Mannheimer Zeitung 6. April 1772. Num. XXVIII.

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Num. NAVI

Montag, den 6» April 1772-

Speyer, den 32. Mrz.

Sen theiler hier dir Abschrift eines Briefs *** mir, dessen Nachrichten jedermann desto angenehmer seyn werden, je zuverläßtger sie sind.

Sidsn, den 20. December 17710

Bor wenig Monaten Hab ich Ihnen von dem, was nach ihrer Abreiß auf dem Berg Libanon vorgegangen, wie auch von den glücklichen Begebenheiten des Ihnen sehr wohl bekannten Fürsten Josephs geschrieben. Das Kriegsglück hat sich seither in unserer Gegend sehr verändert. Aus meinem letzten Schreiben haben sie ersehen, wie die Türkischen Bassen von Damasco, Tripoli, und Sidon durch die Macht des Aly » Bey aus ihren Städten vertrieben, von gedachtem Fürsten Joseph aber wnuderbahrer Wrisse wieder in ihre vorige Würden eingesrtzet, auch nachgehends der Bassa von Damasco, (Batter des Bassa von Sidon) von den Medauli überwunden, und dessen Pallast. sammt der Stadt Damasco, völlig geplündert worden. Hierauf nun wollten die Medauli ein gleiches auch an dem Sohn, dem Bassa von Sidon, versuchen. Dieser «der wartete einen solchen Streich nicht ab, sondern kam ihm durch die Flucht zuvor; Der Fürst Joseph berede» diesen Brssa, wieder zurückzu kehren, und vrrsp-ach ihm Hülfe. Er brachte such würkltch in der größten Geschwindigkeit ein Heer von 40000 Mann auf die Beine. Er glaubte durch diese fürchterliche Macht die Medauli, welche viel schwächer

waren, auch schon von weitem zu erschrecke« ; aber er betrog sich. Sle stellten sich zur Gegenwehr und es kam zu einem Tressen. Wer hätte glauben sollen, daß di« sonst so tapfere Drusen, welche den-ersten Flügel der Schlachtordnung ausmachten, verräthertscher Weiß« es mit den Feinden des BatterlandS halten würde«. Eben diese brachten es durch einen verstellten Schrecken s» weit, dag das ganze Heer des Fürsten Josephs in Unordnung geietb. Weder dieser Fürst, noch siae bei sich habende zwren Brüder warm mehr im Stand, der eingerisse« uen Zerstreuung Einhalt zu thun. Ihre Fußvölker brachen von allen Seiten aus« und sie selbst waren zuletzt genörhlget, die Flucht zu ergreifen , um nur den Feinden nicht in vir Hände zu fallen. Bon dem Heer des Fürsten Josephs sind in dk-sim Gefecht bei 3000 Mann, ohne die Gefangene, aus dem Platz geblieben, welche meistens Christen und Drusen gewesen. Da nun der Basta und die Drusen, welche unsere Stadt verwahrten, diesen so unverhofften als unglücklichen Zufall vernommen, so säumten sie sich auch nicht lange, die Flucht zu ergr ifen , und also von freien Stücken unsere gute Sta r d n grausamen Feinden zu überlassen. Dir Medauli nahmen sie auch würk« lich de» folgenden Tag ein und plünderte» sie, gleich de» andern, nachd m sie schon orei Tage lang vorher von einer kleine« Egvpktschen Flotte, von iß Schiffen, zur See war beschossen worden. Mir wurde dabei in meinem Hospitio angst und bange ; dann

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die Stuckkugel» von diesen Schiffen saußttn

