? Zuverläßige Nachricht von der letztern Staatsveränderung in Dänemark von Ihro Majestät der Königin Caroline Mathilde während Ihrer Gefangenschaft auf dem Schlosse zu Kroonenburg eigenhändig entworfen und ohnlängst dem Grafen von *** zur Prüfung zugesandt. Nach dem Original abcopirt und aus dem Englischen übersetzt.

Zuverläßige

Nachricht

von

der letztern Staatsveränderung

in

Dänemark

von

Ihro Majestät der Königin

Caroline Mathilde

während Ihrer Gefangenschaft auf

dem Schlosse zu Kroonenburg

eigenhändig entworfen und ohnlängst

dem Grafen von ***

zur Prüfung zugesandt.

Nach dem Original abcopirt und

aus dem Englischen übersetzt.

Rotterdam 1772, bey J. F. Ebert.

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An

dem Herrn

Grafen von ***

Mein Herr,

Die unverbrüchliche Treue, so Sie in un- zählbaren Fällen meiner Familie erwiesen, und die besondern Merkmale der Achtung und Freundschaft, so Sie mir jederzeit gegeben haben, muntern mich auf, gegenwärtige Rechtfertigung meiner Aufführung wider die falschen und boshaften Beschuldigungen, die man wider mich gemacht und um deren willen ich heute ungerechter weise bin gefangen gesezt worden, Dero Prüfung zu unterwerfen. Der große Ruf von Dero Aufrichtigkeit und Einsicht, mit der Sie Ihr Urtheil zu fällen pflegen, und auf welches sich ein jeder sicher verlassen kann, ist der Bewegungsgrund, warum ich Sie bey dieser Gelegenheit vor allen andern am allerliebsten erwähle. Ich zweifle demnach nicht, daß meine Landsleute, nicht also-

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4 bald sollten, sobald sie werden erfahren haben, daß Sie vollkommen von meiner Unschuld überzeugt sind (wie ich denn hoffe daß Sie es seyn werden, nachdem Sie den umständlichen Bericht von meinen Unglücksfällen gelesen haben) denjenigen Vorurtheilen entsagen, welche mehr als eine Person, so wie ich vernehme, schon wider mich gefaßt hat, und welches Folgen von demjenigen boshaften Gerüchte sind, die meine Feinde so eyfrigst durchs ganze Königreich ausgesprenget haben. Der Gedanke, daß mein Name unter meinen Landeleuten einen Anstrich bekommen, verdoppelt den Schmerz meines erniedrigenden Zustandes und meiner Gefangenschaft; und wäre ich mir nicht bewußt, daß ich meine gegenwärtigen Leiden auf keinerley Art verdienet habe, so würde ich ohne Zweifel unter der schweren Last meines Unglücks erliegen müßen.

Dieses vorausgesetzt, werde ich mich nun gegen die Beschuldigungen meiner Feinde rechtfertigen.

Die Verbrechen, welcher man mich beschuldiget, und deren Art und Beschaffenheit ich nicht eher als einige Zeit nach meiner Arretirung habe zu wissen bekommen, bestehen darinn: daß ich mich einer Verschwörung gegen den König meinen Gemahl, in der Absicht, um ihm die Krone zu nehmen, soll schuldig gemacht haben; daß ich, in Einverständniß mit den Grafen Struensee, Brandt und andern wirklich eine Renunciations-Acte sollte aufgesetzt haben, welche ich

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wäre Willens gewesen, Se Majestät mit Gewalt unterschreiben zu lassen, wenn wir uns seiner Person würden bemächtiget haben, welches Vorhaben, so wie vorgegeben wird, wir im Begrif stunden, auszuführen, selbst in dem Augenblick, da wir auf dem Befehl des Königs sind arretirt geworden; und endlich, daß ich das Bette des Königs meines Gemahls, durch Untreu mit dem bemeldten Grafen Struensee, sollte entehret haben. Diese Beschuldigungen sind die Anlage zu meiner Arretirung gewesen. Inzwischen werden mir noch verschiedene andere Dinge, wiewol von einer geringern Art, zur Last gelegt, von welchen ich an seinem Orte sprechen werde, um so viel mehr, da sie nicht unter die Staatsverbrechen sind gerechnet worden.

Die gänzliche Unmöglichkeit, um eine Unwahrheit zu beweisen, läßt mich sehr wohl begreifen, wie schwer es mir fallen wird, mich wider diese Beschuldigungen zu vertheidigen; jedoch wenn ich beweisen kann, wie ich es hoffe, daß die ganze Aufführung, welche man in Absicht meiner beobachtet hat, eigenmächtig und ungerecht gewesen ist, und daß der bloße Anschein, wornach meine Feinde glauben, mich schuldig erklärt zu haben, weit entfernt ist, um einen beweisenden Schluß daraus zu ziehen; wenn ich dieses, sage ich, beweisen kann: so werde ich folglich gezeigt haben, wie natürlicher Weise daraus folgen müsse, daß diejenigen, welche meine Aufführung untersucht haben, sind gezwungen worden, jedem

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Punct des Rechts und der Billigkeit Gewalt anzuthun, um ihre böse Absichten zu vollstrecken. Hier werde ich einige Anmerkungen beyfügen, um die Unwahrscheinlichkeit darzuthun, daß ich an bemeldten Verbrechen schuldig seyn sollte.

Erstlich demnach, was die Umstände meines Arrests betrift: so hatte man, da die Ordre dazu gegeben wurde, noch niemand verhört, der eine Beziehung auf dasjenige hat, so mir ist zur Last gelegt worden; folglich versichert man sich meiner, ohne den geringsten Schein einer Ursache dazu zu haben. Man wird mir vielleicht einwenden, daß es nöthig war, sich meiner in der nämlichen Zeit zu versichern, als man die andern Personen in Verhaft nahm, aus Furcht, ich möchte bey der ersten Nachricht von ihrer Gefangen- nehmung Mittel finden zu entwischen; man kann hinzu fügen, daß ich, weil ich Theil an ihrer Verschwörung gehabt hätte, nicht mehr Höflichkeit fordern müßte als sie in diesem Fall selbsten gefunden hätten. Hierauf antworte ich, daß weil ich eine von den aufgezeichneten Personen war, welche sollten angeklagt werden, meine Feinde ohnedem schon gewußt haben würden, mich so genau zu bewachen, daß es mir unmöglich gewesen wäre, zu entwischen; auch hatten sie um so viel weniger Ursache meine Entwischung zu befürchten, da diejenigen, welche nach ihrem Vorgeben, meine Mitschuldige waren und die mir in der Ausführung eines solchen Plans helfen mußten, selbsten durch die Ketten womit sie

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7 gefesselt waren, aller Möglichkeit dazu ermangelten. Doch der folgende Umstand wird diesen Punct noch mehr aufklären.

