Wolf Christian Matthiae Dännemarks glückliche Aussicht in die Zukunft bey seinem jetzigen Dankfeste. Am 1sten December, als dem allerhöchstverordneten allgemeinen Dank-und Bet-Tage, seiner Gemeine vorgestellet […] an der Christ- und Garnisons-Kirche in Rendsburg.

Dännemarks

glückliche Aussicht in die Zukunft

bey seinem

jetzigen Dankfeste.

Am

Titten December,

als dem

atterhöchstverordneten allgemeinen

Dank - und Bet - Tage .

seiner Gemeine vorgestellet von

Wolf Christian Matthiae,

Compastoren an der Christ- und Garnisons-Kirche in Rendsburg.

Hamburg,

gedruckt den Heinrich Christian Grund, 1773.

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Uhristian dem Siebendem, Seinem Könige,

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mit

den treuesten Wünschen

für

des Zömges,

des Königlichen Hanfes

und

des Landes

Wohlfahrt,

übergeben.

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I. N. I. A.

Wenn wir Dankfeste über blus rige Siege, verwüstete Pro- vinzen, und eingeäscherte Städte ausnehmen: so werden wenige Lander seyn, die in dem Zeit- raume eines Menschenalters, so viele geseyert hätten, als die Dänischen Lande. Ein Beweis, M.G.Z! daß Gott diesen Landen vor andern Gutes gethan, aber ihnen auch Könige gegeben habe, die es erkennen, daß alles Gute von ihm komme, und ihm dafür Preis und Ehre gebühre. Unserm Mntötl'lch war es von der Vorsehung beschieden, auf dem Throne Seiner Vater zu sitzen, als

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dreyhundert Jahre verflossen waren, nachDem der erste aus Seinem Hause Ihn bestiegen hakte, und als ein Jahrhundert verflossen war, nachdem Er und Seine Vorfahren unumschränkt auf demselben geherrscht. Ihm gelang es, Seinem Lande den Frieden zu erhalten, als die Flamme des Krieges sich längs dessen Grenzen ausbreitcte; Ihn auch da noch zu erhalten, als Er zu Seiner Vcrtheidigung schon selbst das Schwerdt zucken mußte. Bey jedem dieser großen Vorfälle, rief Er Seinem Volke zu: Kommt! lasset uns anbeten, knien, und niederfallen vor dem Herrn, der uns dieses Gute gethan hat! gehet ein zu seinen Thoren mit Danken! kommet in seine Vorhöfe mit Loben! Heute ist es auch schon zum dritr tenmale, daß uns unser Christian befiehlst, Dank und Gebet dem Herrn in seinem Heiligthume zu bringen. Unter unserm dffentlichen Gebete wollte Er Seine Regierung über uns anfangen. Und als Er Sich, Sein Haus und Sein Volk aus einer drohenden Gefahr errettet sähe: sollten wir mit Ihm dem Herrn für die Hülfe danken, die er geschaffct hatte.

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Nun da Ei siehst, daß Gott Seine Regierung auf mancherley Art segnet: so verlanget Er abermals, daß wir mit Seiner Freude die unsrige vereinigen, und sie durch Dank und Gebet heiligen sollen. So wie sich aber unser Land durch die Menge seiner Dankfesie von andern Ländern unterscheidet: so unterscheidet sich auch das gegenwärtige Dankfeft von den vorhergehenden darinn, daß wir es mit einer bessern Hoffnung für die Zukunft feyern können. Wie viele Ursache wir auch hatten, bey jenen froh zu seyn: so mischte sich doch immer in die Empfindung unserer Freude, das Gefühl von dem Drucke einer innern Landplage, und die Beforgniß eines auswärtigen Krieges, die uns nicht mit solchen hoffnungsvollen Blicken, als jeht, in die Zukunft hinausschaucn ließen. Auf diese bessere Hoffnung für die Zukunft bey unserm jetzigen Dankfesie, dem unterscheidenden desselben von den vorhergehenden, wollen wir an demselben merken, durch dieselbe unfern Dank und unsere Freude verstärken, aber uns auch ermuntern lassen, zu thun, was uns

