Danskvenius. Eines warhaften Handwerkmannes Beantwortung auf die falschen Beschuldigungen, die einer unter der Masque eines Handwerksmannes denen Aemtern zu Last geleget.

Danskvenius.

Eines warhaften

Handwerkmannes

auf die falschen

Beschuldigungen,

die einer

unter der Masque eines Handwerksmannes denen Aeintern zu Last geleget.

Kopenhagen 1771.

Gedruckt bey Johann Rudolph Thiele.

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Geneigter Leser!

So wie ich mich ein Vergnügen daraus mache dem Publico aus möglichen Kräften zu dienen, und deswegen jeden Augenblick zu meiner Arbeit anwende, so ist es mir ein Vergnügen, und ein rechtes Gewürz meiner Speisen, wann ich während der Mahlzeit die Zeitungen oder sonst andere Blätter lesen kan. Allein, wie

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bestürzt wurde ich nicht unter denen Bücher-Anzeigungen vor einige Wochen, die Ankündigung einer Schrift zu lesen, die den Titul führte: Bevis,

at Argus, uagtet sine 100 Øine, har været Stokblind, & c.

dieser Titul war hinlänglich genug mich von dem Inhalt der Schrift ohngefähr zu unterrichten, daß er von Vorurtheilen und falschen Beschuldigungen angefüllet seyn mußte.

Es fehlte nicht viel, daß ich nicht eben so, wie jener Vogt im patriotischen Magazin, Magenwehe bekommen hätte. Wäre ich Branntweinkündig gewesen, würde mir ein guter Schlurk vielleicht nicht undienlieh gewesen seyn. Ein Glas Wein wirft meine Profession nicht ab, ich mußte also diese Pillen mit ein Glas Tischbier nachspühlen.

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Vorrede. 5

Ihr getreuen Dänischen Mitbürger und Amtswerwanten, werden leicht denken können, daß ich Loch Len völligen Inhalt derselben gern wissen wolte, allein 14 Schilling ist heutiges Tages bedenklich vor einen Handwerksmann auszugeben, sie müßte also, wie die tägliche Zeitungen, geliehen werden. Ach! gedachte ich bey Durchlesung derselben, wenn unsre Handwerksleute ihre Rechte so verfechten könten, als unsre Geistliche und Prucuratores, sie würden diesen Autor mit eben so viel Wiederlegungen überströhmen, als jene den Philopatreias.

Doch Hoffete ich, es würden sich einige finden, die ihre Ordnungen vertheidigen, und den vorher gebeugten Muth nun nicht gänzlich versinken lassen sollten, aber vergeblich.

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6 Vorrede.

Vier nach einander folgende Feyertage schienen mir dennoch Muhe zu geben, mich an der Beantwortung zu wagen, ohne dadurch den Gottesdienst oder meine Arbeit zu versäumen.

Wertheste Mitbürger! ich hoffe von euch, ihr werdet damit verlieb nehmen, wie sie ist. Sie ist das Werk eines Handwerksmannes, der zwar die Umstande seines Amts kennet, aber nicht die andern Aemter übersehen kan.

Verzeihet, daß ich es in meiner Muttersprache thue, es geschiehet weder aus Verachtung der Landessprache, noch weder Unkündigkeit derselben. Allein, da ich diese nicht durch mündlichen Unterricht, sondern nur durch den täglichen Umgang er-

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Vorrede. 7

leruet, so möchte ich alzu grosse Fehler in der Orthographie begangen haben.

Doch, es ist ja darum keine contrabande, sondern inländische Arbeit. - - -

Habe ich gefehlet, so nehmet, wertheste Mitbürger! daraus Anleitung das eurige beyzutragen, und unsern politischen Handwerksmann zu überzeugen, daß, so wie er dem Argus stockblind zu seyn beschuldiget, er selbst start und stockblind sey, und daher wohl dem Klang der Glocken gehöret habe, ohne zu wissen, wo sie hängen.

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8. Vorrede.

Mich aber werdet ihr dadurch unendlich verbinden, euch mit desto größren Eifer zu lieben und zu verehren.

Kopenhagen

Den 1 April 1771.

Danskvenius.

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Bringet der dänischen Nation einen feinen Geschmak guter einländischer Arbeit bey, schaffet denen Arbeitern guten Einkauf der Materialien und Lebensmitteln, so wird sich die Menge der Arbeiter von selbst vermehren, und die Fuscherey wird ohne weitere Anstalt von selbsten wegfallen.

Guten Morgen! mein poßierlicher Handwerksmann, Eure unüberlegte Schrift, wozu euch die No. 11 und 12 des dänischen Argus die Feder in die Hand gegeben, nöthiget mir diesen Gruß ab. Ich habe meinen Wahlspruch aus keiner fremden Feder entlehnet, sondern aus meiner eigenen Erfahrung genommen, und ich bin überzeugt, daß einjeder rechtschaffener Patriot mit mir darin übereinstimmen wird, der nicht von gleichen Vorurtheil, wie

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ihr, eingenommen ist. Und da ihr, als ein Nicodemus, den Argus des Abends besuchet, so erlaubet ihr doch wohl, daß ich euch an einem Feyertag eine Morgenvisite ablege, weil ich des Abends eben so wenig Zeit von meiner Arbeit zuversäumen übrig habe, als ihr vielleicht des Tages.

Unter der Menge der Schriften, zu welchen bereits die Druckfreyheit Anlaß gegeben, ist der dänische Agus, der einzige, der etwas weniges zum Besten der Handwerker erwähnet hat.

Zu einer Zeit, da unser allergnädigster Landesvater sich M8he giebt, seinen bedrängten Unterthanen aufzuhelfen, und damit durch weise Veranstaltungen bey dem nothwendigsten Stande den Anfang gemacht, trauen wir Ihm mit der ungezweifelten Hofnung zu, er werde auch an den Bürger- und Handwerks-Stand denken. Argus thut dazu einige Vorschläge, weil er es vor seine Pflicht erkennet, die Sache der Armuth zu reden.

Ein Mann, wie ihr, der mit Vorurtheilen, und vielleicht gar von persöhnlichen Haß gegen einige Handwerksleute eingenommen ist, darf sich unter der lügenhaften Masque eines

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Handwerksmannes verstecken, ihm derowegen auf eine unglimpfliche Art angreifen, denen Künstlern und Handwerkern mit denen unverschämtesten Beschuldigungen zu belegen, und sowohl Eingebohrnen als Fremden hier etablirten auf eine verläumdische Art anzuschwärzen, um nur dem Publico in seinem vorgefaßten Wahn noch mehr zu bestärken, daß alles was nicht in Frankreich gemacht, sey nicht tauglich.

Ihr vergleichet dem Argus mit jenem Zinngiesser in der Comoedie: und dieses ist die Mode vieler jetziger Schriftsteller, so bald jemand die Sache der Armurh redet, so bekomt er diesen Caratter, oder auch, daß er mit seinen guten Männern bey einen Krug Bier von Staats-Affairen geredet habe. Wie froh müssen diese nicht seyn, daß sie diese Gedanken von Holberg entlehnen können? denn da sie selbst nicht denken kommen; so muß Holbergs Zinngiesser herhalten, so bald sie nichts anders zu antworten wissen. Allein mein vermeinter Handwerksmann ist einer von der Art, auf welchem sich der Vergleich am besten passet. Denn wäret ihr ein Handwerksmann, so wie ihr euch davor ausgebet, so würdet ihr nicht von denen Handwerkern eben so, wie jener von der Obrigkeit urtheilen.

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Ihr tadelt die Philosophie des Argus, die eurige ist noch weit schlechter. Eure Leidenschaften haben über eure Vernunft einen großen Sieg erhalten.

Aus welchen philosophischen Gründen verlanget ihr, daß ein Aeltermann von Eigennutz befreyet seyn soll? da doch diese Leidenschaft die Triebfeder euren Scharteque gewesen. Denn aus der Stellung derselben habt ihr euch Hoffnung zu zweyen Quellen eures Vortheils versprochen: Einmahl durch den Absatz derselben den euch eine glanzende Aufschrift verschaffen konte. Zum andern, daß wenn nun euer ungereimter Project zur Ausführung kommen würde, ihr, als ein Mann, der vielleicht in gewissen jährlichen Gehalt stehet, von demselben den größten Theil würde ersparen können. - Ja freylich, wenn die Menge der Arbeiter erst seine Höhe erreichen wird; wenn eure erträumte Herrlichkeit ihnen erst wird zu Theil werden; dann werden sie kommen und euch Kleider, Meublen und Hausgeräthe aus Erkäntlichkeit, vor die grossen Vorcheile, die ihr ihnen verschaft habt, umsonst und ohne Bezahlung reichlich zubringen.

Welch ein lächerlicher und abgeschmackter Ausdruck ist es nicht, dem Argus zu beschul-

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digen, wenn er seinen Aeltermann leise redend einführet, daß er die Aeltermänner zu Despoten der Emsigkeit machen will, wenn sie nicht willig Freymeister annehmen wollen. - Wenn der Supplicant, der um ein Privilegia anhält in seinen Lehrjahren aufmerksam, und in seinen Gesellenstand emsig, ordentlig und sparsam gewesen wäre, so würde er nicht nöthig haben, die Obrigkeit mit dergleichen Gesuch anzumuthten; seine Geschicklichkeit würde ihm Muth einflössen, aller bangigkeit die ihm von der Verfertigung eines Meisterstückes etwa abschrecken will getrost unter die Füsse zu treten. Mir ist noch kein Exempel bewußt, weder hier noch andern Orts, daß ehrliebende und geschickte Leute, die schon Meister in der That seyn, ehe sie noch den Nahmen erhalten, ihre Zuflucht zu solchen elenden Hülfsmitteln nehmen. Nur niederträchtig denkenden Gemüthern ist dieses eigen, nur solche die Tagdiebe und nicht gutthuende Taugenichts, sowohl in ihrem Lehr- als Gesellen-Stande gewesen, scheuen sich, durch das nach denen Gesehen des Landes vor geschriebene zu verfertigende Stück, öffentlich an den Tag zu legen, daß sie im Stande seyn, diejenige Kunst in Ausübung zu sehen, in welcher sie vor einen Meister gehalten seyn wollen.

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Wenn unsere Freymeister nach diesen Grundregeln gehandelt hätten, so würden sie die Obrigkeit nicht mit ihren lügenhaften Suppliquen so häufig überlaufen, und denen Aemtern die Mühe ersparet haben, ihre Erklärung darauf zu geben, denn diese mögen nun partheisch oder unpartheisch, wahr oder unwahr seyn, so wird damit gleichviel ausgerichtet.

