee so genau erzehlet. Doch er hat

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vielleicht seine Déduction gerne groß und lange machen wollen, und da es ihm an Facfcis et delictis, die er hatte erzehlen und beweisen sollen, befehlet, so hat er seine Anflucht freylich zu solchen Sachen nehmen müssen.

Als Medicus soll Struensee Veniam occidendi per totam urbem erhalten, als Minister per utrumqiie regnum sich zu gewendet haben. Ein Wort Latein zieret doch den Mann. Ich habe oben gesagt, der Herr Wivet sey kein Meter, und doch mag er sich selbst vor einen recht großen gehalten haben, als er diese schöne rhetorische Figur fertig gehabt hat. Ich besinne mich, daß ich als Student auf der Universität einmal einem Peruckenmacher, der mir, als er mich srisiren sollte, zu lange ansgeblieben, und mich ein Collegium versäumen machte, eine Ohrfeige gab. Das ganze Handwerk nahm sich seiner an. Kein Meister und Gesell wollte mir meine Haare mehr anrühren, und ich mußte ein halbes Jahr lang mein eigener Friseur seyn. Wenn doch die ganze Medi

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einer-Zunft so Handwerks - Brüderlich denken, und dem Herrn Wivet, wenn er mit der Zeit, wie th esthm prophezeye, am Miserere sterben wird, keine Arzeney geben wollte, würde er es nicht bereuen, seinen Spottuber eine so edle Kunst getrieben zu haben? Ich wollte beynahe wetten, der Herr Mivet müsse die schöne Svrichwörter des P. Odilo Schreger in dessen Studioso Ioviali gelesen haben; denn er spielet recht fein auf das Sprichwort an: Ein junger Medicus muß einen neuen Kirchhof, ein junger Jurist einen neuen Galgen, und ein junger Theologe eine neue Hölle haben. Ich wette aber, der Doctor Münter bekommt geschwinder seine Hölle, und der Hert Wivet ehender seinen Galgen voll, als der Struensee seinen Kirchhof voll bekommen haben würde, wenn er noch so lange Medicus geblieben wäre; denn dieser, ohngeachtet er im 21ten Jahre Physicus ward, hatte doch bey Jedermann den Ruf eines guten Medici. Den Doctor Münter aber nennet die ganze Welt mit Recht einen Schwärmer, weilen er sich mit seiner gehaltenen Danksests - Predigt, und mit seiner Vortheils halber gedruckten

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Struenseeischen Bekehrung selbst darzu gemacht hat. Und dem Herrn Wider kann es nicht fehlen, daß er als der Generaliimmus aller General-Fifcaelen berühmt werden muß, wenn er alle Delinquenten so gut und geschwind an den Galgen bringen kann, als er den Struensee auf das Rad gebracht hat.

Der Struensee soll frech und verwegen gewesen seyn, weilen er sich unterfangen, aus einem Mediciner em Arzt des Staats zu werden. Wie viele dergleichen Exempel zeigt die Geschichte nicht auf? Wieviele Canzler, Präsidenten und Geheime Räthe leben noch ietzt, die entweder selbst Laqeyen, Schulmeister, Köche, Jäger oder sonsten, ich weiß nicht was, gewesê sind, oder doch von dergleichen Vätern abstammen, und dennoch geschickte Leute sind. Daß Struensee Principia gehabt, einen Staat zu regieren, beweiset seine Anno 1763 in Hamburg heraus gekommene MonathsSchrift zum Nutzen und Vergnügen; besonders die Gedanken von der Eutvölke-

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rung emes Landes. Es beweisen solches seine gemachte Einrichtungen, die man noch nach seinem Unglücke zum Theil beybehält. Es beweiset solches seine von ihm im Kerker und in Todes - Aengsten gemachte Vertheidignnq. Daß aber der Hert Wrvet ein ungeschickter General-Fiscal ist, daß er sich besser Zn einem Mitglied eines Spanischen Inquisitions - Gerichts, als zu einem Genend - Fiscal geschickt hatte, beweiset seine Deduction.

Struensee war ein schlechter Arzt des Staats, ergo war er ein eben so schlechte: Medi- cus in der Stadt, ergo war die Anzahl der Gestorbenen in Altona grösser als der Gebohrnen, wenn Struensee die letztern nicht gar auf eine andere Art vermehret hat. Das ist ein sehr bündiger Filcalischer Schluß! Quae, qualis, quanta Hert Wivet! Darf ich Sie fragen, ob Sie, da Sie zwey Menschen wurklrch ums Leben gebracht, auch noch die Welt vermehren können? Wohl dem, der cs noch kann! Wären Sie doch der Liebe fähig gewesen, so würden

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Sie die Vermehrung des menschlichen Geschlechts nicht zum Laster gemacht haben. Hatte ich Sie gekannt, ich wollte den Gott der Liebe vor Sie angerufen haben:

Fifcaele mach Liebe minder streng,

Sie reissen Memchen nieder.

Du Liebe schaffst Lie wieder.

Fifcaelc mach Liede minder streng.

