? Zwey Briefe an den Verfasser des Klage-Briefes der Stad Bergen, an Sr. Majestet den König.

Zwey Briefe An

den Verfasser

des

Klage-Briefes

der Stad Bergen,

An

Sr. Majestet den König.

Gedrukt im Jahre 1771.

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Mein Herr! Ich habe ihren Klage-Brief gelesen, und denselben auf alle weile kläglich ge- funden. Ein großer Theil ihrer hiesigen Leser hält sie für Boßhaft, ein anderer glaubt, daß sie sich aus belondern Absichten an gewissen Versohnen haben rächen wollen, nur allein die Liebhaber der Spinnstuben und Fabel-Historien halten es mit Ihnen und beklagen nur, daß dieses schöne Werk nicht in Versen verfaßet ist. Ich hege Mitleiden mit Ihnen, daß sie sich durch ihre niedrige Eigenliebe so weit haben verblenden laßen, die Welt mit einem so lügenhaften Gewäsch zu belästigen, und sich die Ungeheure Einbildung zu machen, unsere weise Regierung werde gleich alles für Wahrheiten annehnem, und ihre Verfügungen nach ihrem unzeitigen Project einrichten, so bald sie nur ihre Gedanken durch den Druk bekannt gemacht. Es wäre daher treylich nicht nöthig etwas über ihren Klagebrief zu schreiben; weil

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4 Erster Brief.

sie aber doch dabey das beste der Stadt Bergen zum Grunde gehabt haben wollen, und ich derselben gewiß eben so gut will, als wie sie, ob ich gleich ein Teutscher Einwohner derselben bin; so will ich ihren Brief ein wenig durchgehen, und Ihnen zeigen was sie für eine Mißgeburth zur Welt gebracht haben.

Bergen sagen sie, hat wegen seiner Waaren und wegen seiner Lage einen beträchtlichen Handel, ja den Vorzug für allen andern Handels Plätzen in Sr. Mayst. Landen; aber die vielen Feuersbrünste, und besonders die letzte von 2ten April, welche die Teutsche Soldaten, wo nicht selbst angeleget, doch durch ihren guten Rath verursachet haben, ruiniren sie gantz; deßwegen muß, um dieses Ubel zu hemmen, die fremde Guarnison weg und der Extra-Schatz aufhören. Dieses ist ihr Satz: nun kommt der Beweist. Vorigen Winter kommt eine Frau mit ihrem Sohn, zu ihrem Mauermeister und bietet ihm seine Dienste an, dieser antwortet, ich habe keine Arbeit für diejenigen Leute, die ich schon habe, wie soll ich andern welche verschaffen können. Die Frau spricht dem Maurer prophetischen Trost ein, und versichert ihn, daß er, eye Ostern kommt, Arbeit genug kriegen soll. Ostern kommt, den zweiten Tag darauf verhänget Gott das Uns-

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Erster Breif. 5

glük über die Stadt, daß ein gewiß schöner Theil derselben, wo vermögende und reiche Leute wohnten, im Feuer aufgehet. Das Feuer kommt entweder bey dem Maurer oder dichte bey auf. Der Maurer ist ein Teutscher, er hat seine Meubles in seinen Keller verwahret, er hat mit Teutschen Soldaten Umgang gehabt, diese gehen mit dem Pöbel um, der größten theils aus Deutschen bestehet, die ihren Urspung von der Hansee-Städte zeiten her haben, folglich ist der Maurer mit allen seinen Teutschen Landsleuten der Mordbrennerey schuldig, und deswegen muß die fremde Guarnison weg. Mich wundert, (in Parenthesi gesagt,) daß sie nicht auch gebeten, daß der König die Gnade haben, und ihnen Zugefallen, auch uns andere Teutsche aus der Stad verweisen möchte. Denn sie sind gewiß ein Feind von allem was Teutsch ist. Weil ferner die Abgebrannten ihren Extra Schatz selbst nicht bezahlen können; so können sie noch viel weniger für 100. und mehrere Armen bezahlen. Sie können ferner, als die wohlhabensten Leute, ihren Mitbürgeren nicht mehr unter die Arme greiffen; diese können also auch nicht bezahlen / und mithin wird es zur Nothwendigkeit, daß der Extra-Schatz wenigstens auf einige Jahre aufhören muß. Sehen sie, hier ist ihre gantze Geschichte, voll von Unwahrheiten und Boßheit.

