[Frid. Hofman] Vorläuffige Gedanken von dem Nuzen der Manufacturen überhaupt, besonders aber in Betracht auf Dännemark.

Vorläuffige Gedanken von dem

Ruzen

der

Manufakturen überhaupt

besonders aber in

Betracht

auf Dännemark.

Kopenhagen 1771. Gedruckt bey L N. Svare, wohnend in der Schinderstrasse.

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Bey den vielen zum Vorschein gekommenen Schriften, die zur Verbesserung des Landes abzielen sotten, hat man unterschiedliche Vorschläge gefunden, wodurch man geglaubt, den Bedruck des Landes abzuhelfen.

Einige haben die freye Handlung als den einzigen Weg das Land aufzuhelfen angerathen, andere dagegen die bessere Cultivirung des Ackerbaues, als das sicherste Mittel, das Land in Aufnahme zu bringen, im Vorschlag gebracht: Keiner aber hat der Manufacturen Erwehnung gethan, vermuthlich weil man solche als Einrichtungen von geringer Bedeutung, die zur Aufnahme eines Landes, wenig beytragen könnten, angesehen.

Man muß aus allen diesen mit Recht den Schluß machen, daß keiner den Wehrt der Manufakturen kenne, noch den grossen Einfluß, welchen solche in dem Wohl eines Staates haben eingesehen.

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Ich halte es daher, als ein Patriot, für meine Pflicht, die Wichtigkeit der Manufacturen für ein Land überhaupt, und sonderlich in Betracht auf Dännemark zu zeigen.

Ich werde dieses aus nachstehenden 5 Sätzen zu beweisen suchen, nemlich:

1. Daß die Manufacturen das Land bevölkern.

2. Grosse Summen Geldes durch den Arbeits-Lohn

im Lande erspahren, und herein ziehen können.

3. Die Landes Cultur überhaupt aufhelfen.

4. Die Handlung befördern.

5. Und die Städte in Aufnahme bringen.

1. Daß die Manufacturen das Land bevölkern.

Da es als eine allgemeine Wahrheit, die keinen Zweiffel leidet, angenommen werden kann, daß ein Land in so ferne für reich und mächtig zu halten, als es viele arbeitende Einwohner zählen kann; so kann auch die Vermehrung der Einwohner in einem Staat durch nichts mehr und geschwinder befördert werden, als eben durch die Manufacturen.

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Je mehr Nahrungs-Mittel in einem Lande können in Bewegung gesetzt werden, desto mehr Menlchen können auch ihren Unterhalt darinnen finden.

Unter allen Nahrungs-Mitteln aber in einem Staat, können gewis keine Hände mehr beschäftigt werden, als eben bey den Manufacturen, und sie allein haben dieses voraus für allen andern Handthierungen, von welcherley Natur sie auch seyn mögen.

Man nehme zum Exempel die Lacken-Fabriken, so wird man finden, daß ein Stück sein Lacken von Anfang an, daß es in Arbeit gefetzt wird bis es völlig fertig, wohl achtzig Mahl durch die Hände gehen muß, welches hier zu detailliren zu weitläuftig fallen würde; außerdem ist als ein Articul der die Vermehrung der Menschen ungemein befördert, in Erwegung zu ziehen, daß, da bey den Manufacturen Kinder von 6 Jahren bis alte Leute von 70 Jahren, etwas verdienen können, ein Gesell oder andere dabey arbeitende Persohn sich weit leichter verheyrathen kann: als bey irgend einer anderen Profession.

Die sonst bey der Verehligung so schwere Frage, woher nehmen wir Brodt? fällt bey ihnen ganz

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weg; der Mann weiß, daß seine Frau und Kinder ihm nicht allein nicht zur Last fallen werden, sondern können ihm immer etwas verdienen helffen. Ein Vortheil wovon sich andre Professionen nicht rühmen können.

Uberdem wird die Historie aller Staaten sattsam zeigen können, daß nur allein diejenigen Länder blühend und volkreich sind, wo Fabriken gehandthabet werden. Die geschwinde Vermehrung der Menschen, daselbst nur von der Zeit an ihren Anfang genommen, wie solche eingeführt worden; und daß im Gegentheil, wo Manufacturen landflüchtig sind, sich ein grosser Mangel an Einwohner findet.

