[Komp.: Carl Christian Agthe (1778) Textverf.: Christian Felix Weiße] HLS Martin Velten eine Komische Oper in 3 Aufzügen. [titelbladet skrevet på et tæppe på et stik]

        

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Spielende P e r sonen.

ven Stern bein. ein Edeunannn fixas, Lottchcns Varer Lottchcn, ein' Baurenmâdgen Martin Velten , ein lustiger Schuhflicker Jost Mayer sein Eevatmmann Niklas, ein Schnhknccht Michel, Lottchens Liebhaber Peter, Stemhcimv Bedienter ein Matrose ein Courier

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Erster Auszug

Erster Auftritt.

(Die Dehaußrmg Marlin veircns — er und Niklas arbeiten — Velten see —)

Velten.

C|| ch ! da Mögt einem der Buckel auf. springen — daß mich doch mein Vater kein ander Handwerk hak lernen lassen — — da sagte er mir allzeit: Mein Sohn — das Schussickerhandwerk ist eine rechte Goldgrube -— Pech.

grube hatte er sagen wollen —- — ich

muß nur ein wenig ausruhen (er wirft A 2 alles

J

4

Martin Velten¬

alles auf die Seire) sonst flick ich mich noch krum und lahm, hör Niklas — gelt es ist ein verdammtes fchmuziges Handwerk ums Schuhflicker Hand« werk? —

Niklas.

So viel Köpfe fo viel Sinnen — Närrin 'Decken.

Da seht doch den Propheten auf feinen Dreyfuß wie er mit Sprüchwörkern um sich wirft — nun Hert Prophet Appell», was halt er denn davon? — Niklas.

Ich weiß selbst nicht — es ist wahr, es ist ein fchmuziges Handwerk, aber Meister Velten, nicht alles was glänzt ist Gold — aber es kann doch zu Gold gemacht werden — zum Exempel: Leder und Pech ist kein Gold, aber —

Velten.

5

Aber die Schuhe %

Velten.

Die mögen auch ein bißgen ausruhen, oder, wenn ihnen die Zeit zu rang wird, — sich selber flicken

Meinst du nicht Niklas, unsere Vater hätten gescheiter gethan, wenn Sie uns das Iunkerhandwerk hätten lernen lasten? das ist noch ein Handwerk, Niklas, aber das SchuhflickerHandwerk — cs will mir gar nicht in den Kopf, daß er mir eine so schmuzige Erziehung gegeben hat.

A 3 1, Mein

6

6 Martin Velken,

ï

Mein Vater war eur beîer Mann, Der mich zum Schuster machte,

Ihn selbsten sah kaum enter au Wenn er sich noch so plagte.

2,

Zwar gicng's bey rhme rmmerzu, Da laß ich dir's noch gelten;

Dock roch er dir nach Pech, wie'du, Wie du und Martin Delten.

3-

Ein Schneider wohnte in der Nah' Der wußte recht zu stehlen,

Sein Kleid war schon —- es glanzete, Dem Schurken konru's nicht fehlen.

A,

Ich sah vor dem Wohl Vesten Mann Die Leute tief sich bücken.

Sie sahn ihn vor was rechtes an. Gleich krümmten sie den Rücken.

5. Zwar

7

5-

Zwar hatte er im Angesicht

Kein Pech, drum könnt es gelten.

Benin Canc Krispinus war doch nicht

Ein Schuster, Martin Velken.

Niklas,

Meister Velken! habt ihr noch nicht in der Chronik vom Chursürst Spasianus gelesen? der hakte einen Wahlspruch, den Hab ich auch: der Gewinst riecht von allem gut — und mögket ihr wohl ein Schneider feyn, Velten? Pfui doch.

Martin.

Freylich Niklas, ist das Schuhflickerhandwerk ein weit ehrsameres Handwerk, drum hat es auch, nach allen göttlichen und weltlichen Gesehen den Rang vor jenem; aber ich fagre ja A 4 nur

eine Operette.

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8

r

Martin Velken,

nur so, Junker mögt ich seyn Niklas! Junker!

i.

Recht gute Tage haben fie,

Sie schlafen Lang; sie fressen,

(Lie saufen, arger als das Vieh,

Und halten sich Maitressen.

Dann jagen sie eins nach den Susk,

Und schießen, schreyend: - piff-paff-pusk, Sich Schweine und Maitressen.

Kommt dann ein Dauer in den Wald, Vergißt recht auszuscharren,

So kriegt er Schlage, daß es schallt, fm — PUM —> die Felsen schnarren. Dann zieht man ihn zum Wald heraus Und fahret ihn halb tod nach Hanß Auf einem Ochsenkarren —

Aber beym Sanct Krisprnus, so rasend wollte ich drum nicht seyn, nein, hurtig, Niklas, es pocht — ich will

mich

AR

9

eine Operette.

mich indessen hurtig an meine Arbeit sehen, daß die Leute nicht sagen, Meister Martin Velten ist ein rechter Faul« lenzer —

(er fingt!)

es

Gewiß ich Martin Velten, bin Von adlichem Geblüts,

Drum se) im Traum ich immerhin Rohr, Degen, Federhutc.

Wie «Mich nur zwey Herrn von Stand

Aus Amsterdamm erzählten.

So giebt es gar in ihren Land An6) Grasen von der Velten —

Wie leicht, daß ich aus der Familie hin, wahrhaftig —

(Jost und Nitlar kommen herein.)

A 5 LUD)

1

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jo Martin Velten,

weer Äu fivm.

Marti» Veiten. Meister Jost.

LE

Martin Oclten.

(y

y, guten Tag Meister Jost — wie stehts ums åben? ihr kommt eben recht, da Hab ich —

Isst Mayer.

Nun Martin, da Hab ich Martin.

Pfui doch Soft — so grob — Martin ist nur mein Vorname, Hert von der Velten, ist mein rechter Name, gebürtig von Amsterdam!» — .auS gräflichem Geblüte — hast du noch nichts von den Grafen von der Velten gehöret, von meinen Herrn Vettern Jost! von meinen Herrn Vettern!

Isst.

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eine Operette.

i -

^ Isst.

Das muß mir eine feine Freundschaft feyn — Martin, der luftige Schuhflicker sollte -

Martin.

Gemach, (oft, gemach — es wäre das erste Exempel nicht, daß Schuhflicker oder Kutscher Verwandten von manchem adelichen Hauße sind — wahrhaftig nicht.

Ich kenn dir manchen Edelmann Im deutschen'Reich, —

Gad du der Mamma Kutscher an Er sil) ihm gleich,

Er flucht, er schwört, wie jener dort Und denkt auch so —

Drum Jost, mit eurem Zweifel fort — Das macht mich froh.

Hab ich doch so was übliches in den Minen, nicht wahr Niklas?

Niklas.

II

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12

12

Martin Velten

Es

i

Niklas.

Ja, so em bißgen etwas ihr seht so liederlich aus wie mancher Junker. Martin.

Daß dich die Pest Schurke, Hab' Respekt, oder —

J0%

Aber was Henkers wollt ihr denn mit euren narrischen Grillen?

Martin.

Das will ich euch gleich sagen;

È. >

Ich sollte euer Junker seyn,

Das war ein herrlich Leben.

Bon Schatzung wollt ich euch befrcyn, Nicht Steuern sollt ihr geben.

D,

Nicht stöhnen dürftet ihr dann mehr Und keine Wege machen,

Ich druckte nicht das Land so sehr

Und schenkt' euch taufend Sachen,

3 Im

13

Im Jahre einmal mußtet ihr Au mir ins Schlößgen kommen,. Da trankt ihr a Ke eins mit mir Die Weiher mitgenommen.

rv

Ich ließ, wie bey der Kayftrs Wahl» Euch einen Ochsen braten,

Wein mußte springen auf einmal,

Wie sie zu Frankfurt chsten.

5-

Es mußte Bier und Branudtewei», Im Land wie Ströme fließen,

Ihr durftet in den Wald hinein Und selbst euch Hasen schießen.

6.

Den Amtmann ließ ich euch zur Freud* An lichten Galgen hangen.

Denn konnte er euch gute Leut,

Nicht mehr, wie sonsten, drangen.

Nicht

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YA

Martin Velten,

Nicht wahr Jost, ich würde ein braver Junker geworden styn — aber — leyder Gott! so bin ich nichts als Meister Velten —

Isst.

Der Schuhflicker; aber was will dann Peter ?

(Peter kommt.)

Dritter Austritt.

Die Vorigen, perer.

Peter.

gehorsamer Diener Hert Graf van ! der Velten — wie stehts € hat er AB

die Grillen noch nicht verschlafen? doch Gedult, vielleicht ändert sichs bald, wir haben der Exempel gnug — f

Ulartin.

Was sagt er Hert Peter? Glaubt er wohl daß —

Peter.

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r.

eine LO pereffte,

Peter.

C'y, warum denn niait — alles ist heut zu Tag möglich, und im Vertrauen , es ist ein Schisk von Amsterdamm angekommen. Wer weist, Hert Veiten, wer weiß — ich habe so schon etwas murmeln hören — aber —

Martin,

€, um Gottes willen, Hert Pi', fer — was ist es dann? sage er mir es doch — Niklas soll ihm ein Paar spanfunkelnagelneue Schuhe machen.

Derer.

Gnug Hert Martin, er wird wohl keine Schuhe mehr machen —

(doch wer kommt da?)

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Martin Velten-

Vierter Auftritt.

