? Sendschreiben eines deutschen Schulmeisters zu Kopenhagen, an die General-Administration der zu Kopenhagen und Altona errichteten Zahlenlotterie. Wegen eines einseitig und eigenmächtig falsch erklärten Original-Lottozettels, und wegen ihres veränderten Plans und Original-Billete, Von VirtVs Grata Fidesque VincVnt. Im Jahr 1773 den 1ten März.

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StlUchtttkm C: nes deutschen Schulmeisters zu Kopenhagen, an die General-Administration i der zu Kopenhagen und Altona errichteten

Wegen

eines einseitig und eigenmächtig

falsch erklärten

Original-Lottozetttls,

und wegen ihres veränderten

Plans und Original-Bmete.

Von

Virt Vs Grata Fidesque VincVnt.

Im Jahr 1773 den nett März. Kopenhagen, gedruckt bey I. R. Thiele.

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Hochgeehrteste Herren

Lotto-General-Administratores!

Sie, meine Herren! haben in den Kopenhagener Adreßnachrichten, unter der No. 28, am lyten Febr. dieses Jahres, eine Anzeige rücken lassen, welche gewiß, wo nicht das ganze Publicum, den noch, meinen Schulmcistergeist in Erstaunen, Schrecken und Verzweifelung sehen muß. Mein Beruf ist lehren, strafen, ermahnen und trösten. Diesem meinem Beruf soll und will ich würdiglich wandeln. Hier haben Sie die Quelle und den Endzweck meiner Zuschrift.

Sie erklären: ein original Zahlenlotteriebillet für falsch und unrichtig. Und aus wel-

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Sie haben die eingesandten Lottolisten nachgesehen; Sie haben solche, milden, der Instißdirektion eingelieferten Listen, gegen einander gehalten; Sie haben das Billet darauf nicht gefunden, und daher schießen Sie sogleich vor der Faust weg: Das Billet ist falsch.

Meine Herren! ich frage, ist dieser Schluß richtig? Keines wegeS. Ich kan mein Billet richtig, und wohl gar in Gegenwart einiger Zeugen gekauft und baar bezahlet haben. Der Collecteur kan es auf der Lottoliste auslasten. Ist denn Irren nicht menschlich? Oder er kan meine Einsazgelder gar unterschlagen, quod turpe di£tu. Ist sodann mein gekauftes Lottobillet falsch ? bin ich desfals ein Falfarius? quæ qualis quanta, hæc confequentia ? Dieser Schluß mag in der christlichen Iudenschule gelten, gewiß nicht auf meinem logikalischen Lehnstuhl.

Ich weiß wohl, daß Sie mir antworten werden. Ja nachdem, dem Publiko kundgemachten Plan, ist er ganz richtig. Wir haben mit dürren Worten festgesetzet, daß, nach den eingesandten, und der allerhöchstverordnetcn JustihDirection, vor jeder Ziehung, übergegebenen und versiegelten Listen, entschieden werden solle, was für Gewinnste die General-Lotto Caste ausbezahlen wolle. Ich gestehe gerne, daß wenn die Worte

des

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des Plans also sollen verstanden werden, Sie sehr bündig schließen.

Allein, was hat sodann das ganze Publicum für eine Sicherheit? und worzu nüßen die Original-Lottobillere?— Frey und aufrichtig zugestehen, sodann hat das Publicum ganz und gar keine Sicherheit, und die Originalbillete sind traurige Kennzeichen, daß, die Inhaber deßelben, quid pro qua, Mäusedreck für Pfesker gekauft haben. — Mit einem Worte, daß die Zahlenlotterte, das Publicum hinter das Licht führe, ich will nicht sagen, cum privilegio regio, rege infcio, so gar betrüge.

Ich bin verbunden dasjenige, was ich gefchriben, mit Gründen zu behaupten. Plünderungen der Nation sind Menschen Fluch, und Unterdrückung der Armut verdienen den Strick. Ich bin es einer Nation, die ich liebe, schuldig, sie für Fußangeln und Selbst-Schüsse zu warnen. Und ich glaube Einsicht mit muntrer Wahrheit zu verbinden, da ich mich unterwinde, zu erst, an Sie, meine Herren! zu schreiben, und Ihnen ins Ohr zu raunen. Das Gesez des Lotto: die Originallisten, sollen die Norm der Entscheidung seyn: fen ein Gesetz für die Schlaraffen; die Sicherheit des Publici sodann ein Unding; und die Originalbillete ein Scherwenzel, welches das Lor-

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to gebrauchen kan, wie der gnädige Hert die Kammerjungfer.

Solte aber diese vorläufige Erinnerung feinen Eingang bei Ihnen, meine Herren! finden, so werden Sie es mir verzeihen, wenn ich öffentlich das Warnbrett, an das General-Lottohauß hefte: Dies sind Wege der Hölle, da man hinunter fahret in des Todes Kammern.

Das Lotto hat General-Ober- und Unker. Collecteurs bestellet. Diese find von demselben mit Vollmachten versehen, und öffentlich zur Sicherheit des Publici gleichstm gestempelt worden; daß das Lotto für die richtige Bezahlung, bei einkretenden Gewinnste, haften wolle. Denn wo dieses nicht die Meinung des Lotto wäre, so muß ich sicher glauben, daß besagte ColleckionShäuser pri vilegirte Beutelschneider Häuser seyn sollen; wo man immer hinbringen, aber niemahlen holen dürfe. Und wer kan diesen unheiligen Gedanke», in diesem Allerheiligsten des Lotto, ohne Lotto-Lästerung, hegen ?— Nein, bei diesem brennenden, aber doch sich nicht verzehrenden Busche, wüsten wir billig die Stimme hören: Zeuch deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, da du aufstehest, ist ein heilig Land; Es ist das Königl. octroirte Lotto. Kan das einsehende Publicum nun nicht anders glauben, als daß diese so vorzüglich bezeichne, und so gar zum Theil mit dem

Königl.

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König!. Nahmens Zug verbrämte Häuser, öffentliche Sicherheit Häuser sind: so muß auch dasselbe der Felsenfesten Meinung seyn, daß dasjenige, was diese guarankirte Häuser versprechen, von der General-Direktion des Lotto, werde und müste gehalten werden. Den dies ist der Begrisk eines Mandati. Sobald ein Mandans, seinen Man: datarium öffentlich authorisiret hat, und leztern, so gar die freye Macht läßt, Quirungen und Beweise , unter seiner des MandantiS Hand und Siegel auszugeben: fo gibt ein Mandans dadurch die Versicherung, daß seines Mandakarii Handlungen, sollen von jeder Mann angesehen werden, als seine eigene , und als wenn Er, der Mandans selbst zugegen gewesen wäre, und solche in eigener Person verrichtet hätte. Die Vortheile, welche sein Mandatarius ihm, durch seinen Fleiß, zubringet, sind die Seinigen. Der Schaden aber stehet auch auf des Mandankis Rechnung, welcher, durch feines Mandakarii Versehen , und Nachläßigkeit verursachet worden. Der Mandans muß nicht nur seines Mandakarii culpam. latam, nemlich die Unterlassung des jenigen Fleißes und der jenigen Treue, welche alle Menschen, von der jenigen Wissenschaft und Geschäfte, worzu er seinen Mans datarium bestellet hat, ja selbst die Unfleißigsten und Unachksahmen, zu beobachten gewöhnet sind, büßen, sondern auch dessen culpam levem, daß 4 ist

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ist die Unterlaßring desjenigen Fleißes, Treue und Achtsamkeit, welche geschickte, und in dem Geschäfte sonst erfahrene Personen, anwenden, tragen. Ja, der MandanS ist verbunden, so gar seines Mandatarii culpam levillimam, die Unterlassung des jenigen Fleisses, der Treue und der Achtsamkeit auf sich zu nehmen, welchen die aüergeschickteste Männer in dieser Art der Geschäfte und des Verkehrs zu beweisen gewohnt sind. —