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als Christen oblieget, damit eine so gute Hosknung nicht zu Schanden werde. Gott aber, der unsere Herzen mit Freude erfüllet, und bey derselben noch eine so gute Hoffnung gegeben hat, der mache uns von Herzen dankbar, und seinem Willen gehorsam, damit ihn nicht reue des Guten, das er uns zu thutt vor hak. Er segne dazu sein Wort, das in der gegenwärtigen Stunde verkündiget wird! und schaske, daß unser Dankfest solche Frucht der Gerechtigkeit bringe! Er erhöre uns UM Jesu willen. Vater Unser, rc.

Text.

Psalm 125.

ewiglich bleiben/ wie der Berg Zion. Um Jerusalem her sind Berge: und der Hert ist um sein Volk her/ von nun an

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bis in Ewigkeit. Denn der Gottlosen Scepter wird nicht bleiben über dem Häuflein der Gerechten, auf daß die Gerechten ihre Hand nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit. Hert, thue wohl den guten und frommen Herzen. Die aber abweichen auf ihre krummen Wege/ wird der Hert wegtreiben mit den Uebelthatern: aber Friede sey über Israel.

* * *

Dännemarks glückliche Aussicht in die Zukunft bey seinem jetzigen Dankfeste, oder unsere Hosk nung guter Zeiten,

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wollen wir erwägen: die belebe unsere Freude! vermehre unfern Dank! ermuntere uns zur Gottseligkeit und zum Gebete! lieber unsere Hoffnung für die künftigen Zeiten wollen wir zuerst, nach bloß menschlichem Ansehen urtheilen, und bemerken,

daß die Ursachen, warum wir das gegenwärtige Dankfest vornehmlich feyern, uns allerdings gute Zeiten hoffen lassen.

Wir wollen aber auch darauf mit einander überlegen,

was wir, als solche, die von Gott gelehret sind, thun müssen, damit unsere Hoffnung bestätiget werde:

Und hier wollen wir uns merken, daß sie sich mehr auf Gott, als auf diese Umstände der Zeit gründen, durch wahre Frömmigkeit

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bevestiget, und Lurch Gebet zu ihrer Erfüllung gebracht werden müsse. Ja, auf Len Herrn müssen wir trauen, bey wahrer Frömmigkeit uns feines Segens getrosten, und dann beten:

Gott! uns segne! nie ermüde, *

Das Volk zu schützen, das dich ehrt.

Und über unser Land sey Friede!

Dein Friede, welcher ewig wahrt.

as gegenwärtige Jahr, M. C. Z! das

sich durch große und unerwartete Begebenheiten in der Geschichte mehr als eines Landes auSzeichnet, muß insbesondere den Dänischen Landen zu ewigen Zeiten merkwürdig und im gesegneten Andenken bleiben. Die Ursachen, um deren willen wir unser jetziges Dankfest feyern, fordern es. Sie sind so wichtig, unserer Freude, unsers Dankes so würdig! Zweyc derselben haben wir langst gewünschet: die dritte zwar nicht so lange; aber desto sehnlicher. Seit ver-

* Lramers poetische Uebersetzung der Psalmen, 3. Theil, pag. 42.

