Uddrag fra Staats-und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 3 April 1772. Num. 54

Ohrdruf, bey Gotha. Ein gelehrter Arzt, der Herr Doctor Krügelstein, läßt seinen nothleidenden armen Mitbürgern zum Besten eine Wochenschrift drucken, welche dis Ostern fortgesetzt werden soll, und 16 Bogen betragen wird. Sie hat die Aufschrift: Die Beherzigung der Zeit. Wir haben 10 Stücke davon mit einer wahren Rührung gelesen, und wir wünschen dieselbe auch andern. Der einnehmende Vortrag des Verfassers, seine gute Art zu denken, und sein rühmlicher Eifer, der leidenden Armuth ihr hartes Leiden auch nach seinem Vermögen in etwas erträglich zu machen, verdienen allen Beyfall empfindsamer Leser. Wir verweisen sie auf die Anrede an seine lieben Mitbürger im 1sten Stücke, welches auch den Plan zeichnet, nach welchem der Verfasser arbeitet, nämlich: Erweckungen; — Beyträge zur Geschichte des menschlichen Herzens in Noth und Elend; — Wunderbare Rettungen; — Vorsehungen Gottes; — Geschichte der merkwürdigen Theurungen; — Mittel, sich darinn zu erhalten; — gutgemeynte Vorschläge, Theurunq zu verhüten; — Betrachtungen über die in der Theurung herrschende Krankheiten; — Nachrichten von wohlfeilen Lebensmitteln, und solchen, die man in der äußersten Noth brauchen kann; — sind der Inhalt dieser lesenswürdigen Schrift. Wir wollen den Schluß S. II. aus dem ersten Blatte hersetzen: "Doch, nachdem ich alles gesagt zu haben glaube, was sich von unserer Noth sagen ließe, so muß ich doch befürchten, meinen Gegenstand noch nicht erschöpft zu haben. Wenn ich das thun wollte, so müßte dieses Papier Farben haben, blasse Wangen, eingefallene Augen, zitternde Füße, die auf ihrem Todtenbett liegende Hoffnung, die rollenden Mutterthränen in den Mund der Säuglinge, die nach Brodt, oder Verwesung ringende Hände, und die mit allen Wiederhaken ausgerüstete Marter des Hungers abzumahlen. O Zeiten! wo der Arme mit heißen Thränen von Gott sich Krankheit erflehen möchte, um nur das Brodt hassen zu können! O Zeiten! wo der Gesunde sein kärglich Stückchen Brodt verschließen, und Lust Haben möchte, mehr zu hungern, nur nicht so lange hungern zu dürfen! O Zeiten! wo ein Stück verlegen Brodt für viele der Himmel auf Erden ist, und die selige Ewigkeit mit allen ihren übrigen Schätzen und Gütern in dem Auge des Armen mehr gilt, als die einzige Verheißung, daß dort niemand mehr hungern soll. O Zeiten! warum seyd ihr zu uns gekommen?" (Gedachte 10 Stücke sind allhier dey H. C. Grund am Fischmarkt und der Wittwe Trambourg à 2. ßl. zu haben.)