Wer sollte aus dem was unser politische Handwerksmann auf der 6ten Seite anführet, wohl anders urtheilen, als daß er ein Bürgermeister wäre, weil er die Erklärungen der Aemter so genau kennet? welches genaue Erkänntniß er dem Argus so sehr anwünschet. Ich wünsche dagegen, daß er ein Handwerksoder ein Amts-Aeltermann würde, und das vorige Leben, und die Tauglichkeit derjenigen, welche Freymeister zu werden suchen, so genau kennen möchten, als eines jeden Amts-Aeltermann die von seinen Amt kennet, dieses mit der lügenhaften Ansuchung conferiren, so würde er erkennen, daß es einem Bürgermeister eben so fremd Vorkommen würde Aeltermann zu seyn, als einen Handwerksmann Bürgermeister, und daß es einen jungen Menschen weniger Kunst ist Meister zu werden, als Meister zu bleiben.

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Ein gleiches verräth unser masquirter Handwerksmann auf der 7ten Seite, da er seinen Stiel verändert. In Wahrheit, wenn er die Kunststücken und Geschöpfe seiner Hände, mit eben der Leichtigkeit, eine andre Wendung geben kan, als seine Feder den Stiel verändert, so verdiente er schon Amtsmeister zu werden, wenn er auch jetzt nur vor einen Fuscher gehalten wird. Er gehet nun zur Hauptsache, und untersuchet die Gründe, welche Argus anführet, wenn dieser nehmlich sagt: "Daß wenn die "Aemter aufgehoben würden, so würden die vielen Arbeiter gut Kauf geben, die Arbeit würde aber auch viel schlechter seyn.” Dieses Argument umzustossen wird der Wahlspruch aus dem patriotischen Zuschauer angeführet. "Daß die Menge der Arbeiter uns nicht allein gut Kauf, sondern auch gute Wahre verschaffen würde."

Ohnerachtet ich das Werk des patriotischen Zuschauers nicht gelesen, so glaube ichs auf das Wort unsers politischen Handwerksmannes ganz gerne, daß er das Wohl des Staats vor Augen gehabt habe; gleichwohl darf ich mir getrauen zu sagen, daß er in Ansehung der Künste und Handwerker eben so mit Vorurtheile eingenommen gewesen als dieser, welches ich aus dem was folget Gelegenheit haben werde zu erörtern.

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Die Beschuldigung daß die Amtsmeister sich auf ihre Schilde verlassen, ist grundfalsch. Zu der Zeit da ich ein Schild aushieng, war ich schon Jahr und Tag Amtsmeister, und ich bin bereit es alle Augenblick einzunehmen, weil schon die Freymeister nicht allein, sondern so gar die allerärgesten Fuscher anfangen Schilder auszuhängen. Aber nein! es sind weder Schilder noch Amts-Artickel, welche die Fuscherey ausbreitet: es sind die Vorurtheile der Nation, die ohne dem wahren Werth der Sache zu erkennen, und ohne demselben zu untersuchen, ihren blinden Wahn ohn Unterlaß beybehalten, daß das Ausländische besser ist, als das Einländische, und wenn ja die Umstände denen Kaüfern nöthigen ihre Arbeit in der Stadt zu bestellen, so ist der bloße Meister Nahme und dessen Schild gar oft hinlänglich genug sie abzuschrecken, weil sie glauben, er sey mit seiner Wahre theurer als en Freymeister, da doch gar viele von dem Gegentheil überzeugt worden.

Womit könnet ihr beweisen, mein lieber politischer Handwerksmann daß die Aemter Taxte auf ihre Arbeit setzen? wenigstens ist es, so lange ich ein Eopenhagener Bürger und Amtsmeister bin, bey den Amte, unter welchem ich sortire, noch nie geschehen, sondern ich

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habe meine Arbeit taxirt nach der Zeit, so mit der Verfertigung derselben zugebracht, und nach denen Materialien, so dazu verbraucht worden, mit den billigsten Profit zu meines Lebens Aufenthalt, wie es einen jeden getreuen Bürger ziemet.

Welch ein ungereimter Gedanke, daß Amts-Artikel und Meisterstücke nicht gleiche Einsicht ertheilen, sich der Vortheile seiner Profeßion und der Materialien Beschaffenheit zu Nutzen zu machen. Sind dieses nicht Naturgaben, wovon dem einen ein grösserer Grad ercheilet ist, als dem andern? und haben denn wohl diejenigen von einer Profeßion, an denen Oertern, wo eurem Vorgeben nach, keine Aemter seyn, deswegen gleiche Einsicht und gleiche Fleißigkeit diese Vorrheile in das Werk zu setzen?

Eben so ungereimt ist die Folgerung, die ihr daraus ziehet: daß bey Aufhebung der Aemter, man weniger Fuscher-Arbeit zu sehen bekommen sollte, weil alsdenn ein jeder im Stande gesetzt wäre sich dieser Vortheile zu gebrauchen, da ich doch als Amtsmeister mir bisher aller Vortheile bedienet habe, welche mir Einsicht, Ueberlegung, Fleiß und Geschwindigkeit an die Hand gegeben, ohne deswegen von meinen Mitmeistern Nachstellungen erduldet, noch

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den Namen eines Amtsverderbers zugezogen habe. Es find doch nicht mehrere Aemter in Kopenhagen, so viel mir bewust ist, in der Verfassung, als das Brauer-Amt, die eine Auflagsstelle ihrer Waare haben, von welcher niemand mehr ausliefern darf, als der andere, und die denjenigen ihrer Mitglieder in Strafe setzen, wenn er seine Materialien theurer bezahlet, als der andere. Alle Aemter haben auch nicht Rachmänner zu Aelterleute, und so lange bis ich davon besser überzeugt, werde ich mir nicht einfallen zu glauben, daß ein einziges Amt, welchem eine so mächtige Stütze fehlet, sich Zwangsmittel bedienet ihre Mitglieder zu ihren Pflichten anzuhalten.

Auf eure Einladung, will ich euch denn in Gesellschaft des Argus in die Eisenbuden und in denen Cabinetten der Vornehmen und Reichen begleiten, da wollet ihr uns gute Arbeit zeigen, die in Engeland, Frankreich und Holland verfertiget worden. Ein herrliches Geständniß, welches leider gewissermassen richtig ist, welches aber allzusehr von der schlechten Denkungsart unserer Krämer, und denen Vorurtheilen unserer Vornehmen zeuget. Was finden wir aber in denen Eisenbuden vor Arbeit? Wir finden deselbst Schmiede,

Gürtler und Drechsler Arbeit & c. von welcher doch

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der größte Theil aus Teutschland komt, und cm guter Theil wird hier gemacht. Alles zusammen kan hier eben so gut und zum Theil noch besser gemacht werden, ja die holländische Schmiede-Arbeit ist so elendig, daß wenn ich auch dasjenige, was ich zu meinem Werkzeuge gebrauche, bey unsern hiesigen Schmieden doppelt so theuer bezahlen sollte, ich es doch allemal der holländischen Arbeit vorziehe.

Warum aber nöthiget ihr uns nicht auf die Kunstkammer zu kommen, ohne Zweifel, weil es nicht euren vorgefaßten Wahn gemäß isi, denn weil daselbst Arbeit anzutreffen, die von unsern Landeskindern verfertiget ist, so würden eure Vorurcheile euch selbst beschämen, so wie ihr eure Landesleute zu beschämen suchet.

Glaubet mir, mein politischer Handwerks- mann, daß so lange unsere Buden noch ausländische Waaren verschreiben, die hier gemacht werden können, und unsere Vornehmen glauben, daß unsere Künstler und Handwerker Meerkatzen sind, die zwar menschliche Gestalt, aber keinen menschlichen Verstand haben, so lange wird alle Mühe vergeblich seyn, die sowohl der Staatsmann als der Künstler anwendet, die Künste und Handwerker im Flor zu bringen.

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Wir müssen darin der schwedischen Nation Gerechtigkeit wiederfahren lassen, deren Gedenkungsart der unsrigen in diesem Stück ganz entgegen ist. Aemter sind unter ihnen eben so wohl gebräuchlich, als hier, und ihre Gerechtsame werden auf das nachdrücklichste gehandhabet. Ueberzeugt davon, daß durch den Trieb nach fremder Waaren, ein jeder vor sich durch wohlfeilen Einkauf derselben etwas ersparen könte, daß Beste des Staats aber darunter leidet; überzeugt, daß bey der Theurung der Lebensmitteln, Materialien, Hausmiethe, Kronsteuer und andere Ausgaben, es denen Künstlern und Handwerkern unmöglich ist mit Denen Ausländern gleichen Preiß zu halten; und das derjenige, so im Lande lebt, sich auch im Lande und von dem Einwohnern des Landes nähren soll, bezahlen sie die einheimische Arbeit lieber dreymahl so theuer als die ausländische, doch mit dem Beding, daß sie gm gemacht sey, denn wer sich nicht auf gute Arbeit befleissiget, darf nicht denken, daß er sich in Stockholm wird ernähren können. Aus der Ursache kan man daselbst Arbeit von allerhand Arten sehen, die der Englischen und Franzößischen nichts nachgiebet. Wenn unsere Nation sich also zu denken gewöhnet, alsdenn und nicht eher wird alle Fuscherey von selbst aufhören, so lange wir aber nur auf den wohlfeilen Preise

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und nicht auf den Werth der Sache sehen, so lange muß die Fuscherey sich mehr und mehr ausbreiten, und wir werden nimmermehr zum Zweck gelangen; so lange die Bedienten der Vornehmen, und die Mägde der Geringern um eine geringe Arbeit halber die ganze Stadt durchgejaget werden, bis sie denjenigen Fuscher oder Freymeister aufgefunden haben, der es ein Paar Schilling wohlfeiler macht, da diese doch was die Herrschaft besparet, an ihren Schuhen und Strümpfen verschleissen, geschweige die Versäumniß der Zeit, die zu andern Verrichtungen angewendet werden könte; so lange wird niemand, er sey auch zehnmal Amtsmeister, im Stande seyn, den gehörigen Fleiß, entweder persöhnlich anwenden, oder durch seine Leute anwenden lassen können, weil er an der Zeit das gewinnen soll, was er an der Bezahlung verliehret, wenn er mit denen Fuschern gleichen Preiß halten soll.

Dieses ist die wahre Ursache, daß unsere Handwerker, die vor etwa 20 Jahren, denen Handwerkern in denen berühmtesten Städten Teutschlandes trotzeten, seit dieser Zeit den Krebsgang gehen. Dieses sind die fatalen Ketten, die unsern Witz und unsern Fleiß gefesselt halten, und nicht die Einrichtungen der Amts-

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Verfassungen, wie ein politischer Handwerksmann träumet.

