[Johann Adolph Scheibe] Anekdoten eines reisenden Russen über die Staatsverfassung, Sitten und Gebräuche der Dänen, in Briefen an seine Freunde. Herausgegeben von K.

Anekdoten

eines

reisenden Russen

über die

Staatsverfassung, Sitten

und

Gebräuche

der

Dänen,

Briefen an seine Freunde.

Herausgegeben von

R.

Lübeck, 1771.Auf Kosten des Herausgebers.

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Vorbericht.

Ich wurde mit dem Verfasser dieser Briefe, den Hrn. von K., auf meinen Reisen bekannt. Er war ein Mann, welcher viel gelesen und gedacht, auf deutschen Universitäten studiret hatte, und weit gereiset war. In seinem Umgange war er munter und aufgeweckt, und aufgelegt, über alles seine Bemerkungen Und Criticken zu machen. Sein Caracter war übrigens liebenswürdig, und nahm mich durch seine offenherzige Vertraulichkeit so ein, daß ich mich eifrig bemühete

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Vorbericht. seine Freundschaft zu erlangen, welches mir auch so glückte, daß ich auf meinen Reisen mannigfaltige Proben davon er- halten. Er würdigte mich endlich auch, mir seine Bemerkungen mitzutheilen, welche er auf seinen Reisen sammlete, und an einen seiner Freunde in Petersburg schrieb. Er ließ mich seine Briefe lesen, welche er an deutschen Höfen, bey seinen Aufenthalt daselbst, von ihren inneren und äusseren Verfassungen gemacht hatte, und aus welchen viele Einsicht und Beurtheilungskraft hervorleuchtete. Da wir uns trenneten, versprach er mir, mich bey seiner Rückreise über Dannemark und Schweden zu besuchen, und er hielt sein Wort. Er belustigte mich während seines Aufenthalts bey mir mit den Briefen, so er auf seinen Reisen an seine Freunde geschrieben, und wovon er Abschriften bey sich führte. Ich erhielt

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Vorbericht.

durch vieles Bitten die Erlaubniß solche abschreiben zu lassen, und besitze einen ziemlichen Vorrath von den Höfen Wien, Berlin, Dresden, Kopenhagen, Stockholm, und wo er sich nur aufgehalten. Manche bittre Wahrheiten, besonders von Berlin und Kopenhagen, sind darin gesagt. Selbige würden ein paar Bände ausmachen, wenn sie sollten gedruckt werden; Ich habe ihn zwar nicht um diese Freyheit gebeten, aber er hat mir solche auch nicht verboten. Da ich die Erlaubniß; der Preßfreyheit in Dännemark zu meiner grossen Freude las, und einen dasigen Freund bat, mir die Früchte derselben zu senden, weil ich Dänisch verstehe; so habe ich mit Erstaunen gesehen, daß ein Mann, der es zuerst gewagt solche zu nützen, und sich Philopatreias nennt, nur eine Menge elendes Zeug nach sich gezogen. Man sollte glauben, diese Leute

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Vorbericht.

wären alle in einen grossen Irrgarten ge- rathen, wo keiner den Ausgang zu finden wüßte, wenn gleich mancher ein paar Fußbreit Wegs angetroffen, wüßte er ihn doch nicht zu vollenden, sondern verirrte sich immer tiefer, ohne zu wissen wo er hin geriethe. Man hat zwar ein oder zwey Stücke, so ich gelesen, worin der Verfasser auf die rechte Spur gekommen ist, und theils besser als Philopatreias getroffen, worunter ein Philodanus besonders gehöret. Er verirrt sich selten, es ist wahr, aber wenn er sich verirrt, so kömmt er allemal in ein so grosses Labyrinth, daß er sich nie heraus finden kan. Er sagt zum Exempel: man müßte in den Provinzen in kleinen Kaufstädten eine gewisse Anzahl Kaufleute vestsetzen, und nicht mehr als diese darin leiden. Ich will nur einiges dagegen anführen. Meine Vaterstadt bestand ursprünglich

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Vorbericht.

aus zweyen die Handel trieben, itzt aber hat sie über 400. Würde sie jemals so groß geworden seyn, wenn es nicht durch Handel geschehen wäre? Man hätte Altona nur solche Grenzen setzen sollen, man würde Hamburg keinen Possen damit gespielt haben, es würde gewiß nie zu seiner itzigen Grösse gelanget seyn. Ich glaube aber, der gute Mann versteht Krämer die mit Tobackspfeiffen und Schwefelsticken handeln, und dennoch würde er Unrecht haben, denn derjenige so den Käufern am besten begegnet, und die besten Maaren härte, würde die mehresten Kunden haben, mehr Nahrung also an sich ziehen, und der andern ihr Kram würde von selbst wegfallen, eben wie es bey den Handwerkern ist, man würde größtentheils bessere und wohlfeilere Arbeit haben. Ein anderer geräth hingegen in diesen

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Vorbericht Irrgarten in den tiefsten Morast, und wird auch darin stecken bleiben, ohne daß ihn jemals einer wird herausziehen können. Er nennet sich Anti-Philopatreias, an und für sich selbst schon ein übler Name, er hat die Geistlichkeit besonders ver- theidigen wollen, aber sie Wird es ihm wenig Dank wissen. Alle diese verschiedene Schriftsteller veranlassen mich, einen Theil der Briefe meines Freundes drucken zu lassen, so allein Dännemark und besonders Kopenhagen betreffen. Ich werde erwarten wie solche das Publikum aufnimmt. Ich habe sie ohne Ordnung gewählt, wie sie mir in die Hände fielen, es sind auch noch mehrere zurücke, welche ich vielleicht mit der Zeit auch bekannt mache. Mein Freund hat vielleicht in manchen Stücken nur nach dem ersten Scheine und oft unreif genrtheilt, vielleicht ist er auch nicht recht berichtet wor-

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Vorbericht. den. Einem Fremden muß man hierin etwas verzeihen, denn er nimmt es alles wie er es findet, und öfters dem ersten Eindruck nach. Er hat noch gewisse politische Fehler der damaligen Zeit getadelt, die unter der itzigen Regierung Christian des Siebenden bereits verbessert und abgeschaft sind, wie man überhaupt denn gestehen muß, daß dieser König auf alles aufmerksam ist, um die eingeschlichenen Fehler zu verbessern, und sein Volk glücklich zu machen. Er will selbst regieren und urtheilen. Ein so seltenes Exempel von Fürsten! Wer zweifelt, daß er sich bey seinen Unterthanen und der Nachwelt nicht ein ewiges und unvergängliches Andenken stiften wird?

Ich habe nichts weiter zu sagen, als daß ich diesen Briefen einige Noten,

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Vorbericht.

so mit Z. bemerkt sind, hinzugefügt habe, welche Veränderungen enthalten, so nach der Zeit vorgefallen, oder Dinge, von welchen ich eines bessern belehrt war.

Lübeck,

im December 1770.

Michael Adam K*lb.

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Erster Brief.

An den Hrn. v. S.

Kopenhagen 1769.

Liebster Freund!

Nach einer langen Reise von 5 Wochen, wo ich alles Unangenehme, was mit einer Seereise verknüpft ist, ausgestanden, und von einer langen Seekrankheit ganz aus- gemergelt, bin ich endlich vorgestern glücklich in Kopenhagen angekommen. Ich habe Ih- nen versprochen, von allem was ich hier Merk- würdiges beobachtete, Nachricht zu geben, und ich sehe schon zum voraus, daß ich Müsse und

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12 Materie genug dazu haben werde. Da ich aus dem Schiffe trat, führte man mich zu dem wachthabenden Officier um meinen Paß vorzuzeigen; es war ein junger Mensch etwa 20 Jahr alt, und sein Bezeigen war eben so jugendlich. Da mein Paß rußisch und deutsch abgefaßt war, mochte er solchen vermuthlich nicht verstehen, denn er fragte mich in gebro- chen Deutsch, aus welchen Lande ich käme? Da ich endlich nach vielen einfältigen Fragen von ihm loß kam, ließ ich meine Sachen ans Land bringen. Es fanden sich wohl 20 dienstbare Geister ein, welche alle aussahen wie Raubvögel, und sehr geschäftig waren, ein Stück von meinen Sachen zu nehmen, und damit fortzueilen. Nach vieler Mühe sammlete ich solche beym Zollhause wieder, wo alle diese Leute bezahlt zu werden verlangten. Als ich jeden für einen Weg von ohngefehr 30 Schritten 6 ßl. oder nach unsern Gelde 13 Copecken bezahlt harte, war es noch nicht genug, denn jeder foderte annoch 2 ßl. zu Brandtewein. Der Pöbel, dachte ich, muß hier weit mehr

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13 diesen Getränk ergeben seyn, als bey uns, da man unsere Nation doch so sehr dafür ausschreyet. Es kostete mir also mein Mantel, mein Fußsack, meine Tobackspfeiffe, mein Theetopf und Tassen, mein Pelz, mein Flaschenfutter, kurz um, jedes Stück einzeln 8 Lß. Trägerlohn. Dieser Anfang machte mir eben keinen vortheilhaften Begrif von der hiesigen Policey, da jeder Fremder diesen Raubvögeln ausgesetzt ist. Im Zollhause kam ich unter andere Herren, ich nenne sie Herren weil etliche Degen trugen, ich merkte aber an den Umständen, daß es Visiteurs wären, ich mußte also meine Sachen auspacken und alles durchsuchen lassen. Was nur einen Anschein vom Neuen hatte, erklärten sie für Contrebande; es half alles nichts, daß ich sagte: ich wäre ein Fremder, die Sachen wären bloß zu meinem Gebrauch, und ich triebe keinen Handel damit. Endlich öfnete ich mein Flaschenfutter, und ließ die Herren meinen Wein probiren, welchen sie vortreflich fanden, ich bot ihnen den Rest von etlichen Bouleitten an, und drückte