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Erster Brief.

Erlauben sie nun, daß ich Ihnen die Sache auf meine Art erzehle, nemlig so, wie sie ist. Bergen ist ehe sie einen solchen Teutschen Mauren oder eine Teutsche Guarnision hier gehabt, wie sie selbst gestehen, öfters noch viel schwereren Feuers Brünsten unterworfen gewesen, und io viel man weiß, so sind sie wie ge- meinglich alle Feuers-Brünste, jederzeit durch Unvorsichtigkeit und Verwahrlosung entstanden. Dieses geschiehet an andern Orten auch; daß aber das Feuer bey uns geschwinder und heftiger überhand nimmt, als an andern Orten, hat seine natürliche Ursachen. Die meisten pauser sind von Holtz, die noch dazu alle, so genandte Soudächer haben. 2) Sind sie innen und außen viel mit Oel und Theer bestrichen. 3) Sind sie alle zu dichte in einander gebauet, und können deswegen in unseren so genandten Smuegen und Gaarden, die Rettungs Mittel nicht gehörig und mit Nutzen angebracht werden. 4) Contribuiret das Vorurtheil dazu, die Häußer können wegen ihrer Bau-Art nicht so geschwind niedergerissen werden, als das Feuer sich communiciren kann, und folglich muß das Quartier wo Feuer entstehet, ohne Gnade abbrennen. Haben sie mcht selbst bey dem letzten Brand rufen hören, und wohl selbst mit gerufen, hier ist keine Rettung, es brennt bis an die Allmindungen,

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Erster Breif. 7

und ist deswegen bey einen solchen Wahn, natürlicher weise nicht immer jeder mehr darauf bedacht, seine Habseeligkeiten der Gewalt des Feuers zu entreißen, als dasselbe zu dämpfen? Dies ist der vierte Brand in diesem Jahr hundert, in Bergen, und so lange wir nicht anders bauen und unsere schöne Brand-Verordnung besser befolgen, können wir noch immer dergleichen Unglüke gewärtig seyn, ohne Mordbrenner zu haben. Die Vermuthungen welche sie gegen den Maurer beybringen, sind noch lange nicht hinlänglich, daraus herzuleiten, daß er der Mordbrenner sey, und haben sie noch wichtigere aber wahre, so müste man sich ja wundern, daß mann bis dato noch keine andere Maaßregeln genommen hat. Wie sie aus dem Umgang, den dieser Mann mit den teutschen Soldaten, und diese wieder mit andern Teutschen gehabt, herleiten wollen, daß diese ihm den Anschlag gegeben, und also mit ihm Mordbrenner sind, kann kein vernuftiger Mensch begreifen, Sie müsten es denn mit uns teutschen machen wollen, wie die tyrannische heydnische Käyser es mit den Christen machten, welche ihnen alles Unglük was Rom zustieß, zurechneten. Der Pöbel bestehet auch nicht größtentheils aus Teutschen sondern aus Leuten die vom Lande herein kommen, und auf eine oder die andere Art ihren Unterhalt

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8 Erster Brief.

suchen, und unter diesen giebt es zuweilen welche, die durch Glük und Umstände empor kommen, doch bey aller ihrer Höhe das niedrige oder das Pöbelhafte nicht vergessen können. Wenn ich ihren Klage-Brief recht nach lese, so solte ich fast auf die Gedanken kommen, daß diejenigen recht haben, welche Glauben, daß sie einer von dieser Art Leuten sind, und deswegen das Sprichwort, man kennt den Vogel an den Federn, auf sie appliciren wollen. Sie sprechen mit der größten Verachtung von den Teutschen, Mein Herr, und bedenken nicht, daß der allergrößte Theil unserer angesehensten Einwohner, wo nicht teutsch gebohren, doch wenigstens vom Vater oder Groß-Vater, her (weiter hierauf gehet es wohl selten) Teutche sind, und daß es just noch diejenigen sind, welche dem Handel im Stande halten; und glauben sie denn, daß sie sich nicht eben so gut, für rechtschaffene und treue Bürger des Staats halten, als andere? Ich glaube sie können es ohne Ruhmräthigkeit. Sie sprechen eben wie einer, der um seine eigene Laster zu verbergen, sie andern beylegt; Sie bedenken aber die Regul nicht, je Doßhafter einer von andern denkt und spricht, für desto Boßhafter und aller Laster fähiger wird er selbst gehalten, und wenn mann nun, hier nach dieser Regel, glauben wolte, daß sie vielleicht selbst einen

