[Johann Adolph Scheibe] Anekdoten eines reisenden Russen über die Staatsverfassung, Sitten und Gebräuche der Dänen, in Briefen an seine Freunde. Herausgegeben von K. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage.

Anekdoten

eines

reisenden Russen

über die

Staatsverfassung, Sitten und

Gebräuche

der

Dänen,

in

Briefen an seine Freunde.

Herausgegeben von

K.

Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage.

Lübeck, 1771.

Auf Kosten des Herausgebers.

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Vorbericht.

Ich wurde mit dem Verfasser dieser Briefe, dem Herrn von K., auf meinen Reisen bekannt. Er war ein Mann, welcher viel gelesen und gedacht, auf deutschen Universitäten studiret hatte, und weit gereiset war. In seinem Umgange war er lebhaft und munter, und aufgelegt, über alles seine Bemerkungen und Kritiken zu machen. Sein Charakter war übrigens liebenswürdig, und nahm mich durch seine offenherzige Vertraulichkeit so ein, daß ich mich eifrig bemühete, seine Freundschaft zu erlangen, welches mir auch so weit glückte, daß ich auf meinen Reisen mannigfaltige Proben davon erhielte. Er würdigte mich endlich auch, mir seine Bemerkungen mitzutheilen, welche er auf seinen Reisen sammlete, und an einen seiner Freunde in Petersburg schrieb. Er ließ mich seine Briefe le-

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IV Vorbericht.

sen, die er an deutschen Höfen, bey seinem Aufenthalt daselbst, von ihren innern und äußern Verfassungen gemacht hatte, und aus welchen viele Einsicht und Beurtheilungskraft hervorleuchtete. Da wir uns trenneten, versprach er mir, mich bey seiner Rückreise über Dännemark und Schweden zu besuchen; und er hielte sein Wort. Er belustigte mich während seines Aufenthalts bey mir mit den Briefen, so er auf seinen Reisen an seine Freunde geschrieben, und wovon er Abschriften bey sich führte. Ich erhielt durch vieles Bitten die Erlaubniß, solche abschreiben zu lassen, und bekam dadurch einen ziemlichen Vorrath von solchen, die die Höfe Wien, Berlin, Dresden, Kopenhagen, Stockholm, und wo er sich nur aufgehalten, betreffen. Manche bittre Wahrheiten, besonders von Berlin und Kopenhagen, sind darinn gesagt. Selbige würden ein Paar Bände ausmachen, wenn sie sollten gedruckt werden. Ich habe ihn zwar nicht um diese Freyheit gebeten, er hat mir aber deren Bekanntmachung auch nicht verboten.

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Vorbericht. V

Wie ich die Erlaubniß der Preßfreyheit in Dännemark zu meiner großen Freude las, und einen dasigen Freund bat, mir die Früchte derselben zu senden, weil ich Dänisch verstehe; so habe ich mit Erstaunen gesehen, daß ein Mann, der es zuerst gewagt, solche zu nü- tzen, und sich Philopatreias nennt, größ tentheils nur eine Menge elendes Zeuges nach sich gezogen hat. Man sollte glauben, diese Leute wären alle in einen großen Irrgar ten gerathen, wo keiner den Ausgang zu finden wüßte; oder wenn gleich mancher ein Paar Fußbreit Weges angetroffen, wüßte er ihn doch nicht zu vollenden, sondern verirrte sich aufs neue und immer tiefer, ohne zu wissen, wo er hin geriethe. Zwar die Verfasser eines oder zweyer Stücke schienen die rechte Spur besser, als Philopatreias, getroffen zu haben, worunter ein Philoda- nus vorzüglich gehöret. Dieser verirrt sich selten, es ist wahr, aber wenn er sich verirrt, so kann er sich eben so wenig wieder heraus finden. Er sagt zum Exempel: man müßte in den Provinzen in kleinen Kaufstädten

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Vorbericht.

eine gewisse Anzahl Kaufleute festsetzen, und nicht mehr als diese darinn leiden. Ich will nur einiges dagegen anführen. Meine Vaterstadt bestand ursprünglich aus zweyen, die Handel trieben, itzt aber hat sie über vierhundert Kaufleute. Würde sie jemals so groß geworden seyn, wenn es nicht durch Handel geschehen wäre? Man hätte Altona nur solche Gränzen setzen sollen, Hamburg würde es gerne gelitten haben, und gewiß nie zu seiner itzigen Größe gelanget seyn. Ich glaube aber, der gute Mann versteht Krämer, die mit Tabakspfeifen und Schwefelfäden handeln; und dennoch würde er Unrecht haben, daß bey einer zu großen Anzahl Kaufleute einer den andern schwächen müsse; denn derjenige, so den Käufern am besten begegnete, und die besten Waaren hätte, würde immer die mehresten Kunden erlangen, mehr Nahrung an sich ziehen; und der andern ihr Kram würde von selbst wegfallen. Ein andrer Schriftsteller geräth hingegen in diesem Irrgarten in den tiefsten Morast, und wird auch darinn stecken bleiben, ohne daß ihn je-

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Vorbericht.

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mals einer wird herausziehen können. Er nennet sich Anti-Philopatreias; An und für sich selbst schon ein übler Name! Er hat besonders die Geistlichkeit vertheidigen wollen; aber sie wird es ihm wenig Dank wissen.

Genug, alle diese verschiedene Schriftsteller veranlaßten mich, einen Theil der Briefe meines Freundes drucken zu lassen, so allein Dännemark und besonders Kopenhagen betreffen. Ich werde erwarten, wie solche das Publikum aufnimmt. Ich habe sie ohne Ordnung gewählt, wie sie mir in die Hände fielen: und es sind noch mehrere zurücke, welche ich vielleicht mit der Zeit ebenfalls bekannt mache. Mein Freund hat wohl in manchen Stücken nur nach dem ersten Scheine und oft unreif geurtheilt; vielleicht ist er auch nicht recht berichtet worden. Einem Fremden muß man hierinn etwas verzeihen; denn er nimmt alles, wie er es findet, und öfters dem ersten Eindruck nach. Er hat noch gewisse politische Fehler der damaligen Zeit getadelt, die unter der itzigen Regierung

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Christian des Siebenden bereits verbessert und abgeschafft sind; wie man überhaupt denn gestehen muß, daß dieser König sehr aufmerksam ist, die eingeschlichenen Fehler zu verbessern, und sein Volk glücklich zu machen. Er will selbst regieren und urtheilen. Ein so seltenes Exempel von Fürsten! Wer zweifelt, daß er sich bey seinen Unterthanen und der Nachwelt nicht ein ewiges und unvergängliches Andenken stiften werde?

Ich habe nichts weiter zu sagen, als daß ich diesen Briefen einige Noten, so mit Z. bemerkt sind, hinzugefügt habe, welche Veränderungen enthalten, die nach der Zeit vorgefallen sind, oder Dinge, von welchen ich eines bessern belehrt war. Lübeck, im April, 1771. Michael Adam K'lb.

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Erster Brief.

An den Herrn v. S.

Kopenhagen 1769.

Liebster Freund!

Nach einer langen Reise von fünf Wochen, worinn ich alles Unangenehme, was mit einer Seereise verknüpft ist, erfahren, und von einer langen Seekrankheit viel gelitten habe, bin ich endlich vorgestern glücklich in Kopenhagen angekommen. Ich habe Ihnen versprochen, von allem, was ich hier Merkwürdiges beobachtete, Nachricht zu geben, und ich sehe schon zum vor- aus, daß ich Muße und Materie genug dazu haben werde.

Da ich aus dem Schiffe trat, führte man mich zu dem wachthabenden Officier, um meinen Paß vorzuzeigen; es war ein junger Mensch, etwa sechzehn Jahr alt, und sein Bezeigen war eben so ju- gendlich. Weil mein Paß rußisch und deutsch abgefaßt war, mochte er solchen vermuthlich nicht ver- stehen; denn er fragte mich in gebrochenem Deutsch:

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aus welchem Lande ich kame? Nach vielen einfältigen Fragen kam ich endlich von ihm loß, und ließ meine Sachen ans Land bringen.

Es fanden sich wohl zwanzig dienstbare Geister ein, oder vielmehr so viele Raubvögel, die sehr ge- schäfftig waren, ein Stück von meinen Sachen zu nehmen, und damit fortzueilen. Nach vieler Mühe sammlete ich solche beym Zollhause wieder, wo alle diese Strandgeschöpfe bezahlt zu werden verlangten. Als ich jedem für einen Weg von ohngefähr 30 Schritten 6 ßl, oder nach unserm Gelde 13 Copecken bezahlt hatte, war es noch nicht genug; denn jeder foderte annoch 2 ßl. zu Brandtewein. Der Pöbel hier, dachte ich, muß weit mehr diesem Getränk ergeben seyn, als bey uns, da man unsere Nation doch so sehr dafür ausschreyet. Es kostete mir also, mein Mantel, mein Fußsack, meine To- backspfeife, mein Pelz, mein Flaschensutter; kurzum, jedes Stück einzeln, 8 Lß. Trägerlohn. Dieser Anfang machte mir eben keinen wortheilhaften Begriff von der hiesigen Polizey, da jeder Fremder diesen Raubvögeln ausgesetzt ist.