Zum Beweiß des ersteren kann Engelland, Holland und Frankreich dienen, und das letztere liegt durch das Exempel Spaniens, Portugals, Pohlens und Ungarn deutlich am Tage; da alles Gold und Silber so jährlich aus America nach Spanien und Portugal gebracht wird, solche eben so wenig, als der gute Boden, und der Uberfluß an Getreide in Pohlen und Ungarn diese Lander hat bevölkern können.

2. Grosse Summen Geldes durch den Arbeirt-Lohn im Lande erspahren, und herein ziehen können.

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7 Da ich im Vorhergehenden gezeiget, daß kein Nahrungs-Stand zu Verfertigung seiner Maaren so viele Hände in Bewegung setzen kann, als eben die Manufacturen, so ist es offenbar, daß wenn ein jeder auch nur so viel dabey verdienen soll, daß er wenigstens das kümmerliche Brodt haben könne (weil es Leute darunter gibt, die die Woche für 12 Lß. arbeiten müssen) der Arbeits-Lohn gleichwohl ein beträchtliches ausmache.

Zum Beweiß dessen, will ich die so genannte Holländische Lacken-Fabuike anführen. Selbige hat nach einer genauen Berechnung allein in 14 Jahren 235498 Rthlr. 4 Mk. 6 ß. an Arbeits-Lohn ausgegeben. Wie viel würbe der Arbeits-Lohn nicht ausmachen, wenn alles was Dännemark jährlich würklich an Lacken consummiren kann, hier fabricirt würde Ich halte es der Mühe werth eine ohngefehrliche Berechnung hie herzu setzen.

Gesetzt, es kleiden sich in Dännemark 150000 Menschen im Lacken von unterschiedlicher Bonitet und Preisen.

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8 Ein dritt Theil davon werden sich alle Jahr, ein andrer dritt Theil alle 2 Jahr, und der Rest alle 3 Jahr ein Kleid machen lassen, wovon der Arbeits-lohn folgendermassen zu berechnen seyn würde:

50000 Menschen die sich jährlich ein Kleid machen

lassen a 10 Rthlr. - Rthlr. 500000 50000 alle 2 Jahr a 4 Rthlr. jährlich 200000 50000 alle 3 Jahr a 2 Rthlr. jährlich 100000

macht Rthlr. 800000

Zu Verfertigung einer solchen Quantität Lackens werden pr pr. 25000 Menschen erfordert, wovon wenigstens von 20000 (Kinder von 6 bis 14 Jahren, die doch gleichwohl auch dabey arbeiten, unberechner) jeder jährlich durch die Circulation an Contribution, Consumption und Accise 6 Rthlr. bezahlet, macht 120000 Rthlr. die dadurch in die Königliche Casse fliessen.

Kann nun eine einzige Branche der Manufacturen dem Lande und dem Könige so vielen Rutsen schaffen, so werden die übrigen Arten, von wollene, seidene, baumwollene, leinene und andere Fabriken, ich rechne nur sehr mäßig, eine nehmliche Summa dem Lande an Arbeitslohn erspahren können, und eben so viele Leute unterhalten.

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Man bedenke, was ausser einer solchen jährlichen Erspahrung von 2 Millionen die Circulation davon für eine erstaunende Wirkung in allen andern NahrungsStänden zu Wege bringen würde, da von dieser gedachten Summa gar wenig für auswärtige Producten, die zur Ueppigkeit dienen, ausserhalb Landes gehen werden, sondern unter Brauer, Bäcker, Brantweinsbrenner und viele Handwerker vertheilet werden.

3. Die Landes Cultur überhaupt aufhelfen.

Nachdem ich in den vorhergehenden heyden Posten satsam erwiesen zu haben glaube, daß Manufacturen beydes das Land bevölkern, und grosse summen Geldes im Lande ersparen; so will ich hier der Ordnung nach, jetzund kürzlich zeigen, welchen grossen Einfluß selbige in der Land-Oeconomie haben, und nichts solche mehr befördern können, als eben diese; so wie im Gegentheil eine gute Cultur des Landes zum grossen Vortheil der Manufacturen gereichet. Beyde sind ohne alle Wiederrede Geschwister, deren gemeinschaftlich Wohl ohne Beystand und Beförderung beyder nicht statt haben kan.

