? Sämtliche Anmerkungen zu den Bekehrungs-Geschichten der beyden Grafen Struensee und Brandt.

Sämtliche Anmerkungen@zu den

Bekehrungs-Geschichten

der beyden Grafen

Struensee und Brandt.

Hamburg und Leipzig, zu bekommen den dem Commercien-Rath Hechtel. 1773.

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Vorbericht Der Verleger hält die wenigsten dieser Anmerkungen für sehr wichtig oder nützlich; deswegen hält er sich verbunden, von diesem besonder« Abdruck derselben einige Nachricht zu geben. Er fand, daß die mit Anmerkungen begleiteten Ausgaben die Neugier das Publikum reizten; daß viele in der Erwartung standen, solche Sachen zu finden, die über verschiedne dunkle Umstände in dem Struensee- und Brandtischen Vorfälle mehr Licht verbreiteren; und daß deshalben viele Personen, die bereits eine der ersten Ausgaben befassen, bloß um der Anmerkungen willen auf feine im Februar angekündigte neue Auflage theils Unterzeichneten, theils sogar sich mit dem Nachdruck eines gewissen Lauenburgischen Buchdruckers beluden. Um demnach denen,

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Vorbericht.

welche mit einer von den alten Auflagen versehen sind, die unnöthigen Kosten zu ersparen, erscheinen die sämtlichen Anmerkungen hier besonders; und zwar sind die alten mitZahlen, die neu hinzugefügten aber mit einem Sternchen bezeichnet. Die Pagina, welche jeder Anmer-

kung vorgedruckt ist, beziehet sich auf die vorhergehenden Ausgaben, mit welchen der Beren- bergsthe erste Nachdruck Seite für Seite bis auf die Druckfehler übereinstimmk

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Struensee-

und

Bmndtischeu Bekehrungs - Geschichte

Seite n. Nach den Worten: guter Sitte» bewiesen. 0

i) Das BekehrungSgeschafte de» Grafen Struensee, so weit esMenschen betreiben konnten, war mühsam und bedenklich » desto nölhiger war die Geschicklichkeit und der Fleiß des würdigen Verfasser« dieser Geschichte. Es wird uns erlaubt feyn, unsere Bedenklichkeiten zu äussern, derer die erste Liese ist ; daß man mit vielen Freunden der Religion zu viel menschliche, und zu wenig göttliche Weisheit in dieser BekehrungSart anzutressen glaubt. Freylich war die natürliche Erkenntniß Gotte« eine Vorbereitung« - Wissenschaft, um diesen mit Zweifeln und Vorurtheilen erfüllten Geist zu den geoffenbarten. Wahrheiten zu führen: allein vielleicht hielt er sich zu lang auf diesem Wege auf, und versäumte Zeit und Fleiß, auf dem Wege de« Glaubens weit genug zu kommen. Zwar nicht so philosophisch, aber best» theologischer ist die Lchrart de« Herrn Probst Hee, in der Bekehrung de« Grafen Brandt. Hier spricht die Schrift, und wert starker als mathematische Beweise ; die Wahrheit schleicht sich selbst in da« Herz de« Lesers, mit ihrer ihr eigenen göttlichen Kraft und Einfalt.—> Wie unglücklich wurde bey manchem Leser die Wirkung dieser sonst brauchbaren Nachrichten seyn, wenn er dadurch einen Geschmack an einer philosophischen Zubereitung zum Lode gewinnen sollte î die Gewißheit durch den Glauben ist unserer Natur nier mal« so willkommen, als die Ueberzeugung durch Gründe der Vernunft.

Erste Unterredung.

6, 12, Nach den Worten: Nachricht —erhaîten. -)

a) Es ist der Pastoral.'Klugheit völlig gemäß, was der Aw Doktor Münter hier mit so vieler Einsicht als GeschickA 3 lich-

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6 tichkêkt ausgeführt hat. Der gerstlrche sowol als her leibliche Arzt, soll seinen Patienten studieren; und sich das Vertrauen desieLbsn vor allen andern Geschäften, zu Erwerben, angelegen seyn. lassen. Wie unzeitig^und unbillig ist es, seinen Unterricht sogleich mit aller Harte gesetzlicher Vorwürfe, oder wol gar mit stürmischer Hitze, zu eröfnen.

S. 13. Nach den Worten: und dankte mir — Schicksale. 3)

3) Ein Beweis, daß das Herz dieses bedaurenswurdigen Man-

nes mehr verirret, als unedel gewesen, und nun vom Schwindel und den Vorurtheilen menschlicher Glückseligkeit nüchtern geworden ist. Wie stark war sonst sein Wi-

der wille gegen die Gerstlichen.

S. 15. Nach den Worten: mit Empfindung

gehen wogte. 4)

4) Der Herr Doctor hatte hier ohne Zweifel kernen andern Trost, als den, der aus der Versöhnung des Gottmenschen fließt, in Gedanken; daher hatten wir denselben hier zu lesen geglaubt. Vielleicht kann sich mancher Leser/ wie vielleicht Struenser gethan haben kann, sich unrichtige Gedanken machen; obgleich Hert Münter diese christliche Standhasngkeit jenem philosophischen Heldenmuth entgegensetzt.

Ebendaselbst. Nach den Worten: Sie wissen ihr Ziel — bestimmen. 5)

5) Wenn Krankheit und Armuch lange genug als Züchtigungen eines in seinen Lüsten ertrunkenenHerzens/ als soviel Besserungsmtttel von der weisen Vorsehung angewandt worden sind: so erhalt oft der unbiegsame Sünder seinen verkehrten Endzweck/ und Rerchthum und Ansehn wird ihm im Zorn gegeben, und Gottes Gerechtigkeit verherrlicht sich Im Zorn an ihn. Der Tod scheint selbst ihm noch nicht schrocklich zu seyn; aber es ist etwas anders, ihn in der Ferne, oder ihn in der Nahe zu erblicken.

S. 17. Nach den Worten: sie gefunden hätten. 6)

6) Nach unserer Einsicht hatte hier der Leitfaden zum ebay gala, auf die Lehre vom Gewissen, vom Daseyn eines allmächtigen Richters, der Erwartung einer Ewigkeit u. f. w. schicklich angekrrüpft werden können. Wenn Grruensecs Mtzgenoffen der Freydenkerey, den Gedanken von der ein- gebrldeten Vernichtung, mit merklicher Schröcklichkeit ver- knüpft fanden, so war dey St. — sehr wahrscheinlich eine unermchlrche Zerstreuung und moralische Trunkenheit die

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Ursach von dem unterdrückten ahndungsvollem Gefühl feiner Seele. Wie elend versteckt er vor sich selbst die wahre Regung der Natur seiner verirrten Geistes unter den feigen Wunsch, bey vermindertem Wohlstände lieber fortjuleben, als sein ganzes Daseyn geendigt zu sehen.