Im Zollhause kam ich unter andre Herren; ich nenne sie Herren, weil etliche Degen trugen; ich merkte aber an den Umständen, daß es Visitirer waren; ich mußte also meine Sachen auspacken und alles durchsuchen lassen. Was nur einen Anschein vom Neuen hatte, erklärten sie für Contreband;

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es half alles nichts, daß ich sagte: ich wäre ein Fremder, die Sachen wären blos zu meinem Gebrauch, und ich triebe keinen Handel damit. Endlich öffnete ich mein Flaschenfutter, und ließ die Herren meinen Wein probiren; sie fanden ihn vortrefflich; ich bot ihnen den Rest von etlichen Bouteillen an, und drückte einem, der mir beständig nach der Tasche sah, dazu einen Rubel in die Hand. Dieses fruchtete gleich so viel, daß ich meine Sachen konnte wieder zusammenpacken lassen, bis auf ein Stück Manschester, welches ich mir zu einem Rei- sekleide bestimmt, das ich aber nicht Zeit gehabt hatte, vor meiner Abreise machen zu lasten; dieses mußte auf dem Zollhause bleiben, weil es für Con- treband angenommen ward. Mein zweyter Coffer aber, für welchen ich am meisten bange war, ward alsdenn gar nicht geöffnet. Einer war denn auch noch so gefällig, mir einen Frachtwagen zu verschaffen, um meine Sachen in den Gasthof zu bringen, wo ich logiren wollte.

Unterwegens setzte mich der Anblick vieler schönen Gebäude und Palläste in angenehme Verwun- derung; doch dieses ist nur die seit 20 Jahren neu angelegte Amalienburg, oder die neue Friedrichsstadt. Die Stadt selbst ist an und für sich nicht so schön gebauet; das Pflaster in manchen Strassen schlecht, oft nichtso gut, als anderswo die Heerstraßen. Der Ort ist seiner niedrigen Lage we-

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gen sehr sumpfigt; wenn es im Sommer etwas regnet, kann man fast nicht anders als in Stiefeln durchkommen.

Es wird hier auch eine schöne Kirche von einheimischen oder nordischem Marmor, nach dem Modell der Peterskirche zu Rom, aufgeführet. Man sagte mir, es wäre schon 18 Jahre daran gearbeitet, und dennoch ist das erste Postement noch nicht halb fertig, welches doch schon über 594000 Rthlr. zu bauen gekostet hat. Wenn dieser Bau fertig werden sollte, welches aber wohl in 50 Jahren nicht geschehen dürfte, da nur täglich 50 Menschen daran arbeiten; so würde solcher 2277000 Rthlr. kosten. Ist das nicht ein ungeheurer Bau? Inzwischen hat der König von Dännemark freylich nicht so viel Geld dazu, als der Pabst, der bey seinem Bau in den damaligen Zeiten alle Königreiche in Contribution setzen konnte, und überhaupt scheint mir dieser Bau zu groß für Dännemark zu seyn 1). Der Baumeister ist, wie sich versteht, ein Franzos.

1) In Ansehung der Baukosten ist mein Freund nicht recht unterrichtet gewesen; es sind bereits gegen 800,000 dazu verwandt worden. Man hat indessen diesen für Dännemark unstreitig zu kostbaren Bau neulich liegen lassen, und den Baumeister verabschiedet. Ueberhaupt sucht die itzige

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Da ich immer gehört, daß Dännemark Staats, schulden hätte; seine See- und Landmacht (wie wir auch benachrichtiget waren, da Peter der III es bekriegen wollte) gar nicht in der besten Verfassung sich be- fänden, das Land auch schlecht angebauet sey, weil die Bauern fast alle Leibeigene, eben wie in Polen, oder Sklaven wären; und ich dieses auch wirklich itzt so finde, so begreife ich nicht, wie die Minister die- ses kleinen Staats den König zu vermögen suchen, unermeßliche Summen zu verwenden, um große Steinhaufen für die Nachwelt aufzuführen. Mir deucht immer, man thäte besser, wenn diese Sum- men angewendet würden, die Schulden des Staats abzutragen, und die Landwirthschaft, die Hand- lung und Manufakturen zu verbessern, indem Dän- nemark darinn noch viel weiter zurück ist, als wir, obwohl man seit so kurzer Zeit erst angefangen hat, uns unter die gesitteten Nationen zu zählen. Ich erinnere mich bey dieser Gelegenheit einer Anekdote, da ein gewisser großer König zum dänischen Gesand- ten gesagt haben soll: Dännemark müßte doch ein

Regierung alle überflüßige und große Ausgaben zu ersparen, uud alle unnöthige auch mit zu grossem Gehalt verknüpfte Bedienungen abzuschaffen, damit die Unterthanen nicht mit mehreren Auflagen beschweret, und die bisherigen nach und nach vermindert werden können. Z.

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gutes Land seyn, weil es die Minister mit aller Ge- walt nicht ruiniren könnten.

Leben Sie wohl, bester Freund! Künstig ein mehreres. Berichten Sie mir doch bald was Neues von unserm Türkenkriege; denn inden hie- sigen Zeitungsblättern findet man nichts als alte Nachrichten, die aus den auswärtigen elend abge- schrieben und acht Tage später gedruckt werden. Ich bin & c.

Zweyter Brief.

An den Herrn von S.

Ich sandte heute nach dem Zollhause, um mein Stück Manchester clariren zu lassen, wie es heißt. Der Bediente brachte mir aber die Nach- richt, daß ich solches wieder zurück senden müßte, wenn ich das Eigenthum daran wieder erlangen wollte. Ich erkundigte mich, ob hier vielleicht dergleichen Fabriken wären; man antwortete mir aber mit Nein. Ich begreife also nicht, warum man dieses Zeug schlechterdings nicht einführen darf, zumal da ich doch gerne Zoll dafür geben wollte. Die Handlung muß hier sehr eingeschränkt seyn, sagte ich nicht, sondern dachte es.

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Ich war vor einigen Tagen in Gesellschaft, wo die mehresten Kaufleute, auch andre in Man- schester gekleidet giengen. Ich fragte voller Ver- wunderung, woher man solchen bekäme? man ant- wortete: „aus Engelland und Deutschland.„ Ich sagte: er ist ja verboten einzuführen, und man darf solchen öffentlich tragen? bey uns dürfte solches nicht geschehen. „O das schadet nichts, hieß es, man kann ihn unter der Hand zu kaufen be- kommen, und dafür laßt man seinen Schneider sorgen; wenn man ihn einmal auf dem Leibe hat, so fragt niemand weiter darnach. Sogar dieje- nigen, so dem Zoll und den Finanzen vorstehen, tragen ihn selbst; und so gehts mit allen ausländischen Zeugen; man kann sie hier nicht entbeh- ren, weil wir selbst keine Fabriken davon haben: Aber, sie sind einzuführen verboten, damit der König um den Zoll betrogen werde.„ (Beylän- sig will ich Ihnen nur sagen, daß man hier immer spricht: der König wird betrogen; der König hat es verboten; der König leidet darunter; der König hat es geschenket: Anstatt zu sagen: der Staat thut es, der Staat giebt es; als wenn nicht König und Staat eins und eben dasselbe wäre; oder als wenn sie je von einander getrennet seyn könnten. Lapienti sat!) Ja, fuhr ein andrer weiter fort, wenn solches erlaubt wäre, würde zu viel Geld aus dem lande gehen und unsre Nachbaren bereichern.

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Ey was, erwiederte der Erste; geht es demohnge- achtet nicht aus dem Lande? ,,Solange wir selbst keine tauglichen Fabriken haben, welche uns mit der- gleichen Waaren versehen, die wir nicht entbehren, oder doch hier nicht so gut erhalten können; solan- ge werden solche, ohngeachtet des jetzigen Ver- bots, oder des darauf gelegten hohen Zolles, gleich stark eingeführet werden: der ganze Unterschied ist, daß der ehemalige geringe Zoll, den die königl. Kasse erhielte, nun den Zollbedienten unter ei- nem andern Namen zu Theil wird, der König aber gar nichts bekömmt.„ Aber werden dergleichen Zollbediente nicht bestraft? versetzte ich. „O ja, wenn sie uberführt werden, so straft man sie am Gelbe, oder man setzt sie auch ab.„ Weiter nichts? Es ist aber doch der Meineyd eines der größten Laster, und verdiente härter bestraft zu werden; vielleicht würde man alsdenn weniger Exempel finden. „O so genau nimmt man es nicht; wird aber ein Kaufmann betroffen, der seine Sachen nicht klug genug angefangen, das ist, nicht genug versilbert hat, den bestraft man nach den Gesetzen, ohne zu fragen, ob die Strafe sein Vermögen übersteigt, oder ob er gänzlich mit seiner Familie dadurch ruinirt würde oder nicht.,, Mir deucht aber, dieses ist wieder zu strenge, denn der Kaufmann ist Bürger und bringt dem Staat und dem Könige was ein, jenen aber muß der

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König unterhalten; wer verdient wohl mehr Nach- sicht? Jener begeht einen Meineid an seinem Herrn, wodurch er dem Kaufmann eben die Wege an die Hand giebt, verbotene Waaren einzuführen, dieser hingegen thut es vielleicht bloß aus Noth, weil die Handlung zu sehr eingeschränkt ist, um doch etwas dadurch zu verdienen. Hat man denn hier kein Commerzcollegium, welches dahin sieht, daß dergleichen unentbehrliche Fabriken angelegt werden; alsdann würde ja dergleichen alles von selbst wegfallen? „O ja, wir haben sogar ein Generalcommerzcollegium." Solches besteht vielleicht aus erfahrnen Kaufleuten und Fabrikeurs? „O Nein! es besteht aus lauter vornehmen Räthen." 2) Aber haben die auch die

a) Dieses Collegium ist seit einiger Zeit vielen Veränderungen unterworfen gewesen, wiewohl eben nicht zur Aufnahme der Fabriken, des Handels und der Manufacturen. Ja es ist gewiß, daß der größte Theil der Fabriken durch diese Veränderung gelitten. Man hat endlich die Direktion des Königlichen Fabrikenmagazins und die ganze Wohlfarth der Fabrikanten einem einzigen Kaufmanne, dem man nie andere als Wechselkenntnisse zugetrauet, übergeben. Einige sagen: er bekäme Besoldung, um an das Coliegium zu referiren, und die Materialien für die Fabriken zu verschreiben; es ist die Frage nicht, wie