«ns beständig um die Ohren herum. Nach der Plünderung streiften die Medauli gleich den Sarien in den Gärten, Dörfern und Feldern der Drusen herum, und verbeerten das ganze Land, welches zwischen dem Fluß von Sidon und dem Gebieth dieser Stadt liegt. Wann sie noch weiter über den Fluß gesetzet hätten, so würde die Stadt Beiruth gewiß auch dieses Schicksal erfahren haben, dann die Verwirrung und der Schrecken der Drus sen war allgemein. Die Egyptier bemühen sich jetzt, mit unglaublicher Geschwindigkeit, den Wall und die Mauern unserer Stadt, wie auch die Ruinen des von dem heiligen Lud«'g König in Frankreich ehemals erbauten Schlosses wieder herzustellen. Sie sind bei dieser ihrer Bemühung so glücklich gewesen , daß seit einem Monat unsere Stadt, die zuvor von jedermann vor nichts gehalten worden, nun als eine gute Vestung betrachtet werden, und den Drusen sowohl, als auch den Medauli Trotz biethen kann. Das unglückliche Schicksal der Drusen wird nicht ohne Schein der Wahrheit dein Fürst Mansur zugeschrieben. Osrgedachtr Medauli sind Türken von der Secte des Aly und stammen von den Persianern her. Das ganze Land unter Sidon gegen Ty o zu, sammt dem Gebürg, wird von ihnen bewohnet. Vor diesem hatten sie auch «inen großen Strich Lands innen, oberhalb Beiruth gegen Tripoli zu. So wohl den Tüken selbst, als auch den Drusen und Christen sind sie sehr feind, halten es weder mit dem Aly Bey, noch mit dem Grossultan, sondern fireiten für sich selbst. Der Sürst Mansur war zuvor der erste unter den Sürsts» , und ist des Fürsten Josephs VatterS Bruder«

Paris, den 27. Merz.

Berwichenen Montag ist die große Pro» eeßivn zum Gedächtniß der unter König Heinrich lV geschehenen Lebergabe der Stadt; Paris, nicht wie das vorige Jahr unter Streitigkeiten der Rrchnnugskammrt, des î

FP Steuer-KammergerichtS und des Parlements, mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten vollzogen worden.

Obgleich die Policei bisher vergeblich den Verfasser der neulich gemeldten satyrische» Schrift ausfindig zu machen gesucht, so war sie doch so glücklich den Dieb, welcher die Capnciner Kirche in der St. Honorius-Strasse neulich bestohlen, zu entdecken. Dieser ist ein Clerlcus von Poitou gebürtig, 22 Jahr alt, und Sohn eines Schusters.

Diejenige, welche am vorigen Samstag nicht ohne Gefahr verwundet zu werden, in die Audienz des schon vielmahl gemeldten Rechtsstreits zwischen dem Grafen von Morangies rc. eingedrungen, waren dieses mahl mehr als jemahls mit dem Vortrag des Herrn Linguet zufrieden. Er wüste bei dieser Gelegenheit die guten Anstallten der wachsamen Policei ungemein hekauSzustreichen, auch den Poiicet Lieutenant H-rrn von Sartine zu loben, ohne ihn zu nennen, welches alles den Zuhörern sehr wohl gefiel. Dann ntemahls war ein Policei-Lieutenant so werth, als der Gegenwärtige , selbst seine Untergebene, welche sonst von dem gemeinen Volk so sehr gehaffet werden, sind niemand fürchterlich, als nur den Uebel: thätern. Hert Linguet beschloß seine Rede damit, daß er sich Vorbehalte, eine gewisse Person abzuführen, welche ihm eine render Witlwe Berro« noch auf dem Todes- Bett bestättigt worden seyn sollende Handschrift vorgezeigrt, vermittelst welcher diese Person 100 000 Livres von der bekannten Sàldfor» derung haben solle, wann sie das Gelb zu den ferner« Plvceß- Koste» herschiesen wol: le. Ist das nicht ein unverschämter Mann, fagre Hert Lignet, derben Raubt Heiken will, und sähe zugleich eben diesen Mann, welcher gegenwärtig war, mir feurigen Augen an, so daß er ersckrack, als wenn er vom Schlag wäre gerädert worden.

Mailand, den 24. Merz.

