Luxdorphs samling af trykkefrihedens skrifter 1770-1773: Række 2 bind 20

Zuverläßige Nachricht

von der

zu Copenhagen

am 17ten Januar 1772.

geschehenen

großen Staatsveränderung

und

Gefangennehmung

einiger

Staatsverbrecher.

Aus dem Dänischen übersetzt.

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Es giebt wenig Monarchien, wo nicht bisweilen Verschwörungen entstanden wären. Man findet unter allen Regierungs-Arten Menschen, welche, mit ihrem gegenwärtigen Schicksale unzufrieden aller möglichen Ausschweifungen fähig sind, um sich entweder von einer Last, die sie drückt, zu befreyen, oder sich in bessere Glücksumstände zu setzen, oder auch sich zu einem Stande empor zu heben, auf welchem sie sich, ihrer niedrigen Geburt wegen, keine Rechnung machen durften. Dies sind insgemein die Bewegungsgründe, welche einen bösen Bürger verleiten, die Waffen wider sein Vaterland und gegen seinen gütigen Monarchen zu ergreifen; und von dieser Art Menschen war Johann Friedrich Struensee und seine Consorten, welche durch ihre bösen Rathschläge die Geschichte Dännemarks mit einer merkwürdigen Nacht bezeichnen wollten; aber der Gott, der in der Höhe wohnet, ließ sie in die Fallstricke fallen, welchen sie einen der liebenswürdigsten Könige geleget hatten.

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Das Haupt dieser schändlichen Rotte war Johann Friedrich Struensee, ein Sohn von Adam Struensee, Königl. Dänischen GeneralSuperintendent. Sein Vater hat auf seine Erziehung und Studien alles Mögliche gewandt: aber er ließ sichs nicht undeutlich merken, daß er zu allen Lastern und wollüstigem Leben sehr geschickt war. Er hat in seiner Jugend die Medicin als Doctor studirt, wovon er aber wenig Begriffe erhalten. Dennoch hatte er das Glück, von den besten König, Christian den VII auf seiner Reise als Reise-Leibmedicus vorgeschlagen zu werden, in welcher Qualität er auch Sr. Majestät begleitete, und hernach das Glück hatte, (obgleich nicht durch seine Geschicklichkeit,) nicht allein beständiger Leib-Medicus zu seyn, sondern auch von einer Ehrenstuffe bis zur andern empor gehoben wurde, bis der König ihn durch eine gewisse Fürsprecherinn 1771 den 23sten Januar in den Grafenstand erhob, und ihn zum geheimen Cabinets und Staats-Minister machte. Aufgeschwollen von schändlichem Hochmuth bewegte er eben angeführte hohe Fürsprecherinn, durch eine Acta das Herzogthum Plön von Sr. Königl. Majestät sich versichern zu lassen, welches aber nicht zum Vorschein kam; da ihm gleich ein besseres einfiel, sich mit dieser Person das ganze Königreich zuzueignen, mit derselben sich zu vermählen, und neben derselben als Protector zu regieren; vorher aber einen von Gott höchstbestätigten theuren Landesvater und König Christian den VII, den theuren und hoffnungsvollen Kronprinzen Friedrich, eine der

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besten Königinnen, Juliana Maria, den liebenswürdigsten Erbprinzen Friedrich und Prinzeßinn Charlotta Amalia, aus der Welt zu schaffen, und so nach mit Feuer und Schwerdt, (fallst sich jemand von den Hohen und Niedern ihm widersetzen würden, ) den Weg zum Königl. Thron, Kron und Zepter zu bahnen.

Verschiedene fürchterliche Anstalten, die einige Wochen vorher von dem abscheulichen Grafen angeordnet wurden, setzten alle Bewohner in- und ausserhalb Copenhagen in Erstaunen, und der eine fürchtete sich vor dem andern, und ein jeder gieng nicht ohne die größte Furcht auf der Strasse, noch des Nachts zu Bette. Er ließ die größten Kanonen aus dem Zeughause auf die Wälle, vor die Wachhäuser und Thore der Stadt aufführen, und scharf mit Eartätschen laden. Die Kanonen auf den Wällen wurden alle Abend, nach geschlagenem Zapfenstrich, gegen die Stadt längs den Gassen gerichtet. Die beyden Königl. Garderegimenter wurden abgedankt. Verschiedene verdienstvolle Minister ihrer Dienste entlassen. Alle Wachen verdoppelt; und noch mehrere Extra-Wachen ausgestellet. Die Soldaten erhielten ein jeder 36 scharfe Patronen, und das Patroulliren war ausserordentlich. Selbst auf dem Schlosse sahe man die Wachen verdoppeln, und scharf geladene Kanonen hinpflanzen; sogar ein jeder, ohne Ansehen der Person, der auf dem Schloße etwas zu thun hatte, und wenn er sprechen wollte, wurde durch 2 Mann Soldaten auf und vom Schloß geführet. Dem

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6 Könige befremdete dieses, und frug Graf Struensee, (denn sonst hatte er niemand bey sich,) wozu diese fürchterlichen Anstalten dienen sollten? Er gab dem Könige zur Antwort: Alles dieses geschähe zur Beschützung des Königs theurer Person: denn alle Unterthanen wären gegen Se. Majestät aufgebracht; dahero fürchtete man, daß es Sr. Majestät eben so ergehen würde, wie es dem unglücklichen Peter dem III. in Rußland. Der König erschrack heftig, wie er dieses hörete, seine Hände zusammenschlug, und ausrief: „Mein Gott! was habe ich den Böses gethan, daß mich meine lieben und getreuen Unterthanen so hassen?,, Dieser Nichtswürdige antwortete dem guten Könige, und wandte Verschiedenes von dem Volke ein, welches ihnen an der Königl. Regierung mißfiele: besonders wegen der ausserordentlichen Steuer, und welches doch vor der Hand nicht konnte abgeholfen werden, daher es den König im Herzen betrübte.

Inzwischen setzte diese Rotte ihre Anschläge immer weiter fort, und verhinderten, unter allerley Vorwendungen, jeden treugesinnten Patrioten den Zutritt zum Könige, und wusten einem jeden redlichen Unterthan niederträchtige, wiewol erdichtete Handlungen anzuhängen, damit der König auch keine Lust bekam, selbige zu sprechen. Wenn denn jemand vor den König mußte, so war derselbe auch gezwungen, seine Sache kurz zu fassen, und nach

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erhaltener Antwort sich sogleich zu entfernen; zuletzt mußte ein jeder sein Anbringen schriftlich eingeben, und erhielte auch schriftliche Antwort. Alles mußte an Graf Struensee abgegeben werden, und was ihm gut deuchtete, sagte er dem Könige; sogar erhielt der König alle Briefe entsiegelt. Graf Struensee und Brand waren stets gegenwärtig. Ersterer war schon beym Könige, ehe er ausgeschlafen, und gieng auch nicht eher von ihm, als bis er zur Ruhe war: indessen Graf Brand sich stets im Vorgemach aufhielte; und wenn ja einer oder der andere Geschäfte halber den Rücken wenden mußte, so wurde in des Königs Namen der Wache und den Bedienten befohlen, daß Hey höchster Ungnade des Königes sich keiner dem Zimmer näherte, denn Se. Königl. Majestät wären unpaß, und hätten sich zur Ruhe begeben. Sobald hatten sie ihre Sachen verrichtet, um wieder zeitig beym Könige zu styn, so hatte der König auch ausgeruhet. Wollte der König ausfahren oder reiten, und es war Graf Struensee und Brand nicht gelegen, so wußten sie den König durch ihre listigen Handgriffe unter allerley Vorwand schädliche Medicamente beyzubringen, darauf er sich nothwendig übel befinden mußte, und gerne zu Hause blieb und das Bette hütete. Und dieses Mediciniren hat auch würklich des Königs Gesundheit um vieles ruiniret. Fuhr oder ritte der König aus, so war Graf Struensee und Brand jedesmal bey ihm, und eine starke Escorte hatte den König umringet, da

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mit keiner hinzu konnte. Solches, und noch verschiedene andere Dinge, trieben sie so lange, bis sie endlich nach zwo zu ihrem Vorhaben fehlgeschlagenen Nächten, die Nacht vom 16ten auf den 17ten Januar zu ihrer schwarzen That erkohren, und wovon einige Herren schon zu ihrer Unterstützung informiret waren, bis auf den Herrn Generalmajoc von Eichstedt und den Herrn Obersten von Röller. Ersterer wurde den 14 Januar, des Mittags, zur Königs-Tafel geladen, und fand sich auch wirklich ein. Nach aufgehobener Tafel wurde er vom Grafen Struensee in ein Zimmer gerufen, der ihm, in Beyseyn einer hohen Person, den ganzen Plan vorlegte, ihm solchen verständigte, und ihn und sein Regiment zum Beystand aufforderte; wie auch, daß er den Herrn Obersten Röller im Namen der hohen Person, und im Namen seiner, denselben Befehl und Plan ertheilen sollte, damit er sich auch mit seinem Regimente zu bestimmter Zeit parat halten könnte, um, wenn an den König die letzte Hand gelegt wäre, und daß alle Einwohner von und ausserhalb Copenhagen der itzigen regierenden Königin, Carolina Mathilda, und ihm, den Grafen Struensee, nicht sogleich huldigen wollten, oder eine Empörung erregten, ihnen mit gewaffneter Hand beystehen sollten, wozu vorhin beregte Anstalten schon abzweckten, und worüber die andern Officiers nähere Verhaltungsbefehle erhalten würden. Dabey wurde ihm, dem Herrn General-Major von Eichstedt, anbefohlen, nicht eher vom Schlosse zu gehen, als

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bis er die Ordre dazu erhielte. Dieser brave Officier mußte versprechen, diese Befehle ganz genau zu beobachten, und that es auch unter dem Schein der größten Treue. Der Graf Struensee war darüber schon zum voraus vergnügt, und glaubte, sich schon auf des Königes Thron zu sehen.

Am 16ten Januar, des Abends, war Ball masque en Domino in dem französischen Comödienhause, in währender Zeit der General-Ma- von Eichstedt die Befehle erhielte, nach seinem Quartiere zu fahren, und die nöthigen Ordres zu ertheilen; so bald war er in sein Quartier angelanget, und in sein Zimmer getreten, schickte er alle seine Bediente von sich, wechselte in aller Stille seine Kleidung, und schlich sich heimlich aus seinem Hause nach dem verdienstvollesten Herrn Reichsgrafen von Ranzau zu Aschberg, und erzählte ihm mit der größten Bestürzung, den ganzen Anschlag; dieser in der größten Gefahr standhafte Herr, eilte sogleich mit dem Generalmajor von Eichstedt, zu der verwittweten Königinn Juliana Maria, und des Erbprinzen Frie- drichs Königl. Hoheit, zugleich wurde auch zu dem Obersten Röller geschickt, dessen Regiment denselben Tag die Wache auf dem Schlosse hatte, wie auch nach dem geheimen Rath, Graf von der Osten, und entdeckte diesen hohen Personen dies abscheuliche Vorhaben, worüber Höchstdieselben in die größte Bestürzung geriethen, und in Thränen ausbrachen. Da dann obberegter Herr

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10 Graf zu Ranzau diesen Personen Muth einsprach, Papier, Tinte und Feder forderte, und schrieb die benöthigten Ordres, die sich auf die bevorstehende Veränderung bezogen. Sobald selbige fertig, ermahnte er sie, mit nach dem Könige zu gehen, der so eben von dem Ball gekommen war, und sich schon im Bette befand. Als die ver- wittwete Königin Juliana Maria, der Erbprinz Friedrich, der Herr geheime Rath, Graf von Ranzau, der Herr geheime Rath, Graf von der Osten, der Herr General-Major von Eichstedt, und der Herr Oberste Köller, unangemeldet ins Königl, Zimmer traten; damit schlug der König den Vorhang von seinem Bette weg, und sagte: „Mein Gott! was wollen sie?,, Darauf antwortete die Königin Juliana Maria, mit weinender Stimme, dem König: „Ihro Majestät, Mein Sohn, fürchten Sie sich nicht, wir kommen nicht als Feinde, sondern als Freun- de, Sie, Uns, und das ganze Land zu erretten, und mit göttlicher Hülfe und Beystand die angedrohete Gefahr abzuwenden.“ Hierauf schwamm sie in Thränen. Und der Erbprinz Friedrich Königl. Hoheit, und der Herr Graf zu Ranzau, faßten das Wort, und erzähIeten den ganzen Plan. Letzterer griff in die Tasche, und zog die ausgefertigten Ordres hervor, und legte selbige dem Könige zur Unterschrift dar. Worauf der König ausrief und sagte: „Mein Gott! dies wird ganze Ströme von Blut kosten.„ Der Herr Graf zu Ranzau erwiederte

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dem Könige, und sagte: „Ihro Majestät seyn nur getrostes Muthes, ich nehme un- ter dem Beystand des Höchsten alle Ge- fahr auf mich, und werde so viel als mög- lich alle Gefahr Vorbeugen & c.“ Worauf alle Hohe Anwesende dm König ermahnten, ohne Zeitverlust die Ordres zu unterschreiben, welche der Erbprinz Friedrich, Königl. Hoheit, mit unterzeichnete.

Alle die benöthigten Ordres waren nun fertig, und wurden ausgetheilet, und zur Bewürkung verschiedene Officier vom Eichstedtschen und Köl- lörschen Regimente befehliget; so war nun noch eine Ordre nöthig, um eine hohe Person in Sicherheit zu bringen, welche man Seiner Majestät, dem Könige, überließ, selbst eigenhändig auszufertigen, welche der Monarch mit der innigsten Betrübniß von sich stellete, und die Ausführung desselben dem Herrn Reichsgrafen zu Ranzau auftrug. In währender Zeit der General-Major von Gude, bisheriger Commendant von Copenhagen, abgesetzt wurde, an dessen Stelle der Gegeral-Major Eichstedt, Chef des hier garnisonirenden Seeländischen Dragonerregiments, zum Commendanten ernannt, und ihm anbefohlen, alle dermalen nöthige Anstalten zu treffen, welches dann auch dieser Herr unverzüglich an der Spitze eines Detaschements seiner Dragoner allen wachthabenden Officiers kund that, und zugleich alle Wachen auf dem Schloß verstärken ließ, wie auch alle Hauptthüren und Zugänge mit Wachen versehen, besonders für des Königs, Zim-

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12 mer. Gleich darauf wurden der Graf Struensee und sein Bruder, der Justitz-Rach, der Graf Brandt, der General Gude mit seiner Gemahlinn, der General Gähler mit seiner Gemahlinn, arretirt, und jeder besonders nach und auf die Citadelle gebracht. Die Generalinn von Gählern wurde von jeden, der diese rechtschaffene Dame kennet, bedauret; selbige ist, da sie unschuldig befunden, wieder auf freyen Fuß gestellet. Ingleichen der bisherige Leibmedicus, Professer Berger, (der keinesweges mit dem Leibmedicus, den redlichen Etatsrath von Berger, verwechsel werden muß, welcher aus selbst eigener Bewegung schon vor langer Zeit vom Könige seine Dimißion genommen hatte,) der Oberste Falkenschiold, und OberstLieutenant von Haßelberg, wurden auf der Hauptwache gesetzt, wo ihnen nach Verlauf von etlichen Tagen einfiel, zu desertiren, darauf sie alle beyde nach dem Schiffsholm gebracht wurden, da sie in besserer Verwahrung sitzen; und den 20. Januar ist der Legationsrath und Postdirector Sturtz ebenfalls auf die Wache gesetzt worden. Der Stallmeister, Baron von Bülow, Contre-Admiral Hansen, Etatsrath Willebrand, Lieutenant Aboe, und drey Secretair im Cabinet, bekamen Arrest im Hause, und sogleich wurden alle Papiere der Gefangenen versiegelt.

Der Herr Reichsgraf zu Ranzau, und der geheimde Rath, Graf von der Osten, und eine Wache gingen mit der Ordre unangemeldet zu dem

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Zimmer dieser hohen Person, welche bereits auch schon im Bette lag; der Herr Graf zu Ranzau trat herein, sie schlug den Vorhang ihres Bettes zurück, und frug, wer ist da? Ha! Monsieur Ranzau, sind sie da? wie ists, lebt der K— noch? Wo ist Graf Struensee und Brand? Der Graf that, als hörte er es nicht, sondern übergab im Namen Sr. Königl. Majestät die bey sich habende Ordre, und kündigte ihr den Arrest an. Sie fuhr auf, und sagte: mich zu arretiren, das soll ihm seinen Kopf kosten. Wo ist von der Osten? Der Graf antwortete: im Vorgemach. Worauf sie antwortete: der Verräther. Sie frug nochmalen nach Graf Struensee und Brand; so sagte der Graf: sie sitzen schon in sicherer Verwahrung auf der Citadelle, und wiederholte seinen ersten Antrag im Namen des Königs. Darauf wurde sie erboßt, sprang aus dem Bette, und lief im Zimmer auf und nieder, indessen der Graf den Hut vor die Augen hielte, und sie zum Ankleiden ermahnete, oder er wäre gezwungen, sie ankleiden zu lassen. Darauf griff sie ihm ins Tuppee; da rüste er ein Paar Dames herein, wovon die eine ihr einen Rock anlegte; sie griff selbsten nach einer Saluppe, und eilte zu einer verborgenen Treppe, um zu entfliehen. Auch diese war schon mit Wache besetzt, und muste wieder zurück; da fiel sie als ganz entkräftet, aufs Canapee. Der Graf ließ ihr Zeit gewinnen, um sich zu erholen; indessen der Graf sie von Zeit zu Zeit ermahnete, mitzugehen; so bat sie denn, das man ihr die Pr— mitge-

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ben möchte. Selbige wurde auch sogleich ange- kleidet. Darauf sagte der Graf: Nun Madame, gehen sie, eilen sie, geschwind, geschwind, und faßte sie bey der Hand, seinen Huth unterm Arm, und in der andern Hand den entblößten Degen, und führete sie bis an den Wagen, wo sie noch zu ihm sagte: Dies würde ihm seinen Kopf kosten. Darauf rief der Graf aus: Ich liebe Gott, und bin meinem Könige getreu! Adjeu, Madame. Die Fräulein Moesting saß im Wagen neben ihr mit der kleinen Pr—, und der Major Carstenschiold mit entblößtem Degen; und so wurde sie unter einer Escorte von 30 Dragonern nach Cronenburg begleitet. In denen ersten Tagen hat sie, ausser ein Paar Schaalen Choccolade nichts gegessen und getrunken, bis sie in Thränen ausgebrochen, und eins ums andere ausrief: Ach! du unglückseliges Kind, ach! ich unglückselige Mutter, und in solchem Zustande lebt sie in der untersten Etage des Schlosses, deren Fenster mit starken eisernen Stangen versehen sind.

Bey der Arretirung dès Grafen Struensee ist folgendes zu merken: Daß, wie ihm der Oberste Köller den Arrest ankündigte, und ihm die Königl.Ordre vorzeigte, Zeit zu gewinnen suchte, und nicht glauben wollte, daß der König sie selbsten unterschrieben habe, der Oberste zu ihm sagte, daß es wirklich wäre, allenfals haftete er mit seinem Leben dafür: kurzum, er wollte sich nicht geben. Da setzte der O- berste ihm den Degen auf die Brust, und sagte ihm, er habe Befehl, ihn entweder todt, oder lebendig zu

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15 bringen; darauf fällt er aufs Canapee in Ohnmacht nieder, sie bringen ihn wieder zurecht, da bittet er denn, er wolle noch gerne eine Schaale Schoccolade trinken, es wird ihm abgeschlagen, er bittet um seine Etui, auch diese wird ihm vorenthalten. Der Oberste ermahnet ihn zu eilen, und fortzumachen, ehe es Tag würde, sonst wäre es unmöglich, ihn vor der Wuth des Pöbels zu beschützen; die Hände, so bald er aus seinem Zimmer kam, band man ihm, im Weggehen fluchte er auf seinen Cammerdiener, daß er ihm nicht einen Pelz mitgegeben, er wurde also in einer Mietkutsche unter einer Bede- ckung von Dragonern nach der Citadelle gebracht; wie er aus der Kutsche stieg, so sorgte er noch vor den Kutscher, und bath, man möchte ihm bezahlen, oder ihm ein Trinkgeld geben. Der Oberste Köller gab ihm einen Thaler, den er zwar nahm, aber auf sein gut Dänisch sagte: ich hätte es auch wohl umsonst gethan. Hierauf wurde er zum Commendanten der Citadelle gebracht, um gemeldet zu werden.@Wie der Graf bey ihm ankam, fluchte er heftig, der Commendant gebot ihm stille zu seyn. Sobald Graf Struensee auf der Citadelle, in das ihm bestimmte Logis gebracht wurde, und welches eben das ist, was der bekannte Norcros so lange bewohnet, frug er — wo sind meine Bediente? Der wachthabende Officier antwortete: Ich habe es nicht gesehen, daß ihnen welche gefolget sind. — Mein Secretair? Der ist auch nicht hier. Mein Pelz! Es ist hier kalt, beym Teufel, ich will nicht frieren, ich wil ein anderes Zimmer haben. Er fand daselbst ei-

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16 nen schlechten hölzernen Stuhl, und sagte, was soll dieser Stuhl? gebt mir meinen Sopha! — Alles dieses beantwortete der wachthabende Officier hiemit : — Mein Herr! hie ist nichts zu ihren Diensten, als mit Permission, ein Kammergeschirr. — Durch diese Antwort ward er in die äußerste Wuth gesetzt, so, daß er sich beyde Arme zusammen faßte, und mit dem Kopf gegen die Wand und das Gegitter lief, in der Absicht, seine Hirnschale zu zerschmettern, und fluchte erstaunlich, aber die Wache lief eilends herzu, und verhinderte solches durch einige Rippenstösse; sein Betragen wurde gleich gemeldet, worauf er sogleich mitten in der Stube mit Händen und Füssen an den Fußboden sitzend angeschlossen wurde, und so, daß er sich nicht schaden kann. Zugleich wurden die Fenster des Gefängnisses quer mit Latten benagelt, da sagte er, man tractiere ihn ja als eine Canaille. In diesem Zustand regte sich sein böses Gewissen, und stellete sich, als wenn er heftiges Zahnweh hätte, und bat, man möchte doch nach seinem ehemaligen Cabinet jemand hinsenden, sie würden allda vor dem Fenster in ein Papier liegend ein Zahnpulver vorfinden, solches möchten sie ihm doch holen lassen, um die Schmerzen zu stillen. Es wurde auch hingeschickt, und man fand es; der Etats-Rath und Leib Medicus von Berger mußte es sogleich untersuchen, und befand, daß es ein starkes Gift war, daher ihm dieses so wenig, als ein anderes Zahnpulver gegeben wurde; darnach legte er es aufs Hungern, und wollte weder Speise noch Trank genießen. Ein

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paarmal liessen sie ihm seinen Willen, darnach kam Befehl, er sollte essen und trinken, falls er nicht mit Gutem wollte, so sollten sie ihn so lange prügeln bis daß er Appetit bekäme. Ihm wird weder Löffel, noch Messer Und Gabel in die Hand ge- gegeben, die wachthabenden Soldaten schneiden ihm das Essen zurecht, und bringen es ihm in den Mund. In diesem Zustande hat er einige Tage gesessen, da er den anlobte, sich besser auf- zuführen man möchte doch ihn um Gnade bitten; so ist solches auch erhöret worden, und darauf an Händen und Füssen kreutzweise geschlossen, und eine an der Wand befestigte drey Ellen lange Kette an das Bein gelegt, und ihm ein Stück Bette gegeben, worauf er liegen kann. Ueberhaupt genommen, so ist er in einem Gefängniß, wo die ärgsten Missethäter aufbewahret werden, und trägt auch Kleidung, wie ein Missethäter; er trägt eine blaue friesene Jacke ohne Knöpfe, und alle andere Knöpfe, so er noch an seiner übrigen Kleidung getragen, sind abgeschnitten, weil er ein Paar davon abgedrehet und verschlucket hat. Schuh- und BeinSchnallen sind ihm abgenommen worden, auch trägt er itzt eine eiserne Haube, damit er seinen Kopf nicht zerstossen kann, Nachgehends ist die Etui, warum er so sehr gebeten, daß man ihm solche geben möchte, visitiret worden; man hat in selbiger drey kleine Kügelchen gefunden, der Herr Etatsrath und Leib-Medicus von Berger hat selbige untersucht, und befunden, daß ihre Beschaffenheit rin langsam würkendes Gift sey, womit dieser Böse-

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wicht schon an einer hohen Person Gebrauch gemacht hat. Noch eine Anecdote von dem Grafen Struensee: Wie er ohngefehr vor einem Jahre in Copenhagen auf der Strasse gieng, begegnete ihm ein Sclave in Ketten; der Sclave bat ihn um ein Allmosen, und zugleich um des Königs Gnade für ihn zu erflehen, daß er aus diesem Zustande erlöset würde. Der Graf gab ihm ein Almosen, und sagte dabey: Du trägest wohl um deiner Tugend willen diese Ketten nicht. Nach diesem erlangte der Sclave seine Freyheit, und wurde Schliesser auf der Citadelle. Da es sich nun fügte, daß eben dieser dem Grafen die Ketten anlegte, so sagte er: Ihro Excellenz um ihrer Tugend willen lege ich sie die Ketten nicht an.

Wegen den Grafen Brand ist folgendes zu merken: Wie der Officier mit der Wache kam, ihn zu arretiren, so verschloß er sich in seinem Zimmer. Der Officier sagte: Er sollte aufmachen, er sollte sich betragen als ein vernünftiger Mann, denn es würde ihm zu nichts helfen, widrigenfals er die Thür erbrechen müste. Endlich machte er die Thüre auf, und in der Hand hielt er seinen Degen, um sich zu vertheidigen, worauf sie ihn aber sogleich anfielen; er warf hierauf den Degen von sich, suchte sich von ihnen los zu machen, und sagte: Meine Herren, Sie gehen unrecht, ich bin ein StaatsMinister, ich weiß nicht, daß ich etwas verbrochen habe, worüber man mich arretiren kann. Der Officier zeigte ihm auf der Ordre seinen Vornamen, und sagte: Er gienge gar recht, er sollte

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nur mitgehen, das übrige würde sich schon finden; und so wurde er nach der Citadelle gebracht.

Der Graf Brand, nachdem er auf die Citadelle in des Herrn Commendanten, des General von Hoven Behausung abgetreten war, complimentirte der Graf den Commendanten folgender-

gestalt: Mein Herr, Sie nehmen es nicht übel, daß ich Sie so früh incommodire. Der Commendant antwortete: Gar nicht, mein Herr, man hat Ihnen hier schon längstens erwartet. Darauf gieng er das Zimmer auf und nieder, sahe sich allenthalben um, sang eine italiänische Arie, und sagte darauf: Hier sind, bey meiner Sele! schöne Zimmer im Casteel. Der Commendant antwortete: Ja, mein Herr, Sie werden sie aber noch besser bekommen. Ihm ward hierauf sein Logis angewiesen, welches aber ziemlich dunkel war: dieses machte ihn aber doch nicht verzagt, sondern er sagte noch — bey meiner Treu, der Commendant hat wahr gesagt. Er ist immer vergnügt, und spielt die Flöte: er sparet von seinen 24 Schillingen, die er täglich erhält, sechs, welche, wie er sagt, sein künftiger Henkersknecht zum Trankgelde haben soll. Auch bedienet er sich öfters diesen Ausdrucks: Einem kleinen Geist kommt es zu, sich durch Kleinigkeiten demüthigen zu lassen, aber ein grosser hebet sein Haupt weit über sein Schicksal empor.

Der Graf Brand ist wenige Tage vor der Revolution von einem Freunde durch ein Schreiben gewarnet, und das Schicksal, welches ihn treffen

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würde, wenn er die verderblichen Anschläge be- folgete, vorher gesagt, und klärlich vor Augen gestellet worden.

Diese Arretirung der vorhin benannten Personen geschahe in oben erwehnter Nacht, und zwar des Morgens zwischen 3 und 6 Uhr, da alle Personen eben vom Ball gekommen waren und sich zu Bette geleget hatten. Die Stadt-Thore waren geschloffen, da sie seit vorigem Früh-Jahre nur gesperrt gewesen. Durch das häufige Fahren und Reiten war alles Volk rege und aufmerksam gemacht, doch getrauete sich keiner vor Tage aus dem Hause zu gehen; endlich wimmelten die Strassen von Menschen, und ein wildes Schrecken hatte sich auf aller Gesichter verbreitet. In der ängstlichen Meynung, als wenn dem Könige etwas zu- gestossen wäre, eilete alles nach dem Schloßplatze hin, welcher auch in kurzer Zeit ganz von Menschen angefüllet war. Darauf ließ sich der König, die Königinn Juliana Maria, und der Erbprinz Friedrich Königliche Hoheit, auf dem Balcon des Schlosses sehen; worauf alles Volk mit der grössesten Freude, Vivat! lange lebe König Christian der VII. und die Königinn Juliana Maria, und der Königliche Erbprinz Friedrich, ausrief: und von diesem frohen Jubel ertönete die ganze Stadt, und alles Misvergnügen, Angst und Traurigkeit verschwand auf einmal, und einer wünschte dem andern in den freudigsten Ausdrücken Glück, da sie ihren huldreichsten Monarchen erblickt hatten. Das Frohlocken der Einwoh

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21 ner bey der Thronbesteigung, Vermählung und Krönung des Königs kam mit demjenigen, was bey diesem Vorfall beständig fort daurete, nichr in Vergleichung: denn ein jeder war nunmehro überzeugt, daß Gott die so große und augenscheinliche Gefahr gnädiglich abgewendet hatte. Um 12 Uhr des Mittags fuhr der König und der Erb-Prinz Friederich Königliche Hoheit in einem mit sechs weissen Pferden bespannten offenen Wagen, und hinten her in einem andern der Königl. Kronprinz. Die Strassen, wodurch Höchstdieselben fuhren, waren so voll von Menschen, daß die Pferde nicht ziehen durften, die Menge Volks hob und trug den Wagen gleichsam fort, wobey das freudigste Ju- belgeschrey ohn Ende war. Hernach war Cour bey Hofe, und des Mittags wurde öffentlich ge- speiset. Die beydèn Garde-Regimenter sind wieder hergestellet. Die Leute, so unter der Fußgarde gedienet hatten, und caßiret warm, fanden sich eiligst mit und ohne Montirung so wie sie selbige noch hatten und wie sie giengen und stunden, wieder ein, welche auch desselben Tages, auf Verlangen, noch die Wache bezogen, und die Köllerschen Dragoner, so 48. Stunden auf der Wache gewesen waren, nachgehends ablöseten.

Des Abends war die ganze Stadt aufs prächtigste erleuchtet, und die Königlichen Personen fuhren nach der französischen Comödie, allwo bey dem Eintritt Allerhöchst dieselben mit einem frohen Händeklatschen und Vivatrufen empfangen wurden. Die Nacht darauf spolirte das Volk an die 60.

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22 berüchtigte Häuser, worunter das ehemalige Gräf- lich-Schulinische Haus mit begriffen war, welches Gabel auf Anrathen des Grafen Struensee gekauft und zu einem öffentlichen Hurenhaufe einrichten mufte, wozu der Graf Struensee ihm das Geld vorgeschossen hatte.

Des andern Tages wollte das Volk von neuem wieder anfangen; allein Se. Majestät, der König, liessen durch öffentlichen Trommelschlag und Trompetenschall bekannt machen: Daß, wie sehr Sie auch übrigens mit dem Betragen Ihrer geliebten Unterthanen zufrieden wären. Sie dennoch mit dem äussersten Misvergnügen die in der verwichenen Nacht begangenen Unordnungen vernommen hätten, und daher alle Ausschweifungen bey Lebensstrafe verböten. Kaum war es möglich, der freudigen Wuth des Pöbels Schranken zu setzen. Das Volk wollte es nicht glauben, daß es Königlicher Befehl sey, verlangte daher ihn schriftlich zu sehen; er wurde ihm gezeigt, küßte denselben, und ward sogleich ruhig. Das Volk hätte auch gerne den prächtigen Staatswagen, so Graf Struensee für sich verfertigen lassen, welcher über 6000 Rthlr. gekostet, in ihre Gewalt gehabt, derselbe stand aber unter des Königs Schlosse.

Die Avancements bey diesem Vorfalle sind folgende: Die Generalin Numsen ist Oberhofmeisterin bey dem Kronprinzen; der General-Lieutenant Graf zu Ranzau von Aschberg, erhielte das blaue Band oder Ritter vom Elephanten, wie

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23 auch General von der Infanterie; der Generalmajor von Eichstedt ward zum Ritter von Dannebrog, General von der Cavallerie und Commendant in Copenhagen, wie auch zum Mitgliede im General- und Commissariats-Collegio erkläret; der Oberste Köller zum Ritter vom Dannebrog, Generaliieutenant und des Königs OberGeneral-Adjutanten, imgleichen die Herren Officiers seines Regiments, welche allesamt bey dieser Revolution gebraucht worden, sind um einen Grad höher avanciret. Da auch der nunmehrige Herr Generallieutenant Köller den Wunsch, unter dem Dänischen Adel ausgenommen zu werden, äusserte, ob er gleich aus einer sehr guten pommerschen Familie ist, so hat er das Naturalisations-Patent unter dem Namen Köller-Ban erhalten, und ist ein Mitglied im Gen. und Commiss. Collegio worden. Der General-KriegsCommissair erhielte den Kammerherrn-Schlüssel, ist aber nach Verlauf von einigen Tagen nach seinem Guth Wordingborg verwiesen. Der Ge- nerallieutenant Huth ist zum General von der Infanterie avanciret. Der Major Carstenschiöld ist Obrist-Lieutenant geworden. Hingegen ist dem Kammerherrn und Jägermeister von Lersner anbefohlen, innerhalb dreymal 24 Stunden die Stadt und das Land zu räumen, auch sich niemalen wieder darin betreten zu lassen. Der Lieutenant Struensee hat ebenfalls, nach ausgezahlter Summe von 220 Rthl., seinen Reise-Abschied erhalten, mit dem Befehl, die Dänischen Provin

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24 zen zu rüumen. Ein gleiches Schicksal hatte auch der Capitain Duval vom nordischen Leibregiment; er bewies aber seine Unschuld, und ward daher als Capitain beym Bornholmischen Regiment placiret. Dem Etatsrath Reverdil sind 1000 Rthl. ausgezahlet worden, um nach der Schweiz, als seiner Heymath zu reisen. Der König ließ am dritten Sonntage nach Epiphanias mailen Kirchen ein Dank-Fest halten, um den Könige aller Könige fur die wunderbare Errettung und Erhaltung des Königlichen Hauses, und Dero Reiche und Lande, ein schuldiges Dankopfer zu bringen.

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Entdeckung

der wahren Absichten

des

Staatssystems

der Dänischen Regierung

enthaltend

die wahren Ursachen der letztern

Revolution zu Copenhagen.

Auf glaubwürdige Schriften gegründet von

Christian Adolph Rothes

vormaligen Conferenzrath und Cabinetssekretär seiner Majestät Christian des Siebenden und Oberassessor des höchsten Raths zu Altona,

ursprünglich französisch zu Hamburg herausgegeben.

Quis talia fando Temperet a lacrymis. VIRGIL

1772

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Entdeckung

der wahren Absichten,

des Staatsystems der Dänischen Regierung.

Kaum hatte Friedrich der Fünfte,

glorreicher Gedächtniß, die Augen geschlossen, als die verwittwete Königin Juliana Maria, eine hochmüthige, ehrgeitzige, Ränke- und Verstellungsvolle Fürstin, den ungerechten und verwegenen Entschluß faßte, den Scepter denen schwachen Händen Christians des Siebenden zu entreissen, dessen Jugend und Blödigkeit die verderblichen Anschläge dieser arglistigen Stiefmutter anfeuerten. Sie hatte schon verschiedenemale selbst bey Lebzeiten des hochseligen Königs ihres Gemahls, ihren Haß und Widerwillen ge-

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4 gen den Kronprinzen ausbrechen lassen, als gegen das einzige Hinderniß, welches ihren eignen Sohn Friedrich, den Weg zum Thron versperrete, auf welchen ihn zu heben, sie sich eifrigst bemühete. Es sey nun Furcht oder Staatsklugheit von Christian den Siebenden der in seinem siebenzehnten Jahre zur Krone gelanget, so bezeigte er doch seiner Stiefmutter, ohn- geachter ihrer Verachtung gegen ihn, alle Ergebenheit, welche ihr Rang und ihr Ansehen im Staatsrath zu erfordern schie- nen. Das einzigemal wo er Standhaftigkeit bezeigte und sich ihrer Meinung muthig widerfetzte, war in der Wahl der Englischen Prinzeßin Mathilde, welche Verbindung so wenig, als die dazu angesetze Zeit die verwittwete Königin genehmigte. Der schwache und zarte Körper des jungen Monarchen, der durch den Aufschub dieser Heirath leicht ohne Nach-

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5 kommenschaft sterben könnte, war der geheime Bewegungsgrund ihres Widerstrebens. Sie fürchtete überdem durch die junge Königin das Ansehen zu verlieren, welches sie über den Geist des Königs sich angemaßet hatte, und die Macht, die sie im Staatsrath zu behaupten entschlossen war. Sie konnte ihren Widerwillen nicht verbergen als die Königin Mathildis in Kopenhagen ankam, und in dieser Residenz mit allen Vorzügen der Jugend und Schönheit unter den einmü- thigen Frohlocken eines Volkes erschien, das von ihrer Annehmlichkeit und Leutseligkeit bezaubert war.

Weder die Gefälligkeit dieser liebenswürdigen Fürstin, noch ihre reizende Bildung, noch die Achtung und Aufmerk- samkeit, welche sie der verwittweten Kö- nigin bezeigte, waren fähig diesen hoch-

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müthigen und rachsüchtigen Geist zu be- sänftigen. Sie stattete der jungen Kö- nigin keine andere Besuche ab, als die das Etiquet und der Wohlstand forderten. Sie begegnete ihr stets mit einem schimpf- lichen Uebermuth, suchte sie wegen ihrer Jugend und wenigen Erfahrung zu ver- achten, und kränkte sie durch beleidigende Urtheile über ihre Nation. So Viele schlechte Begegnungen und wiederhohlte Beleidigungen, bey denen der König gleichgültig schien, machten in dem Her- zen der Königin Mathilde einen widri- gen Eindruck gegen ihren Gemahl, und Abscheu gegen die herrschsüchtige Wittwe. Listig beredete diese den neuvermählten König, seiner Gemahlin und Staaten einer gefährlichen Cabale, welche sie bereits ge- schmiedet hatte, zu überlassen, unter dem Vorwand seinen Geist mit nützlichen Kenntnissen zu schmücken, und seine Ein-

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7 sichten durch Reisen und Beobachtungen an den vornehmsten Höfen von Europa auszubreiten. Sie hoffte seine Abwesen- heit sollte ihre beyderseitige Liebe gänzlich auslöschen; während der Trennung wür- den keine Erben zu hoffen seyn, und die junge so vernachläßigte Königin könnte leicht einen unbedachtsamen Schritt thun, dessen sie sich geschickt bedienen wolte, ihre Aufführung zu tadeln und ihre Tugend in Verdacht zu bringen. Mathil- dens Lebhaftigkeit, Munterkeit und freyes Betragen unter einer phlegmatischen, zurückhaltenden Nation, dienten den Absichten ihrer Feindin zu glücklichen Vorzeichen. Den Grafen von Bernstorff ausgenommen, (einen großen Staatsmann, den Christian der Siebende in seinen Diensten behalten hatte, und der verwittwete Königin gezwungen, feine Tugend die sie nicht bestechen konnte, zu fürch

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8 ten) waren fast alle Herren die mit dem König reiseten, junge Weibische Wollüst- linge, die sich in die Wette bemüheten die Aufsicht über die kleinen Ausgaben eines Herrn zu haben, der mehr den Ehrgeitz besaß von Frauenzimmer ge- liebt zu scheinen, als er geschickt war sich bey demselben beliebt zu machen.

Die junge Königin wurde eines unbe- dachtsamen Monarchen überdrüßig, der niemals ihr Vertrauen und ihre Hochachtung zu verdienen sich bemühte, und sich ihrer Zärtlichkeit durch seine kleinen Liebeshändel in London und Paris unwürdig machte. Fremd in der Hauptstadt ihrer Staaten, suchte sie sich für den Zwang und die Langeweile eines traurigen und fast leeren Hofes, durch Zeitvertreibe schadloß zu halten, welche von einer eifersüchtigen Aufseherin nicht als mit der

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Würde einer Königin, noch mit der Schamhaftigkeit eines Frauenzimmers bestehend, abgemahlt wurden. Mathildis kleidete sich bey ihren öftern Spatzier- reiten und auf der Jagd als Amazone, diß ärgerte die ganze Geistlichkeit, und weil sie vertraulich mit denen umgieng die bey diesen Parthien in ihrem Gefolge waren; so beklagte die fromme liebesvolle Juliana Maria mit ihren Vertrauten, die Unbedachtsamkeit der jungen Fürstin, welche dadurch ihren Rang verächtlich machte und ihren guten Namen befleckte. Alle Moden und Gebräuche, welche die junge Königin zu Kopenhagen eingeführet hatte, waren dem Tadel der Königin Wittwe als sonderbar, ungeziemend und lächerlich ausgesetzt. Sie ließ sogar dem König während seines Aufenthalts in England und Frankreich heimlich wissen, seine Gemahlin stünde mit einigen

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10 ihrer Günstlinge in gar zu genauer Verbindung, und der Fürst hatte die Schwachheit diese verläumderische Beschuldigungen zu glauben, anstatt die Erfinderin derselben zu bestrafen.

Ohngeachtet der hohe Englische Adel durch Anrichtung der prächtigsten Feste@und kostbarsten Mahlzeiten, für den König von Dännemark, dem Französischen zum Beyspiel, gedient hatte; so bezeigte er doch viel Partheylichkeit und gab dem letztern Hofe einen offenbaren Vorzug. Er schenkte dem ältesten Sohn des Her- zog von Duras ein Regiment Dänischer Reuter: Seine Gemahlin sagte deswegen „er sey ein guter Franzose, aber ein „schlechter Staatsmann." Dieser Einfall wurde ihm durch die Kundschafter der verwittweten Königin mit vielen Vergrößerungen wieder gesagt.

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11 Der junge König kam ungerechter Weise wider seine Gemahlin eingenommen, in seine Staaten zurück, anstatt ihr also seine Freude, sie wieder zu sehen, blicken zu lassen, brachte er sie durch Gleichgültigkeit und Kaltsinn gegen sich auf. Die Königin Wittwe nahm den Schein der lebhaftesten und aufrichtigsten Freude an, sie wünschte ihm Glück im Namen aller rechtschaffenen Dänischen Patrioten, die sich während seiner Abwesenheit auf ihre Landgüter begeben hätten, um sich den Beschimpfungen der Günstlinge der jungen Königin zu entziehen. Alle diese falsche, boshafte Vorspiegelungen, entfernten den König immer mehr und mehr von seiner liebenswürdigen unschuldigen Gemahlin, die sich dagegen mit Ausspähern umgeben sah, welche den schwarzern Entwürfen eines Ränkevollen treulosen Weibes gewidmet waren. Bemüth den

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12 Staatsrath des Königs allein zu regieren, um dessen Macht zu vernichten, sahe sie mit eifersüchtigen Augen die große Gnade, die der Graf von Holke genoß, und das Vertrauen, womit der König seine Reise- gefährten beehrte, an. Durch geheime Triebfedern brachte sie die Grafen Holke, Moltke, Thott, Reventlau, die Freyherrn von Schimmelmann und von Bülow, und den Herrn von Rosenkranz, in Ungnade, sie wurden auf ihre Landgüter verwiesen, und gezwungen, ihre Bedienungen ohne Gnadengehalt niederzulegen, zur größesten Verwunderung der Nation, welcher niemals die Ursachen einer so unerwarteten Veränderung bekannt gemacht sind. Unter diesen Umständen verließ der Rußische Minister, der General Phi- losophow, den Hof, ohne Abschied zu nehmen. Man schrieb alle diese Veränderungen dem Vorzug zu, welchen Frank

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13 reichs Rathschläge hätten; auch ist die verwittwete Königin, würklich diesem Hofe gänzlich ergeben, Und sie begegnet dem Minister desselben mit den schmeichelhaftesten Vorzügen.

Der Staatssecretär, Graf von Bern- storf, den der vorige König und die ganze Nation verehreten, dessen durchdringender Verstand, dessen Geschicklichkeit und Erfahrung in den Geschäfften bishieher über die kleinen Kunstgriffe und Anschläge der verwittweten Königin gesieget hatte, erhielt Befehl, seine Bedienungen niederzulegen, mit der Erlaubniß, sich nach Hamburg zu begeben, wo er nämlich gestorben ist. Hier ist eine genaue Abschrift des Briefes, welchen er bey Gelegenheit seiner Dienstentlassung an den Freyherm von Bülow schrieb.

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Man lieber Freyherr?

„Schon lange Habe ich die plötzliche Veränderungen vorausgesehen, die sich jetzt zutragen. Dieses ist pur das Vor- spiel einer noch unglücklichern Revolution die ganz Europa in Verwunderung setzen wird. Die Schwachheit des jungen Königs, die Unvorsichtigkeit der Köni- gin und der unermeßliche Ehrgeitz der Königin Wittwe, stürzen die regierende Familie und vielleicht ihre Nachkom- men in die erfchröcklichsten Unglücksfälle. Ich bedaure den Monarchen, ich habe Mitleiden mit seiner Gemahlin, und verabscheue die Grundsätze von Ju- liane der Machiavellistin. Ich wün- sche Ihnen sowohl als mir Glück, daß wir in der Entfernung leben, sicher für das Gewitter, das schon aufsteigt. Gott sey Dank, ich bin nicht in dem

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Geheimniß verwickelt, aber ich weiß, daß die Wittwe fähig ist, alles der Beförderung ihres lieben Friederichs aufzuopfern. Sie ist ein böses Weib, die nur schmeichelt, um zu verrathen, die nur ihre Dienste anbietet, um zu ihrem Endzweck zu gelangen. Sie sind lange von ihren Anschlägen betrogen, und ich habe mich derhalben widersetzt. Die Geistlichkeit hat sie schon durch ihre Heucheley gewonnen, und ich fürchte, Sie verführt den Kriegsstand durch eingeflößte Verachtung gegen Ihren Monarchen. Leben Sie wohl, mein lieber Freund, leben sie glücklich und ruhig, wie ich, ich bin Ihr aufrichtiger Diener und getreuer Freund

Bernstorff.

Hamburg,

den 24. Marz, 1771.

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16 Die Revolution vom 17. Jenner har die Vorhersagung dieses Staatsmanns wahr gemacht.

Nur den Doctor Struensee, konnte sie ohngeachtet aller ihrer Cabalen nicht vom Hofe entfernen, wo er vom König und der Königin gleichmäßig geliebet und geehrt wurde. Seine Einsicht in die Arzneywissenschaft und Chymie bewog den König, ihn bey seiner Durchreise in Altona, wo er seine Wissenschaft trieb, in sein Gefolge aufzunehmen. Er wurde nachher zum Leibarzt des Königs ernannt, und stand der Königin bey ihrer Niederkunft bey. Er ist von einer ansehnlichen, obgleich bürgerlichen Familie, und sein Vater Generalsuperintendent im Herzogthum Holstein, wo er große Achtung genießt. Er war zu deren erschrecklichsten Denkmahl der unversöhnlichen Rache der

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verwittweten Königin aufbehalten, plötzlich wurde er auf den Gipfel der Ehre erhoben, um in einen schimpflichen Kerker geschleppet, mit Fesseln beladen zu werden, und auf deren Blutgerüste sein Leben zu endigen. Die junge Königin fing an, ein Mißtrauen in die verderblichen Anschläge Julianens, zu setzen und suchte ihnen dadurch vorzubeugen, daß sie lauter neue Günstlinge an ihren Hof nahm, aber mehrentheils Leute, die alles dem Glücksfall zu danken, ohne Ansehen oder Familie, im Staat voller Ränke, ohne Staarsklugheit, hochmüthig im Glücke und stolz auf ihre Macht waren. Mit einem eingeschränkten Genie und mittelmäßigen Einsichten, waren sie nur bedacht, den Staat zu plündern, und ihren armen An- gehörigen schnell Reichthümer zusammen zu häufen; diese plötzlich erhobene Ausländer, wurden also durch ihre Unvorsich

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18 tigkeit und Erpressungen, den alten Fa- milien des Königreichs, verhaßt. Mathildens Unglück war ihr Mangel der Beurtheilung bey der Wahl ihrer An- hänger; dieser Fehler hat ihr ganzes Un- glück verursachet.

Während allen diesen Veränderungen, welche die verwittweie Königin dem Eigensinn und Ehrgeitz der jungen Königin zuschrieb, beschäftigte sich der König mit den heilsamsten Entwürfen zur Glückse- ligkeit seines Volkes, und zur inneren Policey des Reichs. Er ließ ein königli- ches Hospital bauen, welches schwachen und alten Soldaten zur Zuflucht dienen solte: er munterte den Ackerbau, die Handlung und die Manufacturen auf, und um seine Unterthanen zu unterrichten, und ihre Erkänntnisse zu erweitern, befahl er durch ein Edict, daß alle in seinen

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Staaten herauskommende Werke künftig, Censur-frey seyn sollten.

Plötzlich fiel der junge Monarch, der geschäfflig und wachsam die Unordnungen der Regierung verbesserte, in eine Schwachheit und Art von Blödigkeit deren wahre Ursache man nicht sogleich errieth. Struensee, der vom ersten Leibarzt der königlichen Familie zum Grafen gemacht, und unüberlegt zum Range eines ersten Ministers erhoben war, zog sch natürlicher Weise, den Neid der Grossen des Königreichs zu; welchen denn die verwittwete Königin zu verstehen gab, daß dieser Ausländer, dessen Grundsatz wäre, den Adel herunter zu bringen, und Leute von eben so dunkler Herkunft in die vornehmsten Staatsbedienungen zu setzen, seine erstaunenswürdige Erhöhung aber, einer schändlichen Neigung der Königin zu

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20 danken habe, daß diese in ihrem, Herzen die Dänen verabscheuete, den König und den Staat durch ihre leichtfertige Aufführung entehrete, und entschlossen schiene, ohne allen Rückhalt mit ihren unwürdigen Günstlingen zu regieren. Die Unthärigkeit und der schwache Verstand des Königs, dieneten den ungerechtesten und gräulichsten Verdacht gegen Struensee, zu bestärken; man beschuldigte ihn des erschröcklichen Verbrechens, er habe dem jungen Monarchen Gift beygebracht, welches seine Kräfte verzehrt, und sei- nen Geist geschwächt hätte; daher kamen die Unordnungen und schändlichen Aus- schweifungen, die den Souverain der Verachtung seiner Unterthanen blos stel- lete, und ihn gegen die Vergehungen der jungen Königin und die Verbrechen ihrer Günstlinge gleichgültig machten.

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21 Diese in der Hauptstadt listig ausgearbeiteten Gerüchte, machten auf den Kriegsstand und die Bürgerschaft den Eindruck, den die verwittwete Königin vorhergesehen hattte. Sie hatte den Kunstgriff gebraucht, die Grafen Thott und Osten, die Obersten Keller und Scheffer, und alle die Commissarien in ihre Parthey zu ziehen, welche nachher den Auftrag erhielten, den Proceß der Königin und der übrigen Gefangenen zu machen. Der Graf Ranzau, der sowohl bey der Armee, als bey dem Volke, in größestem Ansehen stand, war von ihr ebenfalls, wegen der großen Staatsveränderung, die sie im Sinn hatte, erforscht worden: aber, ob er sich schon öffentlich wider den ersten Minister und dessen Anhänger erklärte, so ließ ihm doch sein natürlicher Stolz nicht zu, sich in eine Verschwörung einzulassen, in der er nur eine Nebenperson

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22 verstellet; zudem handelte er nach Grund- sätzen, die der verwittweten Königin ihren sehr zuwider waren; sein Plan war seinen Mitbürgern die Freyheit wieder zu verschaffen, und durch Einschränkung der souverainen Macht, die alten Gesetze wieder herzustellen. Er theilte sein Vorhaben dem schwedischen Minister mit, welcher auch seinem Hofe Nachricht davon gab, aber dieser entschloß sich, ein gleichgültiger Zuschauer bey den dänischen Unruhen zu bleiben, vielleicht, weil die Verbindung wider Höfe, welche durch die Vermählung des Königs von Schweden mit der königlich dänischen Prinzeßin noch fester gezogen war, diese Macht verhinderte, sich in Verpflichtungen einzulassen, die der regierenden Familie in Dännemark nachtheilig seyn konnten; oder weil Schweden es nicht für sich selbst nützlich hielte, etwas zur Befreyung

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der Dänen von ihrer Knechtschaft beyzutragen.

Der Graf Ranzau, hatte es so gar auf sich genommen, zu bewürken, daß der König von Dännemark, wenn er von seiner Gemahlin geschieden wäre, eine schwedische Prinzeßin heyrarhete. Indessen fuhr die verwittwete Königin fort, den Grafen Ranzau mit besonderer Achtung zu begegnen aus Furcht, einen Mann, dessen Name und Ansehen einer oder der andern Parthey schaden oder nützen könnte, verdrießlich zu machen. Der französische und preußische Minister wußten gewiß um ihr Geheimniß, aber diese Höfe hatten Ursachen, Engeland zu schonen, welches sie nöthigte, heimlich und mit Vorsicht- tigkeit zu Werke zu gehen.

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Es ist mehr als zu wahrscheinlich, daß die verwittwete Königin selbst der gräulichen Verbrechen, womit sie Struensee belegte, schuldig war. Ihr teuflisches Vorhaben, welches sie zum Theil ausgeführet hat, besteht seit langer Zeit darin: den König bey den Unterthanen verächtlich, und die Königin verhaßt zu machen, die Ehre dieser liebenswürdigen unschuldigen Prinzeßin durch die schwärzesten Verleumdungen zu schmälern, den König, ihren Stiefsohn, durch langsames Gift hinzurichten, den jungen Cron- prinzen und die Prinzeßin unehelich zu erklären, dadurch die königliche Familie zu vernichten, und endlich ihren eigenen Sohn auf einen durch Schandthaten erledigten Thron zu setzen.

Es ist zu verwundern, daß die englischen Minister, die, wie alle ihre Mitge-

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nossen, privilegirte Kundschafter sind, we- der die gefährlichen Ränke der Königin Juliana gemerket, noch ihrem Hofe Nachricht davon gegeben haben.

Struensee war gewiß ein geschickte- rer Hof- als Staatsmann, seine gar zu große Sicherheit und der Mangel an Vorsichtigkeit, haben ihn gestürzet. Es ist außer Zweifel, daß die junge Königin eine besondere Achtung für ihn hatte und ein großes Vertrauen in seine Arzneywis- senschaft setzte. Sie unterhielt sich oft mit ihm ohne Rückhalt und Zwang; es war also einer listigen Ränkevollen Frau leicht, diesen vertraulichen obgleich unschuldigen Umgang zu nutzen, um diese reitzende, unglückliche Fürstin elend zu machen.

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Obschon Struensee als Minister dem Publico mit den schwärzesten Farben abgeschildert ist, so hat er doch Befehle ergehen lassen, welche zur Sicherheit des Staats und der Nachkommenschaft verdienten verewigt zu werden. Vor seiner Zeit waren die Einwohner von Kopenhagen der strengsten Aufsicht der Policey unterworfen, welche zu allen Stunden, bey Tag oder Nacht gewaltthätig in ihre Häuser drangen. Er befahl, daß künftig niemand in seinem Hause sollte beunruhiget werden, ausgenommen Missethätter.

Das allgemeine Vorurtheil hatte die Vergehungen der Wittwen, der leichtsinnigen Mädgen, und die unehelichen Kinder mit einer solchen Schande belegt, daß erstere deshalb oftmals die Frucht ihrer schändlichen Liebe vernichteten. Diese Verbrechen und Mißbräuche zu verhin

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dern, gab der Graf Struensee ein Edict heraus, worinn bey Geldstrafe verboten wurde inskünftige Jemanden von diesen Gegenständen des Mitleids und der Menschlichkeit, den geringsten Vorwurf zu machen; zugleich wurden dadurch die unehelichen Kinder in Ermangelung rechtmäßigen, fähig erkannt die Güter ihrer Eltern zu ererben.

Diese heilsamen Edicte und weise Ver- ordnungen sind seit der letzteren Revolution wieder abgeschaffet. Da man dem unglücklichen Struensee ein Verbrechen daraus gemacht, daß er seine Edicte in deutscher Sprache kund machen lassen, da diese doch allezeit die Sprache des Hofes und des Cabinets gewesen.

Hätten die Berschwornen den Befehlen der verwittweten Königin (die voll Un

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28 geduld auf die Ausführung ihrer ungerechten Entwürfe, war) schlechterdings gehorchet; so wäre die Revolution vom 17. Jenner, sechs Monate eher ausgebrochen. Dieser fatale Tag wurde endlich bestimmt, an welchem das Ansehen des Königs vernichtet, eine junge Fürstin, dis Schwester und Gemahlin eines Königs entehret, ihre Nachkommenschaft mit Schande beladen, und die angeblichen Mitschuldigen ihrer Verbrechungen und Vergehungen, dem leichtgläubigen und einfältigen Dänen zum Abscheu sollten, dargestellt werden.