Struenjec hat mit dein Frauenzimmer einen freyen Umgang gehabt. Ist das ein Vorwurf, wenn man Jemand auf Tod und Leben anklagt? Ein Zeichen/daß er liebenswürdiger war, als der Hert Wivct. Haben Sie Hert General-Fifcal, mit Erlaubniß zu fragen, niemals Lust gehabt, mit schönen Frauen-Zimmer umzugehen? Ich frage Sie auf Ihr Filäslisches Gewissen? An Lust hat es Ihnen wohl nicht gefehlet: vielleicht sind Sic aber in ihrer Jugend in der Schule des Onani as gewesen, und daher jetzo zum lieben untüchtig; vielleicht hat ihnen das schöne Geschlecht nicht. liebenswürdig gefunden, vielleicht hat es sich

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auch vor ihrem Carackter General - Fifcal gefürchtet; denn man hat beyuahein der ganzen Welt das Vorurtheil, daß die Fifcaele nicht verschwiegen sind, daß Sie alles in ihrer Schreibtafel notirten, um mit der Zeit einen Manschen Gebrauch davon zu machen, wie man im Gegentheil Medicinern und Ministern zutrauer, daß Sie schon von Amts wegen verschwiegen sind.Die Verschwiegenheit ist aber eine dem Frauenzimmer besonders angenehme Tugend. Wenn eines von Obigen wahr ist, so ist es Neid von dem Herrn Wivet, daß er Sachen gegen den Struensee in seine Deduktion eingeflochten, die nicht hinein gehören Gehöret es in diese Anklage, daß Struensee sich den Unwillen seines Vaters zugezogen, welches vielleicht darum geschehen, well er in seiner Jugend Manchetten getragen, und sich gepudert hat?

Der Neid muß eine der Haupt-Passionen des Herrn Wivets seyn, denn er gehet so weit, den Struensee einen Fremden zu nennen, und ihm so gar den Vorzug streitig machen zu wollen, daß er ein Dane sen.

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29 Ist Struensee gleich in Halle geboren, so ist doch dessen Vater nachher in Königlich dänische Dienste getreten. Schon darum wäre Struensee als ein Dane zu betrachten gewesen. Ueberdem ist seine Mutter eine wnrkliche Dänin, da Sie die Tochter des Königlich dänischen Justiz - Raths und ersten Leib-Medici, des Doctors Johann Samuel Carls ist.Schon die Römer machten das Gesetz: Partus fequitur Yen trem, und liessen die Kinder einer freyen Mutter, wenn schon der Vater ein Sclave war, freye Römer seyn, warum wollte denn der Hert Wivet dem

Struensee nicht den Genuß dieses Rechts gönnen?

Wenn nun Struensee ein Dane war, war es ihm zu verdenken, daß er seinem Monarchen dienen wollte, und um es desto besser zu können, sich bey dessen Allerhöchster und Liebenswürdigster Person aufhalten zu können, wünschte? War er straft bar, daß er diesen Zweck durch Vorsprache seines Freundes, des Herrn von Brandts und einiger Damen, die ihm ihre Gnade zu gewandt hatten, zu erreichen: suchte? War

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er Löbens-oder Verachtungs - würdig, daß er, da er in sich mehr Fähigkeiten fand, alsein Recept zu schreiben, auch seine andere Talente für seinen Herrn anzuwenden, und in Staats - Affairen gebraucht zu werden trachtete? War er nicht aus Dankbarkeit schuldig zu machen, da er es thun konnte, daß sein durch eine Cabale vom Hofe entfernter Freund der Hert von Brandt zurück berufen worden? War er zu radeln, daß er sich diesem seinem Freund anvertraute, und wäre er nicht unvorsichtig gewesen, wenn er sich seinen Feinden, die täglich Cadalen gegen ihn machten, und allerhand Schriften gegen ihn'ausstreuten, um so gar den Pöbel gegen ihn aufzubringen, anvertraut hatte? Ward er dessentwegen Schwerdt-undRadmässig, daß er des Königs Gnade und Vertrauen zu erhalten suchte?

Handelte er nach der lege regia, oder gegen dieses Gesetz, als er den Willen seines foüveraineu Herrns unterstützte, einen Staatsrath abzuschaffen', der aus solchen alten Adel bestand, welcher eine Ariftocratie

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31 Hat er frech und verwegen gehandelt, da er die ihm von seinem Herrn angetragene Stelle eines Naître des requêtes am nahm? Welcher Soldat, der Ambition hat, denkt nicht General zu werden? Wurde nicht jeder andrer, selbst diese Stelle mit Freuden angenommen haben?

Wenn der König sein Hert befohlen hat, man sollte die Unterschrift des Struensees so gut als seiner Majestät eigene Hand refpéctirctt, warum sollte Struensee nicht das unterschreiben, was er zu verfügen, mit dem König, vorhero verabredet hatte? Hat nicht Struensee selbst eine Ordre gegeben, wenn ein Befehl unter seiner Hand heraus käme, welcher wider die Landes-Gesetze und Verfassung wäre, so sollten die Collegia stellung thun, damit es remediret werden könnte? Wo sind die Falle, in denen er die ihm genebene Gewalt gemißbrauchet? Wo ist der Schaden, den die. von ihm unters

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schriebene Verordnung angerichtet hüben sollen? Welcher Minister sieht nicht gerne sein Ansehen und seine Gewalt erweitert? Man gehe alle Beyspiele derer Staats-Minister von einem Egyptischen Joseph bis auf unsere Zeiten durch.