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schiedenen Jahren drückte uns in der verderblichen Viehseuche ehre allgemeine Landplage, und sie drückte uns um so härter, da sie das Hauptgcwerbe unsers Vaterlandes, den größten Rcichthum desselben angrisk. Was ward nicht.ersonnen, um ihr zu wehren? Aber alles vergebens! denn der Hert hatte ihr geboten, um sich zu greifen, und wohin sie grisk, niederzustürzen und zu lödten. Sie rührte wohl eine Zeitlang hier oder dort, aber sie ruhete nur, tun entweder hier oder dort desto heftiger zu wüthen. Nach der Erfahrung so vieler Jahre, nach so manchen vergeblichen Bemühungen, ihr Einhalt zu thun, hatten wir fast schon alle Hoffnung verlohren, je von ihr befteyet zu werden. Aber Gott hatte andere Gedanken über uns. Er gebot der Seuche, aufzuhören. Wir hörctcn feine Stimme nicht, als er diesen so gesegneten Befehl gab: wir erkannten es erst aus dem Erfolg, daß er ihn gegeben habe: wir glaubten es kaum, wir fürchteten noch, wir zitterten noch, als uns schon der Hert geholfen hatte. Der erhöhcte Preis der Lebens-

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mittel war eine natürliche Folge jener Landplage, und durch den Mißwachs zweyer bis dreyer Jahre ward derselbe noch mehr erhöhet. Da stieg die Theurung, und breitete Armuth, und Elend, und Sorge, und Furcht, und Angst, und Wehklagen weit aus, Wer ist unter uns, der ihre Last nicht gefühlet? wie viele sind dagegen, die in derselben ihr Vermögen zugesetzet, ihre Nahrung verkehren haben, und zu Grunde gerichtet sind? Müssen wir es gleich zum Preise unsers treuen Gottes bekennender habe uns ernähret in der Theurung: so Psalm 33, müssen wir doch auch mit Demuth klagen, 19. es waren harte, es waren drückende Jahre.

Der Hert unser Gott hat auch hier geholfen. Das Land gab dieses Jahr sein Gewächs reichlich, übertraf unsere Erwartungen. Gott gab Regen und Sonnen-Ap. Gesch, schein, erfüllete unsere Herzen mit Speise 14, 17. und Freude. Häuser und Scheunen sind voll, und der in ihnen zusammen gepressete Segen wartet nur, daß seine Besitzer andere an demselben Theil nehmen lassen.

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Ein mächtiges Haus, das ans unserm Königlichem entsprungen ist, aber durch eine unglückliche Zwietracht viele Jahre von demselben getrennet war, machte große Ansprüche an dasselbe: und wir mußten immer besorgen, daß es sie in einem verwüstenden Kriege geltend machete. Dessen an uns grenzende Länder setzeten eine Scheide, wo die Natur keine gesehet hat. Zu wie vielen einheimischen Kriegen hat nicht dieses zu unserer Vater Zeiten Anlaß gegeben? wie traurig war es doch, daß ein Nachbar wider den andern stritte, Verwandte gegen Verwandte fochten, und Brüder Brüder würgeten? daß so,viele Ströme Dänischen und Holsteinischen Blutes im Vakerlande flössen? — Doch hinweg mit dem Andenken dieser unglücklichen Zeiten! ihrer werde nur noch gedacht, die gegenwärtigen besseren desto mehr zu schaßen! Sie sind getilgt jene Ansprüche: sie sind vereiniget jene getrenneten Lander: das Oldenburgische Hans ist nur Ein Haus, durch die Bande der genauesten Freundschaft verbunden: Gott hat

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die Herzen der Fürsten desselben zum Frieden gelenker: zwischen Dannemark und Rußland ist Friede: Holstein har nur Einen Herrn. Das ist das Glück unserer Tage, das ist der Segen unserer Zeiten unter MhnstMNs Scepter! Das sind die erwünschten Vorfalle, dafür wir heute dem Herrn öffentlich Lob und Dank bringen!