In Wahrheit! ihr müsset ein poßirlicher Handwerksmann seyn, der so gut Bescheid weiß, daß in denen Cabinettern der Vornehmen und Reichen gute Arbeit anzutressen, die in Engeland, Frankreich und Holland verfertiget ist. Ihr seyd auch vielleicht der einzige, denn andere Handwerksleute haben bey denen Vornehmen keine grössere Gnade, als daß sie in denen Pforten von einen Bedienten oder Küchenmagd empfangen, sonderlich wenn sie Bezahlung vor ihre Arbeit haben wollen, hönisch zum Hause hinaus, oder wohl gar zum Teusel mit Bedrohung der Parforcepeitsche gewiesen werden.

Dieses eröfnet mir eine Scene, die das vornehmste Glied der Kette ausmachet, die unsere Künste und Handwerker fesselt, daß nehmlich dasjenige, was die Vornehmen nicht von fremden Oertern bekommen, von unsern Arbeitern auf Rechnung geschrieben werden muß, denn wenn diese das nicht wollen, so hätten sie gar nichts zu bestellen, sie geben dahero Kredit, und weil sie nicht unerschöpflich seyn, müssen sie wieder Kredit machen, darüber verlauft ein Jahr, und alsdenn müssen sie

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bisweilen noch ein Jahr nach der Bezahlung laufen, ihre Arbeit zu Hause versäumen, und Rente vor ihr eigen ausgelegtes Geld bezahlen, und wenn sie denn lange genung gelaufen haben, sich noch dazu einen Theil der Bezahlung abkürzen lassen, und Rente auf Rente bezahlen. Dieses, mein lieber politischer Handwerksmann, erfährt kein Fuscher, wie ihr etwa seyd, denn unsere petits maitres, so lange sie noch vor baares Geld was machen lassen können, suchen nur eures Gleichen auf, wenn aber der Beutel ausgefegt ist, gehen sie bey denen Amtsmeistern, und nehmen auf Kredit. Dieses Uebel des Kreditmachens hat um sich gefressen, wie der Krebs, in allen Ständen, vom blauen Ritter an, bis auf den Hausknecht, und glaubet ihr wohl, daß dieses ein kräftiger Bewegungsgrund der hohen Preise unserer Arbeit sey,

Freylich sind Genies in Dännemark! aber wo sind die Mittel sie auszuhelfen und zu verbessern, wenn von denen Handwerkern die Rede ist? Ja wir haben gelehrte Männer, welche eben so gut als die Engeländer, Franzosen und Teutschen, Abhandlungen zur Verbesserung der Künste und Handwerker schreiben können. Dis saget ihr uns, und wir glauben es auch. Aber mit grossen Recht möget ihr wohl fragen: Wer sollte sie lesen? Man pfleget gar ofte de-

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nen Gelehrten zu rühmen und zu danken, vor das Geschenk welches sie durch ihre Schriften der Welt gemacht haben. Allein der Buchdrucker will doch seine Bezahlung haben, und der Buchhändler will auch vom Profit leben, folglich sollte sie der Handwerksmann kaufen. Wenn aber euren windigen Project nach, die Monopolia der Aemter (wie ihr sie zu nennen beliebet) aufgehoben, und die Künste und Handwerker zu Monopolia der Krämer werden; (denn dieses ist doch wohl der ungezweifelte Erfolg) wann schon jetzt, da die Aemter noch ste sten, ein Handwerksmann der kein väterliches Erbtheil gehabt, auch nicht durch Heyrath reich geworden, und der eben sowohl Ehre halber als vor Bezahlung arbeitet; alles seines Fleisses und seiner Strebsamkeit ohnerachtet, kaum sein täglich Brodt erwerben kann, wie sollte ihn alsdenn noch etwas übrig bleiben Bücher zu kaufen? O! wie lange habe ich schon getrachtet, nach einer französischen Abhandlung meiner Kunst, oder teutschen Uebersetzung, aber leider noch nicht dazu gelangen können.

Wenn die Zeichen-Academie ein Beweis ist, daß in Dännemark Genies seyn, so ist sie auch zugleich ein Beweis, daß die Aemter in ihrer gegenwärtigen Verfassung höchst noth-

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wendig seyn, weil die Academie selbst ein Amt ist.

Ein jeder Amtsmeister, der einen Jungen lernet, ist in seiner Art ein Professor seiner Kunst, so wie es ein Professor der Academie in der seinigen ist. Die Anfänger der Zeichenkunst sind als Lehrjungen zu betrachten, so lange bis sie die von Sr. Königl. Majest. bestimte Medaille erhalten haben, und dazu ist keine Zeit bestimt, sondern es komt auf das Genie des Lehrlings an, bis dahin ist der Professor sein Lehrmeister.

Ein Amtsmeister nimmt einen Jungen in die Lehre auf gewisse Jahre, nachdem er mit seinen Eltern oder Vorgesetzten den Contract schliesset; in dieser vorgeschriebenen und verabredeten Zeit, ist er nach den Gesetzen verpflichtet, ihm sein Handwerk also zu lernen, daß er nach Verlauf dieser Zeit, vor einen tüchtigen Gesellen paßiren kan, und bis dahin ist er sein Professor. Der erste verfertigt ein Stück, auf welchen eine Prämie bestimt ist, der andere ein Gesellenstück, beyde sind nun Gesellen, aber mir welchem Unterschied? der erste auf Kosten des Königs und des Staats, der andere auf Kosten seines Lehrmeisters allein. Der academische Geselle reiset in fremde Län-

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der, und dieses auf Kosten des Königs; warum soll es denn den Handwerksgesellen nicht eben sowohl erlaubet seyn seine Einsichten auf Reisen zu erweitern, da dieses dem Staate keinen Schilling kostet? In Warheit! wenn der König mir jährlich 300 Reichsthaler gäbe, ich wollte noch nach Frankreich und Engeland reisen; ob ich gleich schon allhier einige Jahre Amtsmeister bin.

Der academische Geselle komt wieder, und hat Prämien ausserhalb Landes gewonnen, dieses macht ihm zum Meister, der Handwerksgeselle komt aus der Fremde, und verfertiget ein Meisterstück, und legt dadurch eine Probe ab, wie er sich tüchtig gemacht hat, ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu seyn, nun versucht er sein Glück auf gut gerathe wohl. Jener hat sein gewisses Glück und stehende Gage. Was ist nun vor ein Unterterschied zwischen beyden Aemtern? Ich frage euch, mein lieber politischer Handwerksmann! Kein anderer, als daß der eine auf Kosten des Königs zum Glück erhoben, der andere aber sein Glück auf unsichere Hoffnung gründet.

Auf der 11ten Seite scheinet es, wofern ich mir nicht irre, als ob unser politischer Hand-

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werksmann abermahl feinen Stiel verändert. Er redet von Stiftungen, woselbst vor die Jugend ausgesetze Preise bestimt seyn, die mir aber noch bis Dato unbekant geblieben. Er giebt die Handwerker Schuld, daß sie sich derselben schlecht benützt haben. Wenn dieses die Academie seyn soll, so hat er uns ja schon einmahl davon ein lebhaftes Bild gemacht. Ist aber das Wäysen- und Erziehungs-Haus darunter verstanden, so ist es eine sehr seltsame Musterung, die er mit den Lehrjungen der Handwerker vornimt. Was hat der Unterricht und jugendliche Erziehung mit der Erlernung eines Handwerks zu bestellen? - Der Name eines Erziehungshauses, und die nie genung zu preisende Absicht seines grossen Stifters, sollte uns doch wohl Bürge davor seyn, daß der Junge bey seinen Eintrit in die Lehre, schon die nöthige Erziehung habe. Hat er sie aber nicht, warum schreibet ihr denn den Mangel derselben, auf Rechnung der Amtsverfassungen? und welcher Handwerksmeister ist verpflichtet, wenn die Eltern seines Lehrlings, oder in Mangel derselben, diejenigen, welchen seine Erziehung anbefohlen war, nicht die gehörige Sorge vor ihm getragen, ihm denn erst auf der Zeichen Academie

gehen zu lassen, mann er damit beschäftigt ist ihm diejenige Kunst zu lernen, womit er sich Zeitlebens ernähren kann? Daß dieses

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aber gleichwohl geschiehet, ist mit vielen Exempel zu beweisen.

Von gleichen Sauerteige ist es, daß ihr denen Handwerksmeistern die Schuld beyleget, daß ihre Lehrlinge keine andere sind, als Soldaten- Matrosen- und Baurenkinder, oder höchstens solche, die aus den Wäysen- und Erziehungs-Hause genommen. Wer hätte wohl seine Söhne lieber eine Kunst oder Handwerk lernen lassen, als ihnen den Dienerstand widmen, so lange diese sich zu allen öffentlichen Ehren-Aemtern schwingen könten? jene aber als elendige Sklaven betrachtet werden, und wo ist denn die Rangverordnung zwischen Bürgern und honetten Bürgern zu finden? Ich meyne, ein jeder Bürger wird ein honetter Bürger nach seiner Lebensart und honetten Aufführung. Und welcher Handwerksmann ist im Stande einen eurer honetten Bürger zu zwingen, ihm seinen Sohn zum Lehrling zu geben, wenn er selbst nicht will? Ist also jemand einen Zungen benöthigt, so wird er ihm wohl nehmen müssen, wo er ihm bekommen kan. War es doch vor wenig Jahren noch beynahe ein Wunderwerk, einen Jungen aus dem Erziehungshause zu, bekommen.

Nach

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Nach Vollendung dieses Gewebes nehmet ihr die Lehrjahre in Musterung, und so wie ihr euch einmahl vorgenommen habt, recht unverschämt zu lügen, so fehlet es auch hier nicht.

In 6 bis 7 Jahren, heisset es, sollte doch wohl etwas erlernet werden. Hiezu sagt eure Erfarung: Nein. Wenn aber ein Junge, nach Endigung seiner Lehrjahre, ein Gesellenstück verfertigen kann, so wie es die königliche Verordnung einen jeden Handwerk vorgeschrieben, so kan er ohne Zweifel auch etwas mehrers machen. In meinen Lehrjahren gab mir mein Lehrmeister die Regel: Daß ich schon Geselle in der That seyn müßte, ehe ich noch den Namen zu führen berechtiget wäre. Dieser Regel bediene ich mir wieder bey meinen Lehrling, und dieses wird sich ein jeder vernünftiger Meister zu bedienen wissen, der, als ein redlicher Mann, nach Ehre seiner Ausgelernten trachtet. Dieses Mannes Regel habe ich in meinen Gesellenstande gefolget, nehmlich: Meister in der That zu seyn, ehe ich durch Verfertigung eines Meisterstücks den Namen erhalten. Und meynet ihr nicht, daß dieser Mann Brüder in Dännemark hat, die eine gleiche Gedenkungsart haben?