Ist das ein Verbrechen, daß er seinen Bru- der aus Liegnitz kommen, und solchen erstlich zum Justitzrath, hernach zum Deputaten im Finanz-Collegio erheben lassen? Diesen Carl August Struensee will der Hert Wivet zu einem Dumm-Kopf machen, dessen in Druck gegebene Schriften die ganze Welt mit Lob erhebet? Wahrhaftig es gehöret ein wenig mehr Hirn dazu, ein Buch wie die Anno 1771 von diesem Struensee herausgegebenen Anfangs-Gründe der Befenigungs-Kunst zu schreiben, als eine solche schlechte Déduction zu machen, als wie die Wivetische ist. Daß Struensee seine Brüder nicht zum Tort anderer avanciret, erhel: let daraus, daß sein Bruder Gotthilf Christian nur Lieutenant unter dem Königlichen Leib-Regiment zu Fuß gewesen. Ich wette.

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33 wenn der Hert Wivet Staats-Minister wä- re, und einen Bruder hätte, so müste dieser wenigstens General-Major seyn.

Nichts ist lächerlicher, als in die Anklage eines Ministers die Worte bringen, welche solcher mit seinen ungezogenen Bedienten gesprochen hat. Hatte doch der Hert Wivet seine Satze gegen seinen Beklagten lieber aus denen Acten und denen Gesetzen, als aus denen Erzchlungen der Bedienten und alten Weiber genommen!

Der Hert Wivet legt es dem Struensee als eine grosse Verwegenheit aus, daß er sich zum dänischen Grafen machen lassen, und so gar darnach getrachtet hätte, mit dem Elephanten - Orden beehret zu werden.

Hier finde ich würklich einen wahren Fehler des Struensee: Mit dem Namen der Verwegenheit kann ich solchen aber nicht benennen, noch weniger einsehen, wie Strur ensee dessentwegen mit der Lebensstrafe belegt werden konnte? Wie viele Ministers

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34 lassen sich heutiges Tages zu höheren Stan- des-Würden erheben, und mit etlichen Ellen Bandes zieren, die noch von weit geringerer Herkunft sind, als Struensee gewesen? Ich glaube gewiß, der Hert Wivet trüge selbst gerne einen Orden, es ist aber gut, daß man die Fifcaelc nicht zeichnet, sonsten könnten sich die Leute vor ihnen in acht nehmen. Es war von dem Struensee eine Narrheit, daß er sich zum Grafen machen lassen, aber keine strafbare Bosheit. Da er, wie es nach der dänischen Verfassung geschehen muste, gegen die Einführung der Aristocratie geeyfert, und folglich gegen die Cabale des alten Adels arbeiten mußte, so war es albern gehandelt, daß er selbst Grafwurde. Er hatte Bürger bleiben, und dadurch dem bürgerlichen Stande zeigen sollen, daß auch diesem die Ehre Vorbehalten sey, des Königs Vertrauen zu geniessen, wenn er sich die Verdienste dazu erwürbe. Das Vertrauen des ihm feindlichen Adels konnte er nicht'erlangen, wenigstens hatte er sich also die Liebe des Volks erhalten, oder erwerben sollen. Das Exempel eines Uhlefelds und Greiffenfelds häte er sollen besser vor Augen haben.

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35 So stark der Herr Wivet in Sprich-und Scheck-Wörtern ist, so künstlich ist er auch in Gleichnissen. Der Vergleich der MiuisterialBerdiensten mit denen Fliegen in der Apotecker-Krücke, der Flüchen des aufgehetzt und darzu erkauft gewesenen Pöbels mit der nen Brillianten in der Eoldplatte auf dem Hute des Struenseeifchen Läufers ist gewiß recht artig. Nur hätte ich solche ehender von einem Hanswurst indem Puppenspiel, als von einem General-Fifcal in einer so ernsthaften Klage erwartet.

Nichts ist lächerlicher, abgeschmackter und frecher in der Wivetischen Schrift, als daß er selbst erinnert: Man mußte es ihm nicht zur Last legen, daß er den Struensee in einer Klage, welche die größte Ernsthaftigkeit erfordere, dessentwegen lächerlich zu machen gesucht, weil ein Unterschied zwischen einem Minister sey, welcher einen Fehltritt begangen, und zwischen einem Marktschreyer, derein Minister seyn will. War dem Herrn Wivet denn aufgetragen, gegen den Struensee Satyren zu schreiben, oder soll-

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te er einen wörtlichen Minister auf die härteste Todes-Strafe anklagen? Das dünkt mich, ist zu ernsthaft, als daß man Spaß treiben sollte. Das Blut des Marktichrcyers ist so kostbar, als das Blut des Grafens. Der Schöpfer und Erhalter des ganzen Menschlichen Geschlechts weiß keinen Unterschied. Die Erhaltung des einen Geschöpfes ist ihm so lieb, als die Erhaltung des andern.

Nichts wundert mich mehr, und die ganze Welt muß darüber erstaunen, daß man dem Herrn Wivct seine Schmähschrift sowohl belohnet, und ihn nicht vielmehr beym Kopfgenommen, und ihm selbst den Proceß de Crimine laefäe Maieftatis gemacht hat: denn seinem König öffentlich, vor den Augen der ganzen Welt sagen, sein Minister sey ein Schelm und Marktschreyer gewesen, ist eben so viel, als behaupten, der König habe nicht Klugheit genug gehabt, die Ehrlichkeit und Fähigkeit seines Ministers zu beurtheilen, oder er habe einen solchen Mann um sich haben wollen. Kann man ein aröft seres Crimen laelae Maieftatis erdenken?

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37 Ich habe mich serther dey denen lappischen und lächerlichen Punckten der Wivetir schon Anklage aufgehalten. Man verzeihe mir diese Ausschweiffung. Die Propheten Halten sich immer lieber bey Kleinigkeiten, als bey großen Dingen auf.

