Staats-und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 28 Februar 1772. Num. 34

Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit

Staats-und Gelehrte Zei-tung

Des Hamburgischen unpartheyischen

CORRESPONDENTEN.

Anno 1772. (Am Freytage, den 28 Februar.) Num. 34.

Copenhagen, den 22 Februar.

Zur Untersuchung der jetzigen Beschaffenheit des Finanz-Collegii und der Rentekammer ist eine Com- mission gesetzt, die aus folgenden Gliedern bestehet: Sr. Excellenz, dem Herrn geheimen Rath, Grafen von Thott; Sr. Excellenz, dem Herrn geheimen Rath von Schack, und dem Herrn Stifts-Amtmann Scheel. Am Donnerstage kam der Königl. Cabinets-Courier Brummer, welcher den 17ten Januar von hier nach London abgieng, anhero zurück. Vorgestern sowol, als gestern ist der Graf Struensee von der Inquisitions-Commißion im Casteel verhöret worden. Es ward derselbe, an Hand und Fuß geschlossen, in der Kutsche des Commandanten, des General-Lieutenants von Hoben, aus dem Gefängnisse abgeholet. Der Lieutenant Holm, welcher damals die Wache bey ihm gehabt, war bey ihm in dem Wagen, und 2 Unterofficiers und einige Mann Wache umgaben denselben. Die Barriere von der Citadelle ist den ganzen Tag gesperret gewesen, und niemanden, als solchen, die ins Casteel gehören, die Passage erlaubt worden. Die Commißion speisete bey dem Commandanten zu Mittage. Nach dem Essen wurde das Verhör wieder angefangen. Während des Verhörs wurde dem Grafen Struensee ein Stuhl gesetzt, und derselbe den hiesigen Gesetzen gemäß, zum letztenmal mit dem Grafen-Titel angeredet. Der Bediente des Obersten Falkenskiold ist auf dem alten Holm in Arrest gesetzt worden, weil er seinem Herrn einen Brief in den Stiefeln zubringen

wollen; auch hat der Major Falkenskiold, ein Bruder des Obersten, jetzt einen Officier und 2 Unterofficier in seinem Zimmer bey sich. Heute Mittag sandte der Englische Minister, Ober- ster von Keith, einen Courier von hier nach Lon- don ab. Bey dem anhaltenden Frost-Wetter belustiget sich der König fast täglich mit Schlittenfahren. Heute hat der Hof wieder eine Tour nach Friederichs- berg gemacht und daselbst zu Mittag gespeiset. Sr. Königl. Hoheit, des Kronprinzen, zeitherige Wartfrau Schönbergen ist mit einer jährlichen Pen- sion von 200 Rthlr. abgegangen. (Die Fortsetzung folgt.) Neapolis, den 4 Februar. Es ist eine große Anzahl Englischer Herren hier an- gekommen, Sr. Königl. Hoheit, dem Herzog von Glou- cester, welche sich täglich besser befinden, ihre Aufwartung zu machen. Florenz, den 11 Februar. Am verwichenen Sonnabend hatten Se. Excellenz, der General-Plenipotentiarius, Graf von Orlow, den unsern gnädigsten Herrschaften eine lange Audienz. Sie wurden mit vieler Distinction von selbiger empfangen. Gestern Abend kam in dem Hause des Doctors Arrighint Feuer aus, welches so schnell überhand nahm, daß seine 50jährige Stiefmutter ein Raub der Flammen wurde. Es war durch einen Bettwärmer verursacht worden. London, den 18 Februar. Vergangenen Sonnabend, als den i 15ten dieses, wurde der Körper Ihrer Königl. Hoheit, der verstorbenen Prinzeßinn von Wallis, zur Erde bestattet. Die Proceßion gieng von der sogenannten Prinzen-Kammer in dem Oberhause des Parlements nach der Abtey in Westmin-

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ster, wo das Königl. Begräbniß ist. Die Herzoginn von Graston führte die Trauer. Sie wurde von der Herzoginn von Queensberry und der Herzoginn von Bolton begleitet, und die Schleppe wurde ihr von der Baronesse, Lady Gideon, nachgetragen. Als TrauerAßistenten der Herzoginn von Grafton waren: die Gräfinnen von Pembroke, Denbigh, Lichtfield, Holdernesse, Ferrers, Dartmouth, Grey, Northampton, Essex, Abingdon, Coventry und Strafford. Die ganze Feyerlichkeit dauerte von 9 Uhr, Abends, bis 11 Uhr. Während dieser Zeit wurden alle Minuten die Stücke auf dem Tower in London gelöset, und die Glocken von Minute zu Minute angeschlagen. Die Erbprinzeßinnn von Braunschweig wollte anfangs selbst die Trauer führen; Se. Majestät, der König, aber, stellten Derselben vor, daß es eine zu traurige Sache für Ihre Zärtlichkeit seyn würde, darunter Sie nicht würde aushalten können.