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einem, der mir beständig nach der Tasche fahe, noch einen Rubel dazu in die Hand. Dieses fruchtete gleich so viel, daß ich meine Sachen konte wieder zusammenpacken lassen, bis auf ein Stück Manschester, welches ich mir zu einem Reisekleide bestimmt, aber nicht Zeit gehabt hatte, vor meiner Abreise Machen zu lassen, welches auf dem Zollhause bleiben mußte, mit der Bedeutung, daß es Contreband wäre. Mein 2ter Coffer aber, für welchen ich am meisten bange war, ward alsdenn gar nicht geöfnet. Einer war denn auch noch so ehrlich, mir einen Frachtwagen zu verschaffen, um meine Sachen in den Gasthof zu bringen, wo ich lo- giren wollte. Unterweges fetzte mich der Anblick vieler schönen Gebäude und Palläste in angenehme Verwunderung, doch dieses ist nur die seit 20 Jahren neu angelegte Amalienburg oder die neue Friderichstadt. Die Stadt selbst ist an und für sich nicht so schön gebauet, das Pflaster in manchen Straffen schlecht, oft nicht so gut als anderswo die Heerstrassen. Der Ort ist seiner niedrigen Lage wegen sehr sumpfigt,

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wenn es im Sommer etwas regnet, so kan man fast nicht anders als in Stiefeln durchkommen.

Es wird hier auch eine schöne Kirche von innländischen oder nordischen Marmor, Nach dem Modell der Peters-Kirche zu Rom, aufgeführet. Man sagte mir, es wäre schon 18 Jahre daran gearbeitet, und dennoch ist das erste Postement noch nicht halb fertig, welches doch schon über 594000 Rthlr. zu bauen gekostet hat. Wenn dieser Bau fertig werden sollte, welches aber wohl in 50 Jahren nicht geschehen dürfte, da nur täglich 50 Menschen daran arbeiten, so würde solcher 2277000 Rthlr. kosten; Ist das nicht ein ungeheurer

Bau? Inzwischen hat der König von Dännemark freylich nicht so viel Geld dazu als der Pabst, der bey seinen Bau in den damaligen Zeiten alle Königreiche in Contribution setzen konte, und überhaupt scheint mir dieser Bau zu groß für Dännemark zu seyn, ^1) Der Bau

1) Man hat neulich diesen für Dännemark unstreitig zu kostbaren Bau liegen lassen, und den Bau-

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meister ist, wie sich versteht, ein Franzos. Da ich immer gehört, daß Dännemark Staatsschulden hätte, seine See- und Landmacht (wie wir auch benachrichtiget waren, da Peter der 3te es bekriegen wollte) gar nicht in der besten Verfassung wären, das Land auch schlecht an- gebauet, indem die Bauern fast alle Leibeigene, eben wie in Pohlen, oder Sklaven sind, und ich dieses auch wirklich itzt so finde, so begreife ich nicht, wie die Minister dieses kleinen Staats den König zu vermögen suchen, unermeßliche Summen zu verwenden, um grosse Steinhaufen für die Nachwelt aufzuführen. Mir deuche immer, man thäte besser, wenn diese Summen angewendet würden, die Schulden des Staats abzutragen, das Land, die Handlung und Manufakturen zu verbessern, worinnen Dännemark

meister verabschiedet. Ueberhaupt sucht die itzige Regierung alle kiberflüßige und grosse Ausgaben zu ersparen, alle unndthige auch mit zu grossen Gehalt verknüpfte Bedienungen abzuschaffen, um die Unterthanen nicht mit mehreren Auflagen beschweren zu dürfen, und die bisherigen nach und nach vermindern zu können. Z.

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17 noch viel weiter zurück ist als wir, da man doch seit so kurzer Zeit erst angefangen hat uns unter die gesitteten Nationen zu zählen. Ich erinnere Mich bey dieser Gelegenheit einer Anekdote, da ein gewisser grosser König zum Dänischen Minister gesagt haben soll: Dännemark müßte doch ein gutes Land seyn, weil es die Minister mit aller Gewalt nicht ruiniren könten. Leben Sie wohl, bester Freund! Künftig ein mehreres. Berichten Sie mir doch bald was Neues von unserm Türkenkriege, denn in den hiesigen Zeitungsblättern findet man nichts als altes Zeug, das aus den auswärtigen elend abgeschrieben und 8 Tage später gedruckt wird. Ich bin & c.

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Zweyter Brief.

An den Hrn. von S.

Ich sandte heute nach dem Zollhause, um

mein Stück Manschester clariren zu lassen, wie es heißt. Der Bediente brachte mir aber die Nachricht, daß ich solches wieder zurück senden müßte, wenn ich es anders wieder haben wollte. Ich erkundigte mich, ob hier vielleicht dergleichen Fabriken wären, man antwortete mir aber mit Nein. Ich begreife also nicht, warum man dieses Zeug schlechterdings nicht einführen darf, da ich doch gerne Zoll dafür geben wollte. Die Handlung muß hier sehr eingeschränkt seyn, sagte ich nicht, sondern dachte.

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Ich war vor einigen Tagen in Gesellschaft, wo die mehresten Kaufleute auch andere in Manschester gekleidet giengen. Ich fragte voller Verwunderung, woher man solchen bekäme? man antwortete: „aus Engelland und Deutschland." Ich sagte: er ist ja verboten einzuführen, und man darf solchen öffentlich tragen? bey Uns dürfte solches Nicht geschehen. "O das schadet Nichts, hieß es, man kan ihn unter der Hand zu kauf kriegen, und dafür läßt man seinen Schneider sorgen, wenn man ihn einmal auf dem Leibe hat, so frägt niemand weiter darnach. Sogar diejenigen, so dem Zoll und Finanzen vor- stehen, tragen ihn selbst, und so gehts mit allen ausländischen Zeugen, man kan sie nicht entbehren, weil wir selbst keine Fabri ken davon haben, aber sie sind einzuführen verboten, damit der König um den Zoll be- trogen wird." (Veyläufig will ich dir nur sagen, daß man hier immer spricht: der König wird betrogen, der König hat es verboten, der König leidet darunter, der König hat es

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20 geschenket; anstatt zu sagen: der Staat thut es, der Staat giebt es; als wenn nicht König und Staat eins und eben dasselbe wäre, oder als wenn sie je von einander getrennet seyn könten. Sapienti sat! ) Ja, sagte ein an- derer, „ wenn solches erlaubt wäre, würde zu viel Geld aus dem Lande gehen und unsere Nachbaren bereichern. " Ey was, erwie- derte der erste, geht es dem ohngeachtet nicht aus dem Lande? „ So lange als wir selbst keine taugliche Fabriken haben, und derglei- chen Waaren verboten sind einzuführen, oder auch ein hoher Zoll darauf gelegt wird, so lange werden wir immer Contrebande haben; den wenigen Zoll, der sonst ehedem darauf war, ziehen itzo theils die Zollbedienten, und der König bekömmt nichts. " Aber werden dergleichen Zollbedienten nicht bestraft? versetzte ich. „ O ja, wenn sie überführt werden, so straft man sie am Gelde, oder man setzt sie auch ab. " Weiter nichts? Es ist aber doch ein Meineyd, eines der größ- ten Laster, und verdiente härter bestraft zu

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21 werden, vielleicht würde man alsdenn weniger Exempel finden. „O so genau nimmt man es nicht; wird aber ein Kaufmann betroffen, der seine Sachen nicht klug genug angefan gen, das ist, nicht genug versilbert hat, den bestraft man nach den Gesetzen, ohne zu fragen, ob die Strafe sein Vermögen über- steigt, oder ob er gänzlich mit seiner Familie dadurch ruinirt wird oder nicht." Mir deucht aber, dieses ist wieder zu strenge, denn der Kaufmann ist Bürger und bringt dem Staat und dem Könige was ein, jenen aber muß der König unterhalten; Wer verdient wol mehr Nachsicht? Jener begeht einen Meineyd an seinen Herrn, und giebt dadurch dem Kaufmann eben die Wege an die Hand; dieser thut es viel- leicht aus Noth, weil die Handlung zu sehr eingeschränkt ist, um etwas auf diese Art zu verdienen. Hat man denn hier kein CommerzCollegium, welches dahin sieht, daß dergleichen unentbehrliche Fabriken angelegt werden, so würde ja dergleichen alles von selbst wegfällen? ,,O ja, wir haben sogar ein General-Com-

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22 merz Collegium." Solches besteht viel-

leicht aus erfahrnen Kaufleuten und Fabrikeurs? ,,O Nein! es besteht aus lauter vornehmen Räthen.'' 2) Aber haben die auch die