Die Vorigen und der Matrose»

Matrose»

Hk skal uw? wat alleen feggen myn Heer Martin ^

Martin.

Peter- was sagt er ?

Derer.

Er mußte euch etwas alleine sagen. Martin.

Niklas tritt ab — mein Hert Matrose- vor diesen Herrn habe ich kein Geheimniß.

Matrose.

18 uwe Naam niet van der Velten. Martin.

Zu dienen mein Hert Matrose» Mairose.

So fall ick uw3 glück wunschen, myn Heer Ga

Martin.

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Martin. Was? ich ein Graf?

Matrose.

Leezt naar deezen Brief.

Ij

Martin.

Geschwind gebt her! Peker hat er nicht einen Groschen, gebe er ihn ihm doch, ich will ihn aus Dankbarkeit zu meinem ersten Staatsminister machen.

Peter.

Ich danke Ew. Hochgrästichen Excellenz — wünsche— fernere — Continuation —

Martin.

Schon gut Peter! ich will seine Gratulation vor empfangen annehmen ; (liest den Brief.) Jost! Peker! hört zu — doch ich muß auch YB erst

18

18

Martin Belten,

erst die Aufschrift lesen An Jh,

ro Hochgrafliche Excellenz, Herrn Herrn Martin Velten, hochbestalten Schuhflicker in. Sternhein — — — — Hochwohlgebohrner Hert Graf, un. überwindlicher Schuhflicker! Kraft alter Dokumenten erhellet, daß Ew. H. G. Ex. Hert Schuhflicker, Martin Velten, in linea C.jllaterali aus dem uralten Hause van der Velten abstammen , diese habe auf gnädigsten Befehl der Herrn General-Staaten Ew. H. G. Ex. zu melden, damit Hochdieselbe Dero Collateralgüker beziehen können.

Ex raanqatoKens,

LIDIA,

Nun

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eine Operette.

EO

Nun Peter! Jost! was sagt ihr dazu! jehk muß mich Lottchen Heurächen, und wann sie auf Steltzen Zieng

Isst.

Ew. Epcellenz verzeihen, wann ich mich bis dato wider den Hochdenselben gebührenden' Respekt ungeziemend ausgeführet habe — protestier dargegen von Herzen, und verbleibe —

Martin.

Ach verzeihe euch, Und zun Zeichen meiner Gnade laß ich euch zum Handkuß, (er reicht ihm die Hand) und er, Peter, gehe er zum gnädigen Herrn, und vermelde er ihm meine Gnade, und er sollte so gut seyn, mir den rechten Flügel seines Schlosses bis zu meiner Abreise nach van Velten zu leihen —

B 2 Peter.

»

Sk

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20

Martin Velten,

Peter.

Wie Ero. Gnaden befehlen. Matrose.

Ik lief ook nok eene Kürte an iwe Gnaden.

Martin.

Was? eine Küste? gleich tragt sie her —

( der Matrose geht ab. )

| F

Mehr bin ich jetzt als Edelmann Und reicher noch, —

Nun Jost, {eh doch den Grafen an.

Du glaubst es doch.

Mit sechsen fahr ich jetzt herum Im Gallakleid,

Da stehn die Bauern start und stumm, Vor lauter Neid.

Z. Und

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Und wann ich so im Dorfe fahr,

Roth im Gesicht,

So kennen sie, der Schuster war Graf Velten nicht.

Hör Jost, gehe mit und hilf mir ioktchen suchen, — doch — nein — gehe du in etliche Bierschenken, und sage es allen, daß Sie wissen, was aus mir geworden ist

Io st.

Wie Eure Gnaden befehlen —

(gehn beyde ab.)

Fünfter Auftritt.

(Die Scene verwandelt sich in eine ländliche Gegend mit Eichenbäumen, nicht weit vom Schlosse.)

B z Lort-

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gute Michel! kvann ihm nur mein Vater nicht so Hose war! der wüste Schuflicker der liegt ihm immer in den Ohren — aber ich Habs ihm einmal rund heraus gesagt, ich will ihn nicht —-

Da kam er jüngst zu mir und sagte:

Ich — schönes Lottchen! liebe dich — Ich sah ihn schalkhaft ach und lachte, Und sprach: die Rühe spahr er sich.

s. Drauf

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Drauf wollte er mich einmal küssen,

Da rief ich ihm, Hert Schuster weg!

Von ihm werd' ichs nicht leiden müssen,

Denn Martin Pfui! er stinckt nach Pech —

Und da wollte er sich dort an der Silberquells waschen — aber ich sagte ihm: Meister Velten mach er doch den Bach nicht schmutzig -— und da wurde er böse, und gierig fort. Ha! da kommt ja mein Michel.

Sechster Auftritt.

Lottchen. Michel.

Michel, (im Hereingchen.)

Ty steh doch, da ist ja mein Lotkchen— guten Tag Lottchen !

Lorrchen.

Guten Tag Michel!

B 4 Michel.

24

24

Martin Velten,

Michel.

Wem sind dann die Blumen da im

Körbchen?

Lottchen.

Was mir das für eine Frage ist! für wen sonst als für dich Michel ! Aber hör, du must mir auch ein Lied singen. Michel.

Das will ick), Lottchen! aber — hast du mich dann noch lieb?

Lottchen.

Ja gewiß Michel! warum fragst du aber so artig?

Michel.

Ich höre es eben so gerne Lottchen, wann du mir es sagst —

Lottchen.

25

eine Operette. 25

2.

Die Veilchen duften holder hier Im Blumenthal —

Ist nur mein schöner Hirt bey mir, Und singt einmal.

Michel,

Ost pflegt ich an der Silberquell' Allein zu gehn,

Er floß auf Kießlen still und hell. Doch nicht so schön,

Als da an seinen'. Ufer ich,

Mein Lottchen fand, —

Wo sie den Blumenkranz vor mich. Von Rosen wand ....

Lauchen.

».

Da, wo der Wald voll Veilchen blüht, Da sang einmal

Vom stillen Busch ihr zärtlich Lied,

Die Nachtigall. —

Bz NE Da

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D)

Martin Vekten,

2

Da sang ihr bald mein Hirte nach Am Thale hie,

Er-fange kaum fein Liedchen, ach?

Da schwiege sie.

Michel.

Wahr ists, es schwieg die Nachtigall, Es schwieg der Wald,

Um Felsen schwieg der Wiederhall, Der sonsten schallt.

Und alle Busche horchten stumm Das Lied von mir,

Es lauschte still der Dach, warum? Ich sang von dir. —

A. Orten,

omm geschwind her Michel, daß )ir den Strauß gebe, du singst so liebst! aber Michel, wenn dir doch wem Vater gut wäre! was wollen

FULL

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Michel.

Wenn du es nicht verrakhen willst, so will ich dir etwas sagen: du kennst doch Detern, der dort im schloß mit dem gnädigen Herrn wohnt, der sagte mir heute, er wollte es schon dahin bringen, daß wir einander heyrathcn dürsten.

Lottchen.

D?! geh doch Miches, ich will dich ja nicht Heyrathen!

Michel.

Was? du wille mich nicht heyratheu Lottchen?

Lottchen.

Nein! lieben will ich dich Michel!

Michel.

O Lottchen ! wenn man erst geheyrathet ist, da liebt inan sich recht, mehr als jeßf.

Lottchen

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28 Martin Velten,

Lottchen. , Das ist unmöglich Michel, aber wenn du nicht anders willst, ja nun so herathe ich dich auch. Aber Michel, Lu hast mich ja heute noch nicht geküßt! Michel. Du hast recht iottchen, komm ich muß dich küßen, Totten. Kein Gold bezahlt den Michel mir, Mein ist er, ich bin sein. Die Blumen in dem Thale hier Die sollen Zeuge styn. Des Veltens Liebe sprech ich Hohn, Ja käme heut noch ein Edelmann Ich sähe ihn über die Achsel an. Und sagt: ich liebe schon. Aber da kommt ja der Edelmann. Wann er nur nicht gehört hak, was ich gesungen habe! Sieben-

29

eine Operette.

29

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Von Srernhci'.n, (Mm einem Iagdkleide und einer Flinte, er stellt sie an einen Baum.)

Von Sternheim.

„Jun ihr guten Kinder, was macht ihr da ?

SD ottMen.

Ihre Dicnerinn gnädiger Hert, ich wand ein Blumenstrauß vor meinen

Michel.

Und ich, gnädiger Hert, ich sang ihr ein6 — und küßte sie.

Von Sternheim.

Ihr habt einander also recht lieb? Heyde. Ja gewiß gnädiger Hert, gewiß. Von

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Von Sternheim.

Was sagt aber dein Vater dazu, Lottchen?

Y atten.

SD! der böse Martin Velken heht meinen guten Vater immer gegen uns auf.

Michel.

Ja gnädiger Hert, er will sie selbst heyrathen.

Von Sternheim.

Das soll er nicht Michel. Peter hat mir es schon gesagt; ich verspreche es euch.

Dede,

O! vergüte Peter! der liebe gnädige Hert!

Von Sternheim.

Aber wie habt ihr es denn gemacht Kinder,daß ihr einander so lieb habt?

Michel.

31

eine Operette

Michel.

Das will ich Ihnen erzählen. oe,

Und ich auch.

Michel.

fr

Ich sah mein Lottchen in dem May, Schön war sie, wie wenn Rosen Im Lenz bey stillem Abendroch Die Weste sanft liebkosen.