Die Ordre des Königs um mich zu arretiren, wurde ihm durch die verwitwete Königin und durch den Prinz Friedrich mit Gewalt ausgepresset; denn als ihm diese beyden Personen die schriftliche Ordre vorlasen und ihm nöthigten, sie zu unterschreiben: so weigerten sich Se. Majestät schlechterdings, es zu thun, und zwar so lange bis daß die Königin zu ihm sagte, daß wenn Se. Majestät sich nicht dazu bequemen wollten, so würde sie und ihr Sohn diese Ordre unterschreiben. Der unglückliche König, welcher damals ohne Zweifel bemerkte, daß ihm nichts mehr als nur der Schatten von der Königl. Würde noch übrig geblieben war, und daß, indem er unter der Gewalt seiner Mutter und seines Bruders stund, seine eigene Sicherheit Gefahr liefe, woferne er nicht in alles das, was sie forderten, willigte, unterschrieb endlich mit zitternder Hand und mit beklemmten Herzen, die Ordre, mich in die Hände meiner Feinde zu liefern.

Hier muß ich die nothwendige Anmerkung machen, daß der König sich weigerte, die Ordre zu unterschreiben sogar nachdem ihm die Königin und der Prinz versichert hatten, daß die Verschwornen und ich beschlossen hätten, ihn zu zwingen, auf dem Thron Verzicht zu thun, ein augenscheinlicher Beweiß, daß er mich nicht vor fähig hielte, einen solchen Complot zu machen.

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Nachdem also die Ordre durch einen so krummen Weg ist erhalten worden: so wurde sie dem Grafen Ranzau zur Vollstreckung zugestellt. Diese Ordre ist mit Gewalt ausgepreßt, und, ich muß es sagen, auf eine unerlaubte Art vollstreckt worden. Ich behaupte nicht, daß der Graf den Auftrag gehabt, so barbarisch zu handeln, als er gethan hat; ich muß vielmehr bekennen, daß ich besagten Grafen jederzeit vor einen edeldenkenden Mann von seiner Lebensart gehalten habe. Der Graf ließ mir nicht viel Zeit, mich auf mein Gefängniß zu zubereiten, und als die Stunde meiner Abreise vom Schlosse gekommen war: so half er mir oder vielmehr er stieß mich in die Kutsche, die mich nach dem Kastel Kroonenburg, den Ort meines Gefängnisses, bringen sollte. Doch ehe ich noch das Schloß verließ, drang ich mit Standhaftigkeit darauf, daß man mir erlauben möchte, mit dem Könige meinem Gemahl zu sprechen: allein diese Freyheit wurde mir von dem Grafen Ranzau schlechterdings abgeschlagen, und als einige Officiers, die ihn begleiteten, geneigt schienen, mein Ansuchen erfüllt zu sehen: so brachte er sie bald auf andere Gedanken, da er sie versicherte, daß es ihnen unfehlbar den Kopf kosten würde, wenn ich dazu gelangte, den König zu sehen. Diese Worte des Grafen, lassen mich gnugsam vermuthen, daß die Gefangennehmung meiner Person eher geschehen ist, als der König dazu die Ordre unterzeichnet hat, und daß der Graf in der ganzen Sache

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9 lediglich die Ordres der verwittweten Königin m d des Prinzen Friedrichs, ohne Mitwissen Sr. Majestät befolgt habe; denn es ist gar nicht möglich voraus zu setzen, daß der Graf und die übrigen Officiers sollten bey Vollstreckung der Ordre, die der König selbst gegeben hatte die mindeste Gefahr gelaufen seyn. Zwey andere Umstände bestärken mich in dieser Vermuthung: der erste ist, daß die Ordre mich zu arretiren, nicht eher als einige Zeit hernach, nachdem sie vollzogen worden, vorgezeiget wurde. Der zweyte Umstand ist dieser, daß der Obriste Köller, als er dem Grafen Struensee den Arrest ankündigte, gestund, daß er zwar die Ordre des Königs nicht bey sich habe, allein daß er das was er thäte, bey Verlust seines Kopfes verantworten wolle. Wenn diese Vermuthungen gegründet sind: so folgt nothwendig, daß die Königin und ihr Sohn zuvor beschlossen hatten, des Königes Handzeichnung zu erhalten, es koste was es wolle; oder daß sie, wenn sie sähen, daß ihr Unternehmen fehl schlüge, alsdann den Widerstand Sr. Majestät gegen ihre Maasregeln dadurch fruchtlos machen würden, daß sie ihn in der nämlichen Zeit, als sie sich meiner Person versicherten, des Throns beraubten.

Nachdem ich einige Stunden in dem Palais als eine Gefangene gehalten worden; so wurde ich von dar nach den Kastel Kroonenburg gebracht, und zwar in der Absicht, um zu verhindern, daß ich keine Gelegenheit haben sollte, mich auf

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einige Weise zu dem Könige meinem Gemahl zu verfügen. In der nämlichen Zeit, als man mich aus dem Palais führte: so wurden alle die, welche bey Sr. Majestät etwas vermochten, und die als meine Freunde bekannt waren, arretiret, ohne Zweifel um dadurch zu verhindern, daß mir niemand von ihnen bey Sr. Majestät einigen Dienst leisten möchte. Der König, als er sahe, daß man ihm keine andere Personen zu seiner Aufwartung zuliesse und sich durch mein Exempel nur allzu wohl bewust war, wie sehr er in ihrer Gewalt, und genöthiget sey, sich ihrem Willen zu unterwerfen, fand sich in die Nothwendigkeit versetzt, alle ihre Unternehmungen mit seinem Königlichen Ansehen zu unterstützen. Daß verschiedene Personen nur blos aus obberührten Gründen sind arretirt geworden, erhellet daraus ganz klar, weil sie alle wieder sind los gelassen worden, ohne daß man wider sie nur den geringsten Schein von Beschuldigungen bey dem angeordneten criminal Gerichte, vorgebracht hätte. Einige von diesen Personen haben so gar nachhero Pensiones bekommen, ohne Zweifel um sie dadurch wegen der ungerechten Behandlung und der unverdienten Gefangenschaft, schadlos zu halten. Ich werde nun über das Verfahren der Richter, die dazu ernennt worden, die Personen zu verhören, die man wegen der vermeynten Verschwörung in Verdacht hatte, einige Anmerkungen machen.

Erstlich was die Art der Beweise betrift, worauf sich die Beschuldigungen gründen, ich mey-

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11 ne nämlich was mich selbst unmittelbar angehet: so haben meine Feinde behauptet, daß die Verbrechen, deren man mich beschuldigte wären sattsam von meinen Richtern bewiesen worden. Daß sich meine Richter bey dem geringsten Schein eines Beweises, um mich schuldig zu erklären, zufrieden gegeben haben, glaube ich sicher; allein ich leugne zugleich schlechterdings, daß sie wären davon überzeugt geworden, und zwar in demselben Sinn, als sie dieser Ueberführung wollen zuschreiben. Der Beweiß, nach welchen ich bin schuldig erklärt, sagen sie, bestehet in dem Bekenntniß der Personen, die man mir als Mitschuldige zugeordnet hat. Dieser Umstand hätte von einigen Gewicht können gewesen seyn, wenn bemeldtes Bekenntniß freywillig geschehen wäre; allein, wenn man bedenkt, daß ihnen diese Bekenntnisse abgepreßt worden sind, und zwar mitten unter der grausamsten Tortur, wovor die Natur blos schon bey der Erzählung erschrickt: so bin ich überzeugt, daß jeder Unpartheyischer bekennen wird, daß man mit Beweisen von einer ganz andern Art hätte müssen vor den Tag kommen, um das Verfahren der Richter wider mich zu rechtfertigen. Das Betragen der Untersuchungs-Commißion läßt sich auf der andern Seite ganz und gar nicht entschuldigen. Sie haben alles in geheim abgehandelt, da doch der geringste Unterthan ein öffentliches Verhör und in gehöriger Form mit Recht fordern kann; ein Recht, das dem Publico überhaupt zukommt, welches jederzeit von den Gründen, wor