Ebendaselbst. Nach den Worten: es zu verbessern — abzuwenden. 7)

7) Da es dem gelehrten.Herrn Verfasser beliebt hat, dreien philosophischen Weg einzuschlagen, so konnte sein Unterricht unmöglich anders, als weitlauftig werden. Da man doch von verschiedenen Seiten her den Wunsch geäußert hat, einige Abschnitte der geoffenbarten Religion, z. E. von der Rechtfertigung, dem Glauben, dem Abendmal rc. mehr ausgesührt zu finden. — Wichtiger Dortheil! daß dieser Eingang von Struensee so folgsam betreten wurde.

S. 19. Nach den Worten: ins Unglück gezogen habe. 8)

8) Wir können hier die Anmerkung von Num. 6, mit einiger Veränderung wiederholt, hersetzen; und in dieserStelle des Struenseeischen Bekanntnisses ein neues oder wenig stens verstärktes Zerrqniß dazu finden.

Ebendaselbst. Nach den Worten: der Mensch würde genug gestraft. 9)

9) Die moralischen Unordnungen der denkenden Welt möglichst zu verbessern, muß sich allerdings die strafende Gerechtigkeit Gottes äußern; und wenns möglich ist, daß GOtt uns hievon eine schriftliche Offenbarung gegeben haben kann: so würde es uns aufferst wichtig und pflichtmaßrg styn, sie zu lesen, wie es in Absicht unsers Lebens und Todes damit bewandt sey. Sollte der Hert Doctor nicht auf diese oder eine ähnliche Weise einen nähern Uebergang zur Offenbarung haben finden können, um Zeit zu gewinnen, und sich über die Erkenntnisse und Pflichtendes Christen mehr ausaebreicht zu habend

S. 20. Nach den Worten: Ich sagte diektt mal wenig die Religion. 10)

10) Wie sehr würde der berühmte Hert Doctor seine Leser

verpflichtet haben, wenn es ihm gefallen hatte, das wenige auf Struensees Einwürfe, die nicht die unerheblichsten sind, herzusttzen, und den unbelesenen Leser, der hierbey mit zurückbehaltener Bedenklichkeit stehn bleibt, zu einem ergiebigen Nachdenken durch einen kleinen und gründlichen Auszug der Widerlegungsgründe anzuleiten. Auch bey Jerusalems Betrachtungen nehme man wol einen Auszug vorlieb.

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8 S. 20. Rach den Worten: denn er erröthere.

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11) Dieser rednerische Ersckütterungs-Ton, nebst den aus Erfahrung genommenen Gründen, macht durch die Aus, wähl der Zeit und des Inhalts, der Einsicht unsers Ber- fasters Ehre.

Zmote Unterredung.

S. 23. Rach den Worten: mit andern ert wiesenen Wahrheiten. 12) 12) Wie viele verdächtige Dunkelheiten müssen hier die Überzeugung eines von Furcht und Zweifeln erschütterten Ges rnüths zurück halten, wenn es entweder aus Mangel der Zeit, oder Uebung im Nachdenken, oder der Fähigkeit, Klarheit und ungezweifelten Zusammenhang in diesen metaphysischen Betrachtungen hier oder dort vergeblich sucht. Nur ein Beyspiel: Der Mensch kann ohne körperliche Bewegung wirken, ist nicht so ganz unwidersprechlich, weil es den Aerzten höchst wahrscheinlich ist, daß mit jedem Gedanken des Menschen Verhültnißmaßige Bewegungen im Gehirne verknüpft sind.

S. 28. Nach den Worten: desto unbegreiflis cher aufzugeben. *)

*) In der That sehen wir nicht, wie dem Herrn Doctor dieses Verfahren des Grafen unbegreiflich seyn konnte. Es lebt schwerlich ein Mensch, der nicht seine vorgefaßten Meynunsen, seine Lieblingsvorurtheile haben sollte. Diese angefochten zu sehen, krankt ihn nicht, so lange er: Hoffnung hat, sich den Gegner überwinden zu können; aber überwunden, sich einer ungegründeten und falschen Meynung überführet zu sehen, dies ist um desto krankender, je langer und fester man seinem unrichtigen Dorurtheile angehangen hat, und je einleuchtender die Widerlegung ist. Man schämt sich des Geständnisses, geitret zu haben; und immer wird sich der Stolz, so lange er nur noch den schwächsten Scheinsrund aufdringen kann, in den Weg stellen, wenn man diese Schaam überwinden will. Erinnert man sich nun, daß philosophischer Stolz und philosophische Dorurtheile allemal tiefere Wurzeln schlagen: so wird die Wegerung des Grafen Struensee sehr begreiflich fen. Eben dieses erkennet Der Hert Doctor in her Folge, und setzt es sehr gut und mit trefer Emsicht in das Herz, das er vor sich hatte, aus einander.

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9 S. 29. Nach Len Worten : nachgeben wollte

er nicht. 13)

13). Diese Unterredung scheint uns in mehr als einer Absicht vorrreflich zu seyn; und verdient/ wegen ihrer starken UeLerzeugungsgründe, nebst ioren gründlichen und klaren Einsichten, und wegen ihres eindringlichen Vortrags mehrmal gelesen zu werden. Sie sieht dem Redner vollkommen Ähnlich, den wir ehemals in der Person des Herrn Doctor Münter kennen zu lernen, Gelegenheit gehabt haben.

Dritte Unterredung.

S. 33. Nach den Worten: keine Illusion zu befürchten. *)

*) Zumal bey einem so zulänglichen und überzeugenden, als der Beweis für das Daftyn der Seele. Die übrigen Worte dieses Absatzes beziehen sich auf das Argumentum a tuto: ein Argument,dem ich nur auch, wenn HerrLeßing seine bekannreErzadlung nicht geschrieben hatte, bey sehr schwachen oder eigennützigen Seelen einige Wirksamkeit zutrauen mögte.

S. 35. Nach den Worten: erretten Sie Ihre Seele. *)

*) Sollte nicht der Hert Doctor wirklich mehr gewonnen haben, wenn er den Grafen mit der Erinnerung seines nahen Todes nicht erschüttert hatte? —

S .41. Nach den Worten: Ihre Pflicht von Ihnen fodert. 14)

14) Sollte nicht der'Hert Verfasser, wie überhaupt, also hier auch besonders, ein wenig zu viel Weitläufigkeit in der Einkleidung seines Unterrichts beweisen; und zugleich hier Len menschlichen Kräften in Struensee zu viel wirkende Kraft beygelegt, oder ihn auch zu stark auf das Vertrauen auf Gott gewiesen habend Da doch die Fähigkeit dazu, die gänzliche vorhanden war. Zerknirschung seiner Seele noch mcht vorhanden war.