2) Dieses Collegium ist seit einiger Zeit vielen Ver- änderungen unterwerfen gewesen, wiewol eben nicht zur Aufnahme der Fabriken, des Handels und Manufakturen. Ja es ist gewiß, daß der größte Theil ihrer Fabriken durch diese Veränderung gelitten. Man hat endlich die Direktion des Königlichen Fabriken-Magazins und die ganze Wohlfahrt der Fabrikanten einem Kaufmann, dem man nie andere als Wechselkenntisse zugetrauet, übergeben. Einige sagen: er bekäme desfalls Besoldung, um die Vorstellung bey dem Collegio, zu thun, und die Materialien für die Fabriken zu verschreiben, es ist die Frage nicht, wie viel er darauf verdient, oder ob er solche aus der ersten Hand bekömmt, oder ob er den Fabrikanten Leonesische Wolle für Segovische verkauft. Genug, er hat hem Collegio. versichert, daß durch diese Einrichtung die Waaren 20 bis 30 Procent wohlseiler werden müßten, und man hat ihm auf sein Wort geglaubt. Einige Fabrikeurs versichern, und die Erfahrung, hat gelehrt, daß die rohen Materien nochmal so viele Procente theurer ge- worden. Ds Königl. Magazin steht ihm über-

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hinlänglichen Einsichten dazu? „Davon ist die Frage nicht; es ist nur mehrentheils er- richtet, damit die Herren Aemter und Ge- halt haben. Der König hat zwar einen ansehnlichen Fond zur Aufnahme der Fabri- ken und des Handels vestgesetzt, aber diese Herren ziehen das Drittel an Gehalt, und wieder ein Drittel, wenn einem oder andern Fabrikeur zur Aufnahme der Fabriken etwas

dies annoch von allen angekauften und verkauften Waaren gewisse ansehnliche Procente zu. Um es dahin zu bringen, daß die Fabrikeurs keine rohe Waaren selbsten verschreiben könnten, suchte er ihren Credit durch eine Königl. Verordnung ausser Landes zu schwächen, daß nemlich alle Forderungen des Generalmagazins an die Fabrikeurs gleich als alle andere Königl. Forderungen angesehen werden sollten, und für allen andern den Vorzug haben; und man muß gestehen, daß er dadurch seinen Endzweck erlangt hat. Die Folge aber davon ist, daß er die besten Dänischen Fabriken unter seine Vormundschaft zwingt, selbst welche auf Kosten des Generalmagazins, oder, welches gleich viel ist, für sich anlegt, und dieses alles muß ihn um so viel leichter fallen, weil er den Fond des Generalmagazins dazu brauchen kan. 3.

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„bewilliget wird, geht es mit Präsenten auf, um solches zu erlangen, und gemeiniglich kriegen es bereits bemittelte Leute, oder Aus- länder, welche diese oder jene Fahrike en trepreniren wollen, und selber nichts davon verstehen, solche gleich zu groß anlegen, Pferde und Carosse halten, bankerot wer- den, wieder Geschenke machen, und von neuen Vorschuß erhalten. Einem Hand- werksmann, der das seinige gelernt hat, wird es selten gelingen etwas zu erhalten, und daher kommt es theils, daß wir nie taugliche Fabriken haben. Eine einzige französische Huthfabrike hat dem Könige über

30000 Rthlr. gekostet, und nicht einen Schilling hat er Wieder erhalten." Haben sie denn gar keine Huthfabrike? „O ja, wir haben schon lange einige recht gute, besser als in Deutschland, gehabt." Ja so wundert michs nicht, daß sie keine Fabriken haben. ,,Wir haben zwar einige wenige gute Fabriken, besonders eine vortrefliche Lacken-

fabrike, welche jährlich gegen 700 Men-

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25 scheu ernährt; " Und wie ich neulich aus einen neu herausgekommenen Traktat, vom Nutzen der Manufakturen, besonders für Dänne- mark, ersehen habe, daß selbige in 14 Jahren über 235000 Rthlr. Arbeitslohn allein ausgegeben. Ich bin & c.

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26 Dritter Brief An den Hrn. D.

Man nahm zur Zeit, da unser unglückliche Peter der Dritte Dännemark bekriegen wollte, einen Französischen General zum Chef der Landarmee an, ob er zwar noch nie- mals eine Armee geschlagen hatte. Weil man aber nun in Dännemark über 40 Jahre Friede gehabt, glaubte man vielleicht keinen geschicktern Mann unter sich zu finden, der im Stan- de wäre eine Armee zu commandiren, und dazu fand man keinen besser als einen Franzosen, welcher noch dazu, wie man bey uns wissen wollte, sich vom Mönch bis zum General aufgedient hatte. Dieser Mann glaubte nun also, Dännemark mit seinen Gaben und Kennt- nissen dienen zu müssen. Er machte einen Plan

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mit der einem Franzosen ähnlichen Leichtigkeit, eine starke Armee zu unterhalten, bloß aus dem Grunde, weil solche der König von Frankreich und Preussen unterhielte. Hätte der gute Mann nur die Berechnung unsers Büschings gelesen oder gekannt, der in Frankreich 20 Millionen Menschen und in ganz Dännemark nur 2 rechnet: so würde er die Proportion besser getroffen haben; oder wenn er nur Dännemarks Lage hätte betrachten wollen, die, wenn es nur durch eine gute Seemacht gedeckt ist, keiner grossen Armee bedarf. Seinem Plane zufolge mußte die Armee mit vielen Officiers vermehrt werden; er theilte die Regimenter in 14 Compagnien, (anstatt daß selbige vorhero und an allen Orten der Welt wol nur höchstens aus 12 Compagnien bestehen,) und diese, so vorhero 90 Mann stark waren, wurden alsdann nur 66 Mann. Der König hatte weniger Soldaten aber desto mehr Officiers, und man wird bey genauer Nachsicht finden, daß diese neue Einrichtung über 300000 Rthlr. jährlich mehr kostet. Um diese Kosten aber

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herbey zu schaffen, wußte sein erfindsamer Geist leicht Mittel zu finden; Er ließ alles Gewehr aus dem Arsenal für den dritten Theil dessen was es vorher gekostet verkaufen. Reitsättel, so 8 Rthlr. gekostet, wurden für 2 verauctionirt. Er ließ Cavallerie-Regimenter eingehen, um Landmilitz zu errichten; Pferde von 50 bis 70 Rthlr. wurden für 15 bis 20 Rthlr. verkauft. Er sann immer mehr auf Mittel seinen Plan auszuführen, und die Kosten dazu zu erhalten. Er ließ Vestungen demoliren, um die Lavetten von den Kanonen verkaufen zu können; und es lag nicht an ihn, einen Theil der Dänischen Kriegsflotte zu verkaufen, wenn es sich ohne viel Aufsehen hätte können thun lassen. Dieser Mann hatte vermuthlich die Meynung, daß Vestungen schädlich in einem Reiche wären, und daß eine gute Armee die beste Vestung wäre; dem zufolge wollte er eine der besten von der Natur selbst bevestigten Grenzvestungen eingehen lassen, weil zur Unterhaltung derselben viele Kosten erfodert würden. Wem auch nicht ein gewisser Minister

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29 aus patriotischen Eifer sich dagegen gesetzt, würde er seinen Endzweck erlangt haben. Sehen Sie, dies war der fürchterliche Mann, der unsere Armeen schlagen sollte; ich glaube auch, es würde seinem erfindsamen Geiste wenig gekostet haben sie ganz zu ruiniren, wenn nicht zum Unglück für ihn unser armer Peter der Dritte (ein so lehrreiches Beyspiel für alle Regenten!) zu bald vom Schauplatz der Welt abgetreten wäre.

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Vierter Brief.

An den Hrn. v. S.

Die Rechtsgelehrsamkeit ist hier zu Lande kein Studium, denn das Gesetz ist so plan und deutlich und dem Lande so angemessen, daß noch kein Land bisher ein besseres aufzuweisen gehabt hat. Dem ohngeachtet sind die Processe und Chikanen in den Untergerichten wohl in keinem Reiche häusiger als in diesem, und dauren oft eben so lange als die Partheyen etwas zu verproceßiren haben. Es gehört auch nicht viel dazu Procurator zu werden. Ein junger Mensch läßt sich als Bedienter den einen Procurator annehmen, er wird alsdann Schreiber, und wenn er die Chikanen gelernt, Gevollmächtiger seines Herrn, alsdann kan er für sich im Namen seines Herrn die Leute, die

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31 sich ihm anvertrauen, so viel prellen als er will. Seit der Publication des Dänischen Gesetzes Hat man aber solches nach und nach 40 bis 50 mal stärker gemacht; vorher machte es nur einen kleinen Duodezband aus, nunmehr besteht es aus 17 Qvartbändern. Man ist genöthigct gewesen, theils durch viele Verdrehungen der Rechtsgelehrten und anderer Umstände (wovon die Unvollkommenheit aller menschlichen Geseze wol nicht der kleinste seyn möchte) viele Hundert Verordnungen und Gegenverordnungen zu machen, welche izo eben so viele Widerspräche enthalten. Der König hat zwar bereits vor etlichen 30 Jahren verschiedenen Männern aufgetragen, einen ordentlichen Codex herauszuziehen, und dazu 400 Rthlr. Pension vestgesezt, es ist aber noch wenig oder nichts daran gearbeitet; die Leute sind gestorben, die Pension aber ist immer von Mann zu Mann richtig herunter geerbt worden, ohne dafür etwas gethan zu haben. Hieraus können Sie leicht sehen, wie nöthig ein deutliches klares Gesez und eine strenge Instruction und Aufsicht