Das Publicum hat diese Häuser nicht ausgewäblet; sondern das Lotto. Wären selbige nicht glaubwürdig; wären solche nicht sicher, fonte entweder das Lotto, oder das Publicum ein Mißtrauen in ihre Treue setzen. Warum wählt und hat das Lotto denn solche Häuser, zu GeneralOber- und Untercollecteurs erwählet? und besonders solche, den in der Zahlenlotterie Spielenden, durch Vollmachten, und ausgestellte Schilder, ja durch Originalquuungen, mit Hand und Siegel bezeichnet, daß man daselbst sicher sein Geld niederlegen, und diese Häuser, als Mandatarjen, cum libera, von dem Zahlenlotto ansehen könne. Halt das Lotto solche für sich gefährlich, warum vertrauet cs ihnen seinen Nahmen, seine Hand, Wapen und Siegel? Sollen Sie dem Publico zum Fallstrikke gereichen; warum will man den öffentlichen Glauben zum Schilde gebrauchen, um

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eine ganze Nation zu Grunde zu richten? So liebloß und so verwegen kan ich mir kein Lotto in der Welt vorstellen. Und wäre es möglich, daß unser so ehrwürdiges Lottotribunal sich so tief erniedrigen könte: so würde ich meinen Mitbürgern und allen Nationen der Erde, so viel ich mir vollen Halse schreien kan , zu schreien; Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in SchaafS Kleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reissende Wölfe. Hütet euch vor diesem Sauerteige der Pharisäer und Lotkologisten. Euer König, der euer Wohl so ernstlich will, weiß von diesen Schelmereien der Lotto Helden nichts. Er gab ein Privilegium sein Volk glücklich zu machen, aber gewiß kein Privilegium dem Betrüge und der Völker Plünderung Thor und Thür zu öfnen, und mit seinen allerhöchsten und geheiligten Nahmen Häuser zu vergolden, wo man unbeahndet, ein galonierter Spitzbube, und zu gleich ein gestempelter Collecteur seyn kan. Gehet hin zu eurem Vater des Vaterlandes. Kniet ins gesammr vor seinem Throne und flehet fußfälligst, daß Er euren Würg-Engcl, das unseelige Lotto anbefähle: Es ist genug, laß nun deine Hand abe. Als Menschen und der Völker Vater wird er euch erhören, und euch, seinen um Brod bittenden Kindern, nicht durch das Lotto, einen Stein bieten lassen. Dannemarks Königs Krone, ist noch mv § besudelt

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Bejubelt von dem Schweiße und Blute ausgesogener Unterthanen.

Halt aber das Lotto seine General-Oberund Untercollecteurs für sich sicher. Worzu dienet denn das Gesetz, daß die Lottocasse nur die jenigen Gewinste bezahlen wolle, welche auf den eingesandten Listen vorhanden, und nicht diejenigen , worauf der Einsetzer einen Original Loßzettel hat? Gewiß zum offenbaren Beweise daß das Lotto ein Mißtrauen gegen feine eigene Man: datarien hege; das Lotto nur für fein eigen Heil unermüdet wache; dem Publico aber zu rufe: Ein jeder für sieh, Gott für uns alle.

Erlauben Sie es mir meine Herrn General Administratores! daß ich ihr teures Gesetz, nach seinem Inhalt und gantzen Umfange erkläre. Es heisset auf gut Deutsch, und zufolge einer vernünftigen Auölegnngs Kunst.

Geehrtes Publicum! Wir haben zwar dir Wohnungen unser dienstbahren Geister, unser Herren Collecteurs, feierlich mit unfern Wapen und Vollmachten eingeweihet. Sie leben, weben und sind auch in uns. Sie haben auch uns, die theuresten Versicherungen und Bürgschaft, für ihre Treue geleistet. In dessen, wer kan sie ins Hertz sehen? Fiel doch in der Geister Welk, ein General- und Obercollecteur des Herrn der Hertfchaarm, und bestand nicht in der Wahrheit. Auch

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dieses ist bey unser Schöpfung der neuen Lottowelk gar leicht möglich. Wir wollen also unsere erschaffene Lottoengel nicht weiter trauen, als wir sie sehen; damit in unsere Lottoschöpfung keine Zerstörung entstehe. Nur ihre uns zugesandte Listen , sollen uns zur Norm dienen, wornach wir bezahlen wollen. Sind unsere Diener getreu: so werden sie richtige Listen verfertigen, und deine Spielarten, nebst dein dargebrachres Geld, darauf verzeichnen, und sodann bist du und wir sicher. Weitere Sicherheit verlange nicht von uns. Wir sind dieses, dir mein liebes Publicum! nicht schuldig. Sind aber unsere Herolde und Emißaricn Schelme und Betrüger. Bezahlest du ihnen deine Spielarten, und lassest dich Scheine darauf geben. Führen sie solches aber nicht an auf ihre Listen; sondern schlagen das Geld unter, oder schleicht ein cafiis pro Amico mit ein, oder muß es auch, in grossen Gefahren des Lotio: Was der Fürst will, so spricht der Richter, damit er ihm wieder einen Gefallen erweise, jeßo ähnlich bey dem Lotto heissen: Was die Generaldireckion will, so spricht der Collecteur, damit sie ihm wieder einen Gefallen erzeige: so haben wir doch als rechtschaffene Väter für unser Kind das Lotto geforget. Das Versehen, die Nachlässigkeit und die Untreue unserer Collecteurs kan uns nicht zur Last fallen. Da siehe du zu, treuhertziges Publicum !

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lim! hakte dich an deinem Collecteur, bey dem du eingesetzet hast. Die Listen allein sind Richter. Warum bist du so blödsichkig? Ließ den Plan; ließ dein Originalbillet. Stehet nicht auf beiden, daß wir nur nach den eingesandkew Listen, die etwa gefallene Gewinnste bezahlen wollen? Was will du denn von uns haben ? Liste und Billet müssen über einstimmen, ohne diesen hast du nichts von uns zu gewarten. Wir haben durch unser Gesetz dir verdeckt zu verstehen geben wollen, daß wir dem gantzen Publico keine andere Sicherheit für seine Einsätze geben wollen, als das ehrliche Angesicht unserer General- Ober- und Untercollecteurs. Siehet es doch völlig wie ein gestempelter Schmaußel aus. So bald sich dieser Engel des Lichts und der Treue verändert, oder auch auf Befehl einer unsichtbahren Macht verändern muß: so bald verändert sich auch des Publici Sicherheit. Genug wir sind gedeckt; wenn auch das ganhe Publicum verlohren gehet.

Meine Herrn! hier haben Sie eine treu herkige Paraphrasin ihres Gesetzes. Urtheilen Sie selbst^ ob bey einer solchen Laage der Sache, für die Sicherheit des Publici gesorget sei? Ich dencke, ihr Herz wird sagen, nein. Und im Innern werden Sie sich zu schämen Ursache haben; Vater zu einer so täuschenden Mißgeburt noch länger zu heissen. Aus Ihrem Schosse ist dieser

feurige

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feurige Brand entsprossen; der diese nordische Reiche in vollen Flammen sehet; und Gold unk) Silber, Echt und Eisen, Hauser und Viehställe, ja Brodt und Kleiber verzehret. Sind Sie aber verhärtet genug; mir entgegen zu rufen; Raison de Lotto: so müssen und werden Sie auch die Sprache des aufgeweckten Publici dagegen Horen, welche in der Fortdauer nicht schweigen kan und wird.