Vierte Unterredung.

S. 47. Nach den Worten: nach sich ziehen kann, ist böse. 15)

15) Jedes Menschen moralisches Gefühl, eben so wenig, als das moralische Gefühl, wie es bey dem Sünder anzutreft- fen ist, in einem abgezogenem Begriske genommen, kann wol nicht gerade zu ohne weitere Einschränkung der Wille Gottes genannt, oder anstatt desselben gesetzt werden; weil

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es gleich andern Kräften der Seele durch moralische und phystcalische Unordnungen der menschlichen Natur mit zerrüttet ist. Der Verstand ist voller Unwissenheit und Irrthümer; daher entstehtauch bey dem Redlichsten ein ir- rendes Gewissen.

S. 48. Nach den Worten: zu nochmaliger Untersuchung. l6)

16) Einem Unglücklichen, der seiner Freyheit und, aller gegründeten ORE zu einer irrdischeu Glückseligkeit beraubt ist, pflegt dieser schmerzliche Verlust gar zu leicht wieder einzusallen, auch unter den ernsthaftesten Betrachtungen; und eine durch Gewohnheit fast unüberwindlich gewordene Anhängigkeit des Herzens an feine alte Herrschaft und Wollüste preßt bey so großer Aenderung der Umstande leicht Thränen aus, die die Erwartung eines fürchterlichen Schicksals vermehrt. Hier können die scharfsichtigsten Augen betrogen werben. — Selbst dey den Thränen einer “philosophischen Reue!

S» 50. Nach den Worten: Vor Gott ist — und spät. 17)

17) Vor Gott ist kern Unterschied zwischen früh und stäk-r dieser Ausdruck laßt etwas zweydeutig, und daher zu irrir- gen Gedanken beförderlich zu seyn. Zwischen einer zeitigen oder durch sanfte Reizungen entstandenen Rückkehr, und einer spaten, oder aus einem verhärteten Herzen durch Donnerschlage gleichsam erpreßten Besserung, die freylich mit Einsicht und freyerEntschliessung begleitet seynkann, findet, in Absicht ihrer Quelle und ihrer Folgen, ein deut- licher Unterscheid statt. Der Hert Verfasser hat aber ohne Zweifel damit die gleichmäßige Bereitwilligkeit Gottes, den Sünder aufzunehmen, ausdrucken wollen.

S. 52. Nach den Worten: wie unwiderstehlich — Seele auf! 18)

18) Sollte die christliche Religion sich nicht auch an Seiten des Glaubens und ihrer göttlichen Ueberzeugungen un- rviderstehlich in die menschliche Seele dringen? — nicht dadurch ihre Sittenlehren mit der rechten, einnehmenden, und himmlischen Gestalt vor unfern Augen verklären, den Grund zur Moral im Verstände und Herzen legend--uns von dem Vertrauen auf eigene gute Handlungen, ehe dies reizende Dorurtheil in uns Fuß faßt, zeitig genug ablenken können? — Wer wird dies sogleich von der Hand werfen können! Glaube an den Herrn Jesum: so wirst du rc, Und was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde.

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Fünfte Unterredung.

S. 57. Nach den Worten: die er mir nannte. *)

*) Wie sehr muß man es billigen und loben, daß Hert Doctor Münter diese Bücher seinen Lesern nicht wieder nennt!

S. 60. Nach den Worten: das Sinnliche ist, herabgeseht. 19)

19) Wir können es nicht bergen, daß wir in dieser ganzen Untersuchung über die Sünden der Wollust vieles vermissen, und andere, die mehr Aufmerksamkeit dazu anwenden werden, und aus unserm Gesichtspuncte sehen, werden vielleicht noch mehr hinzu setzen können. Wir finden überhaupt das Verhaltniß des Sünders gegen Gott, seinen Schöpfer, nicht aber gegen Gott, als seinen Erretter vom Sündenfall durch Christum, und durch Wirkungen des erleuchtenden und heiligendenGerstes bemerket. Hiedurch würde dicSünde erst recht sündig werden. — Dies kömmt in der Folge! Hier gehörte es doch aber, der Vollständigkeit wegen,

(nac) des Heils hm; und in der Folge wird es weniger nutzen können; und vielleicht auch nicht genugsam angetroffen; wo bleibt z. E. die Lehre von der Rechtfertigung in ihrem Umfange, und wie wenig sagt der Herr Voltaire von dem heiligen Abendmale.

S. 63. Nach den Worten: ungestört gelassen hätten? *)

*) Diese Betrachtung allein mußte schon hinreichen, die Heiligkeit der Ehe unverletzt zu erhalten, und sie würde gewiß bey manchen nicht ohne Wirkung styn, wenn sie denen eingescharft würde, die von selbst nicht darauf fallen. Zwar mögte sie wol nur selten den Verführer abhalten; aber einer Ehefrau, zumal wenn sie schon Mutter ist, könnte diese Vorstellung schwerlich über das Herz weggleiten.

S. 66. Nach den Worten: seiner Väter größr tenrheils verloren. 20)

20) Wir glauben überhaupt, daß es klar sey, in der Geschichte Israels und den Lehren Moses, daß dieses Volk die Gewißheit von der Unsterblichkeit der Seele niemals ganz verloren, sondern unter die Grundwahrheiten, seines Glaubens gezahlt habe; daß der Ausdruck: deiner Pater diese Lehre unter andern genugsam bestätige, so wie die Aussicht auf den künftigen Erlöser, der vielleicht nach ihrem Tode kommen würde; nebst dem Unterschied zwischen der Vergebung der Sünden, und den doch erfolgenden leiblichen Strafen, z. E. im Leben Davids. Der leibliche

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12 reiche Segen benahm den ewigen Belohnungen, die sich in der Hinwegnahme Heuochs blicken ließen, Nichts und wußte die sinnlichen Beschwerlichkeiten des jüdischen Gott Lesdienftes versüßen. Doch wozu so viel Weitläufigkeit!

S. 67. Nach den Worten: in ihnen selbst nicht vorhanden wären. 21)

21) In der menschlichen Art zu denken, die sich nicht auf unendliche Gegenstände paßt, werden wir allzeit die Widerspräche hausen, die wir vermindern wollen, wenn wir über Geheimnisse der Religion philosophiren. Der Glaube allein schützt vor dieser Gefahr, und wirkt doch mehr Gutes, als die Spitzfindigkeiten menschlicher Vorstellungsarten. In der unendlichen Natur der Geheimnisse selbst, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, ist sreylich ewig kein Widerspruch. In der richtigen Art, den wahren Sinn göttlicher Worte aufzusuchen, sollte unsere Philosophie wolihre billigen Grenzen finden.