Sie geben uns aber auch eine glückliche Aussicht in die Zukunft, durch die Hoffnung guter Zeiten. Diese lassen sie uns hoffen, weil sie uns innern Wohlstand, und äußeren Frieden hoffen lassen. Der innere Wohlstand eines Landes beruhet vornehmlich auf dem gemäßigten Preise der Lebensmittel, bey welchem Handthierungen und Gewerbe blühen, die Einwohner sich mehren, sich und die Ihrigen versorgen. Wenn aber die Theurung ein Land aussauget: so lieget der Ackerbau nieder, die Werkstatte feyret, die Häuser, Buden und Läden der Handelnden stehen leer, jedes Gewerbe ruhet, jedermann sorget nur mit niedergeschlagenem Gemüthe,

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wie er seinen Hunger stille, und die Seinen, die nach Brodt schreyen, sättige. Wir haben es ja mit unsern Augen gesehen, und mit unsern Ohren gehöret: und diese so betrübte eigene Erfahrung kann hier statt aller Be? weise dienen. Lässet uns aber nicht die Befreyung von der Viehseuche, einen más sigen Preis der Lebensmittel hoffen, da diese Seuche die erste Ursache des erhöheten war? Lasset uns nicht der Segen, den uns Gott in diesem Jahre erndten lassen, hoffen, daß das Land auch fernerhin sein Gewächs geben, und der Hert sich seines elenden Volks erbarmen werde? Der schon vor einigen Jahren geschlossene und nun vollzogene Friede giebt uns die gegründeteste Hoffnung zu einer dauerhaften Ruhe. Nun ist keine auswärtige Macht, die an Dännemark einige Ansprüche zu machen hätte: nun sind seine Länder zu den Grenzen hingestreckt, welche ihnen die Natur selbst gegeben hat: nun ist der Dänische Staat ein von Bergen, Meeren und Strömen geschlossenes Land, und darf keinen auswärtigen Krieg fürchten.

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Glückliches Volk! das unter solchen Umstanden lebet. Wenn sich das keine gute Zeiten versprechen kann: so kann es keines unter der Sonnen. Dies sind ja die Hauprstücke, die erfordert werden, daß es einem Lande wohlgehe: innerer Wohlstand und äußerer Friede.

Ein Volk, das dieses hoffen kann, kann mit allem Rechte gute Zeiten hoffen. Und dieses glückliche Volk sind wir. Wer aber hat uns anders dazu gemacht, als der Hert unser Gott? Menschliche Staatsklugheit, menschliche Kunst und Macht von dem besten Wohlwollen in Bewegung gesetzet, und von den besten Einsichten geleitet, hatten es allein nicht können. Aber Gott sprach: Dännemark sey gesegnet! und eö geschah also. O Land! Land! dem der Hert so wohl thut, erkenne seine Güte! preise sie mit dankbarem Herzen! mit desto gerührterer Seele, je mehr das Gute, das dir der Hert jetzt ger than hat, dich noch hoffen lasset. Du hast die Güte des Herrn erfahren, diese Ersah- Nöm. 5, 4. rung bringe dir Hoffnung.

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Wie wankend aber wäre nicht diese Hosknung , wenn sie keinen sicherern Grund hätte, als diese Umstände der Zeit? Was wäre sie da mehr, als bloße Vermuthung? Der Hert muß sie mit seinem allmächtigen Amen bestätigen: sonst bestehet sie nicht. Er hat der Seuche befohlen, zu ruhen: er darf ihr nur wieder rufen; und dann wird sie sich schnell, als auf den Flügeln des Windes, von einem Ende des Landes bis zum andern ausbreiten. Er hat durch ein fruchtbares Jahr der Theurung gewehret: er darf nur den Himmel über uns ehern, und die. Erde eisern werden lassen; so schmachten wir wieder im Mangel. Er steuert den Kriegen in aller Welt: er ruft sie aber auch herzu. Es ist wahr, menschlichem Ansehen nach haben wir keinen zu befürchten. Kann aber nicht Gott an unsern Es. 10, 7. Grenzen Könige aufstehen lassen, deren Herz dahin steher zu verderben nicht wenig Völker? Kanu er uns nicht selbst Könige geben, die mehr nachdem schimmernden Namen der Helden und Eroberer lüstern sind, als nach dem größern Ruhme friedfertiger