Diese Anklage enthalt auch wichtige Beschuldigungen, Z. E. die von dem Struensee geschehene üble Verwaltung der Königlichen Geld-Casse, die Verfälschung einer' Königlichen Assignation, die harte Erziehung des Kron - Prinzen, den Verkauf des kostbaren Bouquets der Königin, die Bedrückung der Stadt Copenhagen, die Theilnehmung an der sträflichen Aufführung des Grafen Brandts gegen den König, die Abschaffung der Garde, die von ihm in Copenhagen gemachte anfrührische Defeniions- Anstalten, und dergleichen. Diese muß ich und das Publicum für wahr annehmen, denn Niemand hat die Beylagen, auf welche sich der Hert Wivet beziehet gesehen. In diesen muß der Grund, daß man so hart gegen den Struensee ver-

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fahren, gesucht werden. Allein Struensee hat.sich doch auch verteidiget. Man lese dessen Schriftsatz, und man wird finden, daß alles darinn gesagt ist, was ein Mann von seinem Verstand und Fähigkeit, in dem critischen Zeitpunkt, da er voraus sähe wie er in kurzem das Schlacht-Opfer seiner Feinde werden würde, zu seiner Rechtfertigung sagen konnte. Viele tausend gelehrte Leute, die solche und vorhero die Wir vetische Anklage gelesen, würden ihn frey gesprochen und viele würden vielleicht gar behauptet haben, Struensee habe das Project gemacht, die souveraine Autorität seines Königs zu behaupten, es sey aber darum zu seinem Unglück ausgeschlagen, weil seine Feinde mächtiger und verschlagener als er gewesen waren, und weilen Struensee selbst nicht genung auf seiner Hut gewesen. Hätte er nicht die Vorsicht haben sollen, diejenige Schriften, welche man gegen ihn im Publico ausgestreuer, wiederlegen zu lassen? Dieses war ihm aber zu klein, und dennoch hat es ihm geschadet. Als der Staatsrath abgeschaft wurde, laß man aller Orten die härteste Schmähschriften

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39 gegen ihn. Eine dergleichen schickte man so gar zum Abdruck in die öffentliche Zeit tung. Der Verleger derselben schickte solche dem Grafen Struensee mir der Anfrage, wie er sich dabey verhalten sollte? Dieser antwortete: Wegen seiner Person könnte es sicher eingerückt werden: der Styl wäre aber so schlecht, daß die Piece der Zeitung wenig Ehre machen würde; der Verleger könne nun thun, was er wolle.

So unbesorgt war Struensee. Allein ein Punkt hat ihm, wie es scheint, den Hals gebrochen. Der erstlich vertrante, hernach unerlaubte Umgang mit der Königin ist die Ursach seines Todes. Er ist die Ursach der harten Begegnung, welcher man diese Dame ausgesetzet. Er ist die Ursach der Trennung von Ihrem Königlichen Gemahl, und Ihrer Verbannung aus dem Königreich.

Dieser Königin habe ich die Entwickelung Ihrer Unschuld geweiffaget: Ich muß

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40 also doch wenigstens die Möglichkeit Ihrer Unschuld darthun, wenn ich nicht für einen Narren gehalten werden will. Das ist ohnehin das gemeinigliche Schicksal der Propheten, dem ich doch, wo es möglich wäre, gerne entgehen wollte. Ich würde mich nicht erdreisten, von dieser Sache zu reden, noch weniger zu schreiben, wenn sie nicht in der ganzen Welk bekannt wäre. Schon darum wäre die niedergesetzt gewesene Commiiïion strafbar, weilen sie den Proceß so instruiret, daß alles in der ganzen Welt lautbar worden. Man kann und muß Delinquenten strafen, es muß aber allemal so geschehen, daß der Ehre Königlicher Personen und eines ganzen Reichs geschonet wird. Man har ja in diesem Sae- culo in andern Reichen ähnliche Fälle erlebt, wer weiß aber die nähere Umstände? Ist nicht alles so behandelt worden, daß dem Publico ein Flor vor den Augen geblieben, und daß ihm nur das Rathen erlaubt ist, ohne jemals eine Gewißheit zu haben? Die Wivetische Anklage, die Struenseeische Vertheidigung, das Urtheil der Commission ist in aller Menschen Händen,

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41 Ist dieser Umstand darum gleich nur kurz und mit Anstand berühret, so weis doch ein jeder, der diese Schriften liest, was es seyn soll. Ich glaube, es wäre besser, man hätte ausführlich als verblümt davon geschrieben. Wenn Jemand einem ehrlichen Madgen nachsaget, sie sey von diesem oder jenem schwanger, so halte ich es nicht vor so nachtheilig, als wenn er in einer grossen Gesellschaft mit einem Geheimnißvollen Ton sagt: daß Mädgen har den Ruf, daß sie tugendhaft ist, aber, — aber, — ich mag nicht sagen, was man von ihr höret. Im ersteren Falle kann sich ihre Unschuld nach 9 Monaten zeigen, im anderen aber bleibt nach dem verfluchten Machiavellischen Lehrsatz: Lemper detrahe, lemper aliquid haeret, ihre Ehre immer gekränket. Wenn ich annehme, daß alle Beschuldigungen, die man gegen den Struensee in Puncto eines Hochverraths gegen die allerheiligste Person des Königes gemacht, war und erwiesen sind; wenn ich, da es doch möglich ist, daß der König nnd die Richter durch falsche Zeugnisse und durch ein ans Angst gethanes unwahres eigenes Gestanduiß getauschet