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auf sich eine Beschuldigung von einiger Wichtigkeit, so man gegen jemand vorbringt, gründet, muß unterrichtet werden. Die ganze Dänische Nation war in dem gegenwärtigen Fall ganz besonders intreßiret, sowol in Absicht der Art der Beschuldigung, als in Ansehung des Rangs und der Beziehung der beschuldigten Partheyen. Nichts destoweniger verstattete man nicht, daß eher etwas von demjenigen, was vor diesen Tribunal geschahe, bekannt wurde, als bis alle Gerichtshandlungen zu Ende waren; ja als der Obriste Keith, als Gevollmächtigter von dem Könige meinem Bruder verlangte, bey dem Verhör der Gefangenen gegenwärtig zu styn: so wurde ihm solches rundaus abgeschlagen. Die Bewegursachen eines solchen Betragens sind, wie ich dafür halte, klar genug; derowegen werde ich auch keine fernere Anmerkungen darüber machen, sondern werde vielmehr diesen Theil, der mich allein betrift, mit der Anmerkung schliessen, daß wenn ich reiflich die bekannte Feindschaft erwäge, welche die Glieder dieses Tribunals wider meine Person gefaßt, wie auch derjenigen, die alle ihre Handlungen dirigiret haben, wenn ich mir, sage ich, alle diese Umstände, wieder in mein Gedächtniß zurück bringe, alsdann richte ich mein Herz mit dem innigsten Gefühl der Dankbarkeit zu GOtt, der mir die Gnade verliehen, ihren Händen zu entgehen und mein Leben zu retten; ich erkenne hier gleichfalls die großen Verpflichtungen, welche ich dem Obristen Keith schuldig bin, der meine Vertheidi

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gung so beherzt über sich genommen hat, und der, wie ich gewiß versichert bin, meine Feinde unter göttlichen Beystand abgehalten hat, ihr barbarisches und böses Vornehmen wider mich, ins Werk zu richten.

Ich habe nun bishero Ihnen, Mylord, die Art und Weise vorstellig gemacht, wie man mich von der Zeit an, als man sich meiner Person versicherte, bis zur Verabschiedung der Untersuchungs-Commißion, tractiret hak, und Sie werden leicht bemerken, daß die Anmerkungen, welche ich in meiner ganzen Erzählung gemacht habe, so beschaffen sind, als die Sache, die vor mir lieget, natürlicher Weise hervor bringt. Ich wiederhole dasjenige nochmahls, was ich Ihnen bereits zu Anfange dieses Briefes vorgetragen habe, nämlich den Nachtheil, so meine Sache wegen der Schwierigkeit, eine Unwahrheit zu beweisen, leidet. Jedoch ich hoffe, daß Sie nach Lesung des obigen umständlichen Berichts, werden überzeugt seyn, daß man mich auf eine grobe Art beleidigte habe, und solcher Vorrechte beraubet, worauf ich mit Recht und zwar unter einen gedoppelten Karakter nämlich als Souverainin des Königreichs und Unterthanin des Königs, Ansprüche machen konnte. Ich werde nun weiter gehen und zeigen, wie unwahrscheinlich es sey, daß ich an den mir zur Last gelegten Missethaten sollte Antheil gehabt haben. Mit der Beschuldigung einer Verschwörung, um den König zu entthronen, will ich demnach den Anfang machen. Niemals

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hätte ich eine stärkere Probe von meiner Schwäche des Verstandes und Verkehrtheit des Willens geben können, als Theil an dergleichen Complot zu nehmen; denn setzen Sie einmal selbst den Fall, daß dieses Unternehmen wäre zu Stande gekommen: so mußten ja die Folgen davon mir äußerst nachtheilig seyn: weil die Dänen gewiß niemals würden verstattet haben, daß ich als eine Ausländerin weder unter dem Titel einer Königin noch einer Regentin, über sie regierte; und in dem Fall würde der entthronte König entweder wieder auf dem Thron gesetzt seyn, oder die Thronfolge würde durch die Erhebung des Prinzen Friedrichs auf den Thron seyn gänzlich verändert worden.

Jedoch wir wollen einmal voraussetzen, daß bemeldte Unternehmung wäre zu Staude gekommen, und daß man mir zugestanden hätte, den Thron zu besteigen; wie hätte ich können vermuthen in diesem Besitz ungestört zu verbleiben? weil die Königin natürlicher Weise würde unter dem scheinbaren Vorwand, den entthronten König wieder einzusetzen, Hülfe und Unterstützung bey auswärtigen Mächten gesucht haben, um mich wieder vom Thron zu stürzen. Frankreich, dessen Einfluß und Ansehen bey diesem Hof wegen der Macht der mir entgegen gesetzten Parthey, sehr groß ist, würde bey der Gelegenheit sehr gerne hülfreiche Hand geleistet haben, während daß England, so nahe es mir auch sonst verwandt ist, mir hätte als einer Person, die sich des Throns

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durch unerlaubte Mittel bemächtiget, allen Bey- stand, der Billigkeit gemäß versagen müssen. Fügen Sie hier noch bey den starken Widerstand, den ich von einer ansehnlichen Parthey der Eingebohrnen des Landes selbsten, welche der Königin und dem Prinzen Friedrich sehr ergeben sind, würde angetroffen haben.

Umringt von allen, diesen Schwierigkeiten, würde ich bey einem so ungleichen Streit gar bald unten gelegen seyn, und folglich wäre ich von der Höhe, auf die ich so leichtsinnig gestiegen, herabgestürzt worden seyn und zwar mit Verlust der Macht, der Freyheit und wahrscheinlich des Lebens selbst; allein setzen Sie voraus, daß ich meine Augen vor die Gefahr und den Schwierigkeiten, welche eine solche Unternehmung begleiten, hätte verschliessen können, wo sollte ich Hülfe gesucht haben, um es ins Werk zu führen? Das Kriegsvolk hat, durch den Antheil, so es an der letztern Revolution genommen hat, an den Tag geleget, daß es vergeblich würde gewesen seyn, von ihnen Hülfe zu erwarten. Der größte Theil des Adels war für die verwittwete Königin. Das gemeine Volk war gleichfalls zu sehr wider mich durch die falschen und boshaften Gerüchte, die zu dem Ende von meinen Feinden ausgestreuet worden, eingenommen, als daß ich von daher den geringsten Beystand hätte hoffen können. Die Freude, welche der Pöbel blicken ließ, als er meinen Fall vernahm, zeigt klar, in was für Achtung ich bey ihm stund. Noch nie ist eine National-Staats-

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veränderung geschehen oder unternommen worden, woran zumwe nigsten die Truppen oder der Pöbel nicht sollten Antheil gehabt haben. Inzwischen beschuldigt man mich, als ob ich gesucht hätte eine solche Staatsveränderung zu Wege zu bringen und zwar zu einer Zeit, wo es klar erhellet, daß der größte Theil des Adels, alle Truppen, ja selbst der gemeine Mann wider mich verbunden waren. Da ich nun auf diese Weise von mächtigen und zahlreichen Feinden umringet war, wo konnte ich wohl wider ihre bösen Anschläge bessern Schutz suchen, als bey dem Könige meinem Gemahl? und ist es wohl möglich zu gedenken, daß ich so unsinnig sollte gewesen seyn, ihm derjenigen Macht zu berauben, welche allein im Stande war, mich gegen alle Unternehmungen meiner Feinde zu sichern? Gewiß, die Ungereimtheit dieser Beschuldigung kommt der Bosheit gleich mit der sie ist entworfen worden.