Die Abdankung des Garde-Regi wozu der König einige Wochen vorher, aus ökonomischen Gründen überredet würde, stellte die Schwachheit und Blödsinnigkeit des Monarchen ins Licht; und dienere dazu, Struensee bey der Ar- mee noch verhaßter zu machen. Die ver-

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wittwete Königin bediente sich schlau dieses Vorfalls, um feine Staatsverwaltung in übeln Ruf zu bringen, und ihm als einen Feind aller derer abzuschildern, denen die Leibwache seiner Majestät anvertraut war.@Obschon in der That Struensee, um dem Staat Ausgaben zu ersparen, den Vorschlag gethan hatte: daß die Regimenter, welche zu Kopenhagen in Garnison lagen, die Dienste der Garde thun sollten.

Der Graf Ranzau, der vergebens gesucht hatte das Haupt einer eigenen Parthey zu werden, ergab sich den dringenden Bitten der verwittweten Königin und nahm es auf ihr Ersuchen über sich, die regierende Königin, gefangen zu nehmen und nach dem Schloß Cronenburg zu führen.

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Diesen waren die üblen Gesinnungen ter verwittweten Königin in Ansehung ihrer, gar wohl bekannt, aber sie war gegen ihre List und Kunstgriffe nicht genugsam auf ihrer Huth, und Struensee versäumte es, ein Auge auf die treulose Juliana und ihre Ausspäher, zu haben. Hätte er sie aufheben und an einen sichern Ort bringen lassen; so würde diese eigenmächtige That seine Feinde in Schröcken gesetzt haben, und die Einwilligung des Königs, die er leicht erhalten hätte, würde ihm für alle Vorwürfe von Gewaltthätig- keit oder Ungerechtigkeit, gesichert haben.

Die Verschwörung vom 17. Jenner, würde mit undurchdringlicher Geheimhaltung betrieben. Eine Masquerade war das Vorspiel ihrer schröcklichen Entwikkelung. Bis in dem Augenblick, da die Königin, der Graf Struensee und des-

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sen Bruder, der Graf Brandt, der General Gähler und dessen Gemahlin, (welche den Abend Mit dem König spielte) der Generallieutenant Hesselberg, der General Gude, der Freyherr von Bülow, der Staatssecretär Zöge Herr Pa- nin u. a. aufgehoben wurden, hatte niemand den geringsten Argwohn an einer so außerordentlichen Begebenheit. Der Prinz Friedrich, Bruder des Königs, begab sich gegen 11 Uhr von dem Balle weg, um mit seiner Mutter die Maaßregeln zu treffen, die den glücklichen Ausschlag dieses boshaften Angriffs versichern sollten. Bey Festsetzung der jungen Königin und deren Anhänger, zwang man den König, den Verhaftsbefehl zu unterschreiben; im Weigerungsfall wäre er vom Thron gestürzet und sein Leben selbst in Gefahr gewesen. Um dem Pöbel noch mehr gegen diese vornehme Verbrecher

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32 aufzubringen bestach dre verwittwete Kö- nigin einige gemeine Leute, welche: Vivat Juliana Maria! und um Gerechtigkeit gegen die Königin und ihren geliebten Struensee, schrieen. In der ersten Wuth begieng das verblendete Volk die grösten Ausschweifungen, und brach in Schmähworten gegen die unglückliche Mathilde aus, die es offenbar des Ehe- bruchs und schröcklicher Verbrechen, ge- gen den Staat und den König beschuldigte. Der Graf Ranzau, wollte sich, ungeachtet er Gewalt gegen die Königin brauchte, doch noch ein Verdienst daraus machen, sie der Wuth des Pöbels entrissen zu haben. Dieses junge Opfer, welches den Haß einer unversöhnlichen Furie geweihet war, bezeigte eine bewundernswürdige Standhaftigkeit in diesem schröcklichen Unglück. Der, durch die listige Königin Wittwe bestochene Senat

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erklärete sie, ohne einige Form des Pro- cesses des Ehebruchs und der Vergiftung des Königs, ihres Gemahls, schuldig und würde sie zum Tode verdammt haben, wenn der englische Minister, Herr Reith, nicht aufs feyerlichste gegen alle Gewaltthätigkeiten, womit die Person der Königin bedrohet wurde, protestirt hätte: er untersuchte mit einem seinem Character würgen Muthe, die unterdrückte Unschuld, und widerlegte mit großem Nachdruck ihre Ankläger; wobey er ihnen zum Schluß die Rache seiner Nation und das Bombardement von Kopenhagen ankündigte, wofern sie der Schwester seines Souverains keine Gerechtigkeit widerfahren ließen. Diese Drohungen verhinderten, daß ein so unerhörtes Urtheil nicht alsobald ausgeführt wurde. Wenige Tage nach der Gefangenhaltung der Königin zu Cro- nenburg, wo sie von den aufgebrachten

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Soldaten aufs verächtlichste begegnet wurde, verwandelte sich die Wuth des Pöbels in Mitleiden, für eine Fürstin, deren unglückliches Schicksal man endlich der grausamen Politik eines bösen Weibes zuschrieb. Ihr Sohn, Friederich, wurde zum Chef des geheimen Raths ernannt.

Der König, der nun von der Willkühr seiner Stiefmutter abhing, übte keine Handlung der Souverainität mehr aus, die Befehle, die er unterschrieb, waren nur dann gültig, wenn sie durch Julianens neuen Staatsrath bekräftiget wurden. Aller Umgangs und Briefwechsel mit seiner unglücklichen Gemahlin, wurde ihm untersagt, und er willigte sogar zu seiner Demüthigung darin, seine Unterthanen zwischen sich und der Königin, zu Richter zu nehmen.

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35 Die beyden Struensees und der Graf Brandt, wurden dem Gelächter und Beschimpfung des niedrigsten Pöbels blos gestellt, und im Triumph vor das Tribunal ihrer unbarmherzigen Richter geführt. Diese wurden der vergeblichen Fragen müde, und droheten sie mit der schröck- lichsten Tortur, deren scheußliche Quaalen sie zum Bekännmiß von Verbrechen brachte, die sie nie begangen hatten. Ein Bösewicht, Namens Groninter, der sich auf Anstiften der verwittweten Königin, bey dem Grafen Struensee eingeschmeichelt hatte, und sein Vertrauen mißbrauchte, wurde, um das Publicum zu hintergehen, eingesetzt und mit Fesseln belegt. Er wies einige verfälschte Briefe vor, die einen strafbaren Umgang des Grafen mit der jungen Königin anzeigten, und hatte sogar die Unverschämtheit, zu behaupten, daß er mehr als einmal ein Augenzeuge ihrer

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ungeziemenden Vertraulichkeiten gewesen sey: sogleich wurde er wieder entlassen, und erhielt eine ansehnliche Summe zur Belohnung seines Betrugs und seiner Treulosigkeit.

Um günstige Vorurtheile für ihre Gnade und für die Gerechtigkeitsliebe der zur Verurtheilung der Verbrecher bestimmten Commissarien zu erwecken, hat die ver- wittwete Königin verschiedenen Personen, welche im Verdacht waren, dem neuen Ministerio ergeben zu seyn, die Freyheit wieder geben lassen.

Sie ließ in der Hauptstadt einen Brief bekannt machen, und im Reiche ausbrei- ten, welchen sie dem König vorgeschrie- ben hatte, des Inhalts, daß er von der Untreue seiner Gemahlin und von dem Struensee aufgebürdeten Verbrechen

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überführt wäre. Da die Geistlichkeit ihr gänzlich ergeben war, so befahl sie denen in der Kanzelberedsamkeit berühmtesten Predigern, gegen die Leichtfertigkeit und Ausschweifungen an Mathildens Hof, loszudonnern und die in Ungnade gefallenen Minister als Bösewichter und Gotteslästerer abzumahlen, dem Allmächti- gen aber Dank zu sagen, daß er das Volk unter der glücklichen Anführung der Königin Juliana, von der Unterdrückung dieser Feinde der Religion und des Staats befreyet habe.

Sie war so grausam, des Unglücks der gefangenen Königin zu spotten, in- dem sie zween Geistliche bestimmte, um wechselsweise vor ihr zu predigen, und sie zu ermahnen den Rest ihrer Tage dazu anzuwenden, ihre Verbrechen und Fehler zu beweinen.

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Seitdem der vernünftige Theil der Nation ihre schwarzen Absichten und strafbare Entwürfe entdeckt hat, hat sie einen großen Schein von Mäßigung und Gleichgültigkeit in Verwaltung der Staatssachen angenommen. Diese Entdeckung hat auch ihre Angriffe auf das Leben der königlichen Familie abgehalten, und die auswärtigen Zeitungen, welche sie dieser Absicht beschuldigten, haben würklich durch Errathung ihrer bösen Endzwecke, deren Erfüllung verhindert.

Sie hat sogar die Heucheley und Verstellung so weit getrieben, daß sie ausbreitete, sie wünschte, daß zur Einrichtung des Processes der Königin, nie- dergesetzte Gericht, möchte dieselbe frey sprechen; um das Publikum hierin zu hintergehen, gab sie dem König ein,

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den berühmten Advocaten Uldahl in dieser wichtigen Sache zu gebrauchen, und ihn seines Eydes zu erlassen, da- mit er sie mit aller der ihm eigenen Beredsamkeit, zu ihrem Besten treiben könnte. Dieser Kunstgriff kann nie- mand irre machen, ein jeder, der die Grundsätze und Absichten des königlichen Advocaten kennet, wird wissen, daß er die Seele des Complots der verwittweten Königin ist. Wenn seine Beredsamkeit und der Nachdruck seiner scheinbaren Gründe die Königin nicht retten könne, so wird die ganze Nation sie für schuldig halten. So urtheilte diese Megäre bey sich selbst.

Wurklich hat auch die ganze schöne Declamation und alle Redekunst des Herrn Uldahl nur dazu genutzet, die der unglücklichen Königin untergescho

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benen Laster, als wahre auszugeben, und sie mit Schande zu bedecken. Alle Anklage gegen sie sind kaum Vermuthungen, und man hat keinen einzi- gen Beweis ihrer Untreue gegen den König, sonst würde sie entehret, mit dem Tode bestraft, und ihre Kinder für uneheliche, erklärt worden seyn. Die Furcht der gerechten Ahndung des Königs ihres Bruders, und einer großmüthigen Nation, die allzeit bereit war, der unterdrückten Unschuld, einer in ihrem Schooß gebohrenen und erzogenen Fürstin beyzustehen, nöthigten die grausame verwittwete Königin, ihr erstes Urtheil in eine beständige Gefanschaft an den äußersten Grenzen, der mit Eis bedeckte Wüsten von Jütland zu verändern.

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Der Verfasser dieser Erzählung, kennet schon lange die verwittwete Königin und ihre niederträchtigen Ränke. Er hoffet, es werde in England nicht an Rechtschaffenheit fehlen, sie zur Reue über ihre Verbrechen und Grausamkeiten gegen eine der liebenswürdigsten und vollkommensten Prinzeßinnen Europens, zu bringen, welche in ihrem ein und zwanzigsten Jahre, durch ein erkauftes Complot verurtheilt ist, in einen Kerker zu veralten.

Ich versichere nochmals zum Beschluß, daß die Königin Mathilde unschuldig ist, ohngeachtet des verkehrten Urtheils, das ungerechte, bestochene Richter gesprochen haben.

Die verwittwete Königin fordre ich, so heuchlerisch und verstellt sie auch ist,

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auf, das Gegentheil dessen, was ich zu ihrem Nachtheil bewiesen habe, darzuthun.

Ich verabscheue die verwittwete Königin als ein Ungeheuer, und bin bereit mein Blut zur Rache der Unschuld ihrer Rivalin, zu vergießen. Ich wünschte, daß diese mir von der Wahrheit eingegebene kleine Schrift, bey fremden Natio- nen Eingang finde, um die verwittwete Königin der entfernsten Nachwelt, zum Gräuel darzustellen, und die Regierung allen denen verhaßt zu machen die fähig sind, Gerechtigkeit und Menschenliebe zu empfinden.

Der Minister des Königs, Freyherr von Diede, wird in der Residenz gefangen gehalten, und verdient die Ausnahme von den allgemeinen Vorurtheil wi- der Julianens Minister. Er besitzt alle

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Eigenschaften eines großen Staatsmanns, die Grundsätze eines rechtschaffenen Mannes, und die Tugenden eines guten Bürgers. An der jetzigen Revolution hat er keinen Antheil und in der gefährlichen Lage worin er sich jetzt befindet, hat er sich durch sein Betragen Ehrfurcht von einer Nation zu erwerben gewußt, die der seinigen gehäßig ist.

Wenn Englands Rache noch durch einige Ursachen aufgeschoben wird, so rühren solche von den Mächten her, die die Parthey der verwittweten Königin nehmen.

Die Königin Mathilde schrieb folgenden Brief, welcher von dem wachthabenden Officier aufgefangen ward. Da ich kein Englisch verstehe, so habe ich eine getreue Uebersetzung davon be- kommen.

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An den Ritter Keith, dem groß- brittannischen Gesandten:

„Vom ersten Tage meiner Gefangenschaft an, habe ich es vorausgesehen, die Wuth meiner Feinde würde auf den Verlust meiner Freyheit oder meines Lebens dringen. Ich ergebe mich voll- kommen gelassen in einen von beyden Schicksalen. Aber der Gedanke, daß meine Ehre beflecket ist, und meine lieben Kinder der Willkühr eines Volkes, das unbilliger Weise gegen die Recht mäßigkeit ihrer Geburt eingenommen ist, überlassen sind, überhäuft mich mit dem lebhaftesten Schmerz. Hat der König, mein Bruder, mich denn ver- lassen? Großer Gott, will denn nie mand meine Unschuld und mein An denken rächen! Ich zweifle, ob die- ser Brief meinem unbarmherzigen Ar-

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gus entgehen wird, aber wenn Sie ihn erhalten, so fahren Sie fort, mir die Dienste, die in Ihrer Macht sind, zu leisten. Niemals werde ich den Eifer vergessen, welchen Sie für die Sache der Unschuld bezeiget haben, und sollte der Himmel mich jemals wieder in den Rang und die Vorzüge setzen, woraus ich so ungerecht ver- stoßen bin, so sollen Sie, sicherer Be- weise meiner Erkenntlichkeit haben. O wäre ich doch in England, meinem lieben Vaterlande, wo der geringste Elende den Vorzug hat, durch seines Gleichen gerichtet zu werden. Hat mich denn die ganze Welt vergessen? Ich fange an, mager zu werden, und meine Gesundheit ist seit meiner Einsperrung in diesen Mauern sehr ge schwächt. Alle, die um mich sind, sind mir verdächtig, ich zweifle, ob

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ich jemals meine Freyheit wieder er halte. Um Gottes willen, suchen Sie doch zu mir zu kommen; die Zeit kommt heran, daß mein Proceß ge- macht wird, aber mein Urtheil ist schon gesprochen.

Ich bitte Gott, daß er Sie in sei- nen heiligen Schutz nehme.

Mathilde.

Cronenburg, den 11. April, 1772.

Der englische Minister, dem der König, sein Herr, zum ruhmvollen Belohnung seines Eifers und zum Zeichen der Zufriedenheit mir seinem Betragen, den Orden von Bath gesandt hat, ist durch Julianens Anschläge der Zutritt zum König versagt, aber ihr Ansehen ist doch nicht so groß, daß sie den König hätte verhindern könnet, ihm ein Ba-

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taillon zur Sicherheit seiner Person und Bewachung seines Hauses zuzugeben. Der Ritter Keith ist zurückberufen, und Englands Drohungen, die durch eine ansehnliche Ausrüstung, Nachdruck erhalten haben, haben die dänische Re- gierung gezwungen, die junge Königin, diesem Minister zu übergeben; er wird sie in das Churfürstenthum Hannover, welches der König, ihr Bruder, zu ihrem Aufenthalt angewiesen hat, be- gleiten. Ihr Proceß ist ein Gewebe von Widersprüchen, wo sie zu gleicher Zeit unschuldig und strafbar erklärt wird. Den unglücklichen Struensee betreffend, so hat man ihm angekündiget, daß er durch einen gewaltsamen schmerzhaften Tod die Verbrechen büssen soll, deren die verwittwete Königin sich gewiß schuldig gemacht hat.

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48 Mit einem Wort, alle vorgegebenen Verbrechen der jungen Königin, wider den Staat und den König, sind ohngeachtet der untergeschobenen Zeugen, um sie ihres Rangs und ihrer Vorrechte zu berauben, von allen rechtskräftigen Beweisen entblößt. Der König, der an diesem berüchtigen Proceß den vornehmsten Antheil hat, ist weit entfernt, sie der Untreue und noch schwärzerer Laster zu beschuldigen, sondern hat verschiedentlich erkläret, sie wäre eines Gemahls würdig, der mehr, wie er, geneigt wäre, ihren Reitzen und Tugenden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das offenherzige Gestandniß seiner Ausschweifungen und unordentlichen Lebensart, rechtfertiget die Gleichgültigkeit und Abneigung, die sie schon lange gegen ihn bezeiget hat. Hätte sie, während ihres Verhafts eine Unterredung mit dem König haben können, so

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49 ist außer Zweifel, daß sie ihn genöthiget hätte, ihr, wegen des ansgestandenen Unrechts, Genugthuung zu verschaffen. Aber die verwittwete Königin verhinderte beständig alle Gemeinschaft zwischen ihnen, weil sie überzeugt war, daß die junge Königin durch eine Zusammenkunft mit dem König bald ihre Freyheit würde bewürkt, und ihre Feinde zur Reue über ihre Ungerechtigkeiten, gebracht haben.

Zusätze

des englischen Herausgebers. Da die vorhergehende Schrift zu Ham-

burg französisch herauskam, ehe das Schicksal der Grafen, Struensee und Brandt, entschieden war, so glaubte der englische Herausgeber, es seine Schul- digkeit zu seyn, seinen Lesern das, was nachher davon bekannt geworden, vor

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Augen legen zu müssen, um eine so vollkommene Nachricht als möglich, von dem Ursprung und den Folgen dieser außerordentlichen Verhandlung zu geben.

Die große Commißion sprach den 25ten April das Urtheil über diese beyde vornehme Unglückliche; die ihnen zur Last gelegten Verbrechen, welche vorher am Hofe bekannt gemacht waren, sind folgende:

Der Graf Struensee wurde schuldig erklärt, er habe von dem Schatze des Königs den 6 Tonnen Goldes entwendet, er habe verschiedene Cabinetsordres, ohne Vorwissen des Königs ausgefertiget; einen strafbaren Umgang mit der Königin gepflogen; verschiedene Briefe, die dem König hätten sollen vorgelegt

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werden, untergeschlagen; dem König die Abdankung der Garde angerathen; die Münze verfälscht, und verdächtige Anstalten in der Stadt gemacht.

Der Graf Brandt wurde schuldig erklärt, daß er um Struensees strafbaren Umgang, und aller ihm zur Last gelegten Verbrechen gewußt habe, ohne sie anzugeben, wie auch, daß er böse Ab- sichten unmittelbar gegen die Person des Königs gehegt hätte.

Darauf wurde folgendes Urtheil ge- sprochen:

Johann Friederich Struenfte hat, nach Inhalt des dänischen Gesetzbuchs VI. B. 4. Cap. 1. Art., wegen seiner Verbrechen, seine Ehre, Güter und Le- ben verwirket: Sein Wappen soll durch

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den Henker zerbrochen, ihm seine rechte Hand und nachher der Kopf abgehauen werden: sein Körper darauf gevier- theilt und aufs Rad geflochten, sein Kopf aber und die Hand auf einen Pfahl, beym Thore angenagelt werden.

Gleiches Urtheil wurde über den Gra- fen Enewold Brandt gefället.

Dieses strenge Urtheil wurde am 28ten desselben Monats, um 8 Uhr des Morgens vor dem Osterthore vor Kopenhagen, auf einem zu diesem Ende auf dem Felde dazu aufgerichtetem Blutgerüste, vollzogen. Der Graf Brandt wurde zuerst hingerichtet, und bewies einen großen Heldenmuth, und eine Standhaftigkeit ohne Beyfpiel. Nach Abhauung der Hand, sagte er mit vieler Ruhe:

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53 „ich muß gestehen, das schmerzt ein weinig.“ Demohngeachtet überstand er das übrige seines Urtheils mit einer bewundernswürdigen Unerschrockenheit, hielt eine Rede an die Zuschauer, bezeugte seine Unschuld, und erklärete seine Ankläger für erkauft und meineydig. Sein Kopf wurde dem versammleten Volke verschiedenemal vorgezeigt. Er wurde vom Herrn Hee, einem protestantischen Geistlichen, zum Gericht ge- führt.

Der Graf Struensee gieng mit vie- lem Widerwillen zum Tode; er beklagete sich noch lange gegen dem Geistlichen, den Doctor Münter, der ihn begleitete, über die Härte seines Schicksals, und schien eine zeitlang auf Aufschub seiner Todesstrafe zu hoffen, wobey er bis auf den letzten Augenblick, seine Unschuld be

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theuerte'; aber der Doctor Münter bewies ihm mit vielem Nachdruck seine übelgegründete Hoffnung, darauf fing er mit der größesten Inbrunst zu beten an, aber er konnte sein Schicksal nicht mit solcher Standhaftigkeit erwarten als der Gefährte seines Unglückes. Wie ihm die Hand abgehauen war, erhob er sich plötzlich, wurde aber mit Gewalt in seine vorige Stelle gebracht. Sie waren beyde in farbigter Kleidung, der eine grau mit Gold, der andere blau. Das Gerücht, als wenn Brandt dem Geistlichen, der ihm das Abendmahl gereichet, gebeten habe, Gift in den Kelch zu schütten, um einem schimpflichen und schmerzhaften Tode zu entgehen, ist gänzlich ungegründet.

Die Vorstellungen des Ritter Keith, zum Besten der Königin, haben die er-

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55 wünschte Würkung gethan. Man hat ihr erlaubt auf den Wällen von Cronenburg die freye Luft zu genießen, jede Ge- sellschaft die ihr gefält bey sich zu haben, und den englischen Minister zu jeder Zeit zu sich kommen zu lassen. Dieser wird sie nach Zelle, im Churfürstenthum Hannover begleiten, wo sie wenigstens eine zeitlang sich aufhalten und ein Jahrgeld von 30000 Rthlr. genießen wird. Weil auch dem Ritter Reith, alle zum Besten der Königin gefoderten Bedinge zugestanden sind; so sind alle Gedanken von Feindseligkeiten auf beyden Seiten aufgerufen, und er wird wahrscheinlich, wenn er vorher nach England gereiset, und einen umständlichen Bericht von diesem wichtigen Vorgang abgestattet hat, in einem öffentlichen Character nach Kopenhagen zurückkehren.

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Das Gerücht einer Heyrath, des Kö- nigs von Dännemark mit einer Prinzeßin von Brandenburg-Schwedt, ist nicht allein unwahrscheinlich; sondern verträgt sich auch nicht mit dem zu Kopenhagen jetzt angenommenen Staatssystem: Denn die verwittwete König ist fest entschlossen, wenn es möglich ist, ihren Sohn Friederich, auf den Thron zu setzen, welcher Entwurf mit keiner Heyrath Christian des Siebenden bestehen kann, da eine junge Prinzeßin, der Hauptlinie Erben geben könnte, die ein Recht zur Thronfolge hätten.

Was den jungen Kronprinzen und die Prinzeßin betrifft, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie wohl an einer ähnlichen Krankheit als Peter der Dritte vom St. — sterben könnten.

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Zuverläßige

Nachricht

von

der letztern Staatsveränderung

in

Dänemark

von

Ihro Majestät der Königin

Caroline Mathilde

während Ihrer Gefangenschaft auf

dem Schlosse zu Kroonenburg

eigenhändig entworfen und ohnlängst

dem Grafen von ***

zur Prüfung zugesandt.

Nach dem Original abcopirt und

aus dem Englischen übersetzt.

Rotterdam 1772, bey J. F. Ebert.

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An

dem Herrn

Grafen von ***

Mein Herr,

Die unverbrüchliche Treue, so Sie in un- zählbaren Fällen meiner Familie erwiesen, und die besondern Merkmale der Achtung und Freundschaft, so Sie mir jederzeit gegeben haben, muntern mich auf, gegenwärtige Rechtfertigung meiner Aufführung wider die falschen und boshaften Beschuldigungen, die man wider mich gemacht und um deren willen ich heute ungerechter weise bin gefangen gesezt worden, Dero Prüfung zu unterwerfen. Der große Ruf von Dero Aufrichtigkeit und Einsicht, mit der Sie Ihr Urtheil zu fällen pflegen, und auf welches sich ein jeder sicher verlassen kann, ist der Bewegungsgrund, warum ich Sie bey dieser Gelegenheit vor allen andern am allerliebsten erwähle. Ich zweifle demnach nicht, daß meine Landsleute, nicht also-

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4 bald sollten, sobald sie werden erfahren haben, daß Sie vollkommen von meiner Unschuld überzeugt sind (wie ich denn hoffe daß Sie es seyn werden, nachdem Sie den umständlichen Bericht von meinen Unglücksfällen gelesen haben) denjenigen Vorurtheilen entsagen, welche mehr als eine Person, so wie ich vernehme, schon wider mich gefaßt hat, und welches Folgen von demjenigen boshaften Gerüchte sind, die meine Feinde so eyfrigst durchs ganze Königreich ausgesprenget haben. Der Gedanke, daß mein Name unter meinen Landeleuten einen Anstrich bekommen, verdoppelt den Schmerz meines erniedrigenden Zustandes und meiner Gefangenschaft; und wäre ich mir nicht bewußt, daß ich meine gegenwärtigen Leiden auf keinerley Art verdienet habe, so würde ich ohne Zweifel unter der schweren Last meines Unglücks erliegen müßen.

Dieses vorausgesetzt, werde ich mich nun gegen die Beschuldigungen meiner Feinde rechtfertigen.

Die Verbrechen, welcher man mich beschuldiget, und deren Art und Beschaffenheit ich nicht eher als einige Zeit nach meiner Arretirung habe zu wissen bekommen, bestehen darinn: daß ich mich einer Verschwörung gegen den König meinen Gemahl, in der Absicht, um ihm die Krone zu nehmen, soll schuldig gemacht haben; daß ich, in Einverständniß mit den Grafen Struensee, Brandt und andern wirklich eine Renunciations-Acte sollte aufgesetzt haben, welche ich

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wäre Willens gewesen, Se Majestät mit Gewalt unterschreiben zu lassen, wenn wir uns seiner Person würden bemächtiget haben, welches Vorhaben, so wie vorgegeben wird, wir im Begrif stunden, auszuführen, selbst in dem Augenblick, da wir auf dem Befehl des Königs sind arretirt geworden; und endlich, daß ich das Bette des Königs meines Gemahls, durch Untreu mit dem bemeldten Grafen Struensee, sollte entehret haben. Diese Beschuldigungen sind die Anlage zu meiner Arretirung gewesen. Inzwischen werden mir noch verschiedene andere Dinge, wiewol von einer geringern Art, zur Last gelegt, von welchen ich an seinem Orte sprechen werde, um so viel mehr, da sie nicht unter die Staatsverbrechen sind gerechnet worden.

Die gänzliche Unmöglichkeit, um eine Unwahrheit zu beweisen, läßt mich sehr wohl begreifen, wie schwer es mir fallen wird, mich wider diese Beschuldigungen zu vertheidigen; jedoch wenn ich beweisen kann, wie ich es hoffe, daß die ganze Aufführung, welche man in Absicht meiner beobachtet hat, eigenmächtig und ungerecht gewesen ist, und daß der bloße Anschein, wornach meine Feinde glauben, mich schuldig erklärt zu haben, weit entfernt ist, um einen beweisenden Schluß daraus zu ziehen; wenn ich dieses, sage ich, beweisen kann: so werde ich folglich gezeigt haben, wie natürlicher Weise daraus folgen müsse, daß diejenigen, welche meine Aufführung untersucht haben, sind gezwungen worden, jedem

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Punct des Rechts und der Billigkeit Gewalt anzuthun, um ihre böse Absichten zu vollstrecken. Hier werde ich einige Anmerkungen beyfügen, um die Unwahrscheinlichkeit darzuthun, daß ich an bemeldten Verbrechen schuldig seyn sollte.

Erstlich demnach, was die Umstände meines Arrests betrift: so hatte man, da die Ordre dazu gegeben wurde, noch niemand verhört, der eine Beziehung auf dasjenige hat, so mir ist zur Last gelegt worden; folglich versichert man sich meiner, ohne den geringsten Schein einer Ursache dazu zu haben. Man wird mir vielleicht einwenden, daß es nöthig war, sich meiner in der nämlichen Zeit zu versichern, als man die andern Personen in Verhaft nahm, aus Furcht, ich möchte bey der ersten Nachricht von ihrer Gefangen- nehmung Mittel finden zu entwischen; man kann hinzu fügen, daß ich, weil ich Theil an ihrer Verschwörung gehabt hätte, nicht mehr Höflichkeit fordern müßte als sie in diesem Fall selbsten gefunden hätten. Hierauf antworte ich, daß weil ich eine von den aufgezeichneten Personen war, welche sollten angeklagt werden, meine Feinde ohnedem schon gewußt haben würden, mich so genau zu bewachen, daß es mir unmöglich gewesen wäre, zu entwischen; auch hatten sie um so viel weniger Ursache meine Entwischung zu befürchten, da diejenigen, welche nach ihrem Vorgeben, meine Mitschuldige waren und die mir in der Ausführung eines solchen Plans helfen mußten, selbsten durch die Ketten womit sie

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7 gefesselt waren, aller Möglichkeit dazu ermangelten. Doch der folgende Umstand wird diesen Punct noch mehr aufklären.

Die Ordre des Königs um mich zu arretiren, wurde ihm durch die verwitwete Königin und durch den Prinz Friedrich mit Gewalt ausgepresset; denn als ihm diese beyden Personen die schriftliche Ordre vorlasen und ihm nöthigten, sie zu unterschreiben: so weigerten sich Se. Majestät schlechterdings, es zu thun, und zwar so lange bis daß die Königin zu ihm sagte, daß wenn Se. Majestät sich nicht dazu bequemen wollten, so würde sie und ihr Sohn diese Ordre unterschreiben. Der unglückliche König, welcher damals ohne Zweifel bemerkte, daß ihm nichts mehr als nur der Schatten von der Königl. Würde noch übrig geblieben war, und daß, indem er unter der Gewalt seiner Mutter und seines Bruders stund, seine eigene Sicherheit Gefahr liefe, woferne er nicht in alles das, was sie forderten, willigte, unterschrieb endlich mit zitternder Hand und mit beklemmten Herzen, die Ordre, mich in die Hände meiner Feinde zu liefern.

Hier muß ich die nothwendige Anmerkung machen, daß der König sich weigerte, die Ordre zu unterschreiben sogar nachdem ihm die Königin und der Prinz versichert hatten, daß die Verschwornen und ich beschlossen hätten, ihn zu zwingen, auf dem Thron Verzicht zu thun, ein augenscheinlicher Beweiß, daß er mich nicht vor fähig hielte, einen solchen Complot zu machen.

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Nachdem also die Ordre durch einen so krummen Weg ist erhalten worden: so wurde sie dem Grafen Ranzau zur Vollstreckung zugestellt. Diese Ordre ist mit Gewalt ausgepreßt, und, ich muß es sagen, auf eine unerlaubte Art vollstreckt worden. Ich behaupte nicht, daß der Graf den Auftrag gehabt, so barbarisch zu handeln, als er gethan hat; ich muß vielmehr bekennen, daß ich besagten Grafen jederzeit vor einen edeldenkenden Mann von seiner Lebensart gehalten habe. Der Graf ließ mir nicht viel Zeit, mich auf mein Gefängniß zu zubereiten, und als die Stunde meiner Abreise vom Schlosse gekommen war: so half er mir oder vielmehr er stieß mich in die Kutsche, die mich nach dem Kastel Kroonenburg, den Ort meines Gefängnisses, bringen sollte. Doch ehe ich noch das Schloß verließ, drang ich mit Standhaftigkeit darauf, daß man mir erlauben möchte, mit dem Könige meinem Gemahl zu sprechen: allein diese Freyheit wurde mir von dem Grafen Ranzau schlechterdings abgeschlagen, und als einige Officiers, die ihn begleiteten, geneigt schienen, mein Ansuchen erfüllt zu sehen: so brachte er sie bald auf andere Gedanken, da er sie versicherte, daß es ihnen unfehlbar den Kopf kosten würde, wenn ich dazu gelangte, den König zu sehen. Diese Worte des Grafen, lassen mich gnugsam vermuthen, daß die Gefangennehmung meiner Person eher geschehen ist, als der König dazu die Ordre unterzeichnet hat, und daß der Graf in der ganzen Sache

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9 lediglich die Ordres der verwittweten Königin m d des Prinzen Friedrichs, ohne Mitwissen Sr. Majestät befolgt habe; denn es ist gar nicht möglich voraus zu setzen, daß der Graf und die übrigen Officiers sollten bey Vollstreckung der Ordre, die der König selbst gegeben hatte die mindeste Gefahr gelaufen seyn. Zwey andere Umstände bestärken mich in dieser Vermuthung: der erste ist, daß die Ordre mich zu arretiren, nicht eher als einige Zeit hernach, nachdem sie vollzogen worden, vorgezeiget wurde. Der zweyte Umstand ist dieser, daß der Obriste Köller, als er dem Grafen Struensee den Arrest ankündigte, gestund, daß er zwar die Ordre des Königs nicht bey sich habe, allein daß er das was er thäte, bey Verlust seines Kopfes verantworten wolle. Wenn diese Vermuthungen gegründet sind: so folgt nothwendig, daß die Königin und ihr Sohn zuvor beschlossen hatten, des Königes Handzeichnung zu erhalten, es koste was es wolle; oder daß sie, wenn sie sähen, daß ihr Unternehmen fehl schlüge, alsdann den Widerstand Sr. Majestät gegen ihre Maasregeln dadurch fruchtlos machen würden, daß sie ihn in der nämlichen Zeit, als sie sich meiner Person versicherten, des Throns beraubten.

Nachdem ich einige Stunden in dem Palais als eine Gefangene gehalten worden; so wurde ich von dar nach den Kastel Kroonenburg gebracht, und zwar in der Absicht, um zu verhindern, daß ich keine Gelegenheit haben sollte, mich auf

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einige Weise zu dem Könige meinem Gemahl zu verfügen. In der nämlichen Zeit, als man mich aus dem Palais führte: so wurden alle die, welche bey Sr. Majestät etwas vermochten, und die als meine Freunde bekannt waren, arretiret, ohne Zweifel um dadurch zu verhindern, daß mir niemand von ihnen bey Sr. Majestät einigen Dienst leisten möchte. Der König, als er sahe, daß man ihm keine andere Personen zu seiner Aufwartung zuliesse und sich durch mein Exempel nur allzu wohl bewust war, wie sehr er in ihrer Gewalt, und genöthiget sey, sich ihrem Willen zu unterwerfen, fand sich in die Nothwendigkeit versetzt, alle ihre Unternehmungen mit seinem Königlichen Ansehen zu unterstützen. Daß verschiedene Personen nur blos aus obberührten Gründen sind arretirt geworden, erhellet daraus ganz klar, weil sie alle wieder sind los gelassen worden, ohne daß man wider sie nur den geringsten Schein von Beschuldigungen bey dem angeordneten criminal Gerichte, vorgebracht hätte. Einige von diesen Personen haben so gar nachhero Pensiones bekommen, ohne Zweifel um sie dadurch wegen der ungerechten Behandlung und der unverdienten Gefangenschaft, schadlos zu halten. Ich werde nun über das Verfahren der Richter, die dazu ernennt worden, die Personen zu verhören, die man wegen der vermeynten Verschwörung in Verdacht hatte, einige Anmerkungen machen.

Erstlich was die Art der Beweise betrift, worauf sich die Beschuldigungen gründen, ich mey-

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11 ne nämlich was mich selbst unmittelbar angehet: so haben meine Feinde behauptet, daß die Verbrechen, deren man mich beschuldigte wären sattsam von meinen Richtern bewiesen worden. Daß sich meine Richter bey dem geringsten Schein eines Beweises, um mich schuldig zu erklären, zufrieden gegeben haben, glaube ich sicher; allein ich leugne zugleich schlechterdings, daß sie wären davon überzeugt geworden, und zwar in demselben Sinn, als sie dieser Ueberführung wollen zuschreiben. Der Beweiß, nach welchen ich bin schuldig erklärt, sagen sie, bestehet in dem Bekenntniß der Personen, die man mir als Mitschuldige zugeordnet hat. Dieser Umstand hätte von einigen Gewicht können gewesen seyn, wenn bemeldtes Bekenntniß freywillig geschehen wäre; allein, wenn man bedenkt, daß ihnen diese Bekenntnisse abgepreßt worden sind, und zwar mitten unter der grausamsten Tortur, wovor die Natur blos schon bey der Erzählung erschrickt: so bin ich überzeugt, daß jeder Unpartheyischer bekennen wird, daß man mit Beweisen von einer ganz andern Art hätte müssen vor den Tag kommen, um das Verfahren der Richter wider mich zu rechtfertigen. Das Betragen der Untersuchungs-Commißion läßt sich auf der andern Seite ganz und gar nicht entschuldigen. Sie haben alles in geheim abgehandelt, da doch der geringste Unterthan ein öffentliches Verhör und in gehöriger Form mit Recht fordern kann; ein Recht, das dem Publico überhaupt zukommt, welches jederzeit von den Gründen, wor

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auf sich eine Beschuldigung von einiger Wichtigkeit, so man gegen jemand vorbringt, gründet, muß unterrichtet werden. Die ganze Dänische Nation war in dem gegenwärtigen Fall ganz besonders intreßiret, sowol in Absicht der Art der Beschuldigung, als in Ansehung des Rangs und der Beziehung der beschuldigten Partheyen. Nichts destoweniger verstattete man nicht, daß eher etwas von demjenigen, was vor diesen Tribunal geschahe, bekannt wurde, als bis alle Gerichtshandlungen zu Ende waren; ja als der Obriste Keith, als Gevollmächtigter von dem Könige meinem Bruder verlangte, bey dem Verhör der Gefangenen gegenwärtig zu styn: so wurde ihm solches rundaus abgeschlagen. Die Bewegursachen eines solchen Betragens sind, wie ich dafür halte, klar genug; derowegen werde ich auch keine fernere Anmerkungen darüber machen, sondern werde vielmehr diesen Theil, der mich allein betrift, mit der Anmerkung schliessen, daß wenn ich reiflich die bekannte Feindschaft erwäge, welche die Glieder dieses Tribunals wider meine Person gefaßt, wie auch derjenigen, die alle ihre Handlungen dirigiret haben, wenn ich mir, sage ich, alle diese Umstände, wieder in mein Gedächtniß zurück bringe, alsdann richte ich mein Herz mit dem innigsten Gefühl der Dankbarkeit zu GOtt, der mir die Gnade verliehen, ihren Händen zu entgehen und mein Leben zu retten; ich erkenne hier gleichfalls die großen Verpflichtungen, welche ich dem Obristen Keith schuldig bin, der meine Vertheidi

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gung so beherzt über sich genommen hat, und der, wie ich gewiß versichert bin, meine Feinde unter göttlichen Beystand abgehalten hat, ihr barbarisches und böses Vornehmen wider mich, ins Werk zu richten.

Ich habe nun bishero Ihnen, Mylord, die Art und Weise vorstellig gemacht, wie man mich von der Zeit an, als man sich meiner Person versicherte, bis zur Verabschiedung der Untersuchungs-Commißion, tractiret hak, und Sie werden leicht bemerken, daß die Anmerkungen, welche ich in meiner ganzen Erzählung gemacht habe, so beschaffen sind, als die Sache, die vor mir lieget, natürlicher Weise hervor bringt. Ich wiederhole dasjenige nochmahls, was ich Ihnen bereits zu Anfange dieses Briefes vorgetragen habe, nämlich den Nachtheil, so meine Sache wegen der Schwierigkeit, eine Unwahrheit zu beweisen, leidet. Jedoch ich hoffe, daß Sie nach Lesung des obigen umständlichen Berichts, werden überzeugt seyn, daß man mich auf eine grobe Art beleidigte habe, und solcher Vorrechte beraubet, worauf ich mit Recht und zwar unter einen gedoppelten Karakter nämlich als Souverainin des Königreichs und Unterthanin des Königs, Ansprüche machen konnte. Ich werde nun weiter gehen und zeigen, wie unwahrscheinlich es sey, daß ich an den mir zur Last gelegten Missethaten sollte Antheil gehabt haben. Mit der Beschuldigung einer Verschwörung, um den König zu entthronen, will ich demnach den Anfang machen. Niemals

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hätte ich eine stärkere Probe von meiner Schwäche des Verstandes und Verkehrtheit des Willens geben können, als Theil an dergleichen Complot zu nehmen; denn setzen Sie einmal selbst den Fall, daß dieses Unternehmen wäre zu Stande gekommen: so mußten ja die Folgen davon mir äußerst nachtheilig seyn: weil die Dänen gewiß niemals würden verstattet haben, daß ich als eine Ausländerin weder unter dem Titel einer Königin noch einer Regentin, über sie regierte; und in dem Fall würde der entthronte König entweder wieder auf dem Thron gesetzt seyn, oder die Thronfolge würde durch die Erhebung des Prinzen Friedrichs auf den Thron seyn gänzlich verändert worden.

Jedoch wir wollen einmal voraussetzen, daß bemeldte Unternehmung wäre zu Staude gekommen, und daß man mir zugestanden hätte, den Thron zu besteigen; wie hätte ich können vermuthen in diesem Besitz ungestört zu verbleiben? weil die Königin natürlicher Weise würde unter dem scheinbaren Vorwand, den entthronten König wieder einzusetzen, Hülfe und Unterstützung bey auswärtigen Mächten gesucht haben, um mich wieder vom Thron zu stürzen. Frankreich, dessen Einfluß und Ansehen bey diesem Hof wegen der Macht der mir entgegen gesetzten Parthey, sehr groß ist, würde bey der Gelegenheit sehr gerne hülfreiche Hand geleistet haben, während daß England, so nahe es mir auch sonst verwandt ist, mir hätte als einer Person, die sich des Throns

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durch unerlaubte Mittel bemächtiget, allen Bey- stand, der Billigkeit gemäß versagen müssen. Fügen Sie hier noch bey den starken Widerstand, den ich von einer ansehnlichen Parthey der Eingebohrnen des Landes selbsten, welche der Königin und dem Prinzen Friedrich sehr ergeben sind, würde angetroffen haben.

Umringt von allen, diesen Schwierigkeiten, würde ich bey einem so ungleichen Streit gar bald unten gelegen seyn, und folglich wäre ich von der Höhe, auf die ich so leichtsinnig gestiegen, herabgestürzt worden seyn und zwar mit Verlust der Macht, der Freyheit und wahrscheinlich des Lebens selbst; allein setzen Sie voraus, daß ich meine Augen vor die Gefahr und den Schwierigkeiten, welche eine solche Unternehmung begleiten, hätte verschliessen können, wo sollte ich Hülfe gesucht haben, um es ins Werk zu führen? Das Kriegsvolk hat, durch den Antheil, so es an der letztern Revolution genommen hat, an den Tag geleget, daß es vergeblich würde gewesen seyn, von ihnen Hülfe zu erwarten. Der größte Theil des Adels war für die verwittwete Königin. Das gemeine Volk war gleichfalls zu sehr wider mich durch die falschen und boshaften Gerüchte, die zu dem Ende von meinen Feinden ausgestreuet worden, eingenommen, als daß ich von daher den geringsten Beystand hätte hoffen können. Die Freude, welche der Pöbel blicken ließ, als er meinen Fall vernahm, zeigt klar, in was für Achtung ich bey ihm stund. Noch nie ist eine National-Staats-

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veränderung geschehen oder unternommen worden, woran zumwe nigsten die Truppen oder der Pöbel nicht sollten Antheil gehabt haben. Inzwischen beschuldigt man mich, als ob ich gesucht hätte eine solche Staatsveränderung zu Wege zu bringen und zwar zu einer Zeit, wo es klar erhellet, daß der größte Theil des Adels, alle Truppen, ja selbst der gemeine Mann wider mich verbunden waren. Da ich nun auf diese Weise von mächtigen und zahlreichen Feinden umringet war, wo konnte ich wohl wider ihre bösen Anschläge bessern Schutz suchen, als bey dem Könige meinem Gemahl? und ist es wohl möglich zu gedenken, daß ich so unsinnig sollte gewesen seyn, ihm derjenigen Macht zu berauben, welche allein im Stande war, mich gegen alle Unternehmungen meiner Feinde zu sichern? Gewiß, die Ungereimtheit dieser Beschuldigung kommt der Bosheit gleich mit der sie ist entworfen worden.

Die folgende Beschuldigung ist von noch schwärzerer Farbe als die vorhergehende.

Man sähe sich genöthiget, einige scheinbare Bewegungsgründe vor den Tag zu bringen, die mich zu einer solchen Unternehmung mit so vieler Gefahr und Schwierigkeiten umzäunet, sollten verleitet haben. Mein ganzes Betragen während meines Aufenthalts an dem Copenhagner Hof, beweist daß die Begierde zu herrschen (eine Schwachheit, die sonst meinem Geschlechte eigen ist unter allen Leidenschaften just diejenige war, welche den geringsten Platz bey mir hatte. Nie

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mals trachtete ich zu meinem Vortheil, eineFaction zu erwecken, selbst zu der Zeit nicht, da ich deutlich genug konnte merken, daß eine starke Parthey wider mich formiret wurde; vielmehr hörte ich, mich auf meine Unschuld und die Gunst des Königs verlassend, ohne Unruhe die geheimen Kabalen, welche seit einiger Zeit wider mich geschmiedet wurden.

Meine Feinde waren daher aus dem Grunde genöthiget, etwas anders auszudenken, als ein bloßes Verlangen, meine Macht zu vergrössern, und zwar durch die Entthronung des Königs; zu dem Ende gaben sie vor, daß ich mit dem Grafen Struensee einen strafbaren und verbothenen Umgang unterhielte, und daß es dem zufolge nothwendig wäre geworden, dem König, sowol wegen meiner als des Grafens Sicherheit, diejenige Macht zu nehmen von der wir die strengste Ahndung befürchteten, wenn unser Verbrechen an den Tag käme. Um nun den Verdacht der bemeldten Beschuldigung desto mehr Gewicht zu geben: so streuten sie aus, daß die Aehnlichkeit mit dem erwehnten Grafen, ganz deutlich auf den Gesichtszügen des unschuldigen Kindes meiner Tochter zu lesen wäre. Sie gründeten diese Beschuldigung auf einen so genannten vertrauten Umgang zwischen mir und dem Grafen, der, wie sie sagen, mit der Würde als Gemahlin des Königs, und die ich in meinem ganzen Betragen beständig hätte vor Augen haben sollen, nicht bestehen könnte.

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Man behauptet, daß der unglückliche Graf sich selbsten bey seinem Verhör, einer solchen strafbaren Gemeinschaft mit mir schuldig erkläret habe; allein ich kann kaum die Möglichkeit begreifen, daß der Graf meinen Namen und seine eigene Ehre sollte durch eine Beschuldigung, die von aller Wahrheit entblößt ist, befleckt haben. Jedoch gesetzt, daß er dieses Bekenntniß gethan hätte: so hätte es gleichwol nicht ohne andere mir zu Schulden kommende Umstände, zu einem hinreichenden Grund gebraucht werden müßen, um mich für schuldig zu erklären; weil man gar nicht in Abrede seyn kann, daß ihm dieses Bekenntniß nicht wäre auf der Tortur durch die grausamsten Folterungen abgepreßt worden. Allein, was soll ich sagen? meine Feinde hatten ja schon vorhero den Entschluß gefaßt, mich zu verdammen und sollte es auch auf Kosten der Billigkeit, des Rechts und der Vernunft geschehen. Dieses Betragen kommt mir nicht fremd vor, wenn ich bedenke, was für Ordres sie haben befolgen müssen; denn ich bin vollkommen überzeugt, daß sowol die Wahl der Glieder bey der Untersuchungs-Commißion, wovon ich schon Erwähnung gethan, als auch gewisse festgesetzte Maaßregeln, nach welchen sie sich richten mußten, einzig und allein auf Antrieb und Befehl derjenigen geschehen sey, welche den König, wie ich bereits oben angeführet habe, gezwungen haben, die Ordre zu meiner Arretirung zu unterschreiben. Es ist sehr merkwürdig, daß man wegen der Rechtmäßigkeit des Prinzen meines

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Sohns, nicht den geringsten Verdacht ausge- streuet hat. Dieser Umstand soll der Gegenstand meiner Anmerkungen in einem andern Theil meines Briefes seyn, wo er an die rechte Stelle kommen wird.

Um nun wieder auf die Beschuldigung zu kommen: so hat ein vermeyntlich vertrauter Umgang zwischen dem Grafen und mir, meinen Feinden schon hinreichend geschienen, mich wegen einer Treulosigkeit anzuklagen. Dieser vertrauliche Umgang, sagen sie, hätte dem ganzen Hof in die Augen geleuchtet. Wenn dieses wirklich so wäre, warum ist denn der König von einem so wesentlichen Umstand unwissend geblieben? Es ist klar, daß er nichts davon gewußt hat, selbst zu der Zeit, als man sich meiner versicherte, sonsten würde er nicht einen Augenblick angestanden haben, den Befehl mich arretiren zu lassen, zu unterschreiben. Ueberdem so würde es eine Probe meiner äußersten Thorheit gewesen seyn, mich an einem Hofe, wo ich sehr wohl wußte, daß eine große Anzahl derer, die täglich um mich waren, zu Auskundschaftern meiner Handlungen gebraucht wurden, so unvorsichtiglich zu betragen.

Ich endige hier meine Anmerkungen wegen der Hauptbeschuldigungen, so man wider mich beygebracht hat, um auf diejenigen Anschuldigungen von geringerer Bedeutung zu kommen, welche meine Feinde die Geschicklichkeit gehabt, auszubreiten und der Nation mit Anspannung aller ihrer Kräfte und Kunstgriffe, deren sie fä-

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hig waren, glaubend zu machen. Die vornehmsten dieser Beschuldigungen, bestehen darinnen: 1) daß ich nicht Zuneigung und Ehrerbiethigkeik genung gegen dem Könige bewiesen; 2) daß ich die Dänen überhaupt mit einer Art von Verachtung behandelt, und endlich 3) daß ich die Schauspiele, Balls, Maskeraden & c. an einem Hofe, der bishero wegen der strengen Beobachtung guter Sitten, in Achtung gestanden, eingeführet habe.

Meine Feinde breiteten täglich diese Beschuldigungen wider mich in dem ganzen Königreich aus, und während der Zeit daß ich alles anwendete, durch mein Betragen die Hochachtung des Königs insbesondere, und der ganzen Nation überhaupt zu verdienen und mir bereits schmeichelte, ihre Gunst zu besitzen: so haben mich meine Feinde durch ihre heimlichen Ränke und niedrigen Kunstgriffe, zum Gegenstand ihrer Verachtung und ihres Hasses gemacht.

Aber um wieder zur Hauptsache zu kommen: so bestehet die erste Beschuldigung, so mir zur Last geleget wird, darinnen, daß ich für den König meinen Gemahl gar zu wenige Liebe und Ehrerbiethigkeit gehabt habe. Diese Beschuldigung ist, in allem Gesichtspuncte betrachtet, falsch. Meine Neigung sowol als Pflicht, haben mich jederzeit angetrieben, mich so zu verhalten, daß ich der Zuneigung und des Vertrauens Sr. Majestät versichert seyn konnte. Mit einer natürlichen Munterkeit richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf, wie ich ihm gefällen möchte;

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Se. Majestät haben auch öfters selbst bekennt, daß mein aufgewecktes Gemüth eine Erholung und angenehme Erquickung nach so schweren Regierungssorgen, für Dieselben wäre. Allein meine Feinde haben mir diese Munterkeit, um ihre Bosheit in ihrem ganzen Umfange blicken zu lassen, bey folgender Gelegenheit, zu einem Verbrechen angerechnet, Ich hatte nämlich seit einiger Zeit bemerket, daß der König unruhig und niedergeschlagen wurde; welches von seiner schwächlichen Gesundheit herrührete. So bald ich diese Schwermüthigkeit entdeckte: so suchte ich dieselbe durch Verdoppelung der Lebhaftigkeit, woran der König schon zum öftern ein so lebhaftes Vergnügen fand, zu vertreiben. Allein, alle meine Bemühungen waren vergeblich; denn die Krankheit schien täglich zu zu nehmen. Ob ich gleich die Folgen davon befürchtete und alles empfand, was nur immer bey dergleichen Umständen, eine Pflichtschuldige und getreue Ehegattin natürlicher Weise empfinden kann: so bildete ich mir dennoch ein, daß die Wiedergenesung des Königs, größtentheils von der Sorgfalt abhinge, ihn nicht in eine Muthlosigkeit verfallen zu lassen, als wozu ich ihn sehr stark geneigt fand.

Dem zufolge fuhr ich fort, eine Fröhligkeit blicken zu lassen, woran jedoch mein Herz damals nicht den geringsten Antheil nahm, indem ich durch dieses Bezeigen den König nur blos zu überreden suchte, daß seine Krankheit nicht so gefährlich sey, als sie ihm schiene. Um hierin-

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nen desto glücklicher zu styn: so habe ich zuweilen mit ihm über die gemachten Zweifel wegen sei- ner Herstellung gespaßet: und während daß andere unter dem Vorwand ihm zu gefallen, seine Beunruhigung vermehrten, indem sie ihm zum Theil in seiner Meynung wegen der Gefahr seiner Krankheit bestärkten: so habe ich meines Theils beständig dahin gearbeitet, ihm dieses aus dem Sinn zu reden und von seinem Zustand günstigere Gedanken zu hegen.

So fremd Ihnen dieses vorkommen möchte: so kann ich Sie Mylord, jedennoch versichern, daß einige Personen gewesen sind, die sich aus Ursachen, die Ihnen sehr wohl bekannt sind, dadurch sehr strafbar gemacht haben; weil die Krankheit des Könige, täglichen Zuwachs, und seine Furcht neue Stärke bekam; ja öfters, wenn ich ihn suchte aufzumuntern und zu überreden, daß seine Gesundheit schiene besser zu werden: so wieß er mich auf eine beissende Art ab, und antwortete mir mit einem harten und ungnädigen Thon.

Meine Feinde, die sich dieses Umstandes zu Nutze machten, beschlossen sich desselben ferner zu meinem Verderben zu bedienen. Zu dem Ende stellten Sie dem König vor, daß meine leichtsinnige und flüchtige Aufführung, wie sie dieselbe nennten, zu einer Zeit, wo alle seine andern Freunde über den schlechten Zustand seiner Gesundheit bestürzt wären, eine sattsame Probe von der wenigen Achtung und Zuneigung, welche ich für seine Person hätte, an den Tag legte. Dies

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Vorgeben suchten sie dadurch zu bestärken, daß sie behaupteten, wie meine Aufführung, wenn ich in Freyheit wäre, viel tadelhafter sey als in seiner Gegenwart, und versicherten Se. Maje- stät, daß mein Betragen bey dieser Gelegenheit wäre der Stoff der Gespräche des ganzen Hofes gewesen.

Ich habe starke Gründe zu glauben, daß diese boshafte Beschuldigung zu der Zeit diejenige Würkung nicht thate, die man sich davon versprach; weil mir der König nie das geringste Wort dieserwegen sagte. Es ist auch ein großer Trost für mich, versichern zu können, daß diese Beschuldigung nur allein in der Bosheit meiner Feinde gegründet war.

Die zweyte Beschuldigung ist, daß ich die Danen überhaupt jederzeit mit einer Art von Verachtung, die sie sich nicht zugezogen, tractiret habe; um mich hierüber zu rechtfertigen habe ich weiter nichts nöthig, als Ihnen die Aufführung zu erklären, die ich in Absicht ihrer beobachtet habe, und zwar von dem Augenblick an, da ich in Copenhagen angelanget bin. Die Einwohner empfiengen mich Anfangs mit allen Arten der Freudensbezeugungen, und ich schmeichelte mir, daß, wenn ich einige Zeit unter ihnen würde zugebracht haben, ich sie in der guten Meynung die sie von mir gefaßt hatten, bestärken würde. Ich würde auch gewiß meine Wünsche, ohne die Intriguen meiner Feinde (welche ohne Aufhören wider mich solche Lästerungen ausbreite

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ten, die sie für die bequemsten hielten, mich bey dem gemeinen Volk verhaßt zu machen) erfüllt gesehen haben.

Die Dänen schienen, so wie ich bemerkt habe, sehr leichtgläubig zu seyn, und meine Feinde haben sich dieser Leichtgläubigkeit zur Ausführung ihres Vorhabens zu Nutze gemacht.

Zufolge der Regel, nach welcher ich beschlossen hatte, meine Aufführung zu richten, suchte ich alle Gelegenheit auf, mich dem ganzen Hof angenehm zu machen. Zu dem Ende machte ich Gebrauch von allen nur möglichen Höflichkeitsund Freundschaftsbezeugungen; um auch allen Verdacht zu entfernen, als ob ich suchte, mir einen Anhang zu machen: so vermiede ich sehr sorgfältig, den geringsten Unterschied unter den Personen, die Cour bey mir machten, zu äußern; sondern ich begegnete jedem mit gleicher Höflichkeit und mit gleicher Achtung.