Die hochselige Prinzeßinn von Wallis besaß vielen Geist, und hat sehr einleuchtende Beweise von Ihrer großen Beurtheilungskraft an den Tag geleget. Sie kannte das Verdienst und die Talente, und wußte sie zu schätzen und zu belohnen. Besonders zeigte Sie dieses bey der Wahl des berühmten Doctor Hales zu Ihrem ersten Cabinetsprediger, welchem großen Manne zum Angedenken Sie in der Abtey von Westminster auf Ihre eigene Kosten ein prächtiges Grabmaal errichten ließ. Sie besetzte nach dem Tode desselben die vorgedachte Stelle mit dem Doctor Young, dem berühmten Verfasser der Nachtgedanken, welche Wahl Ihren Einsichten und Geschmack gleiche Ehre macht. Gütigkeit und Größe der Seele machten einen Hauptzug in Ihrem Charakter aus. Die letzte bewies Sie vorzüglich bey der Befriedigung aller Forderungen, welche zur Zeit des Absterbens Sr. Königl. Hoheit, des Prinzen von Wallis, noch unbezahlt geblieben waren, und von der ersten zeuget eine Menge armer und dürftiger Personen, die jetzt in Ihrem Verlust ihre größte Wohlthäterinn beweinen. Kein Wunder also, daß Sie keine große Schätze hinterlassen hat, da Sie solche mit sich in die Ewigkeit genommen, und reich an guten Werken gestorben ist.

Das Oberhaus drückte sich in der dem Könige bey Gelegenheit dieses hohen Todesfalles überreichten Con- dolenz-Addresse unter andern folgendermaßen aus: "daß es von Pflicht und Erkenntlichkeit beseelt, allemal an allem dem, was Sr. Majestät häusliche Angelegenheiten betreffen könne, den aufrichtigsten Antheil nähme, und daß es für das lange Leben Sr. Majestät, welches für Dero Familie, so wie für die Glückseligkeit und Wohlfahrt Dero Volkes, so wichtig wäre, die inbrünstigsten Wünsche thäte.”

"Das Unterhaus bezeigte Sr. Majestät seinen gerechten und lebhaften Schmerz über den empfindlichen Verlust, welchen Höchstdieselben durch den Tod der verwittweten Prinzeßinn von Wallis erlitten, und versicherten Dieselben, daß Ihre getreue Gemeinen an allen Begebenheiten, welche Sr. Majestät so nahe angiengen, den aufrichtigsten Theil nähmen. Sie würden sich, so viel von ihnen abhienge, bemühen, mit der

ehrerbietigsten Ergebenheit gegen Dero geheiligte Per- son, alle Beschwerlichkeiten zu lindern, welche Dero

häusliche Glückseligkeit stöhren könnten.”

Gestern kam der Hof wieder von Richmond zurück, und die Erbprinzeßinn von Braunschweig trat noch an eben diesem Taae des Abends, um 7 Ubr, Ihre Rück- reise nach Braunschweig an.

Der König wird, dem Vernehmen nach, dem Parle-

ment die Vermählung des Herzogs von Cumberland bekannt machen lassen, und demselben gewisse Verfügungen in Ansehung der Vermählung der Personen des Königl. Hauses empfehlen.

In der Hofzeitung lesen wir Folgendes:

St. James, den 15ten Februar, 1772.

"Sr. Majestàt Schiff, Florida, ist von der Insel Falkland zu Spithead angekommen, und hat ein Schreiben von Capitain Burr, der die Schaluppe Hound commandiret, welches zu Port Egmont den 10ten November 1771. abgefasset ist, mitgebracht. In diesem Briefe wird gemeldet, daß daselbst, seit der Zeit, daß Capitain Stott nach England zurückgeselget, 2 Spanische Fahrzeuge angelanget wären, welche mit Artillerie, Ammunition & c. beladen gewesen, um den Engländern dasjenige wieder zuzustellen, was ihnen vorher abgenommen worden. Der Brief versichert, daß solches von einem Spanischen Commissario mit der größten Punctualität geschehen sey.”