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worden, gelten lassen will, daß die gegen den Struensee geführte Beweise alle ihre völlige Richtigkeit, Legalitaet und Gewißheit haben; so ist es doch klar, daß die Königin an allen diesen Handeln und Cabalen niemals den geringsten Antheil gehabt hat. Der Königin Unschuld in diesem Stück ist Sonnenklar. Denn würde man sich wol entschlossen haben, derselben in einer öffentlichen Acte ein Vergehen vorzuwerfen, welches zugleich den König und das ganze Reich beleidigen muß, wenn man anderen Stosk gehabt hätte, Ihre Entfernung aus dem Reiche zu rechtfertigen?

Die Königin ist eine Dame, dievon Anfang an Ihres Aufenthalts in Dannemarksich in nichts meliret hat, die sich einen ruhigen und vergnügten Tag zu machen suchte, und sich in keine Geschäfte, in keine Cabalen, in keine Intriguen der Favoriten und Hvfparthien hinein mischte. Sie lebte mit Ihrem Königlichen Gemahlin der zärtlichen Liebe, in engsten Vertrauen, und in der größten Einigkeit. Sie ist aber eine klnge, Einsichtsvolle, und

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dabey mit männlicher Entschlossenheit begabte Daine. Das war genug, daß Sie Feinde bekam.

Die Aristocratsiche Parthie fürchtete sich vor Ihr, Sie möchte ihre Cabalen einsehen, und dem König eröffnen. Nachdem diese Cabalenmacher einen Favoriten nach dem andern, ja so gar die würdigste Generals, welche Ihnen im Wege gestanden, weggeschast hatten, so wagten sie sich endlich an die Person der Königin. Es wurde Uneinigkeit zwischen dem König und Ihr angezettelt. Man gebrauchte Personen darzu, gegen welche der König Achtung und Vertrauen hatte, die Ihm vor seinen Reisen allerhand widrige Ideen gegen seine Königliche Gemahlin beybringen mußten. Die Uneinigkeit war fertig. Der König reiste, und kam von seinen Reisen zurück.

Ein Gesandter eines gewissen Hoses, der die Königin entweder seinen Absichten entgegen zu seyn glaubte, oder wenigstens die

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Freunde der Aristocratischen Parthie, auch für die Beförderer seines Projects ansah, und also auch diesen beystehen wollte, legte zur Zwietracht zwischen dem König und der Königin immer neuen Zunder an. Er trieb seine Dreistigkeit so weit, daß er der Königin durch Ihren eigenen Oberhofmeister die empfindlichste Grobheiten sagen ließ Die Aristocratische Parthie war dabey nicht weniger geschaftigt, da Sie unter der Hand im Pöbel allerhand widrige Gerüchte gegen die Königin ausbreiten ließ, um solchen gegen diese Dame aufzubringen Man streuete unter andern folgende Fabel aus. Ein gewisser Geistlicher hatte in der Hof-Capelle etwas hart aeprediget, und sich der Worte des Johannis bedienet, welche dieser am Hofe des Herodis gebrauchet. Die Königin sey darüber zum König gegangen, und habe darauf bestanden, daß man diesem Hohenpriester den Kopf vor die Füsse legen solle. Der König habe darauf geantwortet, daß dieses nicht anginge, und die Königin dagegen erwiedert: Wenn Sie nicht Hert über die Köpfe Ihrer Unterthanen sind, wovor sind Sie jouveràer Könige und worzu hilft Ih-

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nen alsdenn Ihre Souverainitaet? Ist es bey solchen Umstanden ein Wunder, wenn die beste Dame verhaßt wird? Die gute Königin, welche nichts sehnlicher als die Herstellung der Einigkeit mit Ihrem Königlichen Gemahl wünschte, und sähe, daß der Struensee, das Herz des Königs wenden und lenken konnte, wie er wollte, auch erfuhr, daß er schon auf denen Reisen des Königs Gemüth gegen Sie besänftiget hatte, wandt sich an diesen. Es dauerte nicht lang, so stellteer den der Königin so süssen ehelichen Frieden wieder her. Dieses, und daß er zugleich der Königin Arzt war, erweckte in Ihr Vertrauen und Dankbarkeit gegen ihn. Es konnte nicht fehlen, daß die Königin dem Struensee Ihre Vertraulichkeit, und er Derselben seinen Diensteyfer bey öffentlichen Gelegenheiten und in Gegenwart anderer an Tag legte. Der Königin und des Struensees Feinde legten dieser Vertraulichkeit einen Grad bey, der die Grenzen überschritte, welche zwischen Personen beyderley Geschlechts, die mit einander nicht verbunden werden müssen, oder können, gesetzt sind. Er ging als ein Ber-