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Daß die Amtsverfassungen, nach der Verfertigung des Meisterstücks denen Meistern, eine gewisse Art der Klugheit beylegen, ist eine gleiche Unwarheit. Ihr sehet aus dem, was ich vorher gesagt, wie ich darnach gestrebet habe, in meinen Jungen- und Gesellenstande, dasjenige schon in der That zu seyn, wovon ich erst in der Folge den Namen erlangen sollte. Allein seit dem ich den Meisternamen erhalten, habe ich mir selbst betrachtet, und betrachte mich noch, als einen Lehrling meiner Kunst, der Zeit seines Lebens lernen muß, und niemals vollkommen seyn kann, es sey nun im imitiren oder erfinden. Und wo ist wohl ein sichrer Weg zur Vollkommenheit zu gelangen, als dieser? Gleichwohl bin ich Amtsmeister, welchem doch die Amtsverfassungen, wenn eure Vorgebungen richtig wären, einen gleichen Grad der Klugheit eingeflösset haben müßten, als meinen Collegen. Wann ich mich aber noch in meinen Meisterstand, als einen Lehrling, betrachte, was wundert ihr euch denn, wenn eines Jungen Lehrzeit erst angehet in einem Alter von 22 bis 25 Jahren, da ich mein Handwerk schon in 20 Jahren obgelegen habe.

Und so, wie ihr den Argus zu einen Hermann von Bremenfeld machen wollet, so wollet ihr wohl alle dänische Handwerksmeister zu

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Matz Bucks Philosophie machen, die steif auf ihre Meynungen beharren, und ihre Hörner tausendmahl vor Bagatelle wetzen. Dieses mag treffen wem es will, mich rühret es im geringsten nicht; denn eben so, wie ich mich in meiner Kunst frey zu handeln und frey zu denken gewöhnet habe, so lasse ich auch meinen Gesellen diese Freyheit. Und wenn ich gewahr werde, daß sie einen leichtern Weg und bessere Handgriffe zur Ausarbeitung gewisser Sachen als ich, besitzen, so bin ich bereit, meine eigene Meynung viel lieber zu verwerfen, als ihnen aufzubringen. Derjenige aber, der zwar die Handwerksgebräuche, aber nicht das Handwerk selbst, verstehet, wird niemals von mir gefürchtet, (weil ich in meinen Gesellenstand selbst davor weder geehret noch gefürchtet worden,) wohl aber mit Mitleiden und Veracht angesehen worden. Und unglücklich sollte derjenige Geselle seyn, der meinen Jungen zu verlegenen und verjährten Handgriffen prügeln wollte.

Ach mein politischer Handwerksmann! wenn ihr das wäret, wofür ihr euch ansgebet, so würdet ihr die freye Montage nicht auf die Einrichtungen der Amtsverfassungen schreiben, denn weder die, von Sr. Königl. Majestäten bekräftigten Amtsartikeln, noch die Hand-

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werksgewohnheiren und Gebruäche, geben dazu die geringste Anleitung.

Einige Gesellen gewisser Aemter haben den Gebrauch alle Monate einmahl, und dis an einem Montag Nachmittag sich zu versamlen, und ihr Ladengeld, welches zur Unterstützung der Kranken gewidmet ist, zu erlegen. Bey andern geschiehet dieses nur alle Quartal. Sowohl die Amts-Artikel, als eure sogenante Gebräuche, bedrohen diejenigen, so von dieser Freyheit einen falschen Gebrauch machen, mit Strafe. Eine neuere Verordnung schränket diese Bestraffung der Aemter nicht allein ein, sondern hebt sie gänzlich auf, daher kommen die Ausschweifungen der Gesellen, die gar wohl begreifen, daß ein Meister ihre Fehler lieber übersiehet, wenn er sie benökhigt ist, als Daß er beyde, ihm und sich selbst, Versäumnis mit Laufen vor dem Policeymeister verursachet. Dieses würde euch bewuft seyn, wenn ihr ein Handswerksmann wäret; und wenn ihr ein Patriot oder Starsmann wäret, so würdet ihr einsehen, daß ein monatlicher Beytrag, zu Unterhaltung kranker Mitbrüder, eine christliche und löbliche Ordnung sey, die, wann sie nicht wäre, unsere Hospitäler anfüllen, und den Staat eine neue Bürde verursachen würde. Und meynet ihr denn, daß die Gesellen in Frank-

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reich und Engeland keine gute Montage machen.

In Wahrheit! es bedarf nur wenig Erfarenheit eure falsche Vernunftschlüsse darzulegen, wenn ihr einem erleuchteten Publico bereden wollet, daß die Erlernung der Gebräuche die ersten 2 Jahre des Gesellenstandes wegnimt. Hat es (wenn ihr ein Handwerksman seyd) euch so viel Zeit gekostet, so müsset ihr der ärgste Dumrian seyn, und ihr wäret alsdenn besser, geschickt gewesen den Bauren beym Pfluge zu dienen, als eine Kunst oder Handwerk zu erlernen. Als ich ein Monat Geselle war, wußte ich schon die ganze Theorie dieser Gebräuche, wie ihr sie zu nennen beliebet Rechnet nun, wie viel Zeit zur Praxinnach dieser Vergleichung, nöthig sey. Heiße daß nicht gelogen im übertriebenstem Grade, wenn ihr aus ein oder zwey Monate zwey Fahre gemacht, und solche Uebertriebenheit vor eine gewisse Wahrheit ausgebet.

Ach! wenn ihr die Absicht der Schreibfreyheit so erfülletet, wie ihr sie dem Argus zu erfüllen anrathet, so würdet ihr nicht anstatt Misbranche anzugreifen, und Vorurtheile an den Tag zu legen, euch bey unschuldigen Nebendingen aufhalten, und eure eigene, wider

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die Amtsverfassungen gefaßte Vorurtheile, bloß stellen. Diese Nebendinge, wie ihr sie nennet, sind gestiftet, um gute Ordnungen zu erhalten. Sind sie vor Zeiten gemißbraüchet worden, so sind ja in allen Landen Gesetze vorhanden, die den Misbrauch derselben vorlängst aufgehoben, und wenn dem ohnerachtet dennoch hin und wieder einige einschleichen, o so wisset! daß die Religion selbst nicht von Mißbrauchen frey ist, wenn es mir erlaubt ist, mich dieser Gleichniß zu bedienen, und welches euch nicht unbekannt seyn kann, wenn anders die Religion ein Gegenstand ist, dem ihr eurer Aufmerksamkeit würdiget. - Wann ihr nicht von Vorurtheilen eingenommen wäret, so würdet ihr begriffen haben, daß diese Nebendinge der praktischen Ausübung eines Handwerks, eben so wenig nachtheilig seyn, als die Ceremonien der Kirchen, der praktischen Ausübung ihrer Lehren. Das Beyspiel derer vier Maurergesellen beweiset in dieser Sache nichts. Ihre Aufführung war gewiß eine Furcht ihrer Erziehung, denn hätten sie einen festen Grund der Religion gehabt, so würden sie die Befehle der Obrigkeit, die von denen Untern, als Befehle natürlicher Ettern betrachtet werden müssen, mehr respectiret haben, als diese Gebräuche, die von vernünftigen Meistern und Gesellen nur als solche Dinge betrachtet werden,

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die weder nützen noch schaden können; wann sie erkennet hätten was es heisse: Liebe deinen Nächsten als dich selbst, so würden sie die auch unter denen Aemtern bekannte Regel betrachtet haben, daß es besser sey, zehen ehrlich, als einen unehrlich zu machen.

Eben so schreibet ihr die Aufstände ganzer Aemter in denen Hanseestadten, auf Rechnung der Amtsverfassungen. Wie unzulänglich dieser Beweiß ist, ist daraus zu ersehen, daß man vor nicht gar langer Zeit in denen Zeitungen gelesen, daß die Seidenwebergesellen in London einen weit abscheulichern Aufstand gemacht, als jemals an andern Orten erhöret worden. Wann nun, eurem Vorgeben nach, in Engeland keine Aemter sind, aus welchen Verfassungen ist denn, dieses herzuleiten?

Eben so übertrieben ist die Angabe auf der 17ten Seite, daß die daselbst gemeldete Vergehungen wider die Gebräuche, den Verdienst, und die Zeitversäumniß ganzer Wochen wegnehmen. Die Gesellen meines Handwerks, die auch einen Theil dieser Gebräuche beobachten, werden vor dergleichen Fehler niemals höher, als mit Bedenkuna der Armenbüchse, belegt, und auch zum öftern ganz und gar übersehen.

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Doch ihr, meine Brüder und Amtsverwannten, einer jeden Kunst! denket nur nicht, Daß es dieses alles ist, was eure Erwartung bey der Schrift dieses Mannes übertrift. Nein! Eure Amtsverfassungen müssen sogar die Ursachen seyn, durch welche die gute Sitten verdorben werden. Ich frage euch und ein ganzen erleuchtetes Publicum, ich frage sonderlich diejenigen, die das verderbte menschliche Herz, und dessen Widersetzlichkeit, wider alle dem was ordentlich und gut ist, kennen, ob dieses nicht die allergrößte Unbesonnenheit ist? Wann die Aemter aufgehoben würden, würde denn dieses mehr beytragen die Sitten zu verbessern, als nun seit 1700 Jahren, die reineste Sittenlehre der allerheiligsten Religion beygerragen hat? Wir haben öffentliche Schauplätze, woselbst die Laster lächerlich gemacht werden. Ist nicht also die Absicht der Schauspiele, die Sitten zu verbessern? Allein, was haben sie bisher ausgerichtet? Anstatt, daß die Zuschauer ihre wahre Absicht erkennen, gehen die meisten daselbst hin um die Zeit zu vertreiben, und etwas zu lachen zu haben; sie bemerken diese lächerlich gemachten Fehler, wenn es hoch komt, an ihren Nebenmenschen, aber selten an sich selber. Der Marquis von Caraccioli, der seine Schrift, die den Titel führet: La Jouissance de soi même, gewiß nicht

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vor die Handwerksleute geschrieben, fängt seine Abhandlung von den Sitten, mit diesen Worten an: a) „Ein Mensch von guten Sitten ist heutiges Tages eine seltsame Erscheinung." Ja er sagt noch mehr an einen anderen Ort b): „Der meiste Theil der Reichen und Großen haben gar keine Seele." Hieraus erhellet, daß die Sitten aller Stände, und aller Nationen verdorben sind, da doch der Handwerksstand allein Amtsverfassungen hat, die eurer Meynung nach die Sitten verderben. Dieses muß also nicht die rechte Quelle seyn, aus welcher die verdorbene Sitten der Handwerker herflissen, sondern der Grund derselben muß vornehmlich in der Erziehung liegen, und diese Erziehung, muß nicht wie ich schon erwähnet, mit der Erlernung eines Handwerks vermischt werden.

