? Sittliche Frage: Warum mußten die Königin von Dännemark Carolina Mathildis, und die Grafen Johann Friedrich von Struensee und Enewold von Brandt in Kopenhagen arretiret, erstere von ihrem Gemahle geschieden, und letztere zum Tode verurtheilet und hingerichtet werden? Von einem dänischen Zuschauer gründlich beantwortet. Elisäum, beim Grafen von Struensee und Brandt 5777.

Sittliche Frage:

Warum mußten

die Königin von Dännemark

Carolina Mathildis

und die Grafen

Johann Friedrich

von Struensee

und

Enewold

von Brandt

in Kopenhagen

arretiret, erstere von ihrem Gemahle geschieden,@und letztere zum Tode verurtheilet und hinge- richtet werden?

von

einem dänischen Zuschauer

gründlich beantwortet.

Elisäum, beym Grafen von Struensee und Brandt 5 7 7 7.

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Si singula narrem,

Ante diem clauso componet Vesper Olym- po.

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Eine tiefdenkende Vernunft und die Ge- schichte die Esra aus den Handschriften Mosis zusammen getragen, leren, daß der majestätische Gott die Welt durch sein heiligstes Almachtswort: Es werde eine Veränderung, ein Himmel, eine Erde, und darin sollen Engel und Menschen glükllch feyn, erschaffen

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Vorrede.

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hat. Diese Schöpfung mußte volkommen und gut seyn, da er nichts Unvolkommenes verrichten kan. Um sie aber noch mehr auszuzieren, trug er der Natur das Oberbefehlungsamt auf, die Welt mii Manigfaltigkei- ten zu verwalten, wodurch sie sich erhält. Denn nicht umsonst verändern die großen Lichter des Himmels den Erdkreis; nicht umsonst windet sich derselbe auf seiner Angel, und erwecken die Zeiten des Jahres und der Tage.

Das unvernünftige Geschöpf, dem wir nach unsrer Einbildung die Vernunft absprechen, lebt nach den Pflichten der Natur, u- selten trift man es ausschweifend an, wodurch es sich vor dem vernünftigen, das seine Grenzen gar zu oft mit Mutwillen übertrit, Vorzüge erwirbt. Es bedienet sich seiner Naturkräfte regelmäsig und bleibt gestärket; dieses hingegen ohne Ziel und schwächt sich.

Eine ganz besondre Veränderung aber, die im Reiche der Seelenthiere gemeinschaftlich angetroffen wird, ist die Erhebung seiner selbst, das eigene Zutrauen, der Stolz auf eigene Kräfte, das Trachten nach Herrschaft.

Der Mensch, den wir weiblichen Geschlechts Eva, und mänlichen Adam nennen wollen, stolz auf seine Leibeskräfte, misbrauchte seine Natur. Eva reizte den Adam

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Vorrede.

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durch listige Stellungen und Gebärden, den Liebesapfel zu brechen und auf den Palm- baum zu steigen. Und beide genasen zuviel davon. Sie veränderten ire Natur, schwächten und raubten sich die Lebenslänge*),@die man auch in einer gewissen Bedeutung die Unsterblichkeit nent.

* Daß diß der Sinn jenes hyberbolischen Ausdrucks sei, haben schon vor mir viele gründliche gelehrte Männer, indem sie dergleichen Redearten verglichen, mit genugsamen Gründen an den Tag gele- get. Nichts kan mehr die Kräfte des Körpers abnehmen, als das krampfigte Zucken der ungemäsig- ten Ausübung der Liebestriebe. Man nehme Leute beiderlei Geschlechts, in und auser dem zugelas- senen Leben der Liebe, werden nicht allemal, die sich zuviel anstrengen, älter, vor der Zeit alt aus- sehen, als die sich nur dieses Werks der Gesundheit wegen bedienen?-- Hierher ist besonders das Galanteriefrauenzimmer zu rechnen, das oft die Falten alter Grosmütter an sich trägt.

Hatten sich aber Adam und Eva vergangen und geschwächt; war es ihnen unmöglich, wieder neue Kräfte zu bekommen: So mußten auch ihre Abkömlinge, so wie ein schwacher Baum geringe Früchte bringt, schwach und kraftlos erscheinen; und daher ihre Lebenssäfte eher austroknen, eher sterben als wenn das ganze Menschengeschlecht nach Regeln gelebet hätte. Geschwächt also arbeiteten die Menschen, daß es ihnen sauer wurde; oder anders genommen: sie muß

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6 Vorrede.

ten im Schweife ihres Angesichts ihr Brod essen.

Der Fleisige hatte Lust zur Arbeit, bauete die Erde, wartete das Vieh mit Gelassenheit und Sorgfalt, und hatte Segen.

Der Faule hingegen arbeitete mit Verdruß und schwizte vor Mattigkeit. Cain baute das Land und fand die Aussaat nicht so ergiebig, als es sein Geiz wünschte. Abel sein Bruder, hütete die Schafe in gesunden Auen, und bekam herlichere Ausbeute. Neidisch darüber, ergrimte der erstere und entschloß sich, an dem leztern unbedachtsam zu rächen.-- Es trug sich hernach zu, daß bede zusammen kamen, und mit einander in einen Wortwechsel gerieten, der den Cain ausgelassen machte und in solche Wuth, in solchen Eifer sezte, daß er dem Abel die Hirnschale zerschlug.

Ein andrer Müßiggänger zwang andre vor ihn zu arbeiten und ihm Nahrung zu erbauen, wie Nimrod, der ein Schrecken der damaligen Weit, ein gewaltiger Man war. Dergleichen fanden sich mehrere. Und so entsprangen nach und nach die Regentschaften und die Reiche. Das eine erschien im Glanze, das andre, ihm gleich gros, fiel, daß man noch kaum dessen Entstand weiß.

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Vorrede. 7

Selbst die Monarchen rieben einander auf und ihre Räthe waren nicht viel besser.

Eie Fürst also fiel und der andre bestieg nur dessen Trohn, um auf demselben so lange Figur zu machen, bis ein dritter vermögend wurde, diesen gleichfals zu überwältigen.

Ein Minister, gering von Geburt, doch aber erhaben an Einsichten, stieg von einer Ehrenstaffel zur andern, wie jener jakobitische Joseph am Hofe des Königs in Egipten, und beschloß sein Ende in Ruhe. Ein andrer hingegen mußte, aus Liebesabsichten, sich den Lebensfaden, ehe es die Natur verlangte, abschneiden lassen, wie es jenen U- rias betraf. Das können uns auch Stambul, Moskau, England und das alte Rom klagend darlegen. Und was vor Zeiten so war, das trägt sich auch noch izt zu.

Ich ende diese Einleitung mit den Worten, die uns Nahum hinterlassen hat, weñ er spricht: Ich will dir dein Gebräme aufdecken unter dein Gesicht; und will den Heiden deine Blösse und den Königreichen deine Schande zeigen. Ich will och ganz gräulich machen und dich schänden und einen Scheusal aus dir machen: weil du deine Gewaltigen in Retten und Fesseln gelegt und mit dem Schwerd ge-

tödet. Niemand wird um deinen Schaden trauren, noch sich um deine Plage

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8 Vorrede.

kränken: Sondern alle, die solches von dir hören werden mit ihren Händen über dich klappen. Nirgendheim, am ersten April 1773

Johann Friedrich von Nichts.

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Neue

Dänische

Geschichte.

Ein merkwürdiges Werk.

Sunt duo deleti comites ex lumine vitae In Dania, lictor queis rapuit capita;

Queis fregit clypeos ut et intestina, Struenses

Ac BRANDTI posuit pallida membra rotis.

AVTOR.

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Excidat illa dies aevo: nec postera credant Saecula: nos certe taceamus, et obruta

multa

Nocte tegi nostrae patiamur crimina gen-

tis.

STATIVS.

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Wer solte es glauben, daß das sonst fromme Dännemark ein so groses Aufsehen, vergleichen man niemals von diesem nordischen Herschreiche erwarten konte, und wobei die ganze Natur zittert, machen würde, als man in jenem 1772sten Jahre hat erfahren müssen? Nächst andern kleinen und grosen Königreichen gibt es uns das deutliche Merkmal, daß auch an dem Hofe der Grosen der Neid herscht und Männer bald steigen, aber auch eiligst wieder gestür- zet werden können.

Wem ist es wol noch verborgen, daß der Graf von Struensee königlichdänischer geheimer Cabinets, und erster Staatsminister war, dessen hernach un- glükliches Schiksal ihn nun zum Vorwurf aller Rede gemacht hat: Sein Vater, Adam Struensee, ist ein Theolog und zwar königlichdänischer Generalsuperintendent der Herzogthümer Schleßwig und Holstein, ein rechtschaffener Mann in Rensburg und sei,ne Mutter wird uns auch herausgestrichen.

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12 Dieser ihr erstgebohrner Sohn erhielt, nach der@gewönlichen Weise, als er zu Halle im Magdeburgi- schen am 5ten August 1737 die Welt erblicket hatte, den Unterscheidungsnamen: Johann Friedrich,

Schon bei der ersten Entwickelung ließ er groses Versprechen von sich hoffen, daß er dereinst mir vielen Talenten ausgerüstet und dem Staate keine unnü- ze Last werden würde.

Diß gab also seinen frommen Helfern die Veran- lassung, ihn dem Studiren auszusetzen. Er lernte auch alles nach ihrem Wunsche und wurde mit heranwachsenden Jahren vermögend, die Landesschule zu besuchen, worin er soviel begriff, daß er hernach, auf Anrathen seiner Privatlehrer und mit der Erlaubnis seiner Aeltern, die hohe Schule, gleichfals zu Halle im Magdeburgischen, um sich in den höhern Wissenschaften umzusehen und die Grundsäulen seines künftigen Wandels vestzustellen, besuchen konte. Daselbst aber gefiel ihm vor andern Wissenschaften, das Stu- dium der Artzneilehre, der er alle seine Verstandkräf- te und äuserliche Bemühungen widmete. Dann er- warb er sich durch öffentliches gelehrtes Redewechseln den Dokterhut und praktizirte glüklich.

Er erlangte in Altona, wohin sein Vater ge- rufen wurde, im Jahr 1757 das Physikat und erwarb sich, durch glükliche Kuren, und besondre Höflichkeiten, die Liebe und das Zutrauen eines Jeden, dem er nur helfen muste; oder mit dem er umging.

Durch einen besondern Zufall aber trug es sich zu, daß er ein Freund des Edelmans, Enewold von

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13 Brand wurde, der damals Hof junker war und bei dem Könige viel galt, auf dessen Anraten er nach Kopenhagen kam und sich daselbst bei einer Krankheit des damals herschenden Königs im Jahr 1758 hülfreich bewies und vorzüglich herfür that. Dadurch erlangte er die Gnade des Königs und wurde in Kopenhagen berühmt.

Nicht allein aber erwarb er sich die Gnade des Königs: sondern auch die Liebe des Kronprinzens. als dieser, nachdem er, durch den Tod seines Herrn Vaters, das königliche Amt ererbet hatte, auch sehen wolte, wie es in der Weit aussieht, so fiel es ihm ein, auf Reisen zu gehen; wozu er sich den Dokter Struensee zu seinen Reiseleibmedikus wählte und bestimte.

Der neue König also verließ die Grenzen seines Reichs. Er durchreißte einige Nord- Abend- und Mittägigen Königreiche; welche Reise sich der Dokter Struensee zu Nutze machte, der alles genau bemerkte, wodurch er sich [wer hatte es glauben sollen?] die Fähigkeit, ein künftiger Reichsredner zu werden, erwarb.

Der König, nachdem er sich genug in der ga- lanten Welt umgesehen hatte, reißte dann wieder zu- rük und gelangte gar bald in seiner Residenz, in den Schlössern Kopenhagens an.