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18 hinlänglichen Einsichten dazu? „Davon ist die Frage nicht; es ist nur mehrentheils errichtet,

viel er darauf verdient; oder, ob er solche aus der ersten Hand bekömmt; oder, ob er den Fabrikanten segovische für leonesische Wolle verkauft. Genug, er hat das Collegium versichert, daß durch diese Einrichtung die Waaren 20 bis 30 Procent wohlfeiler werden, müßten, und man hat ihm auf sein Wort geglaubt. Einige Fabri- keurs behaupten, und die Erfahrung hat gelehrt, daß die rohen Materialien seitdem noch einmal so viele Procente theurer geworden. Das kö- nigl. Magazin steht ihm überdies annoch von allen angekauften und verkauften Waaren gewisse ansehnliche Procente zu. Um es dahin zu bringen, daß die Fabrikeurs keine rohe Waaren selbsten verschreiben konnten, suchte er ihren Credit durch eine Königliche Verordnung, außer Landes zu schwächen, daß nämlich alle Forderungen des Generalmagazins an die Fabrikeurs, gleich als alle andere Königliche Forderungen, angesehen werden, und vor allen andern den Vorzug haben sollten; man muß gestehen, daß ec dadurch seinen Endzweck erlangt hat. Die Folge aber davon ist, daß er die besten dänischen Fabriken unter seine Vormundschaft zwingt, ja, selbst solche, die er auf Kosten des Generalmagazins, oder, welches gleich viel ist, für sich anlegt; und dieses alles muß ihm um so viel leichter fallen, weil er den Fond des Generalmagazins dazu brauchen kann. Z.

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„damit die Herren Aemter und Gehalt haben. Der König hat zwar einen ansehnlichen Fond zur Aufnahme der Fabriken und des Handels festgesetzt; aber diese Herren arbeiten nicht um- sonst, sie ziehen, nach Verhältniß des Fonds, ein Drittel, an Gehalt, und wenn einem oder andern Fabrikeur zur Aufnahme der Fabriken etwas bewilliget wird, geht auch davon wieder ein Drittel an Präsenten verloren, um den Vorschuß zu erlangen; und gemeiniglich erhalten ihn bereits bemittelte Leute, oder Ausländer, welche diese oder jene Fabrike entrepreniren wollen, selber nichts davon verstehen; solche gleich zu groß anlegen; Pferde und Carosse halten; bankerot werden; wieder Geschenke machen, und von neuen Vorschuß erhalten. Einem Fabrikanten, der das seinige gelernt hat, wird es selten gelingen, Vorschuß zu bekommen." Ja so wundert michs nicht, daß sie keine taugliche Fabriken haben. „Nur eine einzige französische Huthfabrik hat dem Könige gegen 30000 Tha- ler gekostet, und nicht einen Schilling hat er davon wieder erhalten. Ein Geselle aus dieser Fabrik setzte solche nachher für einen Kaufmann, der sie für einen geringen Preis an sich gebracht hatte, nach gewissen, mit einander getroffenen Bedingungen fort. Anitzo hat dieser Mann schon, ungeachtet der Accord nicht geringe war,

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„die Fabrik fast ganz an sich gelöset; der Kauf- mann empfängt indessen, weil er selbige ehemals angenommen, noch bis diese Stunde jährlich 200 Thaler vom Commerzcollegio." Haben sie denn sonst gar keine dänische Huthfabrik? „O ja, wir haben schon lange einige recht gute, die besser, als eine in Deutschland ist, gehabt."

Man hat hier außerdem noch andere, wiewohl wenige gute Fabriken, insonderheit eine vortreffliche Lackenfabrike, welche jährlich gegen 700 Menschen ernährt, und, wie ich neulich aus einem neu herausgekommenen Traktat, vom Nutzen der Manufakturen besonders für Dänemark, ersehen habe, in 14 Jahren über 235000 Rthlr. Arbeitslohn allein ausgegeben hat. Ich bin & c.

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Dritter Brief. An den Herren O. Man nahm zur Zeit, da unser unglückliche Peter der Dritte Dänemark bekriegen wollte, einen französischen General zum Chef der Landarmee an, ob er zwar noch niemals eine Armee geschlagen hatte. Weil man aber nun in Dänemark über 40 Jahre Friede gehabt; glaubte man hier vielleicht keinen geschickten Mann zu finden, der im Stande wäre, eine Armee zu commandiren, sondern es mußte ein Ausländer seyn, und dazu fand man keinen bessern, als einen Franzosen, welcher noch dazu, wie man bey uns wissen wollte, sich vom Mönche bis zum General aufgedienet hatte. Dieser Mann glaubte nun also, Dänemark mit seinen Gaben und Kenntnissen dienen zu müssen. Er machte einen Plan mit der einem Franzosen ähnlichen Leichtigkeit, eine starke Armee zu unterhalten; bloß aus dem Grunde, weil solche der König von Frankreich und Preussen unterhielte. Hätte der gute Mann nur die Berechnung unsers Büschings gelesen oder gekannt, der in Frankreich 20 Millionen Men-

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22 schen und in ganz Dänemark nur zwey Millionen rechnet; oder, hätte er mur Dänemarks lage betrachten wollen, das, wenn es nur durch eine gute Seemacht gedeckt ist, keiner großen Armee bedarf: so würde er die Proportion besser getroffen haben. Seinem Plane zufolge mußte die Armee mit vielen Officiers vermehrt werden; er theilte die Regimenter in 14 Compagnien, (anstatt daß selbige vorher, wie an den mehresten Orten der Welt, aus 12 Compagnien bestunden,) und sie wurden, da sie vorhero 90 Mann stark waren, nur zu 65 Mann eingerichtet. Der König hatte also wenigere Soldaten, aber desto mehrere Officiers, und man wird bey genauer Nachsicht finden, daß diese neue Einrichtung über 300000 Rthlr jährlich mehr kostet. Um diese Kosten aber herbey zu schaffen, wußte sein schlauer Geist leicht Mittel zu finden. Er ließ alles Gewehr aus dem Arsenal, für den dritten Theil dessen, was es vorher gekostet, verkaufen. Reitsättel, so 8 Rthlr. werth waren, wurden für 2 Rthlr. verauctionirt. Er brachte zugleich die Cavallerie auf die Beine, indem er sie zu Fuße gehen ließ; denn ihre Pferde von 50 bis 70 Rthlr. wurden für 15 bis 20 Rthlr. verkauft. Er sann immer mehr auf Mittel, feinen Plan auszuführen, und die Kosten dazu zu erhalten. Er ließ Vestungen demoliren, um die Lavetten von den Ka-

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nonen verkaufen zu können; und es lag nicht an ihm, einen Theil der dänischen Kriegsflotte zu veräußern, wenn es sich nur ohne viel Aufsehens hätte können thun lassen. Dieser Mann hatte vermuthlich die Meynung, daß Vestungen schädlich in einem Reiche wären; dem zufolge wollte er zuletzt, sogar eine der besten, von der Natur selbst befestigten Gränzvestung eingehen lassen, weil zur Unterhaltung derselben viele Kosten erfodert würden. Wenn auch nicht ein gewisser Minister, aus patriotischem Eifer sich dagegen gesetzt, würde er seinen Endzweck erlangt haben. Sehen Sie, dies war der fürchterliche Mann, der unsre Armeen schlagen sollte; zweifeln Sie wohl, daß es seinem erfindsamen Geiste viel würde gekostet haben, sie ganz zu ruiniren, wenn nicht, zum Unglück für ihn, unser armer Peter der Dritte, (ein so lehrreiches Beyspiel für alle Regenten!) zu bald vom Schauplatz der Welt abgetreten wäre?

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Vierter Brief.

An den Herrn von S.

Die Rechtsgelehrsamkeit ist hier zu Lande kein Studium, denn das Gesetz ist so plan und deutlich und dem Lande so angemessen, daß noch kein Land bisher ein besseres aufzuweisen gehabt hat. Demohngeachtet sind die Processe und Chikanen in den Untergerichten wohl in keinem Reiche häufiger als in diesem, und dauren oft eben so lange, als die Parteyen etwas zu verproceßiren haben. Es gehört auch nicht viel dazu, Procurator zu werden. Ein junger Mensch laßt sich als Bedienter bey ei- nem Procurator annehmen; erwirb alsdann Schrei- ber, und wenn er die Chikanen gelernt, Gevoll- Mächtiger seines Herrn; alsdann kann er für sich im Namen seines Herrn die Leute, die sich ihm an- vertrauen, so viel prellen als er will.