Jedoch, weil unser politischer Handwerksmann Exempel anführet, so muß ich mich, mit seiner Erlaubniß, auch dergleichen bedienen. Man betrachte die studirende Jugend, diese hoffnungsvollen Lehrlinge des Witzes, welche sich durch die Befliessenheit der Wissen-

a) Vid. die Besitzung sein selbst pag. 142. Frankf.

Uebersetzung.

b) Ib. p. 245.

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schaften zu Werkzeugen machen sollen, wodurch die Barbarey ausgerottet, und die guten Sitten an ihre Stelle gepflanzet werden; man untersuche ihre Aufführung auf denen meisten Academien. Welch eine Ungezogenheit, ja wohl gar Barberey - selbst wird man nicht erblicken? Man lese die No. 18 des patriotischen Magazins, so wird man daselbst aus dem eigenen Munde eines Studirenden, das Geständniß der Wahrheit meines Satzes, finden. Haben denn die Academien auch Amtsverfassungen, aus welchem die Verderbung der Sitten dieser Leute enstehen?

Was rathet ihr denn nun, wie alle diesem Uebel abzuhelfen? wann weder Religion, noch Moral, Schauplätze, oder Wissenschaften vermögend sind gereinigte Sitten hervorzubringen. Ohn Zweifel dieses, was ihr von denen Aemtern saget: „Vertreibet die Religion aus unsern Reichen, verwüstet die Academien, schicket die Moralisten in Landflüchtigkeit, und hebet die Aemter auf, damit alles seinen freyen natürlichen Lauf habe, alsdann, und nicht eher, werden die Sitten gereinigt werden, die Wissenschaften blühen, und die Künste und Handwerker in Aufnehmung kommen." Allein, wenn ihr, mein lieber politischer Handwerksmann, denn Rath eines

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einfältigen Handwerksmannes nicht verschmähen wollet, o! so gehet mit eurer Staatskur ein wenig vorsichtig zu Werk, damit sie nicht ärger werde, als die Krankheit selbst.

Nun, so vereiniget euch dann! ihr sämtlichen Amtsmeister aller Künste und Handwerker, die Verbindung unter euch, je eher je lieber, aufzuheben. Eilet die Kinder der reichen und ansehnlichen Bürger, die dann bey euch zur Erlernung eurer Künste kommen, zu empfangen, und welche nichts anders, als diesen Zeitpunkt erwarten, aber untersuchet wohl, ob reiche Eltern, ein Beweiß einer guten Erziehung ihrer Kinder seyn; allein dieses ist nicht eure Sache, wenn sie nur euer Handwerk lernen. Aber vor allen Dingen wecket sie nicht zu frühe des Morgens auf; beleget sie nicht mit vieler Arbeit des Tages, und lasset ihnen des Abends in Gesellschaft ihrer vornehmen Eltern, ihre gleichfalls vornehme Familie, besuchen; oder auch die Bälle, Komoedien, Masqueraden; redet ihnen bey Leibe nichts von Kirchengehen vor, sondern lasset sie den Sontag geruhig, mit in Standsetzung ihrer französischen Kleidertracht, zubringen, und wann der Gottesdienst vorbey, alsdenn haltet ihnen ja nicht ab die Opera zu besuchen; wartet ihnen, fleißig mit Coffe, Chocolade und

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Puntsch auf; denn fleißig arbeiten ist! vor die Bauern, und mäßig leben gehöret nicht in die Sittenlehre unserer reichen und ansehnlichen Bürger. Wenn ihr mir diesen euren Lehrlingen so verfähret, so werden sie schon in ihren Lehrjahren ihre Genies entwickeln können, sie werden schon alsdenn den Plan zu Abhandlungen ihrer Künste entwerfen, und euch selbst in eurer Kunst ein klares Licht ertheilen. Ihre Art zu leben wird ihnen von der Unehre und dem gültigen Beweise der Armurh, befreyen, den ihr euch mit Erlernung eures Handwerks zugezogen habt, und dieses wird ihnen Geld genung verschaffen auf neue Versuche anzuwenden.

Die von dem patriotischen Herrn Lütchen angeführte grobe und feine Arbeit, würde von unseren Arbeitern in Dännemark ohnfehlbar schon vor langen Jahren verarbeitet worden seyn, wenn nicht die ausgeführte Produkten so wohl, als die daraus verfertigte und wieder eingeführte Arbeit selbst, ein Monopolium eigennütziger Leute wäre. In Wahrheit, wenn die franzößische, englische und holländische Handlung auf einem solchen Fuß wäre, als die unsrige, ihre Künste und Handwerker würden bey weitem nicht den Grad erreichet haben, zu welchem wir es gebracht haben.

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Hr. Lütchen hat recht, wer kan es leugnen? Wir ernähren viele Familien anderer Oerter. Ich weiß, daß in Lübeck nnd Hamburg, allein ein grosser Theil meiner Amtsverwandten, ihre meiste Nahrung von Dännemark haben. Wenige Zeit nach meinen Etablissement gedachte ich daran, wie ich einen Theil dieser Nahrung an mir ziehen könte, wenn ich dergleichen Arbeit an denen hiesigen Krämern liefern wollte; ich eröfnete unterschiedlichen von ihnen meine Gedanken, und erbot mich, gegen einen solchen Preiß, der von denen auswärtigen Preisen sehr wenig unterschieden war, selbige zu verfertigen, ja noch mehr, ich habe in unsern Provinzen, an zweyen Krämern, dieselbige Anerbietungen gemacht, bin aber leider nicht darin reußiret. Sind das nicht patriotische Krämer? Ein Theil derselben scheuen sich nicht allein die königl. Gesetze, mit Einführung contrabander Waare, freventlich zu übertreten, sondern wann sie ja einmal in solchen Uebrtretungen betroffen werden, sind sie frech genung sich Atteste zu erkaufen, oder zu erbetteln, als ob es Arbeit wäre, die im Lande verfertiget sey.

Wenn unsere reichen und ansehnlichen Bürgerkinder Lust hätten ihr Brod im Schweiß ihres Angesichts zu erwerben, so würden sie

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sich bequemen Profeßiones zu erlernen, der Vater eines solchen würde, wenn er Lehrgeld vor ihm bezahlete, mit seinen Lehrmeister einen solchen Contract schliessen können, daß er nicht allein niemals Gelegenheit haben würde seinen Sohn ganze Tage auf der Gassen streichen zu sehen, sondern seine Lehrzeit auch verkürzen. Schon jetzt, da niemand Lehrgeld bezahlt, würde kein Meister seinen Jungen zur Pflichtkerl und Handlangerarbeit brauchen, wenn wir hier, wie in Paris, allezeit Arbeit genung hätten unsere Jungens unter Händen zu geben, und den Eröfnung eines Fensters, Kerls genung von der Strasse herbey rufen könten, die vor etliche Schilling wöchentlich unsere Bedürfnisse herbey schaffen, und unsere verfertigte Arbeit, an ihre Stelle, transportiren wollten. Ein solcher Kerl, der, wann er jetzt mit vieler Mühe aufgesucht wird, verrichtet uns keinen Gang unter 4, 8 a 12 Schilling, auch wohl mehr, nach Beschaffenheit der Sache. Mancher Meister hat bisweilen nicht 2 Schilling baares Geld im Hause, will er also die Arbeit nicht selbst holen, oder wegtragen, so muß er wohl seinen Jungen dazu brauchen.

Das liegen auf der Treppe muß wohl nur bey solchen nicodemischen Meistern im Gebrauch seyn als ihr seyd, welche die Nacht zum Tage und

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den Tag zur Nacht machen. Die neueste Handwerksverordnung befiehlet, daß ein Meister seine Hausthüre im Sommer um 10, im Winter aber um 9 Uhr verschliessen soll. Ein jeder vernünftiger Mann, der seine Jungen die gehörige Ruhe vergönnet, thut dieses, wenn auch die Verordnung nicht wäre. Wie wäre es aber solchen nicodemischen Meistern und Gesellen möglich, die halbe, oder wohl gar ganze Nächte, auszubleiben, wenn unsere Policeybedienten, wie es ihre Pflicht ist, die Wirthshåuser fleißig exequirten? und wehe denen Meistern, die nicht allein über ihre Jungens Macht haben, eben sowohl als die Meister in Engeland, Frankreich und Holland.

Wenn unser politischer Handwerksmann, jemahls diese Länder besuchet hat, so giebt er allzu deutlich zu erkennen, daß er mehr die französische ais vivre studiret hat, als die Handwerker; mehr Conqueten bey dem Frauenzimmer gemacht hat, als in denen Künsten; und mit Erlernung dieser Künste zugleich die Kunst erlernet hat, die Jungens auf der Treppe nach seiner Heimkunft warten zu lassen; daß er dieser wichtigen Geschäfte halber nur wenig Zeit übrig behalten, den Zustand der Handwerker zu untersuchen; und daß er endlich bey seiner Wiederkehr, als ein wahrer Jean de France,

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die Handwerksmeister seiner Landsleute tadelt, ohne sie zu kennen.

Was haben die Sänger und Tänzer mit die Handwerker zu bestellen, heißt es bey dem Anfang der zweyten Anmerkung p. 21.

Eben so viel, mein lieber politischer Handwerksmann, als die Erziehung, mit Erlernung eines Handwerks, zu bestellen hat.

Ferner sagt ihr: „Daß die fremden Manufacturisten denen Aemtern nichts angehen, daß diese hereingekommen, um uns in solchen Künsten zu unterrichten, wovon wir nicht das geringste verstunden". Wir verstunden vielleicht also auch nicht die Hutmacherkunst, da ein franzößischer Hutmacher grossen Vorschuß bekam? gleichwohl ist bekannt, daß ein gewisser am hiesigen königl. Hof sich befindender auswärtiger Minister, mit einen unserer eigenen, eine Wette anstellete, daß unsere kopenhagischen Hüte nicht allein eben so gut, sondern auch wohlfeiler waren, als die auswärtigen, welches sich auch, trotz aller franzößischen Vorurtheile, wahr befunden.

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Ihr saget ferner: Daß die bey Aufhebung der Aemter herbeygelockten fremden Künstler, uns in denen Künsten, wovon sie sich ernähren wollten, unterrichtet finden sollten. Dieser Unterricht müßte uns also zu Theil worden seyn in der kurzen Zeit, da ihr diesen Gedanken ausgeschrieben habt, weil ihr so eben Künstler und Handwerker, mit der Auster und Schnecke gleich gemacht, die nicht das geringste verstehen.