Sechste Unterredung.

S. 69. Nach den Weorten: zu erlangen suchet.

*) Strengere Moralisten mogten vielleicht hier dem Herrn Münter nicht beypsiichten. Die wahre Tugend, sagen diese, wird niemals nach ausserlicher Ehre trachten. Wer ausserliche Ehre, auch nur in soferne sie eine Folge der Tugend ist, zu erlangen suchet: dessen Tugend ist eigennützig, folglich nicht lauter; er bedienet sich der Tugend, wozu andre die Laster gebrauchen — zur Sättigung seines Ehrgeizes — Indessen scheinen die, welche auf eine so gelauterte Tugend dringen, etwas von dem Menschen zu fordern, wozu vielleicht kaum Engel sich erheben können.

S. 74. Nach den Worten: ich nicht unterrich- tet war. *)

*) Obwohl der Hert Doctor sich auf die Entschuldigung des Grafen nicht einlassen konnte: so würde er doch seinen Set fern einen Gefallen, und der Wahrheit einen Dienst gerhan haben, wenn er auch dieses wenige, welches Struen- see zu seiner Entschuldigung mit oder ohne Grund sager,@dem Publikum hatte mittheilen können.

S. 76. Nach den Worten: für die Wahrheit — aufopferte. 22)

22) und noch mehr zur Absicht hatte, und that: der sein Leiden und seinen Tod zum Errettungsmittel von göttlichen, ewigen Strafen, für alle, die diese gepredigte Wahrheit am nahmen, machte; welches noch kein Lehrer gethan hatte. — Wehr, als ein göttlicher Mann; Gott selbst!

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S. 77. Nach den Worten; würden irre ma- chen lassen. 23)

23) Hier in der Lehre von Jesu erscheinen die Empfindungen eines Wiedergebornen, wenn dies Wort nicht zu alt/ oder scholastisch und mystisch ist; und vorher gieng die Buße? sie sollte billig hier ihren Ort und ihre wahre Gestalt fin- den, unchristlich zu styn.

Achte Unterredung.

S. 93. Nach den Worten: an den Tag zu legen. 24)

24) Warum wollen wir denn jetzo den Glauben, der die Quelle guter Werke nach unserer Heilsordnung seyn soll, auf die- sen folgen lassen; wie sonderbayr möchte dieser Gang werden, wenn man von der Besserung des äußerem Menschen zum inneren fortgehen wollte. Sollte dies christliche Sinnesänderung seyn? oder sollte die Verziehung meiner Mienen vor einem Spiegel die Aenderung meiner Gesinnungen bewürken, oder mich iw Guten wahrhaftig befestigen können; Und was für ein Ueberzeugungsgrund für mich und andere!

Neunte Unterredung.

S. 102. Nach den Worten: keinen Anspruch machen. 25)

25) So vortreftîch der Herr Doctor Münter viele theologische Wahrheiten auseinander gesetzt und erläutert hat: so glauben wir doch, daß wir bey dieser gründlichen Vertheidigung der guten Sache der geoffenbarten Religion, zu dem Urtheil über einen muthwilligen Verächter derselben, hinzusetzen müssen: daß derselbige nicht allein keinen Anspruch auf die ewigen Vortheile der Christen machen könne, sondern auch das Schicksal eines tugendhaften Heyden nicht erwarten könne, statt dessen eine strafenvolle Ewigkeit zu befürchten Ursach habe. Wie groß ist der Unterscheid zwischen einer schuldlosen Beraubung dieser Erkenntniß und einer vorsetzlichen Verachtung derselben!

S. 104. Nach den Worten: wieder ausgelöscht werden können. 26)

26) Daher ifi Witte und Entschließung zu guten Handlungen vor Gott genug, und dem Christen von seiner Bekehrung Beweis genug, wenn ihn der Tod, oder ein anderer Zufall, Zeit und Gelegenheit zu thatigen Früchten seiner Besserung und seines aufkeimenden Glaubens raubt.

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S. 105. Nach den Worten: wird sie niche wegnehmen. 27)

27) Sollten alle diese Folgen ganz und allemal richtig da segn i Wie manches Christen Einsicht und Gefühl möchte Per wieder etwas einzuwenden haben. Der Hofnungsvolle große Gedanke einer herantretenden Ewigkeit, einer neuen Welt und ihrer höheren und unendlichen Aussichten; sollte der nicht, nebst den Empfindungen einer übernatürlichen Religion, die Macht der Furcht vor dem Tode herabsetzen können. Auch hier spricht die Erfahrung, daß ein großes Licht das kleine neben sich verdunkele. Es ist ein Vorzug der gläubigen Beruhigung, UeberzeugunZ durch die biblische Wahrheit/Ergebung des Herzens an Gott, von den Ueberzeugungen der Vernunft, daß jene ersteren die Seele mmhrger und standhafter machen. Bey dieser letztem regt sich der natürliche Stolz und Unglaube faß immerfort, und wirft den bangen Geist zwischen Furcht und Hofnung herum.

Zehnte Unterredung.

S. 109. Nach den Worten: für das Borzüge- lichste erkläret hatte. *)

*) Es wäre zu wünschen, daß jeder Seelsorger sichs angelegen seyn ließe, den Charakter, die Denkart und Grund-

Satze derer zu studiren, die dereinst von ferner Hand gefordert werden. Das Beyspie! Struensees rechtfertiget diesen Wunsch. Sollte wol ein Geistlicher, der nicht so wie Hert Münter beflissen gewesen, rief in seine Gesinnungen zu bringen, sollte der wol bey dem Grafen seinen Zweck so glücklich erreicht haben?

S. 111. Nach den Worten: daß Sie noch so

viel Gutes — können. 28)

28) Wir missen hier, nicht ohne Befremdung, die wichtigen dogmatischen Puncte: die Lehre von dem eigentlichen versöhnenden Leiden und Tode Jesu des Gottmenschen, und der Verdienstlichkeit seines vollkommenen Gehorsams für den bußfertigen Sünder; um ihn die Wahrheiten von der Rechtfertigung dieses vorzüglichen Kleinodes unserer evangelischen Religion desto nothwendiger und einleuchtender zu machen. Viele unserer Mitleser werden diese Bemerkung vielleicht noch öfter machen.

S. 113. Nach den Worten: ihren Lüsten schmeichelt, 29)

29) Diese so nützliche Bemerkung macht dem Scharfsinn, und her Treue des Herrn V. in seinem Lehramte, gleichen Ruhm.