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Regenten? Wir wollen daher uns unserer gegenwärtigen Vortheile mit Dank erfreuen, aus ihnen eine gute Hoffnung schöpfen, aber nicht darauf bauen. Wir wollen, damit ich die Ausdrücke aus unserm Texte entlehne, sagen: Um Norwegen her sind Berge, und um Dännemark her sind Meere und Ströme, die uns vor feindlichen Angriffen schützen. Aber das soll unsere Zuversicht seyn: Der Hert ist um sein Volk her, von nun an bis in Ewigkeit, wie wir ebenfalls in unserm Texte lesen. Dabey wollen wir bekennen und glauben, daß der Hert unser Gott ein sicherer Schutz fen, als Berge, Meere und Ströme, und daß Berge, Meere und Ströme ohne ihn nicht schützen können. Hoffnung, die auf Gott nicht baut, wird gar bald beschämt geschaut. Darum müssen wir bey allem, was wir menschlichem Ansehen nach auch hoffen können, mit unserm Herzen nicht vom Herrn weichen. Denn thäten wir das: so wäre dies schon für sich Ursache genug, daß sich der Hert wider uns setzte, unsere Hoffnung zunichte machte, und

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uns erfahren ließe, was er gedrohet hat, da Jer. 17, 5. er spricht: Verflucht ist der Mann, der mir seinem Herzen vom Herrn weichet, und halt Fleisch für seinen Arm, verflucht der Mann, verflucht das Land. Nein! auf den Herrn unfern Gott wollen wir vertrauen! Dann werden wir erfahren, was zu Anfänge unsers Textes solchen verheißen ist: Die auf den Herrn hoffen, werden nicht fallen; sondern ewiglich bleiben, wieder Berg Zion.

Vor keinem Unfall zittert

Das Volk, das sich auf Gott verlaßt.!

Und ewig bleibt es unerschüttert,

Wie Zion unbewegt und fest. *

Was uns noch etwa für die Zukunft besorgt machen könnte, oder was sich in der Folge der Zeit von trüben Wolken zeigen möchte, das unsere jetzt so heitere Aussicht verdunkelte, alle diese Sorgen um des Landes Wohl1 Pet. 5, 7. fahrt wollen wir, wie unsere eigene, getrost

* Cramers poetische Uebersetznng der Psalmen, 3. Theil, pag. 41.

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21 auf den Herrn werfen, und uns darauf verlassen, er sorge für uns. Mehr als einmal hat er es bewiesen, daß seine Augen zum Schuß über Dännemark offen stehen. Mehr als einmal war es am Rande des Verderbens, die Kriegöheere zerstreuet, die Flotten entwaffnet, die Hauptstadt eingeschlossen. Aber durch die Güte des Herrn ward es jedesmal errettet, stehet noch, bauet sich, wächset, und erweitert seine Grenzen. Wer gclernet hak, auf die Werke des Herrn zu achten, oder es nur lernen will, der muß sich durch das, was uns der Hert bisher hat erfahren lassen, zu einer frohen Hoffnung ermuntern lassen. Er werde, was er bisher gethan, auch noch ferner an Dännemark thun.

Nur daß wir durch unsere Sünden uns seines Schußes und Segens nicht unwürdig machen, und die Hoffnung, die wir dazu haben, selbst untergraben und niederstürzen! Es geschiehergar zu leicht, daß ein Volk im sichern Frieden, und bey guten Tagen des Herrn vergisset, daß cs seinen Wohlstand