Die folgende Beschuldigung ist von noch schwärzerer Farbe als die vorhergehende.

Man sähe sich genöthiget, einige scheinbare Bewegungsgründe vor den Tag zu bringen, die mich zu einer solchen Unternehmung mit so vieler Gefahr und Schwierigkeiten umzäunet, sollten verleitet haben. Mein ganzes Betragen während meines Aufenthalts an dem Copenhagner Hof, beweist daß die Begierde zu herrschen (eine Schwachheit, die sonst meinem Geschlechte eigen ist unter allen Leidenschaften just diejenige war, welche den geringsten Platz bey mir hatte. Nie

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mals trachtete ich zu meinem Vortheil, eineFaction zu erwecken, selbst zu der Zeit nicht, da ich deutlich genug konnte merken, daß eine starke Parthey wider mich formiret wurde; vielmehr hörte ich, mich auf meine Unschuld und die Gunst des Königs verlassend, ohne Unruhe die geheimen Kabalen, welche seit einiger Zeit wider mich geschmiedet wurden.

Meine Feinde waren daher aus dem Grunde genöthiget, etwas anders auszudenken, als ein bloßes Verlangen, meine Macht zu vergrössern, und zwar durch die Entthronung des Königs; zu dem Ende gaben sie vor, daß ich mit dem Grafen Struensee einen strafbaren und verbothenen Umgang unterhielte, und daß es dem zufolge nothwendig wäre geworden, dem König, sowol wegen meiner als des Grafens Sicherheit, diejenige Macht zu nehmen von der wir die strengste Ahndung befürchteten, wenn unser Verbrechen an den Tag käme. Um nun den Verdacht der bemeldten Beschuldigung desto mehr Gewicht zu geben: so streuten sie aus, daß die Aehnlichkeit mit dem erwehnten Grafen, ganz deutlich auf den Gesichtszügen des unschuldigen Kindes meiner Tochter zu lesen wäre. Sie gründeten diese Beschuldigung auf einen so genannten vertrauten Umgang zwischen mir und dem Grafen, der, wie sie sagen, mit der Würde als Gemahlin des Königs, und die ich in meinem ganzen Betragen beständig hätte vor Augen haben sollen, nicht bestehen könnte.

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Man behauptet, daß der unglückliche Graf sich selbsten bey seinem Verhör, einer solchen strafbaren Gemeinschaft mit mir schuldig erkläret habe; allein ich kann kaum die Möglichkeit begreifen, daß der Graf meinen Namen und seine eigene Ehre sollte durch eine Beschuldigung, die von aller Wahrheit entblößt ist, befleckt haben. Jedoch gesetzt, daß er dieses Bekenntniß gethan hätte: so hätte es gleichwol nicht ohne andere mir zu Schulden kommende Umstände, zu einem hinreichenden Grund gebraucht werden müßen, um mich für schuldig zu erklären; weil man gar nicht in Abrede seyn kann, daß ihm dieses Bekenntniß nicht wäre auf der Tortur durch die grausamsten Folterungen abgepreßt worden. Allein, was soll ich sagen? meine Feinde hatten ja schon vorhero den Entschluß gefaßt, mich zu verdammen und sollte es auch auf Kosten der Billigkeit, des Rechts und der Vernunft geschehen. Dieses Betragen kommt mir nicht fremd vor, wenn ich bedenke, was für Ordres sie haben befolgen müssen; denn ich bin vollkommen überzeugt, daß sowol die Wahl der Glieder bey der Untersuchungs-Commißion, wovon ich schon Erwähnung gethan, als auch gewisse festgesetzte Maaßregeln, nach welchen sie sich richten mußten, einzig und allein auf Antrieb und Befehl derjenigen geschehen sey, welche den König, wie ich bereits oben angeführet habe, gezwungen haben, die Ordre zu meiner Arretirung zu unterschreiben. Es ist sehr merkwürdig, daß man wegen der Rechtmäßigkeit des Prinzen meines

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Sohns, nicht den geringsten Verdacht ausge- streuet hat. Dieser Umstand soll der Gegenstand meiner Anmerkungen in einem andern Theil meines Briefes seyn, wo er an die rechte Stelle kommen wird.

Um nun wieder auf die Beschuldigung zu kommen: so hat ein vermeyntlich vertrauter Umgang zwischen dem Grafen und mir, meinen Feinden schon hinreichend geschienen, mich wegen einer Treulosigkeit anzuklagen. Dieser vertrauliche Umgang, sagen sie, hätte dem ganzen Hof in die Augen geleuchtet. Wenn dieses wirklich so wäre, warum ist denn der König von einem so wesentlichen Umstand unwissend geblieben? Es ist klar, daß er nichts davon gewußt hat, selbst zu der Zeit, als man sich meiner versicherte, sonsten würde er nicht einen Augenblick angestanden haben, den Befehl mich arretiren zu lassen, zu unterschreiben. Ueberdem so würde es eine Probe meiner äußersten Thorheit gewesen seyn, mich an einem Hofe, wo ich sehr wohl wußte, daß eine große Anzahl derer, die täglich um mich waren, zu Auskundschaftern meiner Handlungen gebraucht wurden, so unvorsichtiglich zu betragen.

Ich endige hier meine Anmerkungen wegen der Hauptbeschuldigungen, so man wider mich beygebracht hat, um auf diejenigen Anschuldigungen von geringerer Bedeutung zu kommen, welche meine Feinde die Geschicklichkeit gehabt, auszubreiten und der Nation mit Anspannung aller ihrer Kräfte und Kunstgriffe, deren sie fä-

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hig waren, glaubend zu machen. Die vornehmsten dieser Beschuldigungen, bestehen darinnen: 1) daß ich nicht Zuneigung und Ehrerbiethigkeik genung gegen dem Könige bewiesen; 2) daß ich die Dänen überhaupt mit einer Art von Verachtung behandelt, und endlich 3) daß ich die Schauspiele, Balls, Maskeraden & c. an einem Hofe, der bishero wegen der strengen Beobachtung guter Sitten, in Achtung gestanden, eingeführet habe.

Meine Feinde breiteten täglich diese Beschuldigungen wider mich in dem ganzen Königreich aus, und während der Zeit daß ich alles anwendete, durch mein Betragen die Hochachtung des Königs insbesondere, und der ganzen Nation überhaupt zu verdienen und mir bereits schmeichelte, ihre Gunst zu besitzen: so haben mich meine Feinde durch ihre heimlichen Ränke und niedrigen Kunstgriffe, zum Gegenstand ihrer Verachtung und ihres Hasses gemacht.