Um dieser Ursachen willen, habe ich mich auch jederzeit gehütet, jemand von meinen Landsleuten dahin zu vermögen, an den dänischen Hof zu kommen, ob mich gleich das Ansehen, so ich bey dem König hatte, ohne Zweifel in den Stand gesetzt hatte, sie wegen Verlassung ihres Vaterlandes hinreichend schadlos zu halten. Ob mir schon diese Maaßregeln einen grossen Vortheil zuwege gebracht hätten; weil ich mir dadurch eine große Anzahl Freunde würde gemacht haben, die jederzeit wären bereit gewesen, sich allen gemachten Entwürfen meiner Fein

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de zu widersetzen: so wollte ich doch lieber mein einziges Vertrauen auf die Unterthanen meines Gemahls setzen, und mich des Vortheils berauben, den ich daraus hätte ziehen können.

Das Vergnügen, welches der König nothwendig empfinden mußte, mich eben so sehr von seinen Unterthanen als von ihm selbst geliebt zu sehen, war auch ein starker Bewegungsgrund, alles anzuwenden, um mir die Hochachtung des Volks überhaupt zu verschaffen; und die Ueberlegung meines eigenen Intresses, würde allein schon hinreichend gewesen seyn. alles nur mögliche zu thun, um darinnen glücklich zu seyn.

Ich habe über die gegenwärtige Beschuldigung weiter nichts mehr zu sagen, als daß sie, so wie alle übrigen ungegründet ist.

Die letzte Beschuldigung, die mir noch übrig ist, näher zu untersuchen, bestehet darinn, daß ich Bälle, Maskeraden & c. an einem Hofe einge- führet habe, der jederzeit wegen der Entfernung von allen Arten dergleichen Auftritte der Unordnung, wie es meinen Feinden beliebt sie zu nennen, und dessen genaue Beobachtung der Sitten, jederzeit als ein würdiges Muster der Nachfolge ist betrachtet worden, in sonderbarer Achtung gestanden habe.

Diese Beschuldigung hat etwas Sonderbares und Merkwürdiges in sich, nämlich daß es mir zur Last gelegt wird, gefährliche und der Tugend nachtheilige Lustbarkeiten eingeführt zu haben, da doch dieselben an den meisten Höfen von

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Europa begünstiget und angenommen worden, welche, weit entfernt sie für schädlich und nachtheilig zu betrachten, dieselbe vielmehr als die bequemsten Mittel halten, die Künste und Manufacturen dadurch in Aufnahme zu bringen.

Bey dieser Beschuldigung ist noch ein anderer Umstand, der nicht weniger bemerkungswerth ist, nämlich, sie enthält einen gewissen Grad der Wahrheit, die zwar bey allen Beschuldigungen nothwendig ist, die aber bey asien bishero wider mich beygebrachten Beschuldigungen, gänzlich fehlet. Folgende Umstände dieser ganzen Sache, unterwerfe ich Dero Bemerkungen.

Die öffentlichen Lustbarkeiten, welche bey Gelegenheit meiner Vermählung mit dem Könige angestellet wurden, brachten verschiedenen Personen am Hof, unvermerkt einen solchen Geschmack an dergleichen Lustbarkeiten bey, daß ich von einigen bemeldter Personen, nachdem alle Freudensbezeigungen vorbey und alles wieder auf den alten Fuß gesetzt war, ersucht wurde, mein Möglichstes bey dem Könige zu thun, um seine Einwilligung zur Erneurung derselben an gewissen Zeiten und unter gewissen Einschränkungen zu erhalten. Ich versprach ihnen ihr Begehren dem Könige vorzustellen, und einige Tage darauf erfüllte ich mein Versprechen. Der König bewilligte mir meine Bitte auf die allerverbindlichste Art, und von der Zeit an, sind die Lustbarkeiten, worüber man sich beklagt, fast die beständigen Ergötzlichkeiten des größten Theils des Hofes geworden;

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allein ehe ich noch bey dem Könige deswegen Ansuchung that, machte ich der verwittweten Königin mein Vorhaben kund, und zog sie darüber zu Rath; sie hat mir zur Antwort gegeben, daß sie nichts Unanständiges dabey sähe, und sie erbot sich sogleich mein Ansuchen zu unterstützen, im Fall Se. Majestät die geringste Schwierigkeit machen sollten, es mir zu bewilligen. Dieses ist ein Umstand, den ich noch, ehe ich diesen Brief schliesse, näher beleuchten werde.

Aus allem dem, so ich bishero gesagt, erhellet deutlich, daß die bösen Folgen (wenn nämlich dergleichen gewesen) welche durch Einführung bemeldter Lustbarkeiten erfolgt sind, mir mit keinem Grunde zur Last gelegt werden können; weil ich in dieser Sache lediglich auf Ansuchung und Rath anderer gehandelt habe, gänzlich unwissend, was die Dänen von diesen Ergötzlichkeiten dachten. Ich trag inzwischen kein Bedenken zu bekennen, daß ich des Königes Einwilligung bey dieser Gelegenheit eben so sehr zu erhalten wünschte, als jemand von denjenigen, die mich zu diesem Gesuch verleitet hatten.

„Ich endige nun hier die Anmerkungen, die ch mir vorgenommen hatte, zu machen, sowol über die Haupt- und geringeren Beschuldigungen, als auch über die Aufführung, welche man in Absicht meiner Zufolge der Beschuldigungen von der ersten Art, beobachtet hat, und hoffe dadurch bewiesen zu haben (in so ferne eine Unwahrheit kann erwiesen werden) das alle bemeldte Beschuldigun

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gen, eine einzige ausgenommen, ganz ohne Grund sind, und daß in Absicht der Beschuldigung, die ich einigermaßen gegründet finde, die Schuld davon einzig und allein meiner Unwissenheit und keinesweges einem vorsetzlichen Fehler, beyzumessen sey; auch habe ich bewiesen, daß das Verfahren der Untcrsuchungs-Commißion gänzlich gegen die Gerechtigkeit und Vernunft streite. Nun lasse ich Ihnen, Mylord, zur Beurtheilung über, ob Ihnen meine Beweise, die ich beygebracht, Genungthuung geben könnnen.

Und da sie natürlicher Weise von mir mit Recht erwarten können, daß ich Ihnen einige Bewegursachen des grausamen und ungerechten Verfahrens meiner Feinde anzeige: so will ich Ihnen einige Umstände vorlegen, die Ihnen die Ursache ihrer Aufführung in Absicht meiner, begreiflich machen.

Ich habe mich bishero des allgemeinen Namens: Feinde bedienet, als ich derjenigen Personen Erwähnung thun mußte, welche mir durch ihre List und Kunstgrife dasjenige Unglück zubereitet haben, worunter ich jetzo seufze.

Derowegen muß ich Ihnen melden, daß ich unter dieser Benennung jederzeit die verwittwete Königin, ihren Sohn den Prinzen Friedrich und diejenigen von dem Adel und von den andern Ständen, verstanden habe, welche zur Ausführung der letztern Staatsveränderung hülfreiche Hand geleistet haben. Ich muß Ihnen ferner noch einige Umstände entwickeln, welche die Auf-

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29 führung dieser Personen betreffen, und die ich bishero noch nicht berühret habe. Ingleichen werde ich auch einige Umstände die ich bishero mit Anmerkungen begleitet habe, wiederholen und mei- nem oben gethanen Versprechen gemäß, einige nähere Bemerkungen beyfügen.

Das Betragen der verwittweten Königin wird bey dieser Gelegenheit den vornehmsten Stoff meiner Anmerkungen ausmachen; weil ich sie als die vornehmste Triebfeder, die allen andern Theilen ihre Bewegung gegeben, betrachte; doch werde ich auch zu gleicher Zeit nicht unterlassen, einige Anmerkungen über die Aufführung der beyden andern Personen, die sich in dieser Sache haben als Werkzeuge gebrauchen lassen, zu machen.

Um nun den Anfang der Untersuchung wegen der Aufführung der verwittweten Königin zu machen: so wurde ich bey meiner Ankunft am dänischen Hof von Ihrer Majestät mit allen Zeichen der Freundschaft und Zuneigung empfangen. Da aber meine Vermählung mit dem Könige, wahrscheinlicher Weise ihr alle Hoffnung ihren Sohn dereinsten auf dem Thron zu sehen, benehmen mußte: so erwartete ich von ihr eine ganz andere Begegnung. Es wurde eben keine vollkommene Staatskunst erfordert, um zu entdecken, daß mir diese Freundschaftsbezeugungen verdächtig seyn mußten, und zweifelte daher, um dieser Ursachen willen, an der Aufrichtigkeit derselben; jedoch ließ ich endlich alles Mißtrauen fahren und faßte für

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Ihre Majestät eine Zuneigung, die eben so aufrichtig als die ihrige falsch war.

Von diesem Augenblick an überließ ich mich gänzlich der Leitung Ihrer Majestät, indem ich sie bey jeder wichtigen Gelegenheit zu Rathe zog. Die erste wichtige Sache, wobey ich ihren Rath nöthig hatte, war bey Gelegenheit der Bitte, welche einige von den vornehmsten Personen des Hofs an mich ergehen liessen, um durch mein Ansehen es auszuwürken, daß der König seine Einwilligung zur Erneurung gewisser öffentlichen Lustbarkeiten, deren ich schon Erwähnung gethan, geben möchte. Bey dieser Gelegenheit rieth sie mir sehr stark, diese Bitte zu vollziehen, indem sie vorgab, daß ich mir hiedurch unvermerkt diese Personen verbindlich machen würde, mit der Versicherung, daß wenn der König bey dieser Gelegenheit die geringste Schwierigkeit machte, sie alsdann mein Ansuchen durch ihre Bitte unterstützen würde; allein vorbedächclich sagte sie mir nicht ein Wort von der Abneigung, welche die Dänen gegen dergleichen Lustbarkeiten haben.

Durch dieses Betragen erhielte die verwittwete Königin zwey wesentliche Stücke zu ihren Absichten: Auf der einen Seite machte sie mir die Sache an sich selbst je mehr und mehr angenehm, und auf der andern Seite wuste sie, wie unzufrieden die Nation über die Erneurung dieser Lustbarkeiten wäre, und daß man folglich keine Zuneigung zu mir haben würde, wenn man einmal zu wissen bekäme, daß dieselben auf mein Verlangen wären erneuert worden.

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Es war in ihrem Betragen ein Umstand, der mich in großes Erstaunen setzte, als ich den Character der Nation besser hatte kennen gelernt, nämlich der Eifer, mit welchem sie mich antrieb, alle diejenigen Vorschläge, welche die Einführung der Pracht und Kosten zum Gegenstand hatten mit meinem Ansehen zu unterstützen. Diesen Eifer schrieb ich dem Verlangen zu, um meinen Zustand so angenehm zu machen als möglich, und zwar durch Einführung derjenigen Ergötzlichkeiten, zu denen ich jederzeit Geschmack und Neigung bezeuget hatte, und an welchen ich in meinem Vaterlande beständig gewohnt war.

Ich habe nachher wichtige Gründe gehabt, meine Meynung zu ändern, und anjetzt bin ich überzeugt, daß die Bewegungsgründe ihres Betragens in diesem Vorfall so wol als in allen andern, nichts anders gewesen sind, als ein vorgesetzter Plan, mir in den Gemüthern des Volks so vielen Nachtheil als nur möglich, zu wege zu bringen.

Während der Zeit, daß der König mein Gemahl, sich in England aufhielte: so gaben mir Ihre Majestät eine ganz besondere Probe von ihrer Fähigkeit in den Hof-Ränken, durch ihre Erfahrenheit in der Kunst sich zu verstellen. Hier ist die Sache. Als wir alleine waren, machte die Untreue der verheyratheten Mannspersonen in England gegen ihre Frauens, den Gegenstand aller ihrer Gespräche aus; sie machte mir bey der Gelegenheit, wegen meiner Eigenschaften, viele Lob

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sprüche, und ließ eine feste Hoffnung (die mir aber als eine vollkommene Furcht schien) blicken, daß sich der König nie von der Pest dieses Hofes würde anstecken lassen.

Kurze Zeit hernach fiengen Ihre Majestät an, mir die Aufführung des Königs auf eine verblümte Art verdächtig zu machen, und endlich kam sie so weit, daß sie mir verschiedene Personen in London nahmhaft machte, mit denen der König, ihrem Vorgeben nach, einen vertraulichen Umgang unterhielte.

Hier wurde ich wieder durch ihre Kunstgriffe betrogen; denn als ich in geheim die Unbeständigkeit, deren ich Se. Majestät beschuldigte, beweinte: so floß mein Herz von Dankbarkeit gegen die verwittwete Königin über, wegen der neuen Merkmale der Zuneigung, welche sie mir schiene zu geben. Inzwischen hatten alle die Bemühungen, so sie sich gab, den Saamen der Uneinigkeit zwischen mir und dem König auszustreuen, nicht die Würkung, die sie sich ohne Zweifel davon versprach. Denn als ich reiflich überlegte, daß alle Vorwürfe, die ich dieserwegen dem Könige machen könnte, den nahe ohne Nutzen wären, so beschloß ich eine ganz andere Aufführung anzunehmen, und indem ich vor ihn die Kundschaft, die man mir mit so vieler Sorgfalt beybrachte, von seiner schlechten Aufführung, verbarg; so gab ich mir alle Mühe, sein Herz durch Merkmale meiner gewöhnlichen Zärtlichkeit wieder zu gewinnen.

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Zufolge dieses Entschlusses, bemühete ich mich dem König bey seiner Zurückkunft, eben so sichtbare Beweise meiner Zuneigung zu geben, als ich vor seiner Abreise in der That gehabt hatte.

Seine Majestät, sorgfältig unterrichtet, daß ich von seinen Schwachheiten Kenntniß hätte, und der folglich eine ganz andere Aufnahme von mir erwartete, schien anfänglich an der Aufrichtigkeit meiner Bezeugungen zu zweifeln; allein als er endlich sahe, daß ich nicht den geringsten Schein eines Mißvergnügens wegen seines vergangenen Betragens blicken liesse: so begab er sich des gefaßten Argwohns und von der Zeit an, schien seine Neigung gegen mich täglich zu wachsen.

Kurze Zeit nach der Zurückkunft des Königes wurden mir die Augen zum Theil in Absicht der Kunstgriffe der verwittweten Königin bey folgendem Vorfall geöfnet. Als eine Bedienung von geringer Bedeutung ledig war: so ersucht mich dieselbe, sie mir bey dem Könige für jemand auszubitten, den sie mir nannte. Vergeblich stellte ich ihr vor, daß ich mich seit meiner Ankunft in dies Königreich gar nicht damit befaßt hätte, Bedienungen zu vergeben, theils weil ich nicht Fähigkeit besäße das Verdienst derjenigen, die sich darum bewürben zu beurtheilen, theils, weil ich beschlossen hätte, niemalen dahin zu trachten, mir ein Recht anzumaßen, welches der Person des Königes nur allein zugehöre.

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Alle diese Vorstellungen, die ich als Gründe beybrachte, warum ich wünschte, mich in dieser Sache nicht verwickelt zu sehen, waren Fruchtlos; denn Ihre Majestät drungen so stark in mir, daß ich mich endlich genöthiget sahe, in ihr Begehren zu willigen.

Die Ursache warum sie, wie sie vorgab, so ernstlich darauf bestund, wäre, daß bey dieser Gelegenheit ein Edelmann zum Besten einer andern Person mit ihr gesprochen habe, von der sie sehr wohl wüßte, daß sie gar keine Fähigkeit zu dieser Bedienung hätte; jedoch wagte sie nicht es dem Edelmann, der aus einer alten und mächtigen Familie wäre, und dem sie noch überdem besondere Verpflichtungen schuldig wäre, gerade zu abzuschlagen. Sie bath mich dahero, daß ich mich gegen Niemand wegen der Bitte, so sie an mir gethan, etwas möchte äußern, damit es dieser Edelmann nicht erführe. Zum Beschluß fügte sie die Versicherung bey, daß sie gar keine andere Ursache habe, mir die bemeldte Person zu empfehlen, als weil sie dieselbe für die Tüchtigste am ganzen Hofe zu dieser Bedienung hielte. Um mich kurz zu fassen, ich sprach den König darum an, der ohne Bedenken in mein Gesuch willigte; einige Tage darauf erfuhr ich, daß die verwittwete Königin selbsten besagten Edelmann versicherte, daß die Ursache, weswegen sie bey dieser Gelegenheit mit dem Könige zu seinem Vortheil nicht habe sprechen können, diese wäre, daß nachdem sie von ohnge-

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fähr in meiner Gegenwart dieser Sache wegen gesprochen habe: so hätte ich sogleich eine heftige Begierde bezeiget, mir bemeldten Posten bey dem Könige für die Person, die ihn erhalten, auszubitten; inzwischen müßte sie bekennen, daß ausser Sr. Majestät niemand meine Absichten hiebey einsähe.

Es erhellet hieraus ganz deutlich, daß sie durch dieses Betragen bemeldten Edelmann den Gedanken suchte beyzubringen, daß ich bey dieser ganzen Sache kein ander Absehen gehabt, als ihm seinen Plan zu vereiteln.

Der letzte Umstand des Betragens Ihrer Majestät, ist, daß sie die Beschuldigung wider mich wegen eines strafbaren Umgangs mit dem Grafen Struensee, angesponnen oder vielmehr ausgedacht hat.

Da es eine nothwendige Folge war, daß, wenn ich dieses Verbrechens schuldig erklärt würde, ich auf beständig vom Hofe (im Fall man mir das Leben schenkte) verbannet würde: so ist es nicht schwer die Bewegursachen dieses Betragens zu errathen.

Die Bewegungsgründe, die Ihre Majestät, wahrscheinlicher Weise, zu allen obbemeldten Umständen verleiteten, waren nur (den letztern ausgenommen) von geringen Gewicht; allein das was sie hauptsächlich und am stärksten zu dem Betragen antriebe, war (ich getraue es mir zu behaupten) das Vornehmen, mich auf immer von dem Könige meinem Gemahl zu

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entfernen, und hierinnen hat es ihr nur allzu- wohl gelungen.

Ich habe oben versprochen, noch etwas von den wider mich beygebrachten Anschuldigungen zu sprechen, und hauptsächlich von der Beschuldigung, als ob ich mit dem Grafen Struensee in sträflicher Verbindung gestanden wäre. Ich werde nur die einzige Anmerkung darüber machen, daß es ein rechtes Meisterstück der Staatskunst gewesen ist, die Zeit dieser Verbindung nach der Geburt des Prinzen meines Sohns fest zu setzen; denn wenn man etwas wider die Rechtmäßigkeit seiner Geburt beygebracht hätte: so würde man starken Verdacht gefaßt haben, als ob man damit umgienge, die Thronfolge zu verändern, und verschiedene Umstände, die ich in diesem Brief hier und da näher entwickelt habe, beweisen es mit der größten Wahrscheinlichkeit, daß die Absichten meiner Feinde würklich dahin gegangen sind; wenigstens geben das Betragen der verwittweten Königin, des Grafen Ranzau und des Obristen Köller, zur Zeit meines Arrests (worüber ich schon meine Anmerkungen gemacht habe) keine solche Umstände an Handen, woraus man das Gegentheil schliessen könnte.

Nachdem ich nun also meine Erzählung geendiget habe: so hoffe ich Mylord, daß Sie mir die Mühe, so ich Ihnen verursachet, verzeihen werden. Das lebhafte Verlangen, so ich habe, mein Betragen vor Ihren Augen zu rechtfertigen und

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durch Dero Vermittelung meinen Landsleuten meine Unschuld zu erkennen zu geben, ist die Veranlassung, daß ich mir die Freyheit genommen habe, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Haben Sie die Geneigtheit und entschuldigen Sie die Fehler der Schreibart, die meinem Geschlechte eigen sind, und seyn Sie der vollkommensten Hochachtung versichert, mit welcher ich bin,

Mylord,

Dero

verpflichtete

Carolina Mathtlda.

Port Scriptum. Als ich dasjenige, was ich oben geschrieben habe, noch einmal überlese: so bin ich sehr bestürzt geworden gewahr zu werden, daß ich nicht die geringste Anmerkung wegen einer anderweitigen Beschuldigung, die meine Feinde wider mich angebracht hatten, und wobey die Bosheit sowol als Falschheit Antheil hat, gemacht habe, ich meyne die Beschuldigung, die man mir macht, als ob ich Seiner Majestät gerathen hätte, die Schweitzergarde abzudanken und sie unter andere Truppen zu stecken.

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Den Ungrund dieser Beschuldigung betreffend, so kann ich dieserwegen den ganzen Hof aufrufen, der sehr wohl weiß, daß diese Einrichtung nicht auf mein, sondern der verwittweten Königin Anstiften geschehen ist. Die Bosheit dieser nämlichen Beschuldigung wird klärlich aus den Bewegungsgründen selbst erhellen, wovon meine Feinde vorgeben, daß sie mich zu diesem Schritt gebracht hätten, nämlich daß, wenn ich die Garde abdanckte, ich um so viel leichter meinen Plan wider den König ausführen könnte; allein zu gleicher Zeit, da ich erkläre nicht den geringsten Antheil an dieser Sache gehabt zu haben: so bekenne ich, baß die Maaßregeln, welche man dieserwegen genommen hatte, meinen völligen Beyfall hatten, und zwar erstlich wegen der schlechten Verfassung, darinnen sich die Schatzkammer befand, von der man mich versicherte, daß sie beynahe leer sey, und zweytens wegen dem Vorzug, von dem ich glaubte, daß er den Eingebohrnen des Landes zukäme, die Person des Königs zu bewachen.

Den Bewegungsgrund betreffend, den meine Feinde beybringen: so ist derselbe sehr schwach und falsch; denn gesetzt ich hätte Theil an bemeldter Veränderung gehabt; weil ich mit keiner Wahrscheinlichkeit einen Beystand der National-Truppen, zu hoffen gehabt: so würde es ungereimt gewesen seyn, eine Abdankung dieser Garde zu veranstalten, von deren Beystand ich

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nur allein einen glücklichen Ausgang meines Unternehmens hätte hoffen können.

Die Folge hat es zum Theil bewiesen, daß dieses die Bewegungsgründe derjenigen mögen gewesen seyn, die dergleichen Maaßregeln genommen haben; allein Sie werden leicht begreifen, daß ich, um der Ursachen wegen, die ich beygebracht habe, keinen Antheil an dieser Sache kann gehabt haben.

ENDE.

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Nachricht

von der

letzten Staatsveränderung in Dännemark

von

Ihro Majestät der Königin

Caroline Mathilde,

eigenhändig entworfen

in Ihrer Gefangenschaft

auf den Schlosse Kroonenburg und den Grafen von *** zugeeignet,

Aus dem Englischen.

Londen 1773.

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An

Dem Herrn Grafen von * * *

Mein Herr,

Die unverbrüchliche Treue, so Sie in unzählbaren Fällen meiner Fa- milie erwiesen, und die besondern Merkmale der Achtung und Freundschaft, so Sie mir jederzeit gegeben haben, muntern mich auf, gegenwärtige Rechtfertigung meiner Aufführung wider die falschen und boshaften Beschuldigungen, die man wider mich gemacht und um deren willen ich heute ungerechter weise bin gefangen gesetzt worden, Dero Prüfung zu unter- werfen. Der große Ruf von Dero Aufrichtigkeit und Einsicht, mit der Sie Ihr Urtheil zu fällen pflegen und auf welches sich ein jeder sicher verlassen kann, ist der

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Bewegungsgrund, warum th Sie bey dreier Gelegenheit vor allen andern am allerliebsten erwähle. Ich zweifle demnach nicht, daß meine Landsleute, nicht alsobald sollten, so bald sie werden erfahren haben, dag Sie vollkommen von meiner Unschuld überzeugt sind (wie ich denn hoffe daß Sie es seyn werden, nachdem Sie den umständlichen Bericht von meinen Unglücksfallen gelesen haben ) denjenigen Vorurtheilen entsagen, welche mehr als eine Person, so wie ich vernehme, schon wider mich gefaßt hat, und welches Folgen von demjenigen boshaften Gerüchte sind, die meine Feinde so eyfrigst durchs ganze Königreich ausgesprenget haben. Der Gedanke, daß mein Name unter meinen Landsleuten einen Anstrich bekommen, verdoppelt den Schmerz meines erniedrigenden Zustandes und meiner Gefan- und wäre ich mir nicht bewust, daß meine gegenwärtigen Leiden auf keinerley, Art verdienet habe, so würde ich ohne Zweifel unter der schweren Last meines Unglücks erliegen müssen.

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Dieses vorausgesetzt, werde ich mich nun gegen die Beschuldigungen meiner Feinde rechtfertigen.

Die Verbrechen, welcher man mich be- schuldiget, und deren Art und Beschaffenheit ich nicht eher als einige Zett meiner Arretirung habe zu wissen bekommen, bestehen darinn: daß ich mich einer Verschwörung gegen den König meinen Gemahl, in der Absicht, um ihm die Krone zu nehmen, soll schuldig gemacht haben; daß ich, in Einverständniß mit den Grafen Struensee, Brandt und andern wirklich eine Renunciations-Acte sollte aufgesetzt haben, weiche ich wäre Willens gewesen, Se. Majestät mit Gewalt unterschreiben zu lassen, wenn wir uns seiner Person würden bemächtiget haben, welches Vorhaben, so wie vorgegeben wird, wir in Begrif stunden, auszuführen, selbst in dem Augenblick, da wir auf dem Befehl des Königs sind arretirt worden; und endlich, daß ich das Bett des Königs meines Gemahls, durch Untreu mit dem gemeldten Grafen Struensee, sollte entehret haben.

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Diese Beschuldigungen sind die Aulage zu meiner Arretirung gewesen. Inzwischen werden mir noch verschiedene andere Dinge, wiewohl von einer gerivgern Art, zur Last gelegt, von welchen ich an seinem Or- te sprechen werde, um so viel mehr, da sie nicht unter die Staatsverbrechen sind gerechnet worden.

Die gänzliche Unmöglichkeit, um eine Unwahrheit zu beweisen, läßt mich sehr wohl begreifen, wie schwer es mir fallen wird, mich wider diese Beschuldigungen zu vertheidigen; jedoch wenn ich beweisen kann, wie ich es hoffe, daß die ganze Aufführung, welche man in Absicht meiner beobachtet hat, eigenmächtig und gerecht gewesen ist, und daß der bloße Anschein, wornach meine Feinde glauben, mich schuldig erklärt zu haben, weit entfernt ist, um einen beweisenden Schluß daraus zu ziehen; wenn ich dieses, sage ich, beweisen kann: so werde ich folglich gezeigt haben, wie natürlicher Werse daraus folgen müsse, daß diejenigen, welche meine Aufführung untersucht haben, sind

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gezwungen. worden, jedem Punkt des Rechts und der Billigkeit Gewalt anzu- thun, um ihre böse Absichten zu vollstre- cken. Hier werde ich einige Anmerkungen beyfügen, um die Unwahrscheinlichkeit darzuthun, daß ich an bemeldten Verbrechen schuldig seyn sollte.

Erstlich demnach, was die Umstande meines Arrests betrift: so hatte man, da die Ordre dazu gegeben wurde, noch niemand verhört, der eine Beziehung auf dasjenige hat, so mir ist zur Last gelegt worden; folglich versicherte man sich meiner, ohne den geringsten Schein einer Ursache dazu zu haben. Man wird mir vielleicht einwenden, daß es nöthig war, sich meiner in der nämlichen Zeit zu versichern, als man die andern Personen in Verhaft nahm, aus Furcht, ich möchte bey der ersten Nachricht von ihrer Gefangennehmung, Mittel finden zu entwischen; man kann hinzu fügen; daß ich, weill ich Theil an ihrer Verschwörung gehabt hätte, nicht mehr Höflichkeit fordern müßte als sie in diesem Fall selbsten gefunden hätten. Hier

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auf antworte ich, daß weil ich eine von den aufgezeichneten Personen war, welche sollten angeklagt werden, meine Feinde ohnedem schon gewußt haben würden, mich so genau zu bewachen, daß es mir unmöglich gewesen wäre, zu entwischen; auch hatten sie um so viel weniger Ursache meine Entwischung zu befürchten, da diejenigen, welche nach ihrem Vorgeben, meine Mitschuldigen waren und die mir in der Ausführung eines solchen Plans helfen musten, selbsten durch die Kette womit sie gefesselt waren, aller Möglichkeit dazu ermangelten. Doch der folgende Umstand wird diesen Punkt noch mehr aufklären.

Die Ordre des Königs um mich zu ar- retiren, wurde ihm durch die verwitwete Königin und durch den Prinz Friedrich mit Gewalt ausgepresset; denn als ihm diese beyden Personen die schriftliche Ordre vorlasen und ihm nöthigten, sie zu un- terschreiben: so weigerte sich Se. Majestät schlechterdings, es zu thun, und zwar so lange bis daß die Königin zu ihm sagte, daß wenn Se. Majestät sich nicht dazu be-

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9 quemen wollten, so würde sie und ihr Sohn@diese Ordre unterschreiben. Der unglückliche König, welcher damals ohne Zweifel bemerkte, daß ihm nichts mehr als nur der Schatten von der Königl. Würde noch übrig geblieben war, und daß, indem er unter der Gewalt seiner Mutter und seines Bruders stund, seine eigene Sicherheit Gefahr liefe, woferne er nicht in alles das, was sie forderten, willigte, unterschrieb endlich mit zitternder Hand auch mit beklemmten Herzen, die Ordre, mich in die Hände meiner Feinde zu liefern.

Hier muß ich die nothwendige Anmerkung machen, daß der König sich weigerte, die Ordre zu unterschreiben sogar nachdem ihn die Königin und der Prinz versichert hatten, daß die Verschwornen und ich beschlossen hätten, ihn zu zwingen, auf dem Thron Verzicht zu thun, ein augenscheinlicher Beweiß, daß er mich nicht vor fähig hielte, einen solchem Complot zu ma- chen.

Nachdem also die Ordre durch einen so

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krummen Weg ist erhalten worden: so wur- de sie dem Grafen Ranzau zur Vollstreckung zugestellt. Diese Ordre ist mit Ge- walt ausgepreßt, und ich muß es sagen,@auf eine unerlaubte Art vollstreckt worden. Ich behaupte nicht daß der Graf den Auftrag gehabt, so barbarisch zu handeln, als er gethan hat; ich muß vielmehr bekennendaß ich besagten Grafen jederzeit vor einen edeldenkenden Mann von feiner Lebensart gehalten habe. Der Graf ließ mir nicht viel Zeit, mich auf mein Gefäng- niß zu zubereiten und als die Stunde meiner Abreise vom Schlosse gekommen war: so halfer mir oder vielmehr er stieß mich in die Kutsche, die mich nach dem Kastel Kroonenburg, den Ort meines Gefängnisses, bringen sollte. Doch ehe ich noch das Schloß verließ, drang ich mit Standhaftigkeit darauf, daß man mir erlauben möchte, mit dem Könige meinem Gemahl zu sprechen; allein diese Freyheit wurde mir von dem Grafen Ranzau schlechterdings abgeschlagen, und als einige Officiers, ihn begleiteten, geneigt schienen, mein Ansuchen erfüllt zu sehen : so brachte er sie

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bald wieder auf andere Gedanken, da er sie versicherte, daß es ihnen ohnfehlbar den Kopf kosten würde, wenn ich dazu gelangte, dem König zu sehen. Diese Worte des Grafen, lassen mich gnugsam vermuthen, daß die Gefangennehmung meiner Person eher geschehen ist, als der König dazu die Ordre unterzeichnet hat, und daß. der Graf in der ganzen Sache lediglich Die Ordres der verwittweten Königin und des Prinzen Friedrichs, ohne Mitwissen Sr. Majestät befolget habe; denn es ist gar nicht möglich voraus zu setzen, daß der Graf und die übrigen Officiers sollten bey Vollstreckung der Ordre, die der König selbst gegeben hätte, dis mindeste Gefahr gelaufen seyn. Zwey andere Umstände bestärken mich in dieser Vermuthung: der erste ist, daß die Ordre mich zu arretiren, nicht eher als einige Zeit hernach, nachdem sie vollzogen worden, vorgezeiget wurde. Der zweyte Umstand ist dieser, daß der Obriste Köller, als er dem Grafen Struensee den Arrest ankündigte, gestund, daß er zwar die Ordre des Königs nicht bey sich habe, allein daß er das was er thäte,

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12 bey Verlust seines Kopfes verantworten wolle. Wenn diese Vermuthungen ge- gründet sind: so folgt nochwendig, daß die Königin und ihr Sohn zuvor beschlossen hatten, des Königes Handzeichnung zu erhalten, es koste was es wolle; oder daß sie, wenn sie sähen daß ihr Unternehmen fehl schlüge, alsdann den Widerstand Sr. Majestät gegen ihre Maasregeln dadurch fruchtlos machen würden, daß sie ihn in der nämlichen Zeit,, als sie sich mei- ner Person versicherten, des Throns be- raubten.

Nachdem ich einige Stunden in dem Palais als eine Gefangene gehalten worden: so wurde ich von dar nach den Kastel Kroonenburg gehracht, und zwar in der Absicht, um zu verhindern, daß ich keine Gelegenheit haben sollte, mich auf einige Weise zu dem Könige meinem Gemahl zu verfügen. In der nämlichen Zeit, als man mich aus Am Palais führte: so wurden alle die, welche bey Sr. Majestät etwas vermochten und die als meine Freunde be- kannt wahren, arretiret ohne Zweifel um

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13 dadurch zu verhindern, daß mir niemand und ihnen bey Sr. Majestät einigen Dienst leisten möchte. Der König, als er sahe, daß man ihm keine andere Personen zu seiner Aufwartung zuließe und sich durch mein Exempel nur allzu wohl bewust war, wie sehr er in ihrer Gewalt und genöthiget sey, sich ihrem Willen zu unterwerfen fand sich in die Nothwendigkeit versetzt, alle ihre Unternehmungen mit seinem Königlichen Ansehen zu unterstützen. Daß Verschiedene Personen nur blos aus obberühmten Gründern sind arretirt geworden, erhellet daher ganz klar, weil sie alle wieder sind los gelassen worden, ohne daß man wider sie nur den geringsten Schein von Beschuldigungen bey dem angeordne- ten Criminalgerichte, vorgebracht hätte.@Einige von diesen Personen haben sogar nachhero Pensions bekommen, ohne Zweifel um sie dadurch wegen der ungerechten Behandlung und der unverdienten Gefangenschaft, schadlos zu halten. Ich werde nun über das Verfahren der Richter, die dazu ernennt worden, die Personen zu verhören, die man wegen der vermeyn-

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ten Verschwörung in Verdacht hatte, ei- nige Anmerkungen machen.

Erstlich was die Art der Beweise betrift, worauf sich die Beschuldigungen gründen, ich meyne nämlich was mich selbst unmit- telbar angehet: so haben meine Feinde behauptet, daß die Verbrechen, deren man mich beschuldigte, wären sattsam von mein- nen Richtern bewiesen worden. Daß sich meine Richter bey dem geringsten Schein eines Beweises, um mich schuldig zu erklären, zu frieden gegeben haben, glaube ich sicher; allein ich leugne zugleich schlechterdings, daß sie wären davon überzeugt worden, und zwar in demselben Sinn, als sie dieser Ueberführung wollen zu- schreiben. Der Beweiß, nah welchen ich bin schuldig erklärt, sagen sie, bestehet in dem Bekenntniß der Personen, die man mir als Mitschuldige zugeordnet hat. Dieser Umstand hätte von einigen Gewicht können gewesen seyn, wenn bemeldtes Be- kenntniß freywillig geschehen wäre; allein, wenn man bedenkt, daß ihnen diese Bekenntnisse abgepreßt worden sind, und zwar

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mitten unter der grausamsten Tortur, wovor die Natur blos schon bey. der Erzählung erschrickt: so bin ich überzeugt, daß jeder Unpartheyischer bekennen wird, daß man mit Beweisen von einer ganz andern Art hätte müssen vor den Tag kommen,@um das Verfahren der Richter wider mich zu rechtfertigen. Das Bettagen der Un- tersuchungscommißion läst sich auf der andern Seite ganz und gar nicht entschuldigen. Sie haben alles in geheim abgehandelt, da doch der geringste Unterthan ein öffentliches Verhör und in gehöriger Form mit Recht fordern kann; ein Recht@das dem Publico überhaupt zukommt, welches jederzeit von den Gründen, worauf sich eine Beschuldigung von einiger Wichtigkeit, so man gegen jemand vorbringt, gründet, muß unterrichtet werden. Die ganze Dänische Nation war in dem gegenwärtigen Fall ganz besonders intreßiret, sowohl in Absicht der Art der Beschuldigung, als in Ansehung des Rangs und der Beziehung der beschuldigten Partheyen. Nichts destoweniger verstattete man nicht, daß eher etwas von demjenigen, was vor die-

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16 sen Tribunal geschahe, bekannt wurde, als bis alle Gerichtshandlungen zu Ende waren; ja als der Obriste Keith, als Gevollmächtiger von dem Könige meinem Bruder verlangte, bey dem Verhör der Gefangenen gegenwärtig zu seyn: so wurde ihm solches rundaus abgeschlagen. Die Bewegursachen eines solchen Betragens sind, wie ich dafür halte, klar genug; derowegen werde ich auch keine fernere Anmerkungen darüber machen, sondern werde vielmehr diesen Theil, der mich allein betrifft, mit der Anmerkung schließen, daß wenn ich reiflich die bekannte Feindschaft erwäge, welche die Glieder dieses Tribunals wider meine Person gefaßt, wie auch derjenigen, die alle ihre Handlungen dirigiret haben, wenn ich mir, sage ich, alle diese Umstände, wieder in mein Gedächtniß zurück bringe, alsdann richte ich mein Herz mit dem innigsten Gefühl der Dankbarkeit zu Gott, der mir die Gnade verliehen, ihren Händen zu entgehen und mein Leben zu retten; ich erkenne bier gleichfalls die großen Verpflichtungen, welche ich dem Obristen Keith

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schuldig bin, der meine Vertheidigung so beherzt über sich genommen hat, und der wie ich gewiß versichert bin, meine Feinde unter göttlichen Beystand abgehalten hat, ihr barbarisches und böses Vornehmen wider mich, ins Werk zu richten,

Ich habe nun bishero Ihnen, Mylord, die Art und Weise vorstellig gemacht, wie man mich von der Zeit an, als man sich meiner Person versicherte, bis zur Verabschiedung der Unterfuchungs, Commißion, tractiret hat, und Sie werden leicht bemerken, daß die Anmerkungen, welche ich in meiner ganzen Erzählung gemacht habe so beschaffen sind, als die Sache, die vor mir lieget, natürlicher Weise hervor bringt. Ich wiederhole dasjenige nochmals, was ich Ihnen bereits zu Anfange dieses Briefes vorgetragen habe, nämlich den Nachtheil, so meine Sache wegen der Schwierigkeit, eine Unwahrheit zu beweisen leidet. Jedoch ich hoffe, daß Sie nach Lesung des obigen umständlichen Berichts, werden überzeugt seyn, daß man mich auf eine grobe Art beleidiget ha-

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18 be, und solcher Vorrechte beraubet, worauf ich mit Recht und zwar unter einen gedoppelten Karakter nemlich als Sou- verainin des Königsreichs und Unterthanin des Königs, Ansprüche machen konnte. Ich werde nun weiter gehen und zeigen, wie unwahrscheinlich es sey, daß ich an den mir zur Last gelegten Missethaten sollte Antheil gehabt haben. Mit der Beschuldigung einer Veschwörung, um den Königen entthronen, will ich demnach den Anfang machen. Niemals hätte ich eine stärkere Probe von meiner Schwäche des Verstandes und Verkehrtheit des Willens geben können, als Theil an derglei- chen Complot zu nehmen: denn setzen Sie einmal selbst den Fall, daß dieses Unternehmen wäre zu Stande gekommen: so mußten ja die Folgen davon mir äußerst nachtheilig seyn; weil die Dänen gewiß niemals würden verstattet haben, daß ich als eine Ausländerin weder unter dem Titul einer Königin noch einer Regentin, über sie regierte; und in dem Fall würde der entthronte König entweder wieder auf denThron gesetzt seyn, oder die Thron

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folge würde durch die Erhebung des Prinzen Friedrichs auf den Tyron seyn gänzlich verändert worden.

Jedoch wir wollen einmal voraus setzen, das bemeldte Unternehmung wäre zu Stande gekommen, und daß man mir zugestanden hätte, den Thron zu besteigen; wie hätte ich können vermuthen in diesem Besitz ungestört zu verbleiben? weil sie Königin natürlicher Weise würde unter dem scheinbaren Vorwand, den entthronten König wieder einzusetzen, Hülfe und Unterstützung bey auswärtigen Mächten gesucht haben, um mich wieder von Thron zu stürzen. Frankreich, dessen Einfluß und Ansehen bey diesem Hof wegen der Macht der mir entgegen gesetzten Parthey, sehr groß ist, würde bey der Gelegenheit sehr gerne hülfreiche Hand geleistet haben, während daß Engeland, so nahe es mir auch sonst verwandt ist, mir hätte als einer Person, die sich des Throns durch unerlaubte Mittel bemächtiget, allen Beystand, der Billigkeit gemäß, versagen müssen. Fügen Sie hier noch bey den star-

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20 ken Widerstand, den ich von einer ansehnlichen Parthey der Eingebohrnen des Landes selbsten, welche der Königin und den Prinzen Friedrich sehr ergeben sind, würde angetroffen haben.

Umringt von allen diesen Schwierigkeiten, würde ich bey einem so ungleichen Streit gar bald unten gelegen seyn, und folglich wäre ich von der Höhe, auf der ich so leichtsinnig gestiegen, harabgestürzt worden seyn und zwar mit Verlust der Macht, der Freyhert und wahrscheinlich des Lebens selbst; allein setzen Sie voraus, daß ich meine Augen vor die Gefahr und den Schwierigkeiten, welche eine solche Unternehmung begleiten, hätte verschließen können, wo sollte ich Hülfe gesucht haben, um es ins Werk zu führen? Das Kriegsvolk hat, durch den Antheil, so es an der letztern Revolution genommen hat, an den Tag geleget, daß es vergeblich würde gewesen seyn, von ihnen Hülfe zu erwarten. Der größte Theil des Adels war für die verwittwete Königin. Das gemeine Volk war gleichfals zu sehr wider

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mich durch die falschen und boshaften Gerichte, die zu dem Ende von meinen Feinden ausgestreuet worden, eingenommen, als daß ich von daher den geringsten Bey- stand hätte hoffen können. Die Freude, welche der Pöbel blicken ließ, als er meinen Fall vernahm, zeigt klar, in was für Achtung ich bey ihm stund. Noch nie ist eine National Staatsveranderung geschehen oder unternommen worden, woran zum wenigsten die Truppen oder der Pöbel nicht sollten Antheil gehabt haben. Inzwischen, beschuldigt man mich, als ob ich gesucht hätte eine solche Staatsveränderung zu Wege zu bringen und zwar zu einer Zeit, wo es klar erhellet, daß der größte Theil des Adels, alle Truppen, ja selbst der gemeine Mann wider mich verbunden waren. Da ich nun auf diese Weise von mächtigen und zahlreichen Feinden umringet war, wo konnte ich wohl wider ihre bösen Anschläge besser Schutz suchen, als bey dem Könige meinem Gemahl? und ist es wohl möglich zu gedenken, das ich so unsinnig sollte gewesen seyn, ihm derjenigen Macht zu berauben, welche allein im Stan-

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de war, mich gegen alle Unternehmun- gen meiner Feinde zu sichern? Gewiß, die Ungereimtheit dieser Beschuldigung kommt der Bosheit gleich mit der sie ist entwor- fen worden.

Die folgende Beschuldigung ist von noch schwärzere Farbe als die vorhergehenden.

Man sähe sich genöthiget, einige scheinbare Bewegungsgründe vor den Tag zu bringen, die mich zu einer solchen Unternehmung mit so vieler Gefahr und Schwierigkeiten umzäunet, sollten verleitet haben. Mein ganzes Betragen während meines Aufenthalts an dem Copenhagner Hof, beweist daß die Begierde zu herrschen (eine Schwachheit die sonst meinem Geschlechts eigen ist) unter allen Leidenschaften just diejenige war, welche den geringsten Platz bey mir hatte. Niemals trachtete ich zu meinem Vortheil, eine Faction zu erwecken, selbst zu der Zeit nicht, da ich deutlich genug konnte merken, daß eine starke Parthey wider mich formiret wur

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de; vielmehr hörte ich, mich auf meine Unschuld und die Gunst des Königs verlassend, ohne Unruhe die geheimen Kabalen, welche seit einiger Zeit wider mich geschmiedet wurden.

Meine Feinde waren daher aus dem Grunde genöthiget, etwas anders aus zu denken, als ein bloßes Verlangen, meine Macht zu vergrößern, und zwar durch die Entthronung des Königs, zu dem Ende gaben sie vor, daß ich mit dem Grafen Struensee einen strafbaren und verbothenen Umgang unterhielte, und daß es dem zufolge nothwendig wäre geworden, dem König sowohl wegen meiner als des Grafens Sicherheit, diejenige Macht zu nehmen von der wir die strengste Ahn- dung befürchteten, wenn unser Verbrechen an den Tag käme. Um nun den Verdacht der bemelden Beschuldigung desto mehr Gewicht zu geben: so streuten sie aus, daß die Aehnlichkeit mit dem erwehnten Grafen, ganz deutlich auf den Gesichtszügen des unschuldigen Kindes meiner Tochter zu lesen wäre. Sie gründeten diese Be

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schuldigung auf einen so genannten ver- trauten Umgang zwischen mir und dem Gra- fen, der, wie sie sagen, mit der Würde als Gemahlin des Königs, und die ich in meinem ganzen Betragen beständig hätte vor Augen haben sollen, nicht bestehen könnte.

Man behauptet, daß der unglückliche Graf sich selbsten bey seinem Verhör,, einer solchen strafbaren Gemeinschaft mit mir schuldig erkläret habe; allein ich kann kaum die Möglichkeit begreifen, daß der Graf meinen Namen und seine eigene Ehre sollte durch eine Beschuldigung, die von aller Wahrheit entblößt ist, befleckt haben. Jedoch gesetzt, daß er dieses Bekänntniß gethan hätte: so hätte es gleichwohl nicht ohne andere mir zu Schulden kommende Umstände, zu einem hinreichenden Grund gebraucht werden müssen, um mich für schuldig zu erklären; weil man gar nicht in Abrede seyn kann, daß ihm dieses Bekenntniß nicht wäre auf der Tortur durch che grausamsten Folterungen abgepreßt worden. Allein, was soll ich sagen? meine Feinde hatten ja schon vor-

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hero den Entschluß gefaßt , mich zu verdammen und sollte es auch auf Kosten der Billigkeit, des Rechts und der Vernunft geschehen. Dieses Betragen kommt mir nicht fremd vor, mm ich bedenke,@was für Ordres sie haben befolgen müssen; denn ich bin vollkommen, überzeugt, daß sowohl die Wahl der Glieder bey der Untersuchungs-Commißion, wovon ich schon Erwähnung gethan, als auch gewisse vestgesetzte Maasregeln, nach welchen sie sich richten mußten, einzig und allein auf Antrieb und Befehl derjenigen geschehen sey, welche den König, wie ich bereits, oben angeführet habe, gezwungen, haben, die Ordre zu meiner Arretirung zu unterschreiben. Es ist sehr merkwürdig, daß man wegen, den Rechtmäßigkeit des Prinzen meines Sohns, nicht den geringsten Verdacht ausgestreut hat. Diesen Umstand soll der Gegenstand meiner Anmerkungen in einem andern Theil meines Briefes seyn, wo er an die rechte Stelle kommen wird.

Um nun wieder auf die Beschuldigung

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zu kommen: so hat ein vermeyntlich vertrauter Umgang zwischen dem Grafen und mir, meinen Feinden schon hinreichend geschienen, mich wegen einer Treulosigkeit anzuklagen. Dieser vertrauliche Umgang, sagen sie, hätte dem ganzen Hof in die Augen geleuchtet. Wenn dieses würlich so wäre, warum ist denn der König von einem so wesentlichen Umstand unwissend blieben? Es ist klar, daß er nichts davon gewußt hat, selbst zu der Zeit, als man sich meiner versicherte, sonst würde er nicht einen Augenblick angestanden haben den Befehl mich arretiren zu lassen, zu unterschreiben Ueberdem so würde es eine Probe meiner äußresten Thorheit gewesen seyn, mich an einem Hofe, wo ich sehr wohl wuste, daß eine große Anzahl derer, die täglich um mich waren, zu Auskundschaften einer Handlungen gebraucht wurden, so unvorsichtiglich zu betragen.

Ich endige hier meine Anmerkungen wegen der Hauptbeschuldigungen, so man wider mich beygebracht hat, um auf diejenigen Anschuldigungen von geringerer

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Bedertung zu kommen, welche meine Feinde die Geschicklichkeit gehabt, auszubreiten und der Nation mit Anspannung aller ihrer Kräfte und Kunstgriffe, deren sie fähig waren, glaubend zu machen. Die vornehmsten dieser Beschuldigungen, bestehen darinnen: 1) daß ich nicht Zuneigung und Ehrerblethigkert genug gegen dem Könige bewiesen; 2) daß ich die Dänen überhaupt mit einer Art von Verachtung behandelt und endlich 3) daß ich die Schauspiele, Balls, Maskeraden & c. an einem Hofe, der bishero wegen der strengen Beobachtung guter Sitten, in Achtung gestanden, eingeführet habe.

Meine Feinde breiteten taglrch diese Beschuldigungen wider mich in den ganzen Königreich aus, und während der Zeitdaß ich alles anwendete, durch mein Betragen die Hochachtung des Königs insbesondere und der ganzen Nation über- haubt zu verdienen und mir bereits schmeichelte, ihre Gunst zu besitzen: so haben mich meine Feinde durch ihre heimlichen Ränke und niedrigen Kunstgriffe zum Ge-

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28 genstand ihrer Verachtung und ihres Has- ses gemacht.

Aber um wieder zur Hauptsache zu kommen; so bestehet die erste Beschuldigung, so mir zur Last geleget wird, darinnen, daß ich für den König meinen Gemahl gar zu wenige Liebe und Ehrerbiethigkeit gehabt habe. Diese Beschuldigung ist, in allem Gesichtspuncte betrachtet, falsch. Meine Neigung sowohl als Pflicht, haben, mich jederzeit angetrieben, mich so zu verhalten, daß ich der Zuneigung und des Vertrauens Sr. Majestät versichert seyn konnte. Mit einer natürlichen Munterkeit richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf, wie ich ihm gefal- len möchte;

Sr. Majestät haben auch öfters selbst bekennt, daß mein aufgewecktes Gemüth eine Erholung und angenehme Erquickung nach so schweren Regierungssorgen, für Dieselben, wäre. Allein meine Feinde haben mir diese Munterkeit, um ihre Bosheit in ihrem ganzen Umfange blicken zu

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lassen, bey folgender Gelegenheit, zu einem Verbrechen angerechnet. Ich hatte nämlich seit einiger Zeit bemerket, daß der König unruhig und niedergeschlagen wurde; welches von seiner schwächlichen Gesundheit herrühre. So bald ich diese Schwermüthigkeit entdeckte; so suchte ich dieselbe durch Verdoppelung der Lebhaftigkeit, woran der König schon zum öftern ein so lebhaftes Vergnügen fand, zu vertreiben. Allein alle meine Bemühungen waren vergeblich; denn die Krankheit schien täglich zu zu nehmen. Ob ich gleich die Folgen davon befürchtete und alles empfand, was nur immer bey dergleichen Umständen, eine Pflichtschuldige nnd getreue Ehegattin natürlicher Weise empfinden kann: so bilde ich mir dennoch ein, daß die Wiedergenesung des Königs, gröstentheils von der Sorgfalt abhinge, ihn nicht in eine Muthlosigkeit verfallen zu lassen, als wozu ich ihn sehr stark geneigt fand.

Dem zufolge fuhr ich fort, eine Fröhlichkeit blicken zu lassen, woran jedoch mein

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Herz damals nicht den geringsten Antheil nahm, indem ich durch dieses Bezeigen den König nur blos zu überreden suchte, daß seine Krankheit nicht so gefährlich sey, als sie ihm schiene. Um hierinnen desto glücklicher zu seyn: so habe ich zuweilen mit ihm über die gemachten Zweifel wegen seiner Herstellung gespaset; und während daß andere unter dem Vorwand ihm zu gefallen, seine Beunruhigung vermehrten, indem sie ihm zum Theil in seiner Meynung wegen der Gefahr seiner Krankheit bestärkten: so habe ich meines Theils beständig dahin gearbeitet, ihm dieses aus dem Sinn zu reden und von seinem Zustand günsti- gere Gedanken zu hegen.

So fremd Ihnen dieses vorkommen möchte: so kann ich Sie Mylord, jedennoch versichern, daß einige Personen gewesen sind, die sich aus Ursachen, die Ihnen sehr wohl bekannt sind, dadurch sehr Strafbar gemacht haben: weil die Krank- heit des Königs, täglich Zuwachs und seine Furcht neue Stärke bekam; ja öfters, wenn ich ihn suchte aufzumuntern und zu

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überreden, daß seine Gesundheit schiene besser zu werden: so wieß er mich auf eine beißende Art ab, und antwortete mir mit einem harten und ungnädigen Thon.

Meine Feinde, die sich dieses Umstandes zu Nutzen machten, beschlossen sich des- selben ferner zu meinem Verderben zu bedienen. Zu dem Ende stellten Sie dem König vor, daß meine leichtsinnige und flüchtige Aufführung, wie sie dieselbe nennten, zu einer Zeit, wo alle seine andern Freunde über den schlechten Zustand seiner Gesundheit bestürzt wären, eine sattsame Probe von der wenigen Achtung und Zuneigung, welche ich für seine Person hätte, an den Tag legte. Dies Vorge- ben suchten sie dadurch zu bestärken, daß sie behaupteten, wie meine Aufführung wenn ich in Freyheit wäre, viel tadelhaf- ter sey als in seiner Gegenwart, und versicherten Se. Majestät, daß mein Betragen bey dieser Gelegenheit wäre der Stoff der Gespräche des ganzen Hofes gewor- den.

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Ich habe starke Grunde zu glauben, daß diese boshafte Beschuldigungen zu der Zeit diejenige Würkung nicht thate, die man sich davon versprach; weil mir der König nie das geringste Wort dieserwegen sagte. Es ist auch ein großer Trost für mich, versichern zu können, daß diese Beschuldigung nur allein in der Bosheit meiner Feinde gegründet war.

Die zweyte Beschuldigung ist, daß ich die Dänen überhaupt jederzeit mit einer Art von Verachtung, die sie sich nicht zugezogen, tractiret habe; um mich hierüber zu rechtfertigen, habe ich weiter nichts nöthig, als Ihnen die Aufführung zu erklären, die ich in Absicht ihrer beobachtet habe, und zwar von dem Augenblicke an, da ich in Copenhagen angelanget bin. Die Einwohner empfingen mich Anfangs mit allen Arten der Freudensbezeugungen, und ich schmeichelte mir, daß, wenn ich einige Zeit unter ihnen würde zugebracht haben,@ich sie in der guten Meynung, die sie von mir gefaßt hatten, bestärken würde. Ich würde auch gewiß meine Wünsche ohne

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die Intriguen meiner Feinde (welche ohne Aufhören wider mich solche Lästerungen ausbreiteten, die sie für die bequemsten hielten, mich bey dem gemeinen Volk ver- haßt zu machen) erfüllt gesehen haben.

Die Dänen schienen, so wie ich be- merkt habe, sehr leichtgläubig zu seyn, und meine Feinde haben sich dieser Leichtgläubigkeit zur Ausführung ihres Vorhabens zu Nutze gemacht.

Zufolge der Regel, mnch welcher ich beschlossen hatte, meine Aufführung zu richten, suchte ich alle Gelegenheit auf, mich dem ganzen Hof angenehm zu machen. Zu dem Ende machte ich Gebrauch von allen nur möglichen Höflichkeits- und Freundschaftsbezeugungen; um auch allen Verdacht zu entfernen, als ob ich suchte, mir einen Anhang zu machen: so vermiede ich sehr sorgfältig, den geringsten Unterschied unter den Personen, die Cour bey mir machten, zu äusern; sondern ich begegnete jeden mit gleicher Höflichkeit und mit gleicher Achtung.

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Um dieser Ursachen willen, habe ich mich auch jederzeit gehütet, jemand von meinen Landsleuten dahin zu vermögen, an den dänischen Hof zu kommen, ob mich gleich das ansehen, so ich bey dem König ! hatte, ohne Zweifel in den Stand gesetzt hatte, sie wegen Verlassung ihres Vaterlandes hinreichend schadlos zu halten. Ob mir schon diese Maaßregeln einen großen Vortheil zu Wege gebracht hätten; weil ich mir dadurch eine große Anzahl Freunde würde gemacht haben, die jederzeit wären bereit gewesen, sich allen gemachten Entwürfen meiner Feinde zu wiedersetzen: so wollte ich doch lieber mein einziges Vertrauen auf die Unterthanen meines Gemals setzen, und mich des Vortheils berauben, den ich daraus hätte ziehen können.

Das Vergnügen, welches der König nothwendig empfinden mußte, mich eben so sehr von seinen Unterthanen als von ihm selbst geliebt zu sehen, war auch ein starker Bewegungsgrund, alles anzuwenden, um wir die Hochachtung des Volks überhaubt zu verschaffen; und die Ueber-

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legung meines eigenen Intressens, würde allein schon hinreichend gewesen seyn, alles nur mögliche zu thun, um darinnen glücklich zu seyn.

Ich habe über die gegenwärtige Beschuldigung weiter nichts mehr zu sagen, als das sie, so wie alle übrigen gänzlich ungegründet ist.