Es ist lauter Täuscherey, und im Grund erlogen. —-

Werden Sie, oder die ganze unparrheiische Welt mir nicht nachstehende Folgerungen einraumen? Sollen nur die von ihren Herren Collecteurs eingesandten Listen gelten, so muß entweder

a) . das einsetzeude Publicum es lediglich auf die Ehrlichkeit ihrer Herrn Collecteurs ankomkommen lassen, und , in dieser Männer, oft zweydeutigen Treue, seine Sicherheit, sowohl wegen das eingesetzten Geldes, als des zu erwartenden Gewinstes fetzen. Oder

D). das einfetzende Publicum und ein jedes Individuum desselben, müste, bey seinem Einsaz in die Zahlenlotterie, bey seinem Collecteur, biß zum Schlußtage, entweder stehen bleiben, oder am Schlußtage sich wieder einfinden, um die einzusendenbe Listen nachzusehen, ob auch§ sin Billet richtig regisiriret worden. Sodann müste

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ein jedes Individuum des spielenden Publici, Key der Ablieferung im General-Lottohause, wieder gegenwärtig seyn, alle Listen conferiren, damit nicht ein untergeschobenes Kind, die Stelle des Aechtgebohrnen, vertrete. Von da müste man mit zu der Justißdirecrion wandern, um auch da fein Billet, durch die zuverstegelnden Liste, von dem Verdachte eines Bastardes zu befreyen, und als einen ungezweifelten Loktoerben und Miterben legitimiren zu lassen. Sodann wenn dieses alles geleistet, und nicht eher, fonte ein Jeder des spielenden Publici geruhig für sein Geld und für sein Glück schlafen. Sonsten aber nicht, vielmehr muß er zwischen Zittern und Zagen, noch nach der würcklich geschehenen Ziehung, und da das Glück auf seine Seite getreten, befürchten, daß die General-Administration durch die Adreß-Nachrichten von seinem Billete kundmachen laße: Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn, denn der Magd Sohn, soll nicht erben mit dem Sohne der Freyen. Es stehet nicht mit auf den Listen, der ehelich gezeugten Lotto Kinder, es ist eine hur- und ehebrecherische Art:

* Er samme falk og i alle Maa” der urigtig, da den ikke er at ” finde paa de fra samtlige Col” lecteurerne indleverede Lifter"

Will

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Will aber die General Administration der Königlichen Octroyrten Zahllotterre, wohl einem Publico es anmuhten, daß es fein Geld und fei» Glück in die Hände solcher Leute gebe, welche es kaum kennet, von deren Sicherheit es nicht überführet, und wenn es auch davon überführet wäre, dennoch nicht wissen kan; wie nahe sie ihrem Falle sind. Dies heisset zu viel von dem Publico gefordert. Und wenn Sie, meine Herren! dergleichen fordern: so gestehen Sie ja offenbar, daß Sie dem Publico keine Sicherheit für seine Einsätze und für das zu erwartende Glück geben können und wollen. Können und wollen Sie aber keine hinlängliche Sicherheit geben? Was für eine scheußliche Gestalt gewinnet sodann nicht ihre ganze so ehrwürdige als reißende Lottomiene? Mit welchen Nahmen wird man ihren Lottotempel beehren? Raube bald, Eile Beute? und wie wird man diejenigen nennen, welche das prächtige Siegel des Lotto, verfälschet, an ihrer Stirne tragen? Man dürfte sie ärger zu bezeichnen Ursache haben, als diejenige Schlachtopfer der Gerechtigkeit . welche in unsere Gassen mit der Kette schleppen. Denn diese wollen auch von der Beute ihrer Mitbürger leben; und Sie wollen die ganze Nation zum Raube haben. Möchte ich zum Wohl eines gemißbrauchten Publici, auf einem Augen: blik, ein Prophet seyn! Ich würde den täuschenden

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den Lotto Gibeoniten sagen. Warum habt ihr uns betrogen, und gesagt unsere Collecteurs sind ehrliche Leute, unsere gestempelte Mandat -rie i, so doch einige Betrüger seyn können ? Darum soll ihr verflucht seyn, daß unter euch nicht aufhören, Knechte die Holz hauen und Wasser tragen.

Die Grundfeste der Lottobühne ist Sicherheit, und auf diesen Säulen muß ihr ganzer Glückstempel ruhen. Können dies aber bey ihrem Gesetze: baß die eingesandten Listen die EntscheidungS Regel des GewinnsteS seyn sollen; ihre Herren General- Ober- und UntercollecteurS seyn? Nimmermehr. Der kurtzsichtige Pöbel mag sich tauschen lassen, aber gewiß nicht ein denkendes Publicum.

Gesetzt, eine Gesellschaft fragte mich und einem jeden Vernünftigen; wo sie mit Sicherheit ihren Einsatz zur Zahlenlotterie Hinsehen und zu welchen Collecteur sie sich wenden solte. Gesetzt sie nehmen 45 Zahlen auf ein Billet und 45 auf das Andere: so folget, das sie auf einem jeden Billet, 45 Auszüge, 990 Amben, 14190 Ternen und 148,995 Quaternen; mithin» auf bey den Billetten 90 Auszüge, 1980 Amben, 28,380 Ternen und 297,990 Quaternen haben müssen. Gesetzt diese Gesellschaft besetzt ihre Spielarten zu folge des Plans, den Auszug zu 666 Rthlr. 4 Mrk.; die Ambe zu 40 Rthlr.; die Terne zu

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6 Rkblr. 4 Mrk. und die Quaterne zu 2 Mrk.; so müssen dem Collecteur 427,730 Rthlr. gebracht werden, und die Gefelschaft hätte auf dem, in dem ganzen Lottospiel nur einzigen und am leichtesten möglichsten Fall, die grösseste Anwartschaft, g Quakernen auf einem Billette zu gewinnen, (Wir haben in der atzten Kopenhagener Ziehung; da die Nummern 67, 90, 52, 53, 65 heraus gekommen, eben diesen Vorfall erlebet.) folglich einen Anspruch auf 621,333 Rthlr. 2 Mk.; mithin auf eine Ausbeute von 193,603 Rthlr. 2 Mk. an das Lotto. Was würde ich, was würde ein jeder redlicher Mann, dieser Gesellschaft, auf die vorgelegte Fragen, antworten; damit sie wegen ihrer 427,730 Rthlr. und auch, wegen ihres möglichen Gewinstes, völlig gedecket wäre? Soll ich sie zu dem General, oder Obersten, oder zu dem Corporal dieser Lotto-Legionen verweisen? Bey al» len sitzen Menschen die irren, und bekriegen, und zum wenigsten zum Vorcheile derjenigen Fahne handeln können, zu welcher sie geschworen haben. Wie leicht kan man nicht in der Liste eine Zahl verschreiben? Wie leicht kan nicht in der Geschwindigkeit das Billet auf der Liste ausgelassen worden seyn? Wer kan für den unglücklichen Zufall, daß der Collecteur das Dintenfaß, oder das brennende Licht auf seine Liste fallen lässet, welches die

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muß der Collecteur verhindert worden seyn, seine Listen zur rechter Zeit einzusenden, daß solche nicht von der General-Administration sind angenommen, und von der Justitzdirection versiegelt worden. Allen dergleichen menschlichen-Schwachheiten sind die Herren Collecteurs unterworfen. Die General-Administration haftet für dergleichen Fehler, Versehen und Zufall, ihrer Collecteurs ganz und gar nicht. Dies hat Sie, vermöge ihres ncüerlichen Plans, und selbst ihrer geänderten OriginalBilletten kund gemacht. Mithin sind ihre Einsatzgelder, und der darauf fallende Gewinst, dergleichen, und noch raufend mehreren Einreden, NB. Wenn sie was gewonnen haben, uns terworffen.