Wie Zephirs in dem -Blumèn Thal Um blaue Veilchen spielen,

So sah ich sie; da mußt mein Herz Ach plötzlich mußt es fühlen.

Lorrchcn.

So sah ich ihn, da mußt dieß Herz Ach plötzlich mußt cs fühlen.

Michel.

Da wünscht ich Sie zur Rasenbank Dort zwischen stillen Bachen —

Da dacht ich, könnest du doch einmal Von Liebe mit ihr sprechen.

Lottchen.

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Er doch zum stillen Layne;

Und liebte mich! wir waren ja Da unbelauscht, alleine.

Michel.

Doch lächelnd kam sie einst zu mir, Noch kann mein Aua' sie sehen,

An ihrem Arm zur Silberquell,

Am Myrrthen Hayn zu gehen.

Lottchen.

Wir giengen. Oftmals seufzt er tief. Ich könnt ihn seufzen hören!

Da fragt ich ihn: was fehlet dir?

Kann ich dein Leid zerstören?

Michel.

Das kannst du Madgen, jagt ich ihr: Willst du mich zärtlich lieben?

Lorrchen.

Da wurd ch roch und fragte ihn: Was Freund! nennst du dann lieben?

Michel.

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Michel.

' Ein Kuß auf deinen Rosenmund O! Lottchen soll dirs sagen!

gotten.

Da küßt' er mich, und ach! da wollt Ich ihn nicht mehr so fragen!

Michel.

Und schamhaft fiel ein holder Blick Auf ihren Busen nieder.

Lottchen.

Da nahm er mich in seinen Arm Und küßte schnell mich wieder.

Michel.

Da uberzog ihr Angesicht Die allersanftste Rothe;

So glüht auf Rosen an dem Hayn Die holde Morgenrothe.

Und zärtlich uberließ sie sich Des Herzens sanften Spielen.

Doch gnad'ger Hert, das lastet sich

Nicht sage», nur sich fühlen.

C Don

34

34 Martin Berten,

Pou Sternheim.

Das war schon Michel, recht schön Lottchen! ihr sollt auch einander heyra» then und wenn tausend Velten in der Welt waren. Lottchen! würdest du mir wohl auch einen Blumenstrauß winden und mich küßen, wann ich dir eins sange?

gotten.

Ja wohl, wann Sie es erlaubten.

Von Sternheim,

Nun;o hört mir dann zu:

X.

Nur in den Schatten stiller WälderNur auf den Blumen, grüner Felder Liebt bk Natur.

Da wo die Bache sanft durch WiesenMit lisplendem Betone- fließen.

Da liebt man nur. —

IM, Hayne wo in dunklen Hecken

Sich holde Mdgen schlau verstecken,

Der

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Der Hirt dann klagt “

Wo, wann er sucht, sie sti le lauschet, Doch endlich in den Blattern rauschet Und schalkhaft lacht. —

Z.

Geführt von Unschuld stießt ihr Lehen,

Der Liede Freuden nur ergehen,

Still, wie der Bach.

Der Thor' in glanzenden Pallasten Erkennt ihr Glück, — seufzt unter AestcN Ein Grciß, ihr nach.

Loltchcn.

Nun gewiß, das war recht schön! den Blumenstrauß will ich Ihnen bringen, aber — wann Sie es crlauben — Sie — gleich küssen.

Von Slernheim.

Komm her gutes kottchen! (er küßt sie) und du Michel, komm auch her, ich verspreche euch, ihr sollt glücklich werden.

C - Michel.

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Michel.

O! Sie werden uns glücklich machen!

Von Stern bein

Wer kommt da Lotkchen? es ist der Schuhflicker Velten; stelle dich, als wenn du ihn nicht kenntest. Mi. chel, da verstecke dich hinter dem Baum ; ich komme bald wieder zu euch. Adieu Lotkchen!

Ff ottchcn.

Adieu gnädiger Hert!

(von Sternheim geht ab.)

Achter Auftritt.

Martin Delrcn, (in einem Mantel Und einen Huth auf feiner Mühe) Lort. chcn. (siht und windet einen Strauß) Michel, (hinter demBaume.) Martin.

N him Element da ist Lotkchen. Ich muß sehen obste mich kennt: guten Tag Mädgen!

L ottchcn.

37

eine Operette.

37

Zotten.

Ihre Dienerjnn , Mein Hert!

Martin.

Sie ist ein artiges Jüngfergen!

Lottcyen.

Das sagt mir Michel alle Tage. Ich habe ihn auch recht lieb.

Martin.

Wer ist dieser Michels mein Schah?

Lottchen.

O! der allerbeste, der allerschom ste Hirt auf der ganzen Flur, er war eben bey mir, ich küßte ihn und er küßte mich so zärtlich, und das im Vertrauen gesagt: (sie steht auf und stellt sich als sagte sie es ihm heimlich) .alles dem Schuhflicker Martin zum Possen.

Martin.

Was? dem Schuhflicker Martin

zum Possen? das ist drum gottlos.

C 3 Lottchen.

38

38

Martin Velten,

Lsktchen.

O! wenn sie den garstigen Mann kennten! sie würden gewiß sagen, wir hätten recht.

Martin.

Nicht doch! ich renne den Mann, er ist ein recht artiger, braver Mann. Aber einen Hirten zu lieben! Pfui, Pfui, sag ich.

Lottchen.

Ô gehen sie! sie kennen ihn ja nicht, wann sie nur wüßten wie lieh wir einander hätten!

Martin.

Mein! wie könnt ihr Leute auf nn Dorfe doch einander so lieb ha« ni! geh! was versteht ihr von der

39

Zotten.

Gewiß verstehen wir es;. ich will es ihnen nur erzählen wie mein Michel und ich ansiengen uns lieb- zu haben. ,

Martin. (Hey Seite.)

Das mag mir eine feine Geschichte seyn!

AZ Otten.

Sehen sie' da trafen wir uns bey einem Reyhentanz an; der liebe Michel kammeben mir zu stehen, ersähe mich recht zärtlich an, und da schlupfte mir so etwas durch den Busen, ich weiß es nicht recht zu nennen — nun so etwas, daß ich bis ins Herz empfand.

Narrin..

Ja ja f

Lenchen.

Nun so hören'sie doch! hernach drück, te er mir dis Hand> und — da fühlte C 4 ich

40

Nartin Velten,

ich es wieder , und noch so etwas das mich zwang ihm die Hand wieder zu drücken — und ich weiß nicht wie es kam — ich mußte seufzen.

Martin.

Die Hexe !

Lottchen.

Und dann sah ich ihn an, grad wie er mich ansah, und da fiel plöhlich mein Blick auf den Strauß nieder, und ich wurde so roth — so roth '—

Martin.

Blutroth!

Lsttchcn.

Nein so nicht! so wie diese Rose; und ich weiß nicht wie es kam, ich konnte nicht mehr ohne den Hirten seyn. Gien g ich schlafen so sah ich den Michel; stand ich auf, so sah ich den Mi¬

ch«;

41

dief ; gieng ich mit der Heerde, so sah ich den Michel;

Martin.

Mit dem verwünschten Michel! that ich ein Hemd an, so sah ich den Mich

— (sie halt ihn den Mund zu) den Mich OSH

— den Michel.

Lottchen.

Wenn sie auch so wollen so red ich kein Wort mehr.

Martin.

Nun so mach nur fort.

Zotten.

Ueberall—überall war Michel. Ich wünschte recht den. schönen Michel zu se. hen! und endlich —

Martin.

Fandst du ihn. (bey Seite) der vers wünschte Michel!

Cs

Lottchen.

42

42

Martin Venen,

Lsttchcri.

Ja! ich saß eben am Bache und wand einen Blumenkranz; da kam er wie ein Pfeil zu mir geflogen, und denn stand er still, und fragte mich schüchtern: darf ich mich zu dir sehen Lottchen? ja guter Wichel sagte ich! aber wollen wir nicht lieber dort in die Schatten am- Myrrthenwald gehen? wie du willst Lottchen! es ist überall schön wo du bist — und da grenzen wir mit einander — -

Närrin.

In den Wald?

A Otte,

Ja in den Wald! und da sagte er mir: Lottchen wenn du wüßtest wie lieh ich dich habe! ja wenn du es wüßtest— da fragte ich ihn schaamhaft: ey Wichel

43

chel wie liebt man denn: ich will gar gerne auch lieben, und da küßte er mich recht auf den Mund, und —Martin.

Und— was — was — und —Lottchen.

Und ich druckte ihn recht zärtlich an mein Herz, und — küßte ihn auch. Martin.

Das ist drum abscheulich!

Zotten.

OD! gehen fie doch! ssust hatte ich den Martin Velten auch ein bißgen gern, aber — zum Glücke kam mein lieber Michel und — fischte mich ihm vor dem Maul weg.

Martin.

Das ist nicht auszustehen. Und du liebtest zuvor den Velten? und Michel —

Lottchen.

f

ER

»

44

Lorrcyen.

Ja, und Michel war die Ursach, daß ich ihn jetzt gar nicht mehr leiden kann.

Martin.

Lottchen sieh mid) einmal recht an' wolltest du mich nicht dem Michel vorziehen? beym heiligen Krifpinus!

Lottchen.

Pfui doch! Pfui! — so fluchte als der garstige Velten, und wann ich sie jetzt nicht mögte, so wäre es blos weil sie so garstig fluchen wie der stinkende Velten.

Martin.

(bey Seite.)