Die letzte Beschuldigung, die mir noch übrig ist, näher zu untersuchen bestehet darinn, daß ich Bälle, Maskeraden & c. an einem Hofe eingeführet habe, der jederzeit wegen der Entfernung von allen Arten dergleichen Auftritte der Unordnung wie es meinen Feinden beliebt sie zu nennen und dessen genauen Beobachtung der Sitten, jederzeit als ein würdiges Muster der Nachfolge ist betrachtet worden, in sonderbare Achtung gestanden habe.

Diese Beschuldigung hat etwas Sonderbares und Merkwürdiges in sich, nämlich daß es mir zur Last gelegt wird, gefährliche und der Tugend nachtheilige Lustbar-

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keiten eingeführt zu haben, da doch dieselben an den meisten Höfen von Europa begünstiger und angenommen worden, welche, weit entfernt sie für schädlich und nachtheilig zu betrachten, dieselbe vielmehr als die bequemsten Mittel halten, die Künste und Manufacturen dadurch in Aufnahme zu bringen.

Bey dieser Beschuldigung ist noch ein anderer Umstand, der nicht weniger bemer- kungswerth ist, nämlich, sie enthält einen gewissen Grad der Wahrheit, die zwar bey allen Beschuldigungen nothwendig ist, die aber bey allen bishero wider mich beygebrachten Beschuldigungen, gänzlich fehlet. Folgende Umstände dieser ganzen Sache, unterwerfe ich Dero Bemerkungen.

Die öffentlichen Lustbarkeiten, welche bey Gelegenheit meiner Vermählung mit dem Könige angestellet wurden, brachten verschiedene Personen am Hof, unvermerkt einen solchen Geschmak an dergleichen Lustbarkeiten bey, daß ich von einigen bemeldter Personen, nachdem alle Freudensbe-

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zeigungen vorbey und alles wieder auf den alten Fuß gesetzt war, ersucht worde, mein Möglichstes bey dem Könige zu thun, um seine Einwilligung zur Erneurung derselben an gewissen Zeiten und unter gewissen Einschränkungen zu erhalten. Ich versprach ihnen ihr Begehren dem Könige vorzustellen, und einige Tage darauf erfüllte ich mein Versprechen. Der König bewilligte mir meine Bitte auf die aller verbindlichste Art, und von der Zeit an sind die Lustbarkeiten, worüber man sich beklagt, fast die beständigen Ergötzlichkei- ten des grösten Theils des Hofes geworden; allein ehe ich noch bey dem Könige, deswegen Ansuchung that, machte ich der verwittweten Königin mein Vorhaben kund und zog sie darüber zu Rath; sie hat mir zur Antwort gegeben, daß sie nichts Unanständiges dabey sähe, und sie erboth sich sogleich, mein Ansuchen zu unterstützen, im Fall Se. Majestät die geringste Schwierigkeit machen sollten, es mir zu bewilligen. Dieses ist ein Umstand, den ich noch ehe ich diesen Brief schließe, näher beleuchten werde.

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Aus allen dem, so ich bishero gesagt, erhellet deutlich, daß die. bösen Folgen (wenn nämlich dergleichen gewesen) wel- che durch Einführung bemeldter Lustbar- keiten erfolgt sind, mir mit keinem Grunde zur Last gelegt werden können; weil ich in dieser Sache lediglich auf Ansuchung und Rath andere gehandelt habe, gänzlick unwissend was die Dänen von diesen Ergötzlichkeiten dachten. Ich trag inzwi- schen kein Bedenken zu bekennen, daß ich des Königes Einwilligung bey dieser Gelegenheit eben so sehr zu erhalten wünschte, als jemand von denjenigen, die mich zu diesem Gesuch verleitet hatten.

Ich endige nun hier die Anmerkungen, die ich mir vorgenommen hatte, zu machen, sowohl über die Haupt- und geringeren Beschuldigungen, als auch über die Aufführung, welche man in Absicht mei- ner Zufolge der Beschuldigungen von der ersten Art, beobachtet hat, und hoffe dadurch bewiesen zu haben (insoferne eine Unwahrheit kann erwiesen werden) daß alle be- meldte Beschuldigungen, eine einzige aus-

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genommen, ganz ohne Grund sind, und daß in Absicht der Beschuldigung, die ich einigermaßen gegründet finde, die Schuld davon einzig und allein meiner Unwisen- heit und keineswegens einen vorsetzlichen Fehler, beyzumessen sey: auch habe ich bewiesen, daß das Verfahren der Unterfuchungs-Commißion gänzlich gegen die Gerechtigkeit und Vernunft streite. Nun lasse ich Ihnen, Mylord, zur Beurtheilung über, ob Ihnen meine Beweise, die ich beygebracht, Genugthuung geben können.

Und da sie natürlicher Weise von mir mit Recht erwarten können, daß ich Ihnen einige Bewegursachen des grausamen Und ungerechten Verfahrens meiner Feinde anzeige: so will ich Ihnen einige Umstände vorlegen, die Ihnen die Ursache ihren Aufführung in Absicht meiner, begreiflich machen.

Ich habe mich bishero des allgemeinen Namens: Feinde bedienet, als ich derjenigen Personen Erwähnung thun mu-

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40 ste, welche mir durch ihre List und Kunstgriffe dasjenige Unglück zubereitet haben,@worunter ich jetzo suutze.

Derowegn muß ich ihnen melden, daß ich unter dieser Benennung jederzeit die Verwittwete Königin, ihren Sohn den Prinzen Friedrich und diejenigen von den A- del und von den andern Ständen, ver- standen habe, welche der Ausführung der letztern Staatsveränderung hülfreiche Hand geleistet haben. Ich muß Ihnen ferner noch einige Umstände entwickeln, welche die Aufführung dieser Personen betreffen, und die ich bishero noch nicht berühret habe. Ingleichen werde ich auch einige Umstände, die ich bishero mit Anmerkungen begleitet habe, wiederholen und meinem oben gethanen Versprechen gemäß, einige nähere Bemerkungen beyfügen.

Das Betrage der verwittweten Königin wird bey dieser Gelegenheit den vor- nehmsten Stoff meiner Anmerkungen ausmachen; weil ich sie als die vornehmste Triebfeder, die allen andern Theilen ih-

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re Bewegung gegeben, betrachte; doch werde ich auch zu gleicher Zeit nicht unter- lassen, einige Anmerkungen über die Aufführung der beyden andern Personen, die sich in dieser Sache haben als Werkzeu- ge gebrauchen lassen, zu machen.

Um nun den Anfang der Untersuchung wegen der Aufführung der verwittweten Königin zu machen: so wurde ich bey meiner Ankunft am dänischen Hof von Ihrer Majestät mit allen Zeichen der Freundschaft und Zuneigung empfangen. Da aber meine Vermählung mit dem Könige, wahrscheinlicher Weise ihr alle Hoff- nung ihren Sohn dereinsten auf dem Thron zu sehen, benehmen muste: so erwartete ich von ihr eine ganz andere Bewegung. Es wurde eben keine vollkommene Staatskunst erfordert, um zu entdecken, das mir diese Freundschaftsbezeugungen verdäch- tig seyn musten und zweifelte daher, um dieser Ursachen willen, an der Aufrichtigkeit derselben; jedoch ließ ich endlich alles Mistrauen fahren und faßte für Ihre Majestät eine Zuneigung, die eben so auf-

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richtig als die ihrige falsch war.

Von diesem Augenblick an überließ ich mich gänzlich der Leitung Ihrer Majestät, indem ich sie bey jeder wichtigen Gelegenheit zu Rathe zog. Die erste wichtige Sache, wobey ih ihren Rath nöthig hatte, war bey Gelegenheit der Bitte, welche einige von den vornehmsten Personen des Hofs an mich ergehen ließen, um durch mein Ansehen es auszuwürken, daß der König seine Einwilligung zur Erneurung gewisser öffentlichen Lustbarkeiten, denen ich schon Erwähnung gethan, geben möchte. Von dieser Gelegenheit rieth sie mir sehr stark, diese Bitte zu vollziehen indem sie vorgab, daß ich mir hiedurch unvermerkt diese Personen verbindlich machen würde, mit der Versicherung, daß wenn der König bey dieser Gelegenheit Die geringste Schwierigkeit machte, sie alsdann mein Ansuchen durch ihre Bitte unterstützen würde; allein vorbedächtlich sagte sie mir nicht ein Wort von der Abneigung, welche die Dänen gegen dergleichen Lustbarkeiten haben.

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Durch dieses Betragen erhielte die verwittwete Königin zwey wesentliche Stücke zu ihren Absichten: auf der einen Seite machte sie mir die Sache an sich selbst je mehr und mehr angenehm, und auf der andern Seite wuste sie, wie unzufrieden die Nation über die Erneurung dieser Lustbarkeiten wäre, und daß man folglich keine Zuneigung zu mir haben würde, wenn man einmal zu wissen bekäme, daß dieselben auf mein Verlangen wären erneuert worden.

Es war in ihrem Betragen ein Umstand, der mich in großes Erstaunen setzte, als ich den Character der Nation besser hatte kennen gelernt, nemlich der Eifer, mit welchem sie mich antrieb, alle diejenigen Vorschläge, welche die Einführung der Pracht und Kosten zum Gegenstand halten mit meinem Ansehen zu unterstützen. Diesen Eifer schrieb ich dem Verlangen, um meinen Zustand so angenehm zu machen als möglich, und zwar durch Einführung derjenigen Ergötzlichkeiten, zu denen ich jederzeit Geschmack und Neigung bezeiget hat-

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te und an welchen ich in meinen Vater- lande beständig gewohnet war.

Ich habe nachher wichtige Gründe ge- habt, meine Meynung zu ändern, und an- jetzt bin ich überzeugt, daß die Bewegungs- gründe ihres Betragens in diesem Vorfall so wol als andern, nichts anders gewesen sind als ein vorgesetzter Plan, mir in den Gemüthern des Volks so vie- len Nachtheil als nur möglich, zu wege zu bringen.

Während der Zeit, daß der König mein Gemahl, sich in England aufhielte: so gaben mir Ihre Majestät eine ganz besondere Probe von ihrer Fähigkeit in den Hof-Ränken, durch ihre Erfahrenheit in der Kunst sich zuverstellen. Hier ist die Sache. Als wir alleine waren, machte die Untreue der verheyratheten Mannspersonen in England gegen ihre Frauens, den Gegenstand aller ihrer Gespräche aus; sie machte mir bey der Gelegenheit, wegen meiner Eigenschaften, viele Lobsprüche und ließ eine veste Hoffnung (die mir

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aber als eine vollkommene Furcht schien) blicken, daß sich der König nie von der Pest dieses Hofes würde anstecken lassen.

Kurze Zeit hernach fingen Ihre Majestät an, mir die Aufführung des Königs auf eine verblümte Art verdächtig zu machen, und endlich kam sie so weit, das sie mir verschiedene Personen in London nahmhaft machte, mit denen der König, ihrem Vorgeben nach, einen vertraulichen Um- gang unterhielte.

Hier wurde ich wieder durch ihre Kunstgriffe betrogen; denn als ich in geheim die Unbeständigkeit, deren ich Se. Majestät beschuldigte, beweinte; so floß mein Herz von Dankbarkeit gegen die verwittwete Königin über, wegen der neuen Merkmale der Zuneigung, welche sie mir schiene zu geben. Inzwischen hatten alle die Bemühungen, so sie sich gab, den Saamen der Uneinigkeit zwischen mir und dem Kö- nig auszustreuen nicht die Würkung, die sie sich ohne Zweifel davon versprach. Denn als ich reiflich überlegte, daß alle Vor-

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würfe die ich dieserwegen dem Könige machen könnte bey nahe ohne Nutzen wären (so beschloß ich eine ganz andere Aufführung anzunehmen, und indem ich vor ihn die Kundschaft, die man mir mit so vieler Sorgfalt beybrachte, von seiner schlechten Aufführung verbarg: so gab ich mir alle Mühe, sein Herz durch Merkmale meiner gewöhnlichen Zärtlichkeit wieder zu gewinnen.

Zufolge dieses Entschlusses, bemühete ich mich dem Könige bey seiner Zurückkunft, eben so sichtbare Beweise meiner Zuneigung zu geben, als ich vor seiner Abreise in der That gehabt hatte.

Seine Majestät, sorgfältig unterrichtet, daß ich von seinen Schwachheiten Kennrniß hätte, und der folglich eine ganz andere Aufnahme von mir erwartete, schien anfänglich an der Aufrichtigkeit meiner Bezeugungen zu zweifeln; allein als er endlich sahe, daß ich nicht den geringsten Schein eines Misvergnügens wegen seines vergangenen Betragens blicken liesse: so gab er sich des ge-

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faßten Argwohns und von der Zeit an schien seine Neigung gegen mich täglich zu wach- sen.

Kurze Zeit nach der Zurückkunft des Königes wurden mir die Augen zum Theil in Absicht der Kunstgriffe der verwittweten Königin bey folgenden Vorfall geöffnet. Als eine Bedienung von geringer Bedeu- tung ledig war: so ersucht mich dieselbe, sie mir bey dem Könige für jemand auszubitten, den sie mir nannte. Vergeblich stellte ich ihr vor, daß ich mich seit meiner Ankunft in dies Königreich gar nicht damit befaßt hätte Bedienungen zu vergeben, theils weil ich nicht Fähigkeit besäße das Verdienst derjenigen, die sich darum bewürben zu beurtheilen, theils, weil ich beschlos- sen hätte, niemalen dahin zu trachten, mir ein Recht anzumaßen, welches der Person des Königes nur allein zugehöre.

Alle diese Vorstellungen, die ich als Gründe betrachte, warum ich wünschte, mich in dieser Sache nicht verwickelt zu sehen, waren fruchtlos; denn Ihre Majestät

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drungen so stark in mir, daß ich mich endlich genöthiget sahe, in ihr Begehren zu willigen.

Die Ursachen warum sie, wie sie vorgab, so ernstlich darauf bestund, wäre, daß bey dieser Gelegenheit ein Edelmann zum Be- sten einer andern Person mir ihr gesprochen habe, von der sie sehr wohl wüste, daß sie gar keine Fähigkeit zu dieser Bedienung hätte; jedoch wagte sie nicht es dem Edel- mann, der aus einer alten und mächtigen Familie wäre, und dem sie noch überdem besondere Verpflichtungen schuldig wäre, gerade abzuschlagen. Sie bath mich da- hero, daß ich mich gegen Niemand wegen der Bitte, so sie an mir gethan, etwas möchte äußern, damit es dieser Edelmann nicht erführe. Zum Beschluß fügte sie die Versicherung bey, daß sie gar keine andere Ursache habe, mir die bemeldte Person zu empfehlen, als weil sie dieselbe für die Tüchtigste am ganzen Hofe zu dieser Bedienung hielte. Um mich kurz zu fassen, ich sprach den König darum an, der ohne Bedenken in mein Gesuch willigte; einige Tage darauf erfuhr ich, daß die verwittwete Königin selb-

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sten besagten Edelmann Versicherte, daß die Ursache, weswegen sie bey dieser Gelegenheit mit dem Könige zu seinem Vortheil nicht habe sprechen können, diese wäre, daß nachdem sie von ohngefehr in meiner Gegenwart dieser Sache wegen gesprochen habe: so hätte ich sogleich eine heftige Begierde gezeiget mir bemeldten Posten bey dem Könige für die Person, die ihn erhalten, auszubitten; inzwischen müste sie bekennen, daß außer Sr. Majestät niemand meine Absichten hiebey einsähe.

Es erhellet hieraus ganz deutlich, daß sie durch dieses Betragen, bemeldten Edelmann den Gedanken suchte beyzubringen, daß ich bey dieser ganzen Sache kein ander Absehen, als ihm seinen Plan zu vereiteln.

Der letzte Umstand des Betragens Ihrer Majestät, ist, daß sie die Beschuldigung wider mich wegen eines strafbaren Um- gangs mit dem Grafen Struensee, angesponnen oder vielmehr ausgedacht hat.

Da es eine nothwendige Folge war,

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daß, wenn ich dieses Verbrechen schuldig erklärt würde, ich auf beständig vom Hofe (im Fall man mir das Leben schenkte) ver- bannen würde: so ist es nicht schwer die Bewegursachen dieses Betragens zu erra- then.

Die Bewegungsgründe, die Ihre Majestät, wahrscheinlicher Weise, zu allen ob- bemeldten Umständen verleiteten, waren nur (den letztern ausgenommen) von geringen Gewicht; allein das was sie hauptsächlich und am stärksten zu dem Betragen antriebe, war (ich getraue es mir zu behaupten) das Vornehmen, mich auf immer von dem Könige meinem Gemahl zu entfernen und hierinnen hat es ihr nur allzu wohl gelungen.

Ich habe oben versprochen, noch etwas von den wider mich beygebrachten Anschuldigungen zu sprechen, und hauptsächlich von der Beschuldigung, als ob ich mit dem Grafen Struensee in sträfliche Verbindung gestanden wäre. Ich werde nur die einzige Anmerkung darüber machen, daß

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es ein rechtes Meisterstück der Staatskunst gewesen ist, die Zeit dieser Verbindung nach der Geburt des Prinzen meines Sohns vest zu setzen; denn wenn man etwas wider die Rechtmäßigkeit seiner Geburt beygebracht hätte: so würde man starken Verdacht gefaßt haben, als ob man damit umgienge, die Thronfolge zu Verändern, und verschiedene Umstände, die ich in diesem Brief hier und da näher entwickelt habe, bewiesen es mit der grösten Wahrscheinlichkeit, daß die Absichten meiner Feinde wörtlich dahin gegangen sind; wenigstens geben das Betragen der verwittweten Königin, des Grafen Ranzau und des Obristen Köller, zur Zeit meines Arrests (worüber ich schon meine Anmerkung gemacht habe) keine solche Umstände an Handen, woraus man das Gegentheil schließen könnte.

Nachdem ich nun also meine Erzehlung beendiget habe: so hoffe ich Mylord, daß Sie mir die Mühe, so ich Ihnen verursachet, verzeihen werden. Das lebhafte Verlangen, so ich habe, mein Betragen vor Ihren

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Augen zu rechtfertigen und durch Dero Vermittelung meinen Landsleuten meine Unschuld zu erkennen zu geben, ist die Ver- anlassung, daß ich mir die Freyheit genom- men habe, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Haben sie die Geneigheit und entschuldigen Sie die Fehler der Schreibart, die meinen Geschlechts eigen sind, und seyn Sie der vollkommensten Hochachtung ver- sichert, mit welcher ich bin

Mylord

Dero

verpflichtete

Carolina Mathilde.

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HISTOIRE

de la derniere révolution arrivée en DANEMARK,

écrite de la propre main de sa

Majesté la Reine

CAROLINE MATHILDE

pendant sa détention au Château de Kroonenbourg ;

Envoyée de peus peu au Comte de ***

Copié sur l’ Original,

Traduite de l’Anglois,

A ROTTERDAM, Chez J. F. EBERT, Libraire sur le Steiger. MDCCLXXII.

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L'Editeur ne reconnoit point d’autres Exemplairespour autentique, que ceux qui sont signés de sa main.

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A MONSIEUR

LE COMTE DE ***.

Monsieur,

I' atachement que vous avez nombre de fois témoin- né à ma famille, & les marques particulières d’estime & d’amitié que vous m’avez toujours données, m’encouragent à soumettre à votre jugement la justification, que j’entreprends, de ma conduite, contre les fausses & malignes accusations qu’on a intentées contre moi, & én conséquence desquelles je suis aujourd'hui détenue injustement prisonniere. La reputation que vous avez d’être un homme d’une droiture reconnue & à talents, sur le sentiment duquel chacun se repose, est aussi le motif qui me porte, dans la circonstance présente, à vous choisir par préférence à tout autre. Lorsque mes compatriotes sauront combien vous êtes convaincu de mon innocence, comme j'espére que vous le serez après la lecture de ce détail de mes malheurs, je ne doute point qu’ils ne renoncent aussitôt aux préjugés que plus d’une personne, comme je l’apprends, à déjà formés contre moi, & qui sont suivis de ces discours malins que mes ennemis ont répandus avec ardeur dans le Royaume. La pensée que ma réputation est flétrie parmi mes compatriotes, redouble la douleur de mon état humiliant &

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de ma prison; & si je n’étois pas convaincue que je n’ai aucunement mérité mes souffrances présentes, je succomberois sans doute sous le poids accablant de mes mal- heurs.

Après ce peu de mots, je vais me justifier contre les accusations dont mes ennemis me chargent.

Voici en quoi consistent les crimes dont on m'accuse, & dont je n’ai connu la nature que quelque temps après avoir été arrêtée. On prétend que je me suis rendu coupable d’une conjuration contre le Roi mon époux, dans l’intention de lui ôter la couronne; que, d’intelligence avec les Comtes STRUENSEE, BRANDT & autres, j'aurois réellement dressé un acte de renonciation, que j’étois résolue de fairé signer par force à sa Majesté, lorsque nous nous serions rendus maitres de sa personne, lequel dessein, à ce qu’on prétend, nous étions sur le point d’exécuter, dans le moment même où nous avons été arrêtées par ordre du Roi; & enfin, que j’ai des honoré le lit du Roi mon époux, par mon infidélité avec le fusdit Comte Struensee. Ces accusations sont le fondement sur lequel on m’a arrêtée! cependant on me charge encore de plusieurs autres choses, quoique d’une nature plus frivole, dont je parlerais dans son lieu, d’autant plus que ces dernieres ne font pas mises au rang des crimes d’état.

L’impossibilité absolue de prouver un désaveu, me fait, assez comprendre combien il me sera difficile de me de£fendre contre ces accusations! cependant si je puis prouver, comme je l’espere, que toute la conduite que l'on a tenue à mon égard a été arbitraire & injuste, & que l’evidence sur laquelle mes ennemis prêtendent m’avoir déclarée coupable, est bien éloignée de fournir une conclusion satisfaisante, j’aurai par conséquent démontré qu'il doit naturellement s’en suivre, que ceux qui ont recherché ma conduite, ont été contraints de faire violence à chaque point du droit & de l’équité pour exécuter leurs mauvais desseins. J’ajouterai quelques remarques pour faires voir le peu de vraisemblance qu’il y a que j’aye été coupable des crimes que l’on m’impute.

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5 Premierement pour ce qui regarde les circonstances de mon arrêt, lorsque l’ordre en fut donné, on n'avoit encore écouté personne relativement aux griefs dont ons charperoit; par conséquent on se saisit de moi, sans avoir la moindre apparance de raison pour me mettre en sureté. On me dira peut-être qu’il étoit nécessaire de s’assûrer de moi dans le même temps qu’on arrêtoit les autres personnes, de peur qu’à la premiére nouvelle qu’e j’aurois eu de leur détension, je ne cherchasse â m’échapper; on peut ajouter qu’ayant eu part à leur conspiration, je ne devois pas exiger plus de complaisance qu’ils n’en ont éprouvé eux mêmés. A cela je réponds, que puisque j'étois une des personnes spécifiées qui dévoient être accusées, mes ennemis auroient bien sû faire autour de moi une garde si exacte, qu’il ne m’auroit pas été possible de m’échapper. Aussi avoient-ils d’autant moins de raison de craindre mon évasion, que ceux qui, comme ils le prétendent, étoient mes complices, & qui devoient m’aider dans l’exécution d’un tel projet, manquoient eux mêmes de toutes les facilités imaginables, par les chaînes dont ils étoient chargés. La circonstance suivante éclaircira encore ce point d’avantage.

L’ordre du Roi pour m’arrêter lui fut extorqué par la Reine Douairiere & par le Prince FRIEDERIC; Car lorsque ces deux personnes lui firent la lecture de l’ordre par écrir qu’ils le pressoient de signer, Sa Majesté refusa absolument dé le faire & elle persista dans son refus jusqu’à ce que la Reine lui dit que si Sa Majesté ne vouloir pas condescendre à leur volonté, elle & son fils signeroient l’ordre. Le malheureux Roi, qui remarqua sans doute alors qu’il ne lui restoit plus que l’ombre de la dignité Royale, & qu’étant sous la puissance de sa mere & de son frere, sa propre sûreté couroit toute forte de risques, â moins qu’il ne consentît à tout ce qu’ils exigeoint, signa, d’une main tremblante & le cœur serré, l’ordre de me livrer entre les mains de mes ennemis.

On doit remarquer ici que le Roi refusa de signer l’ordre, même après que la Reine & le Prince leurent assuré que les conjurés & moi nous avions résolu de le

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forcer à renoncer au trône, preuve évidente qu'il ne me reconnoissoit pas capable de forger un pareil complot.

L’ordre ayant été obtenu par une voye aussi oblique, il fut remis au Comte RANTZAU pour l’exécuter lui même. Cet ordre avoit été extorqué par la violence, ce il fut, je dois le dire, exécuté d’une maniéré brutale. Je ne prétends pas que le Comte fut chargé de me traiter avec autant de barbarie qu’il le fit! je dois aussi avouër que jusque là je n’avois regardé le Comte que comme un homme poli & généreux. Le Comte ne me laissa pas beaucoup de temps pour me préparer à ma prison, & lorsque l’heure de mon départ du palais fut venue, il m’aida à monter, ou plutôt, il me poussa dans le carrosse qui me conduisit au chàteau de Kroonenburg, lieu de ma prison.

Avant que de quitter le palais, j’insistai avec fermeté pour qu’il me fût permis de dire un mot au Roi mon époux! mais cette liberté me fut absolument refusée par le Comte RANTZAU! & comme quelqesuns des officiers qui l’accompagnoient paroissoient disposés a voir exécuter ma demande, il les fit changer de sentiment en les assûrant qu’il leur en coûteroit infailliblement la tête, si je parvenois à voir le Roi. Ces paroles du Comte me donnent grande raison de soupçonner que 1arrêt de ma personne a eu lieu avant que le Roi en eût signé l’ordre, & que le Comte, dans toute cette affaire, n’a fait que suivre les ordres de la Reine Douairiere & du Prince FRIDERIC sans la participation de fa Majesté; car il n’est pas possible de supposer que le Comte & les autres officiers courussent le moindre risque en exécutant des ordres que le Roi lui même auroit donnés. Deux circonstances me confirment fortement dans ce soupçon! La premiere est que l’ordre de m’arrêter ne fut montré que quelque temps après qu’il eût été exécuté. La seconde est que lorsque le Colonel KÖLLER signifia l’arrêt au Comte STRUENSEE, il avoua qu’il n’avoit pas sur lui l’ordre du Roi; mais qu’il repondoit sur sa téte de ce qu’il faisoit. Si ces soupçons sont fondes, il s’en suit

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nécessairement que la Reine & fon fils avoîent précéde- ment résolu d’obtenir l’ordre du Roi, quelque chose qu’il én pût coûter! ou que, s’ils voyoient manquer leur entreprise, alors ils rendroient inutile l’opposition de sa Majesté, en la privant du trône dans le meme temps qu’ils s’assûroient de ma personne.

Apres avoir été gardée quelques heures prisonnière dans le palais, je fus transportée au château de Kroonenburg, à déssein d’empêcher que j’eusse la moindre occasion d’approcher du Roi mon époux, de quelque maniére que ce fût. Dans le meme temps que lon me faisoit sortir du palais, tous ceux qui avoient quelque crédit auprès de fa Majesté, & qui étoient connus pour mes amis furent arrétés, sans doute pour empêcher qu’aucun d’eux ne put me rendre quelque service auprès de Sa Majesté qui, voyant qu’on ne lui laissoit point d’autres personnes pour sa garde, & ne comprenant que trop per mon exemple jusqu’à quel point il étoit soumis à leur puissance, & obligé de souscrire à toutes leurs volontés, se trouva forcé d’appuyer de son autorité toutes leurs entreprises. Que plusieurs personnes ayent été arêtées pour les raisons que je viens d’expliquer, cela paroît de la maniére la plus claire, en ce quelles ont toutes été relàchées, sans qu’on produisit contr’elles la moindre apparence d'accusation, au tribunal établi pour interroger les criminels. Quelques-unes de ces personnes ont obtenu depuis des pensions, pour les dédommager sans doute du traitement injuste quelles avoient souffert, & de la prison qu’elles n’avoient pas méritée. Je ferai maintenant quelques observations sur la conduite des juges nommés pour examiner les personnes que l’on suppose avoir en part à la prétendue conspiration.

Premierement quant à la nature de l’evidence sur laquelle les accusations étoient appurées, j’entends pour ce qui me concerne, mes ennemis ont soutenu que les crimes dont ont m’accusoit avoient été prouvés à l’entiere satisfaction de mes juges. Je crois bien certainement que mes juges se sont contentés de la moindre apparence

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d'une preuve pour me déclarer coupable! mais en méme temps je nie absolument qu’ils ayent été convaincus, dans le sens qu’ils veulent attribuer à cette conviction. Levidence, disent-ils, sur laquelle j'ai été déclarée coupable, consiste dans l’aveu des personnes qu’on m’a supposées pour complices. Cette circonstance auroit pu être de quelque poids, si cet aveu été fait librement; mais quand on pense que ces avex leur ont été arrachés au milieu des plus cruelles tortures, dont le seul récit fait frémir la nature, je suis convaincue que toute personne impartiale avenera qu’on auroit dû produire des preùves d’une toute autre nature pour appuyer les procedures de juges contre moi. D’un autre côte la conduite de la chambre de justice a êté tout à fait inexcusable: j’ai ici en vuë le se- cret avec le quel ils ont voilé toutes leurs procedures. Le moindre sujet devoit jouïr du privilège d’exiger une interrogation en forme & publique; c’est un droit qui appartient en général au public, qui devroit toujours être instruit des raisont sur les quelles est fondée une accusation de quelqu' importance intentée à qui que ce soit. Toute la nation Danoise étoit, dans le cas présent particulièrement affectée, tant par rapport à la nature de l'accusation, que par rapport au rang & aux liaisons des parles accusées! cependant on ne souffrit pas quil transpirât la moindre particularité de ce qui se possoit devant ce tribunal, que lorsque toutes les procédures furent terminées, & quand le Colonel KEITH, comme autorisé par le Roi, mon frere, demanda d’assister à l’interrogatoire des prisonniers, on le lui refusa positivement. Les motifs d’une telle conduite sont assez clairs, je pense; c'est pourquoi je ne m’arrêterai point à y faire de réflexions, & je finirai cette partie de mon sujet en remarquant que, quand je pese mûrement l’inimitié connue que les membres de ce tribunal avoient conçue pour ma personne, aussibien que ceux qui ont dirigé toutes leurs démarches, quand, dis-je, je me rappelle toutes ces circonstances, alors je tourne avec reconnoissance mon cœur vers Dieu, qui a permis que j’échappasse de

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leurs mains, & que je conservasse ma vie, je reconnøisicx pareillement les obligations que j’ai au Colonel KEITH qui a pris si couragement ma défense, & qui, j’en suis sure, sous la protection divine, a empêché mes ennemis de réaliser leurs barbaros & pervers projets.

Jusqu’ici, Mylord, je vous ai exposé la maniere dont on m’a traitée, depuis le temps qu’on se saisit de moi, jusqu’à la separation de la chambre de justice, & vous observerez aisement que les remarques que j’ai faites dans le cours de mon récit, coulent naturellement de la cause que j’ai devant les yeux, je répete encore une fois ce que je vous ai représenté au commencement de cette lettre, savoir le dommage que souffre ma cause par rapport à la difficulte de prouver un désaveu; mais j'espere qu'après la lecture du détail ci-dessus, vous serez convaincu que son m’a outragée d’une manniere grossiere, & que j’ai été privée de certains droits, aux quels j’avois droit de prétendre, sous le double caractere de Souveraine du Royaume & de sujette du Roi, je vais poursuivre en apportant quelqes preuves du défaut de vraisemblance qu’il y avoit que j’eusse eu part aux crimes dont on me charge, & je commencerai par l’accusation. touchant ma conspiration pour détrôner le Roi. Je n’aurois jamais pu donner de plus forte preuve de ma foiblesse & de ma perversïté, que de prendre part à un tel complot: car supposez vous meme qu’un tel projet eût été exécuté, les suites en devoien être tres funestes pour moi, puisque les Danois n’auroient certainement jamais souffert que moi, qui suis une étrangère, je regnasse sur eux, soit sous le titre de Reine, soit sous celui de Régente! & dans ce cas le Prince détrôné auroit été rétabli, ou la succession auroit été totalement changée par l’élévation du Prince FRIEDERIC au trône.

Mais supposons que l'éntreprise eût réussi, & que l’on m’eût accordé de monter sur le trône; comment auroisje pû m’attendre à demeurer dans cette possession, sans être troublée, puisquil est naturel de penser que la Reine, sous le prétexte plausible de rétablir le Roi détrôné, au-

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roit cherché du secours & de l’appui chez les puissances étrangères, afin de m’enlever l’autorité dont je me fe- rois emparée. La France dont l’influence & le crédit sont considérables à cette cour, par le pouvoir du parti qui m'est opposé, auroit très volontiers prêté son secours dans cette occasion, tandis que l’Angleterre, selon l’équité, auroit dû refuser tous soutien & tout secours à une usurpatrice, quelque proche & attachée qu’elle lui fût d’ailleurs. Ajoutez ici la forte résistance que j’aurois rencontrée dans un parti considérable formé par les naturels du païs même, qui sons très attachés à la Reine & au Prince FRIEDERIC.

Environnée de toutes ces difficultés, j’aurois eu très promptement le dessous dans un combat aussi inégal, & par conséquent j’eusse été précipitée de l’élévation où j’étois si légèrement montée, avec perte des forces, de liberté, & très probablement de la vie meme; mais supposez que j’eusse pu fermer les yeux sur les dangers & les difficultés qui accompagnent une pareille entreprise, où aurois-je cherché du secours pour l’exécuter? Les Militaires, par la part qu’ils ont prisé à la derniere révolution, ont fait voir qu’il m’auroit été inutile d’attendre du secours de leur part. La plus grande partie de la noblesse étoit dans les intérets de la Reine Douairiere. Le Public étoit trop prévenu contre moi par de fausses & de malignes suggestions, répandués à ce dessein par mes ennemis, pour que je pusse espérer le moindre soutien de ce côté la. La joje que ce même Public fît paroître, lorsqu’il apprit ma chute, montre clairement l’estime qu’il avoit pour moi. Jamais il ne s’est fait, jamais il ne s'est entrepris une révolution nationale, qu’il n’y ait eu au moins la plus grande partie des Troupes ou du peuple qui s’en soit mêlée: cependant on m’aceuse d’avoir cherché à occasionner une révolution, dans un temps où il paroit clairement que la plus grande partie de la noblesse, toutes les Troupes, & le Public étaient lignés contre moi. Etant ainsi environnée d’ennemis aussi puis- sants que nombreux, où pouvois-je chercher quelque pro-

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tection contre leurs complots & leurs machinations, qu’auprés du Roi mon Epoux? Et-il possible de concevoir que j’eusse été assez insensée que de vouloir le priver d’une autorité qui seule étoit capable de me protéger, contre toutes les entreprises de mes ennemis? En vérité l'absurdité de cette accusation ne peut être égalée que par la malignité avec laquelle elle a été conçue.

L’imputation suivante est encore d’une couleur plus noire que la précédente.

On se crut obligé de produite au grand jour quelque motif apparent qui m’eut engagé dans une entreprise environnée de tant de dangers & de difficultés. Toute ma conduite, pendant mon séjour à la Cour de Copenhague, prouve que le desir de commander, foible assez propre à mon Sexe, étoit précisément de toutes les passions celle qui avoir le moins de place chez moi. Jamais je n’ai cherché à former la moindre faction à mon avantage, même lorsque je pouvois clairement remarquer qu’il s'élevoit un fort parti contre moi; mais mettant toute ma constance dans mon innocence, & dans la faveur du Roi mon Epoux, j’entendois sans inquiétude le bruit des sourdes cabales qui se formoient depuis quelque temps.

C'est pour cette raison que mes ennemis furent obligés d’imaginer quelqu’autre motif que le seul desir d’augmenter mon autorité, avec dessein de détrôner le Roi; en conséquence ils supposèrent que j’entretenois un commerce criminel avec le Comte STRUENSEE & qu’il étoit devenu nécessaire, tant pour la sureté du Comte que pour la mienne propre, de priver le Roi d’une autorité dont nous étions sûrs qu’il étoit prêt à se servir très sévèrement contre nous, si notre crime venoit à paroitre au grand jour. Pour donner plus de force au soupçon qui me supposoit coupable, ils répandirent que la ressemblance avec le Susdit Comte étoit visiblement rcconnoissable dans les traits de l’innocente fille à la quelle j’ai donné le jour Ils fondoient cette accusation sur une prétendue familiarité entre moi & le Comte, qui, disoient-ils, n'étoit

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pas compatible avec la dignité que j’aurois du garder dans toute ma conduite, en qualité d’Epouse du Roi.

On soutient que le malheureux Comte; dans son interrogatoire, s’est reconnu lui même coupable d’une pareille familiarité criminelle avec moi; mais je puis à peine concevoir que le Comte ai pu deshonnorer mon nom, & souiller son propre honneur par une accusation dépourvue de toute vérité. Toutefois en supposant qu’il ait fait cet aveu il ne devroit cependant pas, sans d’autres circonstances aggravantes, servir de raison suffisante pour me declairer coupable, puisqu’on ne peut pas nier que cet aveu ne lui ait été extorqué à la question par les plus cruelles tortures; mais mes ennemis avoient déja pris la résolution de me condamner, même aux dépens de l’Equite, de la droiture & de la raison. Cette conduite ne me surprend pas lors que je penfse aux ordres qu’ils avoient à suivre, Je suis pleinement convaincue que le choix des membres de la Chambre de Justice, dont j’ai déjà parlé, aussi bien que certains arangements fixes, sur lesquels ils devoient se régler, que tout cela disje a été déterminé par l’autorité de ceux qui forcerent le Roi, comme je l’ai dit plus haut, â signer l'ordre de m’arrêter. Il est tres remarquable qu’on nait pas répandu le moindre soupçon sur la légitimitié du Prince mon fils; mais cette circonstance fera le sujet de mes observation; dans un autre partie de mon discours, ou elle viendra plus à propos.

Pour revenir à l'accusation, une prétendue familiarité entre le Comte & moi; comme je l’ai déjà dit, a servi de fondement à mes ennemis pour m’accuser d’infidélité, & cette familiarité, soutiennent-ils étoit visible à toute la Cour. Si cela étoit réellement ainsi, pourquoi donc le Roi a-t-il ignoré une circonstance si essentielle? Il est clair qu’il n’en a rien su, même lorsqu’on se saisit de moi, autrement il n’auroit pas hésité un instant à signer l’ordre pour me faire arrêter. D’ailleurs d’auroit été en moi une preuve de la plus haute folie, de tenir une conduite si imprudente à une Cour, où je sa-

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vois tres bien qu’un grand nombre de ceux qui m’envi- ronnoient étoient autant d’espions de ma conduite. Je finis ici mes remarques sur les principales accusarions intentées contre moi, pour passer à des griefs de moindre consequence, que mes ennemis ont eu l’addresse de répandre & de faire croire à la Nation, en rassem blant pour cela toutes les forces dont ils étoient capables. Les principaux de ces griefs sont 2) que je n’ai point témoigne au Roi assez d'affection ni de respect. 2) qu’engénéral j’ai traité le Danois avec une sorte de mépris. 3) enfin que j'ai introduit le Spectacles, les Bals, les Mascarades &c. a une Cour qui jusqu’ici avoit été recommandable par la sevérité de ses mœurs.

Mes ennemis répandoient journellement ces accusations contre moi dans tout le Royaume; & pendant que je faisois les derniers efforts pour mérites par ma conduite l’estime du Roi en particulier, & celle de la Nation en général, me flattant de posséder déjà leur affection, mes ennemis par leurs basses menées & leurs lâches artifices m’ont rendu l’objet de leur mépris & de leur haine.

Mais pour revenir, le premier chef dont on m’accuse est d’avoir eu trop peu d’amour & de respect pour le Roi mon Epoux: Je m’inseris absolument en faux contre cette accusation. Mon inclination aussi bien que mon devoir m’ont toujours portée à me conduire de façon que je pusse m’assurer de l’affection & de la confiance de Sa Majesté. Une gaieté naturelle me portoit à mettre toute mon application à lui plaire; aussi Sa Majesté a-t-elle souvent déclaré que mon humeur enjouée étoit pour elle un délassement, & une recréation assûrée, après les soins attachés à la dignité Royale. Mais pour faire voir jusqu’où peut aller la force de la malignité, voici ce qui a donne lieu à mes ennemis de me reprocher comme un crime cette gaieté & cet enjouement mêmes: j’avois remarqué depuis quelque temps, que le Roi devenoit inquiet & abbattu, ce qui provenoit de la foiblesse de sa santé.

Aussitôt que je m’apperçus de cette mélancolie, je

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14 cherchai à la dissiper en redoublant cette vivacité à la- quelle le Roi avoit tant de fois témoigné prendre un plaisir si vif; mais tous mes efforts furent inutiles, car la maladie sembloit augumenter de jour en jour. Quoique je craignisse les suites de ce mal, & que je ressentisse tout ce qu’on peut naturellement attendre, dans une pareille circonstance, d’une épouse respectueuse, & affe- ctionée, je m’imaginai cependant que le retablissement du Roi dépendoit en grande partie des soins que l'on se donneroit pour l’empêcher de tomber dans un découragement, pour lequel je nelui voyois déjà que trop de disposition.

En consequence je continuai à témoigner une joie à laquelle, pour lors; mon cœur étoit bien éloigné de prendre la moindre part, cherchant par cette conduite ai faire croire au Roi que son mal n’étoit pas aussi dangereux qu’il le lui parroissoit. Pour réussir dans ce des- sein j’ai plaisanté quelquesfois avec lui sur les doutes qu’il formoit de ion rétablissement; & pendant que d’autres personnes, sous prétexte de lui plaire, augmentoient ses inquiétudes, en le fortifiant en partie dans ses sentiments sur le danger de sa maladie, j’ai travaillé fans relâche à détruire ces mêmes inquiétudes, en affectant de penser favorablement de son etat.

Quelqu’étrange qu’une pareille conduite puisse vous paroître, je puis vous assûret, Mylord, que certaines personnes, pour des raisons qui leur sont très bien connues, s’en sont rendues coupables, à mesure que la maladie du Roi augmentoit, ses craintes prenoient aussi de nouvelles forces: souvent même lors que je cherchois à l’encourager & à lui prouver que sa santé sembloit se rétablir, il me rébutoit d’une maniere chagrine & me répondoit d’un ton en quelque forte aigre & disgracieux.

Mes ennemis saisisant cette occasion résolurent de s’en servir pour me perdre: aussi inspirerent-ils au Roi que ma conduite légère & volage, comme ils l’appelloient, dans un temps où tous ses autres amis étoient consternés du mauvais état de sa santé, fournissoit une preuve

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du peu d’estime & d’affection que j’avois pour sa personne, ils chercherent à fortifier ces discours, en soute-, nant que ma conduite en sa presence n’étoit pas à beaucoup prés aussi répréhensible que celle que j’avois coutume de tenir lorsque je me trouvois en liberté; ils finis- par assûrer Sa Majeste que ma conduite dans la circonstance présente etoit devenue le sujet des entretiens de toute la cour.

J’ai de fortes raisons pour penser que cette maligne accusation n’eut pas dans ce temps-lá tout le succes qu'on s’en promettoit, puisque le Roi ne m’a jamais dit le moindre moi sur cet article; c’est aussi une grande consolation pour moi de pouvoir assûrer. que cette accusation n’avoit d’autre fondement que la malignité des mes ennemis.

Le sécond chef d'accusation porte qu’en général j’ai toujours traité les Danois avec une aspece de mépris qu’ils ne s’étoiènt jamais attiré de ma part, pour me justifier je n’ai besoin que de vous exposer la conduite que j’ai tenue à leur egard, depuis le moment où je suis arrivée à Copenhague. Les habitans me reçurent au commencement avec toutes fortes de témoignages de joie, & je me flattois, qu’après avoir vécu quelque temps parmi eux, je les confirmerois dans tous les bons sentiments qu'ils avoient conçus pour moi, seulement, à ce qu’il sembloit, sur le rapport de la renommée, j’aurois vu certainement mes vœux remplis, sans les intrigues de mes ennemis, qui répandoient sans cesse contre moi des calomnies qu'ils connoissoient le plus propres à me nuire dans l’esprit du public.

Les Danois, a ce que j’ai remarqué, paroissent très crédules; & mes ennemis ont profite de cette crédulité pour l’avancement de leurs desseins.

En conséquence de la regle sur laquelle j’avois résolu de dirriger ma conduite, je cherchois toutes les occasions de me rendre agréable à toute la Cour, mettant en usage les politesses & les marques d’amitié de toute espece; pour écarter tout soupçon que je cherchasse

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à me faire un parti, j’évitois de faire jamais la moi- dre difféqrence entre les Personnes qui venoient faire leur Cour; mais je traitois chacun avec une égale politesse & avec la même consideration.

Pour cette raison je me suis bien gardé d’engager au

cun de mes Compatriotes à venir a la Cour de Danemarc, quoique le crédit que j’avois auprès du Roi m’eût sans doute mise en état de les récompenser largement d’avoir abandonné leur patrie, & quoique ces mesures m’eussent aussi procuré un grand avantage, puisque parla je me ferois fait un grand nombre d’amis, qui auroient toujours été prêtes à s’opposer à tous les projets que mes ennemis pouvoient former contre moi: je préférai de mettre ma seule confiance dans les sujets de mon Epoux & de me priver de l’avantage & de la satisfaction que j’aurois pu tirer d’une pareille démarche.

Le plaisir que le Roi devoit naturellement ressentir en me vovant autant aimée des ses sujets que de lui même, doit aussi un puissant motif pour me porter â mettre tout en œuvre pour gagner l’estime pu peuple en général; & la considération même de mon propre interêt, auroit seule suffi pour me faire employer tous mes efforts pour y réussir.

Je n’ai plus rien a dire sur la présente accusation, sinon qu’elle est dépourvue de tout fondement aussi bien que toutes les autres.

Le Grief, qui me reste à examiner, porte que j’ai introduit les Bals & les Mascarades à une Cour qui a toujours été célebre par son éloignement pour toute sorte de pareils spectacles de déreglement, comme il plait à mes ennemis de les appeller, & dont la pureté des mœurs a toujours été regardêe comme un modele digne d’étre suivi.

Cette accusation a quelque chose de particulier & de remarquable, en ce qu’elle me charge d’avoir introduit plaisirs dangereux & prejudiciables à la vertu, quoique ces divertissements soient favorisés & encouragés dans la plus part pes cours de l’Europe, qui loin de les regar- der comme pernicieux & nuisibles, les croyent au con-

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17 traire très propres à favoriser les arts & les manufac- tures.

Dans cette accusation il y a encore une autre circonstace qui ne mérite pas moins d'attention, c'est qu’elle contient un certain dégré de vérité, condition qui, quoique nécessaire dans toutes les accusation, manque absolument dans toutes celles qui ont été faites contre moi. Je soumets à vos reflexions l’état suivant des cir- constances de toute cette affaire.

Les divertissements publics qui eurent lieu à l'occasion de mon mariage avec le Roi, avoient insensiblement donné, à différentes Personnes de la Cour, du gout pour de semblables divertissements, & lorsque toutes ces démonstrations de joie furent finies & que tout fut rétabli fur l’ancien pied, je fus priée par quelques unes de susdites Personnes de faire mon possible auprès du Roi, pour obtenir qu’il consentît à renouveller, dans de temps merqués & sous certaines limites, ces mêmes ivertissements.

Je leur promis de proposer au Roi leur demande, & dans peu de jours je remplis, ma promesse. Le Roi m’accorda ma demande de la maniére la plus obligeante & depuis ce temps là les divertissements, dont on se plaint, ont fait le continuel délaissement de la plus grande partie de la Cour ; mais avant que de faire la moindre demande au Roi, j’avois fait part de ma résolution à la Reine Douairiere, & je l'avois consulté sur cette démarche elle m’avoit répondu qu’elle n’y voyait rien d’indécent, & elle m’offrit sur le champ d’apuyer ma demande, en cas que Sa Majesté fit la moindre difficulté de l’accorder; mais ceci est une circonstance que j’aurai occafîon d’examiner plus au long avant que de finir cette lettre.

Par tout ce que j’ai dit, il paroit clairement que les mauvaises suites, s’il y en a eu de telles, qui venoient de l'introduction des susdits divertissements, ne peuvent avec aucune raison être mises à ma chargé, puisque, dans cette affaire, je n’ai agi qu’à la réquisition & d’après les

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18 conseils d’autrui, ignorant absolûment ce que les Danois pensoient de ces divertissements; je ne fais cependant aucune difficulté de reconnoitre que dans cette occasion je desirois le consentement du Roi avec autant d’ardeur qu’aucun de ceux qui m’avoient portée à le demander.

Je termine ici les remarques que ja’vois dessein de faire tant sur les accusations graves & de peu d’importance portées contre moi, que sur la conduite que l’on àtenue à mon égard en conséquence des accusations du premier genre & par ce moyen je pense avoir prouvé, autant qu’un désaveu peut l’être, que toutes les susdites accusations, excepté une seule, font entièrement deslituées de tout fondement; que par rapport à l’accusation que je regarde comme en quelque sorte fondée, toute la faute, s’il y en a, ne peut être attribuée qu’à mon ignorance, & non à un dessein prémédité de ma part; j’ai aussi prouvé que les procédures, faites contre moi par la Cour de Justice, étoient dépourvuës de la moindre apparence de justice & de raison; maintenant je vous laisse à juger, Mylord, si les preuves que j’ai apportées sont satisfaisantes.

Comme vous pouvez naturellement attendre de moi que je vous indigue quelques motifs du traitement cruel & injuste de mes ennemis, je vais vons detailler un nombre de circonstiances qui vous feront comprendre la cause de leur conduite à mon egard.

Je me suis servi jusqu’ici du nom commun d' Ennemis; lorsque je devois faire mention de Personnes qui par leurs ruses & leurs artifices ont ouvri la trame du mal- heur sous lequel je gémis aujourd’hui.

Cest pourquoi je dois vous dire que, sous cette dénomination, j’ai toujours entendu la Reine Douairière, son fils de Prince FREDERIC, & ceux de la Noblesse & des autres Etats qui ont prêté la main pour faire réussir la derniere révolution; je dois de plus vous détailler cer- taines circonstances, auxquelles jusqu’ici je n’ai point touche, & qui regardent la conduite de ces Personnes : je vous rappellari de même quelques unes de celles qui ont fait le fujet de mes réflexions, & sur les quelles je

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vous ai promis plus haut de faire des observations plus particulieres.

La conduite de la Reine Douairiere fournira dans cette occasion la principale matiere de mes remarques, puisque je la regarde comme le principal ressort qui a donné le mouvement à toutes les autres parties; mais en même temps je negligerai pas de faire quelques remarques sur la conduite de deux autres Personnes qui ont prête leur ministere dans cette affaire.

Pour commencer l'examen que je veux faire de la conduite de la Reine Douairiere: à mon arrivée à la Cour de Danemarc, je fus reçuë de Sa Majesté avec toutes fortesde témoignages d’amitié & d'affection; mais comme mon mariage avec le Roi devoir, selon toute apparence, lui ôter toutes les esperances qu’elle avoit conçues de voir fon fils succéder au trône ; j’attendois de sa part un tout autre traitement; il n’étoit pas nécessaire d’être consommée dans Part de la Politique pour soupçonner que ces témoignages d’amitié me dévoient être suspects; ce furent aussi ces raisons qui me firent douter de leur sincérité; mais enfin je renonçai à toute sorte de défiance, & je pris pour Sa Majefté une affection qui étoit aussi sincere que la sîenne étoit fausse.

Dès ce moment je me mis entièrement sous la conduite de Sa Majesté, lui demandant constament conseil sur chaque circonstance de quelque importance.

La premiere affaire de conséquence pour la quelle j’eus besoin de son conseil, fut au sujet de la priere que me firent quelques unes des principales Personnes de la Cour, pour obtenir, par mon crédit, que le Roi consentit au renouvellement des certains divertissements puplics dont j’ai déjà parlé; à cette occasion elle me conseilla fortement de poursuivre cette demande, alléguant pour raison que par là j’obligerais sensiblement ces Personnes, & m’assûrant que si le Roi faisoit la moindre difficulté à ce sujet, alors elle joindroit ses Sollicitations aux miennes; mais, de dessein prémédité, elle ne me dit pas un seul mot de l’aversion que les Danois ont pour ces sortes de divertilfements.

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20 Par cette conduite la Reine Douairiere obtint deux choses essentielles à ses vues: d’un côté elle me rendoit l’affaire en elle même de plus en plus agréable, & de l’autre côté elle savoit combien la Nation seroit mécoutente du renouvellement des ces divertissements, que par consequent on ne me voudroit que du mal, lors qu’on viondroit à savoir qu’ils n’avoient été renouvelles qu’a ma priere.

Il y eut dans la conduite de Sa Majesté une circonstance qui me surprit extrêmement, lors que j’eus appris à mieux connoître le caractere de la Nation: ce fut l’ardeur avec laquelle elle me pressa d’appuyer mon crédit toutes les propositions qui tendoient à introduire la pompe & la dépense; j’attribuai cet empressement au dessir qu’elle avoit de rendre mon état aussi agréable qu’il étoit possible, en introisant les divertiffements pour les quels j’avois toujours témoigné du gut & de l’inclination, & aux quels j’avois toujours été accoutumée dans ma patrie.

J’ai eu depuis de fortes raisons pour changer de sentiment, & maintenant je suis convaincue que les motifs de sa conduite, dans cette occasion aussi bien que dans les autres, n’étoient qu’un plan formé de .me nuire alitant qu’il étoit possible dans l' esprit du peuple.

Pendant tout le sejour que le. Roi mon Epoux fît en Angleterre, Sa Majesté me donna une preuve extraordinaire de la capacité dans le ruses de Cour, par son expérience dans l’art de feindre, voici le fait.

Lorsque nous étions seules, l’infidélité des hommes mariés envers, leurs femmes, qui n’est que trop à la mode en Angleterre, faisoit ordinairement le sujet de ses discours, & dans ces conversations elle prodigoitn les louanges fur mes qualités, & faisoit paroitre une ferme espérence (ce qui me paroissoit aqpen près une crainte complette) que le Roi ne se laisseroit jamais corrompre par l'air empesté de cette Cour.

Peu de temps aprés Sa Majesté commença, dune maniéré indirecte, à me rendre suspecte la conduite du Roi,

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& enfin elle en vint au point de me nommer plusieurs Personnes à Londres avec qui, à ce qu’elle prétendoit, elle étoit instruite que le Roi entretenait une familiarité scandaleuse.

je fus alors trompée par ses artifices; car pendant que je déplorois en secret l'inconstance dont j’accusois Sa Majesté, mon cœur se répandoit en actions de graces à la Reine Douairiere, pour les nouvelles marques d’affection qu’il me sembloit qu’elle me donnoit. Cependant tous les efforts, qu’elle fit pour semer la division & la dissention entre le Roi & moi, n’eurent pas l’effet qu’elle s’en étoit sans doute promis. Car lorsque je fis réflexion que tous les reproches que je pourois faire au Roi fur ce sujet seroient presque sans fruit je résolus de tenir une toute autre conduite, & cachant devant lui la connoissance qu’on avoit eu soin de me donner de sa mauvaise conduite, je m’efforçai par les témoignages de ma tendresse ordinaire de regagner son amour.

En consequence de cette resolution, je m’efforçai au retour du Roi, de lui donner autant de marques apparentes d’affection que j’en avois eu réellement avant son depart.

Sa Majesté qu’on avoit eu grand soin de prévenir que j’avois connoissance de ses foiblesses & qui eu conséquence d’attendoit de moi une toute autre reception, parut douter de la sincérité de mes démonstrations; mais voyant enfin que je ne laissois pas échapper la plus légere apparence de mécontentement de sa conduite passée, il se défît de ses soupçons, & depuis ce moment son affection pour moi parut augmenter à chaque infiant.

Peu de temps apres le retour du Roi, mes yeux s’ouvrirent en pertie sur les artifices de la Reine Donairiere à l’occasion de l’avanture suivante: une place de peu de conséquence étant venue à vaquer, Sa Majesté me pria de la demander au Roi pour quelqu’un qu’elle me nomma. En vain je lui représentai que depuis mon entrée dans le Rayaume je ne m’étois point encore mêlée de faire donner des Charges, & cela à raison de mon incapacité pour juger du mérite de personnes qui y aspiroient, & aussi parce que j’avois resolu de ne ja

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22 mais travailler à m’emparer d’un droit qui appartenoit si particulierement à la personne du Roi.

Toutes ces considérations, que j’aportois comme autant de raisons qui me faisoient souhaiter de ne me point voir impliquée dans cette affaire, furent inutiles; car Sa Majesté insista si fort sur ce sujet, qu'a la fin je me vis obligée de consentir à ses desirs.

La raison, à ce qu'elle me dit que lui faisoit tant insister sur ce point, étoit, qu’à cette occasîon, un Gentilhomme lui avoit parlé en faveur d'une personne, qu’elle savoit très bien n’avoir aucune capacité pour cette charge; que de plus elle n’osoit refuser positivément le Gentilhomme, qui étoit d’une famille ancienne & puissante, & que d’ailleurs elle lui avois des obligations particulieres. Elle me pria donc de ne rien témoigner à Perfonne de la demande qu’elle me faissoit à se sujet, afin qu’il n’en parvint rien aux oreilles de ce Gentilhomme, & elle finit en m’assûrant qu’elle n’avoit point d’autre raison de me recommander la Personne en question si non qu’elle la connoissoit pour celle de toute la Cour qui avoir le plus de capacité pour cet emploi. Pour abbréger, j’en parlai au Roi, qui sans balancer, m’accorda ma demande, & quelques jours après j’appris que la Reine Douairiere elle même avoir assûré ce Gentilhomme que ce qui l'avoit empêché de parler au Roi en sa faveur dans cette occasion, étoit qu’ayand par hazard parlé devant moi de cette affaire, j'avois témoigné sur le champ un violent défit de demander au Roi le susdit poste pour la personne qui l'avoit obtenu depuis, reconnoissant cependant, qu’excepté Sa Majesté, personne ne connoissoit mes vuës à ce sujet.

