M. Christian Bastholm Uddrag fra Eine wahre und ungeheuchelte Gottesfurcht als das sicherste Mittel ein Reich aufrecht zu halten, Vorgestellet in einer Rede am verordneten allgemeinen Danksagungs- und Gebetsfeste auf den 1. December 1773.

14 nöthig seyn, wenn eine wahre Gottesfurcht die Bestraften beherrschet hätte. — Allein, was für Laster sind den Gesehen des Landes unterworfen? Hochverrath, offenbarer Betrug, Raub, Diebstahl, Mord, Ehebruch. Und sind dieses denn die einzigen Laster, welche dem Staate schädlich seyn? Wieviele giebts nicht, die nicht weniger den Untergang eines Landes befördern, und dem Rich- terstuhle der Fürsten entfliehen? Undankbarkeit, Neid, Wollust, Unzucht, Unmäßigkeit, Müßiggang, Eitelkeit, wie gefährlich sind nicht diese Laster dem Staate, sie sind mit einer unheilbaren Schwindsucht zu vergleichen, die in dem inneren Gebäude des Staats nicht offenbar wüthet, sonder heimlicher Weise alle Adern durchschleichet, das Mark verzehret, die Nerven allmählich ver- schlaffet; dieser innerliche Feind in einem Landeist weit gefährlicher, als der bewasknete Feind im offenen Felde, weil man ihn nicht kennet, ehe er schon mächtig ist; man siehet die allmählich zunehmende Schwäche, die sich über alle Glieder dieses bürgerlichen Leibes verbreitet, aber die Arzeney fehlet;