Hier nun gab es neue Auftritte. Hatte der König, der ein biegsames Temperament besitzet und leicht seinen Eindrücken folgt, als er das Ruder ergriffen, viele Veränderung bei Hofe und unter den

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Ministern, die unter der Regirung seines Herrn Vaters gegolten hatten, gemacht; so gab es izt noch mehrere, als er von der Reise zurükgekommen war. Sein Herz und Sinn wünschte jene Dame vol Geist, eine unvergleichliche Prinzeßin, Caroline Mathildis von Grosbrittannien. Es wurde also Ihrenthalben nachgesucht und England willigte in diese Vermählung und nähere Blutsverbindung zweier ansehnlichen Reiche in Europa. Die Vermählung also gieng vor sich und die neue Königin gelangte hernach zum Vergnügen des Königs und der Nation in Kopenha- gen an.

Gleichwie es aber unter bürgerlichen Eheleu- ten nicht allemal friedlich zugeht, sondern sich hier und da Zwistigkeiten mit einschleichen: So findet sich diß eben auch so und zuweilen bei hohen Herrschaften. Es trug sich also zu, daß der König seine Gemalin einem weiblichen Eifer aussezte, und wodurch beede höchste Personen uneinig wurden.

Uiber diesen Vorfall aber betrübte sich der König dergestalt, daß er eine Gemütskrankheit bekam. Struensee suchte ihm mit Arzneien beizustehen. Er schlug ihm Lustbarkeiten für. Der König aber blieb immer niedergeschlagen und nahm ab. (Gemütskrankheiten sind auch gefährliche Krankheiten.) Da also gar nichts helfen wolte; so faßte Struensee ein Herz, und fragte den König: Ihre Majestät, ent

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decken mir es doch, woher es komt, daß sie so nider geschlagen sind? Arzneien helfen hier nichts. Da sagte der König: Kanst du mich mit meiner Ge- malin versöhnen? (Denn diese habe ich beleidiget)@so will ich dir alle meine königliche Gnade versichern. Struensee versöhnte beide höch-

sten Häupter und genoß neue königliche Gnade, daßdaher, als sich beide wieder zusammen gaben, der König seine Gemalin also anredete: Sehen sie es, Ihr Liebden, das ist der Mann, der uns wieder ver- einiget. Er ist nun mein Freund. Ich habe ihn begnadiget. Thun sie desgleichen. Ich empfeh- le ihn ihnen. Sie begnadigte ihn auch. Und der Leibmedikus Struensee hatte nnn das Herz des Königs und der Königin.

Durch diese neue königliche Verbindung liebte@die Königin ihren Gemahl noch mehr, daß sie sichs hernach angelegen seyn ließ, nachdem sie das Genie desselben, der sich mehr auser der Regirung aufhal- ten will, erprüfet hatte, ihn auf alle mögliche Weise tu belustigen.

Liebte der König den Struensee, hatte er solchen seiner Gemahlin besonders empfohlen, so sprach diese nun auch bei demselben vor ihn. Und durch ih- re Fürsprache also geschahe es, daß sich der König des Dokter Struensees bediente, ihn wegen seiner gelei- steten Treue, unschuldigen Umgangs, Freundschafts-

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16 stiftung und guten Einsichten, mit höchsten Gnaden erblikte und von einer Stufe der Ehre zur andern hinauf führte, bis er endlich Graf und geheimer Cabinets und erster Staatsminister wurde.

Hier nun gedachte der Graf von Struensee an seinen Freund, den von Brandt und brachte es bei dem Könige zu wege, daß dieser auch Graf und der andre Staatsminister wurde.

Beede Grafen also waren die neue Rathgeber des Königs. Die vorigen aber wurden ihrer erhabe- nen Stelle, mit dem Rathe, ihre Güther zu beziehen entlassen, durch deren Einziehung des Gehalts dem Staate eine beträchtliche Summe zuwuchs.

Eine solche Verändrung wolte nun freilich sol- chen Herrn misfallen. Und selbst der verwittibten Königin, einer Juliana Maria, war es empfindsam, sich von aller Theilnemung des Ruders entlassen zu se- hen, da sie vorher, bei Lebzeiten ihres Gemals, eine der fürnemsten Stelle im geheimen Rathe eingenom- men hatte. Auch so aufgebracht wurde der Prinz Friedrich, deren gebobrner Sohn und Halbbruder des itzigen Königs, der mit dem Könige zugleich zu re- giren gedachte.

Ferner, um den Uiberfluß zu mäsigen, fand es die neue Regirung nötig, einige Guarderegimenter (im Sold stehende Schweitzer, Ausländer,) da der- gleichen so nur müßige Bewarer des Pallasts sind, ab- zudanken. Die fand es dienlich, da man, tagtäglich

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vom Kindermorden hören mußte, ein Mittel zu er- wählen, wodurch man das Land von einem solchen Blutvergiesen befreien könte; und schafte die Kir- chenbuse und andre Strafen, die man sonst dem sich vergangenen Galanteriefrauenzimmer auflegte und abnahm, einsichtsvoll ab. Sie hielte es heilsam, zu verstatten, daß man hinfort alle Bücher, ohne vor- her gegangene Durchsicht und dazu erbetene Erlaub- nis, drucken möchte, da sie einsahe, daß man dadurch hinter gar grose Warheiten kommen kan, die dieser und jener im Lande bemerkt, die er aber, da er frei schreiben muß, wegen einer scharfen Censur ligen läßt: und daß sich eine hinkende Schrift, ohne solche zu verrufen, selbst verruft. (Das will ich aber von meiner nicht hoffen: Sie hinkt ja nicht.) Sie hielt es rathsam, -- Doch, ich würde viele Bogen voll schreiben, wenn ich von den guten Ordnungen, die man anrichtete, nutz auch darüber hielte, alles melden wolte. Uiberall gab es die schönsten Gesetze und das Land hätte glüklich regiret werden können, wenn sich nicht viele Misvergnügte des alten Ruders, die Aufwiegelungen anspannen, gefunden hätten.

Die erste Trennung gieng mit dem Frauenzim mer vort, wodurch schon vieles Unheil entsprossen ist Eva, Bathseba, Delila, Hesiona, Helena, Cleo- patra, und andre, wären, wenn wir weitläuftig seyn wolten, diejenigen Personen, von denen wir alles Un

Glük in der Welt herschreiben könten.

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Das königlichdänische Frauenzimmer also gab, vermuthlich aus Misgunst und wegen einer Herrsch- sucht, bie diesem Geschlcchte eigen sind, den ersten Anlaß einer Spaltung, die aus die betrübtesten Fol- gen hinaus lief. Es trente sich und die verwittibte Königin fand gar bald ein hinreichendes Mittel, den Thron ihres Herrn Halbsohns, des itzigen Königs, anzugreifen- Und nun kamen diejenigen, die man ihrer Aemter entsetzet hatte, und bliesen die wütende Rache noch mehr an, daß es bald eine Hauptrevolu- tion gegeben haben würde, wenn nicht die neuen Ministers behutsam vorgebeuget hätten.

Nun erhandelte die misvergnügte Seite die See- und Landessoldaten zum Aufstand, und brachte auch den geringen Pöbel durch Pasquille an sich, die gar leicht zu einer schändlichen That, wenn sie nur Beute erhalten sollen, anzulocken sind.

Die Erhandlung aber geschahe, da man für- gab: Es wolte der Graf von Struensee und die Königin binfort ein gemeinschaftliches Ruder fü- ren uns sie ganze königliche Familie vertilgen.

In der That aber machte man auf der Gegenseite Mine, den König zu stürzen und dem Prinz Frid- rich, der mehrern Geist als der König besitzen soll, die Krone zuzuspielen.

Dieses Vorhaben, diese Thronesverändervng, wurde den neuen königlichen Ministern, einem Gra-

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fen von Struensee und einem Grafen von Brandt hinterbracht. Und es ist fast nicht zu glauben, wie sehr sich diese brave Männer bemühten, dieses Vor- haben auf eine zum Frieden abzielende Weise zu ver- bitten.

Unmöglich aber konten sie alles diß dem Könige verhälen. Ihre Pflicht war es, dieses drohende Ui- bel zu eröfnen. Der Graf von Brandt also wolte vor den König; dem sich aber der Graf von Stru- ensee widersetzte und ihn also bedeutete: Nein, Here Bruder, das ist noch zu frühe. Lassen sie mich dafür sorgen. Ich kenne den König. Mel- den wir ihm izt diß Unglük, wie leicht kan er sich so darüber eutsetze u , daß er, da er so ungesund ist, in eine schwere Krankheit verfält! Wir wol- len es nur erst der Königin berichten. Vielleicht gibt sich diese Verschwörung wider den König, die Königin und uns wieder auseinander.

Beede Herren also wurden einig, vor die Köni- gin zu gehen, und ihr zu eröfnen, was zum Nach- theil des Königs gegenseitig vorgehen solte.

Wie erschrak aber nicht diese Prinzeßin! Sie sank in eine Ohnmacht, da sie sich den Vorfall gar zu sinnlich vorgestellet hatte. Nach der Wiederherstel- lung derselben verdoppelte Sie ihren Muth und ihre Rede war diese:

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Ich danke ihnen, meine Herren, vor die Nachricht. Schon längst habe ich einen solchen Aufstand vorhergesehen. Glük uns, daß wir sol- chen entdecket haben! Sagen sie meinem Gemale, um ihn nicht in noch mehreres Schreckenn, als mich zu setzen, nichts von der Sache. Nehmen sie aber meinen Befehl, alle Sorgfalt, denselben zu sichern, willig an. Ich versichere sie meine königliche Gnade. Es wird ja dieses Wette er vorüber gehen, welches ich nächst GOtt durch sie zu vertilgen hoffe. Ich beurlaube sie.

Eine so bedenkliche Dache aber erforderte das scharfsichtigste Nachdenken. Und dazu waren beede Grafen aufgelegt. Sie hielten auf das strengste bei den Landes- und neulich gegebenen Gesetzen, nnd rich- teten alles nach den Regeln der ununterdrükten Gerechtigkeit, daß also niemand mit Recht klagen konte. Nur Misvergnügte, die deshalben misvergnügt wa- ren, weil sie nicht mehr Geld einstreichen und ihre Kasten beladen durften; nur jene Feinde, denen die Regirung abgenommen worden war, beklagten sich, und wiegelten die Leute noch mehr zum Aufstand auf.

Davon gesichert, sorgten diese beede Minister nun auch den König vor den Anfall zu sichern. Es wurden also auf deren Befehl die Wachten verdoppelt und die Canonen, dem Feinde mit tödendem Donner entgegen laurend, aufgepflanzet. Giengen ihrer etli-

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che auf der Strase zusammen, so mußten solche, um den Zusammenlauf zu verhindern, aus einander getei- let werden. Niemand, die Person unangesehen, durf- te bei Hofe kommen, wenn sie nicht von zween die Wacht habenden Soldaten begleitet wurde. Alles Anbringen mußte man, wie es auch bei andern Hö- fen gewöhnlich ist, schriftlich eingeben, worauf auch die Resolution schriftlich erfolgte. Audienz bekam niemand. Auch die Speisen, der Trank, die Kleider und alles, was nur der König bekommen solte, wurden wohl untersucht, um allen Giftverderbungen, wovon uns die Geschichte gar traurige Beispiele meldet, vor- zukommen. Ritte oder fuhr endlich der König aus, so bekam derselbe eine verstärkte Begleitung. Und so war er auch hier gesichert.

Diese Obacht aber machte die abanaschirte Fa- milie, und die ihres Amts entlassene, die sich zu der- selben gesellet hatten, aufmerksam. Sie ersannen ei- ne Handlung, die, sich von allem Verdachte zu be- freien, mit unschuldigem Blute beflecket werden solte.