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Gleich dem zartesten Uhrwerke, welches durch die kleinste darzwischen kommende Hinderniß stecken, oder durch die kleinste Nachläßigkeit in seiner Richtigkeit behindert wer- den kann: wird der Verstand einer durch Laster entkräftete Seele in seinen Uederzeugungen, das Gewissen in seinen Urtheilen, der Wille in einer unglücklichen Unschlüßigkeit, und wer kann die Falle zählen, worin der ganze Geist aufgehalten, und seine Wirksamkeit in Fesseln gelegt wird. — Solche kurze aus der Natur des Menschen, welche in seltenen Situationen sich zu entdecken gezwungen ist, und aufmerksam beobachtet wurde, richtig abstrahirte Regeln sind praktisch besser, als viele lange gelehrte theologische Deduktionen.

Zwölfte Unterredung.

S. 126. Nach den Worten: welche in ihr enthalten sind. 30)

30) Diese Methode mag hier ihre Dortheile gehabt haben, die aber noch nicht ohne allen Widerspruch bleiben, und vielleicht unter der heiligen Lecrüc immer zu erhalten gewesen seyn würden: sie hat auch ihre Unbequemlichkeiten, vielleicht unter mehreren, den Zeitverlust für einige, eigentlich biblische Lehren, Zerstreuung in Nebcnideen, und einige unnöthige Bekanntschaft mit Einwürfen und Zweifeln. Das Verhalten dieses moralischen Patienten möchte dies erhärten. — Die Schrift rechtfertiget ihre mit aufrichtigem Gemüthe bezweifelte Wahrheiten, selbst auf eine ihr eigenthümliche Art. Ein Theil der Zweifel verliert sich ganz mit zunehmender Einsicht, und durch das Gefühl der Wahrheit in allen Kräften des Geistes. Ein anderer Theil wird unerheblich bey dem alles überwiegenden Reichthum der göttlichen Erkrnntniß und Gnade. — In jedem Falle wird auch der Hert Doctor Münter seine Methode wol nicht angewandt wissen wollen.

S. 127. Nach den Worten: fast alle stumpf werden. 31)

31) Wie richtig und gut ist diese Forderung! man möchte eine andere hinzusetzen, die mit jener parallel läuft, und für den Wachsthum der christlichen Weisheit und Tugend nicht weniger als jene gemeinnützig ist: "wenn man nur alles das, was Menschen aus der biblischen Religion Hert ausgetragen haben, oder noch als unvorsichtige Winzer abschneiden wollen, auf den Kanzeln und in den Lehrbüchern anzeigete, so würden die Waffen der Neuerungssucht

fast alle stumpf werden." — Beyderley Ausschweifungen

kennen aus einem von Vorurteilen durchdrungenen Ver-

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16 stande, oder einem von Lüsten bezauberten Herzen entsprin- gen. Auch Predigten von dieser letzten Art können den Unglauben starken: wenn der unvorsichtige Zweifler von des Verwerflichkeit des Einem den Schluß auf alle macht. Dem H * * * möchte ein B * * * entgegenstehn.

Vierzehnte Unterredung.

S. 133. Nach den Worten: Unser Berger — ist er nicht. *)

*) Me diese Männer, welche Hert Münter anfuhrer, gehören Zu den Christen; dennoch finden wir hier nicht die Beantwortung der Struenseeischen Frage. Wer, wie Hert Struensee in der folgenden Unterredung von seiner eignen Erziehung erzählet, keinen vernünftigen Unterricht in der Religion erhalt, der kann sehr leicht, wenn er sich in der Folge der Arzneygelartheit widmet, als Auatomi- ker und Physiologe auf eben die Jrrthümer gerathen, auf welche Struensee gerieth, ohne den la Mettrie gelesen zu haben.

Ebendaselbst. Nach den Worten: hinlänglich

ttriberfeqt wird. 32)

32) Wenn die Fruchte eines Baumes sich nachtheiliger Weise zu verändern anfangen: so ist es wol Zeugnis genug, daß der Baum seine gute Art verlasse. — Wie intolerant schimpft oft ein Herold der Toleranz.

Fünfzehnte Unterredung.

S. 136. Nach denWorten: eine bloße dee, *)

*) Hert Toussaint, dessen Schriftsreylich das Schicksal hatte, durch den Scharfrichter verbrannt zu werden, har schon langst behauptet, daß Liebe ohne Eigennutz ein Unding sey, Er geflehtes; daß er Gott nicht eben um seiner Weisheit, um seiner Allmacht willen u. s. w. liebe: sondern ich liebe ihn, sagt er, weil er gut ist, und weil er mich liebet.

Achtzehnte Unterredung.

S. 152. Nach den Worten: alles Ünvollkomm- ne davon absondern. 33)

33) Diese, bey einer vernünftigen Auslegunaskunst so umentbehrliche, und hier so paßlich, angebrachte, und mit vielem philosophischen Scharfsinn bestimmte Regel, kann den nachforschenden Leser der Schrift nicht genug anger priesen werden. Sie kann bey der Bilder prache des alten, und bey den Gleichnißreden des neuen Testaments, und andern, auch vom Hrn. V, angeführten Fallen nicht entbehret werden.

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17 Neunzehnte Unterredung.

S. 161. Nach den Worten: Ich kann Ihnen — befriedigt ist. 34)

34) In manchen Stellen der Reden St... scheint sein Dem? peramentssehler, der Leichtsinn, noch mit einiger Herrschaft durchzublicken. Wir wollen itzt hieraus eben nicht einen Grund, an der Aufrichtigkeit seiner Bekehrung zu zweifeln, hernehmen; ob wir Mich auch nicht anders Stellen werden als daß Spötter der Religion solche Stellen werden anzunehmen suchen. Wie bedenklich ist z. E. auf tigre seine Rede: ich thue da er am besten, das hatte, das Chri: Autorität annehme; da er doch eben gehört hatte, daß Christi Auferstehung unter seinen Wundern das größte sey. Da er bey allen sich angewöhnten Unglauben, auch scheint, Sachen der Gottseligkeit, sich bald zu überreden scheint, so bald sein Herz nur eingenommen war: so ist der Eyfer des Hrn D. M. dieses verwickelten Characters bewiesen, Untersuchungen dieses verwickelten Character- bewiesen, und mit Aufmerksamkeit und Scharfe verbunden hat.

Zwanzigste Unterredung.

S. 167. Nach den Worten: zu sagen für nö-

thig hielt. 35)

35) Hier wogten wir wol, wenn uns diese Freyheit erlaubt wäre, fragen, warum der Hr. D. hier nicht, zur practi- schen Erweiterung der Lehre vom Heil. Geist, von dessen Gnadenwürkungen, und Beschäftigungen für das moralische Glück des Sünders, und des Kindes Gottes, geredet habe? Es würde dies unsere Erwartung befriediget haben, die Abhandlung vom heil. Geist weniger speculativ und trocken geblieben, und dem unglücklichen Lehrlinge wohl: thatig, und besonders trostvoll geworden styn.

