Ewald, Johannes TIL BOGHANDLER ROTHE.

TIL BOGHANDLER ROTHE.

Hochgeehrter Herr Rothe! -

Die lebhaftesten Schmertzen von Gicht haben mich bettlägerig und zu allem ernsthaften Vornehmen ungeschickt gemacht. Doch können Sie leicht begreifen wie ennyiant das gänzliche Müssigseyn für einen Menschen ist, dem es um das Hertz nicht fehlt und der keine Kopf-Schmertzen hat. Ich kan nichts als lesen; ich habe aber keine Bücher die ich entweder nicht eher gelesen habe oder die ein grösseres Nachdenken erfordern als meine Krankheit mir erlaubt - Historien Romamen auch von der æltesten Sorte und so was würde mir das liebste seyn - Meine Umstände vertragen eben nicht dass ich sie, um einer Durchlesung willen kauffe. - Eine Unterredung mit Ihnen hat mir das Vertrauen zu Ihnen gegeben, dass Sie mir es zum wenigsten nicht übel deüten, wenn ich begehre, dass Sie mir welche leihen. - Ich begehre es nicht umsonst und Sie können von meiner Erkenntlichkeit versichert seyn. In Ansehung von Adam und Ewa soll es mir lieb seyn wenn Sie guten Abgang bey Ihnen haben; und wenn Sie deswegen noch heüte wiederkämen. - Ich würde mich zum wenigsten besser handeln lassen; denn ich bedarf Geld. Philibert ist mir ein schlimmer Mann; und er will sich gerne die Freiheit zum Verkauffe zuzwingen - In Ansehung der Bücher hoffe ich dass Sie mir dienen, und dadurch mir ein halbes Leben geben, der ich alzeit verbleiben werde Dero

unterthäniger Diener J. Ewald. Auf dem Bette d 24sten Apr. 1769.

P. S. Wenn ich Sie mündtlich sprechen könnte würde nichts mir lieber seyn

Pour Sr Rothe Libraire très renommèe.

340