Daß ich auch meinen Stand so verse — (zu Lottchen) höre Lottchen wann mich lieb haben willst, so sollst du einer Kutsche mit sechs Pferden

Lottchen.

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Ich mag nicht! ja wenn sie nicht so garstig geflucht hätten wie der schmuzige Velten!

Martin.

(bey Seite.).

Ich wollte ich hätte was anders im Maul gehabt! (zu Lottchen.) aber lokt. d)cn ft y nicht narrisch! komm her und küsse mich doch einmal!

Fg otien.

Ich? sie küssen?

Za wan» der Hert mein Michel war

So ließ ichs immer gelten.

Allein den küß ich nimmermehr Der flucht wie Martin Velten.

2. Und

46

46 Martin Velten,

2. Und in der That so habe»» fie Von Velten in best Minen, So was; ersparen sic die Müh! Sonst — wollt ich gerne dienen. 3Wer bey dem Sankt Krispmns flucht And war er Graf und König, Wann er bey mir ein Küßge« sucht Erhielte allzeit wenig. 4Ja wann der Hert mein Michel war So ließ ich eS noch gelten. Allein den küß ich nimmermehr Der aussieht als wie Velten. Ich empfehle mich Ihnen Ihro Gna. den! (sie will fortlaufm — er hascht Tè, sie reo) Neuirt

47

Die Vorigen und Michel. Michel.

<A Jas gr'evks da? wasgiebts? Hey Hey gnädiger Hert! laßen sie mir mein Löckchen in Ruhe , oder — Martin.

Respeckt Kerl ! kennst du mich nicht? ich bin ein Graf!

Michel.

Das ist mir eins, Hert Graf ! lassen sie mein Mädgen in Ruhe, komm her Lottchen! was bekümmern wir uns um den Grafen!

Martin.

Was ! was! fo mit den Grafen van der Velten, gebürtig aus Amsterdamm, Lateralerbe von den Fürstenchum van der Velken, Hert von und zu — somit ihm

zu

48

I

zu reden! hangen sollst du Michel! hangen! heute noch.

(er geht drehend ab.)

Lottchcn.

Hast du gehört Michel was er gesagt hat? er will dich aufhängen lassen, lieber Michel! du hattest auch höflicher seyn sollen lieber Michel! geh.durch — oder verstecke dich beym gnädigen Herrn, das ist so ein guter Hert —

Michel.

Ich fürchte mich nicht Lottchen! aber du must bey mir. -bleiben; wir wollen mit einander zum gnädigen Herrn gehen, und ihm alles erzählen, und ihn auf den Knien bitten, daß er uns in Schuh nimmt.

Sg dttchen.

49

Aber —^ ich mögte doch wissen wie der garstige Schuhflicker so geschwind Graf worden ist, Michel!

Michel.

Das mögt ich drum auch wissen!

CT òttchen.

Komm fori Michel! eh die Soldaten kommen und dich einsperren!

Michel.

Du hast recht Loktchen! komm.

die sehen ab.)

Zehnter Aufrrilr.

Derer»

^4eberall such ich meinen Herrn, und nirgends kann ich ihn finden« Der Hert Graf van der Velten verführt

einen abfcheuligen LerMen im Schloße. Er will den Michel aufgehenkt wissen, D Und

50

Martin Velten,

und das de iure. Ich bin drum selbsten begierig, was mein Hert mit dieser Komedie will! er ist so geheimnißvoll! doch was gehtS mich an. Meinen Spaß werde ich dabey haben, und den Herrn Velten mit Vergnügen entgrafiren helfen.

Ende des ersten Aufzugs.

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Erster Auftritt.

Velren. Jost. Peter, Niklas. Velten.

(noch als Schuhflicker gekleidet und ohne Mantel und Hut. )

Seht Niklas sollst du noch wenige Augenblicke Bedienter, und hernach .Minister der einheimischen Geschafften seyn. Hole einen Tisch und Stühle! es ist billig meine Herrn, daß man dem armen Sünder aus dem Platze seiner

Uebelchat das Urtheil spreche!

(Niklas bringt Tisch und Stuhle, sie setzen sich.)

Sie Hert Jost mache ich zum Staats, minister, und schlage sie Zugleich zum Nit» ter des Krispinusordenö, (er zieht Josten eine Ohrfeige.) NEN

52

Martin Velten,

Isst.

Unterthänigster Diener „Ss Excellenz.

VclteN.

Sie Petern mache ich hiemit zum er. sten Minister, zum Canzler des Ors dens. (giebt ihm auch eine Ohrfeige.^ und zum Criminalreferendarius in Sachen, die den Galgen und das Rad betressen, (zu Niklas.) und dich Niklas! (zu Jost und Petern, die sprechen.) nun so Halts Maul ihr Herrn geheimen Rache! und dich Niklas mache ich gleichfalls zum geheimen Rach und Sekretär. Aber da du aus niedriger Abkunft bist, so mußt du den Ritterschlag aus eine an» dere Art erhalten! hier lege dich über den Stuhl. (Niklas legt sich über den Stuhl , und Velten giebt chm dre» Schlage

vor

53

vor die Hosen.) nun Niklas bist du nos bilitirt, baron isirk, und, zum Ritter ge» schlagen.

Niklas.

Ich danke Ew. Excellenz!

Velten.

(pathetisch.) Nun meine Herrn Ministers! (zieht die-Mütze ab.) geheime Räthe ! Criminalreierendarii ! Ritter des heiligen Krispinuöordenö! und Sekretairs! (set seine Mütze auf.) hören fie , was ich Ihnen vorzukragen habe; es hat sich Michel gröblich erfrechet, sich an meiner heiligen Person zu vergesten, und ein Crimen laefae Majeflatis zu begehen, kraft dessen begehren wir zu Hören, was Euer Rath ist, und wie zu verfahren wäre?

Isst.

Man muß ihn henken!

D z Niklas.

I

Vf: \

54

54

Martin Velten,

Niklas.

Ich hielte davor, man beschmiereihn mit Pech, binde ihn an einen Pfahl, und stecke ihn bey lebendigem Leibe in Brand.

Velten.

Nichts! Nichts ihr Herrn! ich habe einmal in der alten Geschichte gelesen, daß der große Mogol — — Niklas, wie hat des Pfarrers Hund geheißen?

Niklas.

Tamerlan!

Velten.

Recht! Tamerlan — Tamerlan — ja — daß der große Mogol den Mufti Baiazet in einen großen eisernen Keßg eingesperret, und den Keßg an einen eisernen 50 Schuh hohen Galgen ge« hängt habe.

Jost.

55

Um Verzeihung Ihro Excellenz, das war der Jud Süs gewesen.

Velten.

Was, ihr wollt als gescheuter seyn als ich! ich Hab doch recht! Bajazet heißt in der teutschen Sprache: Jud Süß! da habt ihr euren Zweifel gehoben.

Peter.

Aber da Michel ein Unterchan des Herrn von Sternheim ist, so müssen wir ihn doch erst deswegen requiriren.

Peter.

(zu Josten.) Hör Jost, was heißt das requiriren?

Isst. ,

Ich weiß, meiner Seele nicht!

Velten.

(zu Niklas.) Weist du nicht Jost, was requiriren heißt?

D 4 Niklas.

56

56

Martin Velten,

Niklas.

Ja! es heißt jemand ins Loch storken !

Velten,

Aber mit Erlaubniß, Hert CanzlepPeter, warum sollen wir dann erst den Edelmann ins Loch stecken?

Derer.

Was? Loch stecken! requiriren sage ich ja. Aber (ernsthaft) noch eins ihr Herrn, bey mir henkt man den Misse« hâter nicht ehe bis man ihn hat!

Velten.

Beym dlitz, Peter hat recht! Aber gestraft muß er seyn, (er sinnt nach.) Wißt ihr ryas ihr Herrn; wir wollen ihn in effigie aufhenken, und a US besonderer gräflicher Gnad an einen hol. zernen Galgen,

Jost.

57

eine Operette.

57

Mt.

Aber wo wollen wir sein Bildniß herpehmen?

Niklas.

Zu Haus über unserer Werkstatt hangt das Bild des Herrn Vaters von Ew. Ercellen; ; die Mäuß haben ihm ohnehin die Nase etwas zerfressen, wie wäre es, wann wir es in Michels Namen aufhiengen ?

Velten.

Niklas du bist ein wackrer Sekretär! auf den Einfall wäre ich mein Tage nicht gefallen.

Peter.

Aber wo kriegen wir jetzt geschwind einen Nachrichter her?

58

veken.

Ja Hert geheimer Rath. Sie müssen ihn aufhenken. -— Niklas! hole doch das Bild geschwind her, und laß hier auf der Stelle der Frevelthaten den Galgen aufrichten. Da habe ich in der Zeitung die Historie vom Graf Skruenste gelesen', es soll alles eben so traetirt werden. —

(Niklas gehr ab.)

^ Es lebe die Gerechtigkeit And Loßheit die vergehe,

Man henke Michels Eildniß henk,

Das jedermann es sehe.

2.

Es spiegle sich dann jedermann Am Tod vom armen Sünder,

Und nehme ein Exempel dran Und warne seine Kinder.

(Niklas kommt mir dem DDR.)

Um

59

eine Operette.

Um damit alles in forma gehe, so stelle den armen Sünder gegen uns über. Erst muß er verhört werden. Höre Michel! hast du dich nicht erste, chet, des Herrn Grafen van der Vel. len liebste zu verführen? Hert Serre» karlus die Aussage getreulich niedergeschrieben.