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32 über die Richter und Advocaten sey. Unsere weise und grosse Keyserinn hat dieses sehr wol ringesehen; wir erhalten durch ihre vortrefliche Anordnungen ein Gesez, daß wol nicht seines Gleichen hat, ein Volk glücklich zu machen. Hier giebt es Fälle, wo das Gesez gar nichts taugt. Hat ein Advocat eine Sache so er vor Gericht nicht durchtreiben kan, so kömmt er, seiner Gegenparihey unwissend, in den Canzeleyen damit ein, und erlangt oft seinen Gesuch, alsdenn darf nicht weitet appellirt werden, denn dieser Spruch ist entscheidend. Neulich schloß, zum Exempel, ein Mann mit einen andern einen Kauf um ein Haus, weil er aber hernach von seinen Freunden Und Verwandten erfuhr, daß er zu theuer gekauft, wollte et vom Handel zurücktreten. Es kam zum Proces, weil aber der Kaufcontract und alles rechtsförmig unter- schrieben war, konnte der Advocat vor Gericht Nicht damit durchdringen; er kam also in der Canzeley ein, die Verwandten baten diesen Menschen für unmündig zu erklären, indem er diesen Fehler aus Schwachheit des Verstandes

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33 begangen, die Canzeley erklärte ihn wirklich für unmündig, und sprach ihm den Verstand ab, den er Gottlob noch heutiges Tages haben soll, und der Kauf ward nicht gehalten. Sie haben vielleicht auch nicht nie geglaubt, daß man die Uebersezung eines Originals, die mit Wissen und Willen des Verfassers, der dazu sein Recht an niemand verkauft hatte, gedruckt worden war, für einen unächten Nachdruck erklären würde, und doch ist dieses bey einem der bekanntesten Bücher hier geschehen.

Ich bin & c.

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Fünfter Brief.

An den Hrn. von D.

Es giebt hier noch einen Ansschuß von Ge-

richtspersonen, im Fall jemand aus einer Familie stirbt, und den nennt man das Schiftegericht. Jeder Etat hat desfalls seinen besondern Schifteverwalter, und bey solchen Sterbefällen wird alles gerichtlich versiegelt. Dieses ist freylich eine nöthige und gute Veranstaltung für Unmündige, aber es entsteht sehr viel Unrecht und Mißbrauch daraus. Diese Schifteherren werden gemeiniglich in kurzer Zeit bemittelte Leute. Sie verschlingen das Erbe der Unmündigen und anderer durch lange Verzögerung des Schliessiens der Sterbbude. Je mehr Vermögen da ist, desto länger dauert eine solche Schifte. Man hat Exempel, daß

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wol so eine Sterbbude 10 bis 16 Jahren und länger gedauert hat; denn je länger es währt, je mehr häufen sich die Sporteln und Procente, und desto länger können diese Herren die eincaßitten Gelder nutzen. Hat ein Mann eine Schuldfoderung an einer solchen Sterbbude, und er kan sein Geld nicht bis zum Schluß entbehren, so wendet er sich an den Gevollmächtigten oder Schreiber des Schifteverwalters, wenn er da nur die grosse Kunst versteht, ein ansehnliches Geschenk zu machen, oder sich von der Rechnung wenigstens 25 Procent abziehen und voll quitiren zu lassen, so kan er wol sein Geld erhalten. Thut er dieses nicht, so muß er sicher bis zur Schliessung warten, wenn auch Vermögen genug zur Bezahlung da wäre. Noch einträglicher ist eine Schifte, wenn nicht Vermögen genug da ist, die Creditores zu bezahlen, und die Erben sich lossagen; alsdenn können diese Herren mit den Gläubigern accordiren wie sie wollen. Es geschichet wol, daß niemand was erhält, und es darf sich auch niemand unterstehen ihre Berechnung zu unter

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36 suchen. Wie nöthig wäre es, daß man diesen Herren Oberansseher fezte; wie viele Unordnung muß nicht daraus entstehen, wenn ein armer arbeitsmann sein Geld, welches vielleicht manchmal sein ganzes Vermögen seyn kan, nicht erhält, oder, welches gleichviel ist, nicht zur rechten Zeit erhält. 3)

3) Durch eine neuere weise Verordnung der Regierung ist diesen Mißbrauch auch so viel möglich abgeholfen. Der König hat sich ein Verzeichniß von allen noch ungeschlossenen Sterbbuden und den Ursachen derselben einsenden lassen, und sucht durch andere eben so vortrefliche Anordnungen den Geschäften mehr Betrieb und Wirksamkeit zu geben, als sie bisher gehabt haben.

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37 Sechster Brief. Un den hrn. N.... Der vorige König Friderich der Fünfte wat ein grosser Liebhaber der Wissenschasten Künste, und hat zu deren Aufnahme vieles verwendet. Er stiftete eine Akademie der Künste, wozu verschiedene berühmte Künstler, Mahler, Bildhauer, Kupferstecher und andere berufen worden. Er sichte einen Fond vest, um verschiedene Landeskinder reisen zu lassen; diejenigen, welche sich am meisten hervorthaten, erhielten goldene Medaillen zum Preis, und alsdann ein Gewisses reifen zu können, um sich bey den Ausländern in ihrer Kunst mehr vestzufeßen, und man muß bekennen, daß die Dänen es darin schon weit gebracht und viele geschickte Männer gezogen ha-

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38 den. Diese löbliche Stiftung des besten Königs wäre allein schon hinlänglich seinen Ruhm unsterblich zu machen; und man kan hieraus sehen, daß es der Nation vielleicht nur an einer gewissen Art von Aufmunterung und Anführung fehlt, um zur Vollkommenheit ihrer Nachbarn zu gelangen oder sie wol gar zu übertreffen. Dieser vortrefiiche König that auch alles, um Wissenschaften und Künste in seinem Lande blühend und die Unterthanen glücklich zu machen. Er belohnte die Verdienste des größten Dichters Deutschlands, welchen sein Vaterland selbst unbelohnt ließ, weil es seinen Werth nicht kannte, und sezte ihm ein jährliches Gehalt aus, um ihm die zu seinen erhabenen Gedichte nöthige Müsse zu schenken. Alle Gelehrte, so gemeinnützige Werke projectirten, erhielten die dazu nöthigen Kosten, und der Nuzen davon gehörte ihnen. Dieser Mildthätigkeit haben die Dänen verschiedene Originalwerke zu danken, als z. B. den Dänischen Vitruvius. Nordens Voyage d’Egypte, Oeders Flora Danica, Krafts Mechanie, und andere. Frey-

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lich projectirte auch wol zuweilen ein Gelehrter ein Werk, welchen er nicht gewachsen war, und dem er kein Genüge leisten konte, sondern wobey er vielleicht nur etwas zu erwerben suchte. Hierher gehören vielleicht der Dänische Atlas, die Geschichte des Oldenburgischen Stammes, Regensusses Muschelwerk und die F. D. Der Hr. Pastor und Rath Schäffer hat zu einer Nürnbergischen Insektensammlung sogar 2000 Rthlr. erhalten. Die Absicht des Königes war dabey doch immer sehr preiswürdig; nur diejenigen, so ihm solches vorstellten, hätten dergleichen besser einsehen und auf die Hauptabsichten der Verfasser mehr Acht haben sollen. Bey uns und in andern Ländern würden dergleichen Werke freylich den 6ten Theil Kosten erfodern, und dennoch um den 3ten Theil wo nicht die Hälfte wohlfeiler seyn, ohne daß der König die Kosten dazu bezahlt hätte; aber in einem Lande, wo Papier und Druckerkosten so theuer sind, konte es freylich noch entschuldiget werden. Bey uns läßt dergleichen Werke die Akademie der Wissenschaften auf ihre Kosten

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drucken; man hat mir zwar gesagt, es gäbe hier auch akademische Vuchführer, es hätte aber kein einziger ein solch Buch noch weniger ein akademisches Buch im Verlag. 4) Jur zwischen mag man sagen was man will, so hat Dännemark dadurch doch eine Flora Danica. erhalten, dergleichen, wenn sie vollständig wird, welches freylich nicht gesthehen dürfte, so Lange ein Faden Gras annoch aus der Erde

wächst,

4) Ja es ist ganz was anders, die Autores wollen, selbst ihre Bücher verlegen, daher kommt es, daß man in Dännemark Gelehrte hat, die selbst Buchsührer find, wie sie der herr zu nennen beliebtMeiner Einsicht nach kan dieses eben nicht zur Ausbreitung der Wissenschaften dienen, denn wie kan ein Autor megen des Betriebs eines einzigen Buchs die Correspondence sich erwerben, die bereits ein Buchhändler hat. Giebt ers auch einen. in Commußion, so sind ihm doch, die Hände gebunden, es ist nicht sein Eigenthum, er kan nicht damit schalten wie er will, solches muß noth- wendig, die Ausbreitung der Litteratur sehr verhindern, es folget auch daraus, daß man in den @Provinzen gerne oft ein Buch hätte und drey- doppelt bezahlte- das in Kopenhagen Maculatur

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wächst, mit samt ihren Fehlern noch kein Reich in Europa aufzuweisen hat, wenn sie auch noch so viel gekostet hätte. Der König gab auch einen sehr würdigen gelehrten Dänen eine Pension von 300 Rthlr.; man hat zwar von seinen eigenen Arbeiten weiter nichts als ein vortrefliches Punschlied, aber sehr gute Ueberse- zungen. Diesem guten Könige hat man auch die Veranstaltung der Reise einer gelehrten Gesellschaft nach Arabien zu verdanken, auf deren Entdeckung ganz Europa begierig war und noch ist. Wie sehr ist es aber für uns und die Nachwelt zu bedauern, daß die ganze Gesellschaft auf der Reise gestorben ist bis auf den Hrn. Capitain Niebuhr, welcher neulich zurück gekommen ist, und nun an der Ausgabe seiner Reisebeschreibung arbeitet. Die Naturhistorie und verschiedenes andere, welches durch die Kenntnisse seiner Mitreisenden mit verstorben, wird uns freylich darin fehlen, inzwischen wird es immer ein unschäzbares Werk für die Welt werden, welche solches mit Verlangen erwartet, und ein lauteres redenders Denk-

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mal des Menschenfreundes Friedens seyn wird, als die prächtige Statüe, welche die Asiatische Compagnie errichtet und gegen 500000 Rthlr. kosten soll.