Als Capitain Stott dort anlangte, hatten die Spanier nicht so viel Geschütz, Ammunition & c. die schuldige Wiedererstattung zu machen. Jetzt ist es also geschehen, welches ein neuer Beweis von den friedlichen Gesinnungen des Spanischen Hofes gegen England ist.

Pariss, den 17 Februar.

Das Gerücht ist allgemein, daß der Prinz von Soubise zum Präsidenten der Königl. Räthe werde ernennet werden, und daß derselbe, in Abwesenheit des Königes, von den Ministern die Berichte von den Angelegenheiten ihrer Departements empfangen solle.

Unser Erzbischof befindet sich sehe unpäßlich. Die Aerzte urtheilen, er sey mit dem Stein behaftet.

Dieser Tagen sind die Pairs des Reichs versammelt gewesen, einen Secretair der Pairschaft zu erwählen. Der berühmte Advocat le Laune soll die meisten Stimmen haben. In diefer Versammlung ist auch an die Stelle des verstorbenen Herzogs von Chevreuse der Herzog von Charost zum Pair erwählet worden.

Journal von den Begebenheiten bey Crakau, vom 2 bis zum 10 Februar.

Die Herzhaftigkeit und die Macht der Conföderirten haben sie nicht zu Meistern von dem Schlosse bey Crakau gemacht, sondern die wenige Achtsamkeit der hier in Besatzung liegenden Russen. Einige nicht so gar gefährlich geschienene Oerter unbesetzet zu lassen, hat Gelegenheit gegeben, daß sie solches in ihre Hände bekommen haben. Auf dem Schlosse ist ein Kanal, durch welchen das Wasser aus allen Rinnstöcken ablauft, Dieser ist so breit, als die bedeckten Wege zu Ausfällen zu feyn pflegen. Daß diesen die Russen mit keiner Schildwache versehen, haben die Conföderirten in Tynieck durch Spions erfahren, und besonders sollen ihnen einige Geistliche davon Nachricht gegeben haben. In der Mitternacht von dem Sonnabend auf den Sonntag, als den 2ten Februar, versuchten sie, ob es möglich wäre, durch diesen Kanal zu kommen, welcher gegen Prowarno zu geht. Die auf dem Schlosse gefangen gelegenen Conföderirten waren von allem diesem unterrichtet, und erwarteten schon die den Versuch wagenden Leute, welcher ihnen auch gelungen ist. Ein gewisser Rogalinsky und Ureysky, nebst noch verschiedenen angesehenen Arrestanten, suchten den wachthabenden Officier durch vieles Nöthigen zum Trinken zu berauschen. Als sie ihren Endzweck erreichet, drungen sogleich die Conföderirten durch den Kanal in das Schloß, ermordeten die ausgesetzten Schildwachen, ohne einen Schuß zu thun, und zwangen die übrigen, sich zu ergeben, wovon verschiedene, welche sich widersetzten.

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niedergehauen wurden; nur einige, so durch das zweyte Stockwerk auf die gefrorne Erde gesprungen, haben sich, obzwar gelähmet, gerettet. Man schätzet die auf dem Schlosse gewesenen Russen auf 2. Officiers und 100 Mann. Die Conföderirten, welche diese That vollzogen, sollen von französischen Officiers angeführet, und 150 Mann stark gewesen seyn. Man wurde diesen Vorfall in der Stadt nicht eher gewahr, als des Morgens um 4 Uhr, worauf denn alles allarmiret wurde. Ein Rußtscher Major wollte sogleich mit einem Haufen Grenadiers wieder eindringen; er wurde aber verwundet, und ver- lohr 40 Mann, ohne etwas auszurichten. Die Conföderirten haben hiedurch viel erobert: als das Magazin, viel Pulver und Kugeln, die Bagage aller Officiers, vieles Gewehr, welches sowol den Russen, als auch den Mirischen Soldaren, desgleichen den Bürgern zugehöret hat, und daselbst in Verwahrung gewesen. Aus den 2 Kanonen, welche auf dem Schlosse gestanden, haben sie den ganzen Sonntag in die Stadt geschossen. Denselben Tag wurde ein Succurs von 200 Mann Infanterie und 50 Mann Cavallerie von Tynieck nach dem Schlosse geschickt; die Russen wurden dieses bey Zeiten gewahr, und detaschirten ihnen 100 Mann Infanterie und 50 Mann Cavallerie entgegen. Sie marschirten zum Flo- rianschen Thore aus, und zogen sich gegen die Weichsel. Die zum Succurs kommende Conföderirte waren schon bis Zwierzyniec vorgerücket, und als ihnen die Russen zu nahe kamen, gaben sie aus den Häusern Feuer auf selbige, worauf sich diese bis an das Weichselthor zurückezogen und von den Conföderirten verfolget wurden, worauf ein allgemeines Gefecht entstand, welches etwa eine halbe Stunde dauerte. (Die Fortsetzung folgt.)