Da nun also die Sache gar zu übel wurde, so besprach sich der Graf von Struensee, mit der Er- laubnis der Königin und dem Gutbefinden des Gra- fen von Brandt, nach aufgehobener Tafel, mit dem Generalmajor von Eichstedt, dieses Umstands we- gen, und redete ihn also an:

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Herr Generalmajor, ick habe mit sie einige Worte besonders und in geheim zu reden. Es gehet die Rede, ja, es soll gewiß seyn, daß der Prinz Friedrich, statt unsers Königs, König und viele vom Hofe auf die Seite geschaft werden sollen. Mein Leben, der Königin Wolfart, und die Vesthaltung unsers Monarchen sind in Gefar. Wie also, wenn sie auch mit uns alle Sorgfalt, den König zu retten, und das Wol des Staats aufrecht zu erhalten, anwendeten: Und würden sie wol die Gegenparthei ergreifen, da sie beständig unsern Konig geliebet haben? Worauf dann dieser Officier, bei solchen Anmuthungen gedrungen, allen Beistand mit den unter seinem Commando stehenden Truppen, zum Besten der Regirung zu leisten versicherte, zum Schein versicherte. Eben so geschahe auch der Antrag an den Obristen von Köller.

Beede Officiers aber waren schon zum Aufstand erhandelt worden und gehörten also zur Nebenlinie.

Wer ist hier, der nicht bei sich selbst vermutet, daß durch diese Anredung des Grafen von Struensees an die beede Herrn, die Sache wider ihn und dessen Freund, den Grafen von Brandt, sehr übel ausfallen mußte? Denn nun, da man mündliche Nachricht hatte, daß der Graf von Struensee das Geheimnis der Revolte erfahren, mußte wahr wer-

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den, was Wolf, der Philosoph, spricht: mala sunt eligenda, ut inde eveniant bona, das ist: man muste, um ein Scheingut zu erlangen, ein Uibel erwählen. Und dieses bestand hier darin: Allen

schon offenbaren verdacht, daß man nach der Krone trachte, von sich abzulehnen.

Und dieser wegen wurde von dem von Eichsted, Köller, von Ranzau, und von der Osten, von dem Prinz Friedrich und der verwittibten Königin, Juliana Maria-Rath gehalten und sie beschlossen (welch eine unerhörte That!) den Arrest einer regi- renden Königin, deren glükliches Genie, deren mun- tre Entschlossenheit von allen Rechtrednern gepriesen wird, die alle ihre Sorgfalt anwendete, ihren Gemahl zu ermuntern; Sie beschlossen den Arrest eines Grafen von Struensee, eines Grafen von Brandt, eines Justizrath Struensees, und eines Professor Bergers; Männer, die die Nachwelt loben wird; Sie beschlossen den Arrest der Generale Gäler und Gude, eines Obristen Falkenschiold, eines Obrist- lieutenants von Hasselberg, eines Legationsrath und Postdirektor Sturz, eines Stalmeisters, Baron von Bülow, eines Contre-Admirals Hansen, eines Etatraths willebrand, und Lieutenant Alboe, die mit noch einigen andern nicht aus die Seite der Dißiden- ten treten wolten. Und diesen Zug solte der unschul- dige Lieutenant Struensee beschliesen.

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Man schrieb also die Arrestbefele so künstlich auf, daß man solche noch dazu vom Könige, wie unten gemeldet wird, Unterschreiben ließ.

Lasset uns aber hören, wie sich diß wol zugetragen.@Am sechszehnten Jenner wurde bal masque@en domino ist dem Schauspielpallaste von Frankreich gehalten. Auf diesem Bal machte sich die Hauptper- son des dänischen Reichs, wie es allemal ihre Art ist, sich mit den Frölichen zu freuen, recht lustig, daß sol- che, vom Tanz und Weine ermüdet, noch vor dem Schlusse ins königliche Ruhegemach zurük gebracht werden mußte.

Diese Ermüdung nun war geschikt, die Ab- sicht, nach der man trachtete, zu erreichen. Nach geendetem Bal also verlohr sich der Generalmajor von Eichstedt, kleidete sich um und schlich, ohne ei- nige Aufsichter, zum Reichsgrafeb von Rauzau zu Aschenberg: dann verfügten sich beede zur verwittib- ten Königin, der Juliana Maria, und zum Prinz Friedrich, wobei der erstere das Wort führte: Nun ist es Zeit, unsern Anschlag zu volführ- ren. Der König ist berauscht. Er wird uns also alles zusagen, worum wir nur anhalten. Er wird unterschreiben, was wir wünschen. Befe- len Ihre Majestäten, so soll auch der im Schlosse die wachthabende Officier der Obriste Köller und der geheime Rath, Graf von der Osten sogleich, welche nötig sind, erscheinen.

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Sie kamen, und Feder und Dinte und eine zit- ternde Hand des alten Greises, Grafen von Ranzau schrieb die nötigen Befele, die sich auf die bevorstehen- de Veränderung bezogen, auf. Nach deren Verfer- tigung aber redete derselbe also:

Auf höchste und hohe Versamlung! Auf mit wie zum König, daß er unser Vorhaben, durch seinen königlichen Namen unterzeichnet, bekräfti- ge! Auser dieser Bekräftigung können wie nichts Ausrichten.

Unangemeldet und also unaufgehalten, weil der die Wachthabende Officier selbst dabei war, traten sie in das königliche Schlafzimmer.

Mit was für Entsetzen der König einen so unver- muthteten Zuspruch, als man den Vorhang vom Bette zurük geschoben und ihn ein wenig ermuntert hatte, erblikte, daß er dabei angstvoll: Mein GOtt, was wollen sie? ausrief, kan man sich, wenn man sich in eine solche Verfassung mit seinen Gedanken setzen will, leicht vorstellen. Mancher würde für Schrecken des Todes gewesen seyn.

Wie liebreich, wie rührend ihn aber dessen Frau Halbmutter angeredet, wie sie ihn nach frauen- zimmerlicher Weise einnemend angeredet, das wird man nicht leicht glauben. Sie weinte ihm aber fol- gendes für:

Ihre Majestät, mein Sohn, lassen sie alle Furcht fahren. Niemand als ihre Freunde, kei-

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ne Feinde, sehen sie hier für sich versamlet. Wir kommen, Sie, uns und das ganze Land von einer bösen Rotte zu retten und mit der Hülfe GOttes die drohende Gefahr abzuwenden. Wir bitten Sie also — Hier schwamm sie in Trähnen. Und ihr Sohn, der Prinz Friedrich, und mit unter der Graf von Ranzau, redeten fort und eröfneten den Plan:

Ihr Liebden, Herr Bruder, sprach der er- stere, Sie wissen, mit was für Liebe ich mich den Ihrigen nenne. Mein Leben trete vor das Ihrige. Wir sind in groser Gefahr. Sie haben Feinde. Und Ihre Majestät, so sprach der

Greis, Sie wissen, mit was für Eifer ich mich bei Lebzeiten Ihres Herrn Vaters, der Sache der königlichen Familie und des wols des Reichs allemal angenommen: daß ich Ihr Gefährde in Ihrer zarten Kindheit gewesen; und können es glauben: Noch immer wallet mein Blut vor Ih- re Majestät, ungeachtet ich meiner vorher ver- walteten Stelle entlassen worden bin. Ich will Sie retten von einem Unglücke, dem Sie ohne mich und ohne die Bemühung unsrer nicht ent- rinnen würden. Was das aber für ein Unglük, wer die personen, die solches volführen wollen, das achten wir insgesamt nicht rathsam, Ihnen, allergnädigster König, vor der Hand zu eröfnen. Unterdessen (Hier grif er in die Tasche und zog die

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ausgefertigten Ordres herfür.) geruhen Ihre Ma- jestät, diese Schriften gnädigst zu unterschreiben. Es betrift, eilen, eilen Sie, Ihr, Unser und des Landes Wol.

Der König, von dieser Versamlung gedrängt, rufte aus: Mein GOtt, was wird das für

Blutvergiesen geben! Getrost, getrost, Ihre Majestät, so sprach der Graf, Ich nehme alle Gefahr auf mich und werde Sie mit meinem eige- nen Blute zu retten suchen. Unterschreiben, unterschreiben Sie nur!

Es waren aber drei Briefe über einander geschoben. Und der König schrieb so wol auf den weisen, als auf den geschriebenen, Bogen seinen königli-chen Namen.

Aber der Prinz Friedrich unterschrieb sich auch mit. Und warum denn diß, da derselbe nichts, als abanaschirter Herr, in die Regirung reden durfte? Da urtheile die Welt! Wird man nicht dadurch dessen Begierde nach dem Ruder erblicken? Wird man nicht hier gewahr werden, daß man den Plan umgekehret, um nicht selbst eines Hochverraths beschuldi- get zu werden, und daß man vorher willens gewesen war, die neue Regirung umzustosen.? Allemal aber wird doch bei unsern bösen Handlungen, die wir verdecken wollen, noch so etwas vom Minderguten her-

für schimmern. Das traf auch hier zu. Diese Un-

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terschrift war zu voreilig angebracht. Sie bewies den ersten Eingrif in die Rechte der Majestät, den man zum Glücke nicht bemerkte.

Nachdem man also einen noch ungeschriebenen Bogen vom Könige selbst unterschrieben, besas, so schrieb man darüber: Daß die Grafen von Struen- see und Brand, und andre, derer Namen wir oben erwehnet haben, gefänglich eingezogen werden sol- ten.

Das hieß aber sich noch immer nicht sicher ge- stellt. Die Hauptgegenperson, die Königin, solte auch verdächtig gemacht werden. GIeichwol wagte es keins. Eine untergeschobene Ordre wäre zu viel erkühnt gewesen. Endlich sprach die Juliana

Maria:

Ich bitte mit noch eine Gnade von Ihre Ma- jestät aus. Was sie vorhin unterschrieben hat- gen, betraf den : den : und die : Ihre Gemalin ist auch ihre Feindin. Lassen Sie solche arretiren. Schreiben Sie dazu selbst die Ordre. Nur heu- te in Sicherheit. Morgen wird sichs geben.

Das wollte aber der König nicht thun ‚ bis er endlich gedrungen und bedroht, unter einer Trähnen- fluth, schrieb -

Nun fieng der Arrest gegen Morgen um drei Uhr an und dauerte bis sechs Uhr. Der General- major von Gude, der der Commendant von Kopen- hagen war, mußte zuerst springen, an dessen Stelle

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der von Eichstedt trat. Nach ihm folgten die andern.

Der Graf von Ranzau nötigte die Königin mit unvergebender Unverschämtheit aus dem Bette, die sich nichts Böses vermuthete: Sondern ihn mit einer königlichen Freimildigkeit fragte:

Was wollen sie, Monsieur Ranzau: War- um so späte: So unangemeldet: Doch, wie ists, lebt der König noch: Er hatte sick zu viel erhitzet. (Sehet, so liebte diese redlichste Königin ihren Gemahl, baß sie auch beim ersten Erwachen an denselben dachte und doch trente man sie von ihm!) Ist der Bal vorbei: Wo ist Graf Struensee und Brandt? Ist alles glüklich vorbei; Doch morgen werde ich mich besser darnach erkundi- gen können. Izt muß ich schlaffen: Ich bin müde. Schlaffen sie also wol! Nicht also, sprach der Graf, ich komme aus einer andern Ursache zu Sie, ich will Sie keinen Nachricht vom Bal abstatten — Im Namen Ihrer Majestät, mei-

nes allergnädigsten Königs und Herrn, kündige ich Ihnen den Arrest an. Hier lesen Sie die Or- dre. Was: fuhr sie auf, mich zu arretiren: Das soll ihm seinen Kopf kosten. Lasset mir den

Grafen Struensee und Brandt herbei rufen! —

Was? mich zu arretiren? — Diese, sprach

Ranzau, sitzen schon in der Citadelle in sicherer Verwarung, Uns noch einmal kündige ich Ihnen

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im Namen Ihrer Majestät, meines allergnädig- sten Königs und Herrn, den Arrest an.