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43 Siebenter Brief. An den hrn. v.*** Es ist hier, liebster Freund, ein erstaunen- des Exempel eines Kaufmanns, welcher durch seinen Reichthum zu den größten Ehren- stellen gestiegen; wo er solchen erwarb, das weiß Gott, die S*chf*n und der K. v. P. Um seinen Reichthum desto sicherer zu geniessen, begab er sich in den hiesigen Schuz. Man machte ihn zum Edeln, zum R. und endlich zum M. und Oberausseher des C. C. Dem ohngeachtet blieb er Kaufmann, und die hiesige Kaufmannschaft betet ihn an, als gewisse wilde Völker ihren Götzen. Er hat den steigenden und fallenden Cours in Händen, und weiß aus den hiesigen papiernen Geldern den rechten Werth zu ziehen. Um dieses zu können darf

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er nur auf sich selbst traßiren, (denn er besitzt in vielen Ländern Comtoirs). Hat er Wechsel zu verkaufen oder einzukaßiren, so bezahlt man solche immer höher als bey andere, und doch rechnet man sichs noch zur Ehre mit ihm Ge-

schäfte machen zu können. Der Cours steigt und fällt, so wie er Gelder auszuzahlen oder einzunehmen hat; und da der Cours größten- theils hoch ist, so ist dies immer ein sicheres Merkmal baß er mehr zu heben als auszuzahlen hat. Um diesen Mann desto vester im Reiche zu halten, verkaufte man ihm alle Plantagen in W. I. so der Krone zugehörten, für 400000 Rthlr., und zwar mit der Bedingung, sie in 8 Jahren zu bezahlen. Diese brachten der Krone ehedem jährlich 60000 Rthlr. ein, wie man sagt. Wenn diese Rechnung wahr ist, so könte er selbige innerhalb 7 bis 8 Jahren mit den eigenen Einkünften bezahlen, und hätte

sie denn umsonst. Gesetzt, daß solche auch

vorher durch schlechte Verwaltung und Aufsicht

etwas verfallen gewesen, so konten sie ja all- mal durch bessere Anstalten und eine mägtige

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Summe wieder in Stand gesetzt werden. Noch mehr, er erhielt in diesen Kauf eine schöne Zuckerrassinaderey mit allen Zubehör oben darein, und ein Packhaus, so in allem 140000 Rrhlr. werth, ihm ibo die Interessen vielleicht doppelt einbringen, und was zugleich das Veste, er ist der Mäckler des Staats. Das Dänische Papiergeld fallt immer mehr und mehr im Cours; Man hat zwar die Kunst verstanden, selbiges dann und wann auf eine kurze Zeit zu heben, aber es kan in der Länge doch nicht bestehen. Den größten Stoß leiden die Banknoten durch die Zinsen so die Ausländer in grossen Summen jährlich für die auswärtigen Schulden des Reichs ziehen; man muß desfalls die Unterthanen mit grossen Aussagen belegen, welche sie und das Reich arm machen, ohne das Ende dieser Plagen zu sehen. Und dies ist noch nicht der einzige Stoß welchen das Dänische papierne Geld empfängt; denn die Ausländer haben eben so viel Antheil an den Actien der Kopenhagener Banque, wo nicht mehr, als die Unterthanen, und diese ziehen jährlich 16

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Procent für ihr Capital. Was durch die Leihebanque und endoßirten Wechsels der Kaufmannschaft verdient wird, die ihren sauer erworbenen Schweiß manchmal dahin trägt, das ziehen die Ausländer an baarem Gelde, und die Danen behalten am Ende nur ihre Papiere. Der König sogar selbst, wenn er Geld oder Zettel aus seiner Bank haben will, verintereßirt solche mit 4 Procent. Was noch überdies ihren Papieren und einen Theil von Europa schädlich wird, ist die Asiatische Compagnie; diese zieht alles noch übrige Silber und Gold aus dem Lande für Waareu die sie bey ihren Nachbaren eben so wohlfeil und besser haben können als aus China. Es ist ein schädlicher Grundsatz, den die europäischen Fürsten angenommen, immer ihre Nachbaren schwächen zu wollen, da dies fast doch nicht anders als auf Kosten ihrer eigenen Unterchanen geschehen kan, und was muß und soll doch genauer vereiniget seyn als das Interesse des Fürsten und der Unterthanen? Kein Fürst will zulassen, etwas von den Mas nufacturen eines andern Staats in den feinigen

ein-

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47 einzuführen, ob er sie zwar selbst nicht haben noch entbehren kan, anstatt daß ein jeder Fürst trachten solte, seine Landesprodukten recht zu nutzen, und dem Handel dadurch ein Leben zu geben, indem die Nachbarn ihre Waaren gegen einander vertauschen würden. Derjenige frey- lich der dabey am nachläßigsten wäre, würde am mehresten leiden. Man könte mir einwerfen, ein jedes Land hätte nicht die Beschaffenheit, so viele Manufakturen und Produkte zu liefern, daß es mit seinen Nachbarn Gleichgewicht halten könte. Ich läugne dieses aber und behaupte, es kömmt auf den Fleiß, Aufmunterung und Unterstützung an. Ein einziges Exempel anzuführen: Hamburg, vormals eine mäßige Stadt, ist dennoch durch ihre Fabriken und die Freyheit ihres Handels, die Krone von allen Handelsstädten Deutschlands geworden. Sie hat und pflanzt nichts von selbst, was sie nicht von andern kaufen muß, und dennoch kan sie mit ihren fabricirten Waaren alles und mehr eintauschen als sie braucht, und mit dem Ueberfluß des Eingetauschten noch Handel

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und Vortheil machen. Ein Land müßte sehe von der Natur verwahrloset seyn, das nicht selbst Mittel zu einer oder der andern Manufaktur bey sich finden solte, was darin gebauer und aus der ersten Hand käme, und folglich wohlfeiler liefern könte als sein Nachbar. Man wende mir nicht dawider ein, die Natur hat ein jedes Land mit Sachen begabt, welche das andere nicht hat, denn es kömmt nur darauf an, solche mit Nutzen zu gebrauchen und so zu cultiviren, daß die Nachbaren sie nicht entbehren kön- nen, und dafür ist ein jeder Monarch in diesen Zeiten, da wir einmal so viele Bedürfnisse haben die unsere Väter nicht kannten, zu sorgen ver- bunden, wenn er sich und sein Volk nicht arm sehen will.

In einer Republik verhält es sich anders, jeder ist den andern gleich, und darf nicht mit vielen Kosten, Mühe und Bestechungen um Privilegien ansuchen, Die Unterstützung findet er bey seinen Mitbürgern, weil sie nicht

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49 furchten dürfen, daß ein Verbot sie und ihr Vermögen ruinirt. 5)

5) Man arbeitet zwar hier nunmehro stark an der Verbesserung des Landbaues; man errichtet mit grossen Kosten Landverbesserungs-Collegia; man stiftet ökonomische Gesellschaften; man schreibt häufig ökonomische Schriften, worin manches Gute enthalten; man schreibt auch von Verbesserung der Manufakturen, und dieses ist um so viel nöthiger, weil man deren Betrieb über die Verbesserung des Landbaues fast ganz aus der Acht gelassen hat. Es ist nicht zu leugnen, daß in den Landbau bereits viele gute Verbesserungen gemacht, und noch mehrere im Werk sind, wie z. B. die Aufhebung der Leibeigenschaft. Man muß hierin die Gesinnungen des Königs preisen, der sehr eifrig ist, einen so zahlreichen Theil seiner Unterthanen die natürlichen Rechte der Freyheit und des Eigenthums wieder zu geben, die sie so lange durch die Unterdrückung der Grossen haben entbehren müssen. Einige wenige von ihnen verdienten hier als wahre Patrioten und Menschenfreunde genennt zu werden; sie, die die ersten waren, auf ihren Gütern diese Schande der Menschheit aufzuheben, und die gekränkten Rechte derselben wieder herzustellen. Allein, alles wird umsonst seyn, wenn sie nicht auf Mittel denken, die erste Quelle