Königsberg, den 21 Februar.

Den 16ten langte die Gemahlinn des verstorbenen Königl. Dänischen Gesandten, Herrn Grafen von Scheel, aus Petersburg hier an, in deren Gefolge sich der Königl. Danische Agent und Consul, Hert Pieter Nisser, befindet, welcher gedachte Frau Gräfinn bis Danzig zu begleiten willens ist.

Halle, den 21 Februar.

Den 11ten dieses sind Ihro Durchl. die Gemahlinn des Fürsten Franz Adolph zu Anhalt-Bernburg und Schaumburg, Königl. Preußischen General-Lieutenants & c. von einer wohlgebildeten Prinzeßinn glücklich entbunden worden, welche in der Taufe die Namen Victoria Amalia Ernestina erhalten.

Hamburg, den 27 Februar.

Zuverläßigen Nachrichten zufolge, ist das Gerücht, welches in Nr. 22. dieser Zeitung unter der Rubrik von Copenhagen gemeldet worden, "daß Lehmann das Ouartier des Obersten Falkenskiold beziehen müssen," völlig ungegründet und falsch, da zu Copenhagen niemand dieses Namens das gedachte Quartier bezogen hat, und auf den würdigen Herrn Obersten von Lehmann zu Rendsburg auch nicht einmal ein Schein von Verdacht fallen kann, daß dessen Person dadurch sollte gemeynet seyn, da der rechtschaffene Charakter dieses Mannes, der von der vorgegangenen Veränderung weder Wissenschaft noch Antheil daran gehabt hat, überall bekannt ist.

Von gelehrten Sachen.

Fortsetzung der Anzeige von Deninas Staatsverän- derungen in Italien. (s. Nr. 32. u. 33.)

. Fünftes Buch. Alle Schriftsteller stimmen in Ansehung des Odoacers darinn überein, daß er ein Mann

von großem Verstande und Tapferkeit gewesen. Allein, selbst seine glücklichen Unternehmungen beschleunigten seinen Fall, und die Verwüstung von Italien, davon die Umstände S. 293. erzählet werden. Hier verdient dasjenige besonders erwogen zu werden, was der Verfasser von dem Ursprunge der Macht, und der weltlichen Gewalt der Geistlichkeit, und von dem Verfall des Gothischen Reiches unter dem wirklich großenTheodorich aus den zerstreueten Nachrichten sorgfältig gesammelt hat. Was der Verfasser S. 329. von dem Einfluß der Wissenschaften auf den Regenten und auf das Land sagt, ist wo! nicht bestimmt genug. Wenigstens läßt sich der daselbst geäußerte Satz nicht allgemein behaupten. Gleich in dem Anfange des sechsten Buchs findet man ein schönes Gemählde von dem Zustande des Orients und den Sitten der Nation, unter deren Bothmaßigkeit Italien nach der Zerstöhrung des Gothischen Reiches gerieth, woraus wir gerne einige Züge hier entlehnten, wenn es uns der Raum erlaubte. Mit diesem Buche geht die Geschichte des Ostgothischen Reiches zu Ende. Von dem berühmten Belisar finden wir hier eine sehr unterhaltende Nachricht. Denina setzt seinen Charakter sehr genau auseinander, läßt den Verdiensten dieses großen Mannes Gerechtigkeit wiederfahren, verschweigt seine Fehler nicht, setzt allenthalben die Triebfedern seiner großen Unternehmungen in ihr rechtes Licht, und entdeckt die wahren Ursachen seiner glücklichen und widrigen Schicksale. Einer von den berühmtesten Gothischen Königen, deren Geschichte hier erzählet wird, ist Totila, dessen vortreffliche Eigenschaften wider die Verläumdungen einiger Schriftsteller dieser Nation sehr lebhaft vertheidiget werden. Ein nicht minder wichti- ger Mann, dessen Geschichte in diesen Zeitpunkt fällt, ist Norses, ein Verschnittener, und Kammerbediente des Kaysers Justinian. Dieser entmannte Heerführer erfochte einen Sieg nach dem andern über die Gothischen Könige, und zeigte bey aller Gelegenheit seine Talente in Kriegs und Regierungs-Geschäfften. Er ist zugleich ein Beweis, wie viele merkwürdige Thaten der Regenten durch Favoriten, in die sie ein vorzügliches Vertrauen setzen, zu Stande kommen, und was für ein Glück es ist, wenn sie mit solchen Personen umgeben sind, die Muth haben, und rechtschaffen, groß und edel denken. Kaum war der Krieg mit den Gothen zu Ende, so erhielt Italien an den Franken einen neuen Feind, deren damaliger Zustand S. 361. beschrieben wird. Endlich ward das berühmte Gothische Reich durch die, Tapferkeit des Norses zerstöhret, nachdem es sich viele Jahre in blühendem Zustande erhalten hatte, und darauf beynahe eben so lange vielen Abwechselungen unterworfen gewesen war, indem es bald herunterkam, und sich bald wieder erhob. Wir übergehen die in dem 7ten Buche enthaltene kurze und minder wichtige Geschichte der verschiedenen Longobardischen Könige, und machen unsere Leser nur auf die Art aufmerksam, mit der der Verfasser zu erzählen, und feine Erzählung wichtig und lehrreich zu machen weiß: dahin gehört die Erzählung der fast romanenmäßigen Art, wodurch Autharis die Teudelinde zur Gemahlinn bekommen hatte, (S. 390.) ferner das Beyspiel einer edeln Gesinnung an dem Grimaldo, (S. 402.) der doch als ein Tyrann das Reich an sich gerissen hatte. Ratharis ist unter allen Longobardischen Königen der erste, der geschriebene Gesetze gegeben hat. Diese Gesetze machen in Ansehung der innerlichen Einrichtungen, und der Verfassung von Italien allerdings einen merkwürdigen Zeitpunkt aus.