Noch eine andere artige Anmerkung: Daß gegenwärtig keiner eine Tonne Bier auszapfen kan, ohne seine Bürgerschaft genommen zu haben. Ist dieses wahr: woher ist es denn gekommen, daß diejenigen, so auf Künste und Handwerker gefuschert haben, einige Jahre haben hinsitzen können, ohne Bürgerschaft zu gewinnen, noch einige bürgerliche Pflichten zu erfüllen? Wenn mehr als der 3te Theil der Gesellen, und mehr als der 6te Theil Fremde sind, so ist es ein ungezweifelter Beweiß, daß mehr Fremde hereinkommen, als Eingebohrne ausreisen. Selbst bin ich ein Fremder, aber weit entfernt, Ehrerbietigkeit vor fremde Gebräuche zu haben, habe ich mich bishero, als ein, Sr. Königl. dänischen Majestät getreuer Unterthan, denen Königl. Landesgesetzen und Gebräuchen, gehorsamst unterworfen. Hoffe auch,

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mit Gottes Hülfe, als ein getreuer Unterthan zu leben und zu sterben.

Sehr gerne wollte ich, ob ich gleich ein Ausländer bin, einen eingebohrnen Gesellen einen Fremden vorziehen, wenn nicht der Mißbrauch der Gesetze, diese Eingebohrnen verhinderte, sich auf ihr Handwerk mit Fleiß zu legen, weil sie aber nur darnach trachten, je eher je lieber ein Privilegium zu erbetteln, oder sich auf Fuscherey zu legen, so wollen sie keinen Meister gutes thun, bey welchem sie Gelegenheit haben könten, etwas mehreres, als alltägliches, zu erlernen.

Euer ganzes Wortspiel auf der 25sten und 26sten Seite, will ich, theils die Handwerker, die mit dem Bauwesen zu bestellen haben, theils dem Argus selbst, zu beantworten laffen. Nur den Punkt, daß teutscher Fürsten Armeen mit Mundirungen gekleidet, und mit Krigsbedürfnissen versehen worden, in Engeland und Holland, kan ich nicht unberührt lassen. Die zu einem Muster aller europäischen Könige und Fürsten, gewordene preußische Armee, ist nicht allein von denen preußischen Handwerkern mit allen diesen Bedürfnissen versehen worden, sondern sie haben auch im vorigen Kriege die rußisch kayserl. Armee

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damit versehen. Gleichwohl sind daselbst Aemter sowohl als in Dännemark, und weil ihr unter denen Städten, die unsere Einrichtungen zum Model dienen sollen, auch Berlin anführet, und allzudeutlich zu erkennen gebet, daß ihr Berlin niemals gesehen, so will ich euch ein wenig unterrichten.

Buchdrucker, Kupferstecher, Kunstmahler, Bildhauer und Mechanici haben keine Aemter, sondern werden zu denen Mitgliedern der Academie der Wissenschaften gezählet. Alle andere Künste und Handwerker haben Aemter, in selbiger Verfassung als die unsrigen. Ja noch mehr, die Zimmer- und Maurmeister haben eine bestimte Zahl, die nicht vermehret wird, bis einer von ihnen ausstirbt. Dahingegen haben die Brauer gar kein Amt, sondern ein jeder Handwerksmann kan Brauer werden, wenn er will. Sehet da, ein augenscheinlicher Beweiß eurer falschen Beschuldidungen, daß die Amtsverfassungen die Aufkunft der Künste und Handwerker schädlich seyn, weil diese Stadt bey denen nemlichen Amtsverfassungen in ihren Künsten und Handwerkern blühet, und von euch selbst zu einen Muster unserer Einrichtungen vorgestellet wird.

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Und so wie ihr euch über dem Argus wundert, daß er seine Städte nicht namhaft machet, so wundere ich mich gleichfals, daß ihr diejenigen nicht nennet, deren Lebensart ihr auf der 28sten und 29sten Seite beschreibet, wenigstens ist sie in Hamburg und Lübeck nicht gebräuchlich, welche doch die Häupter des vormaligen hanseatischen Bündnisses waren. Dank sey euch, mein lieber politischer Handwerksmann, daß ihr die Abnahme des Wohlstandes auf der 30sten Seite der Ueppigkeit zuschreibet. Aber wo haben die Handwerker Ueppigkeit und Verschwendung gelernet? in ihren Amtsartikeln und Gebräuchen, wird davon gar kein Unterricht gegeben. Viele von denen Schriftstellern, die seit den Anfang Schreib-Freyheit, ihre Federn geschärfet, haben wider diese Laster geeifert, aber noch kein einziger hat ihren Ursprung aus denen Amtsverfassungen hergeleitet. Nur ihr politischer Handwerksmann wollet zeigen, daß eure Erfindungskunst ganz neu ist, und daß euer Verstand sich vor andern auf eine ganz besondere Weise unterscheidet.

Schwerlich glaube ich, daß Argus von der Volkvermehrung also gedacht habe, wie ihr es ausleget. Ich, meines Theils, halte sie vor eine Stärke und Segen des Landes, wenn

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aber ein Land seine Einwohner nicht ernähren kan, oder nicht ernähren will, wie ist es möglich, daß sie sich vermehren können. Wenn die Völkervermehrung auf dem Lande zunimt, so werden dem Landmann durch Anbauung ungenützter Felder neue Nahrungswege verschaft, und denen Einwohnern der Städte neue Nahrungsmittel zugeführet, diese würden ohne Zweifel unsere Arbeiter beleben, und ihnen gleichfals neue Nahrungswege verschaffen. Daß Dännemark seine Einwohner nicht ernähren kan, ist augenscheinlich, weil wir so viele Nahrungsmittel aus anderen Ländern bekommen, und daß man selbige nicht ernähren will, ist offenbar, weil man ihre Arbeit verachtet, und solche Dinge von fremden Orten verschreibet, welche doch hier verfertiget werden können.

Euer eigener Beweiß soll auch mir zu einem Beweiß dienen. Zwanzig tausend arme Salzburger, welche die sandigten Felder im Brandenburgischen, und die grossen Wüsten in Litthauen zu Ackerland verwandelten, schaffeten in Wahrheit nicht allein denen Arbeitern unendlich viele Nahrungswege, sondern auch eine ungemeine Erleichterung der Lebensmitteln.

Ich bin mit euch völlig einig, daß drey Meister, von denen ein jeder zwey Gesellen und einen

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Jungen hält, dem Staate eben so nützlich seyn, als deren einer, der 6 Gesellen und 4 Jungens hält. Ich kan euch versichern, daß wenigstens bey meinem Metier sich doppelt so viele Meister, nur in Kopenhagen allein, ernähren könten, wann sie nur dasjenige alles zu machen hätten, was in der Stadt consumiret wird. Aber nicht allein ernähren wir viele Familien anderer Orten, sondern auch viele in der Stadt werden auf königliche Unkosten ernähret, die uns Bürgern das Brodt vor dem Munde wegnehmen. Ach! wie glücklich wollte ich mich schätzen, wann ich nur beständig vor einen Gesellen und einen Jungen Arbeit genung haben könte.

Die Menge der franzößischen Flüchtlinge, welche der König von Preussen mit offenen Armen in seinen Landen aufnahm, ist ein gleicher Beweiß. Aber mit euer Erlaubniß, ihr seyd in der Historie schlecht bewandert, es war Friederich 1., und nicht der vorige König, der sie aufnahm. Dieses waren Leute, die um des Gewissens Willen, ihr Vaterland verliessen, nicht aber um Verdienstes willen fremde Länder suchten. Diese brachten die preußischen Manufacturen im Flor, sie belebten die Handlung und die Künste, sie pflanzeten Wein- und Fruchtgärten, und verschaffeten neue Nahrungsmittel und neue Nahrungswege, nicht allein Ber-

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lin wurde mit ihnen vermehret, sondern sie wurden im ganzen Lande verbreitet, Städte und Dörfer von ihnen bewohnet, so wie zum Exempel franzößisch Buchholz, ohnweit Berlin. Habt ihr diese Stadt jemals gesehen, so wird euch auch die Menge der Gartenfrüchte, die auf allen dasigen Märkten feil ist, bekannt seyn, nicht weniger die Menge dieser Fruchtgärten, in denen in der Stadt Berlin incorporirten Vorstädten.

Die Manufacturisten suchten zur Verfertigung ihrer Arbeit nicht Fuscher auf, (denn diese sind daselbst nicht zu finden), so wie es unsere Fabriqueur gethan haben, sondern berlinische Bürger und Amtsmeister, denn dis müsset ihr wissen, daß ob zwar unter der zahlreichen preusßischen Armee viele Profeßionisten sich befinden, es dennoch keinen erlaubt ist auf eigene Hand zu arbeiten, sondern sie sind verpflichtet bey denen Amtsmeistern Arbeit zu suchen, ja sie können auch Meister werden, doch mit dem Beding, daß sie ein eigenes Haus besitzen, und Meisterstück verfertigen, auch vorher bey denen Amtsmeistern als Geselle gearbeitet haben.

Die franzößischen Flüchtlinge, welche die Handlung verstunden, verschrieben nicht mehr

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so wie vorher, Handwerksarbeit von Frankreich, sondern nahmen ihre Maare, die bey denen berlinischen Meistern verfertiget wurde, von diesen. Die wenigen franzößischen Handwerker tadelten bey ihrer Ankunft nicht die Einrichtungen und Gesetze des Landes, wie unser, von franzößischen Wind aufgeblasener politischer Handwerksmann, sondern sie wurden denen berlinischen Aemtern incorporiret.

Goldschmiede, Sattler, Niemer, Stellund Rademacher, Gürtler, Posementier, Schmiede, Knopfmacher, Drechsler, Schuster und Schneider, und alle Profeßionen, die nur zur Equipirung der preußischen Armee beytragen können, bedürfen keiner Licitation. Ein von Sr. königl. Majestät bestellter General besorget das Nöthige, so wie es vor Zeiten der General Massau in Berlin gethan. Der Contract der einmal mit denen Handwerkern geschlossen ist, stehet fest. Das Benöthigte jeder Art wird bey jeden Amts Aeltermann beordert, und dieser vertheilet es unter seinen Collegen. Auf diese Weise kan zum Exempel ein Pofementier, der nur die Lieferung vor ein einziges preußisches Regiment har, seinen nothdürftigen Unterhalt dabey haben.

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Unter der gewissen Art berlinischer Handwerksarbeit, deren man sich in Paris, London, Amsterdam und Kopenhagen zu Modellen bedienet, werdet ihr ohne Zweifel die Kutschen verstehen. Diese werden von denen teutschen Amtsfattlern verfertiget, nemlich dem königl. Hofsattler Simon senior, Simon junior, und andern mehrern. Ein herrlicher Beweiß vor mir, aus eurer eigenen Schrift, daß die berlinische Handwerksarbeit zur Vollkommenheit gebracht worden, bey denen nehmlichen Amtsverfassungen, die, eurer Meynung nach, in Dännemark nicht allein der Emsigkeit und den Fleiß schädlich seyn, sondern auch die Völkervermehrung hindern.