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trauter, als ein Friedensstifter eines Königlichen Ehepaares und als Arzt nngemeldet zu der Königin, er verweilte sich zuweilen bey Ihr, er fuhr und rittemit Ihr aus, er nahm von Ihr Geschenke, und brachte Ihr zuweilen ein oder die andere rare Sache als den Tribut seiner Verehrung. Aus diesen Handlungen, in welchen kein billig denkender Mensch etwas verdächtiges oder unanständiges finden wird, schloß man, der Umgang müsse verdächtig seyn. Als Struensees Untergang beschlossen war, ließ man über diese Umstände Protocolle machen, und ZeugenVerhöre anstellen; der Hert Wivet führt solche zum Beweis in seiner Déduction an, und erprobet daraus die entsetzlichste Missethat, die je geschehen können. Nun will ich einen jeden Rechts-Gelehrten fragen, ob in diesem allen, ein hinlänglicher Beweis des jenigen Delicti stecke, welches der Hert Wivet seiner Königin, und dem Struensee angesehuldiget hat? Ein freyer Umgang, ja so gar die verdächtigste Stellung, in welcher Personen beyderley Geschlechts angetroffen werden, ist noch kein Beweis einer fleischlichen Vermischung. Wenn ich darzu nehme, daß eine

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Engellanderin nach der ihr angevornen Freiheit den gezwungenen Anstand einer deutschen oder dänischen Dame nicht annehmen kann, daß sie in ihren Sitten und Geberden viel freyer, in der Hauptsache aber doch eben so tugendhaft als diese seyn kann, so redet schon das vor die Königin, daß Sie eine Engelländerin ist. Ich könnte hier den Beweis anführen, den die Rechte erfordern, wenn man die geringste Frau vom Pöbel einer Verletzung der ehelichen Treue beschuldigen will, weil aber vielleicht ein und andere Personen des schönen Geschlechts, die viel vom Wahrsagen halten, meine Prophezeiung lesen werden, so verbietet es mir die Ehrbarkeit. Ein jeder Rechtsgelehrter weiß solchen; Da nun diejenige Damen, welche solchen gerne wissen möchten, ihre Männer oder gute Freunde darnach fragen können, so will ich solchen hier mit Stillschweigen übergehen, und den Herrn Wix vet nur hier fragen, ob eine Königin nicht wenigstens ein gleiches Recht mit dem geringsten Ehe-Weib eines Bauren haben soll, wenn es auf die Rettung ihrer Ehre ankommt? Ich hätte hier ein weites Feld gegen

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gm die der Königin geschehene Arretierung und Behandlung ex iure Gentium die schönsten Gründe beyzubringen, allein ich würde nur wiederholen, was der verdienstvolle Ritter Keith schon gethan hat, und was aus denen Zeitungen schon sattsam bekannt ist.

Jetzt dünkt wich, höre ich den Herrn General-Fifcal Wivet fragen, ob ich denn nicht in seiner Deduftion gelesen hätte, daß er des Struensees und der Königin eigenes Gesiandniß angezogen habe? Allein, liebster Hert Wivet, so bald Sie dem Publico gesagt haben, beyde haben dieses Deliftum eingestanden, so hätten Sie auch immer schreiben können, mit was für Worten und Fonnalien das Geständnis abgefaßt ist. Hätte das Publicum dieses gesehen, so wäre es im Stande zu urtheilen, ob der Beweis hinlänglich und überzeugend geführet, oder ob das Bekenntniß sich nur auf einen allzufreien Umgang einschränke, ob ihm das feh: le, was der Jurist zum Beweis dieses Delicti erfordert, und ob es vielleicht nicht sv zwey

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deutig ausgestellet,ey, daß ihm zweyerley Deutungen gegeben werden können. Der Hert Wivet sagt selbst in seiner Déduction, daß der Struensee in seinem Verhör und auf die an ihn gethane Fragen seinem Umgang mit dem Vertrauen und Befehl der Königin, und mit seinem Amte als Medien« entschuldiget. Konnte bey diesen Umständen sein nachheriges Geständniß anderst als zweydeutig und zweifelhaft seyn? Wie kann man sich auf das Geständniß eines Mannes verlassen, der entweder das erste oder letztem«! gelogen? Struensee wollte ein Philosoph seyn, er hatte eine Kenntniß, die tausend andere nicht haben, er hatte sich von gewissen Vorurtheilen mit dem größten Grund und Ueberzeugung loßgerissen: gestand er dem ohngeachtet dem Doctor Munter nicht Sachen zu, die er unmöglich geglaubet, oder für wahr gehalten habenkann? Wie kann man nun in einer andern so wichtigen Sache dem Geständniß eines Mannes glauben, der durch innerlichen Chagrin, durch das beständige Anreden eines Charletanischen Theologen, durchseinen harten Arrest, durch die schimpfllichste Bes i a eg-

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gegnungen, ja durch die Todes - Angst schon närrisch und verrückt im Kopf war, oder doch wenigstens in einer ihn seiner Vernunft und Sinnen beraubenden GemüthsKrankheit lag? Einem solchen Mann soll man ein Gestandniß glauben, das vor denen Augen der ganzen ehrbaren Welt denjenigen, der es thut, wenn er es auch mit Wahrheit thate, zum niederträchtigsten Menschen macht?