Sie wurde noch hitziger; mußte sichs aber gefallen lassen, daß Sie von zwoen Damen mit einem Rocke und einer Salupe angezogen wurde, wobei Sie ohnmächtig auf einen Langstul hinfiel. Nach Ihrem Wiederznsichselbstkommen verlangte Sie Ihre Prinzeßin, die man auch ankleidete. Dann aber sagte der Graf: Nun, Madame, gehen Sie, eilen Sie, geschwind, geschwind! ergrif Sie bei der Hand, seinen Hut unterm Arm haltend, und in der andern Hand den blosen Degen; und zog Sie bis an den Wagen: Da Sie abermal zu ihm mit königlicher Miene sprach: Das wird ihm seinen Kopf kosten. Er verließ Sie, und der Major Carsten- schiold nahm Sie mit Ihrer Prinzeßin und dem Fraulein Mösting in Empfang, der Sie, mit einer Verwahrung von dreisig Reutern, mach Cronenburg in die unterste Etasche des Schlosses, deren Fenster mit starken eisernen Stangen versehen sind, mit gleich- fals gezuktem Degen begleitete.

Dort sas Sie in einem solchen Zustande, aß und trank wenig und rufte: Ach, ich unglükliche Mutter! und zur Prinzeßin: Ach, du unglükliches Kind! unaufhörlich mit Weinen aus.

Majestätbeleidigendes Verfahren! Schon der Arrest im Residenzschlosse wäre vor diese höchste Person hart gewesen, wenn man sie als eine Staats-

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verbrecherin hätte ansehen können; Eisenbegitterte Kerker aber sind die Behälter der Missethäter, der Leute vom niedrigen Auszuge. Wird also nicht die Welt ausrufen: Das war zn hart, alter Greis, harte Inquisition, das war zn hart?

Da wir nun die Geschichte der Gefangennehmung der Königin geendet haben; so wollen wir auch erfaren, was sich mit dem Grafen von Struensee zu- getragen hat.

Der Oberste Köller kündigte ihm den Arrest an. Unmöglich, Herr Oberster, sprach der Graf, kan diß wahr seyn. Das wied der König nicht haben wollen. Er kan mir ja keine Untreue vorrücken. Es muß hier ein Irtum vorgegangen seyn. Ich habe ja alleweile den König ins Nachtzimmer begleitet. Herr Graf, sprach dieser, ich hafte allenfals mit meinem Leben dafür, es ist des Königs Ordre. (Bede Grafen wurden zu eben der Zeit, da man den Koenig zur Unterschrift noetigen wolte, und folglich ohne Erlaubnis, arreti- ret. Wenigstens hat Struensee nichts schriftliches gesehen.) Was: erwiederte jener, so soll derjenige, der den König beschützen will, der alle Gefahr bisher von ihm abgewendet hat, der sein treuer Reisegefährde, sein wachsamer Gehülfe und Rathgeber, ein Arzt in den gefährlichsten Krankheiten; ich soll unterdrükt werden? Hat man mich so verleumdet? Habe ich das in Vene-

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dig mit meiner Lebensgefahr verdienet, daß mir nun der König ungnädig seyn will? Wer? Wer? Wo ist? Wo find meine Verläumder? Ach, Himmel, gerechter Himmel, hilf; gib Ra- che! ich habe nichts begangen; ich bin unschul- dig: wolan aber, Hert Oberster, sie ge- hören nun zu meinen Feinden; oder thun dieses auf an sie dazu besonders ergangene Befele, ich werde mich, da sie mir den willen des Königs nicht schriftlich vorlegen können, nicht geben. Da sezte ihm der Oberste den Degen auf die Brust und sprach: Ich habe den Befehl, sie le- bendig oder todt zu liefern. (Da sagte er nicht, von wem er den Befehl hatte, Man macht einen auch nicht sogleich todt, wenn es recht zugeht.) Der Graf verlohr sich vor Schrecken und fiel in eine Ohnmacht, worin er lange zubrachte: dann bat er um eine Schale Schokolade, die man ihm aber weigerte. Fort, fort, sprach Kölker, ehe es taget, wenn sie die Wuth des Pöbels nicht er- greifen soll! und zog ihn mit sich, wie ein Stock-meister, zum Zimmer hinaus. Man band und fuhr ihn in einer Miethkutsche nach der Citadelle in das Loschie, worin der berümte Norccros lange Zeit ge- wonet hatte, und sich weiter nichts, als ein alter höl- zerner Stul befand.

Muß das einen solchen Mann nicht verdrossen und in Wuth gesetzet haben: da er sich von allen

Bedienten, von allen Hausbequemlichkeiten, so auf

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einmal entblöset sehen, das Kleid eines Missethäters und Ketten anlegen lassen, und die Worte: Mein Her, hier ist nichts zu ihren Diensten, als mit Erlaubnis, ein Kammergeschirr, von demjenigen, dem er sonsten befehlen konte, hören mußte! Rede- te er laut, so bekam er Rippenstöse, daß er mit Recht ausrufen mußte: Man traktirt mich als ei- ne Canalge.

Er bekam, wie leicht zu erachten, wegen dieser Alteration, heftiges Zahnwehe; und bat um ein in seinem Cabinet liegendes schmerzstillendes Pulver, man fand aber den stärksten Gift. Das kan zwar möglich sein; wer weiß, ob nicht auch das Zahn- pulver daselbst gelegen: Und ist denn das nun so et- was Verdächtiges, wenn man bei einem Arzte Gift antrift? Mit Gift wird ja Gift vertrieben. Wie viele Arzneien werden, nicht mit Gift gemacht oder

gänzlich aus Gift (Mercurio vivo, & c.) bereitet? Werden nicht vergiftete Wunden mit solchen giftfüren, den Thieren, um den Gift wieder heraus zu ziehen, durch deren Auflegung, geheilet? Es ist daher etwas bei einer Sache schädlich, das bei der andern nüzlich sein kan. Und das will ich noch aus meinem eigenen Haushalte beweisen: Wenn meine, GOtt tröste sie seelige Frau den Gift hatte, so bekam sie Prügel: da verließ sie derselbe: war sie aber ohne Gift; ey nun, so war sie mein liebes Weibchen.

Er aß und trank nicht. Da hieß es: Er hätte sich aushungern wollen. O. Tohrheiten; ver-

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nunftloses Urtheil! Habe ich Zahnwehe, bin ich krank, werde ich wol zur gewönlichen Zeit essen und trinken können? Es lehret ja die Erfarung, daß oft kranke Leute blos und allein mit Arznei erhalten wer- den und daß man zuweilen hungern muß, wenn man bald wieder gesund werden will.

Was? aushungern? Daran dachte der Graf gewiß nicht. Demungeachtet aber kam der un- übersonnene Befehl: Er solte essen und trinken, fals er nicht mit gutem wolte, so sollen sie ihn so lange prügeln, bis er Appetit bekäme. Den hat gewiß kein Arzt, sondern ein Stutenmeister, gege- ben. Mit Gewalt muß der Esel ---

Die Dritte Hauptperson, die man gefangen nahm, war der Graf von Brandt, der sich anfangs mit dem Degen vertheidigen wolte, und also mehrern Muth als der erstere besas; da er aber die Uiberge- walt erblikte, den Degen von sich legte und sprach: Meine Herren, sie gehen hier unrecht, ich bin ein Staatsminister, ich weiß nicht, daß ich et- was verbrochen habe, worüber man mich arre- tiren kan. Und die Antwort war: Sie giengen recht, er solte nur mir gehen: das übrige würde sich schon finden. Und so kann auch dieser nach der Citadelle, in ein ziemlich dunkles Zimmer, wor- in er sich vergnügt bezeigte und bei allem Trübsal, noch ausrufte: Was ist es? Einem kleinen Geiste komt es zu, sich Durch Kleinigkeiten demütigen zu lassen: aber ein groser hebt sein Haupt weit über sein Schiksal empor.

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Denen übrigen Herren, die in die Gefangen- haft und Sicherheit gebracht wurden, begegnete man erleidlicher. Auf diese war auch die Sache nicht ge- münzet. Man hielt sie nur so lange veste, bis man das Unternehmen völlig zu Werke gerichtet hatte, au- ser daß man den Lieutenant Struensee, weil er Stru- ensee hieß, zwei hundert Thaler gab und in alle Welt zu gehen, ankündigte. Das wiederfuhr auch dem Etatsrath Reverdil, der mit tausend Thalern nach Hause, in die Schweiz, reisen durfte.

Das wäre so etwas vor mich gewesen. Bliz, wie hätte ich aus Dännemark mit der Extrapost zie- hen wollen, ohne mich, wie dort Loths Weib umzu- sehen und ohne eine Salzsäule, (wenn ein Mensch vermöge des in ihm sich befindenden Salzes, zur Salzsäule werden kan); ohne dieß zu werden. Schon zwei hundert Thaler ist ein schönes Reisegeld; ge- schweige, wenn einem tausend Thaler ausgezalet wer- den. Bald möchte ick mich entschliesen, vom Pontus Euxinus, meiner Wohngegend, da es so izt kriege- risch aussieht. nach Norden zu reisen. Vielleicht gibt es in Zukunft noch so etwas, wovon man schon in England laut redet, da könten mir wol auch, wenn mir das Glücke wol wolte, tausend Thaler ausgezalet werden. Nur die Conföderirten und der in den tür- kischen und rußischen Landen unsichere Weg hindern mich daran.

Niemand aber von den Hohen konte mehrern Nutzen dabei haben, als der Graf von Ranzau, der ihn auch, da ich unter dessen Commando gestanden, brauchte.

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Hingegen das Volk bekam nun, was es wünschte; es durfte hier und da plündern, welches man nur hernach bei der Welt von berüchtigten Häusern verstanden wissen wolte; in der That aber dieje- gen Personen, denen man nicht gut war, angieng. Freilich mußte dabei fast alles, was der Graf von Struensee zum Vergnügen des Königs hatte anbau- en lassen, beraubet werden, da man diesen Herrn höchst verhaßt gemacht hatte.

Bei Hofe gab es wie leicht zu vermuthen, viele Veränderung und Austheilungen von Ehrenstellen an diejenigen, die nun glüklich das Vorhaben mit angefangen hatten.

Endlich am dritten Sonntage nach Epipha- nias hielte man ein Dankfest, wobei zu erinnern, daß der Pastor an der Peterskirche, der vor einigen Jah- ren, da er dem Trunk, Ritt, Scherz und der Kar- te ergeben, abgesezt worden, sich aber doch wieder eingeschmeichelt hatte, daß der Dokter Münter mit einer wagenden Freiheit schon die Königin, da Ihr noch nicht der Prozeß gemacht worden war, aus dem Kirchengebäte weg ließ, welches ihm viele Dänen verdacht haben, ihm, dem 28tündlichen Bekehrer ei- nes gewesen seyn sollenden Heiden. Wie aber, Herr Pastor, wenn das Ding schief gegangen! Wo wäre Ihr Kopf?

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Das Gericht.

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Nachdem wir nun wieder einen Abschnitt be- schlossen haben: So kommen wir zur Sache, war- um man die Königin, und die gemeldeten Grafen arretiret, erstere von ihrem Gemale geschieden, und leztere zum Tode verurtheilet und hingerichtet hatte.

Da man also nun seiner vermeinten Feinde Meister geworden war, und deren Endurtheil man schon vorher bestimt hatte, welches man aus der Figur eines Galgens, Rades, Beils und abgehauenen Hand ersehen konte, die dem Gespräche, das die bee- den Grafen, die doch getrennet verwaret wurden, ge- halten haben solten, beigefüget worden ist); So mußte man doch, um den Schein der Partheilichkeit zu heben, Verhör halten.

Die feindliche Parthei hielt also Gericht. War das wol recht? Nimmermehr. Sonsten ist ein Richter, der den kleinsten Verdacht wider sich hat, verwerflich; und derjenige, der von einem solchen beurteilet werden soll, kan allemal excipiren und

bitten, daß seine Sache einem andern, zu dem man mehreres Zutrauen hat, übergeben werden möge: In Dännemark aber, wie es scheinet, nicht.