Niklas (schreibt.)

Antwortet — nichts.

E D N |

f4

W

WM n

M n > al

Velten.

Du stummer Bößwicht Michel! hast du nicht das Crimen laefae M.ijelimi« begangen?

Niklas schreibt.)

Qui tacet sKrrnat — er gestehts zu.

Velten.

Hast du nicht sogar schon, Sie, die unsere Gemahlinn werden sollte, heim»

Lich)

60

GO

Martin Velten,

(ich oder öffentlich, mit oder wider ihren Willen beschlafen?

Niklas.

Wieder still geschwiegen, so gut als ja!

Velten..

Wann du unsere Kasse hättest be» stehlen können, würdest du es nicht ge: than haben?

Niklas.

Noch hält er'S Maul — ja.

Velten.

Wann wir überflüßige Soldaten oder Obrigkeiten gehabt hätten, würdest du Sie nicht abgeschafft haben ?

Niklas.

Ja!

Velten.

Wann du gekonnt hättest, würdest hu nicht unsrer geheiligten Person in den Daumen gebissen haben?

Niklas.

61

Ja!

Velren.

Bekennst du dieses alles ohne Widerrede?

MklaS.

Ja!

Velren.

1 VA

•i

Meine Herrn wie ich sehe- so hat der Spihbub mehr gethan als wir glaubten; wir müssen ihm sein Urtheil sprechen.

Peter.

Aber er Horts ja nicht Hert Graf!

Velten.

Das schadet nichts , es muß in forma gehen, informa Peter! ich willeS abfassen, (er schreibt.) Aber Jost! Peter! Niklas! wie müssen ihn geschwind zum Grafen machen, wann er schon von

bürgcrli«

?

62

52

Martin Velten,

bürgerlichem Geblüts ist, daß wir ihn auch seines Rangs und Würden entsetzen können.

Alle drey.

brat!

Velten.

Da Peter lese eres ab, er ist Kanzler.

Peter (ließt.)

Nachdeme Graf Michael sich freventlich unterstanden , die geheiligte Person unseres Grafens zu beleidigen, die überflüßige Soldaten und Obrigkeilen abzusetzen, der geheiligten Per. son des Herrn Grafens in den Daumen zu beißen, und also einen Anschlag auf das Leben des Herrn Gras fens geäußert, die Kasse bestohlen, als erkennen wir denselben des crimen iseiae Majeftatis schuldig, entsetzen denselben Kraft den Gesetzen unserer Graf¬

schaft

63

eine Operette.

sch a ft aller seiner Würden und Aemter, wollen , daß demselben auf einem hiezu erbauten Schaffotte sein Wappen zerbrochen, und vor die Füße geworfen werden soll, ihm selbst aber Hand und Kopf abgehauen, beyde auf einen Pfahl gestecket, der leib aber geviertheilet und auf das Rad geleget werden soll. Da aber derselbe gottloser Weise sich erfrechet uns durchzulauftn, und feine Hände, Füße und Kopf mitzunehmen, so foll aus besondrer Gnade sein Bildniß, NB. weil solches des Herrn Grafens Vaters Brustbild ist, und keine Bei» ne hat, auch folglich nicht kann gebiet theilet-werden, werden, an einen Galgen gehänget werden —

(graf von der Velren inpria. Jost Minister. Peter Criminel-Refereàkius und Niklaê Sekretär.

Velten.

l X

64

64

Mattin Velten,

Veiten.

Potz Blitz, Niklas lauf Und hole mir ein Skabgen aus dem Wellenbüschel draus, daß ich ihm auch den Stab brechen kann.

(Nrklas laust und bringts.)

Nun so breche ich dir den Stab, und werfe dir ihn vor die Füße !

Alle.

Fiât juflitia! Vivat der Graf van de? Velten!

Velten.

Niklas thuè geschwind,deU Michel weg, dá kommt jemand.

(Lvttchen kommt.

CAR HL N PEN ‘ ^

tOnU

65

Dritter Auftritt

Die Vorigen und àtchrn» velten:

kamst zu spat Lotkchen, sonst hat. test du der Execution deywohntzn können-.

Lsttchen.

Was mir das vor ein Äork ist! ich

versteh euch nicht Velten:

Isst.

(zu Loktchen.) Er ist ja Graf Mvkr den, Hab doch Respekt.

Velten.

Nun so will ich dir es auf deutsch sagen: eben jetzt ist Michel hingerichtet worden:

Loitchen.

66

66 Martin Velten,

LN ottcen,

Sag!

Deltà

Der Kopf!

SA ttc Ns

Still Velten, ihr lügt, ich seh ja kein Blut.

Delten.

Hand und Kopf auf Pfahle gestà N,

O geh er Velken, er scherzt,

Velten.

Verviertheilek.

Y ottche.

its währ Peter?

Velten.

And endlich ex gratia aufgeknüpft worden.

(Lottchen läuft weinend fort/ Velten läuft ihr nach-)

Vier-

67

eine Operette.

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Niklas. Niklas.

-o sterbe wer dem Staate drohte

Den Tod den Michel starb,

Er sey voll SchanL' wie Michels Tod, Der auch den Staat verdarb — Peter.

Des Fürsten Krone zieret Huld — Doch wo Kabale schleicht,

Hat selbst ein armer Michel Schuld, Der stirbt — blos, Weiler schweigt.^Isst.

Weh deine, der in Hände fallt Wie Schuhster Veltens sind.

“Er dünkt sich König, dünkt sich Held —Und doch ist er ein Kind.

Peter»

, Nun ist der arme Michel hin,

Allein auf unser Wort.

Er liebte nur, drum schickt ex ihn

Zum Rad und Galgen fort.

E 2 Niklas.

68

68

Martin Velten,

CUOTAS.

Wer beym Blitz kommt da?

( Niklas und Jost laufen fort.)

Funfrer Auftrirt.

Von Sternheim. Håns.Nnct-el. Peter. Hans.

ber — gnädiger Hert! Velten ist eine Parthie, die man nicht alle Tage hat, wissen Síe, daß er in Holland adliche Verwandten har?

Von Grcrichcim.

Was Verwandte!

Und daß er selbst Hoffnung hat noch Edelmann zu werden?

Don Stcrndcim.

Glaubt ihr dann dem Narren alles? er ist Schuhsticker und wird es ewig bleiben.

Hans.

69

eine Operette,

Hans.

Dann könnte er auch noch etwas aus mir machen«.

Von Sternheim..

Seyd kein Kind Hans! Göttchen und Michel lieben sich , gebt sie einander. Michel ist brav.

Hans.

Das ist wohl wahr, wann er mit auch Hoffnung hatte ein Edelmann zu werden!

Peter.

Wißt ihr, Hans, daß ihr zu spat kommt; Delten ist Graf geworden, aber euch hat er vergessen, er hat schon alle Ehrenämter ausgetheilet; ich bin erster Minister«.

Hans.

Was l Velten ist Graf? ich muß zu ihm! ihr Diener, gnädiger Hert! ich muß fort.

E Z Von

70

Von Srernhcn',1.

Einen Augenblick noch Hans! wann Schuster Velten kein Graf ist, wollt ihr eure Tochter Micheln geben ?

Hans,

Ja ja, gnädiger Hert! aber ich muß fork! gewiß ist er Graf!

(lauft fort,)

Sechster Aufkrirt.

Die Vorigen. Hernach Lottchen, Von Sternheim,

Was das nicht ein wunderlicher Mann ist! aber Peter, wo wart ihr so lange?

Vcter,

Ich habe die Rolle als Minister, Kanzler, und Ritter des hohen Kristi, nusordens spielen müssen.

71

Pott Stcrnhcîm.

Beruhige dich Michel! du mußt Lottchcn haben.

Michel.

Ja Hans giebt mir sie nicht; und wann sie Velten lieben muß, so —-

sterbe ich.

Von Sternheint.

Nein Michel sey nur ruhig, ich stehe dir davor.

Michel.

Ja Velten ist aber ein Graf, und Sie sind ja nur ein Edelmann,

Pott Sternheint. , )

(bey Seite.) Dieß ist die Stimme der Natur. Sieh Michel! .Lottchen kommt. (Lottchen kommt, sie sieht Miz; chcln nicht gleich, und fallt hem Baron 315

LU,

(C 4

OL ott

IM|

72

Lottchen.

Ach sie haben ihn umgebracht , gnä« higer Hert! den besten den liebsten Michel — schaffen Sie mir meinen. Miches wieder — sie haben ihn mitgenommen — und der (sie zeigt auf Peter») hat auch geholfen — (sie erblickt Micheln, springt auf und wirft sich in die Arme des Barons.) Ach sein Geest. ~ ich sterbe —

Von Sternheim.

Sey> ruhig Lottchen! er ist es. selbsien.

Michel.

Ja Lottchen, Michel ist ja da, er lebt ja. (sie sieht sich schüchtern um.)

Lottchen.

Michel! bist du es selbst? (sie laust ihm entgegen. ) Ach liebster Michel Hab. ich dich wieder ~ (sie küßt ihn.) Die

Hosen

73

eine Operette.

Hosen Leute haben mir gesagt, sie hakten dir Kopf und Hände abgehauen, gevier¬

theilt und dann an den Galgen gehenkt. P-n Sternheim.

Was ist das Peter? du must es

is

Helten hat Micheln als einem Befleis higer der Magistat in effigie alle die Martern ankhun lassen, wovon Löckchen spricht, weil er sein Nebenbuhler ist. Von Sternheim.