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Daß der Landmann grossen Nuzen von den Manufacturen ziehen könne, ist offenbar.

Man nehme an, so wie es der Natur der Manufacturen nach seyn soll, daß sich allenthalben in den kleinen Städten Fabriken finden. Wie viele Dinge bedürffen solche nicht von dem Landmanne. Ausser seines angebaueten Korns, das er sonst sehr oft auf etliche Meilen entfernet, mit wenigem Vortheil verkaufen muß, und nun in der Nähe absetzt, bedürfen diese Leute sehr viele andre Dinge, die der Acker hervorbringen kan, und den Landmann ermuntern, sich auf solche Producten zu legen, woran er vorhero nie gedacht, und wofür er gleichwohl vielleicht so vieles Geld lösen kan, als ihm die Nothwendigkeiten, die er aus der Stadt bedarf, kosten würden.

Was wird er nicht an seinen Wagen und Pferden ersparen, wenn er an statt eines Weges, oft von 8 bis 10 Meilen, den er fahren muß, und dieserwegen wohl 3 Tage mit seinem Knecht vom Hause entfernet bleibt, um Geld für seine Producken zu lösen, solche in einem halben Tag am Mann bringen könte.

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Nicht zu gedenken, daß seine Pferde im Frühjahr im Stande seyn werden, seine Aecker besser zu besorgen, folglich sich einer reichern Erndte wird gewärtigen können, an statt dessen man jetzt mit Wehmuch sehen muß, daß zwischen den gesäeten Aeckern vieles Brach lieget, welches aus keiner andern Ursache geschiehet, als weil des Bauren Pferde nicht im Stande sind das Land zu äckern. Ich sollte glauben, dieser Umstand verdienet angeführet zu werden.

In einem grössern Detaill will ich mich jetzt nicht einlassen, da meine Absicht in diesen vorläufigen Gedanken lediglich dahin gehet, zu zeigen, daß Fabriken die Cultur des Landes überhaupt aufhelfen. Ich könte mich noch überdem auf die Authorität vieler Schriftsteller beruffen die meinen Satz bestärken werden, ich will aber nur ein paar anführen, welche diese Materie, ausser was unser redlicher und patriotisch gefinneter Hr. Capitaine Lürkens davon geschrieben, berühret haben.

Der erste ist der Hr. Commerz-Rath Dluf <Dluf Hamren in Schweden, der schreibt in einer Piece von den Manufacturen folgendergestalt:

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„Wann ein Land mit Fabrike-Leuten angefüllt, welche mit ihren Händen etwas zu verdienen vermögen, und davon alles was sie sowohl zur Nahrung als sonst bedürfen, bezahlen können, so wird der Absatz des Landmannes und seine Nah- rung befördert. Man wende seine Au- gen auf Engellands vorigen und itzigen Zustand, so wird man bald finden, wir der Werth der Ländereyen durch die Manufacturen gestiegen. So lange noch keine Manufacturen bey dieser Nation eingeführt waren, lebten sie in einem elenden und armseeligen Zustande, nützten das Land und ihre Viehzucht sehr schlecht: sobald aber kamen diese Manufactur-Arbeiter nicht übers Meer, und breiteten sich überall im Lande aus, wuchs die Menge der Menschen, und die Cultur des Landes fieng an sorgfältiger getrieben, und gebraucht zu werden; weil der Landmann alles was nur der Ackerbau hervorzubringen im Stande war, ab-

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setzen konnte. Ein Stück Landes, welches vormals eine Tonne Korn gegeben, giebt jetzund mehr als doppelt so viel."

Der 2te ist der Hr. von Justi, dessen Worte in seinem 1sten Theil von den Manufacturen und Fabriken Pag. 16 also lauten:

„Man darf nur diejenigen Länder, die keine Manufacturen und Fabriken haben, aufmerksam betrachten; so wird man von der Wahrheit aller dieser Sätze genugsam überzeugt werden. Die Anzahl ihrer Einwohner wird allemahl sehr mäßig seyn: und wenn man die Grösse derselben, die Beschaffenheit des Bodens, die Art und Weise, die Landwirthschaft zu trei- ben, kennet, und daraus die Anzahl Menschen berechnet, die zu Cultivirung des Bodens erfordert werden; so darf man nur diest Summa noch zweymal nehmen; so wird man die Anzahl aller Einwohner haben, die bey einer wirkli- chen Zahlung bis auf wenige tausend zu