Es war also Gerichtstag und der Graf von Struensee und Brandt wurden vor Gericht gezogen. Ob sie in dem Gcfängnishabite, in dem Geschmeide des Vulkanus, oder wie sie erschienen; das soll uns izt gleich viel gelten. Wir wollen vielmehr auf dasje- nige, was man sie beschuldigte, sehen, solches mit einigen Anmerkungen begleiten, und die Welt un- partheiisch darüber richten lassen.

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40 Beschuldigungen

Des

Grafen v. Struensees.

I.

Er hätte die Landeseinkünfte an sich gezogen und das Reich in

Schulden gesetzt.

Sein Vermögen, und es fragt sich, ob es wahr ist? soll sich auf vier mal hundert tausend Thaler belaufen haben. War das auch wol ein Vermögen vor den ersten dänischen Staatsminister? Und wer konte denn dasselbe so geschwinde zählen? Hatte er etwa alles, was in den herrschaftlichen Rech- nungen fehlte, auf seine Rechnung schreiben lassen müssen? Ei, da kann er noch mehreres besessen haben. Da ist es eben kein Wunder. Beschuldigungen aufzusu- chen, dazu braucht man keine grose Geschiklichkeit. Aber Warheiten fürzutragen, das zeigt Kunst.

Will man aber nun, da man dessen Effekten am 19ten Oktober öffentlich versteigert hat, und Jederman etwas von dessen Reliquien haben wolte; folglich alles über den Preis bezalet wurde; will man nun das Facit machen: So wäre es auch wol mög-

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lich, daß sich so vieles hätte zusammen lesen lassen. Wurde doch die alte irdene Oellampe jenes stoischen Philosophen, des Epiktets, auch nach dessen To- de von einem um drei tausend Drachmen gekauft. Und vielleicht kaufte auch hier mancher etwas, ich will es eben nicht sagen, wodurch er sich, wenn er durch einen Zufal blaß geworden und einen neuen Gang angenommen, selbst befreien will, sehr theuer. Was thut man nicht, wenn man sich besonders schämet! Da bezalt man gerne vieles.

Alleweile, da ich diese Geschichte abfasse, legt mir meine Tochter das Leben des Grafen von Brühls, der auch erster geheimer Staatsminister am königlich pohlnischen und kuhrsächßischen Hofe war, vor Augen und spricht: Papa, lesen sie doch einmal diese Stelle! Ich sehe solche an und finde folgendes:

"Er soll, nach der Ausrechnung eines Raths, da der lezte schlesische Krieg angegangen, über 39 Millionen auser Landes geschaft haben. Die preu- sischen Soldaten hätten in dessen Pallaste 2000 Paar Shue, 1500 Paar Stiefeln, 1500 Perrücken und 800 reiche Schlafröcke, alles in Paris gemacht, auser, was er noch an grössern Mobilien mit nach Pohlen genommen, mit größtem Erstaunen angetroffen.” Und dennoch blieb der Graf von Brühl in allen seinen Ehrenstellen und bei allen seinen Güthern bis an sein seeliges Ende.

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Ließ doch wol der Graf von Gotter am Winerischen Hofe eine Schlittenfahrt, die ihm 36000 Gulden gekostet hatte, anstellen. Der kostete dem Kaiser und verthat soviel, daß der Monarch sagen mußte: "Und wenn ich dem Graf von Gotter

täglich eine Tonne Goldes gäbe, so brächte er sie doch durch.” Dennoch blieb er in Gnaden.

Was? Die Landeseinkünfte an sich

gezogen? Und nur 400000 Taler? Ei, ei, so erstrecken sich die dänischen Einkünfte nur so hoch? Lügner, Lügner sind es, die dergleichen ausschreiben. Ja, wenn nicht auch andre Leute rechnen könten!

Noch mehr! Das Reich in Schulden

gesezt? Wie lange war denn der Graf von Stru- ensee erster Staatsminister am dänschen Hofe? Vom 23sten Jenner 1771 bis zum 17tcn Jenner 1772. Und da hätte dieser Mann das Reich in Schulden gesezt? -- Man beliebe doch seine offenbare

Unwahrheiten zu revociren. Das war ja nicht wahr.

Ja, er hat ja erst nichts gehabt.

Diesen Einwurf wollen wir auch beleuchten. Es ist wol zu glauben, daß er wenig vorher besessen haben wird; was er aber hernach besessen; das hat ihm der König geschenket. Das mußte ja geschehen, um sich als Graf, ob er gleich auch seine Besoldung hatte, auffüren zu können und ihn in seinem Dienste

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anzufeuern. (So thut auch die Kaiserin von Rußland dem General von Bauer und andern, die sich um den Staat verdient machen.) Was mir aber einer schenkt, das habe ich mit Recht, dar- um betrüge ich, ob ich gleich einen zur Schenkgasche perswadire, nemanden.

Aus allen diesen Umständen also erhellet, daß

der Graf von Struensee die Landeseinkünfte weder an sich gezogen, noch das Reich in Schulden gesezt hat; und unverdamlich gewesen ist.

II.

Er hätte es dabin gebracht, daß die besten Ministers ihres Amtes entlassen worden, um keine Beobachter seiner Griffe neben sich zu haben.

Dieser Saz begreift zwei Stücke in sich:

1.) Er hätte es dahin gebracht, daß die besten

Minsters ihres Amts entlassen worden. Mit Nichten! Er war es nicht. Das bestand in der Wilkühr des Königs. Der König, die Grafen von Struensee und von Brandt, und noch einige andre waren u. sollen genug seyn, den geheimen Rath zu formiren. Die Uiberflüßigen bekamen ei

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nen guten Rath, ihre Güther zu beziehen. Und das von Rechtswegen: Sind wenige, eine Absicht zu erreichen, hinlänglich, was braucht man viele?

2.) Er hatte keine Beobachter seiner Griffe neben sich haben wollen. Was sind denn das für Griffe gewesen? Man wird gewiß grose Mühe anzuwenden haben, wenn ihm so etwas einem Griffe ähnliches in den Tod nachge- redet werden soll.

III.

Er hätte sich in den Grafenstand erheben lassen und gar Herzog von Holstein Plön werden wollen.

1.) Graf. Das gieng ganz ordentlich zu. Vom Dokter wurde er 1757 zu Altona Phyitkus; 58. Leibmedikus des verstorbenen Königs; bei dem Neuen Reiseleibmedikus, hernach beständiger Leibmedikus; 69. den 12ten Mai Staatsrath; 70. den 14mten Mai, Conferenzrath; im December Maitre des Requetes; 71. im Julio, gehei-

mer Cabinetsminister; Ritter des

Mathildenordens und am 15ten des nämlichen Monats dänischer Graf.

Dieses Glük, ob es gleich selten geschicht, ist schon mehrern vor ihm, an andern Höfen, begegnet. Und es ist zu loben, wenn Könige und

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Fürsten ihre treuen Diener mit einer erhabenen Stelle nach der andern begnadigen. Dadurch

werden dergleichen Männer noch mehr ange- stammt, ihre Kräfte dem Staate zu widmen. Und woher sind denn alle unsre Grafen, unsre Freiherrn, unsre Edlen, alle erhabene und Gebieter entstanden? Von der Natur hergerechnet, sind wir alle einerlei. Verdienste aber, Heldenmuth und Gewaltsamkeiten haben diese und jene Unterschiede zuwegegebracht. Graf wird auch: grav, welches die Alten: grau aussprachen, geschrieben, und bedeutet: einen alten grauen Greis, der sich um den Staat verdient gemacht, und den der Regent, seiner Verdienste halber, diese und jene Güther schenkte, um auf denselben seine lezten Lebenstage in Ruhe zu beschliesen. Und so könten wir von Jedem eine Grundbedeutung, wenn selbige hier nötig wäre, angeben.

2.) Herzog von Holstein-Plön. Das

war, mit Erlaubnis, nicht wahr. Gehört nicht dieses Herzogtuhm, ob es gleich an das Königreich Dännemark gekommen, noch immer zum römischen Reiche? Wer aber kan in dem römischen Reiche Herzöge und Fürsten machen? Gehört diß nicht zu den Rechten des Reichsbe- herschers, des Kaisers? Aber, es beißt ja nur:

Er Hätte sich durch eine Akta das

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46 Herzogtuhm Plön von Sr. Königl. Majestät versichern lassen, welches aber nicht zum Vorschein gekommen.

Ist diese Versicherung nicht zum Vorschein gekommen, woher konte man es wissen, daß ihm das Herzogtuhm Plön versichert worden? Und konte denn der König, ob derselbe gleich Herzog von Holstein-Plön ist, diesen Charakter und dieses Land sohin einem Fremden abtreten? Dergleichen angeerbte, oder auch durch besondre Reichsverträge erhaltene, eroberte, oder angekaufte Länder gehören selbst mir zur Krone, deren Verwalter nur der König ist. Kein Fürst kan etwas zum Nachteil seiner Nachkommen und Erben vergeben, wenn die Landesstände nicht drein willigen. Also auch hier hätte diese Abtretung des Herzogtuhms Plön an den Graf von Struensee mit Bewilligung der Landesstände vor sich gehen, und dann die Confirmation aus dem Reichstage ausgefertiget werden müssen, wenn diese Verlassung hätte gültig gewesen seyn sollen. Das konte aber nicht angehen, da der Graf die Landesstände wider sich hatte, die nimmermehr in diese Forderung würden gewilliget haben.

IV.

Er hätte die ganze königliche Familie, auser der kleinen Prinzeßin

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und her Königin, hinrichten, sich dann mit derselben vermälen und neben ihr als Protektor regiren, u sich durch Feuer und Schwerd, fals sich ihm Jemand widersetzen wurde, den Weg zum königlichen Trohn bahnen wollen.

Wem hat er denn

1.) diesen Plan entdekt? 2.) Als Arzt konte er wol die königliche Familie, one Verdacht, hinrichten, da man Arzneien antrift, die einen langsamen Tod befördern, (v. g. sacharum Saturni.) wenn er hätte an seinen Woltätern untreu werden wollen und nicht merere Ehrfurcht gegen den königlichen Stamm besessen hätte, 3.) Wer muß denn tol ersonnen haben, daß er hätte Protektor wer- den und sich mit der Königin vermälen wollen?@Er gewiß nicht. War er wol ein Cronwel, den die Engländer verlangten? Jener konte getrost König werden; dieser aber nicht. Waren hier nicht schon zwo Parteien? Der dann neue König würde kurze Zeit regiret haben. 4.) Sich den

Weg zum Trohn mit Feuer u. Schwerd

banen. Das gab man so für, weil er die Waffen, den König wider die drohenden Anfälle zu verteidigen, bereit halten ließ. Wie doch aber eine gute Absicht, auf der bösen Seite betrachtet, so ü-

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48 bel hinausgekläret werden kan. Das sind Griffe, deren Beobachter Struensee war, den man daher nicht leiden konte und hinrichtete

Kein rechtschaffner Minister würde die Bosheit unterstützen, welches er, da er die Kirchenbuse auf- gehoben, gethan hätte. V.