Ist nun, wie ich hoske das Struenseeische Bekänntniß umgeworfen, was will der Hert Wivet mit dem Gestandniß der Königin beweisen? Ich setzte den Fall, ich gestehe aber solchen nicht ein, die Königin hatte das Ihr angcschnldigte factum so klar und rein eingestanden, daß Ihrem Geständniß kein zweydeutiger Sinn, und keine Verdrehung gegeben werden könnte: Haben denn nicht die Rechte verordnet, dem Gestandniß einer Ehefrau, welches Sic zu ihrer eigenen Schande gethan, nicht zu glauben? Soll denn dem Herrn Wivet allein ein Juristisches, aus denen Römischen Gesetzen gezogenes Axioma unbekannt seyn;

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wetcyes jener lahrtheit weiß

Mulieri propriam turpitudinem aîleganti non créditer heißt es. Ergo ist keiner Frau, sie sey so vornehm, oder so gering als sie will, zu glauben^ wenn sie'eine Sache gestehet, die ihrer Ehre nachtheilig ist. Wollte doch der Hert Wivetübcr diesen Punkt den ersten besten Commentarium aufschlagen, wie geschwinde würde er die IllegaUtaet seines Beweises einsehen lernen? Wenn ich dem Herrn Wivet nun noch eine Anr necdote erzehle, die er nicht zu längnen im Stande ist, wie wird es denn um seinen aus dem Gestandniß der Königin genommenen Beweist aussehen?

Als die Königin zu Crvnenburg gefangen saß, wurde eine Königliche Untersuchungs-Eommillion an Sie abgeschickt. Drese fragte die Königin, ob das Delictum wahr seye, dessen man Sie mit dem Skrnensee beschuldigte» Die Königin gab Ihren D % gts

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gerechten Zorn und Unwillen zu erkennen, daß man sich unterstehen könnte, Ihr eine solche Frage zu thun, und leugnete es gänzlich. Wie Ew. Majestät wollen leugnen, was Struensee schon eingestanden hat? antwortete man der Königin. Was, erwiederte diese, der Struensee soll das gesagt haben, so hat er es wie der niederträchtigste Mensch gelogen. Gut, versetzte die Commiffion, wenn das wahr ist, das er in diesem Stück die Unwahrheit geredet, so hat er ein Leimen laefae Maieftatis begangen, und verdienet allein darum gerädert zu werben. Das war die Königin auf die Mitte der Fall-Brücke gestellt. Einen Schritt sollte Sie thun, dieser mochte nun vor- oder rückwerts geschehen, so mußte Sie fallen. Man that Ihr eine solche auf Schrauben gestellte Frage, dergleichen man, wenn ein Verhör seine Rechts-Gültigkeit behalten soll, nicht einmal dem größten Delinquenten thun darf. Nun stelle man sich der Königin Herz in diesem Augenblick vor, wie in demselben der gerechte Zorn, erstlich Ihre Unschuld angegriffen zu sehen, zweyteus von einem Unterthanen befragt und zur Rede gestellt

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zu werden, und die Wehmuth Ihren treuen Diener, welcher Ihr seine Ergebenheit durch Herstellung der Ruhe in Ihrer Königlichen Ehe so oft bewiesen, das Schlacht-, Opfer einer Cabale werden zu lassen, mit einander gekämpft haben. Hier muß kurze Entschließung gefaßt werden, dachte die Kö-. mgin. Entweder muß meine Ehre, oder dev Kopf eines Mannes, dem ich Dank schuldig bin, aufs Spiel gesetzt seyn. Meine Ehre, dachte Sie, kann ich wieder retten, wenn ich nur Zeit und Gelegenheit habe;, seinen Kopf kann ich ihm aber nicht wieder aufsetzen, wenn er ihn einmal verloren hat. Mit einer mehr als. männlichen, und nur einer Englischen Prinzessin möglichen Standhaftigkeit und Großmuth fragte Sie also Ihre zudringliche Richter: Werde ich denn, dem Struensee das Leben retten, wenn ich ja sage? Man machte der Königin eine bejahende Verbeugung, und Sie sagte: Ey nun, so will ich ja sagen. Man legte Ihr eine Schrift zur Unterzeichnung vor. Diese unterschrieb Sie, wie der Graf Münch Ao. 1742 das gegen ihn gehaltene Protokoll unterschrieben hat. Man bes > schul-

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schuldigte diesen Grafen einer Sache, in welcher ihn sein Gewissen frey sprach. Er hatte sich leicht verantworten können: man gebrauchte aber statt seiner bey dem Vorfall gegenwärtig gewesenen General-Adiutanten und Officiers gemeine Soldaten zu Zeugen, welche nach Art des gemeinen Russischen Mannes für die allerge.' ringste Belohnung alles sagen, und thun was man verlangt. Als der Graf Münch sähe, wie widerrechtlich und ungereimt man den der Untersuchung verfuhr, sagte er zu dein GeneralProcureur, er möchte anstatt seiner nur selbst die Antworten aufsetzen, wie er sie gut finde, er wollte sie unterschreiben. Der General-Procureur nahm dieses buchstäblich an, und der Graf Münch unterschrieb das Protocoll ohne Schwierigkeit. Man lese die Lebens - Geschichte des Grafen Christophs von Münch im Bnschingschen Magazin Tom. Il p. 507 nach. Wenn das ein Held gethan, was kann eine Dame thun? Was hat man in Copenhagen vor Zeugen abgehöret? Nicht wahr, Bediente, Mohren, die über den Struensee, weil er

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ihnen die Degen, über welche die Fremde gefallen, abnehmen, kaffen, und die Einrichtung machte, daß Sie die von des Königs Tafel unvvrgelegt abgenommene Pasteten nicht mehr in der Stadt verkaufen konnten, erbittert waren? Und eine Fraulein, von der in Copenhagen ein Rufgin: ge, daß, wenn solcher wahr ist, ihr Zeuguiß schwerlich gut für den Struensee ausfallen konnte, und eben darum keinen Glauben verdienet. Hatte man doch gut gefunden, der Königin und dein Struensee die sonsten Rechts-gewöhnliche ; Exceptiones contra personas et dicta teftium zu gestatten.