Seit der Publication des dänischen Gesetzes hat man solches nach und nach 40 bis 50 mal stärker gemacht; vorher machte es nur einen kleinen Duodezband aus, nunmehr besteht er aus 17 Quart- bänden mehr. Man ist genöthiget gewesen, theils durch viele Verdrehungen der Rechtsgelehrten und

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andre Umstände (wovon die Unvollkommenheit al- ler menschlichen Gesetze wohl nicht der kleinste seyn möchte,) viele hundert Verordnungen und Gegen- Verordnungen zu machen, welche itzo eben so viele Widersprüche enthalten. Der König hat zwar bereits vor etlichen 30 Jahren verschiedenen Män- nern ausgetragen, einen ordentlichen Codex heraus- zuziehen, und dazu 400 Rthlr. Pension vestgesetzt; es ist aber noch wenig oder nichts daran gearbeitet; die Leute sind gestorben, die Pension aber ist immer von Mann zu Mann richtig herunter geerbt worden, ohne dafür etwas gethan zu haben. Man sieht hieraus, wie nöthig ein deutliches klares Gesetz und eine strenge Instruction und Aufsicht über die Richter und Advocaten sey. Unsre weise und große Kaiserinn hat dieses sehr wohl eingesehen; wir erhalten durch ihre vortreffliche Anordnungen ein Gesetz, das wohl nicht seines Gleichen hat, ein Volk glücklich zu machen.

Es giebt hier auch oft Fälle, wo das Gesetz gar nichts taugt. Hat ein Advocat eine Sache, so er vor Gericht nicht durchtreiben kann; so kömmt er, seiner Gegenpartey unwissend, in den Canzeleyen ein, und erlangt oft sein Gesuch; alsdenn darf nicht weiter appellirt werden, denn dieser Spruch ist entscheidend. Neulich schloß, zum Exempel, ein Mann mit einem andern einen Kauf um ein

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26 Haus; weil er aber hernach von seinen Freunden und Verwandten erfuhr, daß er zu theuer gekauft, wollte er von diesem Handel zurücktreten. Es kam zum Proceß; der Kaufcontrakt und alles war rechtsförmig unterschrieben; der Advocat konnte also vor Gericht mit einiger Einwendung dawider nicht durchdringen: Er kam daher in der Canzeley ein; die Verwandten baten diesen Menschen für unmündig zu erklären, indem er den Fehler aus Schwachheit des Verstandes begangen; die Canzeley erklärte ihn darauf wirklich für unmündig, und sprach ihm den Verstand ab, den er Gottlob noch heutiges Tages haben soll, und der Kauf ward nicht gehalten. Sie haben vielleicht auch nie geglaubt, daß man die Uebersetzung eines Originals, die mit Wissen und Willen des Verfassers, der dazu sein Recht an niemand verkauft hatte, gedruckt worden war, für einen un- ächten Nachdruck erklären würde; und doch ist dieses bey einem der bekanntesten Bücher hier geschehen.

Ich bin & c.

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Fünfter Brief.

An den Herrn von O.

Es giebt hier noch einen Ausschuß von Gerichtspersonen, welchen man das Schiftegericht nennt, und jeder Etat hat seinen besondern, Schifteverwalter, der bey Sterbefällen die Versiegelung besorgt. Dieses ist freylich eine nöthige und gute Veranstaltung für Unmündige; aber es entsteht sehr viel Unrecht und Mißbrauch daraus. Diese Schifteherren werden gemeiniglich in kurzer Zeit bemittelte Leute. Sie verschlingen das Erbe der Unmündigen und andrer, durch lange Verzögerung des Schliessens der Sterbbude. Je mehr Vermögen da ist, desto länger dauert eine solche Schifte. Man hat Exempel, daß wohl so eine Sterbbude 10 bis 16 Jahre und länger gedauert hat; denn je länger es damit währet, je mehr häufen sich die Sporteln und Procente, und desto länger können diese Herren die eincaßirten Gelder nutzen. Hat ein Mann eine Schuldfode- rung an eine solche Sterbbude, und kann er seines Geldes nicht bis zum Schluß entbehren; so wendet er sich an den Bevollmächtigten oder Schreiber des Schifteverwalters. Wenn er da nur die

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28 große Kunst versteht, ein ansehnliches Geschenk zu machen, oder sich von der Rechnung wenig- stens 25 Procent abziehen und für voll quitiren zu lassen, kann er wohl sein Geld erhalten. Thut er dieses nicht, so muß er sicher bis zur Schliessung warten, wenn auch Vermögen genug zur Bezah- lung da wäre. Noch einträglicher ist eine Schifte, wenn solche mit Schulden verhaftet ist und die Erben sich davon lossagen; alsdenn können diese Herren mit den Gläubigern accordiren, wie sie wollen. Denn, dafern auch, wie öfters geschiehet, kein einziger auf seine Forderung etwas erhält; darf doch niemand sich unterstehen, die Berech- nung zu untersuchen. Wie nöthig wäre es, daß man diesen Herren Oberaufseher setzte. Wie viele Unordnung muß nicht daraus entstehen, wenn ein armer Arbeitsmann sein Geld, welches vielleicht manchmal sein ganzes Vermögen seyn kann, nicht erhält; oder, welches gleichviel ist, nicht zur rechten Zeit erhält 3)!

3) Durch eine neuere weise Verordnung der Regierung ist diesem Mißbrauche auch so viel möglich abgeholfen. Der König hat sich ein Verzeichniß von allen noch ungeschlossenen Sterbbuden und den Ursachen derselben, einsenden lassen, und sucht durch andre, eben so vortreffliche Anordnungen den Geschäfften mehr Betrieb und Wirksamkeit zu geben, als sie bisher gehabt haben.

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29 Sechter Brief An den Hernn R.... Der vorige König Friedrich der Fünfte war

ein großer Liebhaber der Wissenschaften und Künste, und hat zu deren Aufnahme vieles ver- wendet. Er stiftete eine Akademie der Künste, wozu verschiedene berühmte Künstler, Maler, Bildhauer, Kupferstecher und andre berufen wurden. Er fetzte einen Fond vest, woraus noch jetzo diejenigen Landeskinder, welche sich in den freyen Künsten am meisten hervorthun, goldene Medaillen zum Preis, und endlich ein Gewisses zum Reisen erhalten, um sich den den Ausländern in ihrer Kunst vollkommen zu machen. Man muß bekennen, daß die Dänen es darinn schon weit gebracht und viele geschickte Männer gezogen haben. Diese löbliche Stiftung des besten Königs wäre allein schon hinlänglich seinen Ruhm unsterblich zu machen; und man kann hieraus sehen, daß es der Nation vielleicht nur an einer gewissen Art von Aufmunterung und Anführung fehlt, daß sie zur Vollkommenheit ihrer Nachbarn gelangen, oder sie wohl gar übertreffen. Dieser vortreffliche König that auch alles, um Wissen-

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schäften und Künste in seinem Lande blühend und die Unterthanen glücklich zu machen. Er belohnte die Verdienste des größten Dichters Deutschlands, welchen sein Vaterland selbst unbelohnt ließ, weil es seinen Werth nicht kannte, und setzte ihm ein jährliches Gehalt aus, damit er zu seinem erhabenen Gedichte die nöthige Muße erhielte. Alle Gelehrte, so gemeinnützige Werke projectirten, empfiengen die Kosten dazu, und der Nutzen davon gehörte ihnen. Dieser Mildthätigkeit haben die Dänen verschiedene Originalwerke zu danken, als z. B. den dänischen Vitruvius, Nordens Voyage d’Egypte, Oeders Flora Danica, Krafts Mechanic, und andre. Freylich projectirte auch wohl zuweilen ein Gelehrter ein Werk, welchem er nicht gewachsen war, und dem er kein Genüge leisten konnte, blos, weil er dabey etwas zu erwerben suchte. Hierher gehören vielleicht der dänische Atlas; die Geschichte des Qldenburgischen Stammes; und in gewissem Betracht, der Absicht nach, auch Regenfusses Muschelwerk, und die F. D, Der Herr Pastor und Rath Schäffer hat zu einer nürnbergischen Insektensammlung sogar 2000 Rthlr. erhalten. Die Absicht des Königes war dabey immer sehr preiswürdig; nur die Großen, so es betrieben, hätten dergleichen besser einsehen und auf die Hauptabsichten der Verfasser mehr Acht haben sollen. Bey uns,

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31 und in andern Ländern, würden dergleichen Werke freylich nur den 6ten Theil Kosten erfordern, die hier dem Könige dafür vorgerechnet sind; ja wenn auch diese übergroße Kosten an andern Orten statt fänden, würden solche Werke dennoch daselbst um den 3ten Theil, wo nicht die Hälfte wohlfeiler seyn, als man sie hier kaufen kann: und doch hat der König hier die Verlagskosten bezahlt. Al- lein in einem Lande, wo Papier und Druckerkosten so theuer sind, konnte es freylich noch entschuldiget werden. Bey uns läßt dergleichen Werke die Akademie der Wissenschaften auf ihre Kosten dru- cken; hier giebt es, wie man mir gesagt hat, zwar auch akademische Buchführer, es hat aber kein einziger ein solch Buch, noch weniger ein akademisches Buch im Verlage 4), Man mag inzwischen sa-

4) Dies rührt daher, daß die Gelehrten in Dänemark ihre Bücher zum Theil selber verlegen, oder selbst Buchführer sind, wie sie der Verfasser zu nennen beliebt. Meiner Einsicht nach aber, kann dieses eben nicht zur Ausbreitung der Wissenschaften dienen; denn wie kann ein Autor wegen Betriebs eines einzigen Buchs die Correspondenz sich erwerben, die bereits ein Buchhändler hat. Giebt er es jemanden auch in Commißion, so sind solchem doch die Hände gebunden; es ist nicht sein Eigenthum; er kann nicht damit schalten wie er will; Die Ausbrei-

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gen was man will, so hat Dänemark dadurch doch eine Flora Danica erhalten, dergleichen, wenn sie vollständig wird, (welches freylich nicht geschehen dürfte, so lange ein Faden Gras an- noch aus der Erde wächst), ungeachtet ihre Feh- ler und der vielen Kosten die sie erfordert, noch kein Reich in Europa aufzuweisen hat. Der Kö- nig gab auch einem sehr würdigen gelehrten Dänen eine Pension von 300 Rthlr.; man hat zwar von seinen eigenen Arbeiten weiter nichts, als ein vortreffliches Punschlied, aber sehr gute Ueberse- tzungen. Diesem guten Könige hat man auch die Veranstaltung der Reise einer gelehrten Gesellschaft nach Arabien zu verdanken, auf deren Entdeckung ganz Europa begierig war und noch ist. Wie sehr ist es für uns und die Nachwelt zu bedauern, daß die ganze Gesellschaft auf der Reise gestorben ist, bis auf den Capitain Nie- buhr, welcher neulich zurück gekommen, und nun an der Ausgabe seiner Reisebeschreibung arbeitet. Die Naturhistorie und verschiedenes andre, welches durch die Kenntnisse seiner Mitreisenden mit verstorben, wird uns freylich darinn fehlen; es

tung der Litteratur wird also in beyden Fällen sehr verhindert. Uberdies entsteht daraus auch noch die üble Folge, daß man in den Provinzen oft gern ein Buch hätte und dreydoppelt bezahlte, das in Kopenhagen Maculatur ist.