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50 Vergeben Sie mir diese Ausschweifung, welche der Gedanke an mein Vaterland verur-

sachte,

zu stopfen, woraus das mehreste Elend der Unterthanen entsteht; ich meyne die Reichsschulden. Die Bezahlung der Zinsen allein hemmen den Erfolg aller andern zur Landesverbesserung abzielenden Bemühungen und Einrichtungen; die Zinsen ziehen jährlich über eine Million baares Geld aus dem Lande, und die Dänen bezahlen solche durch den Gehalt ihrer Papiere gegen die Münzen der Ausländer gerechnet und die Provision der Wechseler und Mäckler, mit hindurch den Cours mehr als doppelt. Ein gewisser Autor hat neulich zu Bezahlung dieser Schulden ein sehr kurzes und leichtes Mittel angegeben; er beweiset, der König hätte nicht nöthig seines Vorfahren Schulden zu bezahlen, und das aus diesem Grunde, weil solche nicht zum Besten des Landes verwandt worden; wo aber dieses die Anleiher voraus haben wissen sollen, ist wol eine andere Frage. Ueberhaupt hat sich der gute Mann wol zu wenig mit den Folgen bekannt gemacht, welche ein dergleichen Unternehmen nach sich ziehen würden, und welche jeden Denkenden in die Augen leuchten müssen, wenn auch der König von Dännemark in der Verfassung wäre, solches thun zu können, welches aber sehr in Zweifel gezogen werden kan.

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51 sachte, ich vergesse daß ich in Dännemark bin, und Ihnen dessen Verfassung berichten will. Um wieder auf den Handel nach China zu kom- men, solcher mit der Zeit ein Verlust nicht allein für Dännemark sondern auch für den größten Theil Europens. Man schleppt das baare Gold und Silber dahin, um Kräuter, Spinnweben, Porcelainscherben und gemahlte Puppen zu holen, welches man in Europa alles und weit besser hat; sogar unser eigenes Vater- land ist auch schon von dieser Seuche angesteckt. Man hat dem itztregierenden König gesagt, es wären dies die einzigen Produkten wodurch Dännemark Geld von seinen Nachbarn zöge, aber man hat nicht dabey gesagt, daß der größte Theil der Aktien den Ausländern gehört, und daß man das Silber, so man einige tausend Meilen mit grosser Lebensgefahr und Ausopferung vieler Menschen dahin schleppt, von ihnen theuer kaufen muß, und daß der Verdienst mit dem was im Lande bleibt, und mit dem was die Ausländer darauf und auf dem Cours der Papiere gewinnen, gleich aufgeht, wo nicht

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gar mehr verlohren wird. Ein Däne machte mir einst bey Aeusserung dieser Gedanken den Einwurf: Ein ausgebreiteter und weiter Han- del wäre doch das beste für einen Staat. Frey- lich; aber dieses ist ja in allen Verstand ein sehr eingeschränkter Handel. Ich weiß nicht, wie man hier in vielen Stücken so selchte Begriffe hat. Spricht man von einem ausgebrei- Handel, so versteht man einen weit entfernt geführten Handel; redet man von einem freyen Handel, so glaubt man, es müsse alles frey seyn, auch was man selbst im Lande bereits hat; heißt es, daß man den Handel sperren soll, so muß alles verboten seyn, auch was man nicht hat, auch nicht entbehren kan. Das rührt aber wol daher, daß die Herren Comm. Dir. nicht viele Einsicht vom Handel zu haben scheinen. Neulich hatte einer dieser Herren den Einfall, sogar allen ausländischen Witz und Gelehrsamkeit verzollen zu lassen. O wie arm würden die Dänen alsdenn seyn, wenn sie diese Einfuhr hemmeten! Doch ich schweise zu weit aus, und habe Ihnen vielleicht mehr

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geschrieben als Sie lesen mögen, Sie sollen dabey die Erlaubniß haben, so vielmal zu gähnen als Sie wollen, wenn Sie es nur nicht ungelesen lassen, sonst schreibe ich Ihnen ein andermal nichts. Ich bin & c.

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54 Achter Brief. An den Hrn. von P.

Mein lieber P.

Dännemark ist noch das Land, wo man die Teufel ausrreibt. Wer solte dies in diesen aufgeklärten Zeiten und bey der hier durchgängig herrschenden Lutherischen Religion vermuthen? Aber nichts ist gewisser. So viele Menschen gebohren werden, so viele Teufel kommen mit auf die Welt; der Prediger muß solche allemal erst wieder heraus treiben; inzwischen deucht mir, sollte man den Teufel am allerwenigsten bey neugebohrnen Kindern suchen. Es ist bey der hiesigen Kirche auch der Gebrauch, daß wenn einer stirbt, der Priester in eigener

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Person dreymal Erde auf dessen Sarg werfen muß. Der Pöbel glaubt, daß wenn es unterbliebe, er nicht wieder aus der Erde würde auf- erstehen können. Wenn der Kirchhof etwas weit entfernt oder schlecht Wetter ist, hat der Geistliche die Erlaubniß es sich bequemer zu machen; er geht nemlich in des Verstorbenen Haus, nimmt ein Stück Erde und wirft es auf dem Sarg, alsdenn kan man den Verstorbenen begraben wo man will. Schade! daß selbst die guten Gebräuche oft in Misbräuche und Ungereimtheiten ausarten, und die Geistlichen selbst theils dazu Anlaß geben, theils sich oft Vorwürfen aussetzen, die nur gar zu gegründet sind! Solte man nicht besonders wachsam darauf seyn, die Religion und alles was damit in Verbindung steht, nie anders als in einer ehrwürdigen Gestalt zu zeigen? Es fehlt zwar bey uns auch nicht an abgeschmackten und seltsamen Religionsgebräuchen, allein Sie wissen, wie wir es bedauert haben, daß man dadurch Gelegenheit gebe, die Hauptsache verdächtig zu machen, da so wenig im Stande sind, das We-

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56 sentliche von den Zusätzen genug zu unterscheiden. Daß doch die Leute nicht einsehen wollen, daß dadurch der Freygeisterey und dem Unglauben mehr Nahrung gegeben, und ihre Religion untergraben wird.

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57 Neunter Brief.

Kopenhagen hat den gelegensten und vor- theilhaftesten Hafen in ganz Europa, und dennoch bedeutet der Handel nicht viel, wenn man ihn mit anderer Völker ihren vergleichet. Es ist der Mittelpunkt und Schlüssel zur Ost-und Nordsee; es könte der größte Stapel und Speditionshafen für die ganze Ostund Nordsee seyn, anstatt daß nun die Ausländer ihre Produkten den Hafen vorbey führen, und solche direkte an Ort und Stelle selbst liefern, und dadurch den Dänen den Vortheil entziehen, den sie der Lage wegen haben könten. Ja sogar was sie selbst brauchen, lassen sie sich von Ausländern zuführen. Sie könten, wenn sie ihren Hafen recht nutzten, größtentheils alle andere Manufakturen und Fabriken entbehren, und dennoch mit dem was sie dadurch verdien-

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56 ren, Balance mit allen ihren Nachbarn halten. Aber sie machen lieber Projekte, um mit vieler Gefahr und ungewissen Gewinst Kräuter aus China zu holen, oder einen Handel nach Mißi- sippi anzulegen, da sie doch Silber vor ihrer eigenen Thüre haben. Man wird zwar antworten, daß die Dänen zu sehr au Traktaten mit auswärtigen Seemächten gebunden sind; allein, könten sie nicht die bequeme Zeit abwar- ten solche auch nach und nach wieder aufzuheden, eben wie die andern die Zeit wahrgenommen solche zu errichten. Freylich würden es die Ausländer, besonders die Holländer, Lübecker und Hamburger, nicht gerne sehen, wenn die Dänen ihren Hafen nutzten wie sie könten. Es war zwar einmal dazu ein Projekt im Vorschläge; mau ließ zu dem Ende schon einen schönen botanischen Garten, welcher über 70000 Rkhlr. anzulegen gekostet, rasiren, um Packhäuser zu bauen; es war aber ein Unglück daß es an Kräften fehlte selbiges ins Werk zu fezen. Man lud die Holländer dazu ein, welche aber lachten. An allen Unternehmungen

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sollen die Ausländer Antheil haben. Man hat neulich eine Lotterie projektirt, um die Schulden der Westindianer ohne ihr Wissen und Dank an die Holländer zu bezahlen, wozu auch die Holländer das mehreste beytragen sollten. Ich zweisle aber, daß solche jemals zu Stande kömmt; über dieses find es auch nur drey Kaufleute, die für die Wiederbezahlnng des Capi- tals garantiren, und die Bezahlung ist so weit ausgezt, daß diese drey contoirs gerne aussterben können. Der Vortheil für die Anleihe ist übrigens vortheilshast genug.