Il paroit de la manniere la plus claire que, par une pareille conduite, elle cherchoit à inspirer à ce Gentilhomme la pen- sée que, dans toute cette affaire, je n’avois cherché qu’à traverser ses desseins.

La derniere circonstance de la conduite de Sa Majesté est d’avoir soutenu, ou plutôt imaginé l'accusation qui me charge d’avoir eu des familiarités criminelles avec le Comte

Struensee.

Comme c’étoit une conséquence nécessaire, si je venois à être déclarée coupable de ce crime, que je fusse bannie à per¬

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pétuita de la Cour, en casqu' on me fit grace de la vie, il n'est pas difficile de deviner les motifs de sa conduite.

Les raisons qui engagerent probablement Sa Majesté dans toutes les circonstances susdites, excepté la derniere, étoient simplement d'une moindre sorte; mais ce qui lanimoit principalement & le plus vivement à la conduite qu’elle a ten e étoit, j ose lassûrer, le dessein qu’elle avoit formé de m'éloigner pour toujours de la présence du Roi mon Epoux, & elle n a que trop bien réussi dans cette entreprise.

J’ai promis plus haut de parler plus au long d’un de griefs portés contre moi, j’entends l'accusation d’avoir eu avec le Comte STRUENSEE des liaisons criminelles; surquoi je remarquerai seulement, que ça été un chef d’œuvre de politique de fixer la date de ces liaisons après la naissance du Prince mon fils: car si l’on avoit avancé quelque chose contre la légitimitié de sa naissance, on auroit été fortement soupçonné de chercher à changer la succession trône, & les différentes circonstances détaillées dans le cours de cette lettre prouvent avec la plus grande vraisemblance, que tels ont été en effet les intentions des mes ennemis; au moins la Conduite de la Reine Douairiere, celle du Comte RANTZAU & du Colonel KÖLLER dans le temps de mon arrêt, sur les quelles j’ai déja fait mes réflexions, ne fournissent point de circonstances d’où l’on puisse conclurer le le contraire.

Après avoir ainfi mis fin à mon récit, J'espere, Mylord, que vous me pardonnerez la peine que je vous ai donnée. Le vif desfir que j’ai de justifier ma conduite à vos yeux, & par votre moyen de faire connoitre mon innocence à tous mes @Compatriotes, est cause que j’ai pri la liberté des vous écrire cette lettre. Ayez la bonté d’excuser les défauts de style naturels à mon sexe, & soyez assùré de la parfaite esti- me avec la quelle je suis.

Mylord,

Votre très obligée CAROLINE MATHILDE

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Post-Scriptum. En refisant ce que j’ai écrit ci-dessus, je suis extremement surprise de n’avoir pas fait la moindre remarque sur une autre accusation intentée contre moi par mes ennemis, & dans la quelle la malignité ne se manifeste pas moins que la fausseté, j’ai en vue l’imputation qu’on me fait d’avoir conseillé à Sa Majelté de rem ercier la Garde de Suisse, & de l’incorporer dans les autres troupes.

Touchant la fausseté de cette accusation, je puis en appeler à toute la Cour, qui sait très bien que cet arangement n’a pas été fait à mon instigation, mais à celle de la Reine Douairiere. La malignité de cette même accusation paroitra clairement par les raisons mêmes que mes ennemis supposent m’avoir portée à faire cette démarche, savoir qu’en remericant la Garde du Corps, je pouvois d’autant plus aisément exécuter mes projets eontre le Roi; mais en même temps que je déclare n’avoir pas eu la moindre part à cette affaire, je reconnois que les mesures que l’on avoit prises avoient entierement mon approbation: premierement à cause du mauvais Etat où se trouvoit la caisse du trésor, que Ion m’assûroit être presque vuide: secondement à caufe de la préférence que je croyois duë aux naturels du païs de garder la personne du Roi.

Pour le motif que mes ennemis me supposent, il est foible & faux; car quand même j’aurois eu part au susdit changement, puisque je ne pouvois avec aucune vraisemblance esperer aucun secours des Troupes Nationales, il auroit été absurde de procurer le déplacement des ces Gardes, de l'assaistance des quels je pouvois seulement attendre le bon succès de mon entreprise.

La suite a prouvé en parti que ce doivent avoir été là les motifs de ceux qui ont fait prendre de pareilles mesures; meis vous comprendrez aisement que, pour les raisons que j’ai apportées, je ne pouvois prendre aucune part dans cette affaire.

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Sittliche Frage:

Warum mußten

die Königin von Dännemark

Carolina Mathildis

und die Grafen

Johann Friedrich

von Struensee

und

Enewold

von Brandt

in Kopenhagen

arretiret, erstere von ihrem Gemahle geschieden,@und letztere zum Tode verurtheilet und hinge- richtet werden?

von

einem dänischen Zuschauer

gründlich beantwortet.

Elisäum, beym Grafen von Struensee und Brandt 5 7 7 7.

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Si singula narrem,

Ante diem clauso componet Vesper Olym- po.

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Eine tiefdenkende Vernunft und die Ge- schichte die Esra aus den Handschriften Mosis zusammen getragen, leren, daß der majestätische Gott die Welt durch sein heiligstes Almachtswort: Es werde eine Veränderung, ein Himmel, eine Erde, und darin sollen Engel und Menschen glükllch feyn, erschaffen

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Vorrede.

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hat. Diese Schöpfung mußte volkommen und gut seyn, da er nichts Unvolkommenes verrichten kan. Um sie aber noch mehr auszuzieren, trug er der Natur das Oberbefehlungsamt auf, die Welt mii Manigfaltigkei- ten zu verwalten, wodurch sie sich erhält. Denn nicht umsonst verändern die großen Lichter des Himmels den Erdkreis; nicht umsonst windet sich derselbe auf seiner Angel, und erwecken die Zeiten des Jahres und der Tage.

Das unvernünftige Geschöpf, dem wir nach unsrer Einbildung die Vernunft absprechen, lebt nach den Pflichten der Natur, u- selten trift man es ausschweifend an, wodurch es sich vor dem vernünftigen, das seine Grenzen gar zu oft mit Mutwillen übertrit, Vorzüge erwirbt. Es bedienet sich seiner Naturkräfte regelmäsig und bleibt gestärket; dieses hingegen ohne Ziel und schwächt sich.

Eine ganz besondre Veränderung aber, die im Reiche der Seelenthiere gemeinschaftlich angetroffen wird, ist die Erhebung seiner selbst, das eigene Zutrauen, der Stolz auf eigene Kräfte, das Trachten nach Herrschaft.

Der Mensch, den wir weiblichen Geschlechts Eva, und mänlichen Adam nennen wollen, stolz auf seine Leibeskräfte, misbrauchte seine Natur. Eva reizte den Adam

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Vorrede.

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durch listige Stellungen und Gebärden, den Liebesapfel zu brechen und auf den Palm- baum zu steigen. Und beide genasen zuviel davon. Sie veränderten ire Natur, schwächten und raubten sich die Lebenslänge*),@die man auch in einer gewissen Bedeutung die Unsterblichkeit nent.

* Daß diß der Sinn jenes hyberbolischen Ausdrucks sei, haben schon vor mir viele gründliche gelehrte Männer, indem sie dergleichen Redearten verglichen, mit genugsamen Gründen an den Tag gele- get. Nichts kan mehr die Kräfte des Körpers abnehmen, als das krampfigte Zucken der ungemäsig- ten Ausübung der Liebestriebe. Man nehme Leute beiderlei Geschlechts, in und auser dem zugelas- senen Leben der Liebe, werden nicht allemal, die sich zuviel anstrengen, älter, vor der Zeit alt aus- sehen, als die sich nur dieses Werks der Gesundheit wegen bedienen?-- Hierher ist besonders das Galanteriefrauenzimmer zu rechnen, das oft die Falten alter Grosmütter an sich trägt.

Hatten sich aber Adam und Eva vergangen und geschwächt; war es ihnen unmöglich, wieder neue Kräfte zu bekommen: So mußten auch ihre Abkömlinge, so wie ein schwacher Baum geringe Früchte bringt, schwach und kraftlos erscheinen; und daher ihre Lebenssäfte eher austroknen, eher sterben als wenn das ganze Menschengeschlecht nach Regeln gelebet hätte. Geschwächt also arbeiteten die Menschen, daß es ihnen sauer wurde; oder anders genommen: sie muß

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6 Vorrede.

ten im Schweife ihres Angesichts ihr Brod essen.

Der Fleisige hatte Lust zur Arbeit, bauete die Erde, wartete das Vieh mit Gelassenheit und Sorgfalt, und hatte Segen.

Der Faule hingegen arbeitete mit Verdruß und schwizte vor Mattigkeit. Cain baute das Land und fand die Aussaat nicht so ergiebig, als es sein Geiz wünschte. Abel sein Bruder, hütete die Schafe in gesunden Auen, und bekam herlichere Ausbeute. Neidisch darüber, ergrimte der erstere und entschloß sich, an dem leztern unbedachtsam zu rächen.-- Es trug sich hernach zu, daß bede zusammen kamen, und mit einander in einen Wortwechsel gerieten, der den Cain ausgelassen machte und in solche Wuth, in solchen Eifer sezte, daß er dem Abel die Hirnschale zerschlug.

Ein andrer Müßiggänger zwang andre vor ihn zu arbeiten und ihm Nahrung zu erbauen, wie Nimrod, der ein Schrecken der damaligen Weit, ein gewaltiger Man war. Dergleichen fanden sich mehrere. Und so entsprangen nach und nach die Regentschaften und die Reiche. Das eine erschien im Glanze, das andre, ihm gleich gros, fiel, daß man noch kaum dessen Entstand weiß.

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Vorrede. 7

Selbst die Monarchen rieben einander auf und ihre Räthe waren nicht viel besser.

Eie Fürst also fiel und der andre bestieg nur dessen Trohn, um auf demselben so lange Figur zu machen, bis ein dritter vermögend wurde, diesen gleichfals zu überwältigen.

Ein Minister, gering von Geburt, doch aber erhaben an Einsichten, stieg von einer Ehrenstaffel zur andern, wie jener jakobitische Joseph am Hofe des Königs in Egipten, und beschloß sein Ende in Ruhe. Ein andrer hingegen mußte, aus Liebesabsichten, sich den Lebensfaden, ehe es die Natur verlangte, abschneiden lassen, wie es jenen U- rias betraf. Das können uns auch Stambul, Moskau, England und das alte Rom klagend darlegen. Und was vor Zeiten so war, das trägt sich auch noch izt zu.

Ich ende diese Einleitung mit den Worten, die uns Nahum hinterlassen hat, weñ er spricht: Ich will dir dein Gebräme aufdecken unter dein Gesicht; und will den Heiden deine Blösse und den Königreichen deine Schande zeigen. Ich will och ganz gräulich machen und dich schänden und einen Scheusal aus dir machen: weil du deine Gewaltigen in Retten und Fesseln gelegt und mit dem Schwerd ge-

tödet. Niemand wird um deinen Schaden trauren, noch sich um deine Plage

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8 Vorrede.

kränken: Sondern alle, die solches von dir hören werden mit ihren Händen über dich klappen. Nirgendheim, am ersten April 1773

Johann Friedrich von Nichts.

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Neue

Dänische

Geschichte.

Ein merkwürdiges Werk.

Sunt duo deleti comites ex lumine vitae In Dania, lictor queis rapuit capita;

Queis fregit clypeos ut et intestina, Struenses

Ac BRANDTI posuit pallida membra rotis.

AVTOR.

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Excidat illa dies aevo: nec postera credant Saecula: nos certe taceamus, et obruta

multa

Nocte tegi nostrae patiamur crimina gen-

tis.

STATIVS.

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Wer solte es glauben, daß das sonst fromme Dännemark ein so groses Aufsehen, vergleichen man niemals von diesem nordischen Herschreiche erwarten konte, und wobei die ganze Natur zittert, machen würde, als man in jenem 1772sten Jahre hat erfahren müssen? Nächst andern kleinen und grosen Königreichen gibt es uns das deutliche Merkmal, daß auch an dem Hofe der Grosen der Neid herscht und Männer bald steigen, aber auch eiligst wieder gestür- zet werden können.

Wem ist es wol noch verborgen, daß der Graf von Struensee königlichdänischer geheimer Cabinets, und erster Staatsminister war, dessen hernach un- glükliches Schiksal ihn nun zum Vorwurf aller Rede gemacht hat: Sein Vater, Adam Struensee, ist ein Theolog und zwar königlichdänischer Generalsuperintendent der Herzogthümer Schleßwig und Holstein, ein rechtschaffener Mann in Rensburg und sei,ne Mutter wird uns auch herausgestrichen.

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12 Dieser ihr erstgebohrner Sohn erhielt, nach der@gewönlichen Weise, als er zu Halle im Magdeburgi- schen am 5ten August 1737 die Welt erblicket hatte, den Unterscheidungsnamen: Johann Friedrich,

Schon bei der ersten Entwickelung ließ er groses Versprechen von sich hoffen, daß er dereinst mir vielen Talenten ausgerüstet und dem Staate keine unnü- ze Last werden würde.

Diß gab also seinen frommen Helfern die Veran- lassung, ihn dem Studiren auszusetzen. Er lernte auch alles nach ihrem Wunsche und wurde mit heranwachsenden Jahren vermögend, die Landesschule zu besuchen, worin er soviel begriff, daß er hernach, auf Anrathen seiner Privatlehrer und mit der Erlaubnis seiner Aeltern, die hohe Schule, gleichfals zu Halle im Magdeburgischen, um sich in den höhern Wissenschaften umzusehen und die Grundsäulen seines künftigen Wandels vestzustellen, besuchen konte. Daselbst aber gefiel ihm vor andern Wissenschaften, das Stu- dium der Artzneilehre, der er alle seine Verstandkräf- te und äuserliche Bemühungen widmete. Dann er- warb er sich durch öffentliches gelehrtes Redewechseln den Dokterhut und praktizirte glüklich.

Er erlangte in Altona, wohin sein Vater ge- rufen wurde, im Jahr 1757 das Physikat und erwarb sich, durch glükliche Kuren, und besondre Höflichkeiten, die Liebe und das Zutrauen eines Jeden, dem er nur helfen muste; oder mit dem er umging.

Durch einen besondern Zufall aber trug es sich zu, daß er ein Freund des Edelmans, Enewold von

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13 Brand wurde, der damals Hof junker war und bei dem Könige viel galt, auf dessen Anraten er nach Kopenhagen kam und sich daselbst bei einer Krankheit des damals herschenden Königs im Jahr 1758 hülfreich bewies und vorzüglich herfür that. Dadurch erlangte er die Gnade des Königs und wurde in Kopenhagen berühmt.

Nicht allein aber erwarb er sich die Gnade des Königs: sondern auch die Liebe des Kronprinzens. als dieser, nachdem er, durch den Tod seines Herrn Vaters, das königliche Amt ererbet hatte, auch sehen wolte, wie es in der Weit aussieht, so fiel es ihm ein, auf Reisen zu gehen; wozu er sich den Dokter Struensee zu seinen Reiseleibmedikus wählte und bestimte.

Der neue König also verließ die Grenzen seines Reichs. Er durchreißte einige Nord- Abend- und Mittägigen Königreiche; welche Reise sich der Dokter Struensee zu Nutze machte, der alles genau bemerkte, wodurch er sich [wer hatte es glauben sollen?] die Fähigkeit, ein künftiger Reichsredner zu werden, erwarb.

Der König, nachdem er sich genug in der ga- lanten Welt umgesehen hatte, reißte dann wieder zu- rük und gelangte gar bald in seiner Residenz, in den Schlössern Kopenhagens an.

Hier nun gab es neue Auftritte. Hatte der König, der ein biegsames Temperament besitzet und leicht seinen Eindrücken folgt, als er das Ruder ergriffen, viele Veränderung bei Hofe und unter den

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Ministern, die unter der Regirung seines Herrn Vaters gegolten hatten, gemacht; so gab es izt noch mehrere, als er von der Reise zurükgekommen war. Sein Herz und Sinn wünschte jene Dame vol Geist, eine unvergleichliche Prinzeßin, Caroline Mathildis von Grosbrittannien. Es wurde also Ihrenthalben nachgesucht und England willigte in diese Vermählung und nähere Blutsverbindung zweier ansehnlichen Reiche in Europa. Die Vermählung also gieng vor sich und die neue Königin gelangte hernach zum Vergnügen des Königs und der Nation in Kopenha- gen an.

Gleichwie es aber unter bürgerlichen Eheleu- ten nicht allemal friedlich zugeht, sondern sich hier und da Zwistigkeiten mit einschleichen: So findet sich diß eben auch so und zuweilen bei hohen Herrschaften. Es trug sich also zu, daß der König seine Gemalin einem weiblichen Eifer aussezte, und wodurch beede höchste Personen uneinig wurden.

Uiber diesen Vorfall aber betrübte sich der König dergestalt, daß er eine Gemütskrankheit bekam. Struensee suchte ihm mit Arzneien beizustehen. Er schlug ihm Lustbarkeiten für. Der König aber blieb immer niedergeschlagen und nahm ab. (Gemütskrankheiten sind auch gefährliche Krankheiten.) Da also gar nichts helfen wolte; so faßte Struensee ein Herz, und fragte den König: Ihre Majestät, ent

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decken mir es doch, woher es komt, daß sie so nider geschlagen sind? Arzneien helfen hier nichts. Da sagte der König: Kanst du mich mit meiner Ge- malin versöhnen? (Denn diese habe ich beleidiget)@so will ich dir alle meine königliche Gnade versichern. Struensee versöhnte beide höch-

sten Häupter und genoß neue königliche Gnade, daßdaher, als sich beide wieder zusammen gaben, der König seine Gemalin also anredete: Sehen sie es, Ihr Liebden, das ist der Mann, der uns wieder ver- einiget. Er ist nun mein Freund. Ich habe ihn begnadiget. Thun sie desgleichen. Ich empfeh- le ihn ihnen. Sie begnadigte ihn auch. Und der Leibmedikus Struensee hatte nnn das Herz des Königs und der Königin.

Durch diese neue königliche Verbindung liebte@die Königin ihren Gemahl noch mehr, daß sie sichs hernach angelegen seyn ließ, nachdem sie das Genie desselben, der sich mehr auser der Regirung aufhal- ten will, erprüfet hatte, ihn auf alle mögliche Weise tu belustigen.

Liebte der König den Struensee, hatte er solchen seiner Gemahlin besonders empfohlen, so sprach diese nun auch bei demselben vor ihn. Und durch ih- re Fürsprache also geschahe es, daß sich der König des Dokter Struensees bediente, ihn wegen seiner gelei- steten Treue, unschuldigen Umgangs, Freundschafts-

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16 stiftung und guten Einsichten, mit höchsten Gnaden erblikte und von einer Stufe der Ehre zur andern hinauf führte, bis er endlich Graf und geheimer Cabinets und erster Staatsminister wurde.

Hier nun gedachte der Graf von Struensee an seinen Freund, den von Brandt und brachte es bei dem Könige zu wege, daß dieser auch Graf und der andre Staatsminister wurde.

Beede Grafen also waren die neue Rathgeber des Königs. Die vorigen aber wurden ihrer erhabe- nen Stelle, mit dem Rathe, ihre Güther zu beziehen entlassen, durch deren Einziehung des Gehalts dem Staate eine beträchtliche Summe zuwuchs.

Eine solche Verändrung wolte nun freilich sol- chen Herrn misfallen. Und selbst der verwittibten Königin, einer Juliana Maria, war es empfindsam, sich von aller Theilnemung des Ruders entlassen zu se- hen, da sie vorher, bei Lebzeiten ihres Gemals, eine der fürnemsten Stelle im geheimen Rathe eingenom- men hatte. Auch so aufgebracht wurde der Prinz Friedrich, deren gebobrner Sohn und Halbbruder des itzigen Königs, der mit dem Könige zugleich zu re- giren gedachte.

Ferner, um den Uiberfluß zu mäsigen, fand es die neue Regirung nötig, einige Guarderegimenter (im Sold stehende Schweitzer, Ausländer,) da der- gleichen so nur müßige Bewarer des Pallasts sind, ab- zudanken. Die fand es dienlich, da man, tagtäglich

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vom Kindermorden hören mußte, ein Mittel zu er- wählen, wodurch man das Land von einem solchen Blutvergiesen befreien könte; und schafte die Kir- chenbuse und andre Strafen, die man sonst dem sich vergangenen Galanteriefrauenzimmer auflegte und abnahm, einsichtsvoll ab. Sie hielte es heilsam, zu verstatten, daß man hinfort alle Bücher, ohne vor- her gegangene Durchsicht und dazu erbetene Erlaub- nis, drucken möchte, da sie einsahe, daß man dadurch hinter gar grose Warheiten kommen kan, die dieser und jener im Lande bemerkt, die er aber, da er frei schreiben muß, wegen einer scharfen Censur ligen läßt: und daß sich eine hinkende Schrift, ohne solche zu verrufen, selbst verruft. (Das will ich aber von meiner nicht hoffen: Sie hinkt ja nicht.) Sie hielt es rathsam, -- Doch, ich würde viele Bogen voll schreiben, wenn ich von den guten Ordnungen, die man anrichtete, nutz auch darüber hielte, alles melden wolte. Uiberall gab es die schönsten Gesetze und das Land hätte glüklich regiret werden können, wenn sich nicht viele Misvergnügte des alten Ruders, die Aufwiegelungen anspannen, gefunden hätten.

Die erste Trennung gieng mit dem Frauenzim mer vort, wodurch schon vieles Unheil entsprossen ist Eva, Bathseba, Delila, Hesiona, Helena, Cleo- patra, und andre, wären, wenn wir weitläuftig seyn wolten, diejenigen Personen, von denen wir alles Un

Glük in der Welt herschreiben könten.

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Das königlichdänische Frauenzimmer also gab, vermuthlich aus Misgunst und wegen einer Herrsch- sucht, bie diesem Geschlcchte eigen sind, den ersten Anlaß einer Spaltung, die aus die betrübtesten Fol- gen hinaus lief. Es trente sich und die verwittibte Königin fand gar bald ein hinreichendes Mittel, den Thron ihres Herrn Halbsohns, des itzigen Königs, anzugreifen- Und nun kamen diejenigen, die man ihrer Aemter entsetzet hatte, und bliesen die wütende Rache noch mehr an, daß es bald eine Hauptrevolu- tion gegeben haben würde, wenn nicht die neuen Ministers behutsam vorgebeuget hätten.

Nun erhandelte die misvergnügte Seite die See- und Landessoldaten zum Aufstand, und brachte auch den geringen Pöbel durch Pasquille an sich, die gar leicht zu einer schändlichen That, wenn sie nur Beute erhalten sollen, anzulocken sind.

Die Erhandlung aber geschahe, da man für- gab: Es wolte der Graf von Struensee und die Königin binfort ein gemeinschaftliches Ruder fü- ren uns sie ganze königliche Familie vertilgen.

In der That aber machte man auf der Gegenseite Mine, den König zu stürzen und dem Prinz Frid- rich, der mehrern Geist als der König besitzen soll, die Krone zuzuspielen.

Dieses Vorhaben, diese Thronesverändervng, wurde den neuen königlichen Ministern, einem Gra-

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fen von Struensee und einem Grafen von Brandt hinterbracht. Und es ist fast nicht zu glauben, wie sehr sich diese brave Männer bemühten, dieses Vor- haben auf eine zum Frieden abzielende Weise zu ver- bitten.

Unmöglich aber konten sie alles diß dem Könige verhälen. Ihre Pflicht war es, dieses drohende Ui- bel zu eröfnen. Der Graf von Brandt also wolte vor den König; dem sich aber der Graf von Stru- ensee widersetzte und ihn also bedeutete: Nein, Here Bruder, das ist noch zu frühe. Lassen sie mich dafür sorgen. Ich kenne den König. Mel- den wir ihm izt diß Unglük, wie leicht kan er sich so darüber eutsetze u , daß er, da er so ungesund ist, in eine schwere Krankheit verfält! Wir wol- len es nur erst der Königin berichten. Vielleicht gibt sich diese Verschwörung wider den König, die Königin und uns wieder auseinander.

Beede Herren also wurden einig, vor die Köni- gin zu gehen, und ihr zu eröfnen, was zum Nach- theil des Königs gegenseitig vorgehen solte.

Wie erschrak aber nicht diese Prinzeßin! Sie sank in eine Ohnmacht, da sie sich den Vorfall gar zu sinnlich vorgestellet hatte. Nach der Wiederherstel- lung derselben verdoppelte Sie ihren Muth und ihre Rede war diese:

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Ich danke ihnen, meine Herren, vor die Nachricht. Schon längst habe ich einen solchen Aufstand vorhergesehen. Glük uns, daß wir sol- chen entdecket haben! Sagen sie meinem Gemale, um ihn nicht in noch mehreres Schreckenn, als mich zu setzen, nichts von der Sache. Nehmen sie aber meinen Befehl, alle Sorgfalt, denselben zu sichern, willig an. Ich versichere sie meine königliche Gnade. Es wird ja dieses Wette er vorüber gehen, welches ich nächst GOtt durch sie zu vertilgen hoffe. Ich beurlaube sie.

Eine so bedenkliche Dache aber erforderte das scharfsichtigste Nachdenken. Und dazu waren beede Grafen aufgelegt. Sie hielten auf das strengste bei den Landes- und neulich gegebenen Gesetzen, nnd rich- teten alles nach den Regeln der ununterdrükten Gerechtigkeit, daß also niemand mit Recht klagen konte. Nur Misvergnügte, die deshalben misvergnügt wa- ren, weil sie nicht mehr Geld einstreichen und ihre Kasten beladen durften; nur jene Feinde, denen die Regirung abgenommen worden war, beklagten sich, und wiegelten die Leute noch mehr zum Aufstand auf.

Davon gesichert, sorgten diese beede Minister nun auch den König vor den Anfall zu sichern. Es wurden also auf deren Befehl die Wachten verdoppelt und die Canonen, dem Feinde mit tödendem Donner entgegen laurend, aufgepflanzet. Giengen ihrer etli-

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che auf der Strase zusammen, so mußten solche, um den Zusammenlauf zu verhindern, aus einander getei- let werden. Niemand, die Person unangesehen, durf- te bei Hofe kommen, wenn sie nicht von zween die Wacht habenden Soldaten begleitet wurde. Alles Anbringen mußte man, wie es auch bei andern Hö- fen gewöhnlich ist, schriftlich eingeben, worauf auch die Resolution schriftlich erfolgte. Audienz bekam niemand. Auch die Speisen, der Trank, die Kleider und alles, was nur der König bekommen solte, wurden wohl untersucht, um allen Giftverderbungen, wovon uns die Geschichte gar traurige Beispiele meldet, vor- zukommen. Ritte oder fuhr endlich der König aus, so bekam derselbe eine verstärkte Begleitung. Und so war er auch hier gesichert.

Diese Obacht aber machte die abanaschirte Fa- milie, und die ihres Amts entlassene, die sich zu der- selben gesellet hatten, aufmerksam. Sie ersannen ei- ne Handlung, die, sich von allem Verdachte zu be- freien, mit unschuldigem Blute beflecket werden solte.

Da nun also die Sache gar zu übel wurde, so besprach sich der Graf von Struensee, mit der Er- laubnis der Königin und dem Gutbefinden des Gra- fen von Brandt, nach aufgehobener Tafel, mit dem Generalmajor von Eichstedt, dieses Umstands we- gen, und redete ihn also an:

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Herr Generalmajor, ick habe mit sie einige Worte besonders und in geheim zu reden. Es gehet die Rede, ja, es soll gewiß seyn, daß der Prinz Friedrich, statt unsers Königs, König und viele vom Hofe auf die Seite geschaft werden sollen. Mein Leben, der Königin Wolfart, und die Vesthaltung unsers Monarchen sind in Gefar. Wie also, wenn sie auch mit uns alle Sorgfalt, den König zu retten, und das Wol des Staats aufrecht zu erhalten, anwendeten: Und würden sie wol die Gegenparthei ergreifen, da sie beständig unsern Konig geliebet haben? Worauf dann dieser Officier, bei solchen Anmuthungen gedrungen, allen Beistand mit den unter seinem Commando stehenden Truppen, zum Besten der Regirung zu leisten versicherte, zum Schein versicherte. Eben so geschahe auch der Antrag an den Obristen von Köller.

Beede Officiers aber waren schon zum Aufstand erhandelt worden und gehörten also zur Nebenlinie.

Wer ist hier, der nicht bei sich selbst vermutet, daß durch diese Anredung des Grafen von Struensees an die beede Herrn, die Sache wider ihn und dessen Freund, den Grafen von Brandt, sehr übel ausfallen mußte? Denn nun, da man mündliche Nachricht hatte, daß der Graf von Struensee das Geheimnis der Revolte erfahren, mußte wahr wer-

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den, was Wolf, der Philosoph, spricht: mala sunt eligenda, ut inde eveniant bona, das ist: man muste, um ein Scheingut zu erlangen, ein Uibel erwählen. Und dieses bestand hier darin: Allen

schon offenbaren verdacht, daß man nach der Krone trachte, von sich abzulehnen.

Und dieser wegen wurde von dem von Eichsted, Köller, von Ranzau, und von der Osten, von dem Prinz Friedrich und der verwittibten Königin, Juliana Maria-Rath gehalten und sie beschlossen (welch eine unerhörte That!) den Arrest einer regi- renden Königin, deren glükliches Genie, deren mun- tre Entschlossenheit von allen Rechtrednern gepriesen wird, die alle ihre Sorgfalt anwendete, ihren Gemahl zu ermuntern; Sie beschlossen den Arrest eines Grafen von Struensee, eines Grafen von Brandt, eines Justizrath Struensees, und eines Professor Bergers; Männer, die die Nachwelt loben wird; Sie beschlossen den Arrest der Generale Gäler und Gude, eines Obristen Falkenschiold, eines Obrist- lieutenants von Hasselberg, eines Legationsrath und Postdirektor Sturz, eines Stalmeisters, Baron von Bülow, eines Contre-Admirals Hansen, eines Etatraths willebrand, und Lieutenant Alboe, die mit noch einigen andern nicht aus die Seite der Dißiden- ten treten wolten. Und diesen Zug solte der unschul- dige Lieutenant Struensee beschliesen.

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Man schrieb also die Arrestbefele so künstlich auf, daß man solche noch dazu vom Könige, wie unten gemeldet wird, Unterschreiben ließ.

Lasset uns aber hören, wie sich diß wol zugetragen.@Am sechszehnten Jenner wurde bal masque@en domino ist dem Schauspielpallaste von Frankreich gehalten. Auf diesem Bal machte sich die Hauptper- son des dänischen Reichs, wie es allemal ihre Art ist, sich mit den Frölichen zu freuen, recht lustig, daß sol- che, vom Tanz und Weine ermüdet, noch vor dem Schlusse ins königliche Ruhegemach zurük gebracht werden mußte.

Diese Ermüdung nun war geschikt, die Ab- sicht, nach der man trachtete, zu erreichen. Nach geendetem Bal also verlohr sich der Generalmajor von Eichstedt, kleidete sich um und schlich, ohne ei- nige Aufsichter, zum Reichsgrafeb von Rauzau zu Aschenberg: dann verfügten sich beede zur verwittib- ten Königin, der Juliana Maria, und zum Prinz Friedrich, wobei der erstere das Wort führte: Nun ist es Zeit, unsern Anschlag zu volführ- ren. Der König ist berauscht. Er wird uns also alles zusagen, worum wir nur anhalten. Er wird unterschreiben, was wir wünschen. Befe- len Ihre Majestäten, so soll auch der im Schlosse die wachthabende Officier der Obriste Köller und der geheime Rath, Graf von der Osten sogleich, welche nötig sind, erscheinen.

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Sie kamen, und Feder und Dinte und eine zit- ternde Hand des alten Greises, Grafen von Ranzau schrieb die nötigen Befele, die sich auf die bevorstehen- de Veränderung bezogen, auf. Nach deren Verfer- tigung aber redete derselbe also:

Auf höchste und hohe Versamlung! Auf mit wie zum König, daß er unser Vorhaben, durch seinen königlichen Namen unterzeichnet, bekräfti- ge! Auser dieser Bekräftigung können wie nichts Ausrichten.

Unangemeldet und also unaufgehalten, weil der die Wachthabende Officier selbst dabei war, traten sie in das königliche Schlafzimmer.

Mit was für Entsetzen der König einen so unver- muthteten Zuspruch, als man den Vorhang vom Bette zurük geschoben und ihn ein wenig ermuntert hatte, erblikte, daß er dabei angstvoll: Mein GOtt, was wollen sie? ausrief, kan man sich, wenn man sich in eine solche Verfassung mit seinen Gedanken setzen will, leicht vorstellen. Mancher würde für Schrecken des Todes gewesen seyn.

Wie liebreich, wie rührend ihn aber dessen Frau Halbmutter angeredet, wie sie ihn nach frauen- zimmerlicher Weise einnemend angeredet, das wird man nicht leicht glauben. Sie weinte ihm aber fol- gendes für:

Ihre Majestät, mein Sohn, lassen sie alle Furcht fahren. Niemand als ihre Freunde, kei-

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ne Feinde, sehen sie hier für sich versamlet. Wir kommen, Sie, uns und das ganze Land von einer bösen Rotte zu retten und mit der Hülfe GOttes die drohende Gefahr abzuwenden. Wir bitten Sie also — Hier schwamm sie in Trähnen. Und ihr Sohn, der Prinz Friedrich, und mit unter der Graf von Ranzau, redeten fort und eröfneten den Plan:

Ihr Liebden, Herr Bruder, sprach der er- stere, Sie wissen, mit was für Liebe ich mich den Ihrigen nenne. Mein Leben trete vor das Ihrige. Wir sind in groser Gefahr. Sie haben Feinde. Und Ihre Majestät, so sprach der

Greis, Sie wissen, mit was für Eifer ich mich bei Lebzeiten Ihres Herrn Vaters, der Sache der königlichen Familie und des wols des Reichs allemal angenommen: daß ich Ihr Gefährde in Ihrer zarten Kindheit gewesen; und können es glauben: Noch immer wallet mein Blut vor Ih- re Majestät, ungeachtet ich meiner vorher ver- walteten Stelle entlassen worden bin. Ich will Sie retten von einem Unglücke, dem Sie ohne mich und ohne die Bemühung unsrer nicht ent- rinnen würden. Was das aber für ein Unglük, wer die personen, die solches volführen wollen, das achten wir insgesamt nicht rathsam, Ihnen, allergnädigster König, vor der Hand zu eröfnen. Unterdessen (Hier grif er in die Tasche und zog die

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ausgefertigten Ordres herfür.) geruhen Ihre Ma- jestät, diese Schriften gnädigst zu unterschreiben. Es betrift, eilen, eilen Sie, Ihr, Unser und des Landes Wol.

Der König, von dieser Versamlung gedrängt, rufte aus: Mein GOtt, was wird das für

Blutvergiesen geben! Getrost, getrost, Ihre Majestät, so sprach der Graf, Ich nehme alle Gefahr auf mich und werde Sie mit meinem eige- nen Blute zu retten suchen. Unterschreiben, unterschreiben Sie nur!

Es waren aber drei Briefe über einander geschoben. Und der König schrieb so wol auf den weisen, als auf den geschriebenen, Bogen seinen königli-chen Namen.

Aber der Prinz Friedrich unterschrieb sich auch mit. Und warum denn diß, da derselbe nichts, als abanaschirter Herr, in die Regirung reden durfte? Da urtheile die Welt! Wird man nicht dadurch dessen Begierde nach dem Ruder erblicken? Wird man nicht hier gewahr werden, daß man den Plan umgekehret, um nicht selbst eines Hochverraths beschuldi- get zu werden, und daß man vorher willens gewesen war, die neue Regirung umzustosen.? Allemal aber wird doch bei unsern bösen Handlungen, die wir verdecken wollen, noch so etwas vom Minderguten her-

für schimmern. Das traf auch hier zu. Diese Un-

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terschrift war zu voreilig angebracht. Sie bewies den ersten Eingrif in die Rechte der Majestät, den man zum Glücke nicht bemerkte.

Nachdem man also einen noch ungeschriebenen Bogen vom Könige selbst unterschrieben, besas, so schrieb man darüber: Daß die Grafen von Struen- see und Brand, und andre, derer Namen wir oben erwehnet haben, gefänglich eingezogen werden sol- ten.

Das hieß aber sich noch immer nicht sicher ge- stellt. Die Hauptgegenperson, die Königin, solte auch verdächtig gemacht werden. GIeichwol wagte es keins. Eine untergeschobene Ordre wäre zu viel erkühnt gewesen. Endlich sprach die Juliana

Maria:

Ich bitte mit noch eine Gnade von Ihre Ma- jestät aus. Was sie vorhin unterschrieben hat- gen, betraf den : den : und die : Ihre Gemalin ist auch ihre Feindin. Lassen Sie solche arretiren. Schreiben Sie dazu selbst die Ordre. Nur heu- te in Sicherheit. Morgen wird sichs geben.

Das wollte aber der König nicht thun ‚ bis er endlich gedrungen und bedroht, unter einer Trähnen- fluth, schrieb -

Nun fieng der Arrest gegen Morgen um drei Uhr an und dauerte bis sechs Uhr. Der General- major von Gude, der der Commendant von Kopen- hagen war, mußte zuerst springen, an dessen Stelle

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der von Eichstedt trat. Nach ihm folgten die andern.

Der Graf von Ranzau nötigte die Königin mit unvergebender Unverschämtheit aus dem Bette, die sich nichts Böses vermuthete: Sondern ihn mit einer königlichen Freimildigkeit fragte:

Was wollen sie, Monsieur Ranzau: War- um so späte: So unangemeldet: Doch, wie ists, lebt der König noch: Er hatte sick zu viel erhitzet. (Sehet, so liebte diese redlichste Königin ihren Gemahl, baß sie auch beim ersten Erwachen an denselben dachte und doch trente man sie von ihm!) Ist der Bal vorbei: Wo ist Graf Struensee und Brandt? Ist alles glüklich vorbei; Doch morgen werde ich mich besser darnach erkundi- gen können. Izt muß ich schlaffen: Ich bin müde. Schlaffen sie also wol! Nicht also, sprach der Graf, ich komme aus einer andern Ursache zu Sie, ich will Sie keinen Nachricht vom Bal abstatten — Im Namen Ihrer Majestät, mei-

nes allergnädigsten Königs und Herrn, kündige ich Ihnen den Arrest an. Hier lesen Sie die Or- dre. Was: fuhr sie auf, mich zu arretiren: Das soll ihm seinen Kopf kosten. Lasset mir den

Grafen Struensee und Brandt herbei rufen! —

Was? mich zu arretiren? — Diese, sprach

Ranzau, sitzen schon in der Citadelle in sicherer Verwarung, Uns noch einmal kündige ich Ihnen

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im Namen Ihrer Majestät, meines allergnädig- sten Königs und Herrn, den Arrest an.

Sie wurde noch hitziger; mußte sichs aber gefallen lassen, daß Sie von zwoen Damen mit einem Rocke und einer Salupe angezogen wurde, wobei Sie ohnmächtig auf einen Langstul hinfiel. Nach Ihrem Wiederznsichselbstkommen verlangte Sie Ihre Prinzeßin, die man auch ankleidete. Dann aber sagte der Graf: Nun, Madame, gehen Sie, eilen Sie, geschwind, geschwind! ergrif Sie bei der Hand, seinen Hut unterm Arm haltend, und in der andern Hand den blosen Degen; und zog Sie bis an den Wagen: Da Sie abermal zu ihm mit königlicher Miene sprach: Das wird ihm seinen Kopf kosten. Er verließ Sie, und der Major Carsten- schiold nahm Sie mit Ihrer Prinzeßin und dem Fraulein Mösting in Empfang, der Sie, mit einer Verwahrung von dreisig Reutern, mach Cronenburg in die unterste Etasche des Schlosses, deren Fenster mit starken eisernen Stangen versehen sind, mit gleich- fals gezuktem Degen begleitete.

Dort sas Sie in einem solchen Zustande, aß und trank wenig und rufte: Ach, ich unglükliche Mutter! und zur Prinzeßin: Ach, du unglükliches Kind! unaufhörlich mit Weinen aus.

Majestätbeleidigendes Verfahren! Schon der Arrest im Residenzschlosse wäre vor diese höchste Person hart gewesen, wenn man sie als eine Staats-

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verbrecherin hätte ansehen können; Eisenbegitterte Kerker aber sind die Behälter der Missethäter, der Leute vom niedrigen Auszuge. Wird also nicht die Welt ausrufen: Das war zn hart, alter Greis, harte Inquisition, das war zn hart?

Da wir nun die Geschichte der Gefangennehmung der Königin geendet haben; so wollen wir auch erfaren, was sich mit dem Grafen von Struensee zu- getragen hat.

Der Oberste Köller kündigte ihm den Arrest an. Unmöglich, Herr Oberster, sprach der Graf, kan diß wahr seyn. Das wied der König nicht haben wollen. Er kan mir ja keine Untreue vorrücken. Es muß hier ein Irtum vorgegangen seyn. Ich habe ja alleweile den König ins Nachtzimmer begleitet. Herr Graf, sprach dieser, ich hafte allenfals mit meinem Leben dafür, es ist des Königs Ordre. (Bede Grafen wurden zu eben der Zeit, da man den Koenig zur Unterschrift noetigen wolte, und folglich ohne Erlaubnis, arreti- ret. Wenigstens hat Struensee nichts schriftliches gesehen.) Was: erwiederte jener, so soll derjenige, der den König beschützen will, der alle Gefahr bisher von ihm abgewendet hat, der sein treuer Reisegefährde, sein wachsamer Gehülfe und Rathgeber, ein Arzt in den gefährlichsten Krankheiten; ich soll unterdrükt werden? Hat man mich so verleumdet? Habe ich das in Vene-

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dig mit meiner Lebensgefahr verdienet, daß mir nun der König ungnädig seyn will? Wer? Wer? Wo ist? Wo find meine Verläumder? Ach, Himmel, gerechter Himmel, hilf; gib Ra- che! ich habe nichts begangen; ich bin unschul- dig: wolan aber, Hert Oberster, sie ge- hören nun zu meinen Feinden; oder thun dieses auf an sie dazu besonders ergangene Befele, ich werde mich, da sie mir den willen des Königs nicht schriftlich vorlegen können, nicht geben. Da sezte ihm der Oberste den Degen auf die Brust und sprach: Ich habe den Befehl, sie le- bendig oder todt zu liefern. (Da sagte er nicht, von wem er den Befehl hatte, Man macht einen auch nicht sogleich todt, wenn es recht zugeht.) Der Graf verlohr sich vor Schrecken und fiel in eine Ohnmacht, worin er lange zubrachte: dann bat er um eine Schale Schokolade, die man ihm aber weigerte. Fort, fort, sprach Kölker, ehe es taget, wenn sie die Wuth des Pöbels nicht er- greifen soll! und zog ihn mit sich, wie ein Stock-meister, zum Zimmer hinaus. Man band und fuhr ihn in einer Miethkutsche nach der Citadelle in das Loschie, worin der berümte Norccros lange Zeit ge- wonet hatte, und sich weiter nichts, als ein alter höl- zerner Stul befand.

Muß das einen solchen Mann nicht verdrossen und in Wuth gesetzet haben: da er sich von allen

Bedienten, von allen Hausbequemlichkeiten, so auf

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einmal entblöset sehen, das Kleid eines Missethäters und Ketten anlegen lassen, und die Worte: Mein Her, hier ist nichts zu ihren Diensten, als mit Erlaubnis, ein Kammergeschirr, von demjenigen, dem er sonsten befehlen konte, hören mußte! Rede- te er laut, so bekam er Rippenstöse, daß er mit Recht ausrufen mußte: Man traktirt mich als ei- ne Canalge.

Er bekam, wie leicht zu erachten, wegen dieser Alteration, heftiges Zahnwehe; und bat um ein in seinem Cabinet liegendes schmerzstillendes Pulver, man fand aber den stärksten Gift. Das kan zwar möglich sein; wer weiß, ob nicht auch das Zahn- pulver daselbst gelegen: Und ist denn das nun so et- was Verdächtiges, wenn man bei einem Arzte Gift antrift? Mit Gift wird ja Gift vertrieben. Wie viele Arzneien werden, nicht mit Gift gemacht oder

gänzlich aus Gift (Mercurio vivo, & c.) bereitet? Werden nicht vergiftete Wunden mit solchen giftfüren, den Thieren, um den Gift wieder heraus zu ziehen, durch deren Auflegung, geheilet? Es ist daher etwas bei einer Sache schädlich, das bei der andern nüzlich sein kan. Und das will ich noch aus meinem eigenen Haushalte beweisen: Wenn meine, GOtt tröste sie seelige Frau den Gift hatte, so bekam sie Prügel: da verließ sie derselbe: war sie aber ohne Gift; ey nun, so war sie mein liebes Weibchen.

Er aß und trank nicht. Da hieß es: Er hätte sich aushungern wollen. O. Tohrheiten; ver-

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nunftloses Urtheil! Habe ich Zahnwehe, bin ich krank, werde ich wol zur gewönlichen Zeit essen und trinken können? Es lehret ja die Erfarung, daß oft kranke Leute blos und allein mit Arznei erhalten wer- den und daß man zuweilen hungern muß, wenn man bald wieder gesund werden will.

Was? aushungern? Daran dachte der Graf gewiß nicht. Demungeachtet aber kam der un- übersonnene Befehl: Er solte essen und trinken, fals er nicht mit gutem wolte, so sollen sie ihn so lange prügeln, bis er Appetit bekäme. Den hat gewiß kein Arzt, sondern ein Stutenmeister, gege- ben. Mit Gewalt muß der Esel ---

Die Dritte Hauptperson, die man gefangen nahm, war der Graf von Brandt, der sich anfangs mit dem Degen vertheidigen wolte, und also mehrern Muth als der erstere besas; da er aber die Uiberge- walt erblikte, den Degen von sich legte und sprach: Meine Herren, sie gehen hier unrecht, ich bin ein Staatsminister, ich weiß nicht, daß ich et- was verbrochen habe, worüber man mich arre- tiren kan. Und die Antwort war: Sie giengen recht, er solte nur mir gehen: das übrige würde sich schon finden. Und so kann auch dieser nach der Citadelle, in ein ziemlich dunkles Zimmer, wor- in er sich vergnügt bezeigte und bei allem Trübsal, noch ausrufte: Was ist es? Einem kleinen Geiste komt es zu, sich Durch Kleinigkeiten demütigen zu lassen: aber ein groser hebt sein Haupt weit über sein Schiksal empor.

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Denen übrigen Herren, die in die Gefangen- haft und Sicherheit gebracht wurden, begegnete man erleidlicher. Auf diese war auch die Sache nicht ge- münzet. Man hielt sie nur so lange veste, bis man das Unternehmen völlig zu Werke gerichtet hatte, au- ser daß man den Lieutenant Struensee, weil er Stru- ensee hieß, zwei hundert Thaler gab und in alle Welt zu gehen, ankündigte. Das wiederfuhr auch dem Etatsrath Reverdil, der mit tausend Thalern nach Hause, in die Schweiz, reisen durfte.

Das wäre so etwas vor mich gewesen. Bliz, wie hätte ich aus Dännemark mit der Extrapost zie- hen wollen, ohne mich, wie dort Loths Weib umzu- sehen und ohne eine Salzsäule, (wenn ein Mensch vermöge des in ihm sich befindenden Salzes, zur Salzsäule werden kan); ohne dieß zu werden. Schon zwei hundert Thaler ist ein schönes Reisegeld; ge- schweige, wenn einem tausend Thaler ausgezalet wer- den. Bald möchte ick mich entschliesen, vom Pontus Euxinus, meiner Wohngegend, da es so izt kriege- risch aussieht. nach Norden zu reisen. Vielleicht gibt es in Zukunft noch so etwas, wovon man schon in England laut redet, da könten mir wol auch, wenn mir das Glücke wol wolte, tausend Thaler ausgezalet werden. Nur die Conföderirten und der in den tür- kischen und rußischen Landen unsichere Weg hindern mich daran.

Niemand aber von den Hohen konte mehrern Nutzen dabei haben, als der Graf von Ranzau, der ihn auch, da ich unter dessen Commando gestanden, brauchte.

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Hingegen das Volk bekam nun, was es wünschte; es durfte hier und da plündern, welches man nur hernach bei der Welt von berüchtigten Häusern verstanden wissen wolte; in der That aber dieje- gen Personen, denen man nicht gut war, angieng. Freilich mußte dabei fast alles, was der Graf von Struensee zum Vergnügen des Königs hatte anbau- en lassen, beraubet werden, da man diesen Herrn höchst verhaßt gemacht hatte.

Bei Hofe gab es wie leicht zu vermuthen, viele Veränderung und Austheilungen von Ehrenstellen an diejenigen, die nun glüklich das Vorhaben mit angefangen hatten.

Endlich am dritten Sonntage nach Epipha- nias hielte man ein Dankfest, wobei zu erinnern, daß der Pastor an der Peterskirche, der vor einigen Jah- ren, da er dem Trunk, Ritt, Scherz und der Kar- te ergeben, abgesezt worden, sich aber doch wieder eingeschmeichelt hatte, daß der Dokter Münter mit einer wagenden Freiheit schon die Königin, da Ihr noch nicht der Prozeß gemacht worden war, aus dem Kirchengebäte weg ließ, welches ihm viele Dänen verdacht haben, ihm, dem 28tündlichen Bekehrer ei- nes gewesen seyn sollenden Heiden. Wie aber, Herr Pastor, wenn das Ding schief gegangen! Wo wäre Ihr Kopf?

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Das Gericht.

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Nachdem wir nun wieder einen Abschnitt be- schlossen haben: So kommen wir zur Sache, war- um man die Königin, und die gemeldeten Grafen arretiret, erstere von ihrem Gemale geschieden, und leztere zum Tode verurtheilet und hingerichtet hatte.

Da man also nun seiner vermeinten Feinde Meister geworden war, und deren Endurtheil man schon vorher bestimt hatte, welches man aus der Figur eines Galgens, Rades, Beils und abgehauenen Hand ersehen konte, die dem Gespräche, das die bee- den Grafen, die doch getrennet verwaret wurden, ge- halten haben solten, beigefüget worden ist); So mußte man doch, um den Schein der Partheilichkeit zu heben, Verhör halten.

Die feindliche Parthei hielt also Gericht. War das wol recht? Nimmermehr. Sonsten ist ein Richter, der den kleinsten Verdacht wider sich hat, verwerflich; und derjenige, der von einem solchen beurteilet werden soll, kan allemal excipiren und

bitten, daß seine Sache einem andern, zu dem man mehreres Zutrauen hat, übergeben werden möge: In Dännemark aber, wie es scheinet, nicht.

Es war also Gerichtstag und der Graf von Struensee und Brandt wurden vor Gericht gezogen. Ob sie in dem Gcfängnishabite, in dem Geschmeide des Vulkanus, oder wie sie erschienen; das soll uns izt gleich viel gelten. Wir wollen vielmehr auf dasje- nige, was man sie beschuldigte, sehen, solches mit einigen Anmerkungen begleiten, und die Welt un- partheiisch darüber richten lassen.

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40 Beschuldigungen

Des

Grafen v. Struensees.

I.

Er hätte die Landeseinkünfte an sich gezogen und das Reich in

Schulden gesetzt.

Sein Vermögen, und es fragt sich, ob es wahr ist? soll sich auf vier mal hundert tausend Thaler belaufen haben. War das auch wol ein Vermögen vor den ersten dänischen Staatsminister? Und wer konte denn dasselbe so geschwinde zählen? Hatte er etwa alles, was in den herrschaftlichen Rech- nungen fehlte, auf seine Rechnung schreiben lassen müssen? Ei, da kann er noch mehreres besessen haben. Da ist es eben kein Wunder. Beschuldigungen aufzusu- chen, dazu braucht man keine grose Geschiklichkeit. Aber Warheiten fürzutragen, das zeigt Kunst.

Will man aber nun, da man dessen Effekten am 19ten Oktober öffentlich versteigert hat, und Jederman etwas von dessen Reliquien haben wolte; folglich alles über den Preis bezalet wurde; will man nun das Facit machen: So wäre es auch wol mög-

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lich, daß sich so vieles hätte zusammen lesen lassen. Wurde doch die alte irdene Oellampe jenes stoischen Philosophen, des Epiktets, auch nach dessen To- de von einem um drei tausend Drachmen gekauft. Und vielleicht kaufte auch hier mancher etwas, ich will es eben nicht sagen, wodurch er sich, wenn er durch einen Zufal blaß geworden und einen neuen Gang angenommen, selbst befreien will, sehr theuer. Was thut man nicht, wenn man sich besonders schämet! Da bezalt man gerne vieles.

Alleweile, da ich diese Geschichte abfasse, legt mir meine Tochter das Leben des Grafen von Brühls, der auch erster geheimer Staatsminister am königlich pohlnischen und kuhrsächßischen Hofe war, vor Augen und spricht: Papa, lesen sie doch einmal diese Stelle! Ich sehe solche an und finde folgendes:

"Er soll, nach der Ausrechnung eines Raths, da der lezte schlesische Krieg angegangen, über 39 Millionen auser Landes geschaft haben. Die preu- sischen Soldaten hätten in dessen Pallaste 2000 Paar Shue, 1500 Paar Stiefeln, 1500 Perrücken und 800 reiche Schlafröcke, alles in Paris gemacht, auser, was er noch an grössern Mobilien mit nach Pohlen genommen, mit größtem Erstaunen angetroffen.” Und dennoch blieb der Graf von Brühl in allen seinen Ehrenstellen und bei allen seinen Güthern bis an sein seeliges Ende.

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Ließ doch wol der Graf von Gotter am Winerischen Hofe eine Schlittenfahrt, die ihm 36000 Gulden gekostet hatte, anstellen. Der kostete dem Kaiser und verthat soviel, daß der Monarch sagen mußte: "Und wenn ich dem Graf von Gotter

täglich eine Tonne Goldes gäbe, so brächte er sie doch durch.” Dennoch blieb er in Gnaden.

Was? Die Landeseinkünfte an sich

gezogen? Und nur 400000 Taler? Ei, ei, so erstrecken sich die dänischen Einkünfte nur so hoch? Lügner, Lügner sind es, die dergleichen ausschreiben. Ja, wenn nicht auch andre Leute rechnen könten!

Noch mehr! Das Reich in Schulden

gesezt? Wie lange war denn der Graf von Stru- ensee erster Staatsminister am dänschen Hofe? Vom 23sten Jenner 1771 bis zum 17tcn Jenner 1772. Und da hätte dieser Mann das Reich in Schulden gesezt? -- Man beliebe doch seine offenbare

Unwahrheiten zu revociren. Das war ja nicht wahr.

Ja, er hat ja erst nichts gehabt.

Diesen Einwurf wollen wir auch beleuchten. Es ist wol zu glauben, daß er wenig vorher besessen haben wird; was er aber hernach besessen; das hat ihm der König geschenket. Das mußte ja geschehen, um sich als Graf, ob er gleich auch seine Besoldung hatte, auffüren zu können und ihn in seinem Dienste

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anzufeuern. (So thut auch die Kaiserin von Rußland dem General von Bauer und andern, die sich um den Staat verdient machen.) Was mir aber einer schenkt, das habe ich mit Recht, dar- um betrüge ich, ob ich gleich einen zur Schenkgasche perswadire, nemanden.

Aus allen diesen Umständen also erhellet, daß

der Graf von Struensee die Landeseinkünfte weder an sich gezogen, noch das Reich in Schulden gesezt hat; und unverdamlich gewesen ist.

II.

Er hätte es dabin gebracht, daß die besten Ministers ihres Amtes entlassen worden, um keine Beobachter seiner Griffe neben sich zu haben.

Dieser Saz begreift zwei Stücke in sich:

1.) Er hätte es dahin gebracht, daß die besten

Minsters ihres Amts entlassen worden. Mit Nichten! Er war es nicht. Das bestand in der Wilkühr des Königs. Der König, die Grafen von Struensee und von Brandt, und noch einige andre waren u. sollen genug seyn, den geheimen Rath zu formiren. Die Uiberflüßigen bekamen ei

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nen guten Rath, ihre Güther zu beziehen. Und das von Rechtswegen: Sind wenige, eine Absicht zu erreichen, hinlänglich, was braucht man viele?

2.) Er hatte keine Beobachter seiner Griffe neben sich haben wollen. Was sind denn das für Griffe gewesen? Man wird gewiß grose Mühe anzuwenden haben, wenn ihm so etwas einem Griffe ähnliches in den Tod nachge- redet werden soll.

III.

Er hätte sich in den Grafenstand erheben lassen und gar Herzog von Holstein Plön werden wollen.

1.) Graf. Das gieng ganz ordentlich zu. Vom Dokter wurde er 1757 zu Altona Phyitkus; 58. Leibmedikus des verstorbenen Königs; bei dem Neuen Reiseleibmedikus, hernach beständiger Leibmedikus; 69. den 12ten Mai Staatsrath; 70. den 14mten Mai, Conferenzrath; im December Maitre des Requetes; 71. im Julio, gehei-

mer Cabinetsminister; Ritter des

Mathildenordens und am 15ten des nämlichen Monats dänischer Graf.