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33 wird inzwischen immer ein unschätzbares Werk für die Welt werden, die solches mit Verlangen erwartet, und ein lauter redendes Denkmaal des Menschenfreundes Friedrichs seyn, als die prächtige Statüe, welche die asiatische Compagnie errichtet und gegen 500000 Rthlr. kosten soll.

Siebenter Brief.

An den Herrn v. ***

Es ist hier, liebster Freund, ein erstaunendes Exempel eines Kaufmanns, welcher durch seinen Reichthum zu den größten Ehrenstellen gestiegen; wo er solchen erwarb, das weis Gott, die S*chs*n und der K. v. P. Um seinen Reichthum desto sicherer zu genießen, begab er sich in den hiesigen Schutz. Man machte ihn zum Edeln, zum R. und endlich zum M. und Oberaufseher des C. C. Dem ohngeachtet blieb er Kaufmann, und die hiesige Kaufmannschaft betet ihn an, als gewisse wilde Völker ihren Götzen. Er hat den steigenden und fallenden Cours in Händen, und weis aus den hiesigen papiernen Geldern den rechten Werth zu ziehen. Um dieses zu können, darf er nur auf sich selbst traßiren; (denn er besitzt in

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vielen Ländern Comtoirs). Hat er Wechsel zu verkaufen oder einzukaßiren, so bezahlt man solche immer höher als bey andern; und doch rechnet man sichs noch zur Ehre, mit ihm Geschäffte ma- chen zu können. Der Cours steigt und fällt, so wie er Gelder auszuzahlen oder einzunehmen hat; und da der Cours größtentheils hoch ist; so ist dies immer ein sicheres Merkmaal, daß er mehr zu heben, als auszuzahlen hat. Um diesen Mann desto vester im Reiche zu halten, verkaufte man ihm alle Plantagen in W. J. so der Krone zuge- hörten, für 400000 Rthlr., und zwar mit der Bedingung, sie in 8 Jahren zu bezahlen. Die Plantagen konnten, wie man sagt, der Krone ehedem jährlich 60000 Rthlr. einbringen. Wenn dieses wahr ist, so könnte er selbige innerhalb 7 bis 8 Jahren mit den eigenen Einkünften bezahlen, und hätte sie denn umsonst. Gesetzt, daß solche auch vorher durch schlechte Verwaltung und Aufsicht etwas verfallen gewesen; konnten sie denn nicht durch bessere Anstalten und eine mäßige Summe wieder in Stand gesetzt werden? Noch mehr, er erhielt in diesem Kauf eine schöne Zu- ckerrafsinaderey mit allem Zubehör oben darein, und ein Packhaus, so in allem 220000 Rthlr. werth war, und beyde Stücke können ihm itzo die Interessen vielleicht doppelt einbringen; was aber das Beste, er ist der Mäckler des Staats.

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Das dänische Papieren Geld fällt immer mehr und mehr im Cours; man hat zwar die Kunst verstanden, dieses Fallen dann und wann auf eine kurze Zeit zu heben; allein es kann in der Länge doch nicht bestehen. Den größten Stoß leiden die Banknoten durch die Zinsen, so die Ausländer in großen Summen jährlich für die auswärtigen Schulden des Reichs ziehen. Man muß desfalls die Unterthanen mit großen Auflagen belegen, welche sie und das Reich arm machen, ohne daß man das Ende dieser Plagen absehen kann. Ein zweyter, obwohl nicht völlig so harter Stoß, den das dänische papierne Geld empfängt, ist, daß die Ausländer eben so viel Antheil an den Actien der Kopenhagener Banque, wo nicht mehr, als die Unterthanen haben; und daher jährlich 16 Procent den gewöhnlichen Gewinn für ihr Capital weg- ziehen. Was durch die Leihebanque und endossirte Wechsel der Kaufmannschaft, die ihren sauer erworbenen Schweiß manchmal dahin trägt; verdient wird, das bekommen folglich die Ausländer an baarem Gelde, und die Dänen behalten am Ende nur ihre Papiere. Der König sogar selbst, wenn er Geld oder Zettel aus seiner Bank haben@will, verintereßirt solche mit 4 Procent. Die hiesige asiatische Compagnie schwächt den Werth der dänischen Bancozettel und folglich den ganzen Staat vollends, indem sie alles noch übrige Sil-

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ber und Gold dem Lande, für Waaren entzieht, die sie bey ihren Nachbaren eben so wohlfeil und besser haben kann, als aus China. Es ist ein schädlicher Grundsatz, den die europäischen Für- sten angenommen haben, immer ihre Nachbaren schwächen zu wollen, da dies fast doch nicht an- ders als auf Kosten ihrer eigenen Unterthanen geschehen kann; und was muß und soll doch genauer vereiniget seyn als das Interesse des Fürsten und der Unterthanen? Kein Fürst will dieserwegen zu- lassen, etwas von den Manufacturen eines andern Staats in den seinigen einzuführen, ob er sie gleich selbst nicht haben noch entbehren kann; anstatt daß er trachten sollte, seine eigene Landesproducten recht zu nutzen, und dem Handel dadurch ein leben zu geben, wenn seine Unterthanen ihre Waa- ren gegen der Nachbaren ihre vertauschten. Der- jenige freylich, der dabey am nachläßigsten wäre, würde am mehresten leiden. Man könnte mir einwerfen, ein jedes Land hätte nicht die Beschaf- fenheit, so viele Manufacturen und Producte zu liefern, daß es mit seinen Nachbarn Gleichgewicht halten könnte. Ich läugne dieses aber und behaupte, es kömmt auf den Fleiß, Aufmunterung und Unterstützung an. Ein einziges Exempel anzuführen: Hamburg, vormals eine mäßige Stadt, ist dennoch durch ihre Fabriken und die Freyheit ihres Handels, die Krone von allen Han-

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delsstädten Deutschlands geworden. Sie hat und pflanzt nichts von selbst, was sie nicht von andern kaufen muß; und dennoch kann sie mit ihren fabricirten Waaren alles und mehr eintauschen, als sie braucht, und mit dem Ueberfluß des Eingetausch- ten noch Handel treiben und Vortheil machen. Ein Land müßte sehr von der Natur verwahrloset seyn, das nicht selbst Mittel zu einer oder der andern Manufactur bey sich finden sollte, nämlich etwas, das darinn gebauet würde, aus der ersten Hand käme, und folglich wohlfeiler geliefert werden könnte, als vom Nachbaren. Man wende mir nicht dawider ein, die Natur hat ein jedes Land mit Sachen begabt, welche das andere nicht hat; denn es kömmt weit mehr darauf an, solche mit Nutzen zu gebrauchen und zu cultiviren, daß die Nachbaren sie nicht entbehren können; und dafür ist ein jeder Monarch in diesen Zeiten, da mir einmal so viele Bedürfnisse haben, die unsre Väter nicht kannten, zu sorgen verbunden, wenn er sich und sein Volk nicht arm sehen will.

In einer Republik verhält es sich anders, jeder ist dem andern gleich, und darf nicht mit vielen Kosten, Mühe und Bestechungen um Privilegien ansuchen. Die Unterstützung findet er bey seinen Mitbürgern, weil sie nicht fürchten dürfen,

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daß ein Verbot derselben Sache, die erst bewilliget worden; sie und ihr Vermögen ruinirt 5).