Nur den Kirchenstand in Ruhe gelassen! Dadurch sind schon viele umgekommen. Wie gieng es nicht dem letzten rußischen Kaiser? Wolte er nicht die Lutherische Religion in Rußland einführen? Grif er nicht die Geistlichkeit an, da er dem Archimandrit den Bart abschnitt und solchen über dem Lichte verbrante, daß die dabei waren, lachen mußten? Brachte nicht diese, aus Eifer zu ihrer Religion, den Pöbel, einige Minister und die Armee wider ihn auf, daß er gefangen, des Trohnes entsezt und dessen Gemalin das Ruder bekam? Hingegen dieser ließ die Kirchenbule nicht zur Verachtung der Religion, die in, Dänemark herscht, nicht zur Entehrung der Geistlichkeit; Sondern, aus folgendem Gesichtspunkte betrachtet, aufheben:

Wenn die Seesoldaten, da sie lange Zeit den Umgang mit dem Frauenzimmer missen mußten,

aufs Land kommen, so sind sie nun eine Geisel des-

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selben. Sie greifen es auf der Strase, oder wo sie es nur finden, an und nötigen es zu einer Sache, woran der Wolstand einen Misfallen hat. Das auf solche Weise angeführte Frauenzimmer soll her- nach die Frucht seiner heimlich begangenen Lust, in die es gezwungen gewilliget, der Welt, sich zur Schande, vorlegen; und Jederman will ihm nachweisen: das ist auch eine; die hat auch eins gehabt, u. s. w.; Es soll, stat Jung- fer, einen andern Namen hören, den die Welt auf die Wage der Verachtung bringt; Es soll seine gebrauchten Leibeskräfte bezalen, da es doch sich blos und keinem andern schadet; da es den Staat, wozu wir da sind, nach allen Gesetzen bevölkert, eben als wenn man die Fehler mit Geld ausputzen könte. Es soll in den Kirchenbann gethan werden, bis es gebüset. Ja, wenn noch die Zeiten der Alten wä- ren, da sich jeder Christ betrübte, wenn eins unter ihnen den HErrn vorzüglich beleidiget hatte; da man nach dem Spruche: waschet euch, u. s. w. handelte und eine solche Person flehendlich bat: daß

man sie doch wieder annehmen und auch vor sie bei GOtt um die Aussönung

bitten möchte; wenn noch jene Zeiten wären, so wäre auch noch der Kirchenbann schiklich. Von Geldbezalungen aber bei GOtt findet man in seinem Worte nichts ausgezeichnet: hingegen lesen wir, daß

er selbst die Hurer und Ehebrecher richten

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50 will. In unsern Zeiten denkt man ganz anders. Der Zuschauer spottet die Gefehlte. Wer läßt sich aber spotten, ohne dabei unempfindlich zu bleiben? Komt noch der falsche Begrif von der Ehre hinzu; stellt sich die schwangere Person die Schande, der man sie künftig aussetzen will, lebhaft für; hat sie kein Vermögen, den Kranz und die Sünde zu bezalen und soll daher am Leibe büsen und öffentlich abgelesen werden: So wird sie vielleicht tiefsinnig und verliert die Gedanken, daß sie daher, von den Ge-

setzen verfolgt, ihr dann gebornes Kind tödet.

Soll man aber ein solches Uibel nicht hemmen? Sonst war die Kirchenbuse schiklich, izt aber nicht. Die Abschaffung also des auf den Liebesfeher laurenden Banns ist gewiß das ächte Mittel, den Kindermord zu tilgen; Welchen Liebesfehler man, da wir alle Fleisch und Blut besitzen, und uns nicht alle verheiraten dürfen, noch können, auch das Frauenzimmer warten muß, bis einer komt; niemals ab- schaffen wird, und wenn man auch selbst Galgen und Rad, Brand und Feuerzange, und allen Verlust zur Strafe darauf sezte: Die Natur zwingt man nicht.

Das wußte jener grose Monarch, der in seinen Ländern diesen Bann und alle dabei verkommende Geldstrafen aufhob, der noch überdiß dem Frauenzimmer, wenn es, auser dem verbundenen Stande, einen Knaben zeugt, eine Prämie von zehn Thalern

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auszahlen läßt. Dadurch wird sein Reich bevölkert und mit Völkern furchtbar gemacht; dadurch wird der Kindermord aufgehoben; dadurch werden dem Staate die muntersten Leute Hergestellt, die ohne Sor- gen herfürgebracht werden. Ein muntres Genie aber kan zu allem gebraucht werden, es hat das beste Glük, da es sich in alles finden kan; und wird also hieraus das Sprüchwort wahr: Hurkinder haben das beste Glück.

Da nnn diß auch der Graf von Streunsee in Vortrag brachte; da es der König billigte und daher die Verordnung unter dessen königlichen Namen her- auskam: Daß in Zukunft auch in Dänemark, um dem Kindermorden Einhalt zu thun, die Kirchen- buse und alle darvon sonst gewönlichen gewesene Abgaben aufgehoben; hingegen aber die lieder- lichen Hurenhändel nachdrüklichst bezüchtiget werden solten: Sö war diß Gesez gar wol zu bili- gen; es war nach der Beschaffenheit der Zeit, des Orts; der Personen und Umstände wol eingerichtet und also unverwerflich; und zeigt noch immer, daß der Graf von Struensee Gott und der Welt nuz- bar gewesen ist.

VI.

Er hätte das gräflich-schulinische Haus kaufen, zum Öffentlichen

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Hurenhause einrichten lassen und Geld dazu vorgeschossen.

Daß es sich wol zugetragen, daß dieses Haus Zu einem Kaffeehause gemacht worden, worin sich der König und die Noblesse erfrischet; ist wol zu glauben; Daß es aber ein Hurenhaus hat abgeben sollen, völ- lig zu läugnen.

Freilich finden sich bei dergleichen Zusammen- künften auch leichte Frauenzimmer ein, die Gelegen- heiten zum Ausschweifen geben.

Und wenn man darauf sehen will, so dürfte kein

Gasthaus seyn. Wer will, der will, und keret sich nicht an das Haus.

Was ist aber die Hurerei?

Die Kräfte der Natur im Liebeswerke übertrieben anstrengen und dabei dem Zeugungsgeschäfte zuwider leben, wodurch allerhand Krankheiten, die ein guter Arzt heilen muß, entspringen.

Findet man aber diesen Misbrauch nur bei dem ehelosen Stande? Wolte und könte man das Betragen mancher Eheleute untersuchen, so würde man finden, daß diese den häufigsten Misbrauch begehen. Aber diese find privilegirt.

Doch hier ist blos die Rede von dem Galan- teriefrauenzimmer, das sich mit Fürsaz zu dergleichen Unsitlichkeiten, vor einen gewissen Werth, denen Manspersonen, denen das Gewissen aufwacht, und

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ein Pfahl ins Fleisch gesezt ist, den sie nicht überwinden können, Preis stellt. Dieses solte gestraft und die Bordels verstöret, an deren stat aber Bäthäuser vor die im Bordel haltbar gewesene Nymphen, ihre

Galanterie und verstaltete Schönheiten zu betrauen, aufgebauet werden.

VII.

Er hätte die Feiertage abgeschaft.

Das ist schon an andern Orten etwas Altes und selbst vom Pabste verwilliget worden, von dessen Vorfahren die vielen Festtage ursprünglich waren.

Das war aber eine magere Beschuldigung und man kan bas böse Herz jenes Dichters satsam erblikken, wenn er singt:

Die Feiertage sind ein Dorn in deinen Augen, Die tolle Freude soll nur blos dein Labsal seyn. Was Gott und göttlich ist, das kan für dich nicht

(taugen.

Du haßt die Ehrbarkeit und führst den Teufel (ein.

Nun, so habt doch Mitleiden mit einem sol- chen erbärmlichen Poesel, dessen Verstand dem Bruder Langohr ebenmäsig ist! Also: Wer die Feiertage abschaft, der haßt die Ehrbarkeit und führt den Teufel ein? Was das für ein Schluß ist! O der dumme Esel!

Und der muß helle Augen gehabt haben, der den Graf von Struensee den Teufel einfürend, ge-

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54 sehen hat. Ei, wenn doch ein solcher so wol getahn,

(und wenn er es auch noch thäte!) zu melden, wie@er den Teufel gesehen? Die Welt würde ihm grosen Dank sagen. Jederman, glaube ich, würde den bra- ven Herrn gerne sehen wollen. Er muß aber doch sehr furchtsam ausgesehen haben: Weil er sast bei allen Versicherungen als Zeuge; bei Wein und Bier zu Gast und beim Schlagen zum Sekundanten einge- laden wird, und doch niemals erscheinet. Der furcht- same und höfliche Teufel! Daß er doch niemanden, da er gebeten wird, holen will! Er könte ja man- chen - - Braten bekommen. Und Struensee solte ihn gepackt und eingeführet haben? Nun, das gefält mir.

Nochmals. Wie sähe denn der Teufel aus? Hatte er auch einen Pferdefus; eine Hahnskralle, Hörner, wie ein Ziegenbock (wie ihn die Mahler ab- bilden)? Erschien er in einem rothen Kleide? Im Gesichte etwa blaß, wie die Dichter den Pluto schildern, den nur ein seine Eurydice aus dem Höl- lenschlunde herausholenwollender Herkules gesehen haben soll? Oder, schwarz, wie der Teufel? Oder wie sahe er sonst aus?

Vermuthlich aber ist er nicht alleine gewesen. Wo war denn seine Grosmutter? Da diese sonst allemal bei ihm seyn soll, so wird sie gewiß auch nicht weit von ihm gewesen seyn. Und diese sahe wol

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aus, wie man die Hexen beschneibt,; wie ein altes,

garstiges, triefäugigtes und runzlichtes

Weib? Was das für ein Zug gewesen seyn muß!

VIII.

Es wäre durch ihn dem Königreiche Norwegen

das Münzrecht abgenommen und der Haupt- krone einverleibet worden.

Und das war recht. Dergleichen Rechte gehö- ren ad regalia principis und wo solche noch davon ge- trennt sind, so tuht man wol, wenn man sie hinzu- Denn kein König, kein Fürst, wenn solche das Münzen selbst bestreiten lassen, liefern schlechtes Geld; welches aber im vorigen Kriege von den Münzrechtssabpachtern, leider, GOtt erbarms! geschehen ist und noch verschiedentlich geschicht.

Endlich und auch die größte Lüge und unsit- lichste Beschuldigung:

VIIII.

Er hätte ein geheimes Verständnis mit

der Königin gehabt und dieserhalben wäre er des Todes schuldig.

Wie aber, wenn schon vor einigen Jahren der irdische grose Gesezgeber, nach dessen Einrichtun- gen sich Jederman richtet, in einem solchen wahren Falle das Gegenteil bewiesen hätte? Hieß es da- als nicht: Madame, sie heisen Prinzessin von

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* *; und du, Mosge, fort, geniest meine gna- de mit andern Staatsverbrechern in * *! Und da war alles vorbei. Hat aber sonst Jemand etwas von diesem Vorfalle erfaren? Schrieb man auch die Wochenblätter davon voll? Gab man auch den Buchdruckern und Buchhändlern etwas dabei zu ver- dienen? Wurde wol auch so, wie izt durch diese dänische Conspiration, die Welt gebrandschatzet: Alles nicht. Es blieb alles verborgen. Und das war

weise gehandelt.

Nemen wir nun beede Geschichten zusammen, und man nimt an, daß die dänische die nämliche ge- wesen; so war der Graf von Struensee zwar strafbar,

nimmermehr aber des Todes schuldig.

Beschuldigungen

des

Grafen von Brandt.

Ehe wir mit diesem Graf, dessen Vater ehe- mals dänischer Edelman und Conferenzrath war, ins Verhör treten, wollen wir erstlich etwas besoederes vorausschicken

Man muß es wissen: Er wurde 1755. Hof-

junker, hernach Kammerjunker und endich

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Kammerherr 1769., und der itzige König konte

ihn so leiden, daß er denselben überall begleiten mußte; dem man auch daher, dessen Person gänzlich anver trauet hatte. Das Leben also, die Gesundheit und Wolfahrt des Königs waren in seinen Händen. Er bewies es aber auch, daß ihm die Ehre seines Herrn und alles, was demselben heilsam, lieb war. Er be- wies es zur Zeit durch ein Unternehmen, das sich auf Eifer und Treue gründete und wobei ihm damals der größte Haufe edle und uneigennützige Absichten zu- traute. Es wurde nämlich der Graf von H **, da dieser Brandt dessen falsches Spiel eröfnet hatte, seines Dienstes entlassen. Diese geöfnete Stelle trug man hernach ihm an, da er noch Hofjunker war und er verbat sie. Das brachte ihm aber die größte Liebe des Königs zu ihn zuwege, daß derselbe ihn zum Kammerherrn ernente, worauf er dann 1771. von der Königin den Mathildenorden erhielt; von dem Könige aber zum Oberschauspielaufse-her gemacht wurde. Und da er sich in diesen Aem-

tern die Gnade des Königs noch mehr erwarb; So wurde er mit dem Graf von Struensee zugleich in den Grafenstand erhoben und erhielt folgenden Titel:

Enewold Graf von Brandt,

königlicher dänischer geheimer Rath, Kammer-

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herr, Beisitzer ves höchsten Gerichts, Oberschau- spielsaufseher und Ritter des Mathildenordens.