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treffen wird, wie ich bereits bey verschiedenen Staaten den Ueberschlag gemacht, und hernach ziemlich richtig befunden habe. Ein solches Land wird wenig oder gar keine Städte haben, die diesen Namen in der That verdienen. Seine Landstädte werden mir Mauren umgebene Dörsker seyn, worinnen man Landwirthschaft treibt, nnd worinnen die unentbehrlichen Handwerker wohnen. Die Hauptstadt des Landes wird die einzige blühende Stadt im Staate seyn, als woselbst der Auffenthalt des Hofes und der Vornehmen, und der Zusammenfluß des Gel- des aus dem Lande nothwendig mehrere Gewerbe nach sich ziehen müssen."

„Eine ganz andere Beschaffenheit aber wird es mit einem Lande haben, weiches blühende Manufacturen und Fabris ken hat. Ein solches Land wird voller blühender Städte seyn und wenn, es keine andre Manufacturen und Fabriken hat, als nur der innerliche Ver-

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brauch erfordert; so wird es noch einmahl so viele Einwohner haben, als das vorhergedachte Land; wenn aber seine Manufactur-Waaren starken auswärtigen Vertrieb finden; so kann es gar leicht noch zweymal so viel Einwohner in sich schließen. Die grosse Vermehrung der Einwohner durch die Manufactu- ren und Fabriken ist leicht einzusehen. Ausser der grossen Menge Menschen, die dadurch Nahrung und Unterhalt finden: so bedürfen diese Arbeiter wiederum tausend andre Nothwendigkeiten des Lebens, welches natürlicher Weise eine Vermehrung aller Handwerker, und Gewerbe nach sich ziehet; und da diese Handwerker den Verbrauch der Manufacturen, und aller andern Nothwendigkeit vermehren; so gehet die Vermehrung der Einwohner beständig fort. Selbst die Landwirthschaft kömt dadurch in mehre- re Aufnahme, und das platte Land kann dannenhero mehr Einwohner haben.

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16 Der gewisse Absatz der Landwirthschafts Producten, ermuntert die Landleute, den Boden des Landes immer mehr zu cultiviren. Die Städte des Landes werden alsdenn das jenige, was sie ihrem Enzwecke nach seyn sollen, neinlich der Zusammenhang aller Gewerbe in dem Staate, und die grossen Puls-Adern, wodurch das Geld, als das Blut des Staates, circuliert und den ganzen Staatscörper Leben und Thätigkeit gibt."

4. Die Handlung befördern.

Ob zwar der Nutzen, welchen die Manufactueen der Handlung verschaffen, nicht so sehr, als bey der Landes Cultur in den Augen fällt; so wird man mir gleichwohl gestehen müssen, daß bey einem grossen Verkehr im Lande, das Commercium allemal sehr vielen Antheil daran habe, da sie sich durch ihre Speculation auch die für andere so geringe scheinende Kleinigkeiten, zu Nuze zu machen weiß.

Ausser der rohen Materialien, und andrer dahin gehörigen Dinge, welche die Manufacturen gebrau-

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chen, und allemal einen weit grössern Raum in einem Schiffe, als die fabricirten Waaren einnehmen, folglich dir Frachten sich höher betragen müssen, gebrauchen die Fabricanten, sowohl als die vielen Handwerker, welche wieder durch sie in Arbeit gesetzt werden,

unzehliche Dinge, die ihnen durch die Kaufleute

verschast werden müssen, und allemal als ein Vorthei! von Bedeutung anzusehen.

Der grosse Nutzen aber fürs Commercium wird meines geringen Bedünkens nach darin bestehen, daß, sobald allenthalben Fabriken im Lande verbreitet, und grössere Summen, als man sich vielleicht nicht vorstellt des Jahres weniger ausserhalb Landes gehen,

wird der Wechsel-Cours mehr und mehr favorabler für die Commercirenden werden, und in solchem Betracht kann gesagt werden, daß Manufacturen die Handlung befördern.