Dieses Glük, ob es gleich selten geschicht, ist schon mehrern vor ihm, an andern Höfen, begegnet. Und es ist zu loben, wenn Könige und

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Fürsten ihre treuen Diener mit einer erhabenen Stelle nach der andern begnadigen. Dadurch

werden dergleichen Männer noch mehr ange- stammt, ihre Kräfte dem Staate zu widmen. Und woher sind denn alle unsre Grafen, unsre Freiherrn, unsre Edlen, alle erhabene und Gebieter entstanden? Von der Natur hergerechnet, sind wir alle einerlei. Verdienste aber, Heldenmuth und Gewaltsamkeiten haben diese und jene Unterschiede zuwegegebracht. Graf wird auch: grav, welches die Alten: grau aussprachen, geschrieben, und bedeutet: einen alten grauen Greis, der sich um den Staat verdient gemacht, und den der Regent, seiner Verdienste halber, diese und jene Güther schenkte, um auf denselben seine lezten Lebenstage in Ruhe zu beschliesen. Und so könten wir von Jedem eine Grundbedeutung, wenn selbige hier nötig wäre, angeben.

2.) Herzog von Holstein-Plön. Das

war, mit Erlaubnis, nicht wahr. Gehört nicht dieses Herzogtuhm, ob es gleich an das Königreich Dännemark gekommen, noch immer zum römischen Reiche? Wer aber kan in dem römischen Reiche Herzöge und Fürsten machen? Gehört diß nicht zu den Rechten des Reichsbe- herschers, des Kaisers? Aber, es beißt ja nur:

Er Hätte sich durch eine Akta das

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46 Herzogtuhm Plön von Sr. Königl. Majestät versichern lassen, welches aber nicht zum Vorschein gekommen.

Ist diese Versicherung nicht zum Vorschein gekommen, woher konte man es wissen, daß ihm das Herzogtuhm Plön versichert worden? Und konte denn der König, ob derselbe gleich Herzog von Holstein-Plön ist, diesen Charakter und dieses Land sohin einem Fremden abtreten? Dergleichen angeerbte, oder auch durch besondre Reichsverträge erhaltene, eroberte, oder angekaufte Länder gehören selbst mir zur Krone, deren Verwalter nur der König ist. Kein Fürst kan etwas zum Nachteil seiner Nachkommen und Erben vergeben, wenn die Landesstände nicht drein willigen. Also auch hier hätte diese Abtretung des Herzogtuhms Plön an den Graf von Struensee mit Bewilligung der Landesstände vor sich gehen, und dann die Confirmation aus dem Reichstage ausgefertiget werden müssen, wenn diese Verlassung hätte gültig gewesen seyn sollen. Das konte aber nicht angehen, da der Graf die Landesstände wider sich hatte, die nimmermehr in diese Forderung würden gewilliget haben.

IV.

Er hätte die ganze königliche Familie, auser der kleinen Prinzeßin

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und her Königin, hinrichten, sich dann mit derselben vermälen und neben ihr als Protektor regiren, u sich durch Feuer und Schwerd, fals sich ihm Jemand widersetzen wurde, den Weg zum königlichen Trohn bahnen wollen.

Wem hat er denn

1.) diesen Plan entdekt? 2.) Als Arzt konte er wol die königliche Familie, one Verdacht, hinrichten, da man Arzneien antrift, die einen langsamen Tod befördern, (v. g. sacharum Saturni.) wenn er hätte an seinen Woltätern untreu werden wollen und nicht merere Ehrfurcht gegen den königlichen Stamm besessen hätte, 3.) Wer muß denn tol ersonnen haben, daß er hätte Protektor wer- den und sich mit der Königin vermälen wollen?@Er gewiß nicht. War er wol ein Cronwel, den die Engländer verlangten? Jener konte getrost König werden; dieser aber nicht. Waren hier nicht schon zwo Parteien? Der dann neue König würde kurze Zeit regiret haben. 4.) Sich den

Weg zum Trohn mit Feuer u. Schwerd

banen. Das gab man so für, weil er die Waffen, den König wider die drohenden Anfälle zu verteidigen, bereit halten ließ. Wie doch aber eine gute Absicht, auf der bösen Seite betrachtet, so ü-

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48 bel hinausgekläret werden kan. Das sind Griffe, deren Beobachter Struensee war, den man daher nicht leiden konte und hinrichtete

Kein rechtschaffner Minister würde die Bosheit unterstützen, welches er, da er die Kirchenbuse auf- gehoben, gethan hätte. V.

Nur den Kirchenstand in Ruhe gelassen! Dadurch sind schon viele umgekommen. Wie gieng es nicht dem letzten rußischen Kaiser? Wolte er nicht die Lutherische Religion in Rußland einführen? Grif er nicht die Geistlichkeit an, da er dem Archimandrit den Bart abschnitt und solchen über dem Lichte verbrante, daß die dabei waren, lachen mußten? Brachte nicht diese, aus Eifer zu ihrer Religion, den Pöbel, einige Minister und die Armee wider ihn auf, daß er gefangen, des Trohnes entsezt und dessen Gemalin das Ruder bekam? Hingegen dieser ließ die Kirchenbule nicht zur Verachtung der Religion, die in, Dänemark herscht, nicht zur Entehrung der Geistlichkeit; Sondern, aus folgendem Gesichtspunkte betrachtet, aufheben:

Wenn die Seesoldaten, da sie lange Zeit den Umgang mit dem Frauenzimmer missen mußten,

aufs Land kommen, so sind sie nun eine Geisel des-

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selben. Sie greifen es auf der Strase, oder wo sie es nur finden, an und nötigen es zu einer Sache, woran der Wolstand einen Misfallen hat. Das auf solche Weise angeführte Frauenzimmer soll her- nach die Frucht seiner heimlich begangenen Lust, in die es gezwungen gewilliget, der Welt, sich zur Schande, vorlegen; und Jederman will ihm nachweisen: das ist auch eine; die hat auch eins gehabt, u. s. w.; Es soll, stat Jung- fer, einen andern Namen hören, den die Welt auf die Wage der Verachtung bringt; Es soll seine gebrauchten Leibeskräfte bezalen, da es doch sich blos und keinem andern schadet; da es den Staat, wozu wir da sind, nach allen Gesetzen bevölkert, eben als wenn man die Fehler mit Geld ausputzen könte. Es soll in den Kirchenbann gethan werden, bis es gebüset. Ja, wenn noch die Zeiten der Alten wä- ren, da sich jeder Christ betrübte, wenn eins unter ihnen den HErrn vorzüglich beleidiget hatte; da man nach dem Spruche: waschet euch, u. s. w. handelte und eine solche Person flehendlich bat: daß

man sie doch wieder annehmen und auch vor sie bei GOtt um die Aussönung

bitten möchte; wenn noch jene Zeiten wären, so wäre auch noch der Kirchenbann schiklich. Von Geldbezalungen aber bei GOtt findet man in seinem Worte nichts ausgezeichnet: hingegen lesen wir, daß

er selbst die Hurer und Ehebrecher richten

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50 will. In unsern Zeiten denkt man ganz anders. Der Zuschauer spottet die Gefehlte. Wer läßt sich aber spotten, ohne dabei unempfindlich zu bleiben? Komt noch der falsche Begrif von der Ehre hinzu; stellt sich die schwangere Person die Schande, der man sie künftig aussetzen will, lebhaft für; hat sie kein Vermögen, den Kranz und die Sünde zu bezalen und soll daher am Leibe büsen und öffentlich abgelesen werden: So wird sie vielleicht tiefsinnig und verliert die Gedanken, daß sie daher, von den Ge-

setzen verfolgt, ihr dann gebornes Kind tödet.

Soll man aber ein solches Uibel nicht hemmen? Sonst war die Kirchenbuse schiklich, izt aber nicht. Die Abschaffung also des auf den Liebesfeher laurenden Banns ist gewiß das ächte Mittel, den Kindermord zu tilgen; Welchen Liebesfehler man, da wir alle Fleisch und Blut besitzen, und uns nicht alle verheiraten dürfen, noch können, auch das Frauenzimmer warten muß, bis einer komt; niemals ab- schaffen wird, und wenn man auch selbst Galgen und Rad, Brand und Feuerzange, und allen Verlust zur Strafe darauf sezte: Die Natur zwingt man nicht.

Das wußte jener grose Monarch, der in seinen Ländern diesen Bann und alle dabei verkommende Geldstrafen aufhob, der noch überdiß dem Frauenzimmer, wenn es, auser dem verbundenen Stande, einen Knaben zeugt, eine Prämie von zehn Thalern

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auszahlen läßt. Dadurch wird sein Reich bevölkert und mit Völkern furchtbar gemacht; dadurch wird der Kindermord aufgehoben; dadurch werden dem Staate die muntersten Leute Hergestellt, die ohne Sor- gen herfürgebracht werden. Ein muntres Genie aber kan zu allem gebraucht werden, es hat das beste Glük, da es sich in alles finden kan; und wird also hieraus das Sprüchwort wahr: Hurkinder haben das beste Glück.

Da nnn diß auch der Graf von Streunsee in Vortrag brachte; da es der König billigte und daher die Verordnung unter dessen königlichen Namen her- auskam: Daß in Zukunft auch in Dänemark, um dem Kindermorden Einhalt zu thun, die Kirchen- buse und alle darvon sonst gewönlichen gewesene Abgaben aufgehoben; hingegen aber die lieder- lichen Hurenhändel nachdrüklichst bezüchtiget werden solten: Sö war diß Gesez gar wol zu bili- gen; es war nach der Beschaffenheit der Zeit, des Orts; der Personen und Umstände wol eingerichtet und also unverwerflich; und zeigt noch immer, daß der Graf von Struensee Gott und der Welt nuz- bar gewesen ist.

VI.

Er hätte das gräflich-schulinische Haus kaufen, zum Öffentlichen

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Hurenhause einrichten lassen und Geld dazu vorgeschossen.

Daß es sich wol zugetragen, daß dieses Haus Zu einem Kaffeehause gemacht worden, worin sich der König und die Noblesse erfrischet; ist wol zu glauben; Daß es aber ein Hurenhaus hat abgeben sollen, völ- lig zu läugnen.

Freilich finden sich bei dergleichen Zusammen- künften auch leichte Frauenzimmer ein, die Gelegen- heiten zum Ausschweifen geben.

Und wenn man darauf sehen will, so dürfte kein

Gasthaus seyn. Wer will, der will, und keret sich nicht an das Haus.

Was ist aber die Hurerei?

Die Kräfte der Natur im Liebeswerke übertrieben anstrengen und dabei dem Zeugungsgeschäfte zuwider leben, wodurch allerhand Krankheiten, die ein guter Arzt heilen muß, entspringen.

Findet man aber diesen Misbrauch nur bei dem ehelosen Stande? Wolte und könte man das Betragen mancher Eheleute untersuchen, so würde man finden, daß diese den häufigsten Misbrauch begehen. Aber diese find privilegirt.

Doch hier ist blos die Rede von dem Galan- teriefrauenzimmer, das sich mit Fürsaz zu dergleichen Unsitlichkeiten, vor einen gewissen Werth, denen Manspersonen, denen das Gewissen aufwacht, und

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ein Pfahl ins Fleisch gesezt ist, den sie nicht überwinden können, Preis stellt. Dieses solte gestraft und die Bordels verstöret, an deren stat aber Bäthäuser vor die im Bordel haltbar gewesene Nymphen, ihre

Galanterie und verstaltete Schönheiten zu betrauen, aufgebauet werden.

VII.

Er hätte die Feiertage abgeschaft.

Das ist schon an andern Orten etwas Altes und selbst vom Pabste verwilliget worden, von dessen Vorfahren die vielen Festtage ursprünglich waren.

Das war aber eine magere Beschuldigung und man kan bas böse Herz jenes Dichters satsam erblikken, wenn er singt:

Die Feiertage sind ein Dorn in deinen Augen, Die tolle Freude soll nur blos dein Labsal seyn. Was Gott und göttlich ist, das kan für dich nicht

(taugen.

Du haßt die Ehrbarkeit und führst den Teufel (ein.

Nun, so habt doch Mitleiden mit einem sol- chen erbärmlichen Poesel, dessen Verstand dem Bruder Langohr ebenmäsig ist! Also: Wer die Feiertage abschaft, der haßt die Ehrbarkeit und führt den Teufel ein? Was das für ein Schluß ist! O der dumme Esel!

Und der muß helle Augen gehabt haben, der den Graf von Struensee den Teufel einfürend, ge-

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54 sehen hat. Ei, wenn doch ein solcher so wol getahn,

(und wenn er es auch noch thäte!) zu melden, wie@er den Teufel gesehen? Die Welt würde ihm grosen Dank sagen. Jederman, glaube ich, würde den bra- ven Herrn gerne sehen wollen. Er muß aber doch sehr furchtsam ausgesehen haben: Weil er sast bei allen Versicherungen als Zeuge; bei Wein und Bier zu Gast und beim Schlagen zum Sekundanten einge- laden wird, und doch niemals erscheinet. Der furcht- same und höfliche Teufel! Daß er doch niemanden, da er gebeten wird, holen will! Er könte ja man- chen - - Braten bekommen. Und Struensee solte ihn gepackt und eingeführet haben? Nun, das gefält mir.

Nochmals. Wie sähe denn der Teufel aus? Hatte er auch einen Pferdefus; eine Hahnskralle, Hörner, wie ein Ziegenbock (wie ihn die Mahler ab- bilden)? Erschien er in einem rothen Kleide? Im Gesichte etwa blaß, wie die Dichter den Pluto schildern, den nur ein seine Eurydice aus dem Höl- lenschlunde herausholenwollender Herkules gesehen haben soll? Oder, schwarz, wie der Teufel? Oder wie sahe er sonst aus?

Vermuthlich aber ist er nicht alleine gewesen. Wo war denn seine Grosmutter? Da diese sonst allemal bei ihm seyn soll, so wird sie gewiß auch nicht weit von ihm gewesen seyn. Und diese sahe wol

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aus, wie man die Hexen beschneibt,; wie ein altes,

garstiges, triefäugigtes und runzlichtes

Weib? Was das für ein Zug gewesen seyn muß!

VIII.

Es wäre durch ihn dem Königreiche Norwegen

das Münzrecht abgenommen und der Haupt- krone einverleibet worden.

Und das war recht. Dergleichen Rechte gehö- ren ad regalia principis und wo solche noch davon ge- trennt sind, so tuht man wol, wenn man sie hinzu- Denn kein König, kein Fürst, wenn solche das Münzen selbst bestreiten lassen, liefern schlechtes Geld; welches aber im vorigen Kriege von den Münzrechtssabpachtern, leider, GOtt erbarms! geschehen ist und noch verschiedentlich geschicht.

Endlich und auch die größte Lüge und unsit- lichste Beschuldigung:

VIIII.

Er hätte ein geheimes Verständnis mit

der Königin gehabt und dieserhalben wäre er des Todes schuldig.

Wie aber, wenn schon vor einigen Jahren der irdische grose Gesezgeber, nach dessen Einrichtun- gen sich Jederman richtet, in einem solchen wahren Falle das Gegenteil bewiesen hätte? Hieß es da- als nicht: Madame, sie heisen Prinzessin von

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* *; und du, Mosge, fort, geniest meine gna- de mit andern Staatsverbrechern in * *! Und da war alles vorbei. Hat aber sonst Jemand etwas von diesem Vorfalle erfaren? Schrieb man auch die Wochenblätter davon voll? Gab man auch den Buchdruckern und Buchhändlern etwas dabei zu ver- dienen? Wurde wol auch so, wie izt durch diese dänische Conspiration, die Welt gebrandschatzet: Alles nicht. Es blieb alles verborgen. Und das war

weise gehandelt.

Nemen wir nun beede Geschichten zusammen, und man nimt an, daß die dänische die nämliche ge- wesen; so war der Graf von Struensee zwar strafbar,

nimmermehr aber des Todes schuldig.

Beschuldigungen

des

Grafen von Brandt.

Ehe wir mit diesem Graf, dessen Vater ehe- mals dänischer Edelman und Conferenzrath war, ins Verhör treten, wollen wir erstlich etwas besoederes vorausschicken

Man muß es wissen: Er wurde 1755. Hof-

junker, hernach Kammerjunker und endich

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Kammerherr 1769., und der itzige König konte

ihn so leiden, daß er denselben überall begleiten mußte; dem man auch daher, dessen Person gänzlich anver trauet hatte. Das Leben also, die Gesundheit und Wolfahrt des Königs waren in seinen Händen. Er bewies es aber auch, daß ihm die Ehre seines Herrn und alles, was demselben heilsam, lieb war. Er be- wies es zur Zeit durch ein Unternehmen, das sich auf Eifer und Treue gründete und wobei ihm damals der größte Haufe edle und uneigennützige Absichten zu- traute. Es wurde nämlich der Graf von H **, da dieser Brandt dessen falsches Spiel eröfnet hatte, seines Dienstes entlassen. Diese geöfnete Stelle trug man hernach ihm an, da er noch Hofjunker war und er verbat sie. Das brachte ihm aber die größte Liebe des Königs zu ihn zuwege, daß derselbe ihn zum Kammerherrn ernente, worauf er dann 1771. von der Königin den Mathildenorden erhielt; von dem Könige aber zum Oberschauspielaufse-her gemacht wurde. Und da er sich in diesen Aem-

tern die Gnade des Königs noch mehr erwarb; So wurde er mit dem Graf von Struensee zugleich in den Grafenstand erhoben und erhielt folgenden Titel:

Enewold Graf von Brandt,

königlicher dänischer geheimer Rath, Kammer-

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herr, Beisitzer ves höchsten Gerichts, Oberschau- spielsaufseher und Ritter des Mathildenordens.

Diese Stellen also begleitete er mit Recht, oh- ne dazu durch Einschmeichelungen gelangt zu seyn. Seine Treue und Scharfsichtigkeit erhoben ihn.

Man beschuldigte ihn aber folgender Verbrechen:

I.

Er hatte dem Graf von Struensee mehrere Anleitung gegeben, seine Absichten, die könig- liche Familie zu fällen auszuführen.

Nimr mau seine dem Könige und Staate bewie- sene Treue dazu; hält man beides gegen einander; So wird gar bald der Verdacht, daß dieser erste Beschul- digungspunkt fälschlich angebracht worden, erkläret. II.

Er hätte auf Befehl des Grafen von Struensee

und der Königin einen Meuchelmord am

Könige verüben wollen, da er aber Widerstand gefunden, den König in den Hals u. Finger

gebissen.

Höre es, o Welt! und vernim es, Erde! Muß der Graf nicht ein Maul gemacht haben! Ein Maul, wie ein Elephant.

Wer hatte ihm denn aber wol vorher die Zähne geschärft? Das mußte ja geschehen, wenn er hätte beisen, einen Hals, eines Menschen Hals abbeisen sollen. Den Zahnschleifer möchte ich doch kennen.

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Gewiß, der Erdichter dieses Meuchelmords war

ein Jude.

Beweis.

Das andre Jahrtausend der Welt soll antworten. Als Esau dem Jakob dort den Hals abbeisen wolte, machte er ein groses Maul, und doch bis er vergeblich. Der sonst fleischerne Hals des Jakobs, der, wenn man der Abbildung unsrer alten Mahler glauben kan, ein starknervigter Riese gewesen seyn muß, dessen Gurgel wenigstens 6 Zoll im Durch- schnitt; der Hals wurde zum Beine, woran sich Esan 6 Zähne ausbis, da dann sein boshaftes Herz beschämet wurde, daß er sogleich in sich gieng und sei- nen Bruder freundschaftlich küßte.

Das findet man in dem wahrheitsvollen Tal- mud ausfürlich beschrieben; und in der Hebrai- schen Bibel finden sich auch über dem Worte:

וישמהו und er küßte ihn, 6 besondre Punkte, die die Masorethen mit besonderem Fleise um den Leser an diesen bisvollen Kus zu erinnern, als ei- ne merkwürdige Sache angemerket haben.

III.

Warum er denn nicht den guten Vermanungen, die ihm ein Freund am 8ten Julius und am 19ten Sepremher 71. zugeschrieben, nachgekommen?

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nach welchen er hätte den König, der damals

schon In Gefahr gewesen, retten sollen, da man

ihm gemeldet: man würde, wenn er die bösen Anschläge des Struensees nicht hemte, dermaleinst das Leben und die Freiheit dieses Prinzen von ihm fodern, da er um ihn wäre und alles sähe und

wisse. Man hätte ihn dieserhalben beschworen und ihm vorgestelt: wie ihn der König aus Er- kentlichkeit mit Güthern und Ehre überhäufen, und ihm diß der Unterthan verdanken würde. Er solte dock nicht länger der Sklav eines Elenden bleiben, der ihn, wenn er ihn nicht weiter brauchte, in den Staub treten würde. Man hätte ihm ja auch in diesen Schreiben den Anschlag, wie er es an- fangen solte, gemeldet. Allem aber hätte er kein Gehör gegeben. Daher würde nun auf ihn mit Recht die Schuld geschoben. Er wäre im höchsten Grade des Todes schuldig.

Beede Briefe sind, wenn man solche mit dem, den der Conferenzrath Pe. F. Suhm, nach der Gefan- gennemung der beeden Grafen, geschrieben haben soll, zusammen hält, von einem Verfasser geschrieben worden. Man vermuthet aber: sie waren disfals an den Graf von Brandt gesendet worden, um ihn auch auf die Seite zu ziehen. Da er sich aber nicht zur Un-

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treue wider den König, ob man ihn gleich zur Treue ermunterte, bewegen ließ; da er nicht zu der Partei, die ein groses Verbrechen noch grösser machen wolte, trat: So mußte er, da sein Freund, Struensee verdamt wurde, auch ex falso & injusto titalo verdamt werden.

(Der Graf von Struensee wird hier ein Elender genent, weil ihn kein Edelman gemacht hatte. Wie viele wür- den das von, wenn ihr rechter Va- ter bekant wäre, entbehren müssen! das sie ohne Verdienst beischreiben.)

IV.

Er hätte, gleich dem Grafen von Struensee, mit der

Königin vertraut gelebt.

Ein Lügner muß ein gutes Gedächtnis haben, wenn er seine Lüge, die er vor eine Wahrheit ausgibt, nicht selbst zur Lüge machen will. Oben gab man vor: Der Graf von Struensee hätte sich mit der Königin vermälen und dann Protektor von Dännemark werden wollen und daß er schon ein Verständnis mit der Königin gehabt. Hier soll auch der Graf von Brandt ihr Galan gewesen seyn. Kerl, hätte ich dich, sogleich soltest du sterben, vorher aber die verstümmelten Glieder beeder Grafen vom Rad und Stock reisen and ehrlich begraben.

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Eine so vornehmste Dame so anzüglich zu beleidigen, das muß gerochen werden.

Dadurch aber fält 1.) weg, daß sich der Graf von Struensee mit der Königin habe vermälen wollen: Sonst würde kein Nebenbuler statgefunden haben. Es wird 2.) dessen protektoramt unwahr, und 3.) überhaupt die ganze Sache zur Lüge, daß er eine so schändliche Taht, die königliche Familie zu stürzen und sich dann zu erheben, im Sinne ge- habt.

Wie man doch einen Lügner ertappen kan, Warheiten gemeldet! Diese bleiben wahr, gleich solche oft, wie die Warheiten und guten Absichten der beeden Grafen, unwahr gemacht werden.

Das waren also die Hauptartickel, wornach man

die beeden Grafen richtete und öffentlich zum Tode ver- damte.

Sie festen zwar ihre Unschuldigungsvertheidigun-gen selbst auf und liessen solche durch Advokaten über- geben, die man aber bei Seite legte. Man schob vielmehr Briefe zu ihrer Verdächtigmachung unter und

erhandelte falsche Zeugen wieder sie. Weil sie aber, dasjenige, was man sie beschuldigte, unmöglich beja- hen konten: So ergrif man die Tortur, wodurch schon viele zur Bekennung eines Lasters, das sie niemals begangen, genötiget und hernach unschuldig hin- gerichtet worden sind: Und Heede Grafen, die die Pein nicht ausstehen konten, antworteten auf alles, was man sie fragte mit: Ja!

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Todesurtheil.

Die Inquisition also machte ihnen den Prozeß, deren Todesurteil zwar der König unterschrieben, aber nicht gelesen hatte. Sie sprach ihnen Ehre, Leben Und Guth ab.

Und als der schwarze Tag des Gerichts herbeikam, so fuhr man sie an den Ort der Verdammnis. Daselbst zerbrach ihnen der Liktor die gräflichen Wappen, hieb ihnen die rechte Hand, dann den Kopf mit dem Beile ab, schmiedete die Hände an Pfähle und durchna-

gelte die Köpfe auf dergleichen Stämme. Er vierteilte ihre Körper und legte solche stükweise auf Räder.

Wie heftig man aber gegen den von Struensee aufgebracht war, das kan man an dem wüthenden Messer des Liktors erbliken. Er schnitt nämlich von dessen hernach unempfindlichen Körper den Anhang mit schäumender Wuth ab und zeigte das arme stükchen Fleisch dem Pöbel. Das war zu übertrieben. Von deren oder dessen Geschlechte müsse niemand ü- berbleiben, der an die Wand bisset!

Muß das nicht geschmerzet haben, wenn so zween unschuldige Herren, die die vertrautesten Freunde waren, mit einander in den Tod, in einen so schänden- den Tod, gehen mußten!

Der Graf von Brandt bemalete seinem Freun- de mir seinem Blute den Weg zum Tode. Er war

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dabei so gelassen, daß er, als ihm die Hand abgehan- en worden war, noch sagte: Ich gestehe es, das schmerzt mich ein wenig. Und sogleich reichte er auch den Hals dar. Er starb und sein Blut röchelte dem noch lebenden Graf zu: Auf, Freund, nach der Ewigkeit, wo schon von neuen und un- vergehend derjenige Graf, der izt ermordet wor- den, lebet! Er trägt die himlische Krone der Ehre, da man ihm auf der Welt die irdische, aus Misgunst, geraubet hatte.

Und der Graf von Struensee bestieg, sich auf GOtt und die gute Sache verlassend, auch das Ge- rüst, worauf sein Freund zerhauen worden war, und sahe, indem er ausrufte: Ich bin unschuldig, sich um nach königlicher Gnade; da diese aber ausblieb, so suchte er nochmals die göttliche, betete, entblößte sich, legte Hand und Hals auf den Stock und er-

wartete die lezten Streiche...... Nun war er auch

bei seinem Freunde, der ihm entgegen kam mit dem frölichen Zurufe: Freund, hier ist gut seyn; hier gilt die Gerechtigkeit.

Und beede ruften (mein Genius hat es gehö- ret); sie ruften: Heilig ist GOtt und die ihn lie- ben, sind ihm angenem! Sie ruften: Es lebe der König in Dännemark dem wir rechtschaffen die- neten! Er lasse seinen Thron bevestigen, wenn er nicht auch das Schicksal des Todes, dem unsre ir- dische Hütte ausgesezt seyn mußte, durch mensch- liche Gewalt erfahren will. Einer in seinem Stam- me will ihn stürzen. Und da wir ihn retten wol- ten, mußten wir ihn in der Ewigkeit anmelden.

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Beschuldigungen der Königin.

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Hier werde ich zwischen Gnade und Ungnade, da ich die Frage: Weißt du nicht, daß die Kö- nige lange Hände haben? antreffe, hinwischen müs- sen. Doch wird man mir es nicht übel nehmen, wenn ich hier und da frei schreibe. Die Sache selbst ist frei. Also mit Gunst, daß ich fragen mag:

Warum wurde die Königin arre- tiret?

I.

Man beschuldigte sie:

Sie hätte mit den beeden Grafen ein

Liebesverständnis gehabt.

Wer hat es denn gesehen? Ranzau? Der Kläger solte provoziret werden.

Woher will man denn das beweisen? Und zwar

1.) Vom Struensee.

Daß dieser Leibmedikus des Königs und also auch, auf Anraten desselben, der Königin war, ist be- kant genug. Ist er also zur Königin alleine gegan- gen, so haben es vielleicht frauenzimmerliche Umstän- de so verlangt, die sie nur ihrem Leibarzte anvertrauen

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wolte, den sie auch in seinen höchsten Ehrenstellen noch konsultirte.

Soll aber ein solcher Antritt verdächtig feyn, und ein Leibmedikus deswegen mit dem Tode bestraft werden, o wehe, ihr Fürsten! wer wird euch bei- stehen, wenn ihr krank werdet?

2.) Vom Brandt.

Gleichwie dieser ein beständiger Gefährde des Königs bis an das Schlafzimmer war und ihn der König leiden konte, so stand er auch bei der Königin gut angeschrieben. Hat diese mit ihm zuweilen einen scherzhaften Spas getrieben, so geschahe es doch alzeit in Geselschaft. Spas aber ist noch lange kein Ernst. Und hohe Herrschaften sind frei. Womit wollen denn auch dergleichen Personen sich die Zeit verkürzen, wenn sie, nach einem Spiele, nach einer Musik, nach ei- nem Bal, nach einer Oper und Comödie, nach einer Ausfahrt und andern Belustigungen, nicht auch in Geselschaften einen scherzhaften Spas treiben könten? Wer das Hofleben versteht, der wird hier nicht stille stehen, sondern gebükt und, ohne sich umzusehen, vorbei gehen.

Indessen, da auch die Königin, nach dem ein- mal in Collision angenommenen Plane, verdächtig gemacht werden mußte, so war dieser Fal pfifig genug ausgesonnen. Wäre diß nicht geschehen, so hätten ge- wiß beede Grafen nicht sterben müssen und würden wieder in ihre Aemter eingewiesen worden seyn, Die Königin würde ihrem Gemale die ganze Verhandlung

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bei guter Laune erzälet haben: Daß man die beeden Grafen, um nicht mehr seine Rathgeber zu seyn, und keine Verräther von dem, was man wider das Ruder habe vornemen wollen, zu werden, arretiret hätte und ihnen daher den Prozeß machen wolte. Dadurch aber würde es auf der Ge- genseite übel ausgesehen haben. Doch gieng man zu weit.

Man beschuldigte die Königin:

II.

Sie hätte an dem Könige eine Meuchelmörderin werden wollen, und zwar

1.) Selbst.

2.) Da ihn der Graf von Struensee mit

Gift vergeben und

3.) Der Graf von Brandt tödten sollen.

Diese Beschuldigung ist nicht einmal einer Ant- wort Werth, welches noch izt die Königin in Hannöverisch-Zelle spricht: Man hat mich eine Meu- chelmörderin genennet: ich weiß es aber am besten, warum: Doch es bleibe bei mir verborgen. Bei mir aber soll es nicht verborgen bleiben. Man kehre die Sache um, so ist die Antwort da. Man wolle alles vom Hofe, um hernach alleine zu re- giren, hinweg schaffen.

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70

III.

Sie wäre die Ursache an allen Unglücke gewesen, da sie den Dokter Struensee und den Edelman von Brandt habe von dem Könige erheben lassen, daß hernach diese beede alle Unordnungen einge- führet hätten.

Wenn ein Bürgerlicher hochsteigt und ein Edel- man vor andern eine vorzügliche Stelle bekomt, so finden sich viele Feinde, die sie wieder zu stürzen trach- ten. Eben so gieng es auch hier.

Gesezt aber die Königin hatte vor beede gebeten (wie es ihr auch erlaubt war); und beede hätten sich dann als üble Verwalter der königlichen Rechte und der Einkünfte bewiesen: So folgt doch nimmer- mehr, daß die Königin disfals strafbar gewesen. Was kan man denn dafür, wenn einer, Absichten zu erreichen, sich bükt und, wenn er sie erreicht hat, anders verfährt. Man urteilt vom Gegenwärtigen. Artet sich das Künftige aus, so konte man selbiges nicht voraus sehen.

IV.

Sie hätte, nach der Hinrichtung der königlichen

Familie den Trohn besteigen und sich als Monarchin zeigen wollen.

Obgleich seit 1660. auch in Dänemark, nach Erlöschung des mänlichen Stams, Königinnen regie-

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ren können; So konte eine Caroline Mathilde da- gegen ausrufen: Habt ihr nicht meine Gedanken gesehen! Voreilige Eröfnung! An dem Schrei- bepult kan man vieles aufs Papier ätzen, unbeküm- mert, ob es wahr, wahrscheinend oder erlogen ist.

V.

Sie hätte sich dann mit dem Grafen von Struen-

see vermälen und ihn hernach zum Protek- tor erwälen wollen.

Wer hat denn das dem Anbringer gesagt? Hat er es etwa blos vom Hörensagen? Selbiges wird, wie bekant, allemal in dem dritten Munde zur Wahrheit, d. i., es wird hernach als eine rei- ne Wahrheit fortgesagt. Das findet man oft. Und wenn es drauf ankommen solte, ich wolte wol etwas erfinden und ausreden, daß es, wer es nur hört und den Autor davon nicht weiß, als eine reine Wahrheit fortgesagt werden soll. Merket auf und denket nach!

"Es gehet die Rede, der König in Dännemark soll dethronisirt und der Prinz Friedrich König werden. Das will, ich weiß nicht, wer? haben."

Das glaube, wer da will. Ich glaube es nicht. Gewiß, gewiß, komt einer, es ist gewiß wahr, ich habe es von dem Herrn --- gehört. Und@eben jenem hatte ich es erstlich gesagt.

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72

der satyrische Zeitungsschreiber und er schrieb es, GOtt behüte! ins Wochenblatt. Nun liest es die Welt und ist gewißlich wahr.

Doch, es sei! es wäre eine Vermälung vorgegangen. Konte wol aus dieser Ehe ein Trohnfol- ger, fähig das Reich zu regiren, gezeuget werden? Selbst der Graf von Struensee nicht. Das hätten weder die Stände, noch die auswärtigen Mächte zugegeben; Er würde auch nicht haben Protektor werden dürfen. Schweden würde schon gesprochen haben.

Das war also auch das der Königin angethane

Anrecht, welches der Hof von England unmöglich

so hingehen lassen konte. Es erhielt daher der am

dänischen Hofe residirende englische Gesande, der

Minister Keith, den Befehl, schriftlich um

die Ehescheidung anzuhalten.

Er bat sich folglich Audienz bei dem Könige aus, stat dessen aber fand er die nun wieder neuen Räthe, die verwittibte Königin, und den geheimen Rathspräsident, Prinz Friedrich, die sämtlich verlangten: Er solte seinen An- und Vortrag thun. Dieser aber sprach: Ich habe

mit dem Könige sprechen wollen; und mit dieser Versamlung habe ich nichts

zu thun; und trat zurük.

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Dann ließ er sich nochmals beim Könige anmel- den und kam vor denselben.

Er legte ihm den Ehescheidungsbrief zur Unter- schrift vor, den er auch Uneingesehen unterschreiben wolte.

Nein, nein, Ihre Majestät, sprach

der Gesande, lesen Sie doch erst! Es geht Sie an. Es betrift die Ehescheidung mit ihrer Frau Gemalin, worum der Hof von England, aus angeführten Gründen anhält.

Da rufte der König ganz bestürzt aus: Was?

Ich solte meine Gemalin lassen? Dieses gar schriftlich von mir geben? Das kan ich nicht. Ich liebe und verlange sie wieder. -- Wo ist Struensee und Brandt? Ich verlange sie auch wieder.

Ihre Majestät, erwiederte Keith, diese sind gevierteilet worden. Ihre Majt. haben ja selbst deren Todesurteil unterschrieben. Und da man die Königin auch eben als jene unglükliche Grafen zum Tode verdammen will; So verlangt solche mein Hof zurük.

Da wolte sich der König folgends nicht trösten lassen. Er verlangte die Königin und seine beeden Grafen; und ließ den Gesanden von sich.

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Noch desselbigen Tages aber, da man die gute Gesinnung des Königs gegen die in Kronenburg verschlossene Königin hörte, mußte der König betäubet werden, daß solche eine ewige Staatsgefangene seyn, ja hernach gar zum schleunigen Tode verurteilt werden solte.

Gotlob aber, daß der Minister Keith durch-

gesezt! Er donnerte schon in seinen Reden mit brittischen Kanonen auf den Gewässern Dänemarks. Er drang verfolgend auf die Ehescheidung, und der König fand sich genötiget, wenn er mit England in Friede leben und von den Seinen nicht verfolgt seyn wolte, die Ehescheidung einzugehen.

Daß man dem dänischen Hofe, von Seiten Englands, wichtige Punkte zu erfüllen, aufgelegt haben muß, und daß man sich alle Genugthuung, wegen des der regirenden Königin zugefügten Streichs, bedungen hat, erhellet daher: weil sich die Königin noch immer Königin von Dänemark nent und auch so selbst vom dänischen Hofe benent wirb; daß man ihre mit dem Könige gezeigten Kinder königlich aufzieht nnd solche den Kronprinzen des dänischen Reichs vnd die Tochter des Königs nent; und daß man Ihr, als Sie von Cronenburg nach Hannöve-

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risch-Zelle abreiste, alle königliche Ehre

anthat (welches, wenn jenes rabulistischersonnene Verständnis wahr gewesen, nicht geschehen, noch zugestanden worden wäre,) und Ihr noch jährlich eine Pension von 30,000 Talern auszahlt.

Was aber das Eingebrachte der Königin belangt, die gar schwer nach Kiobmandshavn kam; Solten solche wieder herausgegeben werden: oder ist es schon geschehen, so wird es dem Beutel wehe genug gethan haben und wehe thun. Es war etliche mal mehr, als der Wagen des Grafen von Struensee, der 6000 Taler gekostet haben soll; et- liche mal mehr, als dessen Vermögen von 400,000 Talern; etliche mal mehr, als das Vermögen des Grafen von Brandt; es betrug viel.

Dem sei aber, wie ihm wolle, man hat es herausgegeben oder nicht, man wird es herausgeben, oder nicht; So kan es mir gleich viel gelten: Ich bekomme doch nichts davon. Und gewiß, 6000 Taler hätte ich mit diesem Buche verdient.

Nun lebt der König ganz betrübt. Ganz tief- sinnig verlängern sich seine Tage. Noch immer ruft

er aus: Meine Gemalin, meine Gema- lin! man hat sie mir entrissen. Ich verlange sie wieder----. Meine Mini-

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76 ster, mein Struensee und Brandt, wo sind sie? Man hat sie zum Tode verdamt. Sie sind hinüber in die Ewigkeit. Man hat mich verwaist.

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Urtheil einiger Exulanten.

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Hierher, hierher, ihr Verbrecher! höret

euer Urteil! Ihr seid mit jenen unglüklichen Grafen in gleicher Verdamnis. Ihr waret auch mit ihnen. Ihr habt sie in ihrem Unterfangen stützen wollen. Sterbet! nein, lebet zu eurer Schmach! Verschwöret aber alles das, was in diesen Tagen in Dänemark vorgegangen ist; und so euch Jemand darum fragen wird, so saget: Wir wissen es nicht. Schwöret; nehmet Pensions an und verlasset das dänische Ufer! Einer lebe da; der andere dort! Dieser in dieser Stadt; jener unter jenem Volke! Du Bruder aber Struensees, du hier gewesener Justizrath, sei unglüklich; verlasse unsre Ufer und Lande; eile und fliehe zu deinem Bruder, dem Lieutenant, der auch nicht wieder kommen darf. Gehet; ziehet! Und so wurde es auf einmal ganz leer; Und ich verliere mich a-u-ch auch-',;:!? Anhang

Der vom Obersten zum Generallieutenant erho-

bene Herr Köller-Banner, der in der bekan- ten Revolution vom 17ten Jenner Morgens frühe dem Grafen Struensee den Arrest verkündigte, ist nach Rendsburg, um vom Superintendent

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Struensee die Moral gelesen zu bekom-

men, entfernet worden. So schreibet die freitä- gige Frankfurther kaiserliche Reichs Ober-Post-Amts-Zeitung vom 27sten November, Nummer 189. 1772.

Da steht ja, was wir haben wolten. Hat also der Anfänger der Revolution falsch gespielt;

So ist es gewiß, daß die ganze Revolution falsch unternommen, die Inquisition falsch verfahren, die Beschuldigungen falsch angegeben und das Urteil falsch gefället worden.

Gehabt euch wohl!

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Entdecktes Geheimnis

der fürgegangenen

Staatsveränderung

Dännemarks.

De Struensee, comes, manibus tu hostiliter pravis Mortuus, ast celsis vivis qui in ætheris arvis:

Discite justitiam, clamas, non temnite divos.

VIRGIL.

1772.

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Die Dänische grosse Staatsveränderung gibt uns das richtigste Beyspiel, daß Ministers bald steigen, aber auch eiligst gestürzet werden können. Wem ist es nicht bekannt, was der Graf von Struensee vor ein Minister am Dänischen Hofe war, wie er vom Bürgerlichen, bis zum Grafenstande, aber so erhaben war, er auch so bedaurend wieder erniedriget und auf eine verabscheuende Art hingerichtet wurde? — Den Geburtsstand, die Erziehung und Studien des Johann Friedrich Struense'es betreffend, so finden wir zwar dabey die größten Veränderungen, doch auch die schönste Ordnung. Vom Blute eines braven rechtschaffenen Mannes und Geistlichen und einer belobten Kindermutter, entsprossen, zeigte er bey der ersten Entwickelung, daß er grosse Talente besaß, die ihn geschickt machten, zum Studiren angehalten zu werden. Dazu half Mutter, Vater und der besondere Lehrer, den beyde Aeltern ihren Kindern hielten. Johann Friedrich und seine Brüder lernten, und setzten die Aeltern in Freude, daß sie einstmals geschickte Männer werden würden. Sie lernten und wurden so ausgefeinert, daß sie höhere Wissenschaften treiben durften. Unserer von dem wir besonders handeln, also bezog nachdem er die Anfangswissenschaften begriffen

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die hohe Schule und widmete sich der Heilungskunst, die er auch so erlernte, daß er mit Ehren den Doctorhut, nach Vorherprüfung feiner Verftandskräfte und Einsichten, erhielt. Worauf er dann wieder zu den Seinen kehrte, und die Erlaubnis, das Heilungsgcschäfte zu treiben, in dem Platze seines Aufenthalts erlangte. Seine glückliche Heilungsarten, der Ruf davon erscholl gar bald bis an dem Dänischen Hof. Man untersuchte ihn von neuen und fand bey ihm, was von ihm gerühmet worden war. Doctor Struensee erhielt die Gnade des vorigen Königs und erwarb sich auch durch einen rechtmäßigen Zugang die Liebe dss Thronfolgers; denn als dieser König geworden war, so fiel es ihm ein, Länder zu besehen, und der Doctor Struensee wurde Reiseleibmedicus.

Der neue König also der Dänischen Staaten verließ die Gränzen seines Vaterlandes und lernte nun auch Nationen persönlich kennen, die er nur aus Erzehlung und durch den Untericht kannte. Er durchreiste die Nord- Abend- und Mittägigen Königreiche, und der Doctor Struensee konnte alle Hofgebräuche beobachten und sich zu einem geschickten Reichsgehülfen bilden, Christian der siebende dieses Namens, König in Dänemark eilte hernach wieder zu seinen Staaten, und gelangte gesund in seiner neuen Residenz an, da er so- gleich den Struensee erhob.

Dieser neue König ist ein Herr von sehr biegsamen Naturel, und folgt leicht seinen Eindrücken. Auf den Thron also gestiegen, sobald er das Ruder ergriff, machte er viele Veränderungen bey Hofe, und unter den Ministern, die unter der vorigen Regierung gegolten hatten. Die erste Veränderung im Reiche ver- anlaßte die Vermählung des Königs mit einer Eng-

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ländischen Prinzeßin. Diese neue Königin, eine Dame voll Geist, glaubte, da sie das Genie ihres Gemals erprüfet hatte, Antheil an der Verwaltung des Staats nehmen zu müssen. Sie sahe es ein, daß das Land in vielem, wenn es blühender werden sollte, verbessert werden müsse, und wurde eine gute Rathgeberin. Durch ihre Anempfehlung auch geschahe es, daß sich der König hauptsächlich des Doctor Struensee’s bediente, der von einer Ehrenstuffe zur andern und endlich, ein fast seltenes Wunder, vom Bürgerlichen zum Grafenstande erhoben wurde, der uneigennützig, bedacht für das Wol des Reichs und unermüdet im Dienste seines Herrn war.

Struensee, Graf von Struensee also, und Graf von Brandt waren die neuen Rathgeber des Königs, die übrigen aber wurden ihres Rathgeberamts entlassen, durch deren Entlassung dem Staate jährlich eine beträchtliche Geldsumme, die sie zum Gehalt bekommen hatten, zuwuchs. Das wollte nun freylich vielen nicht gefallen. Selbst der verwittweten Königin, Juliana Maria, war es empfindlich, daß sie nun nicht mehr wie vorher bey Lebzeiten ihres Gemals, im geheimen Rathe sitzen durfte, sondern der nun neuen Königin diese Stelle überlassen mußte, so wie sich auch ihr Prinz Friedrich ungern von aller Theilnehmung des Ruders entfernet sahe. Sie machte sich daher aus den alten vom Hofe entfernten Ministern und aus allen Unzufriedenen ihren Anhang. Die neue Regierung fande es für gut einige Garderegimenter ihres Dienstes zu entlassen; sie schafte die Kirchenbusse des ledigen Frauenzimmers ab, um dem überhäuften Kindermorde zu steuren; sie erlaubte Bücher ohne vorhergegangene Durchsicht und dazu erbetene

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Erlaubniß zu drucken, da sie einsahe, daß Warheit Warheit bleibt, daß Warheit nicht unterdrückt wer- den kann, und daß eine hinkende Schrift sich selbst tadelt; — überall gab es die schönste Veränderung, die nach allen Umständen gut war, wodurch Struensee groß, aber auch sehr gefeindet wurde.

Diese Spaltung aber des neuen und alten Hofes erweckte bey dem letztern gar bald eine Zusammenverbindung wieder diejenigen, die ihm im Wege standen, und die neue Königin zerfiel mit der Wittwe. Der Anhang vermehrte sich und mit der Vermehrung des- selben, wuchs auch der Haß gegen das neue Ruder. Matrosen und der geringe Pöbel mußten sich, mit List auf die Seite gelockt, indem man ihnen Unwarheiten einflößte, überreden lassen, als wenn der König und dessen gänzliche Familie zernichtet werden solte, und Struensee sich des Reichs bemächtigen wolle: sie mußten einen Aufstand, eine unvermuhtete Bewegung erregen. Man ließ in die Hände des Pöbels unsittliche Pasquille wieder die am Ruder sitzende Herrschaft und deren Ministers aus, wodurch der Gegentheil gar bald verachtet werden mußte.

Da die herrschende Familie nun verdächtig gemacht, trachtete man hierauf, den Erbprinz Friedrich von Norwegen als König einzusetzen und den rechten Regenten vom Throne zu stossen. Diesen schändlichen als bösen Anschlag erfuhr der Graf von Struensee, der sich sogleich bey der regierenden Königin melden ließ, selbiger das bevorstehende Unglück zu eröfnen. Voll Muth verbot es diese Dame, ja nichts davon dem Könige zu berichten, sondern solche Obsicht zu halten, wodurch die Gegenpartei beschämet und zu- rückgehalten werden könnte. Man regierte das Land

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mit Ordnung. Nur Misvergnügte nennten es Unordnung. Man verwaltete das Recht, und die Gerechtigkeit regirte mit offenen Augen. —

Um aber doch den König zu sichern, so rüstete man sich mit Canonen. Man verdoppelte die Wachten, und ließ die dem etwa ankommenden Feinde, geladen, entgegen stellen. Es wurden die Leute, wenn

ihrer etliche zusammen giengen, zertheilet, um den

Aufstand zu hindern. Niemand, ohne Ansehen der Person, durfte das Schloß betreten, wenn er nicht von zween Soldaten begleitet wurde. Alles Anbringen mußte man schriftlich eingeben, und erhielt auch darauf eine schriftliche Anwort. Dadurch suchte man allen Gistverderbungen zuvor zukommen, wollte der König ausreiten oder fahren, so bekam derselbe eine verstärkte Begleitung. —

Diese Obacht machte die apanagirte Familie, und

die ihres Amts entlassene aufmerksam, und trachteten darnach, das Ziel ihres Unterfangens zu erreichen.

Struensee, als die Sache gar zu übel wurde, redete mit dem Generalmajor von Eichstedt,

nach aufgehobener Tafel ganz fein von diesem vorstehenden Uebel; er redete ihn in Gegenwart der regierenden Königin also an:

“Mein lieber Herr Generalmajor! Die Sache des Staats, des Königs, der Königin und meiner soll, (ich weiß es gewiß,) mir einem Unglücke, mit dem Sturze vom Throne und meiner Absetzung verbunden werden. Ich erfahre es, die verwittwete, Königin (die Stiefmutter unsers Monarchen,) will ihren gebohrnen Prinzen als König ausgerufen und unsern König dethronisirt wissen. Mein

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Leben, der Königin Wolfart und des Kö- nigs Vesthaltung sind in Gefahr. Seyen Sie also auf der Huth; und wenn es zum Aufstand kommt, so stehen sie unserm Regenten bey und helfen mit ihren Völkern, die Rotte der Verschworenen dämpfen.,, — Das war aber einer von denen, die zum Aufstand erhandelt worden waren. Was konnte dies also anders, als eine heftige Verbitterung wieder die neuen Ministers und wieder den Hof erwecken? — Die Politik, im üblen Sinne genommen, verarbeitete, nachdem der Graf von Struensee das Geheimniß erfahren und so zum Generalmajor geredet hatte, einen neuen Plan, wornach man, um nicht selbst verrathen zu werden, dem Struensee zuvor kam. Der Graf von Ranzau, der alte Greis, konnte hierbey das Beste ausrichten. Seine Hülfsversicherungen wurden das Lösegeld seiner Schulden. Der Oberste von Köller wurde zwar auch gebeten, den Verschwörungen entgegen zu treten. Aber auch dieser gehörte zum Misvergnügten. Die Köller, Grafen von Ranzau, und Osten hielten es mit dem Erbprinz und der Ju- liana Maria Rath, und beschlossen, o eine schändliche That! den Arrest einer Königin, die ihren Gemahl liebte, eines Grafen von Struensee's, Brandt, eines Justitzraths Struensee's, der Generale, eines Gähler und Gude und eines Professor Bergers, u. s. w. Sie theilten dazu die Befehle aus, und schrieben die Ordres auf, die der König, im Schlafe gestöret, vom Balle und Weine ermüdet, in der Mitternacht, ohne daß er solche vorher lesen konte, unterschreiben mußte, wobey

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man ihm alle süsse Vorspiele einflößte. Und siehe, er unterschrieb, was er nicht hätte unterschreiben sollen. Aber auch der Erbprinz von Norwegen unterschrieb seinen Namen zugleich mit. — Ist es möglich? Ja, ja, so war es. Leuchtet hier nicht schon, ich frage, die Theiluehmung am Staatsruder herfür? das war also der erste Eingriff in die Rechte der Majestät. —

Die Königin wurde mit unzuvergebender Un- verschämtheit aus dem Bette genöthiget; man legte ihr geringe Kleider an, der Graf von Ranzau, mit blossem Degen, kündigte ihr den Arrest an, den er vom König unterschrieben, vorzeigte, den sich diese großmüthige Dame zwar gefallen ließ, ihm aber auch, das wird dir deinen Kopf kosten, zur Antwort gab. Er begleitete sie bis an einen vor sie bestimmten Wagen, worein sie sich setzen mußte, und worin schon der Major Carstenschiold, gleichfals mit gezuktem Degen saß, der sie, mit 30. Reutern begleitet, nach Cronenburg in ein Zimmer, dessen Fenster mit Eisen verwahret waren, brachte.

Majestatbeleidigendes Verfahren! Schon der Arrest im Zimmer, im Schlosse, wäre, wenn sich die Königin vergangen gehabt, hart gewesen. Eisenbegitterte Kerker aber gehören vor Leute, die das Leben verwirkt, die eine schwere Leibesstrafe auf sich gezogen, haben. Gehet man so mit den Regenten, mit Thron besitzendem Frauenzimmer um? —

Ein Gefängniß, ein Klotz mit Ketten, wurde vor die beyden Grafen, die man dem Könige mit Gewalt von der Seite riß, bestimmt; und sie

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10 trugen auch wirklich das Zeichen der Missethäter an ihren Händen und Füssen; worüber sich der von Struensee mit einem: Man tractirt mich als eine Canaille, beklagte; der andere hingegen nicht aufgebracht bewieß, sondern ausrufte: Einem klei- nen Geiste kommt es zu, sich durch Kleinigkeiten demütigen zu lassen; aber ein Grosser hebt sein Haupt weit über seine Schicksals empor.

An der That auch hatten die Königin, Srruensee und Brand sich über diesen Vorfall empfindlich zu beklagen, da derselbe ganz ihren Stand entehrte. Solche Personen bleiben sonst immer Staats- gefangene, ihr Verbrechen sey auch der größten Moralität ausgesetzt, ohne sie so zu mißhandeln. Man beobachtet sie als Standespersonen. Wer will aber eine Königin einkerkern? wer einen Grafen binden? wer ihm Ketten anschmieden und den Anzug der Bösewichter anlegen. Ketten anlegen ist blos die Sache der Barbaren, nicht aber der Christen. Was spricht wol hievon die peinliche Halsgerichtsordnung Kayser Carl des fünften: Wird nicht das in Ketten legen verboten? werden nicht die Gefängnisse, die oft eher Rattenlöcher, als Behälter vor Menschen abgeben, gänzlich untersagt? —

Nun wird von der feindlichen Seite Gericht gehalten. Ist das wol recht? sonsten ist ein Richter, der den kleinsten Verdacht wieder sich hat, verwerflich: in Dännemark aber, wie es scheint, nicht. Die Inquisition hätte von Unparteyischen vorge- nommen werden sollen. Was beschuldigte man aber den von Struensee: er hätte die Landes-

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einkünft an sich gezogen und das Reich in Schulden gesetzt. Nicht also meine Herren Richter, er war erster Staatsminister und hinterließ nur 400000 Thaler. War das auch wol ein Vermögen vor einen solchen Herrn? er har ja aber vorher nichts gehabt. Gut. Hat ihn aber nicht der König damit beschenket? das muste ja geschehen, nur sich als Graf aufführen zu können. Was mir aber einer schenkt, das ziehe ich nicht an mich, dabey betrüge ich niemanden und habe es mit Recht. Der Graf von Struensee also war disfals unverdammlich.

2) Er hätte es dahin gebracht, daß die besten Ministers ihrer Aemter entlassen wurden, um keine Beobachter seiner Griffe neben sich zu dulden. Das geschahe, um die Einkünfte durch dergleichen viele Besoldungen nicht zu verringern, sondern zu vermehren. Sind wenige, eine Absicht zu erreichen hinlänglich, was braucht man viele? —

3) Er hätte sich in den Grafenstand erheben lassen und gar Herzog von Holstein Plön werden wollen. Das erste ist unverwerflich. Ich kann mich ja, ohne den Schaden eines andern, so, wie es nur möglich ist, verbessern; ja, ich bin verbunden dazu. Das letzte aber wäre unvernünftig gehandelt gewesen, da er nach einer Sache getrachtet und solche vom Könige gebeten, die nicht in dessen Gewalt stand.

4) Er hätte den bösen Vorsatz gehabt, den König vom Throne zu stossen, die Königliche Familie zu vergeben, die Königin allein zu erheben und sich als Mitregent nennen zu lassen. Deswegen hätte er die Waffen wie-

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der den Monarchen ergreifen wollen, und würde auch alles, wenn man ihm nicht Ein- halt gethan hätte, zu Stande gebracht haben. Falsch. War wol der Graf von Struensee ein Cronwel, der die ganze Nation auf seiner Seite hatte? — Jener konnte bald König werden, da ihm sogleich alles Volk zutrat. Dieser aber nicht. Waren nicht schon zwo Partheien unter der königlichen Familie? was für Nebenverschwörungen muß es nicht noch über dies gegeben haben? verge- ben? das hätte er als Leibarzt, ohne dieses Verbrechens überwiesen zu werden, längstens vollführen können, da man Arzneyen antrift, die einen lang- samen Tod verursachen, wenn er nicht mehrere Ehrfurcht gegen den König und dessen Stamm besessen hätte. Die Königin erheben? noch niemals hat Dännemark sich von einer Dame regieren gesehen. Mitregent zu werden? das fey! wäre er aber wol versichert gewesen, daß das dann erfolgte neue Ruder gegründet geblieben wäre? wäre er bey sei- ner Selbsterhebung nicht der grösten Gefahr ausgefetzt gewesen? — das mochte also wol wieder ein falsches, Zeugniß seyn. Die Waffen wieder den Monarchen ergreiffen? Just umgekehrt. Er ergriff die Waffen, um dadurch den König wieder die drohenden Anfälle der feindlichen Seite vertheidigen zu können. Und das war seine Pflicht.