Gut! jetzt Hab ich ihn wo ich ihn hahen wollte. Michel in einer Stunde ist totechen Hein, so gewiß ich Sternheim heiße».

Bexhe.

(Sie kuffen ihm die Hände). Ach gnädiger Hert! sollte es möglich seyn ?

E 5 Peter.

à

74

Peter. ;

.Gehe hin und protestire in-meinem Namen gegen sein Betragen ? , du bist klug gnug Peter (er spricht heimlich mit ihm ) adieu ihr Kinder.

(er geht ah und Peter auch).

Siebenter Auftritt.

Lottchen und Michel. Ten

(Oo bist du bann wieder mein Michel ! du glaubst nicht, was ich ausgestanden habe! dort saß ich lange und weinte um dich.

i.

wo dar Moos auf Felsen liegt, ort weint ich in die Quelle! schlich sie hin und rauschte nicht ie. kleine Silberwelle.

75

eine Operette, 75

‘D

Und ängstlich rief der Wiedechall Mir meine Wagen wieder,

Und drückte dort am Wasserfall Die Ulmen - 'Blätter nieder.

3-

Kein Vogel in dem ganzen Hayn Wollt mehr sein Liedgen singen. Nur einer sang auf einem Stein,

Doch schien er sich zu zwingen. Michel.

Ach Lottchen! wenn ich dir nur sagen könnte was mein Herze fühlt, da ich dich' so singen höre! komm her und fühle wie es klopft — fühlst du nicht, daß es deinen Namen klopft — o! ich muß dich küssen mein Lottchen —

».

Du liebst mich — Lottchen! welche Wonne Du liebst mich — schöner blüht die Flur, Ach schöner glanzte noch die Sonne,

War diese Stunde — ewig mir.

2. Mit

76

Mit Me» seinen Blumen sinket Der Frühling in das stille Thal.

Sieh wie der Hayn uns froher winketWo ich so oft dir Küße stahl —

Sa

Bard zieht dort an dem blauen Hügel Der Silbermond sich Mener auf.

Die Nacht voll Sternen halt den Angel Und zögert, mild, in ihrem Lauf.

As

Und über blühende Gefilde,

Dort auf die bunte Frühlingsan

Fallt in dem stillen Schein voll Milde, Umglanzt, ein holder Perlcntbau.

5

In deiner stillen noch das Mondenlicht. Glanzt sanfter noch das Mondenlicht.

Da girret zärtlicher die Taube Und flicht den fausten Gatten nicht.

Lotkchcn.

77

eine Operette. ft

LottcheN.

O ! «ch glàubke schön zu singen ; ober du singst schöner! jo Michel wenn du nur schon ganz mein wärest! wie oft wollten wir uns des Abends in die Loube sehen — den Mund Und die Skee« ne ins Thal hinab glänzen sehen — oder die Nachtigall singen hören —öder zärtliche Tauben zu einänder stottern sehen, und sie nicht stören — denn ich sehe gor nicht gerne wenn mon uns störet»

Michel»

Löttchen! ich glaube der Himmel wäre mir nicht schön wenn ich oh. ne dich da wäre — gewiß würde ich dann im Mondschein mich hin weg stehlen Und wie ein Vögelchen um deine Laube herumstattern

ivan und

78

78

! R

Martin Velten,

«— und fände ich dich> auf deine Ach» sel Hüpfen und dir ein Liedgen singen; und dann durch die Strahlen der Mors genrothe wieder — betrübt, zurück» fliehen -à

Lottchen.

O wie wollte ich dich dann reichten

und dich küssen ! ja -— aber denn ließ ich dich nicht mehr fort Michel!

Michel»

Ja wenn ich aber heimlich forkgegan» gen wäre so müßte ich ja Lottchen!

Lottchen,

Aber Michel wie würde ich da in der Felfenhöle weinen — wann du fortfiö» gest: o! da kommt der böse Velten wieder. Komm Michel wir wollen fort» gehen».

Achter

79

erne Operette» 79

Achter Auftritt.

Velten, Gans, Jost. tTtiklas. Harrs»

CW

das ist mir ein schöner Velten, er wird Graf und sagt mir kein Work davon und theilt noch dazu Aemter aus und vergißt mich ! das ist schön! Welten;

Nun ihr seyd auch gar zu eilend; ich bin erst eine Stunde Graf und die ganze Welt sollte es schon wissen können! und was das zweyke betrift, Hans, so habe ich grad meine Ministers in der Stunde so nöthrg gehabt, baß sonst das Todesurtheil an dem Michel nicht hätte können vollzogen werden.

Hans»

Was! was! Michel ist tod! o ihr gottlosen Schurken! der ehrliche Mi-

80

80 Martin Velten,

chel! und das habt ihr können über euer Herz bringen! jetzt Velten kriegt ihr meine Tochter nicht.

Jost.

Nun redet doch mit mehr Respekt vor dein Herrn Grafen.

Hans.

Was Respekt!

Volten.

Nun so seyd doch nicht so hitzig Hans! er ist nur in effigie aufgehenkt worden.

Was Henkers heißt dann das latei- nisch?

Niklas.

Er ist nur im Bilde aufgehenkt wor- den?

Hans.

Seyd ihr aber nicht rechte Narren?

81

Niklas.

Das ist respektive gelogen.

I EE:

Velte.

Halts Maul Niklas! Hans wenn du mir deine Tochter geben willst so sollst du mein erster Minister werden.

Isst.

Ew. Excelle»; vergessen ja, daß sie diese Charge Herrn Peter gnädigst eom ferirt haben.

VelreN. 1

Beym Henker ja! aber höre Hans ich will dich zum Generalstaaten bey Mir machen! o Hans das ist dir ein Mann!

Hans.

Ja Velten du sollst sie haben. Aber nicht eher bis du aufziehst. Du hast mich »

82

82

Martin Velten,

warten lassen, jetzt kannst du auch ein biögen warten«

Velten«

Nu Hans denkt doch ein klein bi'sgcch wer ich bin« Ihr dutzt mich grad, als wenn wir die respective Schweine mit einander gehütet hätten»

Bin ich dein Schwiegervater Vel. len! oder bin ich es nicht ?

Velten«

Wohl! aver deßwegèn müßt ihr doch Respekt vor mir haben —

Hans.

Mehr als Dü von mir?

Jost«

GewißHans! du must dir es ja noch für eine Gnade schätzen, daß er sich mit dir alliiren will»

Hans-

83

eine Operette. 83

Wenn die Kühe so im Stall stehenso kriegt Velten Meine Tochter nicht.

Delten.

Sepd doch nicht närrisch Hans! darüber wollen wir uns noch vergleichen, ich habe noch wichtige Geschäfte abzn» khun Hans! ich muß jetzt in die Wers sammlung; es haben sich schon über vierzig gemeldet, die derSternheimischett Sklaverey mstde sind und mit mir nach meiner Grafschaft ziehen wollen» Gott behüt euch indessen Hans!

(sie gehen ab bis auf Hans.)

F 2 Neun-

84

84

Martin Velten,

Neunter Auftritt.

Hans allein.

Hans.

W

I,

ann Velten viel von Ehre spricht Die ich ihm geben soll,

So kneget er wem Lottchen nicht; Der Kerl ist glaub' ich toll.

2

Der Schwiegervater sollte da Entblößt vor Velten stehn!

Das gieng noch an — wahrhaftig ja! Viel lieber mag er gehn.

(geht ab.)

Ende des zweyteu Aufzuges.

Dritter

85

Erster Auftritt.

Velrcn. Hans. Jost. Niklas, Peter. Velten.

Y! Gi Jost ist alles richtig morgen l/V reiften wir ab. Ich habe Be. fehl gegeben alles einzupacken. Ich will drum mein Schuhflickerwerzeug mitnehmen um mit dem großen Cäsar mich zu erinnern, daß ich ein Mensch bin. Hans.

Das ist doch ein schöner Gedanke den ich dir nicht zugetraut hätte.

86

g6 Martin Velten,

es kommt vom Churfürst WilligiK zu Maynz her —

Willigis, Willigis nicht vergiß,

Daß du eines Wagners Sohn hist. Velten.

^ Ochsen köpf weißt du dann nicht, daß Willigis mit dem Vornamen Cäsar, oder der Hauer geheißen har?

Niklas.

Site um Verzeihung Hert Graf!

( Peter kommt, j

Velten.

Da kommt ja mein Premierminister, Guten Tag Peter!

Derer,

Jetzt bin ich kein Minister mehr, sondern außerordentlicher Gesandter des Herrn Barons von Sternheim an den Herrn Grafen von der Vesten.

Velten.

87

Velten.

. Was ist ihr Anbringen Hert Gesandter?

Deter,

Ich soll im Namen meines gnädigen Herrns gegen die an einem seiner Unter» thanen verübten Gewaltthätigkeit pro» kestiren, und die geziemende Gang: thuung fodero

Velten, (erschrickt.)

Was Peter! ist es Ernst? Peter.

Ja Hert Gras! Sie und Dero hohes Ministerium werden wohl wissen, daß es in allen weltlichen Gesehen verboten ist aus fremdem Grund und Boden Galgen aufzurichten^. zu pfählen und zu ver: viertheiln

F 4

Velten.

»!

ß

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*

i

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88

88 Martin Velten,

Delten.

Ihr verfluchte Ochsenköpfe von Mi» nisters! habt ihr mich dann nicht dran erinnern können, daß wir auf einen fremden Territorio sind?