Ehe ich diesen Articul schliesse, wird es mir erlaubt seyn noch ein paar Worte zu erwehnen. Da itziger Zeit bey aller Gelegenheit von der freyen Handlung gesprochen wird, und ein jeder die Klagen führt, dass die handlung hier so sehr genirt wäre, welches man größten Theils den Fabri-

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18 ken zu verdanken hätte; so muß ich hier die Frage aufwerfen, was dann wohl unter dem Wort: freye Handlung zu verstehen seyn mögte.

Nach dem Begrif, welchen ich mir davon mache, kann in keinem Lande etwas anders darunter verstanden werden, als daß es sey eine Erlaubniß mir allem dem Handlung zu treiben, was die Landes Herrschaft nicht aus weisen Absichten verboten hat. Verstehet man dieses nicht darunter, sondern daß es heisse, wir allem ohne Ausnahme frey zu handeln, glaube ich nicht, daß dergleichen Freyheit in irgend einem Reiche in der Welt zu finden sey.

Man gehe zu den Staaten, wo das Commercium aufs höchste gestiegen, und sehe, ob man daselbst nicht allemal etwas finden werde, womit unumgeschränkt zu handeln verboten. Ich berusse mich hierin auf das Zeugniß unserer Kaufleute, die davon am besten aus der Erfahrung reden können.

Ich vermuthe also man wolle unter den genirten Handel verstanden haben, der Verboth der Einfuhr solcher Waaren die hier im Lande fabricirt werden.

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Die en Gros handlende Kaufleute werden die Aushebung dieses Verbors gewiß nicht verlangen, weil sie den Nuzen der Manufacturen einsehen, und wie vorher erwehnet, dabey würklich gewinnen.

Diejenigen die mit den hier fabricirten Waaren en Detaill handeln, sollen es billig auch nicht wünschen, da sie den Vortheil haben, daß sie nicht nöthig, ein so grosses Waaren-Lager, wie sonst, zu halten, weil sie alles bey der Hand haben, und persönlich daß was sie gebrauchen, und wenn sie es nöthig haben, wehlen können.

Denen aber die das Patriotische Vergnügen nicht kennen, sich eine Ehre daraus zu machen, Waaren die in ihrem Lande gemacht sind, zu kaufen, und zu verkaufen, und noch immer die güldene Zeit wieder erwarten; jedes Stück unserer Kleidung aus der Fremde kommen zu lassen, kann ich nichts bessers vorstellen, als was der Hr. von Justi in dem schon vorher angeführten Buche pag. 23 gesagt hat, nemlich:

„Wann ein Volk ausländische waa ren vor Geld kommen läßt, um sie selbst zu verbrauchen, so treibet dieses Volk ei nen sehr nachtheiligen Handel: und

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20 wenn dasselbe durch Bergwerke, oder auf andere Art, keinen neuen Geldzu- fluß hat, so muß endlich dieses Volk in das äusserste Elend und Armuth ge- rathen. Es muß endlich ein Zeitpunct kommen, da dieser schädliche Handel von selbst aushöret. Wenn es kein Geld mehr hat, die Waaren der Ausländer zu bezahlen; so nehmen diese Commer- cien von selbst ein trauriges Ende. Selten wird ein Volk, wenn es nur in et- was klug ist, diesen betrübten Zeitpunkt abwarten. Es wird, wenn es das allgemeine Elend, aus dem grossen Geldmangel stark zu empfinden an- fängt, alle ausländische Waaren verbie- ten, die nicht äusserst nothwendig sind. Obgleich dieses Verbot denen annoch wohlhabenden Leuten im Lande sehr empfindlich fällt, und viele andre schädliche Folgen vor den Staat hat; so ist es doch eine traurige Nothwendigkeit, wenn ein solches Volk die Bilanz der Handlung

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auf keine andre Art zu gewinnen Hoff- nung hat."

5. Und die Städte in Aufnahme bringen.

Daß Städte einem Lande nützlich seyn, ist offenbar, da sie es alleine sind, die den Zusammenhang aller Nahrungs-Stände unterhalten, und die Bevölkerung und Cultur des Landes unterstützen.

Der gröste Theil unserer Städte, besonders die Land-Städte, finden sich in den betrübtesten Umständen.

Ihr Haup-Gewerbe ist der Ackerbau, den der Landmann nur allein treiben sollte, und wenn sie solchen nicht hätten, würde es sehr schlecht mit ihnen aussehen, da weder die wenigen Kaufleute (die in jeder Stadt auf 2 oder 3 können reducirt werden, und von dem kleinen Handel, so sie mit dem Landmanne haben, leben müssen) noch die daselbst sich findende wenige Handwerker im Stade sind, diese Städte aufzuhelfen.