5) Er wäre kein rechtschaffener Minister gewesen, da er die Kirchenbuse abgeschaft, wodurch man der Bosheit allen Vorschub gethan? wie? wenn er dabey die besten Absichten geheget, die auch schon mit gutem Erfolge erschienen? — Copenhagen ist eine Seestadt, die we

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gen der ankommenden Seessoldaten eine Geisel vor das

Frauenzimmer ist, welches also daselbst gar oft zu etwas genöthiget wird, woran der Wolstand, ob es gleich die Natur erlaubt, ein Mißfallen hat. Wider den Wolstand gelebt, soll es ein Kind ge- bähren, das es schändet, und es will doch gerne fort und fort Jungfer heissen. Und noch über dies vor der christlichen Gemeine einer heimlich begangenen Lust halber, getadelt und dabey ausgelacht werden. Dis kränket. Und wer weiß es nicht, daß dis ein Hauptgrund eines Kindermords ist? es zeu- ge eine ledige Person, ein Kind, sie bleibe aber so geehrer, als eine Verbundene. Das erlaubte die Natur und soll auch nun im Dänischen erlaubt seyn. Das eröfnete der von Struensee; und hatte er wol Unrecht? —

6) Er hätte ein geheimes Verständnis mir - - gehabt. Man erlaube: soll ich nicht das, was mir jemand anbietet, annehmen, besonders wenn dieses Angebotene eine Art einer Gunst, eines Geschenks ist? Ich selbst schlage dergleichen nicht aus. Und glaube, es werden sich noch mehrere einfinden, die mir beypflichten. Ja, wird man sagen, man lasse einem jeden das Seine. Wie aber, wenn ich etwa dazu genöthiget werden sollte? — denn das kann man von den Fingern abzählen, daß, wenn etwas vorgegangen ist, sich Struensee gewiß nicht angeboten hat. Er hätte ja besorgen müssen, daß dieser Antrag auf eine Ungnade hinauslaufen würde. Gesetzt auch, es wäre ein geheimer Vertrag vorgegangen, so war es kein Wunder. Es konnte ja derjenige, eines Umstandes halber, seinen Pflichten nicht gemäß leben. Dadurch aber be-

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kam der Gedult haben fallende Theil, der etwa nicht die Gabe der Enthaltsamkeit besaß, Gelegenheit, auszuschweifen. Aerzte gehören vor Kranke, und ein Kranker will gesund werden. — Doch, was halten wir uns bey einer Materie auf, die zu beleidigend ist. Tugend auf der einen Seite und Ehrfurcht auf der andern versichern das Gegentheil. Indessen mußte es so heissen, um die Strafe mit Nachdruck Volziehen zu können und allen Verdacht wegen der Krone von sich abzulehnen. Die Königin mußte nach dem einmal in Collision angenommenen Plane auch verdächtig gemacht werden, um dem Hochverrathe zu wiederstehen und sich davon los zu wickeln. Und aus diesem Grunde zwangen die Ju- liana Maria und deren Räthe den König zween Befehle zu unterschreiben, einen für die öffentliche Ehescheidung, und den andern, daß die Königin eine ewige Staatsgefangene bleiben solte. Ja, wäre es nicht vom Minister Keith vermittelt worden, man hätte diese beste Gemalin gar zum schleunigen Tode verdamt.

Auch dieser fälschlich angegebene heimliche Umgang war keines Todes werth, welches eine andre Nordische Geschichte gleichen Inhalts beweisen könn- te. Demohngeachtet aber sprach man dem Struensee, Ehre, Leben und Gut ab, zerbrach sein Wappen, hieb ihm die rechte Hand, dann den Kopf mit dem Beil ab, stekte beyde Theile auf Pfäle, viertheilte den Körper und legte ihn aufs Rad.

Und das nemliche Todesschicksal wiederfuhr dem Graf von Brandt, den man weiter nichts beschuldigen konnte, als daß er von allem, was den

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Graf von Struensee itzt verdammen mußte, Wissenschaft gehabt hätte.

Beyde Herren hatten zwar ihre Advocaten; sie setzten auch ihre Vertheidigung selbst auf; man sahe aber nicht aufs Recht, und verdammte sie zum Tode, der ihnen nun einmal bestimmt war.

Was können daher nicht Bosheit und Arglist unsrer Feinde ausrichten! Sie die beste Königin wird von der Seite ihres Gemals gerissen; sie, die besten Ministers, Struensee, ein gelehrter, ein einsichtsvoller Mann, und, wie itzt viele seiner Feinde gestehen, ein grosses für Affären geschaffenes Genie und andre riß man dahin, um nicht mehr die Rathgeber des Königs zu seyn; um das Regierungsgeschäfte von neuen an sich zu bringen. Besonders wird es dem siebenzigjährigen Greis, dem Grafen von Ranzau, lieb seyn, daß er sich hierbey Geld machen und sein Schuldwesen berichtigen kann. Wie werden sich die Schmeichler bücken, blos, um den Staat von Einkünften zu erschöpfen und doch, noch den König in Untergang zu bringen! denn das lehret der Zusammenhang, daß, so lange der Erbprinz Friedrich von Norwegen seyn wird, es immer Spaltungen im Reiche giebt. Er macht nun bey allen Gelegenheiten Mine, König zu werden.

Der Hof zu England nahm sich, bey so gestallten Sachen, der Königin an und ließ dem Minister Keith eine Schrift zusenden, worin man um die Ehescheidung anhielt. Dieser bat sich daher Audienz beym Könige aus; statt dessen aber fand er die Räthe und dessen Frau Stiefmutter, die von ihm verlangten; er sollte seinen Vortrag thun. Keith aber sprach: ich habe mit dem Könige sprechen

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wollen. Und mit dieser Versamlung habe ich nichts zu thun; und gieng aus dem Zimmer. -- Dann ließ er sich nochmals beym Könige melden, und kam vor denselben. Er legte ihm den Ehescheidungsbrief zur Unterschrift vor, den er auch uneingesehen unterschreiben wollte. Nein, Ihro Majestät, sprach der Gesandte, lesen sie doch erst. Ach da rufte der König aus: das geht nicht an. wo ist Struensee? wo ist Brandt?

Da kann man sehen, daß der König zwar beyder Todesurtheil unterschrieben, aber nicht einmal gelesen, noch davon Kundschaft eingezogen hatte, was er unterschreiben solte. In die Ewigkeit waren sie.

Die Beleidigung auf der Seite der Königin, die man ihr anthat, war zu groß, daß sie hätte Gemah- lin bleiben sollen. Die Scheidung gieng vor sich. Sie verließ Dänemark, und bezog die Hannövrischen Staaten.

Wer siehet also hieraus nicht, daß der Graf von Struensee und Brandt Opfer fürs Vaterland werden mußten? -- --

Merkwürdig ist es, daß der Justitzrath und Lieutenant Struensee, vor ihrer Dienstsentlassung, schwören mußten, um nichts von diesem Zufalle der Welt zu melden. Da kan man sehen, wie man verfahren hatte. Bisher zwar haben sie den Schwur gehalten, wie es aber noch in Zukunft gehen wird, das wird die Erfahrung zeigen. Da müßten rechte Griffe an den Tag kommen. Und das solten sie

melden, um die Königin frey zu schreiben und ihren Bruder zu retten.

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Entwurf zu einer Vertheidigung für die regierende Königinn

von Dänemark

Carolina Mathilda.

Homines enim intelligimus ad justitiam natos esse, neque opinione, sed natura, jus esse constitutum.

Cicero de Legibus, L. I. C. 10.

1 7 7 3.

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Vorbericht. Quis talia fundo,

Temperet a Lacrymis? VIRGILIVS.

In meiner Einsamkeit habe ich die trau- rige Geschichte der Königinn von Dänemark, Carolina Mathilda, durchgedacht, und gegenwärtigen Entwurf zu einer Vertheidigung aufgesetzet. Es scheint mir dem endlichen Wesen des Menschen nichts an- gemessener zu seyn, als, daß er durch den Un-

fall eines andern empfindlich gerühret und zum

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Vorbericht.

Mitleiden bewogen wird. Die gemeinschaftliche Masse, woraus die Menschen gemacht worden, und die Einförmigkeit, welche die Natur dabey beobachtet hat, hat unter sie eine Sympathie gestiftet, welche die beste Verbindung zur Vollkommenheit des ganzen Geschlechtes ausmacht. Eine jede Unempfindlichkeit, bey dem Unglücke unsers Nächsten, ist eine Abweichung von der ersten Einrichtung unserer Seele. So lange sie sich ihren wesentlichen Eigenschaften überläßt und keinem Einreden der falschen Weisheit Gehör giebt, ist sie nicht allein empfindsam, sondern auch begierig den Nothleidenden zu unterstüßen, und selten ist jemand so unfähig, daß er solches auf keinerley Weise thun könnte. Kann der Mitleidige den Gedruckten nicht auf

eine reelle Art aufrichten, so wird er ihm doch auf

5

Vorbericht.

eine intellectuelle Weise helfen können, und diese Beyhülfe ist ihm zuweilen nothwendiger, als jene. Mein Gewissen giebt mir das Zeugniß, daß mein Herz Mitleidens voll gewesen ist, wie ich die traurige Geschichte der unglücklichen Königinn gelesen, und, daß es mir in die Feder dictiret hat, was auf diesen Blättern steht. Ich habe keine Belohnung, keinen Vortheil von der einen Partey zu hoffen, aber ich fürchte auch nicht den Zorn der andern, denn ich habe einen mächtigen Beystand an der Wahrheit, die uns nimmer im Stich läßt. Dieser Aufsatz wird der Königinn, deren Schicksal mein Herz beweinet, vieleicht nimmer zu Gesichte kommen, und, wenn es geschieht, so wird Sie doch nicht erfahren, daß ich der Verfasser sey. Das erste würde mir leid seyn, weil

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Vorbericht.

er vieleicht einen Trostgrund enthält, den ihr eigenes beklemmtes Herz nicht hat zeugen können, aber das andere soll mich nicht bekümmern. Die Zufriedenheit mit sich selbst, welche mit dem Bewußtseyn einer erfüllten Pflicht unauflöslich verknüpft ist, nimmt unsere ganze Seele ein, daher ein Verlangen nach einer andern Belohnung in ihr nicht Plaß ergreifen kann.

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Entwurf

zu einer Vertheidigung

für

die regierende Königinn

von Dänemark

Carolina Mathilda.

§. 1.

Die regierende Königinn von Dänemark, Ca- rolina Mathilda, ist eine geborne Prin- zessinn von England.

Ehe sie Königinn ward, war Sie eine Fürstinn, welche von Dänemark auf keinerley Weise abhieng.

Durch die Vermählung mit dem Könige von Dänemark ist Sie keine Unterthaninn von demselben geworden, weil durch eine jede Verehelichung die Ehe- frau dem Ehemanne nur in so weit subordinirt wird, als der Endzweck der Ehe, die Vermehrung des Ge-

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8 Entwurf zu einer Vertheidigung schlechtes und die Erziehung der Kinder *), solches erfordert.

Es gilt auch hier, was die Philosophen sagen: „Keine Ordnung laßt sich ohne einer Beziehung auf ein erstes Eins gedenken.,, Aber es ist ein großer Unterscheid zwischen der Subjection und Subordination **).

Die Königinn hat die Würde ihres hohen Hauses nicht abgeleget, wie sie die dänische Krone aufgesetzet, es würde sonst ein schlechter Tausch für eine freygeborne Prinzessinn aus einem königlichen Hause in Ansehung der drückenden Folgen gewesen seyn, welche aus dem Rechte der Souverainetät entstehen sollen.

Wenn eine Prinzessinn aus einem königlichen Hause an einen Fürsten vermählet wird, der nicht honores regios genießet, so behält Sie den Titel Königliche Hoheiten und die damit verknüpfte Immunität. Diese Erfahrung ist ein einleuchtendes Beyspiel für meinen Lehrsatz.

Die Ehe weiß von keinem Herrn und Diener.

Die Königinn blieb, ihrer hohen Geburt wegen, als Königinn eine Prinzessinn, die in der Welt Nie-

*) Finis secundarius, sive mutuum adjutorium, ist

eine Erfindung der römischen Kirche.

**) Hugo Grotius de Jure Belli & Pacis, Lib. II.

C. V. §. 26. L. I. C. IV. §. 6.

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für die Königinn von Dänemark. 9

manden anders unterworfen war, als den Grundgesehen Ihres Vaterlandes, und der König von Dänemark hatte über Sie keine andere Macht, als ein jeder Ehemann über seine Ehefrau hat. Als Ehefrau würde Sie dem Foro Ihres Ehemannes unterworfen gewesen seyn, wenn Er selbst unter einer weltlichen Obrigkeit gestanden hätte.

Aber die königlichen Kinder, wird man vieleicht sagen, gehören dem Staate, und als Mutter müßte die Königinn demselben doch wegen der Erziehung verantwortlich seyn, mithin steht Sie unter den positiven Gesetzen desselben. Das erste ist wahr, das andere ist falsch, und die Folge ist unrichtig. Als Mutter ist Sie dem Vater subordinirt, dieser ist Niemanden in der Welt Rechenschaft zu geben schuldig, und Sie erkennet Ihn nur als Ihren Ehemann für den Ersten in der Ordnung, folglich ist Sie auch nicht einmal in diesem Falle als eine Unterthaninn anzusehen.

Hugo von Grote schreibt: Egimus de his,

qui sunt sui juris: sunt alii in conditione parendi positi, aut filii familiarum, servi, subditi & etiam cives, si cum civitatis suæ corpore comparentur *).

Kein einziger von den Begriffen, zu welchen jene Na-

*) Hugo Grotius de Jure Belli & Pacis, L. II. C. XXVI. §. l.

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10 Entwurf zu einer Vertheidigung

men die Vehicula sind, passet sich auf die Königinn, von welcher die Rede ist.

Es mag hingegen nicht eingewendet werden, daß in einem souverainen Staate auch die königliche Familie dem regierenden Herrn unterworfen ist, denn Sie ist demselben durch die Souverainetätsrechte, unter welchen Sie gezeuget ist, unterthänig geworden.

Eben so wenig kann man behaupten, daß die Königinn von Dänemark durch ein Pactum ante nuptiale Ihrer persönlichen Exemtion entsaget habe.

Ein Vertrag von dieser Art geht nur auf die Aussteuer, den Witwengehalt, die Ansprüche, welche die Braut dermaleins auf die Verlassenschaft des Bräutigams machen könnte, und kurz: auf Dinge, welche außer Ihrer Person sind, ja er enthält wohl gar noch gewisse persönliche Immunitäten.

Und, daferne eine Prinzessinn aus einem ganz unabhängigen königlichen Hause auch bey Ihrer Vermählung an einem Souverainen auf Ihre Indepen- denz Verzicht thun, und sich den willkührlichen Gesehen Ihres künstigen Gemahles unterwerfen wollte, so würde diese Acte doch ungültig seyn, weil die Jurisdiction nicht die Sache eines Unterthanen, sondern des Landesherrn ist.

Allein, dürfte man einwenden, da die Königinn keine Unterthaninn vom Könige von Dänemark seyn

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kann, und der Staat aus dem Herrn und seinen Die- nern doch nur besteht, so müßte die Königinn einen Theil an der Regierung haben, welches aber mit der Natur der Souverainetät streitet.

Der Schluß ist unrichtig. Die Königinn hat@keinen Theil an der Regierung, vielmehr ist Sie verbunden, die Civilcontracte, welche Sie landüblich schließen möchte, gleich den Bürgern zu erfüllen, und, im Verweigerungsfalle könnten Ihre Effecten, welche der local Autorität unterworfen sind, in Beschlag ge- nommen werden, aber für Ihre höchste Person bleibt Sie gleichwohl exemt.

Ist dieses doch auch schon Rechtens in Ansehung der Gesandten, ohne Unterscheid der Regierungsformen dieses und jenen Hofes, an welchem Sie sich be- finden. Man kann hierüber Wikefort, Barbeyrac und Binkershoek nachlesen.

Nach diesen unstreitigen Grundsätzen des Völkerrechts ist das Verfahren gegen die Königinn nicht allein gewaltsam, sondern es beleidiget auch den König von England.

Und, wenn man es mit den bürgerlichen Gesetzen vergleicht, so ist es verkehrt und übertrieben. Die Königinn ist arretiret worden, ohne, daß man Sie flagrante delicto angetroffen, und, ohne daß man Sie gehöret hat, da der Arrest doch species pœnæ,

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zumal in Ansehung einer Person, die summæ dignitatis ist, und da die bürgerlichen Gesetze, welche mit entschuldbaren Vergehungen viel Nachsicht haben, diejenigen doch besonders schonen, welche wohl gehorchen müssen, aber nicht in allen Stücken *).

Man hat eine specielle Inquisition gegen die Königinn angestellet, da doch einer Privatperson bey dieser Lage der Sachen schon eine Defensio pro avertenda Inquisitione hätte nachgegeben werden müssen.

Noch nicht genug. Das Kirchengebeth hat Sie vom Könige gleich anfänglich implicite geschieden, indem es Dieselbe von der Vorbitte zu Gott ausgeschlossen hat. Mithin hat die Kanzel ein Urtheil, oder doch einen Theil derselben ausgesprochen, ehe der Richterstuhl einmal die Untersuchung angefangen hatte.

Man hat die Königinn gezwungen (man betrachte nur recht eine arretirte Königinn) sich über Aussagen des Inquisiten zu erklären, so den Inqui- siten selbst wohl graviren, aber nicht der Person zur Last kommen konnten, wider welche Sie in einem harten Arrest gemacht worden, der respectu personæ (wie weichlich ist nicht ein Sanguineus, ein Höf-

*) Hugo Grotius de J. B. & P. L. II. C. XXVI §. 3.

not. 3.

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ling?) der Tortur ähnlich war. Lauter Nullitäten. Es tritt noch ein besonderer Umstand ein, der in den ordinairen Inquisitionsprocessen verkehrt einschlägt. Ein gemeiner Missethäter schonet seinen Spiesgesellen in seinem Bekenntnisse, weil er befürchtet, derselbe möchte sonst mit zur Haft kommen, und entweder aus Rache, oder aus Mangel des Gedächtnisses, der mit dem Unglücke verbunden ist, alles entdecken. Aber ein Staatsverbrecher ist öfters so leichtsinnig, daß er hohe Personen fälschlich angiebt, welche nicht unter den bürgerlichen Gesetzen stehen, weil er sich einbildet, auf solche Weise einer genauen Untersuchung vorzubeugen und der Strenge der Gesetze zu entgehen.

§. II.

Man hat den König überredet, oder besser gesagt, man hat Ihn gezwungen, den Befehl zur Ar- retirung der Königinn zu unterschreiben, ohne Ihm Zeit zu lassen, die Beschuldigungen zu untersuchen, weil man befürchtete, Seine Majestät möchten beym Nachdenken hinter den Ungrund derselben kommen. Es läßt sich zu der gesetzwidrigen Eilfertigkeit keine andere Ursache ersinnen. Und wozu war es denn wohl anders nöthig, daß der Prinz Friedrich den Befehl mit unterschrieb, als, daß der König dadurch möchte abgehalten werden, seine Verordnung aufzuheben, und die Königinn in Freyheit zu setzen. Das An- sehen des Prinzen beym Volke und seine Partey am

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14 Entwurf zu einer Vertheidigung Hofe machten seine Unterschrift so gültig, daß der König sich nicht unterstehen durfte gegen sie zu han- deln, wie viel es seinem Herzen auch gekostet haben mag, nachdem Er den Gegenstand aus dem rechten Gesichtspunkte betrachtet und mit sich selbst zu Rathe gegangen ist. Wenn man die Königinn bloß der Untreue beschuldiget hätte, so möchte solches von Ihrem Gemahl, der in Sie noch verliebt war, nicht geglaubet worden seyn; man mußte jene Bey- messung also mit einer andern verbinden, die den König an der empfindlichsten Seite angriff, der sein Bewußtseyn nichts entgegen setzen konnte, die Ihn sogleich erhißte. Hierzu war nun keine ge- schickter, als die Beschuldigung, daß die Königinn ihren Gemahl habe dethronisiren wollen. Aber gerades Weges durfte man dieses auch nicht sagen, sondern man mußte es nur für ein Hülfsmittel angeben, weil die Königinn nicht nach solchen Grundsäßen erzogen worden, die in Ihrem Herzen hätten eine Herrschsucht erzeugen können. Eine sich selbst gelassene Vernunst sieht diese Sophiste- rey leicht ein, aber findet sich solche auch wohl bey jemand, in dessem Gemüthe Liebe und Haß, Furcht und Hoffnung mit einander streiten? Die Dethronisirung ist unstreitig die größte Beschuldigung, weil dieses Verbrechen gegen den König, als König würde begangen worden seyn. Was wäre also der Eigenschaft der Sache gleichförmiger gewesen, als, daß man beym Processe seyn Augenmerk

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vornehmlich auf die Dethronisirung gerichtet hätte? Aber man findet von Ihr in den Akten kein Wort. Was kann man hieraus nach den Regeln, die der Verstand beobachten muß, wenn er die Wahrheit finden will, anders schließen, als, daß zu der größten Beschuldigung nicht der geringste Grund vorhanden gewesen sey. In welcher Beziehung man die angebliche Dethronisirung auch betrachtet, so hat sie keinen Schatten der Wahrscheinlichkeit *). Die Königinn ist aus kei-

*) Warburton, ein berühmter, englischer Schriftsteller wünschet, daß die mathematischen Wissenschaften nicht in moralischen Dingen den Werth der Wahrscheinlichkeit verringerte, und dem Verstand der Fertigkeit beraubte dieselbe nach ihren Stufen zu schäßen.@Siehe desselben Julian, or à Discourse concerning the Earth quake and fiery Eruption, weih defeated that Emperers attempt to rebuild the temple of Jerusalem; und vergleiche damit: Pensées fur l’interpretation de la Nature par Mr. Diderot, p. 3. wie auch des Herrn von Maupertuis Avant propos de l’Essai de Cosinologie p. 12.

Dieser Wunsch ist in Ansehung dererjenigen Mathematiker gegründet, welche alles verachten, was nicht als Maaß und Zahlen aussieht, aber die mathematischen Wissenschaften an sich selbst betrachtet, bewahren uns für das Labyrinth der Unwahrscheinlichkeiten; ja ich glaube, daß ein mathematischer Kopf, der zugleich die Menschen kennet, am geschick-

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nem Hause, das unumschränkt regieret, Sie hat in demselben kein Exempel der Eigengewalt gese- hen, das Sie hätte verführen können, Sie kamen

testen sey eine Logik der Wahrscheinlichkeiten zu Stande zu bringen, die uns in der Moral und Politik große Dienste leisten würde. Der Hert von Leibnitz, dessen durchdringender Verstand die Wissenschaften nach ihrem ganzen Umfange gekannt und ihre Gränzen erweitert hat, sagte: „daß der Kunst noch der Theil fehlte, welcher das Gewicht der Wahrscheinlichkeiten reguliren und den Anschein vom Wahren und Falschen wägen lehrte.„ Bis jeßo ist man in demselben noch nicht weit gekommen, und es steht auch nicht zu hoffen, daß er in den nächsten Zeiten werde vollkommener werden, weil dieser Theil der Kunst erfordert, daß man sich erst an gewisse Grundsäße gewöhnet und dann den Menschen ausstudieret, welches beydes aber für unsere heutige Gelehrten zu mühsam ist. Es scheint ihnen der Bestimmung des Menschen angemessener zu seyn, ihre Zeit den Vergnügungen und Zärtlichkeiten zu widmen, als sich den Kopf mit mathematischen und metaphysischen Wahrheiten zu zerbrechen; sie halten dafür, daß ein Atheist durch eine malerische Beschreibung der Schönheit ihrer Phillis ehe zu bekehren sey, als durch Newtons erhabene Betrachtungen über die Gleichförmigkeit, welche man in den Bewegungen der sinnlichen Körper wahrnimmt. Siehe Newton's Optiks III. Book Query 31.

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jung nach Dänemark, hatte keine Engländer mit dahin gebracht, oder sich eine Faction bey ihren Unterthanen gemacht, wie laßt es sich denn mit einem freyen Verstande begreifen, daß die Königinn eine Revolution vorgehabt habe? Selbst Ihre Feinde haben nicht gesagt, daß Sie eine Partey unterhalten, und womit hätte Sie solches thun sollen, da Sie nach dem Geständnisse derselben kein ander Geld gehabt, als, was Sie vom Könige bekommen, das zur Anrichtung einer Revolution lange nicht hinreichend gewesen ist; zumal gegen einen König, der kein Tyrann, der von einem alten Stamme ist, und der einen Vater gehabt hat, welcher von der Nation fast angebethet worden, und dessen Asche noch von Ihr verehret wird *). Nach aller Wahrscheinlichkeit würden viele Millionen nicht zugereichet haben, die Vortheile zu überwägen, welche der König auf seiner Seite hatte.

Dieses veyläufig. Ich wende mich wieder zu dem Gegenstande des Textes, und sage noch so viel, daß diejenigen, welche gegen die Königinn ein Urtheil fällen, nicht das geringste von der Kunst, den Anschein vom Wahren und Falschen zu wägen, verstehen.

*) Wie die Königinn Christina sich in der Uhlfeldschen Sache wunderlich bezeiget hatte, und der dänische Bothschafter sich darüber bey dem Reichskanzler Oxenstiern beschwerte, so antwortete dieser weise Staatsminister: „Lassen sie uns es Ihr verzeihen,

weil Sie des großen Gustavs Tochter ist.„

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18 Entwurf zu einer Vertheidigung Es ist noch nie eine Nationalrevolution ausge- führet, oder nur versuchet worden, an welcher nicht ein ansehnlicher Theil des Heeres, oder des Volkes Theil genommen hätte. Und gleichwohl, soll die Kö- niginn eine dergleichen Revolution vorgehabt haben,

und zwar zu einer Zeit, da, wie es der Augenschein gegeben, der größte Theil des Adels, die Armee und das Volk gegen Sie in Verbindung stunden. Auf Englands Beystand durfte Sie sich in einer so ungerechten Sache nicht verlassen, dagegen hatte Sie zu befürchten, daß eine große Macht, welche vielen Einfluß am dänischen Hofe hat, die Partey des Königes genommen, und Ihr den Zepter wieder entrissen haben würde, dafern die Revolution auch glücklich für Ihr abgelaufen wäre. Und welcher Bey- stand würde dann für Ihr wider so viele mächtige Feinde übrig geblieben seyn? Sie selbst, stark genug zur Formirung des Plans, aber viel zu schwach zur Ausführung desselben; und der Graf Struensee, die verhaßteste Person im ganzen Reiche, dessen Name die gerechteste Sache verdächtig machen konnte.

Die Koniginn müßte sehr einfältig gewesen seyn, wenn Sie dieses alles nicht eingesehen hätte. Von einer Prinzessinn, die einer Verschwörung beschuldiget wird, und die unstreitig wohl erzogen worden ist, läßt sich aber eine solche Einfalt nicht gedenken.

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Es ist unleugbar, daß die Königinn eine liebreiche Mutter ist, läßt es sich denn mit dieser zärtlichen Gesinnung zusammen reimen; daß Sie Ih- ren Prinzen durch eine Revolution sollte der Gefahr bloß gestellet haben, daß Er der Thronfolge könne verloren gehen? Wir haben in der römischen Geschichte ein Exempel, daß eine Mutter ihrem Stief- sohne das Leben geraubet, damit ihr leiblicher Sohn möge zur Regierung kommen *), aber wir haben so wenig in dieser, als in der alten Historie ein Bey- spiel, daß eine Mutter die Thronfolge ihres leiblichen, viel geliebten Sohnes sollte aufs Spiel gesetzet haben, um beym glücklichen Ausgange eines sehr gefährlichen Unternehmens, allenfalls einige Jahre selbst regieren zu können. Hatte die Königinn so vielen Einfluß in die Reichsgeschäffte, als von Ih- ren Feinden vorgegeben wird, so war Sie ja wenigstens Mitregentinn, oder regierte wohl gar als eine Souveraininn, nur, daß es nicht unter Ihrem Namen geschähe. Sollte Sie aber wohl gewaget haben jenen reellen Vorzug der eitelen Einbildung des Titels aufzuopfern?

Das gesetzlose Procedere, die harte Behandlung der Königinn, die Gleichgültigkeit gegen die Ehre der Krone, die Einschränkung der absoluten Gewalt des Königes und die wenige Achtung fürs

*) Tacitus, Annal, Lib.XIII. Cap. 15.

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Publikum verrathen die Herrschsucht, von welcher die Feinde der Königinn beseelet werden. Ich würde dieses weiter ausführen, wenn ich nicht befürchtete, man möchte die Entwickelung für eine Gegenbeschuldigung ansehen, welche meine gute Sache verdächtig machen könnte. Einen Widerspruch, den die neue Administration begangen hat, kann ich aber doch nicht ungerüget lassen, weil er den Vorwand, daß es ihr um die Ausrechthaltung der Souverainetät des Königes vornehmlich zu thun sey, offenbar zur Lüge macht. Es ist eine Verordnung publiciret worden, welche alle Unterschriften des Königes, die sich nicht auf ein Bedenken des einen, oder des andern Collegiums gründen, ungültig macht. Kommt diese Verordnung vom Könige selbst her, so gilt sie nicht länger, als sie Ihm gefällt, und es wäre besser gewesen, wenn Seine Majestät Ihre Cabinetsorders in einzelnen Fällen wiederrufen, als, daß Sie ein, Ihre höchste Würde kränkendes Gesetz darüber ge- macht. Ist jene Verordnung aber ein Werk des Ministeriums, und soll sie durch dasselbe bewerkstelliget werden, so ist die gesetzgebende und ausübende Macht in denselben verbunden, und der König ist nicht weniger, als ein Souverain.

Eben so unwahrscheinlich ist die Beschuldigung der Untreue. Die Königinn hatte ihren Gemahl noch nicht lange gehabt. Sie hatte mit Ihm einen Prinzen gezeuget, der König war eine Zeitlang ver-

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reiset gewesen *), Er begegnete seiner Gemahlinn recht wohl und war Ihr sehr gefällig.

Schon Gründe genug, welche das Vorgeben höchst unwahrscheinlich machen. Aber man setze noch hinzu, die gute Erziehung der Königinn, die Unschuld, mit welcher Sie nach Dänemark kam, die Achtung für sich selbst, den Begriff von ihrer Geburt, der mit Ihr ausgewachsen ist, und an der andern Seite die Ehrerbiethigkeit und die Furcht, und urtheile dann, ob die Beschuldigung Glauben verdiene. Der Graf Struensee soll im höchsten Grade sanguinisch gewesen seyn, folglich ist er auch sehr furchtsam gewesen, er hat kein zukünstiges Leben geglaubt, folglich wird er das gegenwärtige für das größte Gut gehalten, und solches für eine unordentliche Liebe, die er bey hundert andern Personen, ohne alle Gefahr befriedigen konnte, nicht aufs Spiel gesetzet haben.

Es wird für einen Beweis von der Vergehung der Königinn angegeben, daß Sie bey der Traurigkeit ihres Gemahles gutes Muthes gewesen sey. Ein ungemein schwacher Beweis in einer Sache von die-

*) Lord Schaftesbury der vortreffliche Moralist schreibet: „Glaubt ihr wohl, daß Verliebte ihren Nußen verstünden, wenn sie immer beysammen bleiben wollten. Würde sich die Freundschaft auf diese Art unterhalten können?,, Siehe The moralists, pag. 36. in den Characteristiks, Vol. II.

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ser Natur. Eine zärtliche Gemahlinn verbirget vor ihren Gemahl den Schmerz, welchen Sie wegen seiner Leiden empfindet, damit seine Gegenliebe ihn nicht noch tiefer beugen möge. Freude ist auf dem Angesichte der Königinn gewesen, aber Ihr Herz wird getrauret und heimlich wird Sie geweinet haben. Die unschuldigste, ja die edelste Handlung läßt sich dem Scheine nach aus einer unreinen Quelle herleiten *).

Hätte das Gewissen der Königinn bey der Traurigkeit ihres Gemahles einen Vorwurf gemacht, Sie würde gewiß nicht haben Farbe halten können; Reue und Furcht würden den Zurücklauf des Blutes zum Herzen verhindert und Ihr Angesicht roth gefärbet haben. Es muß ein ausgelernter Bösewicht seyn, der diesem Mechanismo wiederstehen kann.

Noch seichter ist der Beweis, welcher von der Aehnlichkeit hergenommen wird, die sich zwischen den Gesichtszügen der Prinzessinn und des Grafen Struensee finden soll. Alle Menschen sind sich einander in Ansehung des einen, oder des andern Liniaments ähnlich. Wie kann man also von dieser

*) Montaigne, ein großer Kenner der Menschen und ein aufrichtiger Schriftsteller sagt: Qu’on me donne l'action la plus excellente & pure; je m’en vais y fournir vraisamblablement cinquante vicieuses intentions. Essais, L. I. C. 36.

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Aehnlichkeit auf den Vater schließen? Es geht dieses am wenigsten bey einem Kinde an, dessen Liniamenten noch nicht fest sind. Und zu dem beruhet die Aehnlichkeit nicht bloß auf die Objecte, sondern auch mit auf die Subjecte.

Der freye Zutritt des Grafen Struensee ins Schlafgemach der Königinn kann nur denenjenigen anstößig scheinen, welche nicht wissen, daß dieser Graf der Leibmedicus der Königinn geblieben ist, ob er gleich Staatsminister geworden war. Er kannte einmal die Natur derselben, und wußte, welche Ar- zeney Ihr in dieser, oder jener Krankheit gute Dienste geleistet hatte.

Die Verleßung des ehelichen Gelübdes, eine Handlung, deren idealische Wollust in der Heimlichkeit steckt, soll so öffentlich geschehen seyn, daß sie nicht allein dem ganzen Hofe, sondern auch vielen Einwohnern der Stadt bekannt geworden sey, aber der König hat nicht ehe, als in der unglücklichen Nacht *), das geringste von ihr erfahren. Ein Widerspruch in sich selbst, oder, wenigstens doch eine Verbindung sehr weit von einander entfernter

*) . . . Pulchra Laverna

Da mihi fallere, da justum sanctumque videri;

Noctem peccatis, & fraudibus objice nubem.

HORATIVS, Epist. L. I. Ep. 16. v. 60. sequ.

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Dinge, die so lange unbegreiflich bleiben, bis man die weggelassenen Zwischenideen kennet, die vermuthlich ihren Grund nicht in einem abstracten Verstande haben, sondern Erfindungen der Arglistigkeit sind. Es läßt sich so wenig mit der Weisheit des Schöpfers, als mit dem Vorzuge unserer Seele zusammen gedenken, daß der materielle Genuß der Liebe der hauptsächliche Theil desselben sey, wohl aber ist es begreiflich, daß er nur ein Ausfluß von dem intellectuellen, der zur animalischen Fortpflanzung nothwendig ist. Hieraus scheint zu folgen, daß die Verliebten ihre Neigung verbergen werden, weil das Mitwissen eines jeden Dritten ihrer idealischen Wollust nachtheilig werden kann, ja ich glaube, daß die Vorstellung einer bloß möglichen Entdeckung sie schon beym geistigen Genusse der Liebe hinderlich seyn wird, wie ist es dann zu glauben, daß die Königinn und der Graf Struensee sich so unbedachtsam aufgeführet haben sollten, als vom Gegentheile vorgegeben wird; vornehmlich, da auf der einen Seite noch die Majestät und auf der andern die tiefe Ehrerbiethung mit eintritt. So lange die Seele den Leib regieren wird, eben so lange werden die Begriffe der Menschen Einfluß auf ihr Betragen haben, zumal diejenigen, welche in der Jugend schon Wurzel gefasset, oder hiernächst durch die eine, oder die andere Passion sind befestiget worden. Beydes trifft hier ein. Ueber dieses alles war es der Königinn gar wohl bekannt, daß man wider Sie gern etwas ausspähen wollte, daß

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den König kaltsinnig machen, und Ihr die Vortheile entziehen sollte, über welche man eifersüchtig war. Die Königinn müßte also Ihr eigenes Interesse gar nicht Ungesehen und das menschliche Herz so wenig, gekannt haben, daß Sie nicht gewußt, es sey in demselben eine Zuneigung niemals so wohl befestiget, daß sie nicht durch scheinbare Vorspiegelungen könnte wankend gemacht werden; ich sage: die Königinn müßte sich in diesem Stande der gröbsten Unwissen- heit befunden haben, wenn Sie nicht den geringsten bösen Schein vermieden hätte. Der schwankende Charakter des Königes, welcher der Königinn nicht Unbekannt seyn konnte, streuet hierauf noch mehr Licht.

Selbst die tumultuarische Weise, nach welcher man zu Werk gegangen ist, machet die Beschuldigung sehr unwahrscheinlich. Hätte das Vergehen der Königinn seine Richtigkeit gehabt, und hätte Sie so wenig den bösen Schein vermieden, als man vorgiebt, so würde Sie desselben gar leicht zu überführen gewesen seyn, und, wäre dieses, warum hat man dann dem Könige nicht Zeit gelassen die Sache selbst zu untersuchen, und solche Maaßregeln zu wählen, welche sein Reich der wenigsten Gefahr ausgesetzet, seine Liebe geschonet und sein majestätisches Ansehen bewahret hätten, anstatt, daß man die härtesten Mittel ergriffen, welche viel geschickter sind Privatabsichten zu befriedigen, als einen Staatsfehler ohne Verleßung der vollkommenen Theile zu heben. Den

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irrenden Pöbel *), für welchen man sich dem Vor- geben nach, gefürchtet hat, würde die Zeit schon zurecht gebracht haben.

Und wenn man endlich auch annehmen wollte, welches das Alleräußerste wäre, daß die Königinn das Bekenntniß des Grafen Struensee, welches ihn bey allen edel denkenden verächtlich macht, auf seinen Werth und Unwerth habe beruhen lassen, so müßte man nach der Liebe des Nächsten doch nur dieses daraus schließen, daß die Königinn durch eine falsche Berechnung des Erbarmens seiner Richter sey ver- leitet worden in ihrem Mitleiden, mit Hintanse- ßung der Achtung, die Sie sich selbst schuldig war, zu weit zu gehen. Diejenigen irren sich, welche von der Entfernung der Königinn Anlas zum Argwohn nehmen. Ist es denn schon ausgemacht, daß solche von Ihrem freyen Willen abgehangen habe? Es giebt Menschen (dafern sie diesen edlen Namen verdienen), welche nicht allein unversöhnlich sind, sondern, welche auch diejenigen haßen und gern von sich entfernen, die sie beleidiget haben, weil ihnen die bloße Gegenwart derselben schon einen verdrießlichen

*) Ein grundlichdenkender Schriftsteller sagt: „Man kann immer zum voraus versichert seyn, daß das, was die Menge glaubet, falsch ist.„

Siehe des Herrn D. Zimmermanns Betrachtungen über die Einsamkeit, S. 11. Zürich 1756.

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Vorwurf macht. So wenig man aber von sich selbst wegfliehen kann *), eben so wenig ist man vermögend die beleidigte Person aus seinem Gedächtnisse zu verbannen. Fürchterliche Gegenwart, die ein Schloß sowohl enger macht, als eine Hütte, welche die Freude aus dem einen, wie aus dem andern verdrenget! Richtig denkende Leser werden von mir keine Demonstration fordern, da ich in dieser Sache nur Wahrscheinlichkeiten habe erhalten können. Diese glaube ich aber durch die Enumeration der Particularideen und Elemente, woraus sie bestehen, figiret, und so genau bezeichnet zu haben, daß diese Beschreibung einer Definition nahe kommt. Und da die Feinde der Königinn die angegebenen Facta nicht ausgemacht, und die Gegenstände nicht mit Präcision beschrieben haben, so ist es auch nicht nöthig gewesen ihnen Facta entgegen zu setzen, sondern ich habe mit Raisonnemens zukommen können. Wenn ich die theologischen Streitigkeiten nicht für eine Schande der Religion und Vernunft, für eine Geißel der Staaten und der nüßlichen Wissenschaften hielte, so würde ich mich über die Fragen erklären: 1. ob der

*) . . patriæ quis exsul

Se quoque fugit?

Scandit æratas vitiosa naves Cura; nec turmas equitum relinquit,

Ocyor cervis, & agente nimbos Ocyor Euro.

HORATIVS, Carm. L. 2. Ode 16. v. 19. sequ.

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28 Entw. zu einer Vertheid. für die K. v. D.

Graf Struensee vieleicht nicht mehr bekannt, als er sich schuldig gewußt hat, um für seine Seele den sichersten Weg zu gehen? Sein unphilosophischer Kopf und sein mit der ewigen Verdammniß beschwertes Herz, lassen solches vermuthen. Heinrich der VIII. schaffte die römischkatholische Religion ab, und setzte in seinem Testamente doch ansehnliche Summen zu Seelenmessen aus. II. Ob derjenige, welcher dem Graf Struensee die Hölle so heiß gemacht, daß er das unglaubliche Bekenntniß gethan, nicht ein größeres Unheil angerichtet hat, als das Factum selbst? Das leßte würde nur in der Einbil- dung bestehen, oder doch nur einer Familie interessant seyn, das erste erstrecket sich aber über die ganze Nation, und kann für ihr die allertraurigsten Folgen haben.

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Leben, Begebenheiten und unglückliches Ende der beyden

Dänischen Grafen

Struensee und Brand;

aus zuverläßigen Nachrichten gezogen, und von einem Freunde der Wahrheit aufgesetzet. 1772.

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Vorbericht.

Es sind zwar, seit der am 17ten Ja- nuar d. I. in Dännemark vorgefallenen, großen Staatsveränderung, viele Nachrichten von dieser wichtigen Begebenheit, mit welcher sich in der dänischen Geschichte eine merkwürdige Epoche ansängt, und von denen Personen, welche dieselbe veranlasset haben, unter dem Publico, verbreitet worden; da aber dieselben teils unvollständig, teils parteiisch, teils ganz falsch sind, teils auch die Sprache der Erbitterung reden, und das bekannte Sprüchwort des Tacitus: Ruente quercu ligna quinis colligit, bestättigen: so hat ein Freund der Wahrheit, welcher den gewesenen Grafen Struen- see, in seiner Jugend, gekannt hat, und ein Schüler seines verehrungswürdigen Vaters, als derselbe noch in Halle theologische Vorle-

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4 sungen hielte, gewesen ist, der also viele, bisher nicht bekannt gewordene Lebensumstände dieses unglücklichen Sohnes eines frommen rechtschaffenen, und berühmten Gottesgelehrten weiß, und besonders den Character desselben, wenigestens die Anlage zu seinem Character, aus einem öfteren jugendlichen Umgange, kennen gelernt hat, das Leben, und das traurige Ende desselben, und seines Mitverbrechers, des gewesenen Grafen Brand, mit der einem jeden Geschichtschreiber nötigen Unparteylichkeit, zu beschreiben; und dabey die von manchem Menschenfeinde vergessene Regel: Man lasse auch dem Unglücklichen Gerechtigkeit wiederfahren, genau zu beobachten. — Zu was für schrecklichen Schicksalen, muß sticht mancher Jüngling, durch seine Schuld, das männliche Alter erleben! Hätte es Stru- ensee damals, als der Verfasser dieser Nachricht noch sein Mitschüler war, wohl geglau- bet, daß er einst, als ein Staatsverbrecher, auf einem öffentlichen Blutgerüste, sterben würde?

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Der unglückliche, gewesene Graf Struensee hat, durch sein trauriges Beispiel, die Wahrheit des Sprichwortes: wer hoch steigt, der fällt hoch, von neuem bestättiget. Aus dem Staube der Niedrigkeit schwang er sich bis zu der erhabenen Würde eines geheimen Cabinetsministers hinan. Ein Sohn bürgerlicher Eltern wurde in den Grafenstand erhoben; und von diesem Gipfel der Ehre, stürzete er, schwindelend, bis zu den lezten Stuffen der Schande hinab. Sein hochachtungswerter Vater, der jezt noch, in Rendsburg lebende Doctor der Gottesgelehrsamkeit, königl. dänischer Oberconsistorialrath, und Generalsuperintendent über die Herzogtümer Schleswig, und Holstein, Adam Struensee, ein Mann, welcher, in Dännemark, und in der ganzen gelehrten Welt, in großem Ansehen stehet, ist 1708. am 8ten September zu Neuruppin geboh-

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ren; er gehöret also, nebst seinen Söhnen, eigentlich zu den preußischen Untertanen. In seiner Jugend erwarb er sich, auf den Schulen zu Ruppin, und Brandenburg, eine schöne Kentniß in den Sprachen, und Wissenschaften; widmete sich hierauf der Gottesgelehrsamkeit; bezog 1727 die hohe Schule in Halle; und gieng 1728 auf die Jenaische Universität. An beiden Orten war er ein lehrbegieriger Zuhörer der berühmtesten Männer. Er schöpfete, mit dem rühmlichesten Fleisse, aus den Quellen der Weisheit, diejenige Gelehrsamkeit, welche er, in der folgenden Zeit, in seinem Predigtamte, in seinen Vorlesungen, und Schriften, mit so vielem Beyfalle an den Tag gelegt hat. In Jena erhielt er nicht nur einen doppelten Beruf zum Predigtamte; sondern es wurde ihm auch die Stelle eines Schullehrers angetragen. Nach sorgfältigen Prüfungen nahm er die Stelle eines Hof- diaconus, bey der regierenden Reichsgräfin von Sayn, und Wittgenstein, an; verließ 1730 Jena; und gieng nach Berleburg, um sein Amt daselbst anzutreten. Er blieb aber nicht lange in Berleburg: denn 1731 wurde er, an die Stelle des verstorbenen Pastors John, zum Prediger bey der Gemeine des Neumarkts zu Halle im Magdeburgischen berufen; woselbst er auch, am Sonntage Exaudi 1732, seine Antrittspredigt hielt. Diese Gemeine genoß nur einige Monate seinen Unter-

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richt; weil er noch in eben demselben Jahre zum Pastor der Morißkirche in Halle erwählet wurde. Nachdem er dieses Pastorat bis 1739 mit vielem Seegen verwaltet hatte, wurde er Pastor bey der Ulrichskirche zu Halle. An dieser seiner dritten Hallischen Gemeine arbeitete er 17 Jahr mit aller Treue eines gewissenhaften Seelensorgers; und wurde, wegen seiner vorzüglichen Canzelgaben, und wegen des allgemeinen Ruhmes, welchen er sich, durch seine rührende Beredsamkeit, erworben hatte, als königlicher dänischer Consistorialrath, Probst des Altonaischen, und Pinnebergischen Consistorii, und Hauptpastor der evangelisch-lutherischen Gemeine nach Altona berufen. Als man in Dännemarck seine besonderen Verdienste näher kennen lernete, war man darauf bedacht, daß man diesem großen Gottesgelehrten ein seinen Verdiensten gemäßes Amt gehen möchte. Er wurde zum Oberconsistorialrath, Generalsuperintendenten in den Herzogtümern Schleswig, und Hollstein, auch Probst in den Aemtern Gottorf, Rendsburg, Husum, Schwabstedt, und in den Districten des Domcapitels, ernennet, und muste seinen beständigen Aufenthalt zu Rendsburg nehmen. Seine Gattin, welche ihm der Tod, schon in dem vergangenen Jahre, entrissen, die also nicht, wie man in einigen Zeitungen ganz falsch berichtet hat, an ihren Sohn, den Grafen

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Struensee, als derselbe noch im Gefängnisse saß, geschrieben haben kann, war eine Tochter des königlichen dänischen Justizrathes, und ersten Leibmedici, Doctors Johann Samuel Carl — eine sehr vernünftige, wohlerzogene, und tugendhafte Gattin, mit welcher er von 1732 bis 1771 in einer vergnügten Ehe gelebet, und 5 Söhne, und 3 Töchter gezeuget hat.

Von einem so berühmten Vater, von einer so würdigen Mutter stammt der gewesene königliche dänische Cabinetsminister, und Ritter des Mathildenordens, Johann Friedrich Graf von Struensee, her, von dessen Leben, und unglücklichem Ende ich hier eine zuverläßige Nachricht geben will. Er wurde am 5ten August 1737 zu Halle im Magdeburgischen gebohren, und besuchete, in seinen jüngeren Jahren, die Schule des dasigen Waisenhauses. Wer hätte damals von ihm kühne Unternehmungen, und ehrsüchtige Anschläge, zur Erkletterung einer glänzenden Höhe, erwartet? Er schien, gegen alle Ehre, die man nicht, ohne Mühe, und Gefahr, erlangen kan, ganz gleichgültig; und aus seinen Handlungen konte man gewis nicht schließen, daß er einst ein berühmter Gelehrter, oder ein großer Staatsmann werden würde: denn er gab sich (wenn ich die Wahrheit sagen soll) eben nicht viel Mühe um

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eine weitläuftige, und gründliche Gelehrsamkeit. Daher widmete er sich auch, um sich nicht mit der griechischen, und hebräischen Sprache plagen zu dürfen, der Arzeneygelehrsamkeit; ob gleich sein Vater gern gesehen hätte, wenn er sich, wie sein ältester Bruder, aus die Gottesgelehrsamkeit geleget hätte. Sein Genie war mehr langsam, als munter, und feurig; und es schien, als wenn die Musen nicht Lust gehabt hätten, ihn zu ihrem Lieblinge zu wählen. — Von der Schule des Waisenhauses, in welcher er die meisten Claßen durchgegangen war, und sich eine ziemliche Fertigkeit in der lateinischen Sprache erworben hatte, gieng er auf die dasige Universität, und nahm, nachdem er sich ein Paar Jahre auf derselben aufgehalten hatte, die Würde eines Doctors der Arzeneygelehrsamkeit an. Als sein Vater 1757 von Halle nach Altona zog, reisete er mit demselben; und wurde, kurz nach seiner Ankunft in Altona, Physicus in der Herrschaft Pinneberg, und in der Grafschaft Ranzau; und lebete daselbst, von der fleifligen Ausübung seiner Kunst, sehr bequem. Er war auch zugleich Professor der Arzeneygelehrsamkeit in Altona. Das Glück war ihm günstig. Er heilete verschiedene Kranken, an deren Wiederherstellung jeder zweifelete; und machete sich dadurch so berühmt, daß der König in Dännemarck bewogen wurde, ihn nicht nur 1768, den

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5ten April, zu seinem Leibmedicus, sondern auch zu seinem Begleiter, auf der Reise nach Teutschland, England, und Frankreich, zu ernennen. Dieses war der erste Schritt zu denen Ehrenstuffen, auf welchen er hernach so hoch stieg. Der junge Monarch lernete ihn genau kennen; und würdigere ihn seiner Gnade so vorzüglich, daß er fast beständig bey ihm seyn muste. Er wurde des Königes Vorleser. In dem folgenden Jahre, am 12ten May, 1769. ernennete der Monarch ihn zum wirklichen Etatsrathe; am 14ten May 1770, zum Conferenzrathe; und im December eben desselben Jahres, zum Requetenmeister. Hier fieng sich eigentlich der wichtige Einfluß an, welchen Struensee in das dänische Staatswesen gehabt hat. Ich will diejenigen merkwürdigen Veränderungen, welche, durch ihn, in demselben, entstanden, so genau, als ich selbige habe erfahren können, anführen; damit man, aus denselben, seinen plößlichen, und fürchterlichen Fall begreifen könne.

Im December 1770. und folglich in eben demselben Monate, in welchem Struensee zum Requetenmeister ernennet worden war, wurde, nachdem schon am 15ten September, desselben Jahres, der erste Minister, Graf von Berns- dorf, ein königliches Handschreiben erhalten hatte,

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11 in welchem der König ihm, für seine Dienste, dankete, und ihn, mit einem jährlichen Gehalte von 6000 Thalern, der Bedienung eines Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, und Obersecretairs der teutschen Kanzeley, in Gnaden entließ, das ganze geheime Conseil aufgehoben; und die vier Ministers, aus welchen dasselbe bestand, nemlich die Grafen von Moltke, von Thott, von Reventlau, und von Rosenkranz erhielten einen gnädigen Abschied. Dieses geschahe, durch folgende öffentlich bekannt gemachte königliche Acte:

Wir Christian der siebente, von Gottes Gnaden, König in Dännemarck, Norwegen, der Wenden, und Gothen, Herzog zu Schleswig, Hollstein, Stormarn, und der Dittmarschen, Graf zu Oldenburg, und Delmenhorst & c. urkunden, und erklären hiermit. Weil die Staatsangelegenheiten bey einer souverainen Regierungsform durch die Vielheit der daran Teil nehmenden Personen von einem hohen Range, und durch das Ansehen, welches sie mit der Länge der Zeit erlangen, nur schwerer gemachet, und verwirret werden, und ihre Ausführung verzögeret wird: Wir aber, denen nichts so sehr am Herzen lieget, als eine ei- ferige Beförderung des allgemeinen Wohls, uns durch nichts in denen Maaßregeln, und Verfü-

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gungen, die zu diesem Zwecke führen, aufhalten, oder behindern lassen wollen, daß Wir derowegen für gut befunden, unser bisheriges geheimes Staatsconseil gänzlich auszuheben, und eingehen zu lassen, und zwar in der Absicht, der Form, und Verfassung Unserer Regierung ihre natürliche, und wesentliche Lauterkeit zu geben, und sie darin zu erhalten. Wie denn besagte Regierungsform in allen Stücken so, wie sie Unseren Vorfahren glorreichen Gedächtnisses von der Nation übertragen ist, seyn und bleiben, und auch nicht der geringste Schein übrig gelassen werden soll, als ob Wir uns von dem Sinne, und der Absicht, worin das Volck sich Unseren Vorfahren übergeben hat, entfernen wolten. Zu mehrerer Bekräftigung des obigen haben Wir darüber zwey gleichlautende Acten, die eine in dänischer, die andere in teutscher Sprache ausfertigen lassen, und soll jene im Archiv der dänischen Kanzeley, diese hergegen im Archiv der teutschen Kanzeley hingeleget, und verwahret werden. Urkundlich unter Unserm königlichen Handzeichen, und vorgedrücktem Insiegel. Gegeben auf Unserm Schlosse Friederichsburg den 27sten December 1770.

Christian.

Fabricius. A. G. Carstens.

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Die verabschiedeten Minister empfiengen jeder ein königliches Handschreiben, in welchem der Monarch ihnen, für ihre treuen Dienste, in den gnädigesten Ausdrücken, dankete. Sie verließen Copenhagen, und reiseten auf ihre Landgüter. An die Stelle des geheimen Staatsconseil wurde eine so genannte geheime Conferenz eingeführet. Diese bestand aus dem Schaßmeister, und gehei- men Rathe, Freyherren von Schimmelmann, dem Generallieutenant von Gähler, dem Gene- rallieutenant, Grafen von Rantzau Ascheberg, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Grasen von der Osten, dem geheimen Rath, Grafen, von Haxthausen, und dem Stiftsamtmann von Scheel. Sie hielt am 7ten Januar 1771, auf dem königlichen Residenzschlosse, in dem Zimmer, in welchem sich sonst das geheime Staatsconseil zu versammelen pflegete, ihre erste Sißzung; die Besorgung der auswärtigen Angelegenheiten aber blieb dem Grafen von der Osten allein überlassen. Diese erste Veränderung zog immer mehrere nach sich. Ich will nur die merkwürdigesten, nemlich diejenigen, welche zu der am 17ten Januar zu Copenhagen erfolgeten großen Begebenheit, und besonders zu dem Unglücke des Grafen Struensee, Gelegenheit gegeben haben, ganz kurz anzeigen. — Die teutsche Kanzeley empfieng einen Cabinetsbefehl, welcher folgendes

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14 enthielt: Meine Departements und Collegia müssen nicht das ganze Detail der Geschäfte an sich ziehen: ihnen gebühret nur die allgemeine Aufsicht. Die Führung, und Entscheidung dererjenigen Angelegenheiten, die durch die Gesetze, und Verordnungen, bestimmt sind, ist das Geschäfte derer, welchen die Oberaufsicht in den verschiedenen Districten anvertrauet ist, und denen müssen sie solche überlassen. Ihre Obliegenheit ist es also, darüber zu halten, daß den Verordnungen nachgelebet werde; sie haben desfalls Rede und Antwort zu geben, und müssen solche nach aller Strenge, und ohne Nachsicht, in Ausübung brin- gen. Von dieser meiner Willensmeinung hat die teutsche Kanzelen alle diejenigen, welche es angehet, und mit welchen sie, in Absicht auf die Geschäfte, in Verbindung stehet, zu benachrichtigen, und sie zugleich zu erinneren, keine Sachen bey sich liegen zu lassen, sondern alles in gehöriger Ordnung, und ohne unnötigen Auffenthalt zur Endschaft zu bringen, und auszufertigen. Am Schlusse des Jahres erwarte ich von meiner teutschen Kanzeley einen Bericht, wer von den ihr Untergeordneten einen besonderen Eifer und Fleiß in meinem Dienste erwiesen hat, und wer sich etwan eine Nachläßigkeit wird haben zu Schulden kommen lassen, & c. & c. & c. Ferner ergieng, wegen Einschränkung der Characters, an alle Collegia folgender Befehl:

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Da die Zahl dererjenigen, welche teils bey den in einiger Jahre Zeit vorgefallenen Feyerlichkeiten, teils auch sonst auf verschiedene Vorstellungen mit Rang, und Titeln begnadiget worden sind, dergestalt angewachsen, daß die Charactere aufhöreten, Belohnungen für wahre Verdienste, oder ein Kennzeichen Unserer königlichen Gnade, und besonderen Wohlgefallens zu seyn: so haben Wir den Vorsatz gefasset, selbige hinführo desto sparsamer, und blos nach deren weislichen Absicht auszutheilen; daher dabey lediglich auf Fleiß, Treue und Beeiferung im Dienste, desgleichen auf besondere Einsichten, Tüchtigkeit und Verdienste, nicht aber auf die Jahre der Dienste und Anciennität zu sehen, und nur diejenigen mit Ehrenvorzügen zu belohnen; welche sich zu denselben auf irgend eine würdige Weise verdient gemacht haben. Wir wollen derowegen, daß von nun an für niemanden ein Character, und höherer Rang gesucht werden soll, der nicht vor dem Collegio, oder Departement, unter welchem er stehet, wegen seiner ruhmwürdigen Diensteiferung, guten Aufführung, und besonderen Verdienste, sattsam bekannt ist, so, daß das Collegium sich zutrauen möge, denselben mit vollkommener Ueberzeugung und Zuverläßigkeit einer besonderen Gnade zu empfehlen, und Uns deshalb allemal zur Rede und Antwort zu stehen: Und gleichwie Wir un-

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16 ter dem heutigen Dato diese Unsere Entschliessung allen Unfern Collegien, und Departements zu erkennen gegeben Haben, so geben Wir selbige hiermit auch in Gnaden Unseren Collegien zur Rachachtung zu wissen. Friederichsburg den 4ten September 1770.