Aber um wieder zur Hauptsache zu kommen: so bestehet die erste Beschuldigung, so mir zur Last geleget wird, darinnen, daß ich für den König meinen Gemahl gar zu wenige Liebe und Ehrerbiethigkeit gehabt habe. Diese Beschuldigung ist, in allem Gesichtspuncte betrachtet, falsch. Meine Neigung sowol als Pflicht, haben mich jederzeit angetrieben, mich so zu verhalten, daß ich der Zuneigung und des Vertrauens Sr. Majestät versichert seyn konnte. Mit einer natürlichen Munterkeit richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf, wie ich ihm gefällen möchte;

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Se. Majestät haben auch öfters selbst bekennt, daß mein aufgewecktes Gemüth eine Erholung und angenehme Erquickung nach so schweren Regierungssorgen, für Dieselben wäre. Allein meine Feinde haben mir diese Munterkeit, um ihre Bosheit in ihrem ganzen Umfange blicken zu lassen, bey folgender Gelegenheit, zu einem Verbrechen angerechnet, Ich hatte nämlich seit einiger Zeit bemerket, daß der König unruhig und niedergeschlagen wurde; welches von seiner schwächlichen Gesundheit herrührete. So bald ich diese Schwermüthigkeit entdeckte: so suchte ich dieselbe durch Verdoppelung der Lebhaftigkeit, woran der König schon zum öftern ein so lebhaftes Vergnügen fand, zu vertreiben. Allein, alle meine Bemühungen waren vergeblich; denn die Krankheit schien täglich zu zu nehmen. Ob ich gleich die Folgen davon befürchtete und alles empfand, was nur immer bey dergleichen Umständen, eine Pflichtschuldige und getreue Ehegattin natürlicher Weise empfinden kann: so bildete ich mir dennoch ein, daß die Wiedergenesung des Königs, größtentheils von der Sorgfalt abhinge, ihn nicht in eine Muthlosigkeit verfallen zu lassen, als wozu ich ihn sehr stark geneigt fand.

Dem zufolge fuhr ich fort, eine Fröhligkeit blicken zu lassen, woran jedoch mein Herz damals nicht den geringsten Antheil nahm, indem ich durch dieses Bezeigen den König nur blos zu überreden suchte, daß seine Krankheit nicht so gefährlich sey, als sie ihm schiene. Um hierin-

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nen desto glücklicher zu styn: so habe ich zuweilen mit ihm über die gemachten Zweifel wegen sei- ner Herstellung gespaßet: und während daß andere unter dem Vorwand ihm zu gefallen, seine Beunruhigung vermehrten, indem sie ihm zum Theil in seiner Meynung wegen der Gefahr seiner Krankheit bestärkten: so habe ich meines Theils beständig dahin gearbeitet, ihm dieses aus dem Sinn zu reden und von seinem Zustand günstigere Gedanken zu hegen.

So fremd Ihnen dieses vorkommen möchte: so kann ich Sie Mylord, jedennoch versichern, daß einige Personen gewesen sind, die sich aus Ursachen, die Ihnen sehr wohl bekannt sind, dadurch sehr strafbar gemacht haben; weil die Krankheit des Könige, täglichen Zuwachs, und seine Furcht neue Stärke bekam; ja öfters, wenn ich ihn suchte aufzumuntern und zu überreden, daß seine Gesundheit schiene besser zu werden: so wieß er mich auf eine beissende Art ab, und antwortete mir mit einem harten und ungnädigen Thon.

Meine Feinde, die sich dieses Umstandes zu Nutze machten, beschlossen sich desselben ferner zu meinem Verderben zu bedienen. Zu dem Ende stellten Sie dem König vor, daß meine leichtsinnige und flüchtige Aufführung, wie sie dieselbe nennten, zu einer Zeit, wo alle seine andern Freunde über den schlechten Zustand seiner Gesundheit bestürzt wären, eine sattsame Probe von der wenigen Achtung und Zuneigung, welche ich für seine Person hätte, an den Tag legte. Dies

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Vorgeben suchten sie dadurch zu bestärken, daß sie behaupteten, wie meine Aufführung, wenn ich in Freyheit wäre, viel tadelhafter sey als in seiner Gegenwart, und versicherten Se. Maje- stät, daß mein Betragen bey dieser Gelegenheit wäre der Stoff der Gespräche des ganzen Hofes gewesen.

Ich habe starke Gründe zu glauben, daß diese boshafte Beschuldigung zu der Zeit diejenige Würkung nicht thate, die man sich davon versprach; weil mir der König nie das geringste Wort dieserwegen sagte. Es ist auch ein großer Trost für mich, versichern zu können, daß diese Beschuldigung nur allein in der Bosheit meiner Feinde gegründet war.

Die zweyte Beschuldigung ist, daß ich die Danen überhaupt jederzeit mit einer Art von Verachtung, die sie sich nicht zugezogen, tractiret habe; um mich hierüber zu rechtfertigen habe ich weiter nichts nöthig, als Ihnen die Aufführung zu erklären, die ich in Absicht ihrer beobachtet habe, und zwar von dem Augenblick an, da ich in Copenhagen angelanget bin. Die Einwohner empfiengen mich Anfangs mit allen Arten der Freudensbezeugungen, und ich schmeichelte mir, daß, wenn ich einige Zeit unter ihnen würde zugebracht haben, ich sie in der guten Meynung die sie von mir gefaßt hatten, bestärken würde. Ich würde auch gewiß meine Wünsche, ohne die Intriguen meiner Feinde (welche ohne Aufhören wider mich solche Lästerungen ausbreite

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ten, die sie für die bequemsten hielten, mich bey dem gemeinen Volk verhaßt zu machen) erfüllt gesehen haben.

Die Dänen schienen, so wie ich bemerkt habe, sehr leichtgläubig zu seyn, und meine Feinde haben sich dieser Leichtgläubigkeit zur Ausführung ihres Vorhabens zu Nutze gemacht.

Zufolge der Regel, nach welcher ich beschlossen hatte, meine Aufführung zu richten, suchte ich alle Gelegenheit auf, mich dem ganzen Hof angenehm zu machen. Zu dem Ende machte ich Gebrauch von allen nur möglichen Höflichkeitsund Freundschaftsbezeugungen; um auch allen Verdacht zu entfernen, als ob ich suchte, mir einen Anhang zu machen: so vermiede ich sehr sorgfältig, den geringsten Unterschied unter den Personen, die Cour bey mir machten, zu äußern; sondern ich begegnete jedem mit gleicher Höflichkeit und mit gleicher Achtung.

Um dieser Ursachen willen, habe ich mich auch jederzeit gehütet, jemand von meinen Landsleuten dahin zu vermögen, an den dänischen Hof zu kommen, ob mich gleich das Ansehen, so ich bey dem König hatte, ohne Zweifel in den Stand gesetzt hatte, sie wegen Verlassung ihres Vaterlandes hinreichend schadlos zu halten. Ob mir schon diese Maaßregeln einen grossen Vortheil zuwege gebracht hätten; weil ich mir dadurch eine große Anzahl Freunde würde gemacht haben, die jederzeit wären bereit gewesen, sich allen gemachten Entwürfen meiner Fein

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de zu widersetzen: so wollte ich doch lieber mein einziges Vertrauen auf die Unterthanen meines Gemahls setzen, und mich des Vortheils berauben, den ich daraus hätte ziehen können.