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zum Uebermukh, zur Ueppigkeit, zur Schwelgerey, zur Ungerechtigkeit, zur Unterdrückung der Armen und Elenden mißbrauchet, und zu allen den Sünden hingerissen wird, welche gute Tage und irdisches Wohlleben im zahlreichen Gefolge mit sich führen. Kann denn der Hert auch noch ein solch sündiges Volk schützen? es seines Segens würdigen? Er regieret die Schicksale der Völker, und die Schicksale einzelner Menschen nach eincrley Gesetzen seiner Weisheit und Gerechtigkeit. Wenn ein Mensch in guten Tagen sich wider den Herrn setzet, stolz, übermüthig, ausschweifend wird: so übet Gott Gewalt mit seinem Arm, und erniedriget den. Len er zuvor erhöhet harte. Wenn die Sünden unter einem Volk Ueberhand nehmen, und der Freveler viel werden: so redet der Hert plötzlich wider ein solches Volk und Königreich, daß er es auörotte, zerbreche und verderbe. Und wenn er es gleich bauen und pflanzen wollte: so gereuet ihn doch des Guten, das er ihm thun wollte, so bald er siehet, baß es Böses thut vor feinen Augen, und

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seiner Stimme nicht gehorchet. Dies sind nicht meine Worte, M. G. Z! sondern Gottes Worte, der durch Jeremiam also redet: Plötzlich rede ich wider ein Volk und Jer. 18,

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Königreich, daß ichs ausrorren, zerbrechen und verderben wolle. Mo es sich aber bekehret von seiner Bosheit, dawider ich rede: so soll mich auch reuen das Unglück, das ich ihm gedachte zu thun.

Und plötzlich rede ich von einem Volk und Königreich, daß ichs bauen und pflanzen wolle. So es aber Böses thut vor meinen Augen, daß es meiner Grimme nicht gehorchet: so soll mich auch reuen das Gute, das ich ihm verheißen hatte zu thun. Das ist auch die Wahrheit, die uns der weise König von Israel in seinen Sprüchwörtern lehret, wenn es heißet: Um Sprüchw. des Landes Sünde willen, werden viel 28, 2. Veränderungen in den Fürstenchümern, verkehret sich ihr Glück in Unglück, ihr Segen in Verderben: aber um der Leute willen, die verständig und vernünftig sind, die die größte Weisheit, die Furcht

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des Herrn, gefasset haben, bleiben sie lange, bleiben sie im Segen. Sollten denn die Sünden und Uebertrekungen in unserm Lande nicht vermindert; sondern vermehret werden: müßten wir denn nicht befürchten, daß der Hert an uns thne nach seinem Worte, das er über sündige Völker geredet har? Soll- ten wir, wie es in unserm Texte heißet, auf unsere krummen Wege abweichen, die gerade Bahn verlassen, die uns Gott in sei«ein Worte gezeigel hat, und dafür die krummen Wege betreten, die unser verderbtes Herz wählet: wie könnte uns denn der Hert im Segen bleiben lassen? Müßte er uns nicht vielmehr, wie er uns drohet, mit den Uebelrhacern wegtreibm, wie sie es verdienen, von seinem segnendem Auge entfernen, von seiner segnenden Hand weit hinwcgrhun? Was wäre denn unsere Hoffnung? Sie wäre verlohren. Wer hätte sie zu Grunde gerichtet? Wir selbst mit unfern Sünden. Wäre denn das patriotische Gesinnung ? Hieße das Vaterlands-Liebe? Ware das nicht offenbare Landesverrätherey? Ferne sey die von

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uns! Ja ferne sey es von uns, daß wir die Seufzer unserer Nachkommen auf uns lüden, wir hatten Lurch unsere Sünden den Segen Gottes von unfern Grenzen getrieben, und seine Gerichte über sie und unser Land ge: bracht! Wir wollen vielmehr aus unserm Texte lernen: Der Hert thuc wohl den guten und frommen -Herzen, denen, die ihm mit redlichem Herzen dienen, und uns daher einer ungeheuchelten Frömmigkeit bes fleißigen; uns bestreben, ein Israel, ein geistliches Israel, ein Volk des Eigenthums unsers Gottes zu seyn, damit fern Friede über uns bleibe, uns alles gute Theil werde, womit Gott die Völker segnet. So müssen wir durch wahre Gottseligkeit unsere Hosknung guter Zeiten bevestigen: damit Gerechtigkeit unser Land erhöhe, und es dem Herrn eine Lust sey, uns zu schuhen und zu segnen.