Schämen müsset ihr euch, wenn ihr euch unter die dänischen Patrioten zählen wollet, und dennoch von euren Landesleuten solche partheysche Vorurtheile heget. Höret einen unpartheyischen Mann von denen Bemühungen Friederichs V. urtheilen, wann er saget, nachdem er vorher die Ausbreitung der Handlung und der Wissenschaften, die Verbesserung der Künste und des Ackerbaues lebhaft geschildert:

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a) „Die Laufbahn, welche Friederich dem bürgerlichen Fleiß eröfnete, war unendlich viel grösser, ward mit viel allgemeinern Glück betreten. Dännemark Darf nun nicht mehr dem eigennützigen Ausländern seine Reichthümer verschwenderisch aufopfern, um die Bedürfniß der Kleidung, der Wohlanständigkeit, aus fremden Händen zu erlangen. Friederich eröfnete seinen Unterthanen den Weg in die berühmtesten Werkstädte fremder Völker, um ihnen ihre Geheimnisse

abzulernen, und es gelung ihnen.

Mit neuen Käntnissen bereichert, von den Handgriffen der Kunst unterrichtet, kehrten sie in unser Vaterland zurück. Durch Friederichs königliche Freygebigkeit unterstützt, ahmten sie die Werke der Ausländer nach, wurden ihnen im Fleiß und in der Geschicklichkeit gleich, ja übertrafen sie auch nicht selten.

So gar fremde Arbeiter fundén in Friederichs Königreichen Shutz, Aufnahme

a) Hr. D. Münthers Trauer-Rede bey der Ausführung der königlichen Leiche Friederich V. pag. 20. 21. 22.

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und Unterstützung. Ihre Arbeitsamkeit, ihre Werke, wurden der Nation eigenthümlich, da sie selbst Bürger und Unterthanen des Königs wurden. Welch ein lebhaftes Geräusch in unsern Werkstädten! Was für vortrefliche Werke des inländischen Fleisses! Wie viele Zuflüsse der Nahrungen und des Gewerbes aus den Quellen, die Friderich in dem Varerlande selbst eröfnet hat. Wie viel kostete es dem Vater seines Volks, welche ungeheure Summen wendete er an, um uns in den Stand zu setzen, uns mit selbst gemachten Zeugen zu kleiden, unsere Häuser und Palläste mit den Werken des Geschmacks, und des Fleisses unserer Mitbürger, schmücken zu können!"

Was würden aber Fremde von uns denken müssen, damit ich mich eures eigenen Ausdrucks bediene, wenn dergleichen unpartheyische Männer die Geschichte Friederichs V. beschreiben sollten, und darin zugestehen, daß die dänischen Künstler und Handwerker, anstatt von denen Grossen und Vornehmen, nach dem Exempel ihres Königs aufgemuntert zu werden, diese dennoch sich mit ausländischen Zeuge nicht allein gekleidet, sondern auch ihre Palläste mit gleicher Arbeit geschmücket haben, und daß die Handelnde beständig fortgefahren, auch die

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gemeinste Handwerksarbeit zu, verschreiben, und sowohl Vornehme als Handelnde sich mit Ernst bemühet, ihren Mitbürgern nicht nur ihre Nahrung und dem Staate baares Geld zu entwenden, sondern auch die aufkeimende Manufacturen, Künste und Handwerker in ihrer ersten Geburt zu ersticken. Ach! wenn die englischen, franzößischen, holländischen und preußischen Vornehmen und Handelnden eine gleiche Gedenkungsart bey Aufkeimung ihrer Künste und Handwerker gehabt hätten, sie würden gar bald in ihr ursprüngliches Nichts gefallen seyn.

Wegen der Erhöhung des Gesellenlohnes bin ich mit euch einig, daß er ansehnlich grösser seyn müßte, zumal wenn sie sich selbst nach euren Plan, Kost und Kammer halten sollten, und die Theurung der Lebensmittel je langer je grösser wird. Wir haben allzu viel empfunden, daß der Gesellenlohn gestiegen ist, zugleich mit denen Lebensmitteln, auch bey denen Profeßionen die ihren Gesellen Kost und Logie gegeben, dahingegen der Preiß der Arbeit merklich gefallen, nicht aus der Ursach, weil die Gesellen mehr verfertiget haben, als vormals, sondern weil jeder Geselle selbst gleich Meister seyn will, und sich Privilegium durch Lügen und Ränke zubettelt, aus Furcht er möchte den

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Meister reich machen, ohne zu überlegen, daß mehr dazu gehöre eine Haushaltung zu führen, als Privilegium zu haben.

Aber daß der hohe Gesellenlohn die Aufkunft unserer Fabriken gehindert habe, dis ist ein Beweiß von weit geringern Gewicht, als der Beweiß des Argi, in Absicht auf die zertheilte Arbeit. Ich habe schon oben andere angezeiget, ihr selbst wisset es auch vielleicht eben so gut, weil euch aber einmahl die Aemter verhaßt seyn, so müssen sie zu allem Unglück Schuld haben. Schwerlich glaube ich, daß jetzt mehr Jungens sind als vorher, daß aber weniger Gesellen sind, ist ganz gewiß. Vor ohngefähr 6 Jahren wollte ich mich auch eures angegebenen Vortheils bedienen, und einen Jungen vom Erziehungshause haben, allein unter allen denen die damals zur Confirmation zubereitet wurden, war nicht ein einziger, welcher wußte was das vor eine Profeßion war, da sie doch eine insgemein bekannte, und zum Manufacturwesen unentbehrliche Profeßion ist. Wie kan aber ein Junge zu einer Profeßion Lust haben, von welcher er nicht die geringste Idee hat? Derowegen habe ich mich auch noch ganzer 4 Jahre darnach ohne Jungen beholfen. Endlich suchet ihr denn nach die vielen ausgelernten Jungens, wo sie hingekommen. Mein lieber

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politischer Handwerksmann, die wenigsten sind auf ihre Profeßion ausgereiset, wohl aber ein Theil auf denen Schiffahrten nach China, Westindien und Island. In denen Werkstädten sindet ihr die wenigsten, denn sie haben schon in ihren Jungensjahren eine Liebste, um je eher je lieber Freymeister oder Fuscher zu werben. Unter diesen findet ihr also einen grossen Theil, ungleichen unter denen Handwerkern auf dem Holm, wie auch unter denen Soldadaten und Matrosen, sehr wenig aber unter denen Bierschenkern, Wirthshaushaltern, Theemännern, Marchandiesern, Freybäckern, Brannteweinsbrennern, Lakeyen und Lediggängern, denn von diesen sind einige wenige Herrendiener, Kutscher und Hausknechte gewesen, die mehresten aber Bäckergesellen und Brauerknechte. Sollten ja einige Handwerksgesellen darunter befindlich seyn, so sind es ohnsehlbar solche, die gedacht haben wohl zu leben, ohne zu arbeiten, und welche die Faulheit abgehalten denselben Weg zu gehen, welchen die Freymeister gegangen sind.

Daß das Wohl des Staats und der Aemter mit einander bestehen können, sehen wir aus dem, daß die Handwerksarbeit in Berlin zur Vollkommenheit gebracht ist, wo die Aemter mit denen kopenhagenschen gleiche Verfas-

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sungen haben, und keine Freymeisterey daselbst ist, und niemals haben die Aemter tüchtige und arbeitsame Leute, weder hier noch dort, gezwungen, Müßiggänger zu werden wider ihren Willen? Wie augenscheinlich ist es also nicht, daß eure Beschuldigungen ungegründet seyn.

Wir haben diesen Winter zu unseren größten Schmerze erfahren, daß der Preiß des Rockens und anderer Lebensmittel ganz unerhört gestiegen. Der Bauer und Kaufmann dagegegen hat weder Schuhe noch andere Nothwendigkeiten, die er von den Handwerksmann brauchet, deswegen theurer bezahlen müssen, als vorher.

Wann es endlich wahr ist, daß, wie ihr wollet, man viele Handwerksleute unter denen Höckern und Lediggängern findet, warum hat unser bisheriger Magistrat dergleichen Leute Bürger werden, und solche Nahrungswege ergreifen lassen, die den Staat unterminiren? Warum hat man sie nicht lieber angehalten, ihren erlernten Handwerk nachzugehen, und sich darin perfectioniren, daß sie darauf zu seiner Zeit ihr Bürgerrecht gewinnen konten. Allein hier ist euch das Meisterstück im Wege. Was ist das Meisterstück, fraget ihr. Ich antworte, es ist dasselbe hier, was es in Berlin ist,

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wo die Handwerksarbeit, eurem eigenen Geständniß nach, zur Vollkommenheit gekommen, ohnerachtet der Amtsverfassungen und Gebräuche, und wo die Jungens eben so lange lernen müssen als hier, und noch dazu Lehrgeld bezahlen müssen, und die Gesellen 3 Jahr reisen, und wenn ich nicht eben sowohl noch in solch Stück Arbeit in meiner eigenen Werkstelle verfertigen könte, so möchte man mir nur gänzlich vor untüchtig erklären, eine ehrliche und bürgerliche Nahrung zu treiben. Ist das ein Nebending, welches königliche Gesetze sind? und welch ein Meisterstück kostet 100 Reichsthaler? Bey welchem Amt verhindert es einige andere Meister, von ihrer Arbeit in etlichen Wochen? Ein Meisterstück in Berlin kostet mehr als hier, das Bürgerrecht aber ist dort nicht so theuer, dahingegen kostet dis Letztere in London und Paris zehen mal mehr, als hier Meisterstück und Bürgerrecht zusammen.

In vorigen Zeiten hat ein Geselle sich wegen sein Meister- und Bürgerrecht in Schulden setzen können, und in kurzer Zeit herausarbeiten, jetzt kan mancher dieses mit eigenen Gelde bestreiten, er kan ein fleißiger Arbeiter und guter Haushalter seyn, und doch in Schulden gerathen, woher denn dieser Umstand? wahrhaftig nicht aus denen Amtsverfassungen, die

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nicht den vierten Theil so beschwerlich fallen, als vor 20 Jahren. Dann die jungen Meister meines Amts, werden nicht mit Wahrheit sagen können, daß vor ihnen der Verdienst einiger Wochen in einen Tage bey ihren Meisterwerden, verzehret worden, viel weniger der Verdienst vieler Jahre, wie eure Beschuldigung schreyet. Nein, diese Ordnungen schrecken keine tauglichen Arbeiter ab, sondern nur solche, wie ich schon zuvor beschrieben. Allein euer ganzes Geschrey gehet nur darauf aus, gute Ordnungen über den Haufen zu werfen.

Wann eure beschriebene Theekrämer, Höcker & c. & c. solche schädliche Insekten sind in denen Städten, so sollet ihr projectiret haben, daß die so ein Handwerk gelernet, zu ihren Handwerkern hervorgezogen werden, und nach Landesgesetzen denen Aemtern incorporiret, die aber vom Bauernstände herstammen, auf dem Lande geschicket werden, um die vielen ungebaueten Felder zu bebauen, oder auch solche Fruchtgärten anlegen, wie die franzößischen Flüchtlinge in Berlin gethan haben.