Zwey und zwanzigste Unterredung.

S. 179. Nach den Worten: und der Liebe zu ihm wir haben müssen, 36)

36) Weil hier keine mathematische Bestimmung möglich und brauchbar ist; sondern es heißt: so viel man bemerken kann; so ist es um nicht des pflichtmaßigen Ernstes in seiner Heiligung, nach der klugen christlichen Besorgniß zu verfehlen, wol rathsam, nach den ersteren Graden der Reue und des kindlichen Gehorsams zu streben: weil mit diesen unsre Gewißheit wüchset von dem Schaffen unsrer Seligkeit mir Furcht und Zittern.

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18 S. 191. Nach den Worten: für begnadigt von Gott halten können. 37

37) Man kann den wohleingerichteten Fragen, bey dieser Ge- wissensprüfung, weiche der Herr D. an diesen wieder zurückkehrenden Flüchtling der Religion gethan hat; so wie auch größtentheils den aufrichtigen Antworten, und dem Bezei-

gen des Letzteren seinen Beyfall nicht versagen. Die Aten des Grafen bey dieser Unterredung baden ohne Zweifel Berichtigung und Dortrag von dem würdigen Herrn Day doch, wie es nöthig war, mit Genehmigung des Grasen erhalten. Styl und Denkungsart scheinen dies zu vcrrathen.

Drey und zwanzigste Unterredung.

S. 193. Nach den Worten: mehr als ich sa- gen kann. *)

*) Die zärtliche Empfindung des Grafen fur seine Freunde muß uns gewissermaßen mir ihm aussöhnen. Sie kündigt ein Herz an, das für jede Tugend geschaffen war. Wie sehr ist es zu bedauren, daß dieser unglückliche Mann nicht vor seinem Fall in der christlichen Religion gründlich unterrichtet, und von ihrem göttlichen Ursprünge übeczeu- get worden!

Fünf und zwanzigste Unterredung.

S. 208. Nach den Worten: zerrissen worden

ist. 38)

38) Ohne Zweifel ist hier eine derjenigenüberflüßigen Vollständigkeiten, oder solcher Wiederholungen anzutressen, welche, nach dem Urtheile vieler Leser dieser Bekehrungsgeschichte, diese Schrift unnörhigrt Weise vergrößern, und der Aufmerksamkeit kenie neue oder hinlängliche Nahrung geben. Kleine Auszüge aus den Unterredungen würden hier willkommen gewesen seyn. Auch dieser Vorwurf möchte nicht ganz leer von Wahrheit seyn, daß der Styl des Herrn Doctor Münter, und der, den der Gras führt, zu einstimmig und gleichmäßig, oft weitschweifig, und manchmal gedehnt sey.

Sieben und zwanzigste Unterredung. S. 222. Nach den Worten: der Ausspruch des Richters seyn, 39)

39) Dieser Rath muste dem reuigen und zur Gottseligkeit zurückkehrenden Grafen aus mehr als einer Absicht schätzbar styn. Wachsamkeit über alle seine innerlichen und aus serlichen und standhafte Treue im ange-

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fangenen Werke ferner Besserung, waren unentbehrliche Wächter und Stützen seines Heils. Gegen die mannichfaltigen und gewaltsamen Zerstreuungen seiner Gedanken, gegen eine betäubende Todesfurcht, gegen eine bis zur Zaghaftigkeit treibende Empfindsamkeit des Herzens, gegen die natürliche Biegsamkeit und den Wankelmuth eine» Temperaments, dessen gefährlichste Reihung von der Wollust hergekommen sind, und dar sich bald schrecken und bald beruhigen läßt, muste dieser berühmte Unglücklich» verwahr ret und ausgerüstet werden.

Acht und zwanzigste Unterredung.

S. 231. Nach den Worten: bald im Predigten. 40)

40) Freylich hat der Graf hierin sehr recht! Was wäre praktischer und wohlgewählrer, als seinen Feinden mit gleichem Geschosse zu begegnen, und seine DefensivnSwerke nach der zur Mode gewordnen Attaque umzubauen. Wenn es wahr, daß ein feiner, anhaltender Regen fruchtbarer, und tiefer ins Land dringt, als der Platzregen und Wolkenbruch: so ist es wahrscheinlich, und nach der Aehnlichkeit der Natur und Erfahrung gewiß, daß kleine lehrreiche Blätter mehr intellcktualische und moralische Besserung bewürken, als dicke Bände, die wenig gelesen, und noch weniger durchgedacht werden. — Der Staubregen ist oft zu schwach, und mit schädlichen Mehlthau vermischt. — Mit Sanftmuth und Menschenliebe allein wird oft nicht viel ausaerichtet. —

Neun und zwanzigste Unterredung.

S. 238. Nach den Worten: veranlassen würde. 41)

41) Wir hätten hier gewünscht, was mancher Leser hier zu seiner Erbauung hoffen kann, diesen Wanderer zur Ewigkeit, der ihren Pforten so nahe gekommen war, mit Mehrern Trostgründen der biblischen Religion, und mehr noch, als er es mit einigen war, bekannt zu sehen. Ein größerer Zufluß solcher Nahrung des Geistes würde ihn noch mu-

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thiger und freudiger als er zu seyn scheint, gemacht haben. Je mehr unser Blick geschärft und angewiesen wird, desto besser lernen wir Gott und uns, Ewigkeit und Zeit, unterscheiden; und hierauf beruhet doch wol ein großer Theil des Wachsthums im Glauben, der die Seligkeit er- kämpft, unwandelbahr ist, und die vollkommene Erlösung ausharret; oder der vorbereitete Schritt in die Ewigkeit. — Auch die Fülle des zeitlichen Unterrichts und Trostes in der Schrift, zu unserer Bereicherung zu gebrauchen, ist Pflicht; wer übersieht alten möglichen künftigen Gebrauch davon; und wie hülfreich ist dieser Vorrath von Rüstung in der Stunde der Verlegenheit. Oft sagt die Schrift zu dieser Anwendung ohne Zweifel mit eincrley Hauptwahrheit, mit verschiedenen Worten, unter manchen fruchtbaren verschiedenen Nebenideen. — Doch der Hert Verfasser hat. außer dem Inhalt dieser Schrift, noch manches zum Unterricht dieses heilsbegierigen Sünders ge- sagt. —

Dreyßigste Unterredung.