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Erster Brief. 9

Mordbrenner abgeben könnten, würden sie wohl Ursache haben, sich zu beschweren? daß bey dem gemeinen Soldaten zuweilen Unordnungen Vorfallen, kann sie nicht ln Verwunderung setzen, wenn sie andere Garnisons gesehen, und wenn sie bedenken, daß dieses eben so bey dem civilen gemeinen Mann zugehet, daß aber auch die wenigen Versehen, welche bey den Militairen Vorgehen, mit Schärffe gestraft werden, wissen sie und die gantze Stad, den wir haben öffentliche Proben genung davon. Wie wäre es, min Herr, wenn sie um besser denken, und Moderater-Schreiben zu lernen, sich unter die militairische Zucht begäben? wenn sie anders nicht schon einmahl darunter gewesen und derselben zu frühzeitig entlaufen sind? Sie würden gewiß ihre unbändige Zunge zähmen, und Befehle unsers Souverains respectiren lernen; oder wenn ihnen das nicht anstehet, verdingen sie sich auf einige Zeit auf das Teutsche Contoir, daselbst giebt es auch schöne Mittel boßhafte Leute zur Raison zu bringen.

Die Commission, welche Anno 1765. nach den bekannten Unruhen hier gewesen, kann ihrer Läster-Zunge auch nicht entgehen, sie ist zu gelinde und zu Leutseelig gewesen, sagen sie, und das sind bey ihnen fehler. Was hat

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ihnen diese wohl zu leide gethan? Es war doch kein Leutscher unter den Herrn Commissarien: Ich glaube fast, daß sie böße auf diese Commission wurden, entweder, weil sie durch Abschaffung einiger Mißbräuche an ihren privat Interesse Schaden gelitten, oder weil sie vielleicht nicht mit in ihre Gesellschaften gezogen worden. Folgen sie meinen Rath, wenn sie nicht besser von Dingen unterrichtet sind, so schweigen sie lieber stille: alles tadeln wollen, ist das erste Kennzeichen eines boßhaften Hertzens. Lassen sie sich nicht zu sehr von einem republikanischen Geist betäuben, der in Amsterdam, aber nicht in Bergen, zu Hause gehöret. Er schickt sich nicht für unsere glükliche Regierung. Überlaßen sie die Sorge zu verbeßern, unserm Monarchen, Er wird es schon gut machen. Wissen sie etwas gründliches zum besten des Landes und unserer Stadt, so bringen sie es bescheidentlich vor; Schreiben sie aber ihre Lebetage keinen solchen Klagebrief mehr, und nehmen sie, wenn sie boßbastig seyn wollen, doch nicht den Nahmen der gantzen Stadt zum Deckmantel. Mit nächsten sprechen wir weiter zusammen. Ich

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Mein Herr,

Der letzte Brand-Schade ist bey nahe eben so groß als der von 1756, und also bey nahe auf 8 Tonnen Goldes zu rechnen, sagen sie in ihren KlageBrief, denn die besten und reichesten Kaufleute sind abgebrennt. Mein Gott! lernen sie doch besser rechnen, und machen sie doch den übrigen größten Theil der Einwohner nicht zu Bettlern. Sind dem nicht noch mehr reiche und wohlhabende Leute? Ich könnte sie ihnen nennen. Haben den die abgebrennten mit ihren Häußern und Pakbuden auch ihr gantzes Vermögen verlohren? Sind nicht die meisten noch im Stande ihren Handel oder Gewerbe fortzutreiben, und thun sie es nicht schon? Und glauben sie denn, daß sie diesen Leuten selbst und der gantzen Stadt einen Befallen damit erzeigen, wenn sie den Schaden so unmäßig hoch schätzen? ohnmöglich; sie geben dem Ausländer Gelegenheit mißtrauisch zu werden, denn was muß dieser denken, wenn sie unserer Stadt so gleich den gäntzlichen Untergang drohen. Sind sie vielleicht einer welcher andern ihren Credit zu nehmen, und hernach davon zu pro-

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Andrer Brief.

fitiren gedenket, es sichet ihren sonstigen Anschlägen nicht ungleich, und abgebrannt sind sie auch wohl nicht, denn sie würden sonst noch viel erbärmlicher geschrien haben.