Diese Stellen also begleitete er mit Recht, oh- ne dazu durch Einschmeichelungen gelangt zu seyn. Seine Treue und Scharfsichtigkeit erhoben ihn.

Man beschuldigte ihn aber folgender Verbrechen:

I.

Er hatte dem Graf von Struensee mehrere Anleitung gegeben, seine Absichten, die könig- liche Familie zu fällen auszuführen.

Nimr mau seine dem Könige und Staate bewie- sene Treue dazu; hält man beides gegen einander; So wird gar bald der Verdacht, daß dieser erste Beschul- digungspunkt fälschlich angebracht worden, erkläret. II.

Er hätte auf Befehl des Grafen von Struensee

und der Königin einen Meuchelmord am

Könige verüben wollen, da er aber Widerstand gefunden, den König in den Hals u. Finger

gebissen.

Höre es, o Welt! und vernim es, Erde! Muß der Graf nicht ein Maul gemacht haben! Ein Maul, wie ein Elephant.

Wer hatte ihm denn aber wol vorher die Zähne geschärft? Das mußte ja geschehen, wenn er hätte beisen, einen Hals, eines Menschen Hals abbeisen sollen. Den Zahnschleifer möchte ich doch kennen.

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Gewiß, der Erdichter dieses Meuchelmords war

ein Jude.

Beweis.

Das andre Jahrtausend der Welt soll antworten. Als Esau dem Jakob dort den Hals abbeisen wolte, machte er ein groses Maul, und doch bis er vergeblich. Der sonst fleischerne Hals des Jakobs, der, wenn man der Abbildung unsrer alten Mahler glauben kan, ein starknervigter Riese gewesen seyn muß, dessen Gurgel wenigstens 6 Zoll im Durch- schnitt; der Hals wurde zum Beine, woran sich Esan 6 Zähne ausbis, da dann sein boshaftes Herz beschämet wurde, daß er sogleich in sich gieng und sei- nen Bruder freundschaftlich küßte.

Das findet man in dem wahrheitsvollen Tal- mud ausfürlich beschrieben; und in der Hebrai- schen Bibel finden sich auch über dem Worte:

וישמהו und er küßte ihn, 6 besondre Punkte, die die Masorethen mit besonderem Fleise um den Leser an diesen bisvollen Kus zu erinnern, als ei- ne merkwürdige Sache angemerket haben.

III.

Warum er denn nicht den guten Vermanungen, die ihm ein Freund am 8ten Julius und am 19ten Sepremher 71. zugeschrieben, nachgekommen?

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nach welchen er hätte den König, der damals

schon In Gefahr gewesen, retten sollen, da man

ihm gemeldet: man würde, wenn er die bösen Anschläge des Struensees nicht hemte, dermaleinst das Leben und die Freiheit dieses Prinzen von ihm fodern, da er um ihn wäre und alles sähe und

wisse. Man hätte ihn dieserhalben beschworen und ihm vorgestelt: wie ihn der König aus Er- kentlichkeit mit Güthern und Ehre überhäufen, und ihm diß der Unterthan verdanken würde. Er solte dock nicht länger der Sklav eines Elenden bleiben, der ihn, wenn er ihn nicht weiter brauchte, in den Staub treten würde. Man hätte ihm ja auch in diesen Schreiben den Anschlag, wie er es an- fangen solte, gemeldet. Allem aber hätte er kein Gehör gegeben. Daher würde nun auf ihn mit Recht die Schuld geschoben. Er wäre im höchsten Grade des Todes schuldig.

Beede Briefe sind, wenn man solche mit dem, den der Conferenzrath Pe. F. Suhm, nach der Gefan- gennemung der beeden Grafen, geschrieben haben soll, zusammen hält, von einem Verfasser geschrieben worden. Man vermuthet aber: sie waren disfals an den Graf von Brandt gesendet worden, um ihn auch auf die Seite zu ziehen. Da er sich aber nicht zur Un-

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treue wider den König, ob man ihn gleich zur Treue ermunterte, bewegen ließ; da er nicht zu der Partei, die ein groses Verbrechen noch grösser machen wolte, trat: So mußte er, da sein Freund, Struensee verdamt wurde, auch ex falso & injusto titalo verdamt werden.

(Der Graf von Struensee wird hier ein Elender genent, weil ihn kein Edelman gemacht hatte. Wie viele wür- den das von, wenn ihr rechter Va- ter bekant wäre, entbehren müssen! das sie ohne Verdienst beischreiben.)

IV.

Er hätte, gleich dem Grafen von Struensee, mit der

Königin vertraut gelebt.

Ein Lügner muß ein gutes Gedächtnis haben, wenn er seine Lüge, die er vor eine Wahrheit ausgibt, nicht selbst zur Lüge machen will. Oben gab man vor: Der Graf von Struensee hätte sich mit der Königin vermälen und dann Protektor von Dännemark werden wollen und daß er schon ein Verständnis mit der Königin gehabt. Hier soll auch der Graf von Brandt ihr Galan gewesen seyn. Kerl, hätte ich dich, sogleich soltest du sterben, vorher aber die verstümmelten Glieder beeder Grafen vom Rad und Stock reisen and ehrlich begraben.

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Eine so vornehmste Dame so anzüglich zu beleidigen, das muß gerochen werden.

Dadurch aber fält 1.) weg, daß sich der Graf von Struensee mit der Königin habe vermälen wollen: Sonst würde kein Nebenbuler statgefunden haben. Es wird 2.) dessen protektoramt unwahr, und 3.) überhaupt die ganze Sache zur Lüge, daß er eine so schändliche Taht, die königliche Familie zu stürzen und sich dann zu erheben, im Sinne ge- habt.

Wie man doch einen Lügner ertappen kan, Warheiten gemeldet! Diese bleiben wahr, gleich solche oft, wie die Warheiten und guten Absichten der beeden Grafen, unwahr gemacht werden.

Das waren also die Hauptartickel, wornach man

die beeden Grafen richtete und öffentlich zum Tode ver- damte.

Sie festen zwar ihre Unschuldigungsvertheidigun-gen selbst auf und liessen solche durch Advokaten über- geben, die man aber bei Seite legte. Man schob vielmehr Briefe zu ihrer Verdächtigmachung unter und

erhandelte falsche Zeugen wieder sie. Weil sie aber, dasjenige, was man sie beschuldigte, unmöglich beja- hen konten: So ergrif man die Tortur, wodurch schon viele zur Bekennung eines Lasters, das sie niemals begangen, genötiget und hernach unschuldig hin- gerichtet worden sind: Und Heede Grafen, die die Pein nicht ausstehen konten, antworteten auf alles, was man sie fragte mit: Ja!

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Todesurtheil.

Die Inquisition also machte ihnen den Prozeß, deren Todesurteil zwar der König unterschrieben, aber nicht gelesen hatte. Sie sprach ihnen Ehre, Leben Und Guth ab.

Und als der schwarze Tag des Gerichts herbeikam, so fuhr man sie an den Ort der Verdammnis. Daselbst zerbrach ihnen der Liktor die gräflichen Wappen, hieb ihnen die rechte Hand, dann den Kopf mit dem Beile ab, schmiedete die Hände an Pfähle und durchna-

gelte die Köpfe auf dergleichen Stämme. Er vierteilte ihre Körper und legte solche stükweise auf Räder.

Wie heftig man aber gegen den von Struensee aufgebracht war, das kan man an dem wüthenden Messer des Liktors erbliken. Er schnitt nämlich von dessen hernach unempfindlichen Körper den Anhang mit schäumender Wuth ab und zeigte das arme stükchen Fleisch dem Pöbel. Das war zu übertrieben. Von deren oder dessen Geschlechte müsse niemand ü- berbleiben, der an die Wand bisset!

Muß das nicht geschmerzet haben, wenn so zween unschuldige Herren, die die vertrautesten Freunde waren, mit einander in den Tod, in einen so schänden- den Tod, gehen mußten!

Der Graf von Brandt bemalete seinem Freun- de mir seinem Blute den Weg zum Tode. Er war

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dabei so gelassen, daß er, als ihm die Hand abgehan- en worden war, noch sagte: Ich gestehe es, das schmerzt mich ein wenig. Und sogleich reichte er auch den Hals dar. Er starb und sein Blut röchelte dem noch lebenden Graf zu: Auf, Freund, nach der Ewigkeit, wo schon von neuen und un- vergehend derjenige Graf, der izt ermordet wor- den, lebet! Er trägt die himlische Krone der Ehre, da man ihm auf der Welt die irdische, aus Misgunst, geraubet hatte.

Und der Graf von Struensee bestieg, sich auf GOtt und die gute Sache verlassend, auch das Ge- rüst, worauf sein Freund zerhauen worden war, und sahe, indem er ausrufte: Ich bin unschuldig, sich um nach königlicher Gnade; da diese aber ausblieb, so suchte er nochmals die göttliche, betete, entblößte sich, legte Hand und Hals auf den Stock und er-

wartete die lezten Streiche...... Nun war er auch

bei seinem Freunde, der ihm entgegen kam mit dem frölichen Zurufe: Freund, hier ist gut seyn; hier gilt die Gerechtigkeit.

Und beede ruften (mein Genius hat es gehö- ret); sie ruften: Heilig ist GOtt und die ihn lie- ben, sind ihm angenem! Sie ruften: Es lebe der König in Dännemark dem wir rechtschaffen die- neten! Er lasse seinen Thron bevestigen, wenn er nicht auch das Schicksal des Todes, dem unsre ir- dische Hütte ausgesezt seyn mußte, durch mensch- liche Gewalt erfahren will. Einer in seinem Stam- me will ihn stürzen. Und da wir ihn retten wol- ten, mußten wir ihn in der Ewigkeit anmelden.

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Beschuldigungen der Königin.

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Hier werde ich zwischen Gnade und Ungnade, da ich die Frage: Weißt du nicht, daß die Kö- nige lange Hände haben? antreffe, hinwischen müs- sen. Doch wird man mir es nicht übel nehmen, wenn ich hier und da frei schreibe. Die Sache selbst ist frei. Also mit Gunst, daß ich fragen mag:

Warum wurde die Königin arre- tiret?

I.

Man beschuldigte sie:

Sie hätte mit den beeden Grafen ein

Liebesverständnis gehabt.

Wer hat es denn gesehen? Ranzau? Der Kläger solte provoziret werden.

Woher will man denn das beweisen? Und zwar

1.) Vom Struensee.

Daß dieser Leibmedikus des Königs und also auch, auf Anraten desselben, der Königin war, ist be- kant genug. Ist er also zur Königin alleine gegan- gen, so haben es vielleicht frauenzimmerliche Umstän- de so verlangt, die sie nur ihrem Leibarzte anvertrauen

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wolte, den sie auch in seinen höchsten Ehrenstellen noch konsultirte.

Soll aber ein solcher Antritt verdächtig feyn, und ein Leibmedikus deswegen mit dem Tode bestraft werden, o wehe, ihr Fürsten! wer wird euch bei- stehen, wenn ihr krank werdet?

2.) Vom Brandt.