Die bey Meisterstücken vorgesallene Chicane, hat Argus wohl vor 20 Jahren erfahren, denn feit der Verordnung von Ao. 1756 sind sie, wenigstens bey meinen Amt, gänzlich weg-

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gefallen, und vielleicht leben die Aemter die Verordnungen besser nach, als ein Theil derjenigen bisher gethan haben, die da Hüter und Wächter der gemeinen Ruhe seyn sollen. Dann wohl schreyet ihr von denen Beschwerden, die einen Gesellen drücken, wann er sein Eigen werden will, ihr meldet aber nicht das geringste von dem, was ihm drückt, wenn er es schon ist.

Ihr machet freylich eine artige Rechnung, woraus die Vermehrung der Handwerker nicht zu ersehen ist, aber wisset ihr denn nicht, daß man zwar alle Jahr eine Liste der Amtsmeister gegeben hat, aber niemals der Freymeister und Fuscher, welche ungleich stärker sind, und welche denen schatzbezahlenden Bürgern das Brodt vor dem Munde wegnehmen, aber von bürgerlichen Onera wenig wissen.

So lange solche Unordnungen im Schwange gehen, den Bürgern der Brodkorb so hoch hängt, die Hausmiethe exceßiv ist, und ihre Arbeit der Fremden nachgesetzt wird, ihr Fleiß dadurch abgeschreckt und ermüdet wird; so lange ist es auch unmöglich, daß sie mit denen Ausländern Preiß halten können, und so lange werden die Handwerker auch Arbeiter, und der Staat Menschen und Reichthümer man-

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geln. Die Vermehrung der Völker und der Nahrungswege kan unmöglich statt finden, so lange die Vermehrung der Nahrungsmittel, fehlet, denn Lebensmittein und Materialien theuer bezahlen, und Arbeit wohlfeil verkaufen, bringt die Arbeiter an dem Bettelstab, und läßt sie zuletzt Hungers sterben. Die Kostbarkeit der Meisterstücken ist in Berlin, wie ich schon angeführet, grösser, als es seit einigen Jahren in Kopenhagen gewesen. Wann dieses Stück des patriotischen Hr. Lütchens, den Eigennutz derjenigen nicht geschmetchelt hätte, die es sich zu einer Pflicht machten, die Bürgerschaft von allen Seiten zu drücken, und ihre ertheilte Privilegia zu schwächen, so würde man es eben sowohl aus der Correctur herausgeschnitten haben, als daß was ihnen entgegen war. Lange genung hat man gesucht die Bürgerschaft vor das zu strafen, was ihre Vorväter vor mehr als 100 Jahren gethan haben. Aber Gott sey Dank, der unserm allergnädigsten und geliebten König die Mittel in die Hände gegeben, die eingeführte Regierungsform so zu bevestigen, daß auch die Pforten der Höllen sie nicht überwältigen werden, will man aber noch versuchen, der in letzten Zügen liegenden Bürgerschaft, den letzten Stoß beyzubringen, so werdet doch weder ihr politischer Handwerksmann, noch alle Teufel ver-

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mögend seyn, die Liebe gegen das königliche Haus aus unsern Herzen zu reissen.

Ich habe euch schon gezelget, daß ich nicht die Anzahl der Meister vermindert verlange. Die Gesellen aber, die sich verheyrathen, sind noch niemals aus dem Amt gestossen worden. Daß sie nicht in die monatliche und vierteljährige Gesellenversamlung kommen, gereichet zu ihrem Vortheil, weil sie dadurch das Ladengeld ersparen, und wenn sie einmal Meister werden wollen, ist ihnen ihr Ehestand gar nicht hinderlich, von Seiten des Amts. Ihr wollet zwar dem äusserlichen Scheine nach, verheyratheten Leuten ihr tägliches Auskommen zugestehen, aber euer ganzes Gebäude gehet dahin, sowohl Meister als Gesellen zu Bettler zu machen.

Welcher Handwerker verbietet Frauenzimmer zu arbeiten, wo sie Mitarbeiten können und wollen? Gehet in die Werkstäte der Posementier, der Buchbinder, der Kürschener, der Schneider und anderer mehr, da werdet ihr die Frauenzimmer sehen in der Profeßion behülflich seyn, allein unsere meiste Frauenzimmer wollen lieber der Ueppigkeit und der Modesucht fröhnen, als nützliche Geschäfte vornehmen, und die Mägde, wann sie nicht Lust

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haben braven Leuten zudienen, schreyen viel lieber mit Fruchtkörben auf den Gassen umher, weil sie das Spinnen vor unehrliche Arbeit, den Müssiggang aber vor ein leichtes Lebebrodt, halten.

Endlich so tadelt ihr auch das Wäysenhaus, daß die Knippel- und Strickschulen daselbst abgeschaft sind, weil sie der Stiftung nichts eingetragen haben, dieses ist doch kein Handwerksamt, und gleichwohl sind nur die Aemter dem Fleiß und der Emsigkeit schädlich.

Was die Freymeister anbetrift, habe ich schon gezeigt, daß in dem blühenden Berlin, dergleichen nicht geduldet werden, und wo sie an andern Orten geduldet werden, wohnen sie gemeiniglich ausserhalb der Stadt in denen Vorstädten, und nicht Amtsmeistern und Bürgern vor den Augen. Gleichfals gestehet ihr, daß bey allen Aemtern tüchtige Leute zu finden, die in Krigsdiensten gestanden. Wann nun sowohl die bürgerlichen als militairischen Freymeister, auch tüchtige Leute gewesen wären, so wäre ihnen wohl der Weg, Amtsmeister zu werden, nicht beschwerlicher gewesen als jenen.

Wenn es in Kopenhagen unmöglich gewesen ein Addreß-Contoir zu errichten, so muß man sich nicht wundern, daß es vor unmöglich gehaltem wird ein Kornmagazin anzulegen. Und ohngeachtet der Baron Holberg es möglich gemacht, die Wissenschaften in dänischer Spra-

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che zu lehren, so klaget doch der Hr. Conferentzrath Suhm, daß die Vornehmen die dänische Schriften nicht lesen. Eben so müssen die Fabricken, und die Künste und Handwerker klagen, daß nicht ihre, sondern fremde Waaren von Vornehmen und geringen beständig gesucht werden.

Ist es nicht etwas abscheuliches, wie ihr aus dem Hrn. Lütchen anführet, daß eingebundene Bücher von fremden Orten eingeführet werden? da doch die Buchbinderarbeit hier wohlfeiler ist als in Berlin.

Freylich ist es zu beklagen, daß der Magistrat in kleinen Städten, die benöthigten Handwerker in denen Zeitungen zu sich locken muß, aber warum hat man denn nicht die Ledigganger, von denen es, wie ihr saget, in der Hauptstadt wrimlet, oder auch diejenigen, die angesuchet haben Freymeister zu werden, dorthin geschickt, denn es war doch wohl immer einerley, ob sie hier oder dort unzünftig wurden.

Die Jungens welche von denen kleinen Städtlein nach Kopenhagen kommen, um in Verbund zu stehen, sind sehr seltsam, und wenn ja welche kommen, so sind sie doch nicht Schläge und Prügel ausgesetzt, sondern bekommen halben Gesellenlohn: und was schadet es denn, wann sie auf diese Weise bey braven Meistern noch ein Jahr stehen, weil sie von ih-

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ren Lehrmeistern sehr wenig gelernet haben, dagegen aber das Branntweinssaufen aus dem Grunde verstehen.

Nun, nachdem ihr euch über die Amtsverfassungen heisch und müde geschrien habt, so kommet ihr mit neuen Vorschlägen: ein Geselle soll in diesem Stande 5 bis 7 Jahre bleiben. Ihr solltet viel lieber ein Project machen, daß jedes Handwerk insbesondere seine Facultät bekäme, wo sie ihre Probe ablegten, so wie die theologischen, philosophischen, juristischen, medicinischen und chirurgischen Gesellen.

Doch das letzte wegen der Realschule, ist noch das beste; alle eure Beschuldigungen aber, womit ihr die Aemter beleget, sind falsch und übertrieben. Ihr vermeynet in eurer Politic den ganzen Wagen zu führen, ihr gleichet aber nur der Fliege, aus der Fabel, die auf dem Deichsel saß.

O! so arbeitet denn aus allen Kräften, ihr sämtlichen Künstler und Handwerker, denn dieser politischer Handwerksmann lernet es euch. Wann eure Materialien aufgearbeitet seyn, er wird euch welche vom Himmel regnen lassen.

Ist der Vörrath verzehret, er wird euch die

Kunst zu erlernen wissen, wie ihr euch nebst

den eurigen, mit den Abfall eurer Materialien, sättigen könnet. Füllet nun die vorräthige Arbeit den Platz der Wohnungen auf, dieser er-

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findungsvolle Mann wird (so wie ein Christophorus Columbus, durch Hülfe der Magnetnadel, America erfunden hat) ein neues Instrument erfinden, daß unseren Schiffen den Weg nach denen Einwohnern des Mondes eröfnen wird, denn Frankreich, Engeland und Holland hat euch bey denen Bewohnern der Erde, den Vorsprung abgewonnen. Wann wir aber mit unserer Arbeit die ersten sind, welche die Bewohner des Mondes ersuchen, so werden wir auch den Vorzug vor allen andern Nationen haben, und welche Lobrede, welch ein Ehrengedicht, welche Ehrensäulen werdet ihr denn nicht den Beförderer eurer Wohlfart auf Kind und Kindeskinder, schuldig seyn.

Wann er aber dieser Erfindung nicht fähig ist, o! so tretet hervor, ihr redlichen Mitbürger und patriotische Handwerksleute, die ihr euch in euren Künsten mit wahrem Eifer beflissen habt, die ihr zur Rettung der Ehre eurer Nation euch Mühe gegeben habt, euren Landesleuten denen nach franzößischer Luft riechenden Vorurtheilen, zu benehmen, und Werke hervorgebracht, die denen auswärtigen Trotz bieten! klaget es öffentlich und ungescheut, wie viele Hindernisse diese Vorurtheile in dem Wege geleget haben, eures Fleisses Frucht zu genissen, und eure Geschicklichkeit weiter zu poußiren, redet die Wahrheit ohne Schmincke, und wischet den Fleck von euch ab, den dieser Unverschämter euch anhänget.

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Pag. 4. lin. 9. statt daß er, ließ daß sie; p. 6. lin. 2. statt Mühe, ließ Muße; p. 6. lin. 17. statt weder, ließ wegen; p. 12. lin. 8. statt euren, ließ eurer; p. 31. l. 19. statt worden, ließ werden.