? Anmerkungen zur Brandtischen Bekehrungsgeschichte. (Zu der auf 3 Bogen gedruckten alten Edition.)

Anmerkungen

zur Brandtischen Bekehrungsgeschichte.

(Zu der auf 3 Bogen gedruckten alten Edition.)

S. 5. Nach Len Worten da ist die Gnade

viel mächtiger worden. 1)

1) Der Hert Probst zeigt sich in dieser ganzen Heilungsgeschichte seines moralischen Patienten, als ein gründlicher Theologe, der die Natur der Heilsordnung mit der Schwär che des Sünders, mit mehr als gewöhnlichem Fleiße verglichen hat. Er findet einen Theil des Nachdrucks geistlicher Beredsamkeit, in der Anführung der kernreichen biblischen Vorstellungsarten: und irret sich nicht. — Wie oft schwächt eine menschliche Paraphrase, oder eine Erklärung den starken Ton und die Ueberzeugung eines bibl.schen Ausspruchs; unter welchem der Geist Gottes seine Erklärbaren Wirkungen führt.

S. 7. Nach den Worten: und mein Amt

Weines Gottes. Jes. 49, 4. 2)

2) Wir können uns nicht enthalten, zu sagen, mit welchem süßen Vergnügen wir den edlen Charakter, die kluge, redliche und murhige Aufführung des Herrn Probsts, in diesem mühsamen und doch ewig fruchtbringendem Geschäfte, und mit uns ein großer heil des christlichen Publikums, bemerkt haben. Der ungekünstelte und zuversichtliche Gang seiner Unternehmungen, und sein gedankenreicher und abgemefiner Ausdruck, verdient alle Aufmerk samkeit und allen Beyfall. — Er ist ein Arzt, der seinen Kranken, so wie sonst als Redner der Kanzel fernen Text, studieret: — ein Arzt, der (ih nicht auf die Kräfte einer Umversalmedicin mit allzu kühner Seele verlaßt! — oder bloß über seine Simplicia philosophirt, und mir angemaßter Wissenschaft durch alle Vorfälle und Kräfte des Kranken, und der Heilungsmittel hindurch schauer. — Er pflanzt, und begießt, und überlaßt dem Herrn des Gartens das Gedeyen, mit beruhigender Zuversicht.

S. 10. Nach den Worten: aus freyer für sie veranstaltet habe. 3)

3) Zu dieser Abhandlung des Erbübels des sündigen Menschen könnte freylich zur näheren Aufklärung und Bestimm-

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mutig mehreren hinzugedacht werden: Osch hat der Hert Verfasser wohlgethan, darin, daß er bey den biblischen Begriffen geblieben ist! als welche, in Absicht ihrer intensiven Und ertenuven Beschaffenheit für unfern Unterricht von Gott, ausgewählt sind. Gort wollte um der Menschenhänden willen, die Gesetze seiner Welt und der Natur des Menschen nicht andern. Der Einfluß der Sünde auf dieselbe rechtfertiget den Richter, und macht den, der die Welt mit sich selbst versöhnte, recht groß, den Sünder aber recht klein, en den Augen einer christlichen Vernunft. Um deswillen würden wir einen Lehrer es nicht verzeihen können, wenn er diese zur göttlichen Demüthigung und Prüfung eines zu belehrenden Misserharers gehörige und recht wirksame Lehre beyftit lassen, oder nur obenhin berühren wollte. Doch sep Die Ausführung davon rührend und auffallend in den Vorstellungen, und stark in ihrem Einflüsse auf das vorige und nachfolgende Leben des Zühörers.

S. 12. Nach den Worten: ohne sich mit Fleisch und Blut zu besprechen. 4)

4) So groß und unermeßlich vortheilhaft wegen seiner Folgen in wichtigen irrdischen Dingen ein guter, schneller und murhiger Entschluß werden kann: so und noch unendlich mehr muß er es dein Streiter Jesu Christi werden, und ihm diese Regel daher zu empfehlen seyn.

S. 13. Nach den Worten: und Standhaft tigkeit verspräche. 5)

5) Bey einem durch Leichtsinn fehlerhaften Gemüth ist mehrenrheils und wahrscheinlicher Werft mehr Hoffnung der Besserung und weniger Gefahr, als bey einem stolzen Herzen,welches von Widersetzlichkeit und Zurückhaltung pfleget begleitet zu seyn. Das Urtheil des Herrn V. über diesen Fall verdient die Aufmerksamkeit der Leser.