Isst.

Wir haben nicht gleich dran gedacht Ihre Excellenz!

Niklas.

Nein ich weiß bester, wir waren all zu dumm dazu! Ew. Excellenz ausgenommen die zuviel zu denken haben.

Peter.

Was befehlen Ew. Excellenz, daß ich zurückmelden soll?

Velten.

So) weiß meiner Seel nicht! Minister Jost euren Rath!

-st.

89

Jost.

Wann ich was mehr als ein paar Schuhe zu flicken weiß, so bin ich gleich des Henkers»

Velten.

Ja du bist mir ein geheimer Rath! Niklas die Reihe ist an dir-

Niklas.

Mein Rath ist wir muffen ihm den Krieg ankündigen.

Velten.

Dummer Teufel, wo die Soldaten hernehmen?

Niklas.

Cy da machen wir einen Waffenstillstand auf achtzig Jahr; die künftigen Grafen können es hernach ausfechten.

Velten.

Das ist doch noch ein rechter Minister der Schuhknecht Niklas! (zu Petern)

Ù 5 sage

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r AR

i

§H

90

ii

i

sage er seinen Herrn, daß wir ihm hie» mit den Krieg auf das feyerlichste ankündigen, aber auch zugleich um einen Waffenstillstand auf achtzig Fahre anhalten,

Derer.

Dero Diener unüberwindlicher Hert Graf! (Peter geht ab)

Zweytev Auftritt. Hans. Jost. Niklas. Veiten. Velten.

Miklas du hast'ö hinter den Ohren sißen! meiner Seel fausten dick! wenn du nicht gewesen wärest wo wären wir jetzt?

i.

O sagts o sagts den spaten Söhnen Me Sternheim ward bekriegt ' Schon hör ich Lrommlen! Panckcn tönen! Und Martin Velten siegt.

-i ' 2. Schon

91

■ 2.

Scho» sehe ich den Graf von Velten.

Durch Sternheims Straßen zieh»; Den Feind mit Pferden und mit Zelten So, wie Hey Rosbach, flichn.

Lp

Haut zu! haut zu! dem Manu und Weibe

Zerspaltet das Gesicht,

Schont selbst das Kind in Mutterleibe Selbst keinen Greißen nicht.

Hans,

Nicht so grausam Velten es kann leicht zum Kriege kommen und dann —? Isst-

Fh bleib neutral,

Niklas,

Und ich werd ein Confederirker,

!.

1 HTM um

Velten.

Was, ihr wolltet nicht unter meiner Fahne fechten?

92

Martin Velten,

i

J

Jost.

Ich kann nicht schießen sehen Hert Graf.

Niklas.

Und ich kann meine Hände nicht in Christenblut tauchen.

Zaus.

Da steh Velten wie weit es kommen kann.

Isst.

Wenn nur das vermaledeyke Schiessen und Hauen nicht wäre!

Niklas.

Wenns noch gegen die Türken gieng.

Velten.

Schurken geht zum Henker! wann nur der Waffenstillstand angenommen wird —

(Peter kommt.)

Dritter

93

Dritter Auftritt.

Die Vorigen und Peter. Peter (mit einer Trompete, er bläßt)

= er Krieg wird angenommen und der Waffenstillstand abgeschlagen, Ew. Ex. cellenz sollen sich so gleich aus FemdeS Land machen, sonst würde man sie gefangen nehmen.

Velten (seufzend.)

Js gewiß Peter! oder macht er Spaß?

Deter.

Es ist Ernst! ich bin Rittmeister. Dich Jost werde ich in der Schlacht aufsuchen und dich bis an den Hosen, knöpf entzwey spalten.

Isst.

Ich danke für die Ehre Hert Peter! ich werde wohl neutral bleiben.

De Ler,

94

ACCU:

Und dit Niklas fty der Himmel gnädig! dir will ich eine eiserne Bombe in die Hosen nähen und dann anzünden lassen ; die Muß dir mit solchen Krachen zerspringen, daß man dein Gebein nicht mehr finden ft!!.

Velten.

Da hieß es: wie einer sündigt wird er auch gestraft» Wie manche Bombe Niklas hast du — — — —

aber Spaß apart wie helfen wir uns jetzt? Niklas rede:

Niklas (stotternd.)

Ich bin noch so voll Schrecken über die Bombe, daß ich keine Silbe reden kann»

öl;

SE Ich wüßte wohl noch etwas ; ich denk wir schieben die Schuld auf Niklafeti, ■ der

95

der hat den Krieg am ersten dé AN

Velten»

Dey meiner Treu du hast recht Jost l Deter.

Dann muß aber Niklas ausgeliefert werden! und morgen soll die Bombe springen»

Niklas»

Um Gottes Willen Hert Peter das kann nicht feyn! o ! hakte ich doch an was anders gedacht als den Krieg» — era

fertigen sie mich ab Hert Graf! ich muß fort die Canonen müssen heute noch probirt werden» St

Hans.

Und bey euch die Feuerspritzen Velken?

Velten»

! Mi

96

96 Martin Velten,

Velten.

Geht spaßt doch in Kriegszeiten nicht — aber Niklas wolltest du denn nicht vor das Wohl deines Vaterlandes sterben?

Niklas (ängstlich.)

Hert Graf ich bin ja ein Danziger! aber Jost --

oft.

Jost ist neutral. Der sicherste Weg, ich schlage mich auf die Sternheimische Seite (stellt sich zu Petern.)

Niklas.

Und ich auch (stellt sich auch neben Peter».)

Velten.

Und ich auch, (stellt sich auch zu Peter») Jetzt schießt meinetwegen!

Hans.

97

Hans.

Schon sehe ich den Graf von Velten Durch Stenchcims Straßen ziehn. Den Feind mit Pferden rind mit Zelten So wie bey Roßbach lien.

Ihr Helden!

Derer.

Ich gehe die Nachricht zu Überbein, gen.

Osk,

Und ich gehe meinen Weg.

(seht ab.)

PET a

98

US

Martin Velken,

t

Vierter Auftritt.

Von Grernyeim. Peter.

Von Sternheim,

Doter.

Zum Krepiren gnädiger Hert! da kam ich; Velten, Jost, Niklas, die Ministers Hofften auf den Stillstand. Wie ich den Krieg ankündigte, so war Hosk neutral; Niklas wollte kein Christenblut vergießen, und Velken wußte nicht mehr was er anfangen sollte. Es kam soweit, daß sie Niklasenausliefern wollten, weil er zum Krieg gerathen hatte» Um sich zu retten, schlug er

sich

99

sich auf unsere Seite ; Fest auch. Hans war vor keine Partie

Von Sternheim,

And Velten?

Weiter.

Schlug sich auch auf die Sternhei» mische Seite.

Von Sternheim.

Mit wem fangen wir nun den Krieg an? die Sachen stehen gut , Peter \ du hast deine Rolle gut gespielt. Gehe rufe mir jet Hansen, und den Conse derirten sage — daß ich mich in Frie» deiispräliminarien einlassen wollte, sie sollten nur kommen. —

(Peter geht ab.)

G 2 Fünf-

là:

- l E,

100

100 Martin Vekten,

Fünfter Austritt.

Von Srernbeim alleine.

Von Sternheim.

Vi. selig ists das Glück empfinden Wenn man Verlaßne glücklich macht. Wann wir der Wonne Züge finden Und Dank der von der Stirne lacht — 2.

Euch beyde, die der Unschuld Triebe Und nichts als die Natur verstehn — Euch kröne bepde eure Liebe

Euch will ich heul noch glücklich sehn.

101

Sechster Auftritt.

Von Sternheim. Hans.

Von ^Stcrnheim. du noch auf deinen Entschluß

Hans?

Hans.

Nicht ganz mehr gnädiger Hert! Sie müssen es mir nicht verdenken, wenn ich auf die Ehre meiner Familie sehe. Von Sternheim.

Gar nicht Hans! aber was hältst du von Velten?

Hans.

Mich dünkt, er wäre nicht ganz richtig im Kopfe.

Von Sternheim.

Recht Hans! alle seine Grafschaften sind Hirngespinster. Michel ist ein or-

G z denk'

W

s.

i

h

l JP

102

192

Martin Velten,

deutlicher Bursch; sagt mir: habt ihr wohl etwas an ihm auszusetzen?

Hans.

Das eben nicht, gnädiger Hert! aber er ist nicht reich.

Von Sternheim.

Ist denn Velten reicher als Michel?

Hans.

Der hat aber doch fern Handwerk, und alle Tage sein gewisses Einkommen und jetzt gar eine Grafschaft, wenn ich nur klug draus werden könnte!

Von Sternheim.

Michel hat mehr Vorzüge. Er ist still, er trinkt nicht wie Velken, er kann seinen Acker gut bauen, und wie wäre es, wann ich ihm dann zwölf Hu¬

fen

103

eine Operette. 103

fen von meinem Gute schenkte, und ihn zu meinen Pachter machte?

Hans.

Das wollten Sie thun gnädiger Hert? aber eine Grafschaft! eine Graf» schüft!

Von Sternheim.

D! glaubt doch die Possen nicht Hans! Velten eine Grafschaft! hat er euch denn schon Beweise vorgelegt?

Hans.

Das eben nicht! doch Ihro Gnadenwann er keine Grafschaft hat so haben Sie mein Wort.

Von Sternheim.

Eure Hand drauf Hans !

-Hans.