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Aribert theilte das Reich unter seine beyden Söhne, und gab dadurch zu verdrießlichen Händeln Anlaß. Leirprond, ein kluger und tapferer Herr, gab dennoch durch seine unmäßige Begierde, das Longobardische Reich zu erweitern, die erste und vornehmste Veranlassung, daß das Reich unter den nachfolgenden Königen zu fallen ansieng. Die Geschichte der langen und unruhigen Regierung des Desiderii, dieses letzten Königs der Longobarden, ist dergestalt mit der von den Französischen Königen, welche auf die Longobardischen folgten, und mit den Händeln der Päbste, welche sie dazu brachten, verwickelt, daß der Verfasser sie hier übergeht, um den Ursprung einer so merkwürdigen Staatsveränderung, von ihrem ersten Anfange an, in dem folgenden Buche zu untersuchen. (Der Beschluß folgt.)

Nachricht.

Heute wird dey H. C. Grund am Fischmarkt das neunte Stück des zweyten Theils der Wochenschrift: Nahrung des Vergnügens für denkende Leser, ausgegeben.

Demnach die Herren Oberalten das Barmbeker LandGericht Mittewochs, den 4ten März D. J. Vormittags um 10 Uhr, auf St. Marien Magdalenen-Kloster zu halten gewillet, so wird solches hiemit allen, denen daran gelegen, hiedurch öffentlich kund gethan, damit ein jeder, so vor demselben etwas zu verhandeln oder zu verlassen hat, sich zeitig dazu anschicken, und seine Angelegenheiten gebührend beobachten könne. Hamburg, den 17ten Februar, 1772.

Nachdem nunmehro die Ziehung der 4ten Classe 11ter Chur-Cöllinischen Lotterie völlig geendiget, so können die resp. Interessenten die sämmtlichen Ziehungslisten nunmehro bey mir einsehen und die ihnen zugefallene Gewinne stündlich in Empfang nehmen; zugleich können Liebhaber dey mir mit Loosen zur künftigen 12ten Lotterie aufgewartet werden. Man zweifelt an der geneigten Aufnahme dieser Lotterie um so weniger, als selbige sich ihrer vortheilhaften Einrichtung wegen vorzüglich vor jenen vorhergehenden unterscheidet, indem man nicht nur viele in denen vorigen Lotterien bekannt gewesene große Gewinne vernichtet, sondern auch verschiedene ansehnliche Prämien merklich geschmälert, wodurch denn nicht nur denen in den ersten Classen gewinnenden der Vortheil verschaffet, daß selbige bey dem allergeringsten Preise nicht nur schadenfrey, sondern noch mit Ueberschuß sich in der folgenden Classe intereßiren können, sondern dadurch auch in der letzten Classe der allerniedrigste Preis von 40 zu 50 Fl, erhöhet geworden, wie solches aus dem bey mir gratis abzufordernden Plan mit mehrerm ersichtlich ist.