Gutes vom Herrn hoffen, und nicht thun, was nöthig ist, um die Hoffnung erfüllet zu sehen, heißet Gottes spotten. Jenes zwar

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thun, aber ihn nicht bitten, heißet ihm trotzen, und seinen Segen, als ein Verdienst unserer Werke ansehen. Keines von beyden kann ihm Wohlgefallen. Darum komme zu unferm Vertrauen auf Gott, zu unserm redlichem Bestreben noch wahre Frömmigkeit, noch das Gebet um die Erfüllung unserer Hoffnung hinzu! Unser Herz erinnere sich, Laß zwar unser Vertrauen ihm wohlgefalle, und er unfern Wandel in seiner Furcht mit gnädigen Augen ansehe: aber wir mit dem allen doch kein Gutes von ihm verdienen. Von dieser inner» Ueberzcugung unserer Unwürdigkeit, sey unser LemüthigeS Gebet ein öffentliches Bekenntnis, ein wahrhaftes christliches Gebet, in welchem wir, nicht im Vertrauen auf unsere eigene Gerechtigkeit, sondern allein im Vertrauen auf das Verdienst unsers Erlösers Jesu Christi vor Gott liegen. Durch dieses Gebet laffet uns unsere Hoffnung zu ihrer Erfüllung zu bringen suchen! Höret den Psalmisten in unserm Texte für sein Volk beten! und lernet von ihm den Inhalt unsers Gebets für unser

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Volk! betet mit ihm: Hert, thue uns wohl, dein Friede bleibe über uns! Dein Friede, der Inbegrisk alles Guten, den aus der Hand des Schöpfers das Geschöpf hinnimmt, bleibe über uns, theile sich uns mit, und fließe in reichen Strömen auf uns herab! Da es aber einem Lande nicht wohl gehen kann, wenn dessen Scepter in eines Gottlosen Hand ist; indem alödenn die Hand der Einwohner, selbst derer, die sonst noch recht thaten, sich gar leicht zur Ungerechtigkeit ausstreckt, wie es in unserm Texte heißet: so lasset uns Gott bitten, daß er um fern König mit seinem Geiste regiere, damit Dannemarks Scepter in eines Frommen Hand sey, und bleibe. Da es einem Lande nicht wohl gehen kann, wenn die Einwohner auf ihre krummen Wege abweichen, und ihre Hand zur Ungerechtigkeit ausstrecken: so lasset uns Gott bitten, daß er uns mit allen Dänischen Unterthanen Gnade verleihe, die krummen Wege der Sünden zu meiden, und auf

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der geraden Bahn seiner Gebote zu wandeln, daß er sich doch wenigstens in den Dänischen Landen ein Haustein der Gerechten erhalte, und um desselben willen, wenn es auch der Zahl nach noch so geringe wäre, des übrigen

i B. Mos. Volkes schone. Dies sey der Inhalt unsers 18.

Gebets! und dieses begleite heute unfern Dank, um alles das Gute, das uns der Hert gethan hat, und noch thun will, zum Throne der Gnaden hinauf! So werde der heutige Tag, was er seyn soll, ein Dank- und BetTag. In der Absicht haben wir uns auch jetzt hier versammlet. Seyd der Absicht eurer Versammlung eingedenk! Opfert Gott Dank! Bringet ihm euer Gebet dar! Doch nicht bloß hier in seinem Heiligthume; sondern auch in euren Häusern: nicht bloß heute;

1 Tim. 2, sondern alle Tage. Es ist wohlgefällig vor Gott, es ist sein Befehl, für des Landes Beste, wie für sein eigenes zu bitten, und dadurch des Landes Wohlfahrt zu suchen, in welchem uns der Hert wohlthut. Denn

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wenn es dem Lande wohl gehet: so gehet es uns auch wohl.