S. 16. Nach den Worten: wie ein Sünder erscheine. 6)

6) Diese dem zurückkehrenden Sünder so fruchtvolle Wahrheit wird ihm von selbst einleuchtend durch den Ausspruch seines Gewissens, dem deutlichenBewußtseyn seiner unglücklichen Erfahrung, und durch den Blick, den er auf die Forderungen der Heiligkeit Gottes wirft. Gott legitimirt fein Wort an jedem Herzen, wenn der Mensch fühlen will.

S. 19. Nach den Worten: und zu bekennen lehret. 7)

7) Der heilsbegierige Graf hatte hierin vollkommen Recht, und es ist gewiß ein unglücklicher Einfall, wenn man mir Ab-

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Meichung von diesem Beweise, aus den Weissagungen das A. von dem N. T. in seiner Lehrart zu sehr entfernen wollte.

S, 36. Nach den Worten: ihm zum voraus zubereitet habe.

8) Diese Vorstellung des Hintritts in jene Welt, nebst dem dabey gebrauchten Gleichnisse vom Abendmal, ist wohl gewählt. ES ist sehr sichtbar, mit welcher edlen Warme der Lehrer hier seinen Zuhörer unterrichtet, und wie stark dieselbe in die Seele des Letztern übergeht und sie begeistert.

S. 37. Nach den Worten: von Zerstreuun- gen freyer seyn würde. *)

*) Auch diese Erinnerung des Herrn Probst Hee ist sehr vernünftig. Wer kann sich selb fúr seine künftige Fassung Bürge seyn? — Ihr, die ihr eure Buße verschiebet, und in der Einbildung stehet, ein ernstliches Gefühl von Reue können in eueren letzten Augenblicken den Zorn des Richters besänftigen, und seine zum Strafen schon erhobene Hand zurück halten: ich kann nicht umhin, euch bey dieser Gelegenheit zu fragen, wer euch Bürge seyn könne, daß ihr in euren letzten Augenblicken dieser ernstliche Gefühl von Reue haben werdet? —

S. 39. Nach den Worten: der Gnade in seiner Seele war. 9)

9) So gewiß und so sehr unser Gefühl den stärksten Ausdruck einer beredten Zunge übertrift: so gewiß wollen diese göttlichen Empfindungen mehr gefühlt, als beschriebe segn. Die Starke und Lebhaftigkeit des heiligen Gefühls, die mächtigen Ueberzeugungen der sie begleitenden und sie gerechtfertigenden Wahrheit, und der siegende Muth des geheilten Gewissens, drucken diesen Empfindungen ein unverwerstiches Siegel auf.

S. 40. Nach den Worten: der soll erhöhet werden. 10)

10) Dieser gegründete Gedanke des Herrn V. und der damit verknüpfte Ausspruch der Schrift, erinnert uns mit Vergnügen an die unter sich gewiß sehr verschiedenen Grade der Seeligkeit, welche der Richter der Welt, bekehrten Missetätern anweisen wird; wir wünschten, diesen Gedanken ausgebreiteter zu finden, um die Aussicht, die er verschaft, weiter eröfnet zu sehen. Nicht allein die Reinigkeit, und Starke aller Butzhandlungen, sondern auch die erhöhete Sorgfalt und der geschäftigste und treuste Fleiß in der Heiligung und neuem Gehorsam; so kurz auch Zeit und Gele-

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52 genheit zu wirklichen Ausübungen sind, lassen dies erwarten. Nicht weniger kömmt hier die größte von dem Ge,fühl seiner Armuth und Unwürdigkeit des Geistes, nebst der die Seele zerschmelzenden Demmhigung vordem unend,!ich heiligen und zugleich so gnädigen Gott, in Betrachtung. Die ganze plötzliche Veränderung des Sünders, der Anblick des Todes und die Freude der Begnadigung pflegt diese letztere Situation der Seele mächtig zu unterstützen.

S. 47. nach den Worten: stund er seine Strafe aus. 11)

11) Wir bedauren sehr, daß der fließende und ungekünstelte Dortrag des Hrn. P. durch manche gar zu niedrige, und Lurch Gebrauch oder Nebenideen verächtlich gewordene Wörter, entstellt worden ist. Z. E. der Paß zur Himmels,reise. Es ist wohl nicht wahrscheinlich, daß sich dergleichen im Original sehr viel besser, als in der Übersetzung wird lesen lassen. Die Vergleichung der Lage Christi am Oelberg mit der Ausstreckung des Verurteilten, aus dem Blocke, hätten wir auch, gern weggewünscht.Doch wie Leicht vergießt man dies, über der Dortreflichkeit des Werks!

Es war einmal ein stolzer Mann, Mit Namen Struensee,

Der streg von einem Doktor an Zum Grafen in die Höh'.

Fortuna hatt' sich sehr geirrt Bey dieser Gaukeley:

Denn, wenn ein Artzt Minister wirb, Ist auch ein Nart dabey.