Gleichwie dieser ein beständiger Gefährde des Königs bis an das Schlafzimmer war und ihn der König leiden konte, so stand er auch bei der Königin gut angeschrieben. Hat diese mit ihm zuweilen einen scherzhaften Spas getrieben, so geschahe es doch alzeit in Geselschaft. Spas aber ist noch lange kein Ernst. Und hohe Herrschaften sind frei. Womit wollen denn auch dergleichen Personen sich die Zeit verkürzen, wenn sie, nach einem Spiele, nach einer Musik, nach ei- nem Bal, nach einer Oper und Comödie, nach einer Ausfahrt und andern Belustigungen, nicht auch in Geselschaften einen scherzhaften Spas treiben könten? Wer das Hofleben versteht, der wird hier nicht stille stehen, sondern gebükt und, ohne sich umzusehen, vorbei gehen.

Indessen, da auch die Königin, nach dem ein- mal in Collision angenommenen Plane, verdächtig gemacht werden mußte, so war dieser Fal pfifig genug ausgesonnen. Wäre diß nicht geschehen, so hätten ge- wiß beede Grafen nicht sterben müssen und würden wieder in ihre Aemter eingewiesen worden seyn, Die Königin würde ihrem Gemale die ganze Verhandlung

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bei guter Laune erzälet haben: Daß man die beeden Grafen, um nicht mehr seine Rathgeber zu seyn, und keine Verräther von dem, was man wider das Ruder habe vornemen wollen, zu werden, arretiret hätte und ihnen daher den Prozeß machen wolte. Dadurch aber würde es auf der Ge- genseite übel ausgesehen haben. Doch gieng man zu weit.

Man beschuldigte die Königin:

II.

Sie hätte an dem Könige eine Meuchelmörderin werden wollen, und zwar

1.) Selbst.

2.) Da ihn der Graf von Struensee mit

Gift vergeben und

3.) Der Graf von Brandt tödten sollen.

Diese Beschuldigung ist nicht einmal einer Ant- wort Werth, welches noch izt die Königin in Hannöverisch-Zelle spricht: Man hat mich eine Meu- chelmörderin genennet: ich weiß es aber am besten, warum: Doch es bleibe bei mir verborgen. Bei mir aber soll es nicht verborgen bleiben. Man kehre die Sache um, so ist die Antwort da. Man wolle alles vom Hofe, um hernach alleine zu re- giren, hinweg schaffen.

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III.

Sie wäre die Ursache an allen Unglücke gewesen, da sie den Dokter Struensee und den Edelman von Brandt habe von dem Könige erheben lassen, daß hernach diese beede alle Unordnungen einge- führet hätten.

Wenn ein Bürgerlicher hochsteigt und ein Edel- man vor andern eine vorzügliche Stelle bekomt, so finden sich viele Feinde, die sie wieder zu stürzen trach- ten. Eben so gieng es auch hier.

Gesezt aber die Königin hatte vor beede gebeten (wie es ihr auch erlaubt war); und beede hätten sich dann als üble Verwalter der königlichen Rechte und der Einkünfte bewiesen: So folgt doch nimmer- mehr, daß die Königin disfals strafbar gewesen. Was kan man denn dafür, wenn einer, Absichten zu erreichen, sich bükt und, wenn er sie erreicht hat, anders verfährt. Man urteilt vom Gegenwärtigen. Artet sich das Künftige aus, so konte man selbiges nicht voraus sehen.

IV.

Sie hätte, nach der Hinrichtung der königlichen

Familie den Trohn besteigen und sich als Monarchin zeigen wollen.

Obgleich seit 1660. auch in Dänemark, nach Erlöschung des mänlichen Stams, Königinnen regie-

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ren können; So konte eine Caroline Mathilde da- gegen ausrufen: Habt ihr nicht meine Gedanken gesehen! Voreilige Eröfnung! An dem Schrei- bepult kan man vieles aufs Papier ätzen, unbeküm- mert, ob es wahr, wahrscheinend oder erlogen ist.

V.

Sie hätte sich dann mit dem Grafen von Struen-

see vermälen und ihn hernach zum Protek- tor erwälen wollen.

Wer hat denn das dem Anbringer gesagt? Hat er es etwa blos vom Hörensagen? Selbiges wird, wie bekant, allemal in dem dritten Munde zur Wahrheit, d. i., es wird hernach als eine rei- ne Wahrheit fortgesagt. Das findet man oft. Und wenn es drauf ankommen solte, ich wolte wol etwas erfinden und ausreden, daß es, wer es nur hört und den Autor davon nicht weiß, als eine reine Wahrheit fortgesagt werden soll. Merket auf und denket nach!

"Es gehet die Rede, der König in Dännemark soll dethronisirt und der Prinz Friedrich König werden. Das will, ich weiß nicht, wer? haben."

Das glaube, wer da will. Ich glaube es nicht. Gewiß, gewiß, komt einer, es ist gewiß wahr, ich habe es von dem Herrn --- gehört. Und@eben jenem hatte ich es erstlich gesagt.

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der satyrische Zeitungsschreiber und er schrieb es, GOtt behüte! ins Wochenblatt. Nun liest es die Welt und ist gewißlich wahr.

Doch, es sei! es wäre eine Vermälung vorgegangen. Konte wol aus dieser Ehe ein Trohnfol- ger, fähig das Reich zu regiren, gezeuget werden? Selbst der Graf von Struensee nicht. Das hätten weder die Stände, noch die auswärtigen Mächte zugegeben; Er würde auch nicht haben Protektor werden dürfen. Schweden würde schon gesprochen haben.

Das war also auch das der Königin angethane

Anrecht, welches der Hof von England unmöglich

so hingehen lassen konte. Es erhielt daher der am

dänischen Hofe residirende englische Gesande, der

Minister Keith, den Befehl, schriftlich um

die Ehescheidung anzuhalten.

Er bat sich folglich Audienz bei dem Könige aus, stat dessen aber fand er die nun wieder neuen Räthe, die verwittibte Königin, und den geheimen Rathspräsident, Prinz Friedrich, die sämtlich verlangten: Er solte seinen An- und Vortrag thun. Dieser aber sprach: Ich habe

mit dem Könige sprechen wollen; und mit dieser Versamlung habe ich nichts

zu thun; und trat zurük.

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Dann ließ er sich nochmals beim Könige anmel- den und kam vor denselben.

Er legte ihm den Ehescheidungsbrief zur Unter- schrift vor, den er auch Uneingesehen unterschreiben wolte.

Nein, nein, Ihre Majestät, sprach

der Gesande, lesen Sie doch erst! Es geht Sie an. Es betrift die Ehescheidung mit ihrer Frau Gemalin, worum der Hof von England, aus angeführten Gründen anhält.

Da rufte der König ganz bestürzt aus: Was?

Ich solte meine Gemalin lassen? Dieses gar schriftlich von mir geben? Das kan ich nicht. Ich liebe und verlange sie wieder. -- Wo ist Struensee und Brandt? Ich verlange sie auch wieder.

Ihre Majestät, erwiederte Keith, diese sind gevierteilet worden. Ihre Majt. haben ja selbst deren Todesurteil unterschrieben. Und da man die Königin auch eben als jene unglükliche Grafen zum Tode verdammen will; So verlangt solche mein Hof zurük.

Da wolte sich der König folgends nicht trösten lassen. Er verlangte die Königin und seine beeden Grafen; und ließ den Gesanden von sich.

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Noch desselbigen Tages aber, da man die gute Gesinnung des Königs gegen die in Kronenburg verschlossene Königin hörte, mußte der König betäubet werden, daß solche eine ewige Staatsgefangene seyn, ja hernach gar zum schleunigen Tode verurteilt werden solte.

Gotlob aber, daß der Minister Keith durch-

gesezt! Er donnerte schon in seinen Reden mit brittischen Kanonen auf den Gewässern Dänemarks. Er drang verfolgend auf die Ehescheidung, und der König fand sich genötiget, wenn er mit England in Friede leben und von den Seinen nicht verfolgt seyn wolte, die Ehescheidung einzugehen.

Daß man dem dänischen Hofe, von Seiten Englands, wichtige Punkte zu erfüllen, aufgelegt haben muß, und daß man sich alle Genugthuung, wegen des der regirenden Königin zugefügten Streichs, bedungen hat, erhellet daher: weil sich die Königin noch immer Königin von Dänemark nent und auch so selbst vom dänischen Hofe benent wirb; daß man ihre mit dem Könige gezeigten Kinder königlich aufzieht nnd solche den Kronprinzen des dänischen Reichs vnd die Tochter des Königs nent; und daß man Ihr, als Sie von Cronenburg nach Hannöve-

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risch-Zelle abreiste, alle königliche Ehre

anthat (welches, wenn jenes rabulistischersonnene Verständnis wahr gewesen, nicht geschehen, noch zugestanden worden wäre,) und Ihr noch jährlich eine Pension von 30,000 Talern auszahlt.

Was aber das Eingebrachte der Königin belangt, die gar schwer nach Kiobmandshavn kam; Solten solche wieder herausgegeben werden: oder ist es schon geschehen, so wird es dem Beutel wehe genug gethan haben und wehe thun. Es war etliche mal mehr, als der Wagen des Grafen von Struensee, der 6000 Taler gekostet haben soll; et- liche mal mehr, als dessen Vermögen von 400,000 Talern; etliche mal mehr, als das Vermögen des Grafen von Brandt; es betrug viel.

Dem sei aber, wie ihm wolle, man hat es herausgegeben oder nicht, man wird es herausgeben, oder nicht; So kan es mir gleich viel gelten: Ich bekomme doch nichts davon. Und gewiß, 6000 Taler hätte ich mit diesem Buche verdient.

Nun lebt der König ganz betrübt. Ganz tief- sinnig verlängern sich seine Tage. Noch immer ruft

er aus: Meine Gemalin, meine Gema- lin! man hat sie mir entrissen. Ich verlange sie wieder----. Meine Mini-

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76 ster, mein Struensee und Brandt, wo sind sie? Man hat sie zum Tode verdamt. Sie sind hinüber in die Ewigkeit. Man hat mich verwaist.

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Urtheil einiger Exulanten.

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Hierher, hierher, ihr Verbrecher! höret

euer Urteil! Ihr seid mit jenen unglüklichen Grafen in gleicher Verdamnis. Ihr waret auch mit ihnen. Ihr habt sie in ihrem Unterfangen stützen wollen. Sterbet! nein, lebet zu eurer Schmach! Verschwöret aber alles das, was in diesen Tagen in Dänemark vorgegangen ist; und so euch Jemand darum fragen wird, so saget: Wir wissen es nicht. Schwöret; nehmet Pensions an und verlasset das dänische Ufer! Einer lebe da; der andere dort! Dieser in dieser Stadt; jener unter jenem Volke! Du Bruder aber Struensees, du hier gewesener Justizrath, sei unglüklich; verlasse unsre Ufer und Lande; eile und fliehe zu deinem Bruder, dem Lieutenant, der auch nicht wieder kommen darf. Gehet; ziehet! Und so wurde es auf einmal ganz leer; Und ich verliere mich a-u-ch auch-',;:!? Anhang

Der vom Obersten zum Generallieutenant erho-

bene Herr Köller-Banner, der in der bekan- ten Revolution vom 17ten Jenner Morgens frühe dem Grafen Struensee den Arrest verkündigte, ist nach Rendsburg, um vom Superintendent

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Struensee die Moral gelesen zu bekom-

men, entfernet worden. So schreibet die freitä- gige Frankfurther kaiserliche Reichs Ober-Post-Amts-Zeitung vom 27sten November, Nummer 189. 1772.

Da steht ja, was wir haben wolten. Hat also der Anfänger der Revolution falsch gespielt;

So ist es gewiß, daß die ganze Revolution falsch unternommen, die Inquisition falsch verfahren, die Beschuldigungen falsch angegeben und das Urteil falsch gefället worden.

Gehabt euch wohl!