Ich werde dabey der Gesellschaft, wo nicht apodicktisch, dennoch sehr wahrscheinlich versichern, daß von allen dergleichen Unfällen, nichts ihnen tressen soll; wenn sie auf dem einem Billet nur eine Quakerne, oder eine Terne, und auf dem andern, entweder einen Auszug, oder eine Ambe gewonnen haben. Gewiß der Collecteur oder die General-Administarion, wird gerne, in den ersten Fall, ein O.vaterne, 4 Ternen, 6 Amben und A Auszüge, ihnen mit 276,155 Rthlr. 2 Mk., und in dem lezten Falle, noch vergnügter 1 Terne, 4 Amben und § Auszüge, mit 128,555 Rthlr. 2 ME, von ihren eigenen Einsatzgelde bezahlen. Indem,

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dem, entweder der Lotto-Casse, oder dem Collecteur, in dem ersten Falle, eine Ausbeute von 151,596 Rthlr. 4 ME, in dem andern aber, so gar ein Gewinnst von 289,196 Rthlr. 4 Mk. in den Schooße, von ihrem Gelde zurück bleiben wird. So begiest man sie mir ihren eigenen Fette, wie die Köchin die fette Gans. Allein, wenn auf einem dieser Billete, die 5 ausgezogene Zahlen, befindlich waren: so fonte ich dieser Gesellschaft nicht Bürge seyn, für obbemeldedte Zufälle. Denn hier wäre die Lange der Sache ganz anders. Vorhin wäre von dem Verluste des Einsehers die Rede gewesen. Damalen hätte man den Collecteur, mit einem derbe - Verweist, davon kommen lassen, daß er eine Zahl verschrieben, oder gar das Billet ausgelassen, oder auf seine Liste das Dintenfaß oder das Licht gefallen, oder, daß er sich mit der Einsendung der Listen verspätet gehabt, oder sonst ein Versthen begangen.— Jeßo aber sey die Ilede von dem Verluste des Lotto. Die Summa von 195,625 Rthlr. 2 Mk. sey kein Kaßendreck zu verlieren. Nun dürfte die General Administration aus einem andern Tone sprechen: Vigüantibus flint scripta jura. Vielleicht heißt es jeßo: Die eingesandten Listen des Collecteurs waren nicht Gesezmassig; dahero wären solche von der General-Administration verworffen worden; oder vielleicht wird man sagen: Der 2 Col:

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Collecteur habe sich verspätet; oder er habe solche gar nicht eingesandt , oder das Billet sey auf die Liste nicht angeführet gewesen; oder man dürfte noch ganz neu erfundene Ausfiüchte Vorschüßen, um sich des GewinnsteS zu entledigen, vor welchen kein Mensch der GewehrsMann seyn fonte, da die Listen das achte Krinomenon der Entscheidung seyn sollen.

Meine Gesellschaft möchte sodann bey den Einreden der General-Administration will) nicht seitwertö zu schielen: Wer weiß obs Wahr ist, daß unsere Magd eine H— ist. Ich würde ihnen doch nur verstohlen wieder, zu wincken müßen: Es würde ein schlechter Fuchs seyn, der nicht mehr als ein Loch zu finden wüste. Dabey wolle ich meiner Gesellschaft das grosse Glück gönnen, wann sie zwar ohne Gewinnst, jedoch nicht, auch von ihren Einsätze geplündert, leer zu Hause gehen müs sten, und der Hr. Collecteur, mit allen Einsatzgeldern sich aus dem Staube gemacht hätte oder machen müssen. Denn eine jährliche geheime LottoPension, sey eine kräftige Universal-Medicin gegen die Sprengung des Lotto, und für alle böse Zufälle und Ohmachten desselben. Es fonte ja auch noch wohl ein Lotto-Hoherpriester, bey dergleichen Begebenheiten und Aufruhr, unter das Lotto: Volk auftreten, und weißagen: Es ist uns besser, ein Mensch sterbe für das Volk , als daß das ganze

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ze Lokto verderbe. Laß lieber den Collecteur einen Schelm heißen; har er doch mirer der Hand von dem Lotto zu leben; ehe denn das Lotto-Schelm heisse und untergehe. Pereac pars ut confervetur totum.

Um die Gesellschaft noch mehr von der Unsicherheit des Einsatzgeldes und des zu erhaltenen Gewinnstes, bey der jetzigen Einrichtung des Zahlenlotto, zu überführen; würde ich ihnen vorstellen: Ob nicht folgender Fall möglich seyn, mithin gar leicht auch, ins Reich der Würcklichkeit, bey der Lotto-Welt, sich unvermerkt hinüber schleichen könne.

Ist es nicht möglich, (Nam posfibile esk, quod non involvic contradiOäonem,) und von diesem, was in sich keinen Wiederspruch leider, rede ich nur; daß ein Collecteur , bey welchem ein Einsatz, voneinigen tausend ReichSthaler, geschehen ist, entweder für sich, diesen fetten Braten, zu kleinen und dringenden Ausgaben verwandt? Vielleicht will Gellerts kranke Frau, auch bey ihm sterben , oder vielleicht hat er seinen Ring, seine Schnur und seinen Stab, bey einer Thamar, am Wege, versetzet, und gebraucht es zur Einlösung des Pfandes; oder vielleicht sind ihm andere unvermuthete Ausgaben zur Hand gestossen; oder, daß er sich an die General-Administration wende, derselben solches anzeige, und sich vrrhaltungs Befehle Z aus-

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susbitte. Ist es ferner nicht möglich? daß entweder der Collecteur selbst, oder die GeneralAdministration in Vorschlag bringe; den Einsatz zwar anzunehmen; aber nicht auf diejenigen Liste mit anzuführen, welche die Instih-Direction versiegelt. Im Fall nun der Einsetzer verlieren sollte; und dieser Fall ist bey einem simplen Auszüge 89 mahl, bey einer Ambe 4004 mahl, bey einer Terne 117,479 mahl, und bey einer Quaterne 2,555,189 mahl, und wenn ich 5 Zahlen auf ein Lottobillet nehme, und 5 Quaternen zu gewinnen drucke; 225,562,274 mahl eher möglich, als daß ich einmal gewinnen würde: so bleibt der Einsatz für die General-Administration und zum Theil für den Collecteur. Sollte aber zu allem Unglück des Lotto, der Einjeßer gewinnen, welches unter Millionen Fällen nicht einmal eintrift, daher dieses Handwcrck mit vieler Zuverlässigkeit kan getrieben werden: so ist es möglich, daß die General-Administration, sich ihrem Plan gemäß, damit entschuldigen wird. Es sey nicht auf die eingesandte und von der Iustitz-Di cctiott versiegelte Listen befindlich; folglich sey sie die General-Lotto-Casse, nicht zur Bezahlung verbunden. Die Justih-Direckion kan auch nicht anders urrheilen, als nach den ihr gewordenen und versiegelten Listen, und vermöge des neuerlichen Plans. Der Collecteur möchte und würde sich

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mit dem Originalbillete ebenfalls zu entschuldigen suchen, auf welchem ausdrücklich stünde, daß die Bezahlung des GewinnsteS, nur in soferne, geschehen solle, als die Lifte gesetzmässig eingesandt worden.

Mit dieser Versicherung sey der Einsetzer zu frieden gewesen, mithin habe derselbe stillschweigend darinnen consentiret, daß er, nur in dem Falle, seinen Gewinnst wieder verlange; wenn die versiegelte Listen bey der Institz-Direction gesehmässig eingeliefert worden. In allen andern Fallen habe er durch die Annahme des Original- LottobilletS, sich der Bezahlung begeben. Nun sey er, der Collecteur, durch einen Zufall verhindert worden, seine Listen richtig ein zusenden. Zum Ex. Er selbst oder seine Kinder hakten unvorsichtiger Weist das Dintenfaß, oder das brennende Licht nmgestoffen, welches von ungefehr auf die Lottolisten gefallen wäre, wodurch selbige verdorben worden. Er sey au dem Schlußtage von einer tödlichen Colick, oder Schlafsucht ganz plözlich befallen worden; oder seiner Frau waren falsche GcburtSWehen angetreten z oder sein Kind wäre in das Feuer gefallen; und er hätte nach dem Accoucheuer, der Hebamme und dem Artzte laufen müssen. Diese Umstände und Ehehaften, hätten ihm verhindert die Listen einzusenden; zum wenigsten hätten solche ihm so verwirrt gemacht, daß er nicht alles ge.

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Hörig besorgen können. Für solche eafus For* tuitos & maxime infperatos könne kein Collecteur haften. Genüge daß der Einsetzer; sein zugesetztes Geld, wieder erhielte. Er könne fein Glück, ja nochmalen versuchen. Sind diest Falle nicht möglich ? — Hic murtis ahcneus esto, nil confdre fibi, nulla pallefcere culpa. Und wie soll sich für diese unerlaubte Schliche das Publicum sicher stellen ? Wird meine Gefelschaft, wird die ganze spielende Nation, ja werden Sie meine Herren General-Administrarores! mir nicht ihren lauten Beyfall gönnen, daß diese Falle möglich sind, und nicht zum LbimTren Reiche gehören d Werden Sir mir also nicht einraumen müssen, ° daß wenn dir ein zusendende Listen, nur allein die Regeln, im Entscheiden seyn „ sollen, das Publicum keine Sicherheit, für alle mögliche Falle, bey dem Lotto habe?