5) Man arbeitet zwar hier nunmehro stark an der Verbesserung des Landbaues; man errichtet mit großen Kosten Landverbesserungs-Collegia; man stiftet öconomische Gesellschaften; man schreibt häufig ökonomische Werke, worinn manches Gute enthalten; man schreibt auch von Verbesserung der Manufacturen; und dieses letzte ist um so viel nöthiger, weil man deren Betrieb in der letzten Zeit, über die Verbesserung des Landbaues, fast ganz aus der Acht gelassen hat. Es ist nicht zu leugnen, daß im Landbau bereits viele gute Verbesserungen gemacht, und noch mehrere im Werke sind, wie z. B. die Aufhebung der Leibeigenschaft. Man muß hierinn die Gesinnungen des Königs preisen, der sehr eifrig ist, einem so zahlreichen Theile seiner Unterthanen die natürlichen Rechte der Freyheit und des Eigenthums wieder zu geben, die sie so lange, durch die Unterdrückung der Großen, haben entbehren müssen. Nur einige wenige von ihnen verdienten hier als wahre Patrioten und Menschenfreunde genennt zu werden; sie, die die ersten waren, auf ihren Gütern diese Schande der Menschheit aufzuheben, und die gekränkten Rechte derselben wieder herzustellen. Allein, alles wird umsonst seyn, wenn sie nicht auf Mittel denken, die erste Quelle zu verstopfen, woraus das mehreste Elend der Unterthanen entsteht; ich

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Wieder auf den Handel nach China zu kommen; solcher ist mit der Zeit ein Verlust, nicht allein für Dänemark, sondern, wie ich wohl hinzu- tzen kann, auch für den größten Theil Europens. Man schleppt das baare Gold und Silber dahin,

meyne die Reichsschulden. Die Bezahlung der Zinsen allein, hemmet den Erfolg aller andern, zur Landesverbesserung abzielenden Bemühungen und Einrichtungen; die Zinsen ziehen jährlich über eine Million baares Geld aus dem Las- de, und die Dänen bezahlen solche durch den Gehalt ihrer Papiere gegen die Münzen der Ausländer gerechnet und die Provision der Wechsler und Mäkler, also durch den Cours, mehr als doppelt. Ein gewisser Autor hat neulich zur Bezahlung dieser Schulden ein sehr kurzes und leichtes Mittel angegeben; er beweiset, der König hätte nicht nöthig seiner Vorfahren Schulden zu bezahlen, und das aus dem Grunde, weil solche nicht zum Besten des Landes verwandt worden; wo aber dieses die Anleiher voraus haben wissen sollen, oder nur einmal wissen dürfen, ist wohl eine andre Frage. Ueberhaupt hat sich der gute Mann wohl zu wenig mit den Folgen bekannt gemacht, welche ein dergleichen Unternehmen nach sich ziehen würden, und welche jedem Denkenden in die Augen leuchten müssen, falls auch der König von Dännemark in der Verfassung wäre, den Vorschlag zur Ausübung zu bringen, woran man aber billig zweifeln kann.

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um Kräuter, Spinneweben, Porcelainscherben und gemalte Puppen zu holen, welches man in Europa alles, und weit besser hat. Sogar un- ser eigenes Vaterland ist auch schon von dieser Seuche angesteckt. Man hat dem itztregierenden Könige von Dänemark gesagt, es wären dies die einzigen Producten, wodurch Dänemark Geld von seinen Nachbarn zöge; man hat aber dabey verschwiegen, daß der größte Theil der Actien den Ausländern gehört, daß man von ihnen das Silber theuer kaufen muß, so man einige tausend Meilen mit großer Lebensgefahr und Ausopferung vieler Menschen wegschleppt; und daß der Verdienst mit dem, was im Lande bleibt, und dem, was die Ausländer darauf und auf dem Cours der Papiere gewinnen, gleich aufgehe, ja wohl gar noch mehr verloren werde. Ein Däne machte mir einst bey Aeusserung dieser Gedanken den Einwurf: Ein ausgebreiteter und weiter Handel wäre doch das beste für einen Staat. Freylich; aber dieses ist ja in allem Verstande ein sehr eingeschränkter Handel. Ich weis nicht, wie man hier in vielen Stücken so seichte Begriffe hat. Spricht man von einem ausgebreiteten Handel, so versteht man einen weit entfernt geführten Han- del; redet man von einem freyen Handel, so glaubt man, es müsse alles frey seyn, auch was man selbst im Lande bereits hat; heißt es, daß

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man den Handel sperren soll, so muß alles verboten seyn, auch was man nicht hat, auch nicht entbehren kann. Das rührt aber wohl daher, daß die Herren Comm. Dir. nicht viele Einsicht vom Handel zu haben scheinen. Neulich hatte einer dieser Herren den Einfall, sogar allen ausländischen Witz und Gelehrsamkeit verzollen zu lassen. O wie arm würden die Danen alsdenn seyn, wenn sie die Einfuhr hemmeten! Doch ich schweife zu weit aus, und habe Ihnen vielleicht mehr geschrieben als Sie lesen mögen. Sie sollen denn auch die Erlaubniß haben, dabey so vielmal zu gähnen als Sie wollen, wenn Sie es nur nicht ungelesen lassen, sonst schreibe ich Ihnen ein andermal nichts. Ich bin & c.

Achter Brief.

An den Herrn von P.

Mein lieber P.

Dänemark ist noch das Land, wo man die Teu sel austreibt. Wer sollte dies in diesen aufgeklärten Zeiten und bey der hier durchgängig herrschenden lutherischen Religion vermuthen?

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Aber nichts ist gewisser. So viele Menschen geboren werden, so viele Teufel kommen mit auf die Welt; der Prediger muß solche allemal erst wieder heraus treiben; inzwischen deucht mir, sollte man den Teufel am allerwenigsten bey neugebornen Kindern suchen. Es ist bey der hiesigen Kirche auch der Gebrauch, daß, wenn einer stirbt, der Priester in eigener Person dreymal Erde auf dessen Sarg werfen muß. Der Pöbel glaubt, daß wenn es unterbliebe, er nicht wieder aus der Erde würde auferstehen können. Wenn der Kirchhof etwas weit entfernt, oder schlecht Wetter ist, hat der Geistliche die Erlaubniß es sich bequemer zu machen; er geht in des Verstorbenen Haus, nimmt ein Stück Erde und wirst es auf den Sarg, alsdenn kann man den Verstorbenen begraben wo man will. Schade! daß selbst die guten Gebräuche oft in Misbräuche und Ungereimtheiten ausarken, und die Geistlichen selbst theils dazu Anlaß geben, theils sich oft Vorwürfen aussetzen, die nur gar zu gegründet sind! Sollte man nicht besonders wachsam darauf seyn, die Religion und alles was damit in Verbindung steht, nie anders, als in einer ehrwürdigen Gestalt zu zeigen? Es fehlt zwar in unsrer Religion ebenfalls nicht an überstüßigen Cerimonien; wir haben sogar viele abgeschmackte und seltsame Religionsgebräuche: allein Sie wissen auch, wie wir

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es bedauert haben, daß man dadurch Gelegenheit gebe, die Hauptsache verdächtig zu machen, da so wenige im Stande sind, das Wesentliche von den Zusätzen genug zu unterscheiden. Daß doch die Leute nicht einsehen wollen, daß sie selbst der Freygeisterey und dem Unglauben mehr Nahrung geben, und ihre Religion untergraben.

Neunter Brief.

Kopenhagen hat den gelegensten und vortheilhaf- testen Hafen in ganz Europa, und dennoch bedeutet der Handel hier nicht viel, wenn man ihn mit andrer Völker ihrem vergleichet. Es ist der Mittelpunkt und Schlüssel zu zweyen Meeren; es könnte der größte Stapel und Speditionshafen für die ganze Ost- und Nordsee seyn, Die Dä- nen nutzen aber diese vortheilhafte Lage nicht; sie lassen die Ausländer ihre Producten den hiesigen Ha- fen vorbey führen, und directe an Ort und Stel- le selbst liefern, ja sogar was sie selbst brauchen, sich von Ausländern zubringen. Wenn sie ihren Hafen recht brauchten, würden sie größtentheils alle andre Manufacturen und Fabriken entbeh- ren, und dennoch mit dem, was sie dadurch ver- dienten, Balance mit allen ihren Nachbarn hal-

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ten können. Aber, sie machen lieber Projecte, um mit vieler Gefahr und ungewissem Gewinste, Kräuter aus China zu holen, oder einen Handel nach Mißisippi anzulegen, obwohl sie im Stande sind, Reichthümer im Ueberfluß vor ihrer eigenen Thüre zu finden. Freylich würden es die Aus- länder, besonders die Holländer, Lübecker und Hamburger, nicht gerne sehen, wenn die Dänen ihren Hafen nutzten, wie sie könnten. Einmal war ein Project dazu wirklich im Vorschlag; man ließ zu dem Ende schon einen schönen botanischen Garten, welcher über 70000 Rthlr. anzulegen gekostet hatte, rasiren, um Packhäuser zu bauen; es war aber ein Unglück, daß es an Kräften fehlte, selbiges ins Werk zu setzen. Man lud zwar die Holländer dazu ein; diese lachten aber. An allen Unternehmungen sollen die Ausländer Antheil haben. Neulich ward hier eine Lotterie projectirt, um die Schulden der Westindianer, ohne deren Wissen und Dank, an die Holländer zu bezahlen, wozu auch eben die Holländer das mehreste bey- tragen sollten. Ich zweifle, daß es damit jemals zu Stande kömmt; es sind auch nur drey Kaufleute, die für die Wiederbezahlung des Capitals garantiren, und die Bezahlung ist so weit ausgesetzt, daß diese drey Contoirs gerne aussterben können. Der Gewinn für die Anleihe ist übrigens vortheilhaft genug.

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Zehnter Brief.