Es wird dahero kein bessers Mittel seyn diese verfallene Städte empor zu bringen, als daselst Fabriken anzulegen.

Durch diese werden die darinn sich aufhaltende Leute beyderley, Geschlechts von Kinder bis auf alte

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Personen (wovon ein grosser Theil jetzt nichts zu verdienen weiß, und den andern Einwohnern zur Last fällt) nützliche Beschäftigung, nicht allein mit denen im Lande selbst erzeugten rohen Materialien, sondern auch mit dem was von dergleichen von auswärtig herein zu verschreiben ist, und daselbst veredelt werden kann, finden,

Der Nutzen davon wird sich in kurzen zeigen, wenn die jetzt einer solchen Stadt zur Last fallende Persohnen, sich selbst unterhalten, und dadurch eine Circulation, gesetzt auch nur von 1000 Rthlr. jährlich zu wege bringen.

Es ist anzumerken, daß man bey Anlegung der Fabriken in den kleinen Städten keines weges die Absicht hat, grosse Anlagen darin zu machen, sondern nur solche daselbst einzurichten, die mit geringen, oder fast gar keine Kosten dahin verlegt werden können, und nach Beschaffenheit der Städte eingerichtet werden müssen. Hiedurch kann nicht allein eine grosse Connexion zwischen der einen Stadt mit der andern, sondern auch der einen Provins mit der andern zu wege gebracht, die höchst nöthige Cir-culation des Geldes im Lande immer mehr und mehr befördert; und, da alle Lebens-Mittel, so wohl als

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23 Hausmiethe bey weiten nicht so kostbar in den kleinen Städten als in der Residenz, kann der Preiß der fabricirten Waaren dadurch um ein merkliches vermindert werden, so bald diese neue Anlagen nur erst festen Sitz genommen.

Auf welche Art dieses, ohne sonderliche Beschwerden der Königlichen Cassa, best möglich zu machen, dazu wären wohl Mittel vorzuschlagen.

Da ich bey aller Gelegenheit angemerket, daß man sich oft irrige Begriffe von den Manufacturen macht, da man in den Gedanken ist, daß warm solche erweitert werden sollten, dieses nicht ohne grosse Kosten geschehen könne, weil dazu Leute von auswärtig herein verschaffet werden müsten. So wird es nicht überflüßig styn, mich hierüber etwas naher auszulassen, und zu zeigen, daß unsere Manufacturen jetzt in der Verfassung sind, ohne Zuschub von auswärtigen Leuten in Grössern getrieben werden zu können.

Die wichtigste Manufacturen haben alle die Spinnerey zum Grunde. Diese Arbeit geschiehet allein von Kindern und Frauens-Leuten, welche in allen so wohl wollenen, leinenen, als baumwollenen-Manufacturen, der gröste Theil ausmachen, und gebrauchen

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diese Fabriken in der Proportion weniger MannsPersohnen als man sich kaum vorstellen sollte.

Eine Fabriks von tausend Menschen kann mit weniger als hundert Manns-Personen getrieben werden, ja ich dürfte mich anheischich machen, zu beweisen, daß eine Tuch-Fabrike, wobey doch die meisten unterschiedliche Arten von Arbeit vorfallen, wenn sie aus tausend Persohnen bestehe, mit achtzig Manns-Persohnen sehr gut gesühret werden könne.

Es ist auch gar nicht nöthig bey den alten Gewohnheiten zu bleiben. Wenn eine Sache gut gemacht wird, kann es gleich viel seyn, von wem solches verrichtet wird; und ist es unläugbar, daß bey den Fabriken mehrere Frauens Leute, als bisher gebräuchlich gewesen, in Arbeit gesetzt werden könnten. Mit einem Worte: wir haben nicht nöthig unsere Fabriken mit grossen Kosten durch auswärtige Leute zu erweitern, und man hat nicht zu fürchten, daß sie dem Landmanne und der Handlung Leute entziehen werden, da sie nur grösten Theils solche Leute verlangen, die sonst auf keine andere Art nützliche Beschäftigung finden können, und dem Lande sonst nur zur Last fallen würden.