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Was man sonsten an dem Verfahren gegen den Struensee und an der Instruction seines Processes getadelt, willjich hier nicht wiederholen, da ein jeder die seither dessentwegen herausgekommene Schriften selbst Nachlesen kann. Bey einer solchen Pflege der Gerechtigkeit kann man seines Lebens und Ehre bald verlustig werden. Kein Mensch wird die vorgegangeD 4 ne

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ne Illégalitaetcn weder denen Richtern, noch denenjenigen hohen Personen bey messen, welche sich in dieser Sache aus denen besten Absichten verwendet haben. Aber der Aristokratischen Parthie legt man solche zur Last, welche den König, andere hohe Personen, und selbst die rechtschaffenste Richter getauschet haben. Von diesen sagte Struensee, als er auf das Chaffot ginge: Ich habe Feinde gehabt, aber so weit hatte ist) nicht geglaubet, daß Sie ihre Feindschaft treiben würden.

Ich will, ehe ich schliesse, nur noch «ins zur Vertheidigung der Königin sagen. Wenn diese Dame eine Neigung zu dergleichen Ausschweifungen hatte, würde Sie solcher nicht lieber in Celle, wo sie frey und unbeobachtet lebt, jetzo da sie beleidigt, ohne Gemahl und Pflichten ist, Platz geben, als in Copenhagen, wo Sie unter denen Augen Ihres Königlichen Gemahls lebte, und wo Ihre Feinde Jbre Aufseher gewesen? Allein trete auf o Celle! Laß deine

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Einwohner reden! Vornehme, Mittlere und Geringe, Reich und Arme, Alt und Junge, Jederman giebt Ihr das Zeugniß, daß man in Ihrem ganzen Betragen nicht einmal einen Verdacht, viel weniger eine Spur schon vergangener Ausschweiffungen findet. Das macht, daß Sie Jederman liebet und ehret.

Man fangt schon an, diese Wahrheiten in Dännemark einzusehen. Die, welche sich in dieser Sache am berühmtesten gemacht haben, sind entfernet, alte treue Diener werden zurück berufen, und ich glaube, die Königin Caroline Mathildis wäre schon wieder in den Armen Ihres vonJhr dieseStunde noch geliebten Königlichen Gemahls, wenn man sich hatte überwinden können, einen Schritt eben so geschwinde rückwärts zu thun, als man solchen in der größten Uebereilung vorwärts gethan hat. Es geschieht aber gewiß noch, und vielleicht ist Dännemark bald so glücklich, diesen Tag zu erleben, den es mit goldeDs nen

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tien Buchstaben in seine Geschichts - Bücher eintragen muß. Denn, kann Christian VIL eine edlere, eine schönere und unvergeßlichere Handlung thun, als die Unschuldseiner Gemahlin retten?

Ich, der ich nicht den Vorzug besitze, ein Däne zu seyn, und vielleicht auch niemals geschickt und glücklich genug seyn werde, dem dänischen Monarchen meine Dienste weihen zu können, wünsche in einem prophetischen Geiste Dannemark im voraus Glück zu diesem frohen Tage.

Weise Vorsehung! Ich, der ich dich in meinem Staube und Nichts demüthigst verehre, ich flehe dich so oft vor meinen Nächsten an, weil du das Gesetz in mein Herze geschrieben, was du willst, daß dir geschicht, das thu auch andern. Vor dir ist meine Stimme, die zu dir dringet, so vernehmlich, als die Stimme eines Monarchen. Erhöre sie, wenn ich dich o Schöpfer und Erhalter unzähliger Welten hier¬

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durch bitte, den dänischen Monarchen, Seine Königliche Gemahlin, Seinen Kron-Prinzen und das ganze Königliche Haus in deinen allmächtigen und sichersten Schutz zu nehmen. Vereinige zwey edle, einander würdige Herzen, die schon durch ein beyderseitiges, vor deinem allsehenden Auge gethanes Versprechen verbunden gewesen, der Neid und die Bosheit aber gctrcnnct hat. Alles was du machst, das ist wohl gemacht. Du thust nichts ohne Absichten. Diese sind aber Göttlich, und ebendarum uns armen Erdwürmern verhüllt und unbegreiflich. Oft entwickelt uns solche die Folge der Zeit: und wir müssen alsdenn sagen: HErt! wie weise und wie gerecht bist du! Auch du hast die Vorgänge in Dännemark geschehen lassen; deine Weisheit war dabey nicht ohne Zweck. Vielleicht sehen wir solchen bald, und alsdenn wird die Welt deine Allmacht preisen.

Ich selbst bin an einem ganz kleinen Hofe ein weit unglücklicheres Opfer der Cabalen und Intriguen geworden, als es Strur en-

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ensee an einem der größten Hofen Europens ward. Denn er war wenigstens seines Elends durch den Tod in etlichen Wochen überhoben. Werweiß, wie lange ich noch im Elend wandern muß, indem ich noch keinen Erretter sehe. Ich halte aber geduldig bei; ner Hand stille. Du mein Vater, du mein bester Freund, dem die Redlichkeit meines Herzens, und die Rechtschaffenheit meiner Handlungen besser als meinen Feinden bekannt ist, du wirst mir solche schon reichen, wenn es Aeitist,damit auch ich einer der Geringsten deiner Creaturen dich loben und verherrlichen möge.

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