Uddrag fra Staats-und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 28 Februar 1772. Num. 34

von großem Verstande und Tapferkeit gewesen. Allein, selbst seine glücklichen Unternehmungen beschleunigten seinen Fall, und die Verwüstung von Italien, davon die Umstände S. 293. erzählet werden. Hier verdient dasjenige besonders erwogen zu werden, was der Verfasser von dem Ursprunge der Macht, und der weltlichen Gewalt der Geistlichkeit, und von dem Verfall des Gothischen Reiches unter dem wirklich großenTheodorich aus den zerstreueten Nachrichten sorgfältig gesammelt hat. Was der Verfasser S. 329. von dem Einfluß der Wissenschaften auf den Regenten und auf das Land sagt, ist wo! nicht bestimmt genug. Wenigstens läßt sich der daselbst geäußerte Satz nicht allgemein behaupten. Gleich in dem Anfange des sechsten Buchs findet man ein schönes Gemählde von dem Zustande des Orients und den Sitten der Nation, unter deren Bothmaßigkeit Italien nach der Zerstöhrung des Gothischen Reiches gerieth, woraus wir gerne einige Züge hier entlehnten, wenn es uns der Raum erlaubte. Mit diesem Buche geht die Geschichte des Ostgothischen Reiches zu Ende. Von dem berühmten Belisar finden wir hier eine sehr unterhaltende Nachricht. Denina setzt seinen Charakter sehr genau auseinander, läßt den Verdiensten dieses großen Mannes Gerechtigkeit wiederfahren, verschweigt seine Fehler nicht, setzt allenthalben die Triebfedern seiner großen Unternehmungen in ihr rechtes Licht, und entdeckt die wahren Ursachen seiner glücklichen und widrigen Schicksale. Einer von den berühmtesten Gothischen Königen, deren Geschichte hier erzählet wird, ist Totila, dessen vortreffliche Eigenschaften wider die Verläumdungen einiger Schriftsteller dieser Nation sehr lebhaft vertheidiget werden. Ein nicht minder wichti- ger Mann, dessen Geschichte in diesen Zeitpunkt fällt, ist Norses, ein Verschnittener, und Kammerbediente des Kaysers Justinian. Dieser entmannte Heerführer erfochte einen Sieg nach dem andern über die Gothischen Könige, und zeigte bey aller Gelegenheit seine Talente in Kriegs und Regierungs-Geschäfften. Er ist zugleich ein Beweis, wie viele merkwürdige Thaten der Regenten durch Favoriten, in die sie ein vorzügliches Vertrauen setzen, zu Stande kommen, und was für ein Glück es ist, wenn sie mit solchen Personen umgeben sind, die Muth haben, und rechtschaffen, groß und edel denken. Kaum war der Krieg mit den Gothen zu Ende, so erhielt Italien an den Franken einen neuen Feind, deren damaliger Zustand S. 361. beschrieben wird. Endlich ward das berühmte Gothische Reich durch die, Tapferkeit des Norses zerstöhret, nachdem es sich viele Jahre in blühendem Zustande erhalten hatte, und darauf beynahe eben so lange vielen Abwechselungen unterworfen gewesen war, indem es bald herunterkam, und sich bald wieder erhob. Wir übergehen die in dem 7ten Buche enthaltene kurze und minder wichtige Geschichte der verschiedenen Longobardischen Könige, und machen unsere Leser nur auf die Art aufmerksam, mit der der Verfasser zu erzählen, und feine Erzählung wichtig und lehrreich zu machen weiß: dahin gehört die Erzählung der fast romanenmäßigen Art, wodurch Autharis die Teudelinde zur Gemahlinn bekommen hatte, (S. 390.) ferner das Beyspiel einer edeln Gesinnung an dem Grimaldo, (S. 402.) der doch als ein Tyrann das Reich an sich gerissen hatte. Ratharis ist unter allen Longobardischen Königen der erste, der geschriebene Gesetze gegeben hat. Diese Gesetze machen in Ansehung der innerlichen Einrichtungen, und der Verfassung von Italien allerdings einen merkwürdigen Zeitpunkt aus.