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Zehnter Brief. Niemand geht allhier zu Fuße, alles fährt in Carossen. Man sollte schwören, daß Podagra hätte hier seinen Sih aufgeschlagen. Vom größten Minister bis zum kleinsten Handwerksmann fährt alles. Allein, der wahre Grund hievon liegt wohl darin, daß der Kleine immer der Aske des Grossen ist, weil er sieht, daß er nicht angesehen ist, wenn er es den Grossen nicht gleich thut; daraus entstehet auch, Daß die bemitteltsten Bürger sich Titel kaufen, um ein Ansehen und Rang über andere zu erhalten. Es ist nichts Seltenes, daß ein Krämer sich zum Kanzlenrath oder Justißrath machen läßt, ohne jemals zu erfahren war in der Kanzeley vorgeht, oder einen Begrif zu haben was die Justice für ein

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Ding ist. Ein Kaufmann glaubt daher genöthiget zu seyn, sich einen hohen Titel zu kaufen; selbiger kostet viel; der Aufwand wird groß, um sich seinem Stande gemäß aufzuführen, und dadurch schwächt er in der Folge seine Handlung. Die Titelsucht ist überhaupt wol in keinem Reiche grösser und mannigfaltiger als ' in diesem. Ein Bedienter, so bey einem Herrn am Hofe eine kurze Zeit gestanden, wenn er sich in die Gewogenheit seines Herrn einzuschmeicheln weiß, allenfalls eine schöne Frau oder Schwester hat, erhält auf dessen Empfehlung alsdann sogleich eine Zollbedienung oder gar eine Stelle bey der Justiß, ohne was davon zu verstehen. Man hat Beyspiele, daß solche Leute kaum ihre Namen haben schreiben können, aber es giebt ein bequemes Mittel dabey, nemlich sich Gevollmächtige zu Halten; es dauert nicht lange, so muß ein solcher Mann wenigstens Justißrath werden. Ich sende Ih- nen hiebey den Dänischen Staatskaleuder, und

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Sie werden über die grosse Anzahl von Rächen und Charaktern erstaunen, alle Königliche Bediente sind charakterisiret, den Visiteur mit eingeschloffen; zugleich aber werden sic sehen, daß selten einer das Amt verwaltet was sein Charakter erfodert, oder daß der Titel zum Amte paßt. Es ist hier so zur Mode gewor- den, daß man von einem vernünftigen Manne vielleicht eben so wie in Frankreich urtheilen würde, daß er keinen Menschenverstand hatte, wenn er nicht charakterisirt wäre. Hier fällt das Sprichwort weg: Wem Gott ein Amt giebt, den giebt er auch Verstand. Hier braucht es nur einen Titel. Ehedem war die Absicht dieser Titel eine Belohnung verdienter Männer, die sich im Dienste des Königes her- vorgethau, oder durch Gelehrsamkeit und Wissenschaften sich ein Ansehen erworben hatten, und sie dienten zur Aufmunterung und Nacheiserung. Iho braucht man weiter nichts als Geld, dadurch kan man alle Titel und Ehren-

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Zeichen erlangen. Alle Aufmunterung und Reih fällt weg, wenn sich würdige Leute, die den Staat wahre Dienste geleistet, mit denen in eine Classe gesetzt finden, die nichts gethan haben, auch nie vermögend dazu gewesen sind, und kein ander Verdienst haben, als daß sie ihren Titel bezahlet.

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Eilfter Brief.

An den Hrn. N.

Sie können Sich nicht vorstellen, liebster Freund! wie veränderlich die hiesigen Frauenzimmer sind. Ich glaube sie thun es darinnen allen andern Nationen zuvor. Vor einigen Jahren waren sie alle, wie man mir gesagt hat, Französisch in ihren Kleidern, und vielleicht auch in ihren Sitten; voriges Jahr Türkisch; izr aber sind sie ganz Englisch von Kopf zu Fuß, und kaum von Mannspersonen zu unterscheiden, alle in langen englischen sogenannten fraken, ja gar in Stiefeln und

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65 Sporen, und reiten die wildesten Hengste, Troz dem besten Stallmeister; und ich denke, ehe noch ein Jahr hingeht, sitzen alle Damen zu Pferde und gehen in vollem Mannshabit. Ist das nicht ein Eingriss in unsre Rechte? Aber sind wir auch nicht selber Schuld daran? Es ist wahr, eine solche weibliche Reuteren müßte fürchterliche Eroberungen machen, denn wer würde ihr widerstehen können. Ein Bauer, der seine hochgebietende Frau neulich zu Pferde erblickte, rief voller Entzücken aus: Ey so eine gnädige Frau haben wir noch nie gehabt, die uns ihre schönen Schenkel öffentlich hätte sehen lassen. Wer weis was dergleichen Unternehmungen im Schilde führen? Ob es vielleicht nicht gar auf die Bezwingung und Beherrschung der Mannspersonen angesehen ist, die nach gerade so weibisch und weichlich zu werden anfangen, daß man bald nicht mehr wissen wird wer Hert oder Frau ist. Sie erinnern sich wol gewisser Vorstellungen aus der verkehrten Welt die wir einmal sahen. Ich weis nicht ob die alten Amazonen furchtbarer

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gewesen seyn mögen als die neuern auf ihren Springern, mit denen sie galloppiren, traver- siren, tummeln, Courbetten machen wie der beste Cüraßier, mit Karakol, Karriere, Manege herum werfen, und sich nächstens, wie ich hoffe, auch einen Stutzbart zulegen werden. Ich würde den Dänen nichts anders als eine niedrige Sklaverey prophezeyen, wenn sie sich diesen Amazonen, die so veränderlich von Ge- müthsart sind, unterwürfen, und sich von ihnen regieren liessen; Heyl ihnen, daß selbige keinen Einfluß in Staatsgeschäfte haben, was würde dieses nicht für häufige und lustige Veränderungen geben. Ich kenne bereits einige Privathäuser, wo sie die Herrschaft schon an sich gerissen. Sie sollen indessen nicht glauben, wie holdselig, wie sanft, wie unschuldig diese Geschöpfe ausserhalb ihres Gebietes aussehen; da sind sie zärter als die Lämmer, sie erschrecken wol gar über das Geschrey ihres kleinen Schoßhündchens, und fahren bey den geringsten rauhen Ton zusammen der ihre Ohren erreicht; sie können kein Huhn schlachten setzen; Aber laßt

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sie wieder zu Hause kommen, so seht ihr eine ganz andre Scene. Ach! - die verdamte Köchin, das Teufelsmensch hat das Essen noch nicht fertig, man möchte sich todt ärgern; hängen sollte man das Rabenaas - Peter! Heinrich! Holla! wo sind die Schlüngels alle? Könnt ihr Schurken nicht aufpassen? Wozu seyd ihr doch in der Welt Gottes nütze? Verdient ihr nicht gepeitscht zu werden? - Ach meine liebe Frau! ärgere dich doch nicht so. - Was Mann - du Mann willst auch deine Frau noch umbringen helfen? - Geh auf deine Studierstube und bekümmere dich um Nichts. Zum Henker! daß du dein Maul nicht halten kanst? daß dich das Wetter! wenn die Männer doch nicht mittsprechen wollten, da sie nichts von verstehen! Geh alter Nart, und komm mir nicht wieder vor die Augen - Still, wer klopft? Himmel! es ist der junge Baron von B. Ihre gehorsame Dienerin! mein lieber Herr Baron. Ich freue mich sehr Sie zu setzen. Sie bleiben doch heute Abend bey mir und nehmen vorlieb; darf ich nicht hoffen?

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68 Sie jungen losen Herren muß man wol vesthalten, wenn mau Sie kriegen kan. Wie schalkhaft Sie nicht aussehen! Ich wette, Sie denken an die schöne P. die gestern in der Oper sang. Seyn Sie doch so gütig und erzählen Sie mir etwas von Ihren gestrigen Vergnügen, Sie wissen wie viel Antheil ich daran nehme.

Noch ein Wort von den Frauenzimmern der niedern Classe. Diese sind so zart, daß sie beständig frieren, Winter und Sommer; sie gehen auch diesfalls in den Heissesten SommerTagen in grossen Pelzen von Rauchwerk.

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69 Zwölfter Brief.

Liebster Bruder!

Ich habe Dir neulich etwas von dem Zu- stand der Dänischen Gelehrsamkeit gesaget. Weil ich itzt mit einigen Gelehrten Umgang erhalten, und mich etwas mehr umgesehen, bin ich vielleicht besser im Stande Dir genauere Nachrichten zu geben. Obgleich die Dänen noch lange nicht die Stuffe der Kenntnisse erreicht haben, auf der wir ihre Nachbarn die Deutschen und Schweden sehen; so muß man doch auch zu gleicher Zeit gestehen, daß sie viel weiter gekommen sind als sie vor 20 oder 30 Jahren waren. Kein Professor der Theologie lehrt heut zu Tage mehr wie vormals, daß ausser der Lutherischen Kirche keine Seligkeit zu hoffen; man erklärt keinen mehr für

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Socinianer, der eine oder die andere Beweis- thümer für die Gottheit Christi nicht erkennen will, und man weiß nunmehr, daß ein Candidat doch auch ohne schwarze Kleider und ohne eine grosse Peruque theologisch denken kan. Aber freylich geht diese Verbesserung noch im- mer mit langsamen Schritten fort; der menschliche Geist reißt sich nur nach und nach von den Fesseln los, die Alter und Gewohnheit ihn angeleget. Sie haben unterdessen itzt Dichter, Geschichtschreiber und Philosophen, die ihnen Ehre machen, ein Ewald, Guldberg, Baden, Suhm, Lüxdorph, hielmstierne, und andere, sogar einige gelehrte Frauenzimmer, eine Andersen, Biehl, Beck, verdienen hier genannt zu werden. Es fehlt auch nicht an jungen Gelehrten, die einst in ihrem Vaterlande sich hervorrhun werden. Als sonderbar ist es mir vorgekommen, daß Holbergs Comödien sich noch immer mit dem größten Beyfall auf den hiesigen Theater erhalten. Ein sicherer Beweis, daß dieser grosse Mann bey allen seinen Fehlern dennoch die Natur treulich kopirt.