Und ist das Lotto nicht hierzu verbunden wo es sich anders das Zutrauen des gemeinen Wesens erwerben und erhalten will? Man vertröste uns nicht auf das ehrliche Angesicht und auf die Amtsmiene ihrer Herren General- Ober- und UntercollecteurS. Nein, diese können sich so gut schminken, als unsere verrostete Buhldirnen und unsere schrumpflichre anögedieirte Wittwen, wenn sie ihren feurigen Galan erwarten. Auch die ehrwürdigste drey Knoten Perugue eines General-

Ober-

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Ober- oder UntcrcollecteurS, soll mich nicht dahin bewegen zu glauben, daß bey ihm Sicherheit fen: so lange seine Listen nur allein meine Richterinnen feyn sollen. Die ehrliche Miene ist nicht allein das Erbe des redlichen Mannes. Oft scheint ein Erhbetrüger darinnen mehr dem Original der Ehrlichkeit zu gleichen, als das beste Herz des unverfälschten Menschen Freundes. Das Meum & Tuum ist eine zu kühliche Sache. Wie leicht könte mein ehrlich scheinender Hert Collecteur, mein ihm auf Wucher hingegebenes Pfund, nach seiner Phantasie, im Schweißruche wickeln, und mir, wenn ich es mir Wucher wollte wieder zurück nehmen, unerfindliche Entschuldigungen: "Ich wüste Daß du ein harter Mann wärest, und gewinnen würdest," vorschwatzen. Wie leicht könte ich sodann, wie Orbil vom Lehnstuhl ihm entgegen schnarchen: Du Schalcköknecht! — — Und sodann hätte ich meinen fürchterlichen Hert Generalfiskal auf dem Halse; verlor meinen Dienst und würde zum Lande Hinaus gezischt. Nein, dafür behüte mich mein ertzbraver Kubach, wenn ich des Morgends sein Gebetbuch für einen Schulmeister lese. Ich werde lieber gar nicht einsetzen; sondern für mich glauben, und das Publicum, möglichster Art nach, glaubend zu machen judoen; daß es mit der Sicherheit des Lotto, so lauge eine mißliche Sache fey: als. nur bloß allein die Lüsten 5 der

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der Herren Collecteurs, die einzige bafis in decidendo styn sollen. Es bleiben zu viele Schlupfwinckel dem Lotto übrig, und es hat zu viele Freyheir, uns eine Nase anzudrehen , und uns, wie unsere junge Weiber, unvermerckt und ungerochen mit Hörner zu bekrönen. Hiebey aber zu sagen: Madame! dwenirm sie sich wohl diese Nacht; mag Geschmack für den Adel styn, gewiß nicht für den bürgerlichen, am wenigsten für meinen deutschen Schulmeister Magen.

Großgünstige Herren General Lotto-Admiuistratores! zürnen Sie nicht. Schulmeister sind gewohnt, die Wahrheit zu sagen, und auch, nach ihrem Maasse, das Wort recht zu theilen; damit eine verwilderte Jugend sich bessere. Ich habe diese meine betrübte Mode nicht ablegen können, und desfalls, so wie die Sache ist, meineGedew kungö Art entdecket.

Ohne Zweifel erhalte ich zur Antwort: will das Publicum nicht das blosse Angesicht unserer Herrn Collecteurs trauen, folglich den ersten Weg nicht mit uns wandeln: Wolan! so ist zur Sicherheit desselben nichts anders übrig, als daß das cinsttzcnde Publicum, sich selbst von der Treue unser Herren Collecteurs überzeuge; und gegenwärtig bey der Ablieferung der Listen sey. Sodann kan es seines Einsatzes und des fallenden GewinnsteS völlig gewiß styn.

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mr

Sie erlauben meine Herren! daß ich frage: Will dies das Publicum thun, und wenn es auch wollte, ist es an sich möglich? Das vernünftige und bequeme Publicum liebet die Ruhe in ihren Vergnügungen, und dürfte sich wohl nicht freywillig entschließen, den neugebackenen Caracter eines Loktolaquais, mit großen Summen, zu erkauft fen. Den Troß der Nation in die Lottojüngerund Brüderschaft aufzunehmen, und damit im Lande Parade zu machen, möchte wenig Ehre, und noch weniger Geld dem Lotto bringen.

Gesezt aber, die Lotto Enthusiasterey hatte die ganze Nation bezaubert; und ein jeder Einsetzer, wolte sich so weit erniedrigen, von dem Hause seines Collecteurs , nach dem General-Lottohaufe, in Procession hinzu wallen. Södel) ein Aufzug 1 —• Man könte sich nichts römischer iw der Welt vorstellen, als diese Lotto-Revue. Und unser allerdurchlauchtigster König und allerhöchstdesselben Königliches Haus, würden Opern, Comödien, Bälle und MaSqveraden vergessen, um dieses Schauspiel der Natur mit anzusehen.

Vorauf der Hert General- oder Obercollecteur, Chapeau bas, mit gepuderter Peruque, einer rothen Mantel und reich besetzten Kleide, weissen seidenen Strümpfen, und einen Degen an der Seite; in beyden Händen ein roch sammeken Küßen; worauf seine in weissen Atlaß eingcwun-

Dene

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AS

Bene Lottolisten, diese Bücher des Bundes und des Gerichts lägen. Zu beiden Setten vier seiner Untercollectems, welche die vier Zipfel des KüßenS Hielten. Kurz hinter ihn, seine übrige Collecteurs, davon zwey die Schleppe seiner Mantel trügen. Hieraus ohne I!ang-Ordnung, die gesamte LonoBegleiter, mit ihren Originalbilleten in Händen.

Die blitzende junge Gräfin», und neben ihr der schmutzige Schornsteinfeger. Der blühende Hofstutzer, und bey ihm die abgenutzte geschminckle Theater Schöne. Das reizvolle zarte Fräulein, und bey ihr der schnurbänige Dragoner. Der pomadirte strotzende Strohjuncker, und die dickarmigte kotige Viehmagd. Die weichliche und eckelnde geadelte Pachter-Dame, und bey ihr Meister: Vicks, mit der abgeschundenen Kuhhaut. Die seufzende Bethfchwester, und der fluchende Hauptmann. Die kriechende Nonne, und der freche Bootsmann. Die gezaümte Kaufmannöfrau, und ein verlarvrer Spizbube, die junge Kopfpuzkrämerin und ein kriechender Rentenirer. Die schmachtende Wittwe und der redueirte Officier; Ein vaterloses ungebildetes betrautes Madgen, und ein sich brüstender unbarmherziger Geistliche. Ein plauderndes Waschweib, und der windbeutelnde Advocat. Dir vollmilchigte Amme, und der balsamische Medicus. Die rasche Dreckmagd, und der hüpfende Chirurgus. Ein hinkendes Spiral Weib, und

der

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29

der gespornte Bereuter. Ein gebücktes Mütterchen, und ein junger Student. Die freche Buhldirne, und ein zerlumpter Fündling. Die brauchbare Kammerjungfer, und ein veralteter Reitknecht. Eine winkende Kupplerin«, und ein murmelnder Jude. Eine geschändete Ehefrau, und ein bestochener Richter. Ich werde mit meinem August den Trupp schliessen, und mit allen Trillern eines Schulmeister-Basses singen:

Mach End, 0 Hert! mach Ende,

Mit aller unser Noch,

Stärk unsre FUß und Hände;

Und laß uns bis im Tvd;

O Lotto! deiner Pflege

Und Treu empfolen sehn:

Sonst gehen unsre Wege,

Einst zum Spital hinein.