Niemand geht allhier zu Fuße, alles fährt in Carossen. Man sollte schwören, das Po- dagra hätte hier seinen Sitz aufgeschlagen. Vom größten Minister bis zum kleinsten Handwerks- mann fährt alles. Allein, der wahre Grund hievon liegt wohl darinn, daß der Kleine immer der Affe des Großen ist, weil er siehet, daß er nicht angesehen ist, wenn er es den Großen nicht gleich thut; daraus entstehet auch, daß die bemitteltsten Bürger sich Titel kaufen, um ein Ansehen und ei- nen Rang über andre zu erhalten. Es ist nichts Seltenes, daß ein Krämer sich zum Kanzleyrath oder Justitzrath machen läßt, ohne jemals zu erfahren, was in der Kanzeley vorgeht, oder einen Begriff zu haben, was die Justiz für ein Ding ist. Ein Kaufmann glaubt daher genöthiget zu seyn, sich einen höhern Titel zu kaufen; selbiger kostet viel; der Aufwand wird groß, um sich seinem Stande gemäß aufzuführen; und dadurch schwächt er in der Folge seine Handlung. Die Titelsuche ist überhaupt wohl in keinem Reiche größer und mannichfaltiger als in diesem. Ein Bedienter, der bey einem Herrn am Hofe eine kurze Zeit ge

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standen, erhält, wenn er sich in die Gewogenheit seines Herrn einzuschmeicheln weis, allenfalls eine schöne Frau oder Schwester hat, auf dessen Empfehlung, gar leicht eine Zollbedienung, oder gar eine Stelle bey der Justiz, ohne was davon zu verstehen. Man hat Beyspiele, daß solche Leute kaum ihre Namen haben schreiben können; aber es giebt ein bequemes Mittel sich darinn zu Helsen; man hält sich Gevoll- mächtige. Nicht lange hernach ist ein solcher Mann wenigstens Justizrath. Ich sende Ihnen hiebey den dänischen Staatskalender; Sie werden über die große Anzahl von Räthen und Charakteren erstaunen; Sie müssen aber wissen, fast alle königliche Bediente sind charakterisiret, den Visiteur mit eingeschlossen; doch selten verwaltet einer das Amt, das sein Charakter erfodert, oder hat nur einen Titel der zum Amte paßt. Es ist hier so zur Mode geworden, daß man keinem vernünftigen Manne keinen Menschenverstand zutrauet, wenn er nicht charakterisirt ist. Fast auf den Fuß, wie man in Frankreich jeden als einfältig beurtheilet, der nicht wenigstens Marquis heißt. Hier fällt das Sprüch- wort weg: Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand. Hier braucht es nur eines Titels. Ehedem war die Absicht dieser Titel eine Belohnung verdienter Männer, die sich im Dienste des Königes hervorgethan, oder durch Gelehrsamkeit und Wissenschaften sich ein Ansehen erworben

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hatten; dis Charaktere dienten also damals zur Aufmunterung und Nacheiferung. Itzo braucht man weiter nichts als Geld, dadurch kann man alle Titel und Ehrenzeichen erlangen. Die Folge ist, daß alle Aufmunterung und aller Reiz wegfällt, da man sieht, daß würdige Leute, die dem Staate wahre Dienste geleistet, sich mit denen in eine Classe gesetzt finden, die nichts gethan haben, auch nie vermögend dazu gewesen sind, und kein andres Verdienst besitzen, als daß sie ihren Titel bezahlet 6).

6) Es ist nunmehro durch zwey königl. Verfügungen festgesetzet, daß die Charaktere ihrem Endzweck gemäß, nur Verdienste bezeichnen, und daß die wirklichen Laquais, ohne Unterschied, von allen Bedienungen im Lande, ausgeschlossen seyn sollen. Z.

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Eilfter Brief.

An den Herrn N.

Sie können sich nicht vorstellen, liebster Freund! wie veränderlich die hiesigen Frauenzimmer

sind. Ich glaube sie thun es darinnen allen andern Rationen zuvor. Vor einigen Jahren waren sie alle, wie man mir gesagt hat, Französisch in ihren Kleidern, und vielleicht auch in ihren Sit- ten; voriges Jahr Türkisch; itzt aber sind sie ganz Englisch von Kopf zu Fuß, und kaum von Manns- personen zu unterscheiden, alle in langen englischen sogenannten Fracken, ja gar in Stiefeln und Spo- ren; sie reiten die wildesten Hengste, Trotz dem besten Stallmeister; und ich denke, ehe noch ein Jahr hingeht, sitzen alle Damen hier selbst zu Pferde und gehen in vollem Mannshabit. Ist das nicht ein Eingriff in unsre Rechte? Aber sind wir auch nicht selber Schuld daran? Es ist wahr, eine solche weib- liche Reuterey müßte fürchterliche Eroberungen machen; denn wer würde ihr widerstehen können. Ein Bauer, der seine hochgebietende Frau neulich zu Pferde erblickte, rief voller Entzücken aus: Ey

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49 so eine gnädige Frau haben wir noch nie gehabt, die uns ihre schönen Schenkel öffentlich hatte sehen lassen. Wer weis, was dergleichen Unternehmungen im Schilde führen? Ob es vielleicht nicht gar auf die Bezwingung und Beherrschung der Mannspersonen angesehen ist, die diese Absicht selbst befördern helfen, indem sie nach gerade so weibisch und weichlich werden, daß man bald in vielen Häu- sern nicht mehr wissen wird, wer Herr oder Frau ist. Sie erinnern sich wohl gewisser Vorstellungen aus der verkehrten Welt, die wir einmal sahen. Ich weis nicht, ob die alten Amazonen fruchtbarer gewesen seyn mögen, als die neuern auf ihren Springern, mit denen sie galloppiren, traver- siren, tummeln, Courbetten machen, wie der beste Cüraßier; mit Karakol, Karriere, Manege herum werfen, und sich nächstens, wie ich hoffe, auch einen Stutzbart zulegen werden. Ich würde den Dänen nichts anders, als eine niedrige Sklaverey prophezeyen, wenn sie sich diesen Amazonen, die so veränderlich von Gemüthsart sind, unterwürfen, und sich von ihnen regieren ließen. Heil ihnen, daß selbige keinen Einstuß in Staatsgeschäffte haben; was würde dieses nicht für häufige und lustige Veränderungen geben. Ich kenne bereits einige Privathäuser, wo die Damen die Herrschaft schon an sich gerissen haben. Sie sollten indessen nicht glauben, wie holdselig, wie sanst, wie un-

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50 schuldig diese Geschöpfe ausserhalb ihres Gebietes sich bezeigen; da sind sie zärter als die Lämmer; sie erschrecken wohl gar über das Geschrey ihres kleinen Schoßhündchens, und fahren bey dem geringsten rauhen Tone zusammen, der ihre Ohren erreicht; sie können kein Huhn schlachten sehen: Aber laßt sie wieder zu Hause kommen, so seht ihr eine ganz andre Scene. Ach! - die verdammte Köchinn, das Teufelemensch hat das Essen noch nicht fertig, man möchte sich todt ärgern; hängen sollte man das Rabenaas - Peter! Heinrich! Holla! wo sind die Schlingel alle? Könnt ihr Schurken nicht aufpassen? Wozu seyd ihr doch in der Welt Gottes nütze? Verdient ihr nicht gepeitscht zu werden ? - Ach meine liebe Frau! ärgere dich doch nicht so. - Was Mann - du Mann willst auch deine Frau noch umbringen helfen? - Geh auf deine Studierstube und bekümmere dich um Nichts. Zum Henker! daß du dein Maul nicht halten kannst? daß dich das Wetter! wenn die Männer doch nicht mitsprechen wollten, da sie nichts von verstehen! Geh alter Narr, und komm mir nicht wieder vor die Augen - Still, wer klopft? Himmel! es ist der junge Baron von B. Ihre gehorsame Dienerinn! mein lieber Herr Baron. Ich freue mich sehr Sie zu sehen. Sie bleiben doch heute Abend bey mir und nehmen vorlieb; darf ich nicht hoffen? Sie jungen losen Her

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51 ren muß man wohl vesthalten, wenn man Sie kriegen kann. Wie schalkhaft Sie nicht aussehen! Ich wette, Sie denken an die schöne P. die gestern in der Oper sang. Seyn Sie doch so gütig und erzählen Sie mir etwas von Ihren gestrigen Vergnügungen, Sie wissen, wie vielen Antheil ich dar an nehme.

Noch ein Wort von den Frauenzimmern der niedern Classe. Diese sind so zart, daß sie beständig frieren, Winter und Sommer; sie gehen auch desfalls in den heissesten Sommertagen in großen Pelzen mit Rauchwerk.

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52 Liebster Bruder!

Ich habe Dir neulich etwas von dem Zustande der dänischen Gelehrsamkeit gesaget. Weil ich itzt mit einigen Gelehrten Umgang erhalten, und mich etwas mehr umgesehen, bin ich vielleicht besser im Stande, Dir genauere Nachrichten zu geben. Obgleich die Dänen noch lange nicht die Stuse der Kenntnisse erreicht haben, auf der wir ihre Nach- barn, die Deutschen und Schweden, sehen; so muß man doch auch zu gleicher Zeit gestehen, daß sie viel weiter gekommen sind, als sie vor 20 oder 30 Jahren waren. Kein Professor der Theologie lehrt heut zu Tage mehr wie vormals, daß ausser der lutherischen Kirche keine Seligkeit zu hoffen; man erklärt keinen mehr für einen Socinianer, der eine oder die andre Beweisthümer für die Gottheit Christi nicht erkennen will; und man weis nunmehr, daß ein Candidat, auch ohne schwarze Kleider und ohne eine große Peruque, theologisch denken kann. Aber freylich geht diese Verbesserung noch immer mit langsamen Schritten fort; der menschliche Geist reißt sich nur nach und nach von den Fesseln los, die Mer und Gewohnheit ihm an

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53 geleget. Sie haben unterdessen itzt Dichter, Geschichtschreiber und Philosophen, die ihnen Ehre machen, ein Ewald, Guldberg, Baden, Suhm, Lüxdorph, Hielmstierne, und andre, sogar einige gelehrte Frauenzimmer; eine Andersen, Biehl, Bek, verdienen hier genannt zu werden 7). Es fehlt eben so wenig an jungen Gelehrten, die einst in ihrem Vaterlande sich Hervorthun werden. Als sonderbar ist es mir vorgekommen, daß Holbergs Comödien sich noch immer mit dem größten Beyfall auf dem hiesigen Theater erhalten. Ein sicherer Beweis, daß dieser große Mann, bey allen seinen Fehlern, dennoch die Natur treulich kopirt.