Die Gebäude sind bekanntlich auf 97 tausend Thaler taxiret; Sie wissen, daß man in der Jahres Zeit wenig oder gar nichts von Waaren auf den Pakbuden hat, und daß man, wenn auch ein Vorath auf einigen Vorhanden gewesen ist, für 200000 Rthl. einen guten Theil dieser Waaren kaufen kann. Es kann ihnen ferner nicht unbekannt seyn, daß entweder die meisten oder doch ein ziemlicher Theil ihre Effecten, biß auf Fenstern und Thüren in behalt haben, und daß von 2 Kellern die Eingefallen, das meiste gerettet worden; rechnen sie nun ferne das unter den abgebrannten, acht reiche, 20 wohlhabende, und der Rest solche Leute sind, die ihren täglichen Lebens Unterhalt gehabt haben, und daß man von den wenigsten derselben sagen kann, sie haben alles verlohren. Wollen sie nun wohl noch 8 Tonnen Goldes heraus kriegen. Anno 1756. ist die gantze Strand-Strasse, und die Häußer viele reicher und wohlhabender Leute, die diesmahl stehen geblieben, kurtz die helfte der Stad abgebrennt, und dies war im Juli Monath, wo nach der Beschaffenheit unseres Handels, Häußer und

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Buden voll Waaren sind, und der Schade belieff sich uns 12 Tonnen Goldes, nun brennen 106 Häußer im April ab, wo wenig auf den meisten Buden liegt und der Schade soll beynahe eben so groß seyn. Schämen sie sich nicht, sich mit solchen Lügen hervor zu wagen. Es helft die Majestät beleydigen, sich mit solchen Unwahrheiten dem Thron zu nähern. Setzen sie den Schaden auf 3 Tonnen Goldes, dies har Reimlichkeit. Der Schade ist groß genug für diejenigen, welche das Unglück getroffen hat, er ist auch beträchtlich für das Algemeine der Stadt, weil dadurch dieses Capital aus der Circulation gekommen, er ist aber so be- trächtlich nicht, daß der gäntzliche Ruin der Stadt davon abhängt. Eine gesegnete Fischerey kann ihn wieder ersetzen. Wenn nun der Schade, wie sie sehen nicht so groß ist, als sie ihn machen, wie können sie den verlangen, daß der König der Stad den Extra-Schatz erlaßen, und Bergen für allen andern Städten besonders begnadigen soll. Lassen sie uns nicht seyn wie der Pharisæer und uns für besser halten als alle andere, wie reimet sich dieses Unvermögen mit unserm Handel, oder wenigstens mit der Gelegenheit, die wir von der Natur haben, zu einem florisanten Handel? sie sind also nicht auf dem rechten Wege, wollen sie Bergen helfen, wollen sie ihren Handel und

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Schiffarth in Flor bringen, so müssen sie andere Projecte machen, und dazu well ich ihnen nun einige Anleitung geben.

Sie haben sich in ihrem Klage-Brief für einen Patrioten ausgegeben. Ich glaube aber nicht, daß sie wissen was ein Patriot ist sondern daß sie das Wort nur so auf gerathe wohl gebraucht haben, wie mancher zuweilen ein fremdes Wort braucht, ohne zu wissen, was cs heist. Wenn sie indessen doch im Ernst patriotisch werden wollen, (denn noch sind sie nichts weniger als dieses;) so folgen sie meinen Rath, den ich Ihnen nun geben will. Machen sie ein vernüftiges und wohlgegründetes Project, wie die Kinder-Zucht und Unterrichtung in göttlichen und menschlichen Pflichten kann verbessert, wie eine gewisse Ordnung im Handels Wesen vest gestellet, und wie eine geschwindere und weniger weitläuftige Verwaltung der Justitz bewirket werden könne.