Was dünket Sie, meine Herren 1 bey einem solchen majestätischen Auftritte ? Wird nicht ihr LottoHerz, für Freuden in ihrem Leibe hüpfen; wann Sie uns in Empfang,bey ihrem Lottohause, nehmen, und sich, in der Grösse des alleinigen Schöpfers, eines so betrachrungswürdigsten Spectaculs, fühlen? Wie wird ganz Europa aufmerksam werden! Kopenhagen und Altona werden von fremden Hertschaften wimmeln. Europens gesammte Zahlenlvuereien werden sich nach der Ihrigen bilden. Sie werden Großmama heißen, und vom General zur Stusse eines GkNerallisstmi aller Zahlenlottereien schreiten.

Dafür

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Dafür aber müssen Sie, meine Herren! ja zu förderst erst sorgen: a). Daß Sie soviel Raum in ihrem General-Lottohause haben, daß wir alle bequem, zum wenigsten, stehen können, H). Daß soviel Zeit übrig fen, damit ein jeder die Lorrolisten eigenhändig revidiren könne. Cc). Daß die entfernte Spickende, von allen Enden und Ecken der Erden, sich am Schlußtage, entweder zu Kopenhagen oder zu Altona einfinden; worzu ich unmaßgeblich Faustens Mantel zu leihen im Vorschläge bringen will. dG). Daß Sie uns für allen Tumult Bürge sind, und für unser Leib und Leben, für unsere Kleider, Hüte, Kopfzeuger, Uhren, Degen, Stöcke und Börsen, ja den Damen für handgreifliche DiScourse Sicherheit verschaffen und e). Daß Sie ihren sowohl ehrlichen als betrüglichen Herren General- Ober- und Untercollecteurs einen standhaften Muth, eine getroste Seele, und die kostbahren Märtyrer Freudigkeit einflössen, wohl meinentlich lassen Sie selbige vorhero einseegnen: alle mögliche Arten der Bitterkeiten des Todes, auf dem Fall auszustehen, wenn sie ihre Listen nicht richtig und mit unfern Originalbilleten harmonirend abgefasset, oder mit Dinke begossen, oder mit dem Lichte verbrandt, oder sonsten durch cafus fortuitos verdorben, oder sich versäumet, und was am ärgsten wäre, gar nicht mitgebracht halten.

Sobald

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So bald Sie, meine Herren! diese § Puncte erfüllet haben und erfüllen können: so bald will ich mit Herz und Mund bekennen, daß das Publicum auf solche Art, einigermaßen Sicherheit, erhalten könne. So lange aber Sie sich hier mit der Unmöglichkeit schuhen mollen: so lange wird es auch unmöglich seyn, daß das Publicum diesen Weg betreten und sich, wegen der fehlenden Sicherheit, beruhigen kan. Sie sehen also, daß dieses auch ein ungebäheter und mit einem undurchdringlichen Verhacke versehener Weg sey, worauf keiner aus der Stelle, viel weniger zum Ziel dev vergewißerten Sicherheit, gelangen kan.

Taugt nun dieser Weg nicht, und ist die angepriesene Ehrlichkeit ihrer Herren Collecteurs ein Rohr, das der Wind hin und her wehen kan: so sind es ebenfals ihre Original-Billete, Mit diesem Plunder können und sollen wir nichts erweisen; allenfalS aber nur dies, im Fall die General-Cass« uns nicht den Gevinnst ausbezahlen will, daß derjenige Lotto-^ollecteur, welcher uns das LottoBillet gegeben hat, ein eingeschriebener, und gestempelter Erzbökrüger von Profession gewesen sey. Und dergleichen Lotto-Schandfiecke verabscheuet das Publicum; und will dafür von dem Lotto gedecket seyn. Was helfen uns Taufend Beweist Original-Billete, daß dieser oder jener Collecteur ein Betrüger sey. Dies füllet unsere Börse nicht.

Das

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Das Lotto Wäscher seine Hände in Unschuld, und lacht hinten nach, über den Leichtglauben und Vers b len düng des Publici, ins Fäustgen.

Sie melden, meine Herren! zwar, und versichern es heilig dem Publico in ihrem Plan: ” Daß wenn der Einsatz bezahlet,, der Ein'' ster ein Billet oder einen Beweist erhalten ” solle." Und wozu? Zum Beweise daß ihr Tollcckeur ein Schelm sey, oder werden könne, oder werden wollet Nein, keineSwegeS, dieses wäre ein trauriger Beweist, welchen ich für Geld nicht haben will, sondern wie Sie ausdrücklich geschrieben haben, und wie in ihren Lokkerieplan gedruckt stehet, zum Beweise:

1) . Daß der Einsetzer, so und so viel einge-

sehet habe, und auch

2) . N.B. Daß die Lotterie, im Fall er

gewinnen solle, in einer oder mehr erwahllen Spielarten, ihm den Gewinnst, nach obiger Proportion, aus zahlen solle.

Müssen Sie nach diesen ihrem eigenen dem Publico so feierlich gegebenen, theuren Worte nicht folgende Schlüsse zu gestehen?

Alle diejenigen, welche ein Originalbillet im Händen haben, beweisen daß sie bezahlet haben. Major probacur durch die Worte des Lotterieplanö.

Atqui.

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Atqui, Hans, Kunz, Tews, Claas, Greek, Trien, Ussel, und wenn es wäre, auch des Teufels Großmutter, Haben ein Original-Lottobilletin Händen. Minor probacur durch Vorzeigung des Oris ginalbilletS.

Ergo. Beweisen Hans, Kunz, Tews, Claas, Greer, Trien, Ussel und des Teufels Großmutter, daß sie bezahlet Haben.

Ferner

Allen denjenigen, welche beweisen, daß sie bezahlet haben, soll NB. die Lotterie, (nicht der Collecteur) im Fall sie gewinnen, den Gewinnst ausbezahlen. Major probamr durch die Worte des Lomrieplans.

Atqui. Hans, Kunz, Tews, Claas, Greet, Trien, Ussel und des Teufels Goßmutter, beweisen, daß sie bezahlet haben. Minor probamr durch den vorhergehenden Schluß-Satz.

Ergo. Soll die Lotterie (und nicht der Collecteur) Hans, Kunz, Tews, Gret, Trien, Ussel und des Teufels Großmutter im Fall sie gewinnen, den Gewinnst ausbezahlen.

Aus einem bestqubten Schulmeister zum gepuzten Philosophen umgeschaffen; vom Commandeur der C Ruhte,

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SR

Ruhte, znm academischen Scepter erhoben; ganz nagelneuer allerhöchst unberufener Lehrer der Logick und Consequentien, zum Nutzen des betrogenen Publici, und zur Besserung des schlechteingerichteten Lotto, schließe ich weiter.

Alle die jenigen, gewinnen, welche die jenigen Zahlen beym Einsaz erwählet haben, und darüber das Original Billet genommen, welche der Waissenknabe, am Ziehungstage, aus dem Glücksrads ziehet.

Major probatur. Aus den eigenen Worten des Lottoplans, welche folgender Gestalt, lauten: "Aufeine solche Art, wobey we” der einiger Betrug, noch Versehen gesche” hen kan, werden also fünfNummern, aus ” dem Glücksrade, von den eingelegten i biß " 90 Nummern, gezogen , welche endlich "entscheiden, was diejenige, welcher dar" innen eingefezt, nach der Beschaffenheit ihe ? res Einsatzes gewonnen oder verloren haben, ^tc^ui. Hans, Kunz, Tews, Claas, Greet, Trien, Ussel und des Teufels Großmutter, haben diejenigen Zahlen erwählet, und darüber das Original-Billet zum Beweise genommen, welche aus dem Glücksrade sind gezogen worden. Minor probatur. Durch Vorzeigung des Original-Billetö und durch den ersten Syllogismum.

Ergo.

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Ergo. Gewinnen Hans, Kunz, Tews, Claas, Gewinnen Hans, Kunz, Teufels Großmutter

Noch den Endschluß.

Alle diejenige, welche ein Original Lottos Billet zum Beweis?, daß sie nichr nur bezahlt , sondern auch eine oder alle diejenigen Zahlen erwählet haben, welche aus dem Glücksrade gezogen worden, besitzen; soll die Lotterie, nach Beschaffenheit ihres Einsatzes, und nach der bestimmten Lotto-Proporrion, bezahlen.