Ich wurde neulich mit einem jungen Dänen so vertraut, daß er mir endlich gestand, baß sie den Ausländern, und vorzüglich den Deutschen, das mehreste zur Aufklärung der Wissenschaften, zu danken hätten. Dies Geständniß legen sie sonst sehr ungern ab, so wahr es immer seyn mag. Er rühmte mir besonders einen deutschen Professor, der unermüdet, schon lange zur Ausbreitung der Wissenschaften sehr vieles beygetragen. Es ist in der

7) In Kopenhagen wird auch ein kritisches Journal herausgegeben, das den besten deutschen Schriften der Art, an die Seite gesetzt zu werden verdient.

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That merkwürdig, daß drey der größten Dichter und eben so viele Redner Deutschlands, sich hier aufhalten, die man aber indem kleinsten deutschen Orte besser kennt und schätzt, als hier in der Hauptstadt. Ich erkundigte mich, vor einiger Zeit, in einer Gesellschaft, nach einem dieser Männer: allein man wußte gar ihren Namen nicht, endlich gerieth ich an einen, der ihn kannte; er wußte mir aber auch weiter nichts von ihm zu sagen. Der gute Geschmack ist ein Ding, das vielen seltsam und lächerlich, noch mehreren gänzlich unbekannt ist, und nur noch den kleinsten Theil der Nation bisher zu Theil geworden. Lesen, ist die geringste Beschäfftigung des Kopenhagener Publicums. Ein großer Fehler ist es, daß die einzige Universität Dänemarks, in der Hauptstadt desselben angelegt ist; denn der Hof verdunkelt alles. Die Studenten sind nicht genug geachtet, wenn sie nicht Aufwand in Kleidern oder ähnlichen Dingen machen; sie hängen zu sehr von den Professoren ab, und haben daher fast alle ein gewisses schüchternes und blödes Wesen, das der freye deut- sche Student nicht kennet, der seinen stolzen Geist nicht niederbeugen läßt 8). Wer Student werden

8) Mann könnte die Frage aufwerfen warum in Norweigen, als einem der größten Theile des

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will, muß unter andern, gewisse Bücher auswendig gelernt haben, und sie hersagen können; und zum Unglück sind diese Bücher noch herzlich schlecht. Es müssen auch täglich fast Disputationen unter den Studirenden gehalten werden; nur Schade,

dänischen Staatskörpers, keine einzige Univer- sität wäre? Ich weis sie zwar nicht zu beantworten die Normänner aber werden wohl die Ursache besser anzugeben wissen; inzwischen glaube ich, die wahrscheinlichste Ursache ist wohl, daß man noch nicht Zeit gehabt hat, daran zu denken, Norwegen so zu cultiviren, wie man sollte; freylich würde sich eine Nation, welche ein so vorzügliches Genie vor vielen andern Nationen hat, mehr auf Wissenschaften legen; als itzo geschiehet, wenn eine Akademie in ihrem eigenen Lande wäre. Viele Aeltern scheuen die Entfernung und die Kosten, ihre Kinder nach der Hauptstadt in Dänemark zu senden; es giebt in einer Residenz allzu viele Lustbarkeiten und Zerstreuungen, woran junge Leute ohne Aufsicht Gelegenheit haben Antheil zu nehmen; die Lebensart ist daselbst natürlich kostbarer als anderer Orten, und das Geld, so zum Studieren bestimmt war, geht öfters dadurch auf, daß der Hert Sohn die Maskeraden, Bälle, Opern, Comödien, Spielhäuser, & c. besucht, wovon er am Ende, ganz gelehrt, krank, und mit Schulden überhäuft, zu Hause kömmt.

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daß auch hier ein so tröstliches Buch zu Grunde gelegt ist, als der Baumeister oder Brochmann. Die Anzahl der Studenten soll auch von Jahren zu Jahren abnehmen; so daß mir ein Professor versicherte, wenn es noch 10 Jahre so fortgienge, würde es an Leuten zur Besetzung der Aemter fehlen. Diese Erscheinung ist in der That bey dem Fortgange der Wissenschaften sonderbar; man will ein gleiches auch bey der Besuchung deutscher Universitäten bemerkt haben, und es verdiente dies wohl noch eine eigene Untersuchung. Auf der hiesigen Universitätsbibliothek suchte man verschiedene wichtige Werke vergebens; die sehr zahlreiche Königliche aber steht, so viel ich erfahren konnte, nicht jedermann offen.

Ich komme eben aus einer Gesellschaft, wo- zu ich von dem Kaufmann, der meine Wechsel bezahlt, eingeladen war; ich erstaunte anfänglich, wie ich hinein trat, denn ich glaubte, ich wäre unter die vornehmsten Ministers gerathen, so reich und prächtig war alles um mich herum gekleidet: allein ich erfuhr bald, daß es Kaufleute und Unterbediente wären. Ich hatte nur ein simples Reisekleid, ohne Besetzung an; man empfieng mich ziemlich frostig und steif; überhäufte mich mit Fragen, die meine

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57 Reise betrafen, und wunderte sich, daß ich glaubte, es wäre anderswo noch besser als hier. Die Liebe zum Vaterlande riß mich hin; mein Herz floß von Lobsprüchen und heißen Wünschen über, ohne zu bemerken, daß man mir den Rücken zugekehrt hatte. Ich schämte mich und gieng davon. — Nichts ist ausschweifender als die Kleiderpracht, welche hier herrscht; die vornehmste Dame des Königreichs ist kaum von der gemeinen Bürgersfrau zu unterscheiden. Es ist dies im strengsten Verstande wahr. Du kennst unser Sprüchwort: Man empfängt den Mann nach dem Kleide, und begleitet ihn nach dem Verstande; allein hier scheint es seine Kraft verloren zu haben. Sollte nicht hier eine Kleiderordnung sehr nothwendig seyn, um je- den Stand gehörig zu unterscheiden, den Luxus einzuschränken? Mich wundert, daß noch so wenige Fürsten an eine so heilsame und in mehr als einer Absicht nützliche Sache, mit Ernst gedacht haben.

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Du verlangst, mein lieber Bruder, ich soll dir den Charakter der Dänen schildern. In der That ein schweres Unternehmen? Wie? wenn sie nun keinen hätten? In einer Hauptstadt zumal, ist eine solche Mischung von Leuten allerley Nationen; man zeigt sich so selten in seiner wahren Gestalt; man muß sich in so mancherley Formen hineinschmiegen, daß, wenn ein Volk auch noch einen Nationalcharakter hat, er doch darüber verloren geht. Ich, der ich die Natur allenthalben studire, und, wie Du weißt, in manchen Dingen so meine eigene Meynung habe, auch mich deswegen zweyen ganzer Monate lang auf dem Lande in Dörfern und Flecken aufgehalten; glaube bemerkt zu haben, daß es eine sehr schwere Sache ist, den Nakionalgeist der Dänen recht zu charakterisiren. Einige behaupten, er habe viel Aehnliches mit der Luft und dem Clima dieses Landes, welches dick, feucht, ne- blicht kalt und veränderlich ist. Sie sagen, die Nahrungsmittel und die Regierungsform bestimmen ebenfalls sehr ein Volk, ob es frey und kühn, oder furchtsam und sklavisch sey, Ich wage hier nichts zu entscheiden. In Ansehung der Aus-

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länder ist dis Nation in einem seltsamen Widerspruche mit sich selbst. Sie ist mistrauisch und übelgesinnt gegen alle Fremde; unterwirft sich selten oder nie ihren Aussprüchen und Einsichten; glaubt es gemeiniglich besser als sie zu wissen, und räumt ihnen ungern einen Vorzug ein, bleibet immer bey ihren Einrichtungen und Gebräuchen, welche sie für die besten hält, und tadelt es, wenn einer hierinn Veränderungen zu machen wagt: und doch zu gleicher Zeit ist sie so aufs Neue und Fremde erpicht, daß sie ihre eigene Landesprodukten, ihre Waaren, ihre Künstler nichts achtet; selbst ihre eigene Sprache vernachlaßiget, und dafür eine fremde mit großer Mühe erlernet; die geringsten Kleinigkeiten mit großen Kosten von Ausländern erhandelt, und dieselben zu großen, neuen und wichtigen Unternehmungen fast immer braucht. Ich kann mir dieses Räthsel nicht auflösen. - @Noch eins muß ich Dir sagen, das mir aber sehr unangenehm ist. Unser großer Peter der Erste steht hier in einem sehr übeln Andenken; man giebt ihm Schuld, er habe eine Verrätherey an Dänemark begehen wollen, und Helsingör und Kronen-

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bürg heimlich erobern wollen, zu dem Ende auch seine Flotte schon im Sunde kreuzen lassen; allein durch die Wachsamkeit der Dänen sey der ganze Anschlag vereitelt. Ein Harter Vorwurf wenn er wahr ist! — Doch itzt steht Dänemark mit uns in dem freundschaftlichsten Vernehmen, das beruhiget und freuet mich. Ich erwarte bald von Dir Antwort. Lebe wohl bis dahin.