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71 Ich wurde neulich mit einen jungen Dänen so vertraut, daß er mir endlich gestand, daß sie den Ausländern und vorzüglich den Deutschen das meiste zur Aufklärung der Wissenschaften zu danken hätten. Ein Geständniß, das sie sonst sehr ungerne ablegen, so wahr es immer seyn mag; er rühmte mir besonders einen deutschen Professor, der unermüdet schon lange zur Ausbreitung der Wissenschaften sehr vieles beygetragen. Es ist in der That merkwürdig, daß drey der größten dichter und eben so viele Redner Deutschlands sich hier aufhalten, die man aber in dem kleinsten deutschen Orte besser kennt und schätzt, als hier in der Hauptstadt. Ich erkundigte mich vor einiger Zeit in einer Gesellschaft nach einen dieser Männer, aber man wußte gar ihren Namen nicht, endlich gerieth ich an einen der ihn kannte, aber er wußte mir auch weiter nichts von ihm zu sagen. Der gute Geschmack ist ein Ding, das vielen seltsam und lächerlich, noch mehreren gänzlich unbekannt ist, und nur noch den kleinsten Theil der Nation bisher zu Theil gewor

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72 den. Lesen ist die geringste Beschäftigung des Kopenhagener Publicums. Ein grosser Fehler ist es, daß die einzige Universität Dännemarks in der Hauptstadt desselben angelegt ist, denn der Hof verdunkelt alles; die Studenten sind nicht genug geachtet, wenn sie nicht Aufwand in Kleidern oder ähnlichen Dingen machen; sie hängen zu sehr von den Professoren ab, und haben daher fast alle ein gewisses schüchternes und blödes Wesen, das der freye deutsche Student nicht kennet, der seinen stolzen Geist nicht Niederbeugen läßt. 6) Wer Student werden

6) Man könte die Frage auswerfen, warum in Norwegen, als einen der größten Theile des Dänischen Staatskörpers, keine einzige Universität wäre? Ich weis sie zwar nicht zu, beantworten, die Normänner aber werden wol die Ursache besser anzugeben wissen; inzwischen glaube ich die wahrscheinlichste Ursache ist wol, daß man noch nicht Zeit gehabt hat daran zu denken, Norwegen so zu cultiviren wie man sollte; Freylich würde sich, eine Nation, welche so ein vorzügliches Genie für vielen andern Nationen hat, mehr auf Wissenschaften legen, wenn eine Akademie da wäre, als @-

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will, muß unter andern gewisse Bücher auswendig gelernt haben, und sie hersagen können, und zum Unglück sind diese Bücher noch herzlich schlecht. Es müssen auch täglich fast Disputationen unter ihnen gehalten werde, nur Schade, daß auch hier ein so tröstliches Buch zu Grunde gelegt ist, als der Baumeister oder Brochmann. Die Anzahl der Studenten soll auch von Jahren zu Jahren abnehmen, so daß mir ein Professor versicherte, wenn es noch 10 Jahre so fortgienge, würde es an Leute zur Vesezung der Armier fehlen. Diese Erschei-

es iho geschiehet. Viele Eltern scheuen die Entfernung und die Kosten, ihre Kinder nach der Hauptstadt in Dannemark zu senden; es giebt in einer Residenzstadt allzu viele Lustbarkeiten und Zerstreuungen, woran junge Leute ohne Aufsicht Gelegenheit haben antheil zu nehmen; die Lebensart ist natürlich kostbarer als anderer Orten, und das Geld so zum Studieren bestimmt war, geht öfters dadurch auf, indem man die maskeraden, bälle, Opern, Comedien, Spielhäuser, & c. besucht, davon der Herr Sohn am Ende ganz gelehrt, krank, und mit Schulden überhäuft, zu Hause kömmt.

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74 nung ist in der That bey den Fortgang der Wissenschaften sonderbar; man will ein gleiches auch bey der Besuchung deutscher Universitäten bemerkt haben, und es verdiente dies wol noch eine eigene Untersuchung. Auf der hiesigen Universitäts-Bibliothek suchet man verschiedene wichtige Werke vergebens, die sehr zahlreiche Königliche aber steht so viel ich erfahren konte, nicht jedermann offen.

Ich komme eben aus einer Gesellschaft, wozu ich von dem Kaufmann, der meine Wechsel bezahlte, eingeladen war; ich erstaunte anfänglich wie ich hinein trat, denn ich glaubte ich wäre unter die vornehmsten Ministres gerathen, so reich und prächtig war alles um mich herum gekleidet, allein ich erfuhr bald, daß es Kaufleute und Unterbediente wären. Ich hatte nur ein simples Reisekleid ohne Besetzung an, man empfing mich ziemlich frostig und steif, überhäufte mich mit Fragen, die meine Reise betrafen, und wunderte sich daß ich glaubte es wäre anderswo noch besser als hier; die Liebe

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zum Vaterlande riß mich hin, mein Herz floß von Lobsprüchen und heissen Wünschen über, ohne zu bemerken daß man mir den Rücken zugekehrt hatte. Ich schämte mich und gieng davon. - Nichts ist ausschweifender als die Kleiderpracht, welche hier herrscht; die vornehmste Dame des Königreichs ist kaum von der gemeinen Bürgersfrau zu unterscheiden, so übertrieben ist hier der Putz. Es ist dies im strengsten Verstände wahr. Du kennst unser Sprichwort: Man empfängt den Mann nach dem Kleide, und begleitet ihn nach dem Verstände; Allein hier scheint es seine Kraft verlohren zu haben. Sollte nicht hier eine Kleiderordnung sehr nothwendig seyn, um jeden Stand gehörig zu unterscheiden, den Luxus einzuschränken? Mich wundert, daß noch so wenig Fürsten an eine so heilsame und in mehr als einer Absicht nützliche Sache mit Ernst gedacht.

Du verlangst, mein lieber Bruder, ich soll dir den Charakter der Dänen schildern. In der That ein schweres Unternehmen! Wie?

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76 wenn sie nun keinen hatten? In einer Hauptstadt zumal ist eine solche Mischung von Leuten allerley Nationen; man zeigt sich so selten in seiner wahren Gestalt, man muß sich in so mancherley Formen hineinschmiegen, daß wenn ein Volk auch noch einen Nationalcharakter Hat, er doch darüber verkehren geht. Ich, der ich die Natur allenthalben studire, und, wie Du weißt, in manchen Dingen so meine eigene Meynung habe, auch mich deswegen zwey ganzer Monate lang auf dem Lande in Dörfern und Flecken aufgehalten, glaube bemerkt zu haben, daß es eine sehr schwere Sache ist, den Nationalgeist der Dänen recht zu charakterisi- ren. Einige behaupten, er habe viel Aehnliches mit der Lnft und dem Clima dieses Landes, welches dick, feucht, neblieht, kalt und veränderlich sey. Sie sagen, die Nahrungsmit-

tel und die Regierungsform bestimmen ebenfalls sehr ein Volk, ob es frey und kühn, oder furchtsam und sklavisch sey. Ich wage hier nichts zu entscheiden. In Ansehung der Ausländer ist die Nation in einen seltsamen Widerspruch

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mit sich selbst. Sie ist mistrauisch und übelgesinnt gegen alle Fremde, unterwirft sich selten oder nie ihren Aussprüchen und Einsichten, glaubt es gemeiniglich besser als sie zu wissen, und räumt ihnen ungern einen Vorzug ein, bleibet immer bey ihren Einrichtungen und Gebräuchen, welche sie für die besten hält, und tadelt es wenn einer hierin Veränderungen zu machen wagt, und doch zu gleicher Zeit ist sie so aufs Neue und Fremde erpicht, daß sie ihre eigene Landesprodukten, ihre Waaren, ihre Künstler nichts achtet, selbst ihre eigene Sprache vernachläßiget, und dafür eine fremde mit grosser Mühe erlernet, die geringsten Kleinigkeiten mit grossen Kosten von Ausländern erhandelt, und dieselben zu grossen neuen und wichtigen Unternehmungen fast immer braucht. Ich kan mir dieses Rätzel nicht auflösen. - Noch eins muß ich Dir sagen, das mir aber sehr unangenehm ist. Unser grosser Peter der Erste steht hier in einem sehr übeln Andenken; Man giebt ihm Schuld, er habe eine Verrätherey an Dännemark begehen wollen, und Hel-

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singör und Kronenburg heimlich erobern wollen, zu dem Ende auch seine Flotte schon im Sunde kreutzen lassen; allein durch die Wachsamkeit der Dänen sey der ganze Anschlag vereitelt. Ein harter Vorwurf wenn er wahr ist! - Doch itzt steht Dännemark mit uns in dem freundschaftlichsten Vernehmen, das beruhiget und freuet mich. Ich erwarte bald von Dir Antwort. Lebe wohl bis dahin.