Major probarar. Durch sich selbst und durch den zweiten Syllogiemum.

Atqui. Hans, Kunz, Tews, Claas, Greet, Trien, Usiel und des Teufels Großmutter, besitzen ein Origin -l-Billet zum Beweise, daß sie nicht nur den Einst; bezahlet, sondern auch entweder einige oder auch alle Zahlen, welche aus dem Glücksrade gezogen worden erwählet haben.

Minor. Wird bewiesen, durch die Einsicht des Original-LotkobillekS, mit gegen einander Haltung der ausgezogenen Nummern.

Ergo. Muß und soll die Lotterie nach Beschaf- ,

senheit des Einsazes, und der beftimten

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Claas, Greet, Trim, Ussel und des Teufels Großmutter, wenn es wäre, den Gewinnst bezahlen.

ID QUOD ERAT DEMONSTRANDUM.

Hier haben Sie, meine Herren! Methodo demonftrativa, ihre ganze öffentliche Zusage. So lange noch mein ehrliches philosophisches Mütterchen: BArbArA cElArÉnt, re. lebt, so lange diese noch von allen ihren logikalischen Kindern angebetet wird, so lange habe ich recht geschlossen, und so wahr haben Sie uns, meine Herren! in ihrem Plane auch zugesaget, daß Sie uns bezahlen wollen, und so lange waren Sie verbunden ihre Zusage zu halten. Die Lotterie müßte den Gewinnst bezahlen; wenn Hans, Kunz, Tews, Claas, Greet, Trien, Ussel, ze. ein ächtes gestempeltes Original-Lotto Billet hatten, worauf diejenigen Nummern stünden, welche aus dem Glücksrade gezogen worden. Erwünschte Aussicht für das gewinnende Publicum! AedleS großmüthigeS Anerbieten für ein ehrliches Lotto!

Allein, diese Scene verändert sich plözlich» Indem wir noch dem Lotto zurufen. Zu sagen und halten; stehet fein bey Jungen und Alten;

so

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ft scheint Monsieur Harlequin auf dem Lottotheater, Hinter dem Vorhänge hervor, zu gtwken, und zu antwortet: Zusagen ist Adlich, aberhalten ist Bäurisch, Ihr meine guten Leute bekrieget euch. Eure Original-Lottobillete gelten nichts, nein, die Listen der Collecteurs sollen entscheiden»

"Saadan Lotterieseddel, som har " vundet , er ganske falsk, og r " alle Maader urigtig , da den " ikke erat findepaa de fra samt"lige lige Collecteurerne indleverede PY Lister."

Geschwind Ungarisch Wasser, Schlagbalsam her. Ach! meine liebe Mutter BArbArA ist von Schlage gerühret. Und meine Schwester die Nation lieget in lezten Zügen. Was ! meine Herren ! Original, ächt gestempelte Lottobillets sollen nichts geltend Nur die eingesandten Listen sollen entscheiden's Zusammen mir diesem Quark, der nichts gelten, nichts beweisen soll. —- Nein, ehe ich meine liebe Mutter, die Logik, und meine Schwester, die Nation, will sterben lassen, will ich lieber Hansen ruffen.

Hans spann eilend Ochsen an,

Komm, und führe Dieses grobe Fuder Mist,

Das so sehr abscheulich ist,

Von der Thüre.

3

Meine

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3 8

Meine Herren Lottto General-Administraloreöl Eie wollen uns mit Der einen Hand ein Stück Zucker, mit der andern Hand die Ruthe geben? Mit der einen Hand wollen Sie uns die Original-Lottobillete, als Beweise, daß wir achte Erben ihres Lotto seyn sollen, anlocken und ans preisen; und mit der andern Hand, wollen Sie unser Geld, unser Glück, unsere Ruhe, ja unsere Ehrlichkeit dem Ausspruch und der Wilkühr der Lottolisten, ihrer oft unachtsahmer, und wohl gar treuloser Collecteurs überlassen. Von deren Machtwort, soll unser Schicksahl entschieden werden; ob wir achte Kinder oder Bastarde, ob wir ehrliche Leute oder Schelme sind. Kinder bringet man auf diese Weise zu Bette, nicht alte Leute, nicht ein ganzes Publicum, nicht eine für ihre Rechte wachsahme Nation.

Wie wenn diese ihre Lieblingsregel allgemein werden solte? Was sollen denn alle Quitungen in der Welt nutzen ? Der Pächter und der Bauer wird dem Königlichen Hebungsbeamten, wenn er seine Pacht bezahlet, der Bürger, wenn er seine Schatzung darbringct; der Zinsmann, wen er seine Rente liefert, die darauf von diesem, des Königes Bevollmächtigen, ausgestellte Quitungen vor den Füßen werfen und dagegen sagen müssen. Gestrenger Juncker! die Quirung nützet mich zu nichts. Ich muß und soll es auf ihr ehrliches

Anges

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Angesicht ankommen lassen, ob ste ei« Schelm, oder ein ehrlicher Mann, gegen mich seyn, wollen. Sie können das Geld dem Könige berechnen, oder in ihre Tasche stecken. Sie können ihre Rechnungslisten richtig einsenden, oder davon laufen. Die Ouitung ist kein Beweist, daß ich die Bezahlung geleistet: sondern nach Königlicher Verordnung, soll ihre eingesandte Rechnung allein entscheiden, ob ich bezahlt habe, oder nicht.

Könke wohl ein solches Gesetz, in einem wohl eingerichteten Staat, ohne Ruin der Unterthanen, eingeführer werden? Würde man nicht alle O.uilungen, als Scherwenzel, aus der Welt verbannen müssen ? und wie viele Unschuldige würden sodann, ein Opfer des Betrugs, und ein Raub privilegirrer Straffen und Landräuber werden. Unser König und dessen Allerdurchlauchtigste Königliche Vorfahren haben nie an ein solches Don Quichottifches Abentheuer, in ihren Staaten gedacht. Lesen Sie meine Herren! die Worte, welche an diesen Königlichen Trohne unauslöschlich eingegraben find. Hasset das Arge, hanget dem Gu-

fen an.

Und Sie wolten diese neue Mode durch ein Lottogesetz einführen. Sie wollen uns durch ihre bevollmächtigte Quitungen in die Hände stecken, lassen, die nichts gelten, und nicht einmahl zu

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für unser baareS Geld ? Sie meine Herren ! wollen nicht ihre eigene Quitungon, sondern bloß ihrer Collecteurs Listen trauen ? Was sollen wir denn mit diesem Ballast? Heisset dies nicht die Armen um ein Paar Schuh unter sich bringen, und Spreu für Korn verkaufen ? O tempora! O mores ! viel lieber wollen wir die Originalbillete, diesen Gassen Unrath ins Eloack werfen, als uns mit dieser schmutzigen und stinckeude» Waare schleppen; und wenn wir unsere Lottolust nicht dämpfen können , unserm Collecteur rein her« aus sagen. Hert! wollet ihr eine Canallie gegen mich werden: sehet da, so schenke ich euch meinen Einsatz, mit dem darauf fallenden Gex winnste, und bleibet ein ehrlicher Mann. Wollet ihr aber, als ein redlicher Mann, handeln: so gebet mir darauf eure Hand, und nefjmet euren Scheiß von Original-Lottozettel wieder zurück. Aber an euren Lottogerüste lasser die Worte heften,, Matth. 16 Cap. vo. 2. und Z.

Des Abends sprechet ihr, es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist roth, und des Morgens sprechet ihr: es wird heute Ungewitter seyn: Denn der Himmel ist roth und trübe. Ihr Heuchler! werde ich sodann antworten. Quillet auch «ns einem Loche süß und bitter? — —-

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Dieß meine Herren Gcnsral-Lotto-Adminisiratores! sind freymüthige Gedancken eines verächtlichen und bestäubten Schulmeisters. Werfen Sie von der Höhe ihrer Lottobühne einen huldreichen Blick auf selbige: so werden Sie sich bessern. Dieses ist eines rechtschaffenen Schulmeisters Endzweck, bey seiner verwilderten Jugend, und ich bin für meine saure Arbeit hinglänglich bezahlt. Wollen Sie aber mich, mit ihren 90 Nummern: Capseln steinigen , so rufe ich alle meine Schuljungen zu Hülfe, und Wehe sodann ihrem Lotto, wenn es erst in Srrassenjungen und Kinder Hände geräth. Lassen Sie mich nicht seufzen, Nihil ille deos, nil carmina curat.