Neulich ist «Ines unserer vornehmsten Bes nedictiner- uedicttner-Klöster in rin Waisenhauß vers

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»»ndelt worden. Der Pabst hat zwar hie- AI Ankunft Ihrer Königlichen Hoheit der per-

IaI«*'* Im li «««I#* $k*At« CSt«-, (m R u seine Einwilliuneebenjedoch in "wittibrEhüt

IaI«*'* Im zu seine Einwilligung gegeben, jedoch in Ansehung der Güter desselbigen nichts fest gefttzet, als welche nun auch dem Haust der Waisenkinder rinverleibet worden. Alle kleine Klöster der Canonicorum Latrravensium io der Oestrrreichischen Lombardei werden auch bald aufgehoben, und ihre Einkünffte zu sonstigen frommen Stiftungen verwendet werden , nur habe» sich Seine Päbstliche Heiligkeit Vorbehalten, daß die drei vornehmsten Klöster von gedachtem Orden noch ferner bestehen sollen. In einem Schreiben Ihrer Kaiserlich Königlichen Majestät, in welchem sich diese Monarchin bei dem Pabst deswegen bedanket, suchet sie noch ferner um die Päbstliche Genehmigung zu Aufhebung einiger Klöster der Olivetaner und Hieronymiren Mönchen an, welche Klöster für die reichsten in Mailand gehalten werden. Es ist gewiß, daß die regulirten Orden in Italien seit einigen Jahren einer grosen Veränderung unterworfen gewesen; die Zahl ihrer Ordensbrüder überstieg aber auch dergestalt das Maas, daß dergleichen Veränderungen noth» wendig einmahl erfolgen mußten.

Rom, den 2i. Merz.

Seine Königliche Hoheit der Herzog von Glocester befinden sich uoh immer und zwar in sehr guten Gesundheits-Umständen dahier, und werden mit Ehrenbezeugungen gleichsam überhäufet. Alle Engelländische Herren , welche sich als Reisende hier aufhalten, wollen zusammen 2 mahl die Woche ein Concert geben, und in solches auch dir vornehmsten Damen hiesiger Stadt e nladen. Höchsigedachter Herzog werden auf den 2. OsttNeyerksg wieder von hier abreifeu.uns nicht, wie Sie willens waren, nach Venedig und Mailand, sondern gerade nach Livorno gehen, um sich daselbst über Genua nach Turin einzuschiffen, als wohin Sie ausdrücklich von Sr. Königlich Sardtmschen ! Majestät «; aekSm worden.

Dieser Verlust wirs bald wieder durch die

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«««I#* $k*At« CSt«-, (m R "wittibren Frau Ehurfürsitn von Sachsen,Höchstwelche in der Charwochr hier einzutref» /en gedenken, ersetzt werden. Der Chursächsische Minister Hert Rath Bianconi hat dem Pabst diesen zu erwartende« angenehme» Besuch gestern angezeiget.

Constantlnoprl, den 2. Merz.

Die Zubereitungen, welche zudem nächstkünftigen Feldzug mit Fleiß dahier gemacht werden, zeigen an , daß der Grossulten noch nicht zum Frieden geneigt ftye. Verschiedene aus Asien hier angekommenr frische KrirgSvdlkrt find weiter nach der Donau ab« gegangen. ES werden gegenwärtig 30 halbe Galeren zum Dienst auf dem schwarze» Meer ausgerüstet, auch eine Meng« neue Canonen gegossen.

Regini Effendi hat seiner 'schwächlichenGesundheit halber die Stelle eines Reis»Effendi bei der Armee niedergelegt, dagegen der Grossultan schon wieder «inen andern ernannt.

Seit 14 Tagen waren hier Z Feuers Brünste, wodurch abermahls einige tausend Häufler in die Asche „gelegt worden.

Vermischte Nachrichten.

Der Mangel an Brod hat zu allerhand Hilfsmittel und Erfindungen in unserm Deutschland Anlaß gegeben. Man zählet gegenwärtig mehr als 80 Acken von Brod, ohne die Menge nahrhaffrer Suppen und sonstiger Speisen; auch besondere Arten von Caske und Thee.

Aus Coppenhage« wird bestatriget, daß der Graf Brand sich sehr standhafft in seinem GesängviK bezeige. Er har oft seinen Scherz über die wenige Gemächlichkeit in seiner neue« Wohnung. Der König, sagte er neulich, behandelt seine Gaste so, daß sie von selbst wünschen. Ihm nicht lang zur Last zu seyn.