Wer denn nun ein wahrer Freund des Vaterlandes, ein dichter Patriot, ein wahrer Dänischer Unterthan ist, der feyere den heutigen Tag, wie es sich geziemet, mit Danken und Loben um alles Gute, das der Hert unserm Lande gethan hat! der freue sich der Hoffnung guter Zeiten, die uns der Hert gegeben hat! der hoske auf den Herrn! und suche an seinem Theile durch wahre Frömmigkeit den Segen des Herrn über sein Vaterland und seine Mitbürger zu bringen, und ihn auf unsere Nachkommen fortzupflanzen! der vereinige sein Herz mit dem meinigen, und bete:

Gnädiger Gott, liebreicher Vater! die gebühret Preis und Ehre für alles Gute, das du den Dänischen Landen gethan hast. Wie köstlich sind, 0 Gott! die Gedanken des Friedens, die du über uns gehabt hast! Wie

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ist ihrer eine so große Summa! Wollten wir sie zählen: so würden wir ihrer mehr finden, als des Sandes am Meer. Krieg, Blutvergießen und andere Unglücksfalle hast du in Gnaden abgewandt. Denn du wärest um uns her, wie Berge, und über uns, wie eine Thauwolke. Die Viehseuche, diese große Landplage, die wir mit unfern Sünden verdienet hatten, hast du in Gnaden auf: hören lassen: durch eine reichliche Erndte der Theurung, in welcher wir mit andern Landern schmachteten, gewehret: des Kömgts Bemühungen zur allgemeinen Sicherheit und Wohlfahrt Seiner Staaten mit dem erwünschten Erfolg gekrönet: Ihn und SeinHaus in Gnaden beschützet und bewahret. Du Hert hast es gethan, und kein anderer. Wir aber sind der keines werth. Es ist lauter unverdiente Huld und Gnade um Jesu willen. Destomehr gebühret dir Preis und Ehre, und Dank. Gieb wahrhafte, dankbare und erkenntliche Herzen! und laß in dem Lande,

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31 tit welchem dein Segen wohnet, auch deine Furcht wohnen. Laß deine Güte uns zur Buße leiten, damit wir in der Gemeinschaft deines Sohnes erfunden werden, und unsere Gemeinschaft sey mit dem Vater, Sohne, und dem H. Geiste. Hert! wir hoffen ja auf dich! Hert! wir warten auf dein Heil! Mit kindlicher Zuversicht im Namen deines Sohnes beten wir: Thue uns wohl! dein Friede sey über uns! Thue wohl unserm Könige, bewohne Ihn mit deiner Gnadengegenwart, und schmücke Ihn mit deines Reiches Gaben. Gott! Gott! segne den König/ und alles Volk soll sagen Amen. Siehe in Gnaden an des Königes Mutter, und schenke Ihr deinen besten Segen. Der Geist der Weisheit und des Verstandes, des Raths und der Stärke, der Erkenntniß und der Furcht des Herrn ruhe auf unfern Kronprinzen, damit Er zur Wohlfahrt der Dänischen Lande aufwachse. Segne und thue

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Barmherzigkeit und Gutes an den Erbprinzen und alle Prinzeßinnen des Königl. ErbHauses. Zum Segen und Wohlthun laß dir empfohlen seyn, den Herrn Statthalter dieser Herzogthümer, die Rache in den hohen LandeS-Collegiis, des Königes Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande, alle Handthierung und Gewerbe, im ganzen Lande jedes Haus, und in jedem Hause jede Seele! Heiliger starker Gott! Heiliger Hert Zebaoth, nimm an die Bitt von unserer Noth, erbarm dich unser aller, um Jesu Christi willen. Amen.