? An Den Verfasser des Briefes über die Anmerkungen.

An

Den

Verfasser des Briefes

über

die

Anmerkungen.

Gedrukt im Jahr 1771.

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Mein Herr!

Ich habe Ihren Brief über die Anmerkungen durchgelesen; Wie ich zur 10ten Seite kam, und den Satz in Ansehung des Extra-Schatzes durchlaß, fiel mir ein: Lieber GOtt! Dieser gute Mann denket auch wie alle andre nothwendig denken müssen, die unser Handlungs-System nicht recht kennen, weil Er fraget: Warum Bergen den Extra-Schatz nicht eben

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sowohl entrichten kann, wie die kleinere Städte, die weder Handel noch Schiffart haben?

Es ist wahr, mein Herr, alle die unsere Handlung sehen, und vielleicht auch aus den Zollbüdern unsern Export und Import wissen, können nicht anders urtheilen, als Sie, daß wo Arbeit und Handel ist, da muß auch Nahrung u. Gewinn seyn.

Wollen Sie die wahre Beschaffenheit unseres Handels wissen, und woher es kommt, daß es vielen beschwerlich wird Den Extra-Schatz für

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über die Anmerkungen. 5

so viele Armen zu bezahlen, so will ich Ihnen nun einige wenige Poste anführen, woraus Sie den Gewinn von einer ganzen Tonne GoldesWaaren, und so auch das übrige selbst abnehmen können.

Gott hat dieses Jahr Nordsiord u. Syndmör mit einer ziemlich guten Fischerey gesegnet, und jetzo ist der mehreste Theil dieser Waare (nemlich Rothscheer und Tran) schon eingeführet. Für den Syndmörs Rothscheer ist durchgängig 1 Rthlr. 8 ß. pr. Waage, u. für den Tran 9 Rthlr. pr. Tonne an den Bauren bezahlt

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worden; rechnen Sie nun Die Unkosten, den der Bauer nach alter Gewohnheit, noch als eine Zugift bekommt, und das Arbeits Lohn, so kommt den Bürger jede Wage auf 1 Rthlr. 10 ß. zu stehen. (Ich sage nichts von dem Untergewicht,) den da alle Balancen und Gewichte so accurat sind, daß darauf kein Loth übrig ist, und der Bauer für das Abhauen der Schweifen und Racken kein gut Gewicht rabattiret, so wird daran nothwendig am Gewicht verlohren.) Ich sage nur 1 Rthlr. 10 ß. und wen ich 1 Rthlr. 12 ß. rechnete, so mögte ich villeicht, weil die Victualien zu

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Unterhaltung der Arbeits Leuten so theuer sind, noch eher zu wenig als zu viel angegeben haben. Die Tonne Tran ist wie gesagt, den Bauren mit 9 Rthlr. bezahlt worden. Ich rechne Binder-Lohn und Bände zu 8 ß., Wraker-Lohn z ß., MeklerCourtage 4 ein halb ß., Arbeits Lohn ein halb ß., zusammen 9 Rth. 1 mk. welche uns die Tonne Tran im Einkauf gekostet hat. Zu diesem Preiß, mein Herr, sind vielleicht 4 à 5000 Tonnen eingekauft, und für eben die-sen Preiß ist der mehreste Theil bereits verkauft. Wie viel Gewinn kann nun bey einem Umsatz von 30

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bis 40000 Rthlr. überschiesen um den Extra-Schatz für die Armen zu bezahlen? Rechnen Sie selbst nach.

Für den Rothscheer müssen wir nach obiger Berechnung 1 Rth. 10 ß. bezahlen, und niemand kann den selben Preiß wieder bekommen; ja er soll wirklich schon für 1 Rthl. 8 ß. verkauft worden seyn und GOtt weiß, ob es einst auf 4 ß. fällt.

Für diese Waaren muß der Bürger noch oben im Kauf Banco-Settels nehmen, und darauf wiel der Bauer sie nicht in Bezahlung an-

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nimt, 2 pr Cto. verliehren, und noch darzu große Mühe haben, sie gegen diesen Agio loß zu werden.

Von 50 biß 60000 Wage dieser Fische, welche von Den vorgemeldten Orten eingeführet worden, sind nicht 10000 zu 1 Rthlr. 12 ß. verkauft, folglich ist der Rest von 40 biß 50000 Wagen der Gefahr ausgesetzt, für 1 Rthlr, 10 ß., 8 ß. auch wohl gar 4 ß. verkauft zu werden. Dieses ist ein Haupt-Handel

in unsere Stadt, mein Herr, und das Capital dazu, beträgt dieses Jahr gantz gewiß über 100000 Rt.

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Wenn nun darauf nur 8 biß 9 pr Cto gewonnen worden wären, so würde dieser Gewinn alleine hinreichend seyn den Extra-Schatz für die gantze Stadt zu bezahlen, da nun im Gegentheil so beträchtlicher Verlust dabey ist. - - - -

Ja werden Sie sprechen, dieses ist eine Handels Conjunctur, man kann nicht allemal gewinnen; Das ist auch wahr. Gaben aber unsere Kaufleute nicht verwichenes Jahr denen Bauren 8 Mrk, für die Wage Rothscheer, ohne die angeführten Umkosten zu rechnen? Ist

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nicht allen Handels-Leuten bekannt? das der Preiß im Verkauf verwichenes Jahr nicht über 8 Mrk. stieg, und wurde nicht ein ziemliches Qvantum für 7 Mrk. 12 ß. verkauft? Gab man verwichenes Jahr denen Bauren nicht 9 â 9 ein halb Mrk. pr. Wage Längen? Kann man dieselben Längen nicht dieses Jahr für 7 â 7 ein halb Mrk. kaufen, und sind nicht welche wirklich schon für Ein Rthlr. verkauft?

Wenn Sw Ihr Hr. Patron in C. nach diesem wieder fraget, woher es kommt, daß der Extra-Schatz

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für die Armen denen Bürgern zu bezahlen schwer wird, und das in solcher Menge, so geben Sie Ihm dieses angeführte zur Antwort.

Wollen Sie es aber nicht glauben, so nehmen Sie Sich die Mühe, und erkundigen Sich in der Stadt darnach, Sie werden vermuthlich Bürger finden, welche es Ihnen mit ihren Büchern beweisen können.

Sie müssen Sich ader bey denen mitlern Bürgern befragen, welche mit diesem Handel zu thun ha-

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ben, und den dieser Gelegenheit werden Sie erfahren/ daß es mit dem übrigen, und sonderlich dem Krahm-Handel nicht besser bestellet ist. Ich bin

Ihr

Freund

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