Das Vergnügen, welches der König nothwendig empfinden mußte, mich eben so sehr von seinen Unterthanen als von ihm selbst geliebt zu sehen, war auch ein starker Bewegungsgrund, alles anzuwenden, um mir die Hochachtung des Volks überhaupt zu verschaffen; und die Ueberlegung meines eigenen Intresses, würde allein schon hinreichend gewesen seyn. alles nur mögliche zu thun, um darinnen glücklich zu seyn.

Ich habe über die gegenwärtige Beschuldigung weiter nichts mehr zu sagen, als daß sie, so wie alle übrigen ungegründet ist.

Die letzte Beschuldigung, die mir noch übrig ist, näher zu untersuchen, bestehet darinn, daß ich Bälle, Maskeraden & c. an einem Hofe einge- führet habe, der jederzeit wegen der Entfernung von allen Arten dergleichen Auftritte der Unordnung, wie es meinen Feinden beliebt sie zu nennen, und dessen genaue Beobachtung der Sitten, jederzeit als ein würdiges Muster der Nachfolge ist betrachtet worden, in sonderbarer Achtung gestanden habe.

Diese Beschuldigung hat etwas Sonderbares und Merkwürdiges in sich, nämlich daß es mir zur Last gelegt wird, gefährliche und der Tugend nachtheilige Lustbarkeiten eingeführt zu haben, da doch dieselben an den meisten Höfen von

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Europa begünstiget und angenommen worden, welche, weit entfernt sie für schädlich und nachtheilig zu betrachten, dieselbe vielmehr als die bequemsten Mittel halten, die Künste und Manufacturen dadurch in Aufnahme zu bringen.

Bey dieser Beschuldigung ist noch ein anderer Umstand, der nicht weniger bemerkungswerth ist, nämlich, sie enthält einen gewissen Grad der Wahrheit, die zwar bey allen Beschuldigungen nothwendig ist, die aber bey asien bishero wider mich beygebrachten Beschuldigungen, gänzlich fehlet. Folgende Umstände dieser ganzen Sache, unterwerfe ich Dero Bemerkungen.

Die öffentlichen Lustbarkeiten, welche bey Gelegenheit meiner Vermählung mit dem Könige angestellet wurden, brachten verschiedenen Personen am Hof, unvermerkt einen solchen Geschmack an dergleichen Lustbarkeiten bey, daß ich von einigen bemeldter Personen, nachdem alle Freudensbezeigungen vorbey und alles wieder auf den alten Fuß gesetzt war, ersucht wurde, mein Möglichstes bey dem Könige zu thun, um seine Einwilligung zur Erneurung derselben an gewissen Zeiten und unter gewissen Einschränkungen zu erhalten. Ich versprach ihnen ihr Begehren dem Könige vorzustellen, und einige Tage darauf erfüllte ich mein Versprechen. Der König bewilligte mir meine Bitte auf die allerverbindlichste Art, und von der Zeit an, sind die Lustbarkeiten, worüber man sich beklagt, fast die beständigen Ergötzlichkeiten des größten Theils des Hofes geworden;

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allein ehe ich noch bey dem Könige deswegen Ansuchung that, machte ich der verwittweten Königin mein Vorhaben kund, und zog sie darüber zu Rath; sie hat mir zur Antwort gegeben, daß sie nichts Unanständiges dabey sähe, und sie erbot sich sogleich mein Ansuchen zu unterstützen, im Fall Se. Majestät die geringste Schwierigkeit machen sollten, es mir zu bewilligen. Dieses ist ein Umstand, den ich noch, ehe ich diesen Brief schliesse, näher beleuchten werde.

Aus allem dem, so ich bishero gesagt, erhellet deutlich, daß die bösen Folgen (wenn nämlich dergleichen gewesen) welche durch Einführung bemeldter Lustbarkeiten erfolgt sind, mir mit keinem Grunde zur Last gelegt werden können; weil ich in dieser Sache lediglich auf Ansuchung und Rath anderer gehandelt habe, gänzlich unwissend, was die Dänen von diesen Ergötzlichkeiten dachten. Ich trag inzwischen kein Bedenken zu bekennen, daß ich des Königes Einwilligung bey dieser Gelegenheit eben so sehr zu erhalten wünschte, als jemand von denjenigen, die mich zu diesem Gesuch verleitet hatten.

„Ich endige nun hier die Anmerkungen, die ch mir vorgenommen hatte, zu machen, sowol über die Haupt- und geringeren Beschuldigungen, als auch über die Aufführung, welche man in Absicht meiner Zufolge der Beschuldigungen von der ersten Art, beobachtet hat, und hoffe dadurch bewiesen zu haben (in so ferne eine Unwahrheit kann erwiesen werden) das alle bemeldte Beschuldigun

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gen, eine einzige ausgenommen, ganz ohne Grund sind, und daß in Absicht der Beschuldigung, die ich einigermaßen gegründet finde, die Schuld davon einzig und allein meiner Unwissenheit und keinesweges einem vorsetzlichen Fehler, beyzumessen sey; auch habe ich bewiesen, daß das Verfahren der Untcrsuchungs-Commißion gänzlich gegen die Gerechtigkeit und Vernunft streite. Nun lasse ich Ihnen, Mylord, zur Beurtheilung über, ob Ihnen meine Beweise, die ich beygebracht, Genungthuung geben könnnen.

Und da sie natürlicher Weise von mir mit Recht erwarten können, daß ich Ihnen einige Bewegursachen des grausamen und ungerechten Verfahrens meiner Feinde anzeige: so will ich Ihnen einige Umstände vorlegen, die Ihnen die Ursache ihrer Aufführung in Absicht meiner, begreiflich machen.

Ich habe mich bishero des allgemeinen Namens: Feinde bedienet, als ich derjenigen Personen Erwähnung thun mußte, welche mir durch ihre List und Kunstgrife dasjenige Unglück zubereitet haben, worunter ich jetzo seufze.

Derowegen muß ich Ihnen melden, daß ich unter dieser Benennung jederzeit die verwittwete Königin, ihren Sohn den Prinzen Friedrich und diejenigen von dem Adel und von den andern Ständen, verstanden habe, welche zur Ausführung der letztern Staatsveränderung hülfreiche Hand geleistet haben. Ich muß Ihnen ferner noch einige Umstände entwickeln, welche die Auf-

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29 führung dieser Personen betreffen, und die ich bishero noch nicht berühret habe. Ingleichen werde ich auch einige Umstände die ich bishero mit Anmerkungen begleitet habe, wiederholen und mei- nem oben gethanen Versprechen gemäß, einige nähere Bemerkungen beyfügen.

Das Betragen der verwittweten Königin wird bey dieser Gelegenheit den vornehmsten Stoff meiner Anmerkungen ausmachen; weil ich sie als die vornehmste Triebfeder, die allen andern Theilen ihre Bewegung gegeben, betrachte; doch werde ich auch zu gleicher Zeit nicht unterlassen, einige Anmerkungen über die Aufführung der beyden andern Personen, die sich in dieser Sache haben als Werkzeuge gebrauchen lassen, zu machen.