S. 241. Nach den Worten: Etwas Wesentliches gewesen. 42)

42) Dieser Zweck war aber wo! mehr, als allein der beque- mere und eindringlichere Unterricht; wenn es gegründet ist, daß Christi niedriges und mühseliges Leben zu seinem gesammten Leiden und Verdienst für uns gehört. Unser Philosophierender Verstand pfleget leicht eine andere Richtung zu nehmen, als der Zusammenhang des Vortrages und der biblischen Geschichte aufstellt, wenn wir einen Ausspruch betrachten, und die Verbindung nicht mir einre, dm lassen.

S. 243. Nach den Worten; Setten durchzudenken. 43)

43) Tue Empfindungen einer ehemaligen, oder vollendeten Reue, wenn man diese in aller Absicht als vollendet an- Zusehen befugt ist, in erneuertem lebhaften Andenken zu erhalten, ist wenigstens ein wirksames Gegenmittel wider eine Sicherheit, die auch das beste Herz in einem schadli-

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chm Schlummer wiegen kann. Und was kann wehr, als diese lebhafte Erinnerung seines Falls und seiner Schwä- che, die natürlichen Aufwallungen des Stolzes und geist- licher Erhebung unterdrücken î Wie viel Vorsicht gehört dazu, die reuige Demüthigung des Herzens vor Gott, diese zarte Pflanze zu erhalten; auch unter den Geschäften des stetigen Vertrauens, auf dm versöhnten Vater der Menschen;

Zwey und dreyßigste Unterredung.

S. 250. Nach den Worten: von der Wahrheit der Religion kennet. 44)

44) Wegen der Einsicht in die größere oder geringere Ueber- einstimmung der Meynung des Herrn Doctors, mit an- dern Theologen unserer Kirche, hatten wir hier sehr gern eine kurze Anzeige der exegetischen Gründe, über die hierher) gebrauchten Worte der Schrift, gelesen.

Ebendaselbst. Nach Len Worten: an diesem Tage zu begehen. *)

*) Auch dieser Wunsch ist ein Beweis, daß der Graf zu einer wahren Aerrderung seiner Gesinnungen gelanget war. Er wollte mir ruhigem Gemüthe, und zu einer Zeit, da er sich noch Fassung zutrauen durfte, das heilige Abendmal gemessen. Er wußte besser, wie sein Gefährte im Unglück, der Graf Brandt, wie wenig der. Mensch seinen Kräften trauen kann, und wie gewaltig die Gewißheit eures nahen und schmählichen Todes die Seele erschüttern kann; des- wegen setzte er ein vernünftiges Mißtrauen in sich selbst.

Vier und dreyßigste Unterredung. S. 264. Nach den Worten: Durch den

45) Man kann dies Glaubensbekenntniß in mancher Absicht etwas unvollständig, wo nicht von anderweitiger Beschaft fenheit finden, — Das Abendmahl ist, geradezu gesagt, nach unserm Lehrbegrrf ferne blosse Gedachtnißcsremonie, Indern ein Mittel zue Gnade und Vereinigung mit Gott

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22 durch Christi Kraft und Tod. — Kann die Taufe ein Bild der Reinigung, und nicht mehr seyn, wie etwa die Taufe jüdischer Profelyten? So gehört der nachfolgende Glaube des Getauften eigentlich nicht zum InLrgrif der Taufe. Wirkt sie aber den Glauben, und macht das Herz des Unmündigen selbst auf unbegreifliche Art dazu geneigt: so ist sie mehr als ein Bild der Reinigung.

S. 265. Nach den Worten: der Menschen» liebe erfüllte. 46)

46) Und wir mochten hinzusetzen, ohne Umschweife und unnöthige Bekümmernisse zur einzigen wahren Quelle führt. Man kann sich hier an das Gleichniß von dem Soldaten in der dreyßigsten Unterredung zurück erinnern.

Sieben und dwyßigste Unterredung.

S. 273. Nach den Worten: immer ehrwürdiger ward. 47)

47) Ern reizender Gedanke des Herrn Verfassers. — Was für Bilder: die göttliche Macht der Religion, der grau- ftnvolle Anblick der bestimmten Todesart, die majestatu sche Aussicht in die Ewigkeit! — Was wirkt dies auf eine empfindungsvolle Seele, die auf dieses unverstellten Ms Gewissenhaftigkeit in kleineren Pflichten zurück fleht!

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Anmerkungen

zu

des Herrn Probst I. Hee

zuverlaßigen Nachricht

von des Hingerichteten

Enevold Brandt

Betragen und Denkungsart

in

feiner Gefangenschaft bis zu seinem Tode.

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S. 6. Nach den Worten: da ist die Gnade Viel mächtiger worden. 1)

1) Der Hert Probst zeigt sich in dieser ganzen Hetlungsgeschichte seines moralischen Patienten, als ein gründlicher Theologe, der die Natur der Heilsordnung mit der Schwache des Sünders, mit mehr als gewöhnlichem Fleiße verglichen hat. Er findet einen Theil des Nachdrucks geistlicher Beredsamkeit, in der Anführung der kernreichen biblischen Vorstellungsarten: und irret sich nicht. — Wie oft schwächt eine menschliche Paraphrase, oder eine Erklärung Len starken Ton und die Ueberzeugung eines biblischen Ausspruchs; unter welchem der Geist Gottes seine unert kläbaren Wirkungen führt.

S. 8. Nach den Worten: und mein Amt meines Gottes. Jes. 49,4. 2)

2) Wir können uns nicht enthalten, zu sagen, mit welchen süßen Vergnügen wir den edlen Charakter, die kluge, redliche und murhige Aufführung des Herrn ProbstS,.in dier sein mühsamen und doch ewig fruchtbringendem Geschäfte, und mit uns ein großer Theil des christlichen Publikum, bemerkt haben. Der ungekünstelte und zuversichtliche Gans seiner Unternehmungen, und sein gedankenreicher und allen gemeßner Ausdruck, verdient alle Aufmerksamkett und allen als Redner Er ist ein Arzt, der seinen Kranken, so wie sonst als Redner der Kanzel seinen Text, studieret: — ein Arzt, der sich nicht auf dre Kràfte einer bloß über feine Simplicia philosophirt, kühner Seele verlaßt! — oder bloß überfeine durch alle philosophirt, und mit angemaßter Wissenschaft durch alle Vorfälle und Kräfte des Kranken, und derHeilungsmittel hindurch schauet. — Er pflanzt- und begießt, und überlaßt dem Herrn des Gartens das Gedeyen, mit beruhigender Zuversicht.