Allein werden Sie nun nicht vielleicht mich fragen? Naseweiser Schulmeister! wie sollen wir es denn anfangen, daß das Publicum Sicherheit habe, und wir doch dabey nicht verlieren? Du weissest daß unsere Herren Collecteurs können mit den Originalbilletten tausend Unterschleif machen , und dadurch gar leicht die Lotterie sprengen. Du weisse aber auch daß dies Lotto zu erhalten, uns äußerst an das Herz gewachsen, ja uns auf die Seele gebunden ist. Laß uns hierauf deinen Schulwiß hören. Nie Rhodus! hic Salta! Nur gemach meine Herren! ein wenig Gedult. Ich muß erst meine alte Schulbrille auf seen, daß ich selbst recht, die Frage sehen und lesen kan.

5 Sott

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Soll die Frage so verstanden werden, daß das Lotto niemaleil verlieren oder grosse Gewinnste ausbezahlen solle: so antworteich; daß es besser sey 3 daß Sie lieber das ganze Lottotheater abbrechen, als daß Sie um des leidigen Geldes Willen, Land« und Leutbetrüger werden wollen. Soll aber die Frage soviel bedeuten, wie es am bequemsten und sichersten einzurichten, daß des Lotto nicht durch den Unterschleif der Herren Collecteure vorsehkich verliere, und dadurch zu Grunde gerichtet werde: so ist, meine Herren! dies, des alten und ehrlichen Schulmeisters unvorgreisticher Rath.

TT) Hauptsächlich beschwören Sie die Gewinnste-und Habsucht, mit allen Feierlichkeiten: Fahre aus du unreiner Geist, und gib Raum dem Geiste der Redlichkeit und des Zufriedenen, mir dem, das da ist. Denn die da reich werden wollen, fallen in verderbliche Stricke, und viel schädliche Lüste.

2) . Sehen Sie sich um, nicht nach den. wohlfeilsten, sondern nach den redlichsten und sichersten Männern: die sich geübt haben, ein gut Gewissen zu halten, beydes gegen Gott und den Nächsten, und sehen solche zu General- Ober- und Unter-Collecteurs, und lassen die beyden ersten, schlechterdings für die lezten haften.

3). Müssen

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Z). Müssen Sie alle ihre Original: Lottobillete, nach einem jeden General- oder Ober-CollectionS-Contoir numeriren; zählen solche, gegen ei« ner Qvilnng, allen Collecteurs, bey jeder Ziehung, ganz genau zu; registriren solches, und lassen sich die nicht verkaufte Billete, bey Einsendung der Lottoliften wieder abliefern, da den so gleich die Lifte nachgesehen, und die Billers abgerechnet, die eingesandten aber ausgeschrieben werden mäßen. Um dem, im Contoir sitzenden Revisor, die Arbeit zu erleichtern, wäre es dienlich, allen Collecteurs aufzugeben, keine Originalbillete zu zerreissen , sondern, wenn etwa ein oder das andere, durch ein Versehen, unbrauchbar geworden, solches dennoch in Originali bey zu legen, u>rd bei der Ablieferung schriftlich und zugleich die Nummer zu bemerken, damit solche, von der General-Adminiftration, könten caösiret werden. Ferner in Ausrheil- und Verkauffung der Originalbilletten, nach den Nnmmern, wie solche auf ein andern folgen, zu verfahren. Fehlte eines oder mehrere von diesen Originalbilletten, nach geschehener gegen einander Haltung: so muß nicht nur der General- und Obercollecteur dafür einstehen, sondern es ist auch solches sogleich, noch vor der Ziehung, mit der Nummer, durch die öffentlichen Zeitungen, kund zu machen und zu cassiiren.

4). Müs»

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4) . Müssen die Untercollscteurs dreyTage vor leder Ziehung, ihre Listen bey ihrem General: Und Obercollecteur des Morgends einliefern, welcher, nach dem er solche revidiret und unterfthrieben hat, selbige, der General-Administration um Mittag, zu sendet, und dabey anzeiget, wieviel Originalbillette er, einem jeden seiner Untercolleckeurs, anvertrauet habe, wie viel abgefehet, und ob die nicht verkauften, richtig wieder abgeliefert worden. Wobey er die, von den UntercollecteurS, zurück erhaltene Originalbillette, falls er sie nicht selbst nötig hat, anfüget. So bald aber ein Originalbillet fehlen solte, muß er solches und die fehlende Nummer bemercken; damit die schleunigste Verfügung, dieser wegen, kan getroffen werden. Die General- und Obercollecteurs liefern zwey Tage vor jeder Ziehung ihre Lottolistcn und Origiualbillette, des Morgends ab. Nur einigen wenigen General - CollecteurS dürfte eine spätere Sammlung zugelassen werden.

5) . Alle eingesaudte Listen, worunter auch eine, worauf zwar die Nummern der Originalbillette, nebst den Spielarten, keines weges aber wie hoch die Zahlen besehet,, angeführet worden, müssen gestempelt werden, und diejenige Liste, worauf nicht stünde, wie hoch die Zahlen besehet; würde einen jeden Collecteur so fort zurück gegeben; damit derselbe solche öffentlich vor feiner Thüre , zu

jeder-

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jedermanns Nachsicht, einen Tag vor, und den Tag der Ziehung aushinge.

6). In den andern Städten, ausser Kopenhagen und Altona, wären die Originalbiüetke zu jeder Ziehung von der Stabt Obrigkeit, oder von einer andern sichern Persohn, an welche sie die General-Administration, auf ein ganzes Jahr, zum voraus sendete, an die daselbst wohnende Collecteurs auszutheilen, und die nicht verkauften, bey Wegsendung der Listen, zugleich mit einem Exemplar von der nach Altona oder Kopenhagen gesandten Lottoliste, jedoch, ohne Benennung das Geld Einsatzes, wie der abzuliefern. Da denn die Billette gleich mit der Liste conferiret, das Exemplar der Liste aber mit dem Stadt Siegel, oder mit des bevollmächtigten Pettschaft besiegelt, und ebenfalls, von den daselbst befindlichen Collecteur ausgehangen werden müste. Würde ein Originalbillet fehlen: so würde dieses durch den Ausrufer gleich kund gemacht und cassirek, daneben dieser Vorfall, bey Uebersendnng der Listen,, der General-Administration berichtet. Auf allen Fall müste der Collecteur dafür haften.

Halten Sie meine Herren! diese neue Regeln für Ihre Lottosprache anpassend: so bereichern Sie Ihre Grammatik damit. Ich werde mich recht brüsten, wenn ich auch als

Lotto

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Lotko-Sprachverständiger angesehen werde. Vielleicht erwählen Sie mich zu ihrem Mitgliede. Aber darf ich bitten, nicht zu einem Ehrenmitgliede. Dieses füllet den Magen nicht. Wollen Sie mich aber zu ihrem Gmeral-Ongmal-

Lotto Billet Secratair mit einem järlichen Gehalt von Zoo Ilthlr. machen? Wolan! da lieget die Schulmeister Schlafmüße. Hier stehet der Lotto-Matador. Charløttchen! gieb mir meine Peruque. Hertzgen! wo ist mein Degen ?

Taugen aber meine Regeln nicht in ihren Kram; und heisset es bey Ihnen: Im dunkeln, ist gut munkeln; so empfele ich mich Ihnen und Ihrem Lotto. Horchen Sie nach dem Ende, sagt Cotelmann, da lebte er noch. Ich bin meine Herren General-Administratores

Geschrieben Kopenhagen im Lehnstuhl,

S.ub Nro. 52* 53* 65. 90. In der Strasse, die da heisset die Nichtige. Den 1 Martii i77Z.

offenherziger Schulmeister, Firtids Gr ata Fidesque Vine Vnt.

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