Die Ziehung der ersten Classe ist bereits auf den 27sten April vestgestellet. Diejenigen, welche also an den importanten Gewinnen, so schon hierinne ausgetheilet werden, als: 1 Preis von 10000, 6000, 2000, 1000 Fl. u. s. w. noch Antheil zu nehmen belieben, wollen sich beliebigst fordersamst mit Loosen von mir versehen. Hamburg, den 26sten Februar, 1772.

Schulz,

Churfürstl. Cöllnischer Agent und GeneralCollecteur der Lotterien.

Da die General-Direction der Herzogl. SachsenGothaischen Zahlen-Lotterie die Einrichtung gemacht, daß diejenigen, welche eine hurtige Entscheidung der

Lotto-Schicksale auch bey diesem soliden Etablissement vorzüglich Satisfaction finden können; so mache ich solches hiemit abermalen bekannt, und ersuche alle Liebhaber, welche bey der 33sten Ziehung ihr Glück versuchen wollen, heute und morgen die ihnen beliebige Billets in meinem General-Comtoir zu besorgen. Am Dienstag Morgen, und folglich so eilig als zu wünschen steht, werde ich einem jeden Interessenten die aus dem Glücksrade gezogene Nummern mittheilen können, da selbige durch eine Estafette auf hier befördert werden. Hamburg, den 28sten Februar, 1772.

Herzogl. Sachsen-Gothaisches General-LotterieComtoir zu Hamburg,

F. Karstens, an der Börse.

Bey der mit gewöhnlicher Accuratesse zu Berlin geschehenen 137sten Ziehung der Königl. preußischen Zahlen-Lotterie kamen aus dem Glücksrade zum Vorschein:

Nr. 64. 65. 52. 78. und 14. bey der 16ten Ziehung der Altonaer:

Nr. 21. 76. 20. 8. und 30. bey der 5ten Ziehung der Langenfuhrer:

Nr. 10. 27. 58. 14. und 82.

bey der 118ten Ziehung der Mannheimer:

Nr. 41. 76. 47. 27. und 3. bey der 21sten Ziehung der Regensburger:

Nr. 23. 52. 53. 55. und 22.

und bey der 32sten Ziehung der Strelitzer:

Nr. 52. 14. 58. 11. und 9.

Alle durch diese Nummern in meinem General-Comtoir gefallene ansehnliche Gewinne werden, wie einem jeden im Publico bekannt, ohne den geringsten Aufschub und ohne den mindesten Abzug ausbezahlet.

Heute wird die Einnahme zur Stralfunder, und morgen, den 29sten dieses, zur Gothaer und Regensburger Lotterie in meinem General-Comtoir geschlossen, allwo ein jeder bis zur spätesten Schlußzeit bey sämmtlichen hier gangbaren Lotterien auf selbstbeliebige Weise Einsätze machen, und überhaupt der reellesten Begegnung versichert seyn, Hamburg, den 28sten Februar, 1772.

Königl. Preußisch- und Dänisches GeneralLotterie-Comtoir, F. Karstens.

Die 118te Ziehung der Churfürstl. Pfälzischen Lotterie ist heute mit denen gewöhnlichen Formalitäten vollzogen worden. Die aus dem Glücksrade gekommenen fünf Gewinnst-Nummern sind folgende:

41. 76. 47. 27. 3.

Die 119te Ziehung geschiehet Donnerstags, den 12ten März, und die nachherigen in ununterbrochener Ordnung von drey zu drey Wochen. Mannheim, den 20sten Februar, 1772.

Von Seiren der General-Administration besagter Lotterie.

Hinter den Bleichen, in der Königsstraße, bey det Wittwe Kühlen, wohnet ein Mechanicus, der besonders geübt in Knochen- und Elfenbein-Arbeit ist, macht saubere Eventailles oder Fechtel, repariret die alten auf eine besondere Art, daß man den Schaden nicht siehet; beziehet sie mit neuem Papier, wenn es nöthig ist, um einen billigen Preis.