In der Sr. Georgen Stadt auf der^ Insel Granada sind in Zeit von 9 Stunden

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mehr als 300 Hausser durch eine FeuersBrunst in die Asche gelegt, und viele Haushaltungen dadurch in die elendste Umständen versetzet worden.

Mannheim, den 5, April»

Am verwlchenen Donnerstag, de« 2ten April, ist die 120. Ziehung der Cdvrfürstlich - Pfälzischen Lotterie auf dem Rarhhause dahiesig. Churfürstlicher Residenz, in Hohr Gegenwart Seiner Ercellenz Herrn Baron von Zedtwitz, Zhro ''kurfürstlichen Durchlaucht Obrtst-Cämmrrern, rc.rc. als höchstverordneten General - Jmendantens selbiger Lotterie, und Betsitz angeordneter wohlausrhnlicher Herren Deputaten, mit bekannter guter Ordnung und festgrstellten Formalitäten vollzogen worden. Die bei dieser Ziehung heraus gekommene Nummer« sind fol' «ende:

No* 10. 74* 87. 84. 73*

Dir I2X. Ziehung besagter Chmfurstlichr» ^Lotterie geschieht Donnerstags, den 23. April, 177

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Nachdeme Cbursürstlich Pfälzische HossCammer entschlossen die bey nachstehenden Recep uren vorräthige Früchten als bey der Amts - Kellerey Eberbach 99 Malier Spelz, bei der Heydelberger Casten-Meisterey 1000 Malter Spelz, und bei der Pseddersheimer Oberschulkhekserey 748 Malter Spelz auf den 22. dieses, minder nicht bei der Schas. nerey Mölsheim 23 Malter Weitzen und 459 Malter Spelz, bei der Kelleren Neustatt 402 Malter Spelz auf den 2z. dieses, imgieichen bei der Frietzelshermer Burgvogt» thei 36 Malter Weitzen, 46 Malter Spelz und 7 Malter Dinkel auf den 24. dieses, fort bei der Amts - Keüerev Boxberg 221

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Malter Kor», 700-Malter Dinkel , het der D-uchsäfferev KeSerey Creutznach 122 Malter Weitzen, und 325 Malter Spelz, bei der receptur Ebernburg 100 Malter Spelz, beider Amts - Kellerey Erbes Büdesheim 73 Malter Spelz, bei der Amts-Kelle!eyHi!, spach 8 Malter W itzen, und 721 Malter Dinkel, auch 190 Malter gemischte Frucht, bei der Am s-Kellerey Rockenhausen 487 Malter Spelz, bei der Gefall - Verweiserry Umftalt 252 Malter Spelz, bei der Amts» Kllerey Wekngarthen rgo Malter Kor« und 289 Malter Dinkel auf dm 27. dieses, dann letztlich bei der Amts - Kellerey Löhrbach 549 Malter Spelz auf den 29. dieses versteige« zu lassen; als bleibt solches denen hierzu Lusttragende« ohnverhalten, um sich ln terminés & lods einfinden zu können. Mannheim den x. April 1772.

Ho stammer Lanzley Handfchriffr.

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Zu Nierstein liegen nach folgende Weine dortig ächten Berg » Gewächses als 1 Stück re anno 1746. 2 Stück de anno 1748»

i Stuck de anno 1755.

i dito de anno 1700,

l dito von 1762.

2 dito von 1764.

4 dito von 1766.

freiwillig zu verkaufen, und werden ln elner den 14. dieses, und aus Ansu-icn derenstiben Eigenthümerer? vorgenommen werdender öffentlicher Verganrhung dem sttzlbie« lenden zugeschlagen, welches denen hierzu Lusttragendev » um sich bestimten Tag Nach» mittags um 2 Uhr in rem Wirtsimuß zum Ritter einzufindeo, wo auch alltäglich die Proben an denen Fässer zu gchaden feind, zur Nachricht hierdurch bekannt gemacht wird. Oppenheim den 1. April. 1772..

Lburpfalz Oberamt.

Wüst.

Baumen.