Christian.

Zu den Folgen her neuen Einrichtung gehöret auch noch die Freiheit der Presse, daß nemlich, ohne Censur, gedruckt werden sollte; die Einrichtung eines genuesischen Lotto, oder königlichen dänischen Zahlenlotterie; und die Veranstaltung in dem Hebeammenhause zu Copenhagen, daß unglückliche Mütter ihre neugeborenen Kinder, zur Verhütung der Ermordung, oder Wegsetzung derselben, in einen besonders dazu einge- richteten Kasten legen konnten. Bey der dänischen, und teutschen Kanzeley wurde ebenfalls eine wichtige Veränderung gemacht. An statt, daß jede derselben, bis dahin unter der Aufsicht eines Obersecretaire, ber zugleich ein Mitglied des geheimen Conseil war, gestanden, wurde die dänische Kanzeley in vier, die teutsche aber in drey De- partements geteilet, und jedem Departement ein Deputirter mit dem Rang eines Conferenz- oder Justizrathes, vorgesetzet.

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17 Bey dem Hofstaate wurde eine große Veränderung vorgenommen. Der Oberhofmarschall, Graf von Moltke, der Oberkammerjunker von der Lühe, und noch andere wurden ihrer Dienste entlassen. Die Amtmänner in Norwegen wurden, in Absicht auf ihre Einkünfte, auf einen gleichen Fuß gesetzet. Der bisherige Magistrat zu Copenhagen wurde, am 3ten April 1771, gänzlich aufgehoben, und ein neuer Rath eingesetzet, bey welchem der Graf, Ulrich von Hollstein, die Stelle eines Oberpräsidenten erhielt. Mit diesem Rathscollegio wurde eine ganz neue Einrichtung gemacht. Seine Geschäfte erstrecketen sich blos auf die Policey. Alle Streitsachen wurden an das Hofgericht verwiesen. Die Bürger erhielten die Erlaubniß, zwey Repräsentanten im Rathe zu haben; und dem Rathscollegio wurde ein besonderer Befehl erteilet, für die Aufnahme der Handlung; für die Einrichtung der Preise der Lebensmittel, ohne unbilligen Wucher; für die Reinigkeit der Gassen, und für die Erhaltung guter Ordnung, vorzüglich zu sorgen.

Für 100 neugebohrene Kinder wurde, zu Copenhagen, ein Erziehungshaus errichtet; zu welchem von jedem zur Pracht, oder zum Vergnügen gehaltenen Pferde jährlich zwey Thaler, von jedem Miethskutschpferde ein Thaler, und von je-

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18 dem fremden Pferde zehen Thaler entrichtet wer- den müßen. Das Seeetatscollegium wurde, am 28sten März 1771, mit dem Namen eines Admiralitäts- und Commißariatscollegii beleget; und vier Deputirte, nemlich der geheime Rath, Graf von Haxthausen, die Contreadmirals, Hansen, und Fischer, und der Etatsrath Willebrand, bekamen, als Deputirte, die Geschäfte dieses Departement zu besorgen.

Das Generalposiamt litte ebenfalls eine merk- liche Veränderung. Es wurde in so weit aufgehoben, daß nur die drey jüngsten Directors, die Justizrathe, Pauli und Lange, nebst dem Legationsrathe Stur; beybehalten wurden; welche zugleich den Befehl erhielten, alle ihre Vorstellungen unmittelbar an den König gelangen zu lassen. Alle übrige bey dem Generalpostamte stehende Personen, als, die geheimen Räthe, Graf von Danneskiold, und Graf von Hollstein, die Con- ferenzräthe von Rheder, und von Schrödersee, wurden nebst dem Etatsrathe Holm, ihrer Dienste entlassen.

Die freye Tafel bey Hofe, an welcher sonst viele hohe, und niedrige Hofbedienten gespeiset

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hatten, wurde eingezogen, und der Oberstlieutenant Wegner mit dem Auftrage zum Hofintendanten gemachet, daß er alle mögliche zur Einführung einer besseren Sparsamkeit gereichende Veränderungen machen sollte.

Der Gouverneur von Copenhagen, Graf von Ahlefeld bekam seinen Abschied; und diese einträgliche Stelle blieb unbesetzet. Die ansehnliche, aus der Mastung im ganzen Lande, und aus der Hälfte der Strafgelder von Jagdverbrechen fliessenden Einkünfte des Oberjägermeisters wurden zur königlichen Casse gezogen; und dem Oberjä- germeister, zu seiner Entschädigung, eiu stehendes Gehalt von 3000 Thalern angewiesen.

Bey den an den König, und an die Collegia einzureichenden Bittschriften wurde der Gebrauch des Stempelpapiers durchgehends befohlen; und eine gewisse Vorschrift gegeben, nach welcher sol- che Bittschriften eingerichtet werden solten.

Allen Soldaten wurde das Heyrathen, mit der Bedingung, verstattet, daß sie ihre Kinder den Fündlingsanstalt überlassen müssen, welche diese Kinder bey Landleuten unterzubringen sucht, denen sie, bis in das 25ste Jahr, als Knechte, und Mägde dienen, hernach aber frey seyn sollen.

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20 Da auch die häufige Anwartschaften auf Bedienungen, welche der König erteilet hatte, dem Dienste schädlich waren: so wurden dieselben eingeschränkt; und es ergieng, dieser Cache wegen, folgender merkwürdiger Befehl: Da ich ungern bemerke, welchergestalt ein großer Teil von den manchem bisher gegebenen Expretanzen eine strafwürdige Nachläßigkeit im Dienste verursachet, und an statt den Fleiß und Eifer dererjenigen, welchen sie verliehen worden sind, zu ermunteren, bey den mehresten eine dawieder streitende Wirkung gehabt hat, meine Absicht bey sothanen besonderen Gnadenbeweisungen aber nicht gewesen seyn kann, die ledig werdenden Dienste mit untauglichen Subjectis zu besetzen, so ist in Hinsicht auf die unter meinen Collegiis sortirende Bedienungen meine ernstliche Willensmeinung, daß bey der Vergebung der mit Expretanzen beschwerten Dienste zwar vornemlich auf diejenigen gesehen werden soll, welchen die Succeßionsbestellung auf selbige erteilet worden ist, jedoch daß zugleich die Tüchtigkeit und Aufführung des Candidaten genau untersuchet werden, und diejenigen dieses Beneficii gänzlich verlustig gehen sollen, bey welchen die erforderliche Tüchtigkeit und Wissenschaften nicht gefunden werden, oder welche durch eine schlechte Aufführung sich dazu unwürdig gemacht haben solten. Wornach sich meine Collegia in sothanen

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21 Fällen genau zu richten, und diese meine Vorschrift pünctlich zu erfüllen haben. Gegeben auf Hirschholm den 26sten October 1770.

Christian.

Sonst hatten, in Dännemarck, die Dispensationes in Heyrachen zwischen Verwandten viel eingebracht, aber auch viele Schwierigkeiten verursachet. Der König hob also, unter dem 3ten April 1771, alle Dispensationes, bey Heyrathen zwischen Bluts- und Schwägerschaftsverwandten,

welche nicht ausdrücklich in dem göttlichen Gesetze verbothen sind, gänzlich auf; und feßete fest, daß solche Heyrathen hinfähro ohne Dispensation zugelassen werden solten. Ein anderer königlicher Befehl verordenete, daß in Geldsachen die Justiz, ohne Betrachtung des Standes des Gläubigers, oder dessen persönlichen Ansehens, genau verwaltet, und nach Beschaffenheit der Sache, und Vorschrift der Rechte mit Beschlag, Immißion, und- anderen vorgeschriebenen Zwangsmitteln verfahren werden solle.

Um eben diese Zeit wurde Copenpagen in zwölf gleich große Quartiere geleitet; jedem zu besserer Handhabung der Policey ein Quartierscommissarius vorgesetzet; das Thorgeld verpach-

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tet, und jedes Haus in der Stadt mit einer Nummer bezeichenet,

Eine andere königliche Verordenung feßete fest, daß die auf einen begangenen großen Diebstahl gesetzete Todesstrafe abgeschaffet, dagegen die Verbrecher am Pranger gegeißelet, an der Stirne gebrandmarket, und auf Lebenslang in Fesseln geschmiedet werden sollten.

Die Garde zu Pferde, deren Unterhaltung jährlich ansehnliche Summen gekostet hatte, wurde verabschiedet; die Officiers bekamen Wartegeld, und den Gemeinen ward freygestellet, bey der Garde zu Fuß Dienste zu nehmen. An deren Stelle aber wurde eine leichte königliche Garde von drey Escadrons Dragoner, unter dem Oberst- lieutenant von Numsen, errichtet. Den Officiers von den Landcadets, von der Garde, von dem Artilleriecorps, und von den Leibregimentern ward ihr bis dahin gehabter höherer Rang zwar, für die dabey stehenden, noch so lange gelassen, bis sie eine Stufe höher steigen würden; für die Zukunft aber ganz abgeschaffet. Die Hoftrauer wurde, in allen Fällen, zum höchsten auf vier Wochen festgesetzet.

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Bey der königlichen Rentenkammer erfolgete die wichtige Veränderung, daß, an statt derselben ein in drey Departements, nemlich in die nordische, dänische und teutsche Kammer, verteiletes Finanzcollegium, welches aus vier Departements bestand, errichtet wurde.

In Ansehung der unehelichen Kinder kam, unter dem 13ten Junius 1771, eine merkwürdige Verordnung heraus, deren Inhalt dahin gieng, daß, da ledige Personen, welche, ausser der Ehe, zusammen Kinder erzeuget, durch die in den Gesetzen fest gestelleten Bußen, und Strafen, oft gehinderet worden, die ihnen, als Eltern, obliegenden Pflichten zu erfüllen, dergleichen Bußen sowohl, als andere, auf solche Vergehungen gesetzte Strafen, besonders die vom 8ten Junius 1767 festgesetzte Strafe, bey Wasser, und Brod zu sißen, aufgehoben wurde. Zugleich ward verordenet, daß bey der Lause unehelicher Kinder, auf keine Weise, weder in Ansehung der Zeit, noch des dein Priester, und anderen Kircenbedienteu zu bezahlenden Laufgeldes, oder anderer Umstände ein Unterschied zwischen den ehelichen, und unehelichen, gemacht; daß ihnen ihre ausser der Ehe geschehene Geburt nicht, als ein Flecken, angerechenet; und ihnen deshalb nie ein Vorwurf gemachct werden solle. Wegen des Ehebruches wurde, in eben dieser Ver-

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24 ordnung festgesetzt, daß es lediglich dem unschuldigen, und gekränkcten Teile frei) stehen solle, zu klagen; und so lange dieser sich nicht deshalb rege, solle niemand davon sprechen.

Unter dem 15ten Junius fuhrete der König ein neues Copenhagensches Hof- und Stadtgericht ein, welches am igten Julius den Anfang nahm, und vorzüglich die Abkürzung der Processe zur Absicht hatte. An statt, daß sonst Rechtssachen, lange aufgehalten, und durch drei) Instanzen geführet werden konnten, hatte cs nunmehr, den dem von diesem Stadtgerichte ausgesprochenen Urteile, sein unveränderliches Bewenden. Alle Einwohner von Copenhagen, Herrschaften, und Gesinde, Bürger, und königliche Bediente, mit und ohne Rang, Geistliche, und Weltliche, vom Civil- und Militarstande, Professores, Studens ten, und Universikatshediente, wurden der Gerichtsbarkeit dieses neuen Gerichtes, in allen bürgerlichen, und peinlichen Sachen unterworfen; und alle andere bisher in Copenhagen gewesene Obers und Untergerichte aufgehoben; jedoch mit der Erklärung, daß die besonders privilegirten Sachen ausgenommen wurden, und daß die königlichen Bedienten, in den ihr Amt betreffenden Sachen, lediglich unter dem Collegio, zuwelchem sie gehören, stehen sollen.

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Da auch die zu weit ausgedehneke Postfreyheit den königlichen Einkünften sehr nachteilig gewesen: so wurde, durch eine am 17ten Junius 1771 gezeichenete königliche Verordnung, die bis-

herige Pystfreyheit eingeschranket, und die Verfügung getroffen, daß nur die Briefe der Personen des königlichen Hauses, die Berichte der Collégien in Amtssachcn, die Armenjachen, die Zollpachtsachen, und die Mrlikardicnstsachen von der Erledigung des Posiporto fretz seyn, alles übrige aber bezahlet werden solle.

Dieses waren die Veränderungen, welche bis zu der Feit vorfielen, da der damalige Requetenmeister, und Confetenzrath, Scruensee, zum geheimen Cabinetsminister ernennet, und in den Grafenstand erhöben wurde. Die Erhebung zum geheimen Cabinetsmnnster erfolgete aur 15ten Julius 1771; und bey dieser Gelegenheit kam eine königliche Verordnung zum Vorscheine, welche dem neuen Minister beynahe eine ungefchrankrte Gewalt in die Havde gab. Er erhielt nemlich den Befehl, alle von dem Könige mündlich erteis ieke Befehle nach Sr. Majestät Sinne schriftlich abzufassen, und denenstlben solche nachher entweder paraphirt zur Unterschrift vorzulegen, oder auch in höchsidrro Namen, unter dem geheimen Cabinetssiegel auszufertigen. Es wurde überdem

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noch in derselben befohlen, daß alle Ausfertigungen und Verordnungen, die auf Vorstellung eines Collegii an ein anderes Collegium zu erteilen sind, nicht mehr in dem Collegio selbst, oder durch Communication, sondern durch diesen Minister geschehen solle. Druer: daß derselbe dem Könige wöchentlich einen Auszug der von ihm ausgefeiligten Cabineêsbefehle, zur Genehmigung, vorlegen solle; und daß diese alsdenn eben so gültig styn sotten, als wenn sie von dem Monarchen selbst unterzeichnet waren.

Die erste anmerkenswerte Veränderung, welche, nach dieser Ernennung eines Cabiuetsmiuisiers, vorgieng, war die Aufhebung des General» commerzcollegü. Sie geschähe durch eine am 15ten Julius unterschriebene königliche Verordnung. Die Verrichtungen, welche sonst zu diestm Collez gio gehöret hatten, wurden dem Finauzcollegio, und der Kanutter übertragen, so daß alle das Commerz- und Fabriquenwesen betreffende allgemeine Berichte, und Vorschläge dem Finauzcollegio, die einzelnen Vorschläge; und Privatgesuche der Kammer zugetheilet, auch alle unter dem Generalcommerzcollegio gestandene dänische, norwegische und teutche Brau-daßccuranzconrptoirs, nebst der Revision der Oldenburgischen Vrandeassenrechmmgen, der Kammer uMrgebcn wurden. Hiernachst wur-

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den, durch einen Cabinetsbefehl, viele Sachen den Kanzeleyen abgenommen, und dem Finanzcollegio hepgeleget. Der Befehl selbst lautet, vom igtett August 1771, also:

Nachdem Se. Majestät, zu desto besserer Bes förderung Dero Dienstes, und zu grösserer Ordnung in den öffentlichen Sachen, für gut befunden haben, die Verrichtungen, welche Dero ersten Collegiis, und Departements obliegen, dergestalt zu bestimmen, daß ein jedes insonderheit diejenigen Sachen, und Angelegenheiten besorgen soll, welche dessen wesentlichen Gegenstand ausmachen, oder mit demselben in Verbindung stehen st und da Sie bemerket, wie einige bisher den Kanzeleyen zugelegte Verrichtungen eigentlich zu den Departements ses Finanzcollegii hingehören: so haben Aller dchskdieselben nach genauer Unterftichung- beschlossen, folgendes festzufttzcn: Erstlich verbleiben bey den beyden Kaiizeieycollcgiis, und sollen hlnführo zu ihrem Reßort gehören, die Expeditionen von allem dem, was angehet Cr. Majestät königlichen Hauses, und dessen Erb- Regierungs und Hvhei.'sgerechtsame; ungleichen die Bekantmachung der Gesetze, und deren Auslegung; wie auch der Untertanen persönliche Gerechtsame, und Vorzüge: folglich alle Lehnsbriefe, RaturalisatiMshriefe, Standes- und Rangserhöhungen, und

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alle darüber auszuftrtigende Diplomata, Patente und Bestallungen. 2. Alle geistliche Kirchen- und Schulsachen, nebst der Aufsicht über die geistlichen Personen, wie auch pis Funda, und deren Verwaltung. 3, Die Justizverwaltung in Cmlibus, Ecclcfiafticus, und Criminalibus, sowohl überhaupt, als in denen Zwistigkeiten, welche in CameralPolicey- ökonomischen, und Commercialsachen aufkommeli, nachdem solche vorher vor der beykommenden Jurisdiction sind ventilirt worden, und durch die Gesetze nicht entschieden werden können; imgleichen alle Extrajudicialsachen, das Erb- und Succeßionswesen in den Städten, und auf dem Lande; nicht weniger die Succeßionen in den festen Gütern; alle Testamente, Contracte, und Hypotheken, nebst dem Vormundswestn., Das gegen soll zweitens hinführo von dem Finanza collegio besorget, und mithin von den Kanzeleyen dahin übertragen worden: alles was der Kaufstädte innere Einrichtung angehet und zu den ecclefiafticis jurisdietionalibus, oder ein igen anderen vbbemeldeten OhjoLis nicht gehöret, folglich die Haushaltungen, und alle Nahrung in den Städten, und auf dem Lande; der Kaufstädte, Contributions- und Rechruurgswcsen; die ganze ökonomische, und Commercialpolicey; sie Ausfertigung der Reisepass, und Seepasse; nicht minder auch die Medicinal- und Hebammen- samt Pest-

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und anderen Gesundheitsanstalten. Auch befassen Sr. Majestät Kanzeleyen in Zukunft sich nicht weiter mit Handlungs- Fabriken- InnungsHandwerks- und Marktsachen; auch nicht mit der Frucht- und Kornpvlicey; nicht weniger mit Maaß, Elle und Gewicht; nicht mit Marsch - Einquartierungs - Recruten- Landmilitz- oder SeeEnrollirungsfachen; nicht mit Leich- und Dammungsanstalten; imgleichcn nicht mit der ökonomischen Verfassung der Zuchthäuser; nicht mit Anordnungen wegen des Dienstvolkes und Gesindes; nicht mit irgend einem Aßistenz- oder Leihehause, noch Lotterien; eben so wenig mit Wege- Drukken- oder Wasscrlritungssachen; auch nicht mit Wittwencassen, die für die Predigerwittwen allein ausgenommen; und überall nicht mit irgend einem Dinge, daß die Policen, und die ökonomische Verfassung in den Kaufstadten, und auf dem Lande angehet, so lange von allen diesen kein Proceß entstehet. Diese neue Einrichtung, und der Affair ren Unterscheidung sollen ihren Anfang mit dem ersten October dieses Jahres nehmen, bis zu welcher Zeit diese Sachen ferner abgemachet, und ausgeferkigèt werden sollen, wo sie bisher sind ausgefertiget worden. Vom angeführten Tage an aber hat sich ein jeder in diesen Sachen mit seinen Vorstellungen, Ansuchungen, und Berichten an das Collegium zu wenden, nach welchem Sr.

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Majestät selbige durch dieses Reglement hingeleget haben, wovon er Resolution gewärtigen kann.

Mit dem Gottorfischen Obergerichte wurde die Veränderung gemacher, daß die Stellen eines Kanzlers und Vicekanzlers eingiengcn; nur 6 Räthe bestellet wurden, wovon jeder einen District bekam; alle Sporteln der königlichen Caske berechenet werden musten; und dagegen jeder aus derselben ein verhaltnißmäßigs Gehalt bekam.

Zur Besorgung dev Handelungsangelegenhev ten wurde eine eigene Commerzdexulation, für die Bausachen aber eine Oberdirection niedergesetzet. Die Direction der vresunbischen Wollkämmer wurde der Kammer übertragen; und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen von der Osten, welcher dieselbe bis dahin gehabt Hatte, sein jährliches Gehalt von vier tausend Lhalera Lis auf acht tausend vermehret.

Die Einfuhr der in den wutschen Landern des Königes verfertigten Manufacturwaaren wurde, gegen einen Zoll von sieben, und einem halben pro Cent, durch einen Befehl von dem Finanzcollegio kn die norwegischen, und dänischen Lander verstattet.

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Die Mährischen Bruder, oder so genannten Herrnhuter, erhielten, vermittelst eines königlichen Befehls vom 23sten December 1771, die Erlaubniß, sich in dein Herzogthum Schleswig, und zwar in dein Amte Hadrrsleben, niederzulassen. Es wurde ihnen auch die Erlaubniß gegeben, einzig und allein unter der Aussicht ihres Bischoses zu stehen, und keinen Eid zu leisten: alle gegen sie ergangene Verordnungen aber wurden aufgehoben.

Wegen der Armen zu Copenhagen wurde, unter dem i6ten November 1771, eine allgemeine Verpflegungsanstalt, zur Unterhaltung der Stadtarmen in gedachter Residenh, errichtet. Der dazu verordeneten Commißion wurden alle dem Armeuwesen, dem Waysen- und Erziehungshause bis dahin zugeteilete Einkünfte, und alle von den Lotterien fallende Vorteil angewiesen. Sie erhielt auch die Oberaufsicht über alle fromme Stiftungcu, deren Einkünfte gleichfalls zu diesem Zwecke angewendet werden sollten, daß allen Nothleidenden, ohne Unterschied, besonders den Hausarmen

geholfen; und der Müßiggang, und die Bettelei,auf alle mögliche Art, gehindert werde.

Eine andere Cabinetsordre, vom 4ten November 1771, setzete fest: daß bey den Departe-

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ments kein Collegium einem anderen Collegio, oder auch nuk einer unter ihm nicht stehenden Person einen Befehl, zur Nachlebung, erteilen; sondern deshalb unmittelbar an das Cabinet berichten sollte, welches allein die nötigen Befehle an die Behörde ergehen lassen werde. — Wer diesen Befehl, mit einigem Nachdenken, liefet, der wird leicht einsehen, daß durch denselben die Gewalt des damaligen Cabittetsministers, Grafen von Struensee, ungemein àusgêdehnet wurde. — Endlich wurden, bey dein Militärstande, solche Veränderungen vorgenommen, welche demselben zu einem nicht geringen Mißvergnügen gercichetrn; und in den Vorfall, vom 17ten Januar 1772, einen großen Einfluß hatten. Es wurde nem- lich befohlen, daß kein Officier eher Urlaub bekommen sollte, als bis er ein Jahr bey dem Regimente Dienste gethan habe. Alle Chefs bey dem Kriegesrtat zu Wasser, und zu Lande erhielten den Befehl, daß jeder für die Tüchtigkeit derer Personen, welche er zur Beförderung Vorschlägen werde, stehen; und wenn sich solche fanden, die nicht fähig wären, ihrem Posten vorzustehen, solches berichten; auch von den Fehlern, und Vergehungen der unter ihm stehenden Officiers, und Gemeinen Rechenschaft geben solle. Ferner: daß alle Officiers, welche, wegen ihrer schlechten Aufführung, ihres Dienstes entlassen werden müste,

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33 ihre Abschiede, nur von dem Regimentschef unterschrieben, erhalten selten. Die Garde zu Fuße wurde abgedancket, und den Soldaten derer fünf Compagnien, aus welchen solche bestand, freygestellet, bey andern Regimentern Dienste zu nehmen; welches sie aber nicht thaten. Diese leztere zur Ersparung der Kosten gemachete Einrichtung gab zu einem Auflaufe der mißvergnügten Soldaten Gelegenheit; und man muske, um demselben zu steueren, Gewalt gebrauchen. — Zum Beschluß, dieser neuen Einrichtungen, will ich noch einige neue das Polyceyweftn betreffende Anstalten berühren. Alle Einwohner in Copenhagen musten die hervorragenden Dachrinnen abschaffen. Die Feyer des dritten Festtages in Weyhnachren, Ostern, und Pfingsten, des Tages dr drei-Könige, der Reinigung Maria, Johannis, der Heimsuchung Maria, Michälis, und aller Heiligen wurde eingestellet; und zugleich verordenet, daß alle diejenigen, welche öffentliche Schulen besuchen, nicht anders, als frei-willig, und mit ausdrücklichen Einwilligung ihrer Elfern, und Vormünder, unter die Soldaten genommen werden solte,

Dieses, ist nur eine ganz kurze Beschreibung dererjenigen Veränderungen, welche in Dannemark, teils kurz vor der Erhebung des unglücklichen Struensee, teils nach derselben, vorfielen;

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34 und von welchem man ihn fast ganz allein, als den Urheber, betrachten kann; ob man gleich zugeben muß, daß sein vertraueter Freund, der mit ihm gesturzete Graf von Brand einen großen Anteil an selbigen hatte. Denn man saget nicht zu viel, wenn man behauptet, daß Struensee, und Brand die machkigesten in Dännemark waren. Es wird daher meinen Lesern nicht unangenehm seyn, wenn ich ihnen eine kurze Nachricht von dem gewesenen Grafen von Brand — dem Mitgenoßen des Srruenseeschen Schicksales — zu leseil gebe.

Envold, oder Ewald Graf von Brand, gewesener königlicher dänischer geheimer Rath, Oberkleiderverwahrer, und Ritter des Mathiidenordens, war ein Sohn des verstorbenen königlichen bairischen Conferenzrathes von Brand. Er hat sein Gluck in Hofbedienungen gemacht. Am 15fen Junius 1755 wurde er Hofjunker; hernach Kammerjunker; und den 22sten Junius 1769 Kammerhert. Die regierende Königin gab ihm 1771 den Mathildenorden; der König aber (auf des damaligen Grafen von Struensee Empfehlung) die Aufsicht über die Schauspiele. In diesem Posten erwarb er sich des Monarchen vorzügliche Gnade; und wurde im Julius 1771, mit dem Struensee zugleich, in den Grafenstand

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35 erhoben, auch zum Ovenleiderbewahrer, und geheimen Rache, mit Beylegung des Titels; Excellenz, erkläret. Die Freundschaft dieser beyden Unglücklichen, gegen einander, war so groß, daß der eine nicht, ohne den anderen, leben konte. Doch ich komme wieder zu den Folgen, derer neuen Einrichtungen, zu welchen die Anschläge in diesen Leyden Köpfen waren geschmiedet worden. Da es aber teils zu weiklauftig; teils zu meiner Ab- sicht nicht dienlich seyn würde, alles zu erzählen, was, als eine Folge so großer Staatsverande, rungen, angesehen werden fonte: so will ich mich hierüber nur mit wenigen Worten erklären.

Der König hatte, seitdem er zur Regierung gekommen war, die meisten Minister, welche, unter dem vorigen Könige, den größesten Anteil an der Staats, Verwaltung gehabt hatten, entfernet. Der neue Cabinetsininister äuderete die ganze Verfassung des geheimen Conseil, und ließ nur die auswärtigen Angelegenheiten, für welche er sich zu schwach fühlete, in den Händen des Grafen von der Osten. Das Cabinet hatte also alle Gewalt an sich gezogen; und es war natürlich, daß die alten vom Hofe entferneten Ministers, mit dieser neuen Einrichtung, die ihnen Ansehen, und Einkünfte nahm, unzufrieden seyn wüsten.

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Der Militärstand mumle ebenfalls ganz laut über die den Soldatendrenst, und andere Sachen betreffenden neuen Verordnungen; denn der Cabinetsnunisier dankete die Regimenter ab, deren Erhaltung ansehnliche Summen kostete. Er nahm den Garderegimenrern ihren gehabten Rang; und diese wiedàsetzeten sich ihrer im December 1771 vollzogenen Abdankung mit Ausübung verschiedener Thätlichkeiten. Sie zogen auf Las Schloß; wollen durchaus die Person ihres Königes bewachen; und musten, mit Gewalt, in die Castrmen zurück gebracht, und verwahret werden.

Die Abschaffung der Feyertage; die, wegen der Heyrathen zwischen Verwandten, aufgehobene Dffpensationes; und die, wegen des Ehebruches, ergangene Verordnung erweclete in einem Lande, welches den geistlichen Stand sehr hochschatzet, und unter einem an dergleichen Freyheiten nicht gewöhneten Volke, ein allgemeines Mißvergnügen: welches man aus den häufig an das Licht getretenen Schmaheschriften deutlich genug abnehmen kvilte. Unter dem gemeinen Volke, und besonders unter den Matrosen, entstand eine Gahrnng, welche einen Aufruhr befürchten ließ; und bey der Garde brach die Unzufriedenheit öffentlich ans.— Vielleicht mochte der damalige Graf von Struensee, bey vielen neuen Einrichtungen, die besten

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Absichten haben: aber die von ihm eingefuhreten Veränderungen waren nicht Mir gehöriger Klugheit eingefädelt. Sie folgeren zu geschwinde auf einander; und wurden nicht behutsam genug ausgeführek. Bey der schon auf sich gezogenen Mißgunst derer entferneten Minister, welche sämtlich aus alten dänischen Familien herstammeten, und also einen großen Anhang im Lande hatten, unterließ er noch, sich die Liebe des Militarstandcs zu erwerben — eines Standes, ohne dessen Unterstützung nicht leicht große Entwürfe ausgeführet werden. Man durfte demnach eben nicht der Scharfsichtigesie seyn, um eine große Veränderung schon in der Nahe zu entdecken. Alles verküudigete die wichtige Begebenheit, welche am 17ten Januar 1772 obgleich auf eine fehlgeschlagene Art, und wieder alles Vermuthm der beyden Hauptpersonen) auch würcklich erfolgete. Schon einige Wochen vorher wurden die Wachen, und die Bedeckung des königlichen Hauses verstärket. Der Artillerie wurde befohlen, beständig zehen scharf geladene Stücke in Bereitschaft zu hallen. Ja, Gtrucufte ließ die größesten Kanonen aus dem Zeughause auf die Walle, vor die Wachhäuser, und au die Stadtthore fuhren, und scharf Mit Kartätschen laden. Die Kanonen auf den Wällen wurden alle Abende, nach dein Zapfenstreich, so gegen die Stadt gerichtet, daß man die Sassen mit den-

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selben bestreichen fonte. Jeder Soldat empfieng 36 Patronen, und man sähe Tag, und Nacht Patrouilles auf den Gassen. Selbst auf dem Schloße wurden scharf geladene Kanonen hingcpsianztt. Diese fürchterliche Anstalten erregeten, bey allen Einwohnern in Copenhagen, ein nicht geringes Erstaunen. Einer fürchtete sich, vor dem anderen; und jeder gieng mit Furcht auf der Gasse, und legete sich mit banger Angst zu Bette. Den König selbst, zu welchem jeder, der ihn sprechen wolte, Mit einer Wache von zwey Soldaten geführt wurde, befremdeten diese ungewöhnliche Anstalten. Er fragete den Grafen Struensee (denn sonst war Niemand bey ihm) wozu alle diese fürchterliche Vorkehrungen dienen selten? — und dieser antwortete ihn: „Es geschähe alles zur Beschutzung der teueren Person des Königes. Denn alle Untcrthanen waren gegen Se. Majestät aufgebracht. Man befürchte daher, es möchte Sr. Majestät das Schicksal des unglücklichen Derer des gren, in Rußland begegenen." — Als der König die-

ses horete, schlug er die Hande zusanrmen, und tief aus: „Mein Gott! was habe ich denn Bokses gethan, daß mich meine lieben, und getreuen Untertanen so hassen?" — Struensee führete verschiedenes an. Besonders (sagete er) gefalle dem Volke die ausserordentliche Steuer nicht, welche doch vor der Hand nicht geanderet wer-

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den könne. Der Monarch war hierüber sehr betrübt. — Indessen versageten Struensee, und Brand jedem Patrioten den Zutritt zu deur Könige; und wenn jemand vor denselben gelassen werden müsse: so war derselbe auch gezwungen, seine Cache kurz zu fassen, und sich sogleich wieder zu entfernen. Zulezt müsse jeder sein Anbringen schriftlich eingeben, und erhielt auch eine schriftliche Antwort. Alle Briefe an den König mußten an den Grafen Struensee abgegeben werden; und von diesem wurden sie dem Könige entsiegelt eingehändiget. Struensee und Brand waren beständig um den König. Jener gieng schon zu Sr. Majestät, ehe Dieselben noch ausgeschlafen hatten, und verließ den König nicht eher, als bis er zur Ruhe war. In wahrender Zeit, daß Struensee den dem Könige war, hielt sich Brand im Vorzimmer auf; und wenn etwa» einer von ihnen abwesend styn musse: so wurde der Wache, und den Bedienten, bey Vermeidung der höchsten Ungnade, verbothen, niemanden, wer er auch fen, sich dem Zimmer des Königes nähern zu lassen; weil Sr. Majestät sich nicht wohl befänden. Wollte der König ausfahren, oder reiten, und Struensee, und Brand fanden es nicht für rathsam; so wüsten sie dem Könige Ärzeneyen beyzubnttgen, nach welchen er sich übel befinden, und zu Hause bleiben muste.

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Man saget, daß des Königes Gesundheit dadurch merklich gefchwachet worden sey. Konten sie es aber nicht verhüten, daß der König ausfuhr, oder sich mit dein Reiten eine Bewegung inachete: so waren sie doch an seiner Seite; und eine starke Escorte hatte den König umringet, daß Niemand zu ihm treten konte. Dieses Verfahren fetzeten sie so lange fort, bis sie endlich, nachdem sie sich schon, in zweyen Nachten, vergebens bemühet hatten, ihre Anschläge zu vollziehen, die merkwürdige, für Dannemarck unvergeßliche Nacht, vom 16ken auf den 17ten Januar 1772, zur Ausführung ihres Vorhabens bcstinnneten; und solches einigen zu ihrer Unterstützung nötigen Herrn (den Generalmajor von Eichstädt, und den Obersten von Köller ausgenommen) entdekketen. Am i4ten Januar wurde demnach der Generalmajor von Eichstädt zur königlichen Tafel eingeladen; und er erschien auch. Nach aufgehobener Tafel rief ihn der Graf Struensee in «in Nebenzimmer, legete ihm, in Gegenwart einer hohen Person, den ganzen Plan vor; erklarete ihm denselben; forderte ihn, und sein Regiment, juin Beystande auf; und gab ihm Len Auftrag, dem Obersten von Roller, im Namen einer hohen Person, und in seinem Namen, eben denselben Plan, und Befehl mitzuteilen: damit derselbe sich ebenfalls mit seinem Regiment, zur bestimme-

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ten Zeit, bereit halten fonte, um, wenn man an Len König die letzte Hand geleget hatte, und etwan die Einwohner von, und ausserhalb Copenhagen, der Königin Carolina Maehilva, als regierenden Königin, und ihm, dem Grafen Struensee, als Mitregeutett, nicht sogleich huldigen, oder eine Empörung erregen Wolken, ihnen Mit ge- waffeneter Hand beyzustehen; über welches alles die anderen Officiers nähere Verhaltungsbefehle empfangen wurden. Zugleich wurde dem Generalmajor von Eichstädt befohlen, nicht eher, als nach erhaltener Erlaubniß, vom Schlosse zu gehen. Dieser rechtschaffene Officier muste versprechen, jene Befehle auf das genaueste zu erfüllen; und er nahm dabey den Schein der aufrichtigesten Treue an. Dieses gereichete dem Struensee, welcher seine kühnen Entwürfe schon für vollzogen hielt, zu einem ausserordentlichen Vergnügen.

Am 16ten Januar, des Abends, wurde in dem französischen Comödienhause ein Ball en Domino gehalten, und mit demselben der Anfang zu den Winterlustbarkeiten in Copenhagen gemachet, wohin sich der König, nebst der Königin, am 9ten Januar begeben hatte. Die Gesellschaft war sehr zahlreich. Der König erlustigete sich einige Zeit mit Tanzen. Hierauf spieleten Se. Majestät mit dent Generallieutenant von Gähler, mit dessen

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Gemahlin, und mit dem Justizrathe Struensee, alteren Bruder des Cabinetsmmistcrs, Quadrille. Um Mitternacht horete der König auf, zu spielen; und erhob sich in sein Schlafzimmer; worauf auch die übrige Gesellschaft auseinander gicng.

Nunmehr solte die lezte Hand an ein Werk geleget werden, welches, wenn es gelungen wäre, die Welt in ein Erstaunen gesetzet haben würde. Die Nacht vom 16ten, zum 17ten Januar, war zur Vollendung desselben vorzüglich bequem, weil, wegen des Balles, die Wachen des Schloßes ohnedies verdoppelt waren, und das Falstersche Regiment zu Fuß, dessen Chef der Oberste von Röller war, an diesem Tage die Wache auf dem Schloße, und auf allen Posten, in der Stadt, hatte. Die Vorsehung aber hatte es sich Vorbehalten, alle dabey gebrauchte Vorsicht zu vereitelen. Ihr erstes Werkzeug hierzu war der Generalmajor von EichstLr. Dieser würdige Patriot, dem Vielleicht noch die Enkel der jetzigen Danen Ehrensäulen bauen werden, erhielt den Befehl, unter wahrendem Ball zu Hause zu fahren, und die nötigen Ordres zu erteilen. Er war aber kaum in sein Zimmer getreten, als er alle seine Bedienten von sich schickete, sich heimlich umkleidete/ unvermerkt aus seinem Hause schlich, sich zu dem Generallieutenant, Reichsgrafen von Ranrau zu Aschberg, verfüge-

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te, und demselben das ganze Geheimnis entdeckete. Dieser gerieth darüber in die großeste Bestürzung; er faßete sich aber sogleich Wieder, und begab sich, mit dem Generalmajor von Eichstädt unverzüglich zu der verwiftweten Königin Juliana Maria, Und zu dem Erbprinzen Friederich, um diesen beydn hohen Personen den schwarzen Anschlag des Struensee zu verrathen. Es wurde auch zu dem Obersten von Rätter, und zu dem Grafen von Oer Osten geschickt, um selbige rufen zu lassen. Als diese vier ruhmwürdige Männer, der Genes ralticutenant, Reichsgraf von Ranrgn zu Aschberg, der Generalmajor von Eichstädt, der Oberste von Köller, und der geheime Rath, Graf von der Osten, beysammen waren, und der verw itweten Königin, wie auch dem Erbprinzen, welche beyde, durch die ihnen Hinterbrachte Nachricht, in ein Schrecken gesetzet waren, nicht nur Muth zugefprochen, sondern auch die Möglichkeit, den ganzen abscheulichen Plan des Srruecsce auf einmal zu zerreißen, gezeiget hatten, bath sich der Graf von Ranzau Papier, Dinte, und Feder aus, und schrieb die nötigen, auf die bevorsieheirde Veränderung sich beziehenden Befehle. Gegen vier Uhr, des Morgens, waren diese Befehle, bis zur Unterschrift des Königes, fertig. Hierauf begaben sich die verwittwcte Königin, Julian» Maria, Stiefmutter des Königes, und der Erbprinz Frie-

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drich, Halbbruder des Königes, von obengenenneten vier Patrioten begleitet, nach dem Zimmer des Königes, und befahlen dem Kammerdiener Burghell, den König aufzuwecken. Als sie in das königliche Zimmer traten, schlug der König den Vorhang von seinem Bette weg, und sagete! „Mein Gott! was wollen Sie?" — Die ver wittwete Königin antwortete ihm: „Ihre Majestät, mein Sohn! fürchten Sie Sich nicht. Sie sehen uns hier nicht, als Feinde, sondern als Ihre

wahre Freunde; und wir kommen — —" Hier

fieng sie an, häufige Thränen zu vergießen. Der Erbprinz Friederich, und der Graf von Ranrau nahmen das Work; Pind erzahleten dem Könige die ganze Sache. Der Graf von Ranzau zog, nachdem er dem Könige mit Vieler Bescheidenheit, und mit einem lebhaften Eifer für die Erhaltung Sr. Majestät, zu verstehen gegeben hatte, daß kein Augenblick zu versäumen sey, die ausgescrtigeten Befehle aus der Tasche hervor, und legete selbige dem Könige zur Unterschrift hin. Se. Majestät schienen, Sich noch zu bedencken; und sageten: „Mein Gott! dies wird ganze Ströme von Blut kosten." — Der Graf von Ranzau versicheretc den König, daß er alle Gefahr auf sich nehmen, und dem Blutvergießen, auf alle mögliche Art, Vorbeugen wolle. Die verwittwete Königin, der Erbprinz Friederich, und die übri-

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gen Anwesenden, bathen ebenfalls den König, keine Zeit zu verliehren: worauf der König sich entschloß, die ihm vorgelegeten Befehle zu unterschreiben; obgleich die dem Monarchen angebohrene Menschenliebe ihm die Hand zurück zu halten schien.

Die von dem Könige unterschriebene Befehle wurden also an verschiedene Officiers von dem Erchstädtlschen und Röllerschen Regiment, zur Befolgung, ausgeteilet; und es war nur noch der einzige Befehl notig, vermöge dessen eine hohe Person in Sicherheit gebracht werden sollte. Man überließ es dem Könige, denselben eigenhändig auszufertigen. Der Monarch ließ dabey einige Rührungen merken, und trug die Ausführung des von ihm geschriebenen Befehles dem Reichsgrafen von Rantzau auf. Der Generalmajor von Eichstädt, Chef des in Copenhagen stehenden Seclandischen Dragoncrregimenks, wurde, an die Stelle des Generalmajor von Gude, durch einen vom Könige eigenhändig unterzeicheneten Befehl zum Commendanten von Copenhagen ers nennet, und demselben zugleich befohlen, zur Ge- fangennehmung der ihm bewußten Personen solche Anstalten zu tressen, daß derselben keine Hinderniß in den Weg geleget werden könne. Dieser General fetzete sich sogleich an die Spitze

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eines Detachement Dragoner von dem Seelandischen Regiment; machete allen die Wache habenden Officiers seine Ernennung zum Commendanten bekannt; schickte hinlängliche Patrouilles, zur Sicherheit der Straßen, aus; verstärkte die Schloßwache mit 40 Mann von der Artillerie; und ließ alle Hauptthüren, und Zugänge, besonders zu des Königes Zimmer, mit Wachen besezzen. Als dieses geschehen war, wurden der Graf Struensee, und sein Bruder der Justizrath, der Graf Brand, der Generalmajor von Gude, gewesener Commendant, nebst seiner Gemahlin, und der Generallieurenant von Gähler, mit seiner Gemahlin, in Verhaft genommen, und jeder an einen besonderen Ort auf die Citadelle gebracht. Die Gefaugennehmung des Grafen Srruenscr wurde dem Obersten, und Chef des Falsterschen Regiments, von Roller, aufgetragen. Er gieng daher, von den Hauptleuten von iNalville, von Franck, und von Eiben begleitet, nach dem Pallaste des Grafen Struensee, und kundigere demselben alt, daß er von dem Könige bei, Befehl erhalten habe, ihn in Verhaft zu nehmen. Struensee fragete ihn: ob er wohl wisse, was er spreche; und wem er diesen Befehl ankändige? Der Oberste antwortete ihm: „Ja, ich weiß es wohl, wer Sie sind. Sie waren Graf, und Cabmets minister, über jetzt sind Sie mein Gefange-

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ner." — Der Graf Struensee, welcher nur Zeit zu gewinnen sucheke, wollte den schriftlichen Befehl des Königes sehen; da es aber dem Obersten von Böller nur mündlich befohlen worden war, den Grafen Struensee gefänglich einzuziehen: so gab dieser dem Struensee zur Antwort: „Ich kann Ihnen zwar keine schriftliche Ordre vorzeigen: aber ich siehe mit meinem Kopfe davor, daß mir der Befehl vom Könige gegeben worden, Sie zu arretiren." — Der Graf wollte sich dennoch nicht ergeben. Der Oberste setzte ihm den Degen auf die Brust, und sagete in einem sehr ernsthaften Tone zu ihm: „Ich habe Ordre, Eie entweder lebendig, oder todt, zu bringen." — Struensee sanck ohnmächtig auf seinen Sofa nieder. Als er sich wieder erholet hatte, verlängere er eine Schaale Chocolate; sie wurde ihm aber abgeschlagen. Hierauf forderete er sein Etuis, welches ihm ebenfalls versaget wurde. Der Oberste rieth ihm, sich nicht lange aufzuhalten, sondern zu eilen, daß er noch, vor dem Anbruche des Tages, aus seinem Pallast komme; weil er ihn sonst, vor der Wuth des erbittereten Pöbels, nicht wurde beschützen können. Er bequemere sich also, dem Nathe des Obersten zu folgen; und sein Zimmer, nachdem er sich noch einige mal in demselben, besonders nach einem gewissen Gemälde, umgesehen hatte, zu ver-

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lassen. Im Weggehen fluchete er liber seinen Cammerdieuer, daß derselbe vergessen habe, ihm seinen Peis mitzugeben; stieg mit den Zähnen knirschend in die zu feiner Hinwegbringung herbcygeholcte Miethskutsche; und wurde nach der Citadelle gebracht. Als er aus dem Wagen stieg, bath er, man möchte dem Kutscher ein Trinkgeld geben. Der Oberste von Köller gab demselben einen Thaler. Der Miethskutscher bedankete sich, und sagete, auf gut Dänisch: "Ich hakte es auch wohl umsonst gethan,“ — Struensee wurde hierauf zu dem Commendanten der Festung gebracht, um bey demselben gemeldet zu werden. Er fiuchete, als er bey demselben ankam, entsetzlich: der Commendant aber hieß ihn schweigen. Don dem Coinmendanten wurde er auf die Citadelle, in das fur ihn bestimmete Gefangniß, in welchem der bekannte Norcros so lange gesessen hat, gebracht. Er machete, bey dem Eintritte in dasselbe, große Augen, und fragete den ihn begleitenden Officier: „Wo sind meine Bedienten?" — Der Officier antwortete ihm: „Ich habe nicht gesehen, daß Ihnen einer von Ihren Bedienten gefolget fey.“ — „Aber mein Secrétaire?"— „Der ist auch nicht hier." — „Meisten Pelz muß ich haben. Zum Hencker, es ist hier ja kalt! — und ich habe nicht Lust, zu ers frieren,“ — Bey der Erblickung eines schlech-

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lett hölzernen Stuhles sagete er: „Was soll die- ser elende Stuhl hier? Man bringe mir melonen Sofa her!" — Der Officier erwiederete mit einer frostigen Mine: „Mein Hert! hier ist nichts zu Ihren Diensten, als ein Nachtgeschirt." — Durch diese Antwort gerieth er in die äußerste Wuth; schlug beyde Arme zusammen; und lief mit dem Kopfe gegen die Wand, um sich die Hirnschale zu zerschmetteren: aber die Wache eis lete Herbey, und hinderete ihn an seinem vers ziveifelungsvollen Vorhaben. Der Officier, welcher die Wache bey ihm Hatte, berichtete fein Betragen, welches ihm die Unbequemlichkeit zuzog, daß er, mitten in dem Gefängnisse, an Handen, und Füßen, auf dem Fußboden, angeschlosisen wurde, damit er sich keinen Schadenzufügen fonte, Dieses verdroß ihn mehr, als alle übrige Vegegenungen; und er rief zornig aus: „Man tractirt mich ja en Canaille."

Der Graf Brand mochte vielleicht, durch seine Leute/benachrichtiget worden seyn, daß ein Officier mit einer Wache im Hause sey: denn er verschloß sich in seinem Zimmer. Als der Officier, welcher von dem Seelandischen Dragoner? regimente war, die Thüre verschlossen fand, rief er dem Grafen Brand zu: er möchte sich, wie rin vernünftiger Mann, betragen, und die Thüre

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aufmache; sonst müste er sie erbrechen lassen. Hierauf öffenete er die Thürc, und weite sich mit dem Degen in der Hand, verteidigen. Als ihn aber die Wache anfiel, um ihn zu entwaskeneu, warf er den Degen von sich, turd sagete: „Das muß ein Mißverständniß seyn. Ich bin ein Staatsminister; und ich habe nichts ver- brochen, weshalb man mich arretireu könte." — Der Officier zeigere ihm in dem bey sich habenden Befehl, seinen Vornamen; und antwortete ihm: ,,Es ist kein Mißverstand,iiß. Kommen „Sie nur mit. Das Uebrige wird sich wohl fin- den." — Er beugete sich unter sein Schicksal, und wurde auf die Citadelle Fciedcrichshafen gebracht. Als er daselbst in des Commendanten, des General von -Howen, Behausung abgetreten war, machete er dem Commendanten ein besonderes Compliment: „Mein Hert! (sagete er zu demselben) nehmen. Sie es nicht übel, daß ich Sie schon so früh incommodire." — „Gar nicht, mein Hert! (antwortete der Commendant) man hat Sie hier schon laugst erwartet." — Hierauf gieng der Graf Brand in dem Zimmer auf und nieder; sähe sich überall um; sang eine italienische Arie, und sagete endlich: „Hier sind, bey meiner Seele! hübsche Zimmer im Casteel." — „Ja, mein Hert! (erWiederete der Commendant) Sie werden aber

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noch schönere Zimmer zu sehen bekommen.“ — Nach einigen Augenblicken wurde ihm sein Gefängniß angewiesen. Es war ziemlich dunkel. Als er in dasselbe hineintrat, fieng er in einem scherzhaften Tone zu seinen Begleitern an: „Bey meiner Treue! der Commendant hat wargesaget." —

Unterdessen hatte der Oberste von Köller sich auch zu dem Generallieutenant von Gähler verfüget, um demselben, und seiner Gemahlin, den königlichen Befehl vorzuzeigen, und beyde in Verhaft zu nehmen. Die Gemahlin des Generallieutenant, weiche im bloßen Hemde aus dem Bette gesprungen war, wolte durch eine Hinterthüre entfliehen; sie fand aber selbige mit zwey Dragonern besetzet; und wurde, nebst ihrem Gemahl, auf die Citadelle gebracht. Sie ist aber nachher, weil man sie unschuldig gefunden hat, wieder loßgelassen worden. — Der Cammerherr, und Oberste von Falkenskiold, der Contreadmiral Hansen, der Etatsrath Willebrand, der Justizrath Struensee, der Lieutenant Struensee, Brüder des Grafen, der Leibmedicns, und Professor Berger, der Stallmeister/ Freyherr von Bülow, der Oberstlieutenant Haßelberg, und der Lieutenant vom Seestaat Abor wurden teils auf die Citadelle Friederichshafen, teils nach dem Schifsholm, teils auf die Hauptwache, teils nach ande-

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ren Verwahrungsplätzen gebracht. Der gewesene Commendant von Copenhagen, und Generalmajor Gude, einige Cabinetssecretairs, und andere mehr, wurden in ihren Häusern bewachet. Alles dieses wurde mit so großer Geschwindigkeit vollzogen, daß schon um fünf Uhr des Morgens alle Staatsgefangene in sicherer Verwahrung waren.

Dem Generallieutenant, Grafen von Rantzau Ascheberg, war aufgetragen worden, sich zu der regierenden Königin zu begeben, und sie bis an den Wagen zu begleiten, in welchem sie nach dem Schlosse Kronenburg, bey Helsingör, fahren sollte. Er gieng daher mit dem von dem Könige eigenhändig geschriebenen Befehle, von dem geheimen Rathe, Grafen von der Osten, und von drey Officiers begleitet, unangemeldet in das Zimmer dieser hohen Person, welche im Bette lag. Sie schlug den Vorhang ihres Bettes zurück, und fragete: „Wer ist da? Ha, sind Sie es doch, Monsieur Rantzau! Wir stehen die Sachen? Wo sind Struensee, und Brand?" Ohne ihr auf diese Fragen zu antworten, übergab ihr der Generallieutenaut, im Namen des Königes, den bey sich habenden Befehl. Sie las denselben, mit großer Bestürtzung, und sagete zu dem Grafen von Rantzau: „Was? Er will mich ar- retiren? Das soll ihm den Kopf kosten. Wo

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find Struensee, und Brand?" — "Sie sitzen schon (antwortete der Graf) in sicherer Verwahrung auf der Citadelle." — Als er ihr hierauf im Namen des Königes, nochmals den Arrest ankündigete, sprang sie erbost aus dem Bette, und lief unangekleidet in dem Zimmer auf und nieder. Der Graf hielt den Hut vor die Augen, und bath sie, sich ankleiden zu lassen; weil er sonst gezwungen wäre, Anstalten zu ihrem Ankleiden zu machen. Er rief auch einige Kammerfrauens herein, von welchen die eine ihr einen Rock überwarf. Die Königin hieng sich selbst eine Enveloppe um, und wollte, eine verborgene Treppe hinab, die Flucht ergreifen. Aber die Treppe war mir einer Wache von zwey Dragonern besetzet. Sie muste also wieder in das Zimmer zurückgehen: und der Graf führete sie, nachdem man ihr noch einige Kleidungsstücke angeleget hatte, in Begleitung der Lieutenants Bay, Pech und Oldenburg, bis an den auf sie schon wartenden Wagen. Die Königin nahm die am 11ten Julius 1771 gebohrene Prinzeßin, Louise Auguste, welche sie noch stillete, und die Hofdame, das Fräulein von Mösting, mit in den Wagen. Die Hofdame setzete sich neben die Königin, und hatte die Prinzeßin auf dem Schooße. Der Oberwachtmeister von dem seeländischen Dragonerregimente, Holte von Karstenschiold, setzete sich mit

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entblößetem Degen, rückwerts, und brachte die Königin, unter einer Bedeckung von 30 Dragonern, nach Kronenburg.

Das Bolk erfuhr diese ausserordentlichen Begebenheiten, welche sich, in einer Zeit von ohn- gefehr zwey Stunden, angefangen, und auch ge- endiget hatten, erst mit dem Anbruche des Tages. Denn obgleich schon gegen 6 Uhr die ganze Begebenheit vorbey war; und obgleich die meisten Einwohner in Copenhagen durch das viele Fahren, und Reiten munter, und aufmerksam gemachet worden: so wagete es doch niemand, vor Tage aus dem Hause zu gehen. So bald aber der Tag anbrach, und das Gerücht von einem so unerwarteten Vorfalle sich in der Stadt ausbreitete, stürzeten die Menschen häufig aus den Hausern hervor; und jeder gab seine Freude, auf die lebhafteste Art, zu erkennen. Mitten unter diesen allgemeinen Freudenbezeugungen erfüllete eine Nachricht, welche ein wildes Schrecken verursachete, die ganze Stadt. Es hieß: dem Könige sey ein unangenemer Zufall begegenet. Das Volck, welches seinen König recht patriotisch liebet, versammelete sich, in zahlreicher Menge, auf dem Schloßplatze; und es wurde nicht eher wieder ruhig, als bis sich der König, von der verwittweten Königin Juliana Maria, und von dem Erbprinzen

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Friederich begleitet, auf dem Balcon des Schlosses sehen ließ. Bey dem Anblicke des Monarchen rief das Volck, in weitumherschallenden Jubeltönen: Es lebe der König! — Was sonst noch an diesem merkwürdigen Tage, vorgieng — die ausschweifende Freude des Volkes, die aus selbiger entstandene Zerstöhrung einiger Häuser, und die dagegen vom Hofe vorgekehrten Anstalten, übergehe ich mit Stillschweigen; und wende mich wieder zu den beyden Hauptgegenständen dieser Beschreibung — zu den Grafen Struensee, und Brand.

Struensee muß vermuthlich in seinem Gewissen überzeuget gewesen seyn, daß er ein schweres Verbrechen begangen habe, und daß man ihm eine empfindliche Strafe zuerkennen werde: denn er hat verschiedene Versuche gemacht, sich, durch einen heimlichen Selbstmord, die Schande, und den Schmerz einer öffentlichen Hinrichtung zu ersparen. Er war kaum eine halbe Stunde in seinem Gefängnisse, als er sich stellete, als wenn er heftige Zahnschmerzen hätte, und recht beweglich bath, jemanden auf sein ehemaliges Cabinet zu schicken, und ihm ein daselbst vor dem Fenster liegendes, die Zahnschmerzen stillendes Pulver hohlen zu lassen. Man ließ das Pulver hohlen; der Etatsrath, und Leibmedicus Berger aber, welcher

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es untersuchen muste, fand, daß es ein starkes Gift war. Daher ihm weder dieses, noch ein anderes Zahnpulver, gegeben wurde. Als ihm dieser Versuch mißgelungen war, wolte er sich sein Leben, durch den Hunger, verkürzen. Er nahm weder Speise, noch Tranck, zu sich. Einige Tage ließ man ihm seinen Willen, weil man glaubete, er hätte keinen Appetit, und der Mangel des Appetits wäre eine natürliche Folge des ihm begegeneten unangenehmen Zufalles. Sobald man aber seine Absicht merkete, wurde er mit Gewalt zum Essen, und Trincken gezwungen. Man gab ihm aber weder Löffel, noch Messer, noch Gabel; sondern das Essen wurde ihm geschnitten, und in den Mund gegeben. Dieses ließ er sich ein Paar Tage gefallen. Endlich versprach er, sich vernünftiger aufzuführen; und ließ um ein gelinderes Verfahren bitten. Seine Bitte wurde auch in so weit erhöret, daß er kreuzweise geschloffen, ihm eine an die Wand befestigere drey Ellen lange Kette an das Bette geleget, auch ein Bette, auf welchem er ganz bequem liegen konte, gegeben wurde. Uebrigens hatte er