Dies sind die wahren Wege zur Aufnahme von Bergen. Unsere Einwohner werden gesitteter werden, sie werden lernen, daß mann niemahls ein guter Bürger des Staats seyn könne, wenn mann nicht weis, das allgemeine Beste dem privaten vorzuzichen; Ordnung im Handel, wird jeden in den Stand setzen, daß er bey seinen Handel gewisse Maaß- regeln nehmen kann, und nicht befürchten darf,

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daß ihm jemand seine Nahrung benehme, und an einem ehrlichen Auskommen hindere; Die Streitigkeiten, welche zwischen Mitbürgern entstehen können, werden durch eine gebesserte Justitz-Verwaltuna nicht nur kurtz und ohne viele Kosten gehoben werden können, sondern es wird auch einjeder, wenn er stehet, daß keine Aus» flüchte, und keine Ermüdung der Gegenparlheymehr hilft, von selbst aufhören, sich in ungerecht?, oder un» nöthige, oder auch rachgierige Proceffr einzulassen.

Bitten sie den König, statt unsern Orth von der Garnison zu befreyen, ihn noch mit einem Battaillon zu vermehren. Eine starke Garnison hilft allezeit zum Wohlstand einer Stadt. Ein Regiment verzehrt jähr, lich eine ansehnliche Summa, die in der Stadt bleibet und ausgegeben wird, und folglich zu dem gutem Nah- rungs Stand eines Orthes viel mit beyträget. Je mehr Geld an einem Orthe verzehret wird, je besser ist es für denselben. Ja, aber wo sollen wir mit der schweren Einqvartirung hin? höre ich sie schon schreyen, ich gebe so und so viel, der, so viel. &. c. Ist den die Garnison an und für sich selbst daran Schuld? bleibt denn das Geld nicht in der Stadt? gehet es nicht aus den Händen des einen particulier in die Hände des an- dern, und verlieret also die Stadt im algemeinen dar- unter? gar nichts. Wenn sie die Richtigkeit dieses Satzes nicht begreifen; so müssen sie noch lange kein Projectmacher werden; sie werden wenigstens niemahls ein vernünftiger werden. Das ein Particulier mehr als ein anderer damit kann beschweret werden, ist ge- wiß, daß dependiret aber von der Einrichtung; wenn diese gut ist, und den Umständen unserer Stadt besser angemessen wird, so werden wir von einem gantzen Regiment nicht mehr, und vielleicht noch weniger Be-

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schwerlichkeit haben, als wir bis hieher von der hälft gehabt, und der Nahrungs Stand, besonders des mittlern und geringern Mannes wird sehr gebessert werden.

Ich bin versichert wenn sie ein solches Project ma- chen, und solches das Gluk hat Sr. Majestät Weiß- heit zu gefallen, so werden sie sich aller rechtschaffener Einwohner der Stadt, Dankbarkeit versichert halten können, sie mögen Teutsche oder Eingebohrne seyn, denn glauben sie! nicht der Orth der Geburch, sondern die Erkänntniß der Pflichten gegen seinen Souverain, und gegen seine Mitbürger, und die Ausübung derselben, bilden den wahren Patrioten. Ich bin ein Teutscher und ein Einwohner der Stadt, und ich versichere sie, daß wenn einer meiner Landes Leute, den eingebohrnen Theil unserer Einwohner nur den 10ten Theil so unverschämt und lügenhaft in einer öffentlichen Schrift angegriffen, oder allgemein so gelogen hätte; ich der erste gewesen seyn würde, mich darüber aufzuhalten. Ja ich würde selbst schon längst ein solch Project oder Plan gemacht haben, wenn ich mich tüchtig dazu fände. So aber überlasse ich es Einsichts vollern Männern, weil ich immer glaube, daß sehr viel dazu gehöret, um ein vernüftiger Projectmacher seyn zu können.

Leben sie wohl, und geben sie sich Mühe, klüger und weniger eingebildet, oder doch wenigstens, weniger boßhaft zu werden.

Geschrieben zu Bergen

im Juni Monath 1771.