(schlagt ein) Hert Baron! ein Mann ein Mann, ein Wort ein Wort!

G 4 Von

104

!

Von Sternycim.

So recht Hans'! und ihr sollt Mor. gen Schulze werden. Doch da kommen ja die Ministers mit dem Grafen.

Siebenter Auftritt.

Von fetcrnbeim. Veiten. Jost. Niklas. Derer. Hans.

Meter,

ier sind der Hert Graf und feine Bevollmächtigte.

Von Sternheim.

Hert Graf ich kann nicht begreifen, daß Sie so wenig Kenntniß vom Völkerrecht haben sollten, daß sie einen Schritt wagten wie dieser; und darauf gar mir einen Krieg ankündigen ließen, den sie nicht Much gnug haben anfangen zu sehen?

Velten.

105

Velten.

Was die erste Praliminari anlangt, Hert Baron! so waren meine Minister so dumm, daß sie mich nicht daran erinnerten , daß wir auf fremden Grund, und Boden wären.

Anlangend die zweyte, so hat mein geheimer Rath und Sekretär Niklas der Schurke, Ihnen den Krieg angekündiget und ich nicht. Ich übergebe Ihnen denselben, daß sie ihn zum Beyspiele aller Aufrührer/strafen können, wie es Ihnen beliebt.

*

Niklas.

D! gnädiger Hert! glauben Sie ihm kein Wort, der Hert Graf lügt wie ein Schelm.

106

io6 Martin Velten,

Velten.

Was? was? der Hert Graf ein Schelm! (zum Baron.) Hert Bruder lassen Sie ihm zwey Bomben vor eine in die Hosen nahen.

Von Gternheim.

Aber hiemit Hert Graf ist die erste Frage noch nicht gründlich gnug beant» wertet!

Velten.

Das hat Jost gethan. Kurz, ich nehme mich der Sache nicht an, und es soll mir ein Vergnügen seyn gnadiger Hert! die beyden Schurken hangen zu sehen.

Jost und Niklas.

O der Spitzbube!

Von

107

eine Operette.

Von Srernheim.

Aber sie wissen doch Hert Graf, daß man sich in solchen Fällen an den regierenden Herrn, und nicht an seine Minister hält?

Velten.

(bey Seite) Ich muß mich nur aufs Bitten legen, (zum Baron.) Haben Sie! Mitleiden mit mir Hert Baron! ich als ihr gewesener Unterthan! als ein Graf, der noch keine Praxis im Regieren hat; und Michel lebt ja noch!

Von Sternheim.

Tiber Sie haben ihn doch in effigie aufhenken lassen.

Veiten.

(bey Seite.) Gott Lob und Dank, jeßt besinne ich mich! (zum Baron.)

Hert

108

i

Hert Baron man hat sie erschrecklich belogen! es war meines Vaters Vei Veltens Bild, dem die Ratten die Naß abgefressen hatten. Und zndeme ist vie Execution ja nicht einmal vorge» gangen.

Von Sternyeim.

Sie waren doch willens es zu thun ! sie müssen sich zu einer Guugthuung verstehen, sonst geht der Krieg vor sich.

Velten.

Du lieber Gott, ist dann kein Mit. tel mehr in der Welt! (Ein Courier langt an.) Was ist das —

109

Achter Austritt.

Die Vorigen. Der Courier.

Der Courier.

ist ein Brief an einen gewissen Velten, Man sagte mir, daß er hier anzutressen wäre. Er kommt aus Holland.

Velten.

Ich bin der Graf van der Veiten! gebt her!

Da kommt gewiß die Nachricht an, Daß man daselbst vernommen,

was Graf van Velten schon gethan,

Und daß Soldaten kommen.

3. Sie

CE

110

Sie rucken alle schon ins Feld,

And warten auf Befehle:

Und daueren mir schon ein Zelt Von Sammt, bey meiner Seele!

11 ■ 3-

Jetzt Hert von Sternheim! pum —

DU — DUMM

Hort er die Morser krachen?

Ganz Sternheim will ich um und um, Der Erde ähnlich machen.

4-

Und Jost und Niklas soll mir dann Aus einem Mörser stiegen!

/ Den Michel hau ich in die Pfann,

Laß ihn den Raken liegen-

5, Da

111

Da lerne dann die ganze Welk,

Den Graf van Velten kennen;

Und einst noch wird man ihn den Held In unsrer Chronik nennen.

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f m\

Hans.

(er liest. )

Seyd doch klug Velten! der Hoch, muth kommt vor dem Fall.

Niklas.

Ja! und der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

*

Peter.

Was sieht denn im Brief, Velten ?

112

t

12 Martin Velten,

auf den Grund abgebrennt, und hat Sengeßelen aufs Feld faen laffen — der Schurke !

(der Cenrier geht ab.)

Von Sternheim.

‚Yun Velten wie stehen wir jchk? soll ich dich aufhängen lassen, weil du mir den ganzen Ort aufgewiegelt hast?

Velten.

Ach gnädiger Hert, ich will allmein Lebtag kein Graf mehr werden?

Jost.

Ja hangen muß man den Schurken, der ehrlichen Leuten Ohrfeigen Liebt.

Niklas.

Ich bitte vor ihn gnädiger Hert! wann ex schon ein Nart ist, jo ist er doch gut.

Hans.

113

Und ich auch, gnädiger Hert !

Peter«

Und weil er mich zu seinen ersten êkaatsminister gemacht hat, so bitte ich auch vor ihn!

Yon SterNheirN.

Da kommt Michel und Loktchen; sie sollen entscheiden.

Neunter Auftritt.

, Die Vorigen, Michel. Lskkchtn.

' often: ■

(im Hereingehen stößt sie Michelin, )

Sieh Michel, da sind sie alle. Wol. len wir uns nicht wieder fortschleichen?

H Michel«

114

114 Martin Velten,

Michel.

Der gnädige Hert ist ja da Lott. chen!

Von Sternheim.

Seyd nicht schüchtern Kinder! Kommt her, seht da steht Velten; er hat verdient aufgeknüpft zu werden, was soll ich thun Michel?

Velten.

Auweh Velten!

Michel.

O lassen sie ihn laufen, 'gnädiger Hert! den guten Tropf —

Lottchen.

Ja gnädiger Hert, sonst möchte er uns als des Nachts die Heerde ängst> gen, wann sie auf dem Felde schlafen.

van

115

Von Sternheim.

Was sagst du dazu, Velten?

Venen.

Daß ich gar nicht weiß, was ich vom Michel denken soll — Höre Michel, weil du so gut bist, so trete ich dir freywillig dein Lottchen ab. Komm her, schlag ein.

Hans.

Gnädiger Hert, ich gebe Micheln mein Lottchen! aber —

Von Sternyeim.

Es bleibt dabey, was ich dir versprochen habe.

Lottchen.

Ach das hat der gnädige Hert ge than Michel!

H 2 Michel.

\\

»

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116

1106

Martin Velten,

Michel.

Ja tottchen! Komm, wir müssen ihme die Hand küssen?

Von Stevnyeim.

Gehe nach Haus Velten, und sey fernerhin ruhig. Du hast jährlich etwas von mir zu erwarten. Nun habe ich meinen Zweck erreicht; Velten wird klug werden, und Lottchen und Michel glücklich ftyn.

(geht ab.)

Lottchen.

i.

So bist du endlich einmal mein,

Ach Michel! du mein Leben!

O! sahst du in dieß Herz hinein,

!

Was wollt ich nicht drum geben.

2. Ich

117

Ich suhle — wie mein Herze bebt, Es zittert recht vor Freude —

O siel/ — wie sich mein Busen hebt-

Heut bist du mein -- noch heule ! Michel.

ï.

Und ich — die Worte fehlen mir,

Dir was ich fühl' zu sagen

Den schönsten Lottchen ! ftyern mir

Heut, von den Frühlingstagen —

So müsse auf der holden Flur,

Uns jeder Tag vergehen —

Die Morgenroche musse nur.

Uns froher lachlend sehen,

H 3 Velten.

118

i

P— —

114 Martin Velten,

Velten.

u

Nun Hort ihr Herren mich noch an. Was ich euch will erzchlen:

Es kam einsmal ein Edelmann,

bin Màdgen uns zu stehlen.

-

Er kam zum Fest in unfern Hayn, Man jauchzte da vor Freude;

Und um uns unbekannt zu sey,

Gieng er im Schaferkleide.

-

Ein Madgen hold, so wie der May-, Schon wie die Rosenblüche,

Die Augen Glut — der Busen ftey Und Mienen voller Güte»

4. Die

119

eine Operette. 119

4-

Die liebte er — er winkle oft,

Sie zu den Myrrthen Büschen;

Md dacht das Madgen unverhoft,

Von unsrer Flur zu fischen.

Allein sie kam nicht, sondern lief So schüchtern wie die Taube,

Indem sie ihrem Hirten rief,

In eine Rosen Laube.

6.

Sie sah' den Hirte» ängstlich an.

Und sagt' ihm was geschehen;

Und schwur nicht mehr den Edelmann, Beym Reyhentanz zu sehen.

7. Zwar

120

ise Martin Velten, erne Operette,

Zwar suchte sie der junge Herr» Mir seinem großen Strauße.

Doch weg war sie — da wischte er, Als wie der Blitz nach Hause.

So gicngs dem Graf von Belten auch,

Der wollt im Trüben fischen *—

Weg wars — er kennt der Herrn Gebrauch —

Lenkst fort — warum? sie zischen.