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S. 13. Nach den Worten: aus freyer Gnade für sie veranstaltet habe. 3)

3) Zu dieser Abhandlung des Erbübels des sündigen Menschen könnre freylich zur näheren Aufklärung und Bestimmung mehreres hinzugedacht werden: Doch hat der Herr Verfasser wvhlgethan, darin, das er bey den biblischen Begriffen geblieben ist! als welche, in Absicht ihrer intensiven und extensiven Beschaffenheit für unfern Unterricht von Gott, ausgewahlt sind. Gott wollte um der Menschen Sünden willen, die Gesetze seiner Welt und der Natur des Menschen nicht andern. Der Einfluß der Sünde auf dieselbe rechtfertiget den Richter, und macht den, der die Welt mit sich selbst versöhnte, recht groß, den Sünder aber recht klein, in den Augen einer christlichen Vernunft. Um deswillen würden wir einen Lehrer es nicht verzeihen können, wenn er diese zur göttlichen Demüthigung und Prüfung eines zu belehrenden Missethäters gehörige und recht wirksame Lehre beyseit lassen, oder nur obenhin berühren wollte, Doch sey die Ausführung davon rührend und auffallend inden Vorstellungen, und stark in ihrem Einflüsse auf das vorige und nachfolgende Leben des Zuhörers,

S. 15. Nach den Worten: ohne sich mit Fleisch und Blut zu besprechen. 4)

4) So groß und unermeßlich vortheilhast wegen sciner Folgen in wichtigen irrdischen Dingen ein guter, schneller und muthiger Entschluß werden kann: so und noch unendlich mehr muß er es dem Streiter Jesu Christi werden, und ihm diese Regel daher zu empfehlen seyn.

S. 17. Nach den Worten: und Standhaft tigkeit verspräche. 5)

5) Bey einem durch Leichtsinn fehlerhaften Gemüth ist meh- rentheils und wahrscheinlicher Weise mehr Hoffnung der Besserung und weniger Gefahr, als bey einem stolzen Herzen, welches von Widersetzlichkeit und Zurückhaltung pfleget begleitet zu seyn, Das Urtheil des Herrn V. über diesen Fall verdient die Aufmerksamkeit der Leser.

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27 S Diese dem zurückkehrenden Sünder so fruchtvolle Wahrheit wird ihm von selbst einleuchtend durch den Ausspruch seinesGewiffens, dem deutlichen Bewußtseyn seiner unglücklichen Erfahrung, und durch den Blick, den er auf die Forderungen der Heiligkeit Gottes wirst. Gott legirimirt sein Wort an jedem Herzen, wenn der Mensch fühlen will.

S. 25. Nach den Worten: und zu bekennen lehret. he

7) Der heilsbegierige Graf hatte hierin vollkommen Recht, und es ist gewiß ein unglücklicher Einfall, wenn man mit Abweichung von diesem Beweise, aus den Weissagungen das A. von dem N. J. in seiner Lehrart zu sehr entfernen wollre.

S. 49. Nach den Worten: ihm zum voraus zubereitet habe. 8)

8) Diese Vorstellung des Hintritts in jene Welt, nebst dem dabey gebrauchten Gleichnisse vom Abendmal, ist wohl gewählt. Es ist sehr sichtbar, mit welcher edlen Warme der Lehrer hier seinen Zuhörer unterrichtet, und wie stark dieselbe in die Seele des Letztem übergeht und sie begeistert.

Ebendaselbst. Nach den Worten: von Zerstreuungen freyer seyn würde. *)

*) Auch diese Erinnerung des Herrn Probst Hee ist sehr vernünftig. Wer kann sich selbst für seine künftige Fassung Bürge seyn? — Ihr, die ihr eure Buße verschiebet, und in der Einbildung stehet, ein ernstliches Gefühl von Reue können in eueren letzten Augenblicken den Zorn des Richters besänftigen, und seine zum Strafen schon erhobene Hand zurück halten: ich kann nicht umhin, euch bey dieser Gelegenheit zu fragen, wer euch Bürge seyn könne, daß thr in euren letzten Augenblicken dieses ernstliche Gefühl von Reue haben werdet?

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S. 52. Nach den Worten: der Gnade in feiner Seele war. 9)

9) So gewiß und so sehr unser Gefühl den stärksten Ausdruck einer beredten Zunge überrrist: so gewiß wollen diese göttlichen Empfindungen mehr gefühlt, als beschrieben segn, Die Stärke und Lebhaftigkeit des heiligen Gefühls, die mächtigen Ueberzeugungen der sie begleitenden und sie gerechtfertigenden Wahrheit, und der siegende Muth des geheilten Gewissen«, drucken diesen Empfindungen ein unverwerfliches Siegel auf.

S. 54. Nach den Worten: der soll erhöhet werden. 10)

10) Dieser gegründete Gedanke des Herrn V. und der damit verknüpfte Ausspruch der Schrift, erinnert uns mit Vereinigen an die unter sich gewiß sehr verschiedenen Grade der Seeligkcit, welche der Richter der Welt, bekehrten Misfethätern anweisen wird; wir wünschten, diesen Gedanken weiter eröfnet zu finden, um die Aussicht, die er verschaft, weiter aller Bußhandlungen, allein die Reinigkeit, und Starke aller Bußhandlungen, sondern auch die der Heiligung und der geschäftigste und treuste Fleiß in der Heiligung und neuem Gehorsam; so kurz auch Zeit und Gele<enheit zu wirklichen Ausübungen sind, lassen die« «rwart

S. Nicht weniger kömmt hier die größte von dem Gel seiner Armuty und Unwürdigkeit des Geistes, nebst fühl seiner Armuth und Unwürdigkeit des Geistes, nebst

Sl seiner Armuty und Unwürdigkeit des Geistes, nebst fühl seiner Armuth und Unwürdigkeit des Geistes, nebst der die Seele zerschmelzenden Dcmüthiguna vor dem unendlich heiligen und zugleich fo gnädigen Gott, in Betrachtung. Die ganze plötzliche Veränderung des Sünders, der Anblick des Todes und die Freude der Begnadigung pflegt diese letztere Situation der Seele mächtig zu unterstützen.

S. 62. nach den Worten: stund er seine Strafe aus. 11)

11) Wir btdamen sehr, daß der fließende und ungekünstelte Vortrag de« Hrn. P. durch manche gar zu niedrige, und durch Gebrauch oder Nebenideen verächtlich gewordene Wörter, entstellt worden ist. Z. E. der Paß zur Himmels-

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reise, Es ist wohl nicht wahrscheinlich, daß Ich dergleichen im Original sehr viel besser, als in der Uebersetzunwird lesen lassen. Die Vergleichung der Lage Christi am Oelberg mit der Ausstrcckung des Derurchrttten, auf dem Blocke, håtten wir auch gern weggewünscht wie leicht Aeraießt man dies, über der Vortrestichkelt des Werks!

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Druckfehler. S. 49, Z. 24, nach den Worten: überlasse wolle. ist hinzu zu sehen: was dieser gegen sein Endemie ihm thun wolle.