Um nun den Anfang der Untersuchung wegen der Aufführung der verwittweten Königin zu machen: so wurde ich bey meiner Ankunft am dänischen Hof von Ihrer Majestät mit allen Zeichen der Freundschaft und Zuneigung empfangen. Da aber meine Vermählung mit dem Könige, wahrscheinlicher Weise ihr alle Hoffnung ihren Sohn dereinsten auf dem Thron zu sehen, benehmen mußte: so erwartete ich von ihr eine ganz andere Begegnung. Es wurde eben keine vollkommene Staatskunst erfordert, um zu entdecken, daß mir diese Freundschaftsbezeugungen verdächtig seyn mußten, und zweifelte daher, um dieser Ursachen willen, an der Aufrichtigkeit derselben; jedoch ließ ich endlich alles Mißtrauen fahren und faßte für

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Ihre Majestät eine Zuneigung, die eben so aufrichtig als die ihrige falsch war.

Von diesem Augenblick an überließ ich mich gänzlich der Leitung Ihrer Majestät, indem ich sie bey jeder wichtigen Gelegenheit zu Rathe zog. Die erste wichtige Sache, wobey ich ihren Rath nöthig hatte, war bey Gelegenheit der Bitte, welche einige von den vornehmsten Personen des Hofs an mich ergehen liessen, um durch mein Ansehen es auszuwürken, daß der König seine Einwilligung zur Erneurung gewisser öffentlichen Lustbarkeiten, deren ich schon Erwähnung gethan, geben möchte. Bey dieser Gelegenheit rieth sie mir sehr stark, diese Bitte zu vollziehen, indem sie vorgab, daß ich mir hiedurch unvermerkt diese Personen verbindlich machen würde, mit der Versicherung, daß wenn der König bey dieser Gelegenheit die geringste Schwierigkeit machte, sie alsdann mein Ansuchen durch ihre Bitte unterstützen würde; allein vorbedächclich sagte sie mir nicht ein Wort von der Abneigung, welche die Dänen gegen dergleichen Lustbarkeiten haben.

Durch dieses Betragen erhielte die verwittwete Königin zwey wesentliche Stücke zu ihren Absichten: Auf der einen Seite machte sie mir die Sache an sich selbst je mehr und mehr angenehm, und auf der andern Seite wuste sie, wie unzufrieden die Nation über die Erneurung dieser Lustbarkeiten wäre, und daß man folglich keine Zuneigung zu mir haben würde, wenn man einmal zu wissen bekäme, daß dieselben auf mein Verlangen wären erneuert worden.

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Es war in ihrem Betragen ein Umstand, der mich in großes Erstaunen setzte, als ich den Character der Nation besser hatte kennen gelernt, nämlich der Eifer, mit welchem sie mich antrieb, alle diejenigen Vorschläge, welche die Einführung der Pracht und Kosten zum Gegenstand hatten mit meinem Ansehen zu unterstützen. Diesen Eifer schrieb ich dem Verlangen zu, um meinen Zustand so angenehm zu machen als möglich, und zwar durch Einführung derjenigen Ergötzlichkeiten, zu denen ich jederzeit Geschmack und Neigung bezeuget hatte, und an welchen ich in meinem Vaterlande beständig gewohnt war.

Ich habe nachher wichtige Gründe gehabt, meine Meynung zu ändern, und anjetzt bin ich überzeugt, daß die Bewegungsgründe ihres Betragens in diesem Vorfall so wol als in allen andern, nichts anders gewesen sind, als ein vorgesetzter Plan, mir in den Gemüthern des Volks so vielen Nachtheil als nur möglich, zu wege zu bringen.

Während der Zeit, daß der König mein Gemahl, sich in England aufhielte: so gaben mir Ihre Majestät eine ganz besondere Probe von ihrer Fähigkeit in den Hof-Ränken, durch ihre Erfahrenheit in der Kunst sich zu verstellen. Hier ist die Sache. Als wir alleine waren, machte die Untreue der verheyratheten Mannspersonen in England gegen ihre Frauens, den Gegenstand aller ihrer Gespräche aus; sie machte mir bey der Gelegenheit, wegen meiner Eigenschaften, viele Lob

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sprüche, und ließ eine feste Hoffnung (die mir aber als eine vollkommene Furcht schien) blicken, daß sich der König nie von der Pest dieses Hofes würde anstecken lassen.

Kurze Zeit hernach fiengen Ihre Majestät an, mir die Aufführung des Königs auf eine verblümte Art verdächtig zu machen, und endlich kam sie so weit, daß sie mir verschiedene Personen in London nahmhaft machte, mit denen der König, ihrem Vorgeben nach, einen vertraulichen Umgang unterhielte.

Hier wurde ich wieder durch ihre Kunstgriffe betrogen; denn als ich in geheim die Unbeständigkeit, deren ich Se. Majestät beschuldigte, beweinte: so floß mein Herz von Dankbarkeit gegen die verwittwete Königin über, wegen der neuen Merkmale der Zuneigung, welche sie mir schiene zu geben. Inzwischen hatten alle die Bemühungen, so sie sich gab, den Saamen der Uneinigkeit zwischen mir und dem König auszustreuen, nicht die Würkung, die sie sich ohne Zweifel davon versprach. Denn als ich reiflich überlegte, daß alle Vorwürfe, die ich dieserwegen dem Könige machen könnte, den nahe ohne Nutzen wären, so beschloß ich eine ganz andere Aufführung anzunehmen, und indem ich vor ihn die Kundschaft, die man mir mit so vieler Sorgfalt beybrachte, von seiner schlechten Aufführung, verbarg; so gab ich mir alle Mühe, sein Herz durch Merkmale meiner gewöhnlichen Zärtlichkeit wieder zu gewinnen.

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Zufolge dieses Entschlusses, bemühete ich mich dem König bey seiner Zurückkunft, eben so sichtbare Beweise meiner Zuneigung zu geben, als ich vor seiner Abreise in der That gehabt hatte.

Seine Majestät, sorgfältig unterrichtet, daß ich von seinen Schwachheiten Kenntniß hätte, und der folglich eine ganz andere Aufnahme von mir erwartete, schien anfänglich an der Aufrichtigkeit meiner Bezeugungen zu zweifeln; allein als er endlich sahe, daß ich nicht den geringsten Schein eines Mißvergnügens wegen seines vergangenen Betragens blicken liesse: so begab er sich des gefaßten Argwohns und von der Zeit an, schien seine Neigung gegen mich täglich zu wachsen.

Kurze Zeit nach der Zurückkunft des Königes wurden mir die Augen zum Theil in Absicht der Kunstgriffe der verwittweten Königin bey folgendem Vorfall geöfnet. Als eine Bedienung von geringer Bedeutung ledig war: so ersucht mich dieselbe, sie mir bey dem Könige für jemand auszubitten, den sie mir nannte. Vergeblich stellte ich ihr vor, daß ich mich seit meiner Ankunft in dies Königreich gar nicht damit befaßt hätte, Bedienungen zu vergeben, theils weil ich nicht Fähigkeit besäße das Verdienst derjenigen, die sich darum bewürben zu beurtheilen, theils, weil ich beschlossen hätte, niemalen dahin zu trachten, mir ein Recht anzumaßen, welches der Person des Königes nur allein zugehöre.

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Alle diese Vorstellungen, die ich als Gründe beybrachte, warum ich wünschte, mich in dieser Sache nicht verwickelt zu sehen, waren Fruchtlos; denn Ihre Majestät drungen so stark in mir, daß ich mich endlich genöthiget sahe, in ihr Begehren zu willigen.

Die Ursache warum sie, wie sie vorgab, so ernstlich darauf bestund, wäre, daß bey dieser Gelegenheit ein Edelmann zum Besten einer andern Person mit ihr gesprochen habe, von der sie sehr wohl wüßte, daß sie gar keine Fähigkeit zu dieser Bedienung hätte; jedoch wagte sie nicht es dem Edelmann, der aus einer alten und mächtigen Familie wäre, und dem sie noch überdem besondere Verpflichtungen schuldig wäre, gerade zu abzuschlagen. Sie bath mich dahero, daß ich mich gegen Niemand wegen der Bitte, so sie an mir gethan, etwas möchte äußern, damit es dieser Edelmann nicht erführe. Zum Beschluß fügte sie die Versicherung bey, daß sie gar keine andere Ursache habe, mir die bemeldte Person zu empfehlen, als weil sie dieselbe für die Tüchtigste am ganzen Hofe zu dieser Bedienung hielte. Um mich kurz zu fassen, ich sprach den König darum an, der ohne Bedenken in mein Gesuch willigte; einige Tage darauf erfuhr ich, daß die verwittwete Königin selbsten besagten Edelmann versicherte, daß die Ursache, weswegen sie bey dieser Gelegenheit mit dem Könige zu seinem Vortheil nicht habe sprechen können, diese wäre, daß nachdem sie von ohnge-

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fähr in meiner Gegenwart dieser Sache wegen gesprochen habe: so hätte ich sogleich eine heftige Begierde bezeiget, mir bemeldten Posten bey dem Könige für die Person, die ihn erhalten, auszubitten; inzwischen müßte sie bekennen, daß ausser Sr. Majestät niemand meine Absichten hiebey einsähe.

Es erhellet hieraus ganz deutlich, daß sie durch dieses Betragen bemeldten Edelmann den Gedanken suchte beyzubringen, daß ich bey dieser ganzen Sache kein ander Absehen gehabt, als ihm seinen Plan zu vereiteln.

Der letzte Umstand des Betragens Ihrer Majestät, ist, daß sie die Beschuldigung wider mich wegen eines strafbaren Umgangs mit dem Grafen Struensee, angesponnen oder vielmehr ausgedacht hat.

Da es eine nothwendige Folge war, daß, wenn ich dieses Verbrechens schuldig erklärt würde, ich auf beständig vom Hofe (im Fall man mir das Leben schenkte) verbannet würde: so ist es nicht schwer die Bewegursachen dieses Betragens zu errathen.

Die Bewegungsgründe, die Ihre Majestät, wahrscheinlicher Weise, zu allen obbemeldten Umständen verleiteten, waren nur (den letztern ausgenommen) von geringen Gewicht; allein das was sie hauptsächlich und am stärksten zu dem Betragen antriebe, war (ich getraue es mir zu behaupten) das Vornehmen, mich auf immer von dem Könige meinem Gemahl zu

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entfernen, und hierinnen hat es ihr nur allzu- wohl gelungen.

Ich habe oben versprochen, noch etwas von den wider mich beygebrachten Anschuldigungen zu sprechen, und hauptsächlich von der Beschuldigung, als ob ich mit dem Grafen Struensee in sträflicher Verbindung gestanden wäre. Ich werde nur die einzige Anmerkung darüber machen, daß es ein rechtes Meisterstück der Staatskunst gewesen ist, die Zeit dieser Verbindung nach der Geburt des Prinzen meines Sohns fest zu setzen; denn wenn man etwas wider die Rechtmäßigkeit seiner Geburt beygebracht hätte: so würde man starken Verdacht gefaßt haben, als ob man damit umgienge, die Thronfolge zu verändern, und verschiedene Umstände, die ich in diesem Brief hier und da näher entwickelt habe, beweisen es mit der größten Wahrscheinlichkeit, daß die Absichten meiner Feinde würklich dahin gegangen sind; wenigstens geben das Betragen der verwittweten Königin, des Grafen Ranzau und des Obristen Köller, zur Zeit meines Arrests (worüber ich schon meine Anmerkungen gemacht habe) keine solche Umstände an Handen, woraus man das Gegentheil schliessen könnte.

Nachdem ich nun also meine Erzählung geendiget habe: so hoffe ich Mylord, daß Sie mir die Mühe, so ich Ihnen verursachet, verzeihen werden. Das lebhafte Verlangen, so ich habe, mein Betragen vor Ihren Augen zu rechtfertigen und

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durch Dero Vermittelung meinen Landsleuten meine Unschuld zu erkennen zu geben, ist die Veranlassung, daß ich mir die Freyheit genommen habe, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Haben Sie die Geneigtheit und entschuldigen Sie die Fehler der Schreibart, die meinem Geschlechte eigen sind, und seyn Sie der vollkommensten Hochachtung versichert, mit welcher ich bin,

Mylord,

Dero

verpflichtete

Carolina Mathtlda.

Port Scriptum. Als ich dasjenige, was ich oben geschrieben habe, noch einmal überlese: so bin ich sehr bestürzt geworden gewahr zu werden, daß ich nicht die geringste Anmerkung wegen einer anderweitigen Beschuldigung, die meine Feinde wider mich angebracht hatten, und wobey die Bosheit sowol als Falschheit Antheil hat, gemacht habe, ich meyne die Beschuldigung, die man mir macht, als ob ich Seiner Majestät gerathen hätte, die Schweitzergarde abzudanken und sie unter andere Truppen zu stecken.

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Den Ungrund dieser Beschuldigung betreffend, so kann ich dieserwegen den ganzen Hof aufrufen, der sehr wohl weiß, daß diese Einrichtung nicht auf mein, sondern der verwittweten Königin Anstiften geschehen ist. Die Bosheit dieser nämlichen Beschuldigung wird klärlich aus den Bewegungsgründen selbst erhellen, wovon meine Feinde vorgeben, daß sie mich zu diesem Schritt gebracht hätten, nämlich daß, wenn ich die Garde abdanckte, ich um so viel leichter meinen Plan wider den König ausführen könnte; allein zu gleicher Zeit, da ich erkläre nicht den geringsten Antheil an dieser Sache gehabt zu haben: so bekenne ich, baß die Maaßregeln, welche man dieserwegen genommen hatte, meinen völligen Beyfall hatten, und zwar erstlich wegen der schlechten Verfassung, darinnen sich die Schatzkammer befand, von der man mich versicherte, daß sie beynahe leer sey, und zweytens wegen dem Vorzug, von dem ich glaubte, daß er den Eingebohrnen des Landes zukäme, die Person des Königs zu bewachen.

Den Bewegungsgrund betreffend, den meine Feinde beybringen: so ist derselbe sehr schwach und falsch; denn gesetzt ich hätte Theil an bemeldter Veränderung gehabt; weil ich mit keiner Wahrscheinlichkeit einen Beystand der National-Truppen, zu hoffen gehabt: so würde es ungereimt gewesen seyn, eine Abdankung dieser Garde zu veranstalten, von deren Beystand ich

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nur allein einen glücklichen Ausgang meines Unternehmens hätte hoffen können.

Die Folge hat es zum Theil bewiesen, daß dieses die Bewegungsgründe derjenigen mögen gewesen seyn, die dergleichen Maaßregeln genommen haben; allein Sie werden leicht begreifen, daß ich, um der Ursachen wegen, die ich beygebracht habe, keinen Antheil an dieser Sache